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Die Überlebenden

von Deira
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Agron Duro Lucretia Nasir Pietros Spartacus
14.02.2020
03.07.2022
47
117.628
4
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
17.02.2020 1.742
 
Hier lernen wir noch eine weitere, diesmal von mir geschaffene Person kennen, die noch eine Rolle spielen wird. Diese Person leidet, wenn man es böse ausdrückt, unter einer Art Gladiatoren-Phobie.

Kapitel 3


Lucius Fabius Drusus war froh, als er das Haus des Batiatus wieder verlassen konnte. Das einzige, was er dort als angehem empfunden hatte, war das Abendessen. Die Gans war köstlich gewesen. Offenbar gab es dort einen guten Koch.
Er band sein Pferd vor dem Quartier der Stadtwache, in dem sich auch das städtische Gefängnis befand, an und betrat kurz darauf seine kleine Unterkunft.
Für seine Bedürfnisse war sie vollkommen ausreichend. Er brauchte nicht allzu viel Platz, schließlich lebte er allein und er wollte Kosten sparen, wo immer er konnte. Sein Vorgänger auf diesem Posten hatte es weitaus luxeriöser geliebt und in einer kleinen Villa in einem der besseren Viertel von Capua gelebt.
"Verschwendung," dachte Drusus mit einem Anflug von Verachtung. "Darum hatte er hier auch einige Dinge nicht wirklich im Griff."
Vor kurzem hat es einen Mord gegeben, es gab Überfälle auf Frauen und kürzlich eine Messerstecherei in einer der Tavernen von Capua. Er, Drusus, würde für Ordnung sorgen. Die Straßen von Capua würden sicherer werden.
Es trieb sich eben, neben den anständigen römischen Bürgern, auch viel Gesindel in der Stadt herum. Er dachte an die fünf Männer, die momentan in den Gefängniszellen saßen. Es handelte sich um drei Diebe, einen der Messerstecher und einen entflohenen Sklaven, den er morgen an seinen Besitzer zurück geben würde. Die anderen würden ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Um den Sklaven würde sich sein Dominus kümmern.
Drusus schüttete sich einen Becher Wein ein und trank diesen, auch wenn er sich mit dem Genuss von Alkohol zurück hielt. Schließlich konnte es zu jeder Zeit zu einem Zwischenfall kommen, der die Anwesenheit von ihm und seinen Männern forderte. Auch darum war es unklug, zu weit vom Hauptqurtier entfernt zu leben.
Er dachte an seine beiden älteren Brüder. Sie waren siebzehn und fünfzehn Jahre älter als er und stammten aus der ersten Ehe seines Vaters und ihre Haare waren bereits ergraut. Die beiden wurden wahrscheinlich nicht zu jeder möglichen und unmöglichen Zeit aus dem Bett gerissen, denn sie waren hoch angesehene Senatoren in Rom.

Rom.

Er vermisste die Stadt. Und er vermisste auch Marcella, obwohl die Scheidung von ihr bereits ein Jahr zurück lag.
Er schüttelte diese Gedanken ab. Marcella verdiente es nicht, dass er einen Gedanken an sie verschwendete. Er rief sich den Grund für die Scheidung ins Gedächtnis. Er hatte sie in den Armen dieses freigelassenen Gladiators erwischt. Schamlos hatte sie ihn betrogen und der Mann hatte ihm frech ins Gesicht gelacht und ihn dann auch noch niedergeschlagen.

Immerhin war es nicht in seinem eigenen Haus geschehen, sondern die beiden hatten sich in einer schäbigen Spelunke in einem der schlechten Viertel Roms getroffen. Hätte ihm nicht eine der Sklavinnen seiner Frau berichtet, dass Marcella sich, in einfache Kleidung gehüllt, zu diesem Mann geschlichen hatte, hätte er wahrscheinlich niemals davon erfahren.

"Gannicus. Er hat hier in Capua gekämft", dachte Drusus wütend.

Drusus hatte damals sein Schwert gezogen und hätte den Kerl am liebsten sofort getötet, aber der ehemalige Gladiator war, obwohl er unbewaffnet war, schneller gewesen und recht schnell hatte Drusus nach einem Faustschlag ins Gesicht auf dem Boden gelegen.

Der ehemalige Gladiator hatte es darauf hin vorgezogen den Raum zu verlassen, während Marcella hin- und hergerissen zwischen beiden gestanden hatte.

Letztlich war sie zu dem Schluss gekommen, dass es besser war, bei ihrem Mann zu bleiben. "Schließlich konnte ich ihr mehr bieten als ein freigelassener Gladiator", dachte Drusus verbittert.
Sie hatte ihm dann auch, unter Tränen, die bereits ein wenig länger bestehende Affäre mit diesem Bastard gestanden und ihn um Vergebung gebeten. Er hatte ihr nicht verzeihen können. Dazu hatte sie ihn zu sehr verletzt, auch wenn er die Hauptschuld diesem Gannicus gab. Sicherlich hatte er seine Frau verführt.

Letztlich waren sie geschieden worden.

"Gladiatoren! Was haben sie an sich? Warum laufen ihnen die Frauen hinterher?", fragte sich Drusus nicht das erste Mal, denn dies war schon vor Marcellas Betrug ein dunkler Punkt in seinem Leben gewesen.

Seine gesamte Kindheit hindurch hatte er sich gefragt, warum sein Vater ihn entwder überhaupt nicht beachtete oder herablassend behandelte. Er war das einzige Kind, das aus der zweiten Ehe des Iunius Fabius Drusus hervorgegangen war. Aber im Gegensatz zu der Förderung, die sein Vater, ebenfalls ein angesehener Senator, seinen älteren Söhnen zuteil werden ließ, hatte er sich um den jungen Lucius nicht gekümmert.

Seine Mutter, Corinna, hatte ihm die Frage nach dem Warum niemals beantworten wollen oder können. Das Verhältnis zwischen seinen Eltern war sehr kühl gewesen, aber im Gegensatz zu Marcellas Familie war die von Corinna sehr reich gewesen und sein Vater hatte sich nicht scheiