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Die Überlebenden

von Deira
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Agron Duro Lucretia Nasir Pietros Spartacus
14.02.2020
03.07.2022
47
117.628
4
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25.02.2020 2.353
 

Hier kommt ein neues Kapitel. Kommandant Drusus und seine Soldaten müssen sich mit den Verwüstungen des Aufstands herumschlagen. Dabei finden sie viele Tote und wenige Überlebende.


Kapitel 7


Pietros


Draußen war es mittlerweile vollständig dunkel geworden und eine gespenstische Stille war über dem Haus des Batiatus eingekehrt.
Die Küche wurde nur noch durch den Schein des Feuers in der Feuerstelle erhellt.

Pietros starrte auf Gnaeus Leichnahm und richtete sich dann mit zittrigen Beinen auf. Er versuchte, das Zittern zu unterdrücken. Die Anspannung wich langsam von ihm, auch wenn er wusste, dass er sich immer noch in Gefahr bestand, auch wenn Gnaeus ihm nichts mehr tun konnte. Er musste zusehen, dass er aus dem Haus heraus kam und von hier verschwand.

Aber wohin sollte er gehen? Er wusste nicht, was die anderen Geflohenen planten und wohin sie gingen. Er hoffte, dass Letitia, Iras und vielleicht auch Damaris bei ihnen sicher sein würden.

Aber was wäre mit ihm, selbst wenn er sie fand? Er hatte Gnaeus getötet. Pietros kämpfte gegen seine aufsteigende Übelkeit an. Noch gestern um diese Zeit hätte er niemals geglaubt, dass er dazu in der Lage sein würde. Er war kein Krieger.

Pietros hatte diesen Mann gehasst und er bedauerte seinen Tod nicht.

Aber wie würden die Gladiatoren reagieren? Gnaeus war trotz allem einer von ihnen gewesen.

Einige von ihnen, allen voran Spartacus, hatten ihm damals beigestanden, als Gnaeus ihn mehrfach angriff.
Aber Gnaeus hatte auch Freunde unter ihnen gehabt. Manche hatten schon damals ihm, Pietros, die Schuld an Gnaeus Verhalten und den daraus resultierenden Streitigkeiten im Ludus gegeben.

Vielleicht würden sie verstehen, was er getan hatte. Schließlich hatte er sich nur verteidigt. Hätten sie nicht an seiner Stelle bereits viel früher so gehandelt? Und hatte Gnaeus nicht den armen Florus getötet? Er hatte auch zu ihnen gehört, auch wenn er bislang nur ein Anwärter gewesen war. Und galt dies nicht in gewisser Weise auch für ihn selbst?

Er sah mitleidig auf Florus. Der junge Gladiatoren-Anwärter tat Pietros leid.

Gnaeus hatte ihn getötet, weil er ihm im Weg stand und er hatte keine Gnade gekannt. Pietros dachte daran, wie es ihm ergangen wäre, wenn er sich nicht verteidigt und Gnaeus nicht getötet hätte.

Wahrscheinlich läge er blutig und vielleicht tot neben Florus auf dem Boden.

Pietros ging zu einer an der Wand stehenden Kiste. Dort bewahrte Letitia Bandagen und eine Salbe gegen Verbrennungen auf. Es war nicht das erste Mal, dass sich jemand in der Küche verbrannte oder schnitt. Wahrscheinlich hatten sich auch schon andere ähnliche Verletzungen wie er an seinen Händen zugezogen.

Letitia war eben auf alles vorbereitet gewesen.

Pietros nahm das Gefäß mit der Salbe heraus und rieb dann seine Hände mit der Paste ein. Zu seiner Erleichterung schien es tatsächlich zu helfen, denn die Schmerzen ließen nach, auch wenn sie nicht vollständig verschwanden. Anschließend verband er seine Hände, so gut er es alleine konnte.

Nun musste er sehen, dass er fortkam. Er hoffte, dass ihm noch genügend Zeit blieb, um zu fliehen. Er konnte nicht genau sagen, wieviel Zeit seit seinem Kampf mit Gnaeus vergangen war.


So leise wie möglich bewegte Pietros sich durch das stille Haus, als er laute Schritte und Stimmen hörte.
"Sucht alles ab. Vielleicht verstecken sich noch irgendwo Sklaven oder Gladiatoren! Und kümmert euch um die Verletzten," bellte eine Stimme ihre Befehle.

