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Die Überlebenden

von Deira
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Agron Duro Lucretia Nasir Pietros Spartacus
14.02.2020
03.07.2022
47
117.628
4
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
28.02.2020 2.339
 
Es geht weiter mit dem nächsten Kapitel. Danke an Shaun und grantaire für eure Reviews. Da macht das Schreiben direkt mehr Spaß und ich hoffe, die Geschichte gefällt euch auch weiterhin. Einer der Gladiatoren hat überlebt...

Kapitel 8


Drusus
Drusus blickte auf den reglosen Gladiator, neben dem Alexios in die Hocke gegangen war. Er konnte keinerlei Lebenszeichen erkennen, aber er war auch kein Medicus. Für ihn sah der dunkelhaarige junge Mann eindeutig tot aus.

Eine blutige Wunde befand sich an seinem Bauch, und das Gesicht war leichenblass, aber der Medicus schien zu wissen, was er tat.

„Es wäre ratsam, wenn ich hier Hilfe von einem anderen Medicus bekommen könnte. Die Verletzung ist schwer und ich würde es vorziehen, die Wunde drinnen zu behandeln. Außerdem brauche ich mehr Licht,“ sagte Alexios und in seiner Stimme schwang Dringlichkeit mit.

Drusus nickte und forderte einen der Soldaten auf, nach einem der anderen Heiler zu suchen, während er einigen anderen Männern einen Wink gab, dem Medicus dabei zu helfen, den Verletzten ins Haus zu bringen. Wenn es nach ihm ginge, würde dieser Gefangene am Leben bleiben.

Aber nach seiner Einschätzung war es fraglich, ob dies gelang.

"Tu, was du kannst!", forderte Drusus und der Medicus nickte, aber sein Blick war traurig.

"Ich weiß nicht, ob ich ihm damit einen Gefallen tue," murmelte der Heilkundige und Drusus stimmte dem innerlich zu.

Sollte der Verletzte am Leben bleiben würde er, freiwillig oder unfreiwillig, einige Fragen beantworten, sobald er dazu in der Lage war. Es würde kein Erwachen in einer freundlichen Umgebung sein.
Aber dies hatte er sich nach Drusus Ansicht selber zuzuschreiben.


Pietros

Pietros Situation hatte sich im Laufe des Abends zusehends verschlimmert. Es schien ihm, als seien Jahre vergangen, seitdem er gemeinsam mit Letitia und den beiden jungen Frauen das Abendessen zubereitet hatte.
Seither hatte er einen Gladiatorenaufstand erlebt. Er hatte mit Lucillus einen großväterlichen Freund verloren und das das Leben eines anderen Menschen selbst beendet. Jetzt befand er sich in der Gewalt der Römer und würde wahrscheinlich einer der ersten sein, die für den Aufstand den Preis bezahlten.

„Beweg dich,“ befahl einer der Soldaten und gab ihm einen leichten Stoß.

Pietros würde den Weg bis zum Hauptquartier der Stadtwache gehen müssen, während ein weiterer, bewusstloser Gefangener, anscheinend einer der Gladiatoren, von vier Soldaten auf einer provisorisch zusammen gebauten Trage getragen wurde. Das gleiche galt für drei verletzte Römer, während ein weiterer Verletzter, der einen Arm in einer Schlinge trug, in der Lage war, auf einem Pferd zu reiten.

Hin und wieder sah ein Medicus nach dem Gefangenen und den anderen Verletzten. Natürlich ritten die meisten der Soldaten auf ihren Pferden.

Lucretia und Ashur, der es anscheinend irgendwie geschafft hatte, davon zu kommen, wurden in einem Wagen, der von Pferden gezogen wurde, transportiert. Sie hielten ein wenig Abstand zu den anderen. Anscheinend wollte man Lucretia ein wenig Ruhe gönnen.

Dennoch waren sowohl Pietros als auch die anderen Überlebenden von genügend Soldaten umgeben. Anscheinend befürchtete man, dass sich einige der Entflohenen noch in der Nähe befanden und man wollte dem nicht hilflos gegenüberstehen.

Die Verletzten, allen voran Lucretia, wollte Hauptmann Drusus beschützen. Gleichzeitig sollten, was Pietros und den anderen Gefangenen betraf, Befreiungsversuche verhindert werden.

Der römische Soldat, der neben ihm ritt, hatte bereits angekündigt, dass er beiden Gefangenen bei einem Befreiungsversuch höchstpersönlich die Kehlen durchschneiden würde.

