Die Überlebenden

von Deira
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 Slash
Agron Duro Lucretia Nasir Pietros Spartacus
14.02.2020
19.08.2020
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27.07.2020 1.467
 
Hier gibt es nun ein weiteres, wenn auch etwas kürzer gewordenes Kapitel. Nachdem die Arena abgebrannt wurde kehren Spartacus und die anderen zum Tempel zurück. Ich wünsche euch allen viel Spaß beim Weiterlesen.


Kapitel 42



Duro konnte in dieser Nacht keinen Schlaf finden. Daher stand er leise auf, um den neben ihm schlafenden Pietros nicht zu wecken. Sie schliefen nicht alleine im Raum, daher wagte er es, Pietros zurück zu lassen.
Dies tat er nicht allzu gerne, denn er befürchtete, irgendwann Menes neben seinem schlafenden Freund zu finden, während dieser die Hände irgendwo hin wandern ließ, wo sie nichts zu suchen hatten.

Aber der Ägypter verhielt sich zumindest im Augenblick ruhig und hatte sich nicht mehr in die Nähe von Pietros oder ihm gewagt.

Möglicherweise lag dies daran, dass er mittlerweile nicht mehr der einzige war, der den ehemaligen Leibwächter im Auge behielt und darauf achtete, dass er sich nichts zu Schulden kommen ließ. Vielleicht hatte Menes ja zwischenzeitlich begriffen, dass es besser für ihn war und dass sein eigenes Wohlergehen davon abhing, nicht unangenehm aufzufallen. Dennoch wusste Duro, dass er diesem Mann nicht traute und er würde weiterhin misstrauisch bleiben. Er selber hatte keinerlei Angst vor Menes, aber er fürchtete um die Sicherheit von Pietros.

Aber mit mehreren Gladiatoren, die im selben Raum schliefen, würde es sich Menes sicherlich gründlich überlegen, ob er sich dem schlafenden jungen Mann näherte.

Duro verließ den Tempel und setzte sich draußen auf die Stufen. Er blickte zum Himmel hinauf, der von Sternen übersät war. Irgendwo in der Nähe zirpten Grillen in dieser warmen Sommernacht. Er erinnerte sich an eine zurückliegende Nacht in Germanien.

Kurz bevor er, Agron und andere Familienmitglieder in den Kampf gegen die Römer gezogen waren hatte er mit Ruda, der Tochter des Dorfschmieds, am Waldrand gesessen und sie hatten in die Sterne gesehen.

Er lächelte bei der Erinnerung und fragte sich, ob Ruda zwischenzeitlich verheiratet war. Er rechnete damit. Sie war sehr hübsch und lebenslustig gewesen. Er hegte keinen Zweifel daran, dass bald nachdem er und Agron nicht zurück kehrten die jungen Männer des Dorfes begonnen hatten, sie zu umwerben.

Dieser Gedanke hatte ihm vor allem in der ersten Zeit bisweilen einen Stich versetzt, aber je mehr Zeit verstrich, umso mehr verblassten seine Erinnerungen an Ruda, auch wenn er wusste, dass er sie niemals vollständig vergessen würde.

Duro wusste nicht, wohin sich ihre Beziehung entwickelt hätte. Seine Mutter hätte sich über Ruda als Schwiegertochter gefreut. Sie hatte bereits von einer möglichen Verlobungsfeier gesprochen aber Duro und Ruda waren beide noch recht jung gewesen und alles hätte noch ein wenig Zeit gehabt….

Er blickte auf als sich Schritte näherten und Nasir neben ihm auf der Treppe Platz nahm. „Findest du auch keinen Schlaf?“, fragte der junge Syrer und Duro nickte. „Ich mache mir Sorgen um Agron. Du wahrscheinlich auch….“
„Ja. Ich frage mich, ob sie Erfolg hatten. Es wäre schrecklich für Naevia, wenn sie Crixus nicht mehr helfen konnten und mit der Nachricht von seinem Tod zurück kehren würden“, antwortete Nasir.
„Ich wünsche ihr, dass sie Erfolg hatten. Und ich hoffe, dass sie alle retten können. Spartacus schafft anscheinend wirklich unmögliche Dinge, bei denen andere scheitern würden“, sagte Duro nachdenklich.

Er klammerte sich an die Hoffnung, dass es auch dieses Mal so sein würde und dass die Verurteilten, Spartacus und vor allem sein Bruder lebendig und unverletzt zurück kommen würden. Er wusste nicht, wie er damit zurecht kommen würde, sollte Agron nicht zurück kehren. Nasir schien diese Gedanken zu teilen, daher saßen sie eine Weile schweigend nebeneinander.

Duro dachte daran, dass sie einige Dinge gemeinsam hatten. Beide sorgten sie sich um denselben Menschen und beide hatten ihn aufgrund einer Wunde nicht begleiten können.

Beide verfluchten sie im Stillen und auch im Lauten diesen Umstand.

„Die Heilerin sagte, dass ich die nächste Zeit noch nicht trainieren darf“, sagte Nasir nach einer Weile zu Duro und dieser konnte sehr gut verstehen, wie sich der junge Syrer fühlte. „Ich darf es auch noch nicht. Aber zumindest konnte ich Pietros ein paar Dinge mit dem Schwert erklären. Er macht es wirklich gut.“

Nasir nickte und fasste sich an die Seite. Besorgt sah Duro ihn an und sagte nun das, was er selber nicht gerne hörte. „Willst du nicht doch lieber reingehen und dich hinlegen?“
„Dasselbe könnte ich dich auch fragen,“ antwortete Nasir und beide konnten ein Lächeln nicht unterdrücken, als sich jeweils eine Hand auf ihrer beider Schultern legte.

„Ihr solltet beide wieder reingehen,“ hörten sie Naevia sagen und sie zog ihre Hände zurück. „Oder ich bleibe bei euch und warte gemeinsam mit euch auf Nachrichten über Crixus und die anderen.“

Schließlich saßen sie zu dritt auf den Treppenstufen während die Nacht viel zu langsam verstrich.




Müde, aber dennoch froh über den Erfolg ihrer Rettungsmission betrat Agron in den Morgenstunden den Vorplatz des Tempels. Sie hatten mehrfach eine Rast einlegen müssen, um den Verletzten Wasser und allen ein wenig Ruhe zu gönnen.

Dennoch hatten sie den Weg natürlich so schnell wie möglich zurück gelegt, denn nur die Hilfe der Heilerin und die Sicherheit des Tempels würde den Verletzten wirklich helfen. Außerdem hatte fast jeder von ihnen Freunde oder Geliebte, die sie wiedersehen wollten und von denen sie wussten, dass sie auf Nachrichten warteten.

In der Tat wurden die Ankommenden freudig begrüßt.

Agron lächelte, als Duro auf ihn zueilte und ihn umarmte noch ehe er das Tor durchquert hatte. „Wir haben auf dich gewartet. Nasir wird glücklich sein, dich zu sehen“, sagte Duro, während Oenomaus auf einer Bahre an ihm und seinem Bruder vorbei getragen wurde.

Der ehemalige Gladiatorentrainer schien schwer verletzt zu sein und seine Augen waren geschlossen. Duro fragte sich, ob er überhaupt bei Bewusstsein war.

„Ich hätte nicht geglaubt, dass ich ihn noch einmal sehe. Nun ist er bei uns, dabei wollte er sich überhaupt nicht anschließen“, sagte Duro und Agron nickte. „Ja, er hat tapfer gekämpft, ehe er verletzt wurde. Der Mann, der neben der Bahre ging ist übrigens Gannicus. Er und Oenomaus sollen einmal Freunde gewesen sein.“

„Der Gannicus, der einst seine Freiheit gewann und der jetzt seine eigenen ehemaligen Brüder und seinen alten Freund töten sollte...“, murmelte Duro.

Er wusste nicht, was er von der Anwesenheit des ehemaligen Gladiators halten sollte. Wollte er sich ihnen anschließen? Zumindest schien er sich um Oenomaus zu sorgen.

„Glaber wird Gift und Galle spucken und sicherlich zum Gespött in Rom werden, jetzt, wo Spartacus ihm erneut gewissermaßen öffentlich ins Gesicht geschlagen hat“, stellte Agron grinsend fest und er fügte hinzu: „Beinahe hätte er ihn mit einem Speer getötet.

Agron sah sich suchend um und Duro ahnte, nach wem er Ausschau hielt.

„Wo ist Nasir? Du sagst, er hat auch gewartet?“, fragte Agron und Duro deutete auf die Stufen der Treppe, wo Nasir gemeinsam mit anderen stand. „Die halbe Nacht hat er auf dich gewartet und er hat sich Sorgen gemacht. Naevia und ich haben ihm Gesellschaft geleistet...und ich bin auch froh, dass du wieder da bist.“

Agron drückte den Jüngeren noch einmal an sich und löste sich dann aus der Umarmung seines Bruders und eilte auf Nasir zu und begrüßte diesen.

Duro hörte nicht die Worte, die gesprochen wurden, aber er sah die glücklichen Gesichter seines Bruders und Nasirs, während auch Naevia Crixus begrüßte.
Dies brachte Duro zum Lächeln. Auch wenn sein Verhältnis zu Crixus nicht das beste gewesen war, war es schön, das Paar bei seinem Wiedersehen zu beobachten.

Aber auch wenn alle zum Tode Verurteilten gerettet worden waren, war es mehr als offensichtlich, dass es neben Oenomaus auch Acer und Rhaskos nicht gut ging.

Die Heilerin verließ den Tempel und schüttelte den Kopf, nachdem sie die Verwundeten näher betrachtet hatte. „Ich brauche ein wenig Hilfe mit den Verletzten. Irgend jemanden, der mir helfen kann, Verbände anzulegen und Wunden zu reinigen. Ich muss mich immerhin um mehrere kümmern und ich habe auch nur zwei Hände.“

„Ich werde dir helfen“, sagte Aurelia, die ihren Sohn in den Arm einer anderen Frau drückte und die Heilerin sah sie dankbar an, während auch Pietros, der nun den Tempel verließ, zu ihr ging. „Ich helfe dir auch. Ich habe manchmal dem Medicus im Ludus ein bisschen geholfen...“

Duro sah, dass nun Chadara an die Bahre des verletzten Rhaskos trat und kurz mit ihm sprach. Offenbar war sie überrascht und erleichtert zugleich, ihn lebendig wiederzusehen. Anscheinend hatte sie nicht allzu viel Hoffnung gehabt, was dies betraf. Nasir hatte ihm und Naevia berichtet, dass Chadara sich keine allzu großen Sorgen um Rhaskos gemacht hatte. Aber möglicherweise hatte sie sich auf diese Weise auch nur selber schützen wollen, denn nun strich sie ihm sanft über die Wange und er griff nach ihrer Hand.

Seine Hand haltend und neben der Bahre gehend begleitete sie die Männer, die ihn trugen, ins Innere des Tempels in die Räume der Heilerin.

Vollkommen gleichgültig war er ihr also nicht.
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