"Hier liegen nur Leichen, in dem einen Raum war ein junger Mann, viele Messerstiche…." antwortete eine andere Stimme und Pietros sah sich nach einem Versteck um, als ihn bereits zwei Soldaten entdeckten.

"Hier ist einer!", rief einer der beiden und sie eilten auf ihn zu.

Pietros drehte sich um, auch wenn er ahnte, dass ein Fluchtversuch zwecklos war. Trotzdem würde er es versuchen.

Aber er kam nicht weit. Der Kampf mit Gnaeus hatte ihm doch mehr zugesetzt als er gedacht hatte und er bewegte sich nicht so schnell wie sonst. Dafür schienen die beiden Römer umso eifriger entschlossen, einen Gefangenen zu machen.

Bald hatten sie ihn eingeholt und er verfluchte sich dafür, dass er das Schwert nicht mitgenommen hatte. Allerdings hätte es ihm auch nicht allzu viel genutzt. Mit den beiden Soldaten hätte er es nicht aufnehmen können.

Auch Gnaeus hatte er letztlich nur besiegt, da dieser durch seine Kopfschmerzen und das heiße Wasser geschwächt und verletzt gewesen war.

Der Soldat deutete auf Pietros verbundene Hände. "Hast dich wohl verletzt, als du unsere Leute ermordet hast, was?"

Er holte aus und wollte Pietros ins Gesicht schlagen, aber eine Stimme gebot ihm Einhalt.

"Lass das. Wir werden noch genug Zeit haben, um ihn zu verhören. Bringt ihn ins Hauptquartier in eine Zelle, aber zuvor werden wir sehen, ob es noch weitere Überlebende gibt.“

"Wir haben die Frau des Lanista und einen ihrer Sklaven gefunden. Sie ist verletzt, der Lanista ist tot," rief ein römischer Soldat und eilte auf den, den Pietros als den Stadtkommandten Drusus erkannt hatte, zu. "Sie ist verletzt, wird aber wahrscheinlich überleben. Einer unserer Medicusse sieht nach ihr."

Drusus nickte und eilte davon, wahrscheinlich um nach Lucretia zu sehen.

Also ging es Lucretia verhältnismäßig gut. Aber der Lanista war tot. Der römische Soldat, der Pietros festhielt, gab seinem Kameraden einen Wink und dieser band seine Hände mit einem mitgebrachten Seil unsanft und viel zu fest zusammen.

Dabei griff er grob an die verletzten Hände seines Gefangenen.

Pietros konnte einen kurzen Aufschrei nicht zurück halten.

"Stell dich nicht so an. Du und deinesgleichen hattet auch kein Mitleid mit diesen armen Menschen, als ihr sie abgeschlachtet habt," sagte der Soldat und gab Pietros einen unsanften Stoß.
"Vorwärts. Die Frau des Lanista soll uns sagen, ob sie dich kennt und ob sie weiß, was genau du alles getan hast."

Der Mann blickte Pietros voller Wut und Verachtung an. "Du wirst für alles zur Rechenschaft gezogen werden, was du und die anderen getan habt. Auch sie werden ihrer Strafe nicht entgehen."


Drusus


Drusus zog einen Schemel heran und setzte sich neben Lucretia, die vom Medicus in einen anderen Raum gebracht und auf eine bequeme Liege gebettet worden war. Bis zur Taille hatte der Heiler sie mit einer Decke zugedeckt.

Neben ihr stand, mit gebundenen Händen, einer ihrer Sklaven, der von zwei Soldaten festgehalten wurde.
„Es tut mir wirklich leid, was hier geschehen ist," sagte Drusus bedauernd und schenkte der Frau sein höflichstes Lächeln.

„Ich hoffe, dass die Verletzung bald heilen wird. Natürlich wird Unterstützung geschickt werden, um sich um die Toten zu kümmern und ich verspreche, dass wir die Verbrecher zur Rechenschaft ziehen werden!"

Lucretia nickte und krallte ihre Hände in die Decke. Drusus sah, dass sie geweint hatte.

Nun, das war durchaus verständlich. Immerhin hatte sie gerade ihren Mann verloren, in ihrer näheren Umgebung waren Menschen gestorben und sie selber war verletzt worden.

"Der Medicus sagte, dass du ein Kind erwartest?", erkundigte er sich höflich.

Sie nicke. "Ja. Aber er sagte, dass die Hoffnung besteht, dass dem Kind nichts geschehen ist und dass es in ein paar Monaten gesund zur Welt kommt."