Pietros dachte bei sich, dass der Soldat, sein Name war Aurelius, wie er zwischenzeitlich erfahren hatte, wohl nicht dazu kommen würde, seine Drohung in die Tat umzusetzen. Wer würde sich schon die Mühe machen, ausgerechnet ihn zu befreien, zumal niemand wusste, in welcher Lage er sich befand? Für den anderen Gefangenen traf wahrscheinlich dasselbe zu.

Selbst diejenigen, die sich vielleicht um ihn sorgten, Letitia, Damaris und Iras, würden im allgemeinen Durcheinander wahrscheinlich nicht bemerken, dass er fehlte, oder davon ausgehen, dass er sich irgendwo unter den anderen Geflohenen befand.

Wenn sie sein Fehlen bemerkten würde dies auch keinen Unterschied machen. Bestimmt würde keiner der Gladiatoren seine Freiheit und sein Leben riskieren, um ihn zu befreien.

Batiatus`Sklaven würden zusehen, den Abstand zwischen sich und möglichen Verfolgern so schnell wie möglich zu vergrößern und Pietros konnte ihnen nicht einmal einen Vorwurf deswegen machen.

Von dieser Seite konnte Pietros nicht auf Hilfe hoffen. Er stand den Römern allein gegenüber. Er hoffte, dass er sich selber helfen und vielleicht fliehen konnte, aber er wusste nicht wie.

Vielleicht würde sich früher oder später eine Gelegenheit ergeben.


Traurig dachte er daran, dass er nicht gänzlich allein war.

Aber der andere, der sein Schicksal teilte, befand sich in einer weitaus schlimmeren Lage als er und würde vielleicht das Hauptquartier der Stadtwache nicht einmal lebend erreichen.

Pietros hatte versucht, einen Blick auf den anderen unglücklichen Gefangenen zu werfen um herauszufinden, um wen es sich handelte, aber dies war ihm bislang nicht möglich gewesen.

Er hatte inzwischen die unsanfte Bekanntschaft von Aurelius, einem der Soldaten, der bei seiner Verhaftung anwesend gewesen war und der bereits gedroht hatte, ihm die Kehle durchzuschneiden, gemacht.

Der Mann ritt neben ihm und Pietros hatte bereits in der kurzen Zeit gelernt, ihn zu hassen. Der Soldat schien sich einen Spaß daraus zu machen, ihm hin und wieder, wenn er seiner Ansicht nach zu langsam ging, einen Fußtritt in den Rücken zu versetzen.

Er trat nicht so fest zu, dass Pietros zu Boden stürzte, dennoch war es schmerzhaft.

Ashurs Lage war weitaus angenehmer. Wie es schien, stand er unter dem Schutz der Domina.

Lucretia hatte sich ganz offensichtlich für Ashur, nicht aber für ihn eingesetzt. Das war also der Dank dafür, dass er ihr geholfen hatte, als Crixus sie angriff? Aber hatte er tatsächlich so etwas wie Dankbarkeit von ihr erwartet?

Müde stolperte Pietros den Weg entlang und er war froh, dass er sich noch auf den Beinen halten konnte. Seine Hände schmerzten und er hatte großen Durst. Noch dazu war es eine kalte Nacht und im Gegensatz zu den Soldaten, Ashur und Lucretia trug er keinen Mantel oder Umhang.

Er sah, wie der Medicus die Soldaten, die die Verletzten trugen, offenbar bat, anzuhalten, ehe er sich über den verletzten Gladiator beugte und die Wunde in Augenschein nahm. Er schüttelte besorgt den Kopf, während Pietros einen erneuten leichten Tritt in den Rücken erhielt, weil er ebenfalls stehen geblieben war.

Nachdem der Medicus eine Decke über den Verletzten gebreitet hatte warf er noch einen Blick auf die anderen Verwundeten, dann setzte die gesamte Truppe ihren Weg fort.

Der Weg schien endlos lang zu sein und Pietros schleppte sich nur noch mit Mühe voran, als sie das Hauptquartier der Stadtwache, das in einem großen gemauerten Gebäude lag, erreichten.

Aurelius stieg von seinem Pferd und packte Pietros unsanft am Arm, ehe er ihn ins Gebäude zog. Pietros war zu müde, um auf weitere Details zu achten und einmal wäre er fast zu Boden gestürzt.

Aber Aurelius zog ihn grob auf die Füße und machte Pietros deutlich, dass er ihn notfalls hinter sich her schleifen würde, sollte er nicht weitergehen.

Er hörte ein Lachen, als er beinahe stürzte und blickte sich um. Zwei weitere Soldaten folgten ihm und Aurelius.

Sie stiegen eine Treppe hinunter und gingen dann einen langen, von wenigen Fackeln erhellten Gang entlang. Links und rechts befanden sich vereinzelte Zellen und in einigen glaubte Pietros Menschen zu erkennen.

Schließlich öffnete sich eine Gittertür und Pietros wurde unsanft hindurch gestoßen, nachdem Aurelius das Seil an seinen Handgelenken zerschnitten hatte. Als sich die Tür hinter ihm schloss taumelte er in Richtung Wand, wo sich eine Haufen Stroh befand.

Das sollte wahrscheinlich als Bett dienen. Zum Glück befand sich auch ein Krug mit Wasser auf dem Boden neben dem Stroh.

Pietros nahm einen Schluck. Es schmeckte abgestanden, aber es reichte, um den Durst zu löschen.
Pietros setzte sich auf das Stroh und lehnte sich an die Wand. Er schloss die Augen. Er versuchte, die Schmerzen in seinen Händen zu ignorieren. Er wusste, dass er in dieser Gefängniszelle nicht würde schlafen können, auch wenn er noch so erschöpft war.

Er war froh, dass seine Freunde aus der Küche nicht gemeinsam mit ihm in Gefangenschaft geraten waren. Er hoffte, dass sie sich in Sicherheit bringen konnten, auch wenn das bedeutete, dass er sie nie wiedersehen würde.


Drusus
Drusus betrat den Behandlungsraum, der sich direkt neben den Krankenzimmern des Hauptquartiers befand.
Hier wurden für gewöhnlich verletzte Soldaten behandelt, aber jetzt waren drei der heilkundigen Männer mit dem verletzen Galdiator beschäftigt. Die anderen Verletzten wurden in einem anderen Raum versorgt und Drusus hatte sich bereits nach ihrem Wohlergehen erkundigt.

Nun galt seine Aufmerksamkeit dem Gefangenen.

„Ich muss das hier noch reinigen,“ sagte der älteste der Männer, während sein Kollege einen Faden abschnitt. „Das müssen wir noch vernähen.“

Drusus wandte sich an den dritten Medicus, der in diesen Räumen das Sagen hatte. Dieser hielt einen blutigen Verband in den Händen.

„Alexios, wird er es überleben?“, fragte Drusus.

Der Angesprochene schien sich nicht sicher zu sein. „Ich hoffe es. Als wir ihn fanden war ich davon überzeugt, dass er unterwegs sterben würde. Jetzt bin ich ein bisschen zuversichtlicher. Wir konnten die Blutung zum Glück schon im Ludus weitgehend stoppen. Die Stichwunde ist tief und sehr häufig tödlich. Aber wir hoffen, dass die inneren Organe verschont blieben. Sonst wäre er wahrscheinlich bereits tot. Manchmal haben Verletzte Glück. Wir müssen die Nacht und die nächsten Tage abwarten. Der Blutverlust macht mir noch Sorgen, er war nicht so stark wie eigentlich zu befürchten, trotzdem....“

Drusus nickte zufrieden. „Gut. Wann wird er Fragen beantworten können?“

Der Medicus schüttelte missbilligend den Kopf. „Das kann ich noch nicht sagen. Vielleicht niemals. Ich kann ja nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob er überhaupt am Leben bleiben wird. Als ich ihn das erste Mal sah, hielt ich ihn für tot. Seine Kameraden scheinen das auch gedacht zu haben. Sonst hätten sie ihn sicherlich mitgenommen. Oder es war ihnen gleichgültig. Aber verhören kannst du ihn vorerst nicht!“

Drusus seufzte. Also blieb ihm vorerst nur dieser junge Sklave.

Alexios blickte zu seinen Kollegen, die nach wie vor mit dem Verletzten beschäftigt waren. „Erhalten wir sein Leben nur, damit er hinterher gekreuzigt oder am nächsten Baum gehängt wird? Oder welche kreative Hinrichtungsart wird man sich für ihn und den anderen ausdenken?“

Drusus zögerte einen Augenblick. Alexios, ein Römer, in dessen Stammbaum sich aber auch griechische Vorfahren befanden, war ein sehr direkter Mann. Er hatte viele Jahre als Militärarzt gearbeitet und nach Schlachten wahrscheinlich bereits alles an Verletzungen gesehen, was es gab.