"Ich wünsche es dir!", antwortete Drusus und blickte ungehalten auf, als zwei weitere Soldaten den Jungen, den sie vorhin gefangen genommen hatten, in den Raum stießen.

Hatte er nicht klare Anweisungen gegeben? Warum wurden er und die verletzte Lucretia in diesem Augenblick belästigt? Oder wollte der Junge seine Haut retten und eine Aussage machen?

"Aurelius, was hat das zu bedeuten?", fragte Drusus ungehalten.

"Ich wollte wissen, ob die Frau des Lanista etwas über diesen Sklaven weiß", antwortete Aurelius. "Welche Verbrechen er begangen hat.…"


Lucretia


Lucretia lehnte sich müde zurück. Sie wollte sich ausruhen und sich nicht mehr mit ihren Sklaven beschäftigen. Am liebsten wäre es ihr gewesen, wenn Quintus zu ihr gekommen wäre.

Aber Quintus würde nicht zurück kommen. Er war tot. Ermordet von diesen Bestien. Diesen Ungeheuern.

Sie setzte sich mühsam auf und der Stadtkommandant, der sich als ein sehr höflicher Mensch ihr gegenüber erwiesen hatte, stützte sie vorsichtig.

Sie nickte ihm dankbar zu und blickte dann von dem jungen Sklaven Pietros zu Ashur. Beide standen mit gefesselten Händen zwischen Soldaten. Beide standen für die Soldaten und den Kommandanten im Verdacht, an diesem Verbrechen in ihrem Hause beteiligt gewesen zu sein.

Beide Sklaven hatten ihr geholfen, nachdem sie von Crixus verletzt worden war. Pietros hatte ihrem Kind möglicherweise das Leben gerettet. Vielleicht hatte er auch ihr das Leben gerettet.

Aber dies war er ihr auch schuldig gewesen. Immerhin hatte sie ihn damals, in einem Anflug von Mitgefühl aus dem Ludus geholt. Ohne ihre Hilfe wäre es ihm dort wahrscheinlich sehr schlecht ergangen.

Gleichzeitig hatte sie auf diese Weise auch eine Situation entschärft, die ihr geliebter Mann, sie wischte sich kurz die Tränen fort, mitverursacht hatte.

Seines Schutzes durch den toten Gladiator Barca beraubt hatte es Streit wegen des Jungen gegeben. Dieser Streit drohte zu eskalieren. Durch die Entfernung des Streitobjektes waren ihrem Mann zwei oder vielleicht sogar noch mehr wertvolle Gladiatoren erhalten geblieben.

Durch seine Hilfe hatte der junge Mann seine Schuld abgegolten. Für sie war er nicht mehr länger von Nutzen und war es auch noch nie gewesen.

Natürlich bestand die Gefahr, dass er darüber sprach, wessen Kind sie wirklich im Bauch trug.
Aber wem würde man eher glauben? Einem rebellischen Sklaven oder einer angesehenen, trauernden Witwe?

Mit Ashur sah die Sache anders aus. Sie erinnerte sich an ihr kurzes Gespräch, als er ihr half. Er hatte bereits einiges für sie und ihren Mann getan.

Außerdem wusste er sehr viel, Dinge, die der Stadtkommandant besser nicht erfuhr. Sie war sich sicher, dass nicht einmal sie wusste, was Ashur und ihr verstorbener Mann miteinander zu schaffen gehabt hatten.

Was würde geschehen, wenn er bei einem Verhör durch den Stadtkommandanten zu plaudern begann? Er hatte einiges zu erzählen.

Außerdem konnte er ihr durchaus noch nützlich sein.

Sie wandte sich an Drusus. „Der Junge gehört zu den Sklaven, die sich gegen uns erhoben haben. Ich kenne seine genaue Rolle nicht. Aber ich bin mir sicher, dass du das herausfinden wirst!"

Drusus nickte und wandte sich an Aurelius. "Bring ihn weg! Wir befassen uns bald mit ihm!"

Dann deutete er auf Ashur. "Was ist mit ihm?"

Sie lächelte kurz. "Er war loyal und ist mir zu Hilfe gekommen. Mit dieser schrecklichen Tat hat er nichts zu tun. Da bin ich mir sicher. Ich brauche seine Hilfe in der nächsten Zeit, jetzt, da alle anderen mich verlassen haben. Er war auch meinem armen Mann treu ergeben. Bitte, lasst ihn frei. Er wird mir weiterhin dienen."