Er nahm seinen Beruf als Arzt sehr ernst und wollte, dass es denen, die er behandelte, hinterher besser ging. Also war die Vorstellung, dass seine Arbeit vielleicht umsonst war, nicht angenehm für ihn.

Drusus schätzte den Arzt, er hatte erst vor kurzem das gebrochene Bein eines seiner Soldaten behandelt und verhindert, dass es abgenommen werden musste. Er war froh, einen so fähigen Medicus in seinem Hauptquartier zu haben.

Er wusste, dass Alexios auch direkte Antworten schätzte.

„Wahrscheinlich wird es mit der Hinrichtung enden. Aber vorher wird er uns alles erzählen, was er über das Verbrechen in der Villa weiß. Vielleicht weiß er auch, welche die Pläne dieser Spartacus, er scheint der Anführer zu sein, und die anderen haben.

Er legte Alexios die Hand auf die Schulter. „Darum wünsche ich, dass er er es überlebt. Wir brauchen seine Informationen, wenn er welche hat. Meine Männer durchsuchen gerade Capua und die Umgebung. Ich hoffe, sie haben Erfolg. “

Alexios nickte und reichte dann einem seiner Kollegen den Verband.

Drusus hatte noch einen weiteren Auftrag für ihn. „Sieh auch nach dem anderen Gefangenen. Er hat Verletzungen an den Händen…“

Alexios lächelte spöttisch und Drusus hörte Sarkasmus aus seiner Stimme heraus. „Ich verstehe. Es soll sich nichts entzünden. Er könnte sonst an einer Blutvergiftung sterben, bevor er hingerichtet wird. Das wäre natürlich enttäuschend.“

Drusus ging nicht weiter auf diese Bemerkung ein. „Kümmere dich um seine Hände.“



Drusus verließ die Räume des Medicus. Zumindest hatte er mittlerweile die Namen der beiden Gefangenen, auch ohne deren Zutun, herausgefunden.

Lucretia hatte sie ihm genannt, nachdem sie einen Blick auf den Verletzten geworfen hatte. Der Name des Gladiators war Duro. Der Name des anderen Gefangenen lautete Pietros und er hatte früher im Ludus und zuletzt in der Privatküche des Hauses Batiatus gearbeitet.

Mit den beiden würde er sich sobald wie möglich befassen, aber nun musste er die Suche nach den rebellischen Sklaven koordinieren.

Flüchtig dachte er daran, dieses Mädchen, Damaris, aufzusuchen. Sie war hübsch und es war offensichtlich, dass sie bis über beide Ohren in ihn verliebt war. Er würde sie zu nichts drängen müssen, hätte dies auch nicht getan.

Er hielt nichts davon, die Frauen gegen ihren Willen zu nehmen. Er genoss es, wenn seine jeweilige Bettgefährtin mit Vergnügen bei der Sache war. Was sollte er mit einem verängstigten Ding anfangen?

Eine Nacht mit der jungen Frau wäre eine angenehme Entspannung nach diesem langen Tag gewesen.

Er seufzte. Dies würde, genauso wie ein persönliches Verhör der Gefangenen, noch warten müssen. Er erwartete einen baldigen Bericht von den Männern, die auf der Suche nach den Entflohenen waren.

Dennoch brauchte er so schnell wie möglich Informationen, daher winkte er Aurelius zu, als dieser über den Hof des Hauptquartiers schritt.

Der Gerufene blieb vor ihm stehen und sah seinen Kommandanten fragend an.

„Aurelius, geh zu dem Gefangenen in die Zelle und versuch herauszufinden, ob er weiß, was die geflohenen Sklaven als nächstes planen. Finde heraus, ob er weiß, wohin sie gehen wollen und wer ihnen möglicherweise Unterschlupf gewähren könnte.“

Ein freudiges Lächeln glitt über Aurelius`Gesicht. Drusus wusste, dass er dem Mann mit seinem Auftrag eine große Freude machte. Wenn der Junge, Pietros, etwas wusste, dann würde Aurelius es sehr bald ebenfalls wissen.

"Aber setz ihm nicht zu sehr zu," forderte Drusus. "Keine schweren Verletzungen und er muss am Leben bleiben. Einstweilen."



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Ich habe Duros Verletzung hier etwas weniger schlimm gemacht als in der Serie. Da hat ihn das Schwert ja richtig durchbohrt. Ich glaube nicht, dass damals jemand überlebt hätte. Darum ist es hier ein bisschen harmloser. Wird ihm aber trotzdem noch längere Zeit Probleme bereiten. Vielleicht wird er sich auch nicht mehr vollständig erholen.
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