Drusus zögerte einen kurzen Augenblick, dann nickte er. Der Sklave wurde von seiner Domina ausdrücklich entlastet.

"Gut, lasst ihn frei, er soll sich um seine Herrin kümmern," antwortete Drusus schließlich und einer der der Soldaten löste Ashurs Fesseln. Dieser rieb sich ein Handgelenk und Drusus wandte sich wieder an Lucretia.
"Du wirst nicht hierbleiben können, bis hier ein wenig Ordnung geschaffen wurde. Ich werde dich und deinen Sklaven in mein Hauptquartier bringen lassen. In die Gästeräume. Es ist natürlich nicht so schön und komfortabel wie dein Haus, aber für ein paar Tage wird es wohl gehen. Außerdem wird sich unser Medicus dort um dich kümmern und es werden helfende Hände zur Seite stehen."

Sie stimmte müde zu. In diesem Haus wollte sie im Augenblick nicht bleiben. Es war viel zu still an diesem Ort, auch wenn sie wusste, dass sie so schnell wie möglich zurück kehren wollte.

Aber im Augenblick, solange die Toten noch hier waren, war es unerträglich.


Drusus


Drusus verließ Lucretia um sich nach dem Stand der Dinge im Haus zu erkundigen.

Einer seiner Soldaten erstattete ihm Bericht. "Hier im Haus gibt es keine weiteren Sklaven. Wir haben drei verletzte Wachen gefunden, der Medicus kümmert sich um sie. Sie können wahrscheinlich weitere Angaben machen. Draußen auf dem Trainingsgelände haben wir ebenfalls zwei schwerverletzte Wachen und mehrere Tote entdeckt. Eine der Wachen ist nach der Entdeckung gestorben, der andere wird ebenfalls von einem anderen Medicus behandelt. Es sieht nicht gut aus.“

Drusus war froh, dass er daran gedacht hatte, mehrere Heilkundige mitzunehmen. Offenbar waren sie vonnöten, auch wenn die Hilfe für fast alle zu spät kam.

"Gibt es Überlebende unter den Sklaven und den Gladiatoren?", fragte Drusus, als er dem Soldaten ins Freie folgte und seinen Blick schweifen ließ.

Sicherlich würden sie sich auf ihrer Flucht nicht mit Verletzten belasten. So etwas taten Verbrecher nicht.
Mehrere tote Soldaten und auch die Leichen von Gladiatoren lagen auf dem Boden. Auch ein abgeschlagener Kopf lag dort.

Der Soldat schüttelte den Kopf. "Hier werden wir niemanden mehr finden, da bin ich mir sicher. Die Räumlichkeiten des Ludus haben wir auch bereits kontrolliert, aber auch dort gibt es keine lebende Seele mehr."
Drusus seufzte. Lebende Gladiatoren, die ihm aus erster Hand über ihr Verbrechen berichten konnten, wären ihm am liebsten gewesen.

Ein Heiler, ein älterer Mann mit ordentlich gestutztem Bart, beugte sich über einen der toten Gladiatoren und fasste an seinen Hals, um nach einem spürbaren Puls zu fühlen. "Der ist tot. Ich schaue noch nach dem da drüben. Aber ich denke, das ist auch hoffnungslos."

Drusus nickte dem Medicus namens Alexios, der gewissenhaft seine Arbeit tat, zu. Wenigstens hatten er und seine Kollegen noch einigen der Wächter helfen können und auch Batiatus` Witwe würde sich wahrscheinlich wieder erholen.

Wie es aussah, würde der Sklave aus der Villa der einzige Gefangene sein, den sie gemacht hatten. Aber das würde sich sicherlich bald ändern. Er war überzeugt, dass er die Geflohenen früher oder später finden würde. Dann würden sie zur Rechenschaft gezogen werden.

Es durfte nicht geschehen, dass die Geschehnisse im Haus des Batiatus als schlechtes Beispiel für andere unzufriedene Sklaven dienten.

"Kommandant," rief Alexios, der Medicus, der sich über einen weiteren reglosen Gladiator gebeugt hatte und Drusus wandte sich ihm zu.

"Was gibt es?", fragte er, während der Medicus den reglosen Körper einer genaueren Untersuchung unterzog.
"Der hier lebt noch.", sagte er und Drusus trat näher.


Und hier haben wir einen weiteren Überlebenden.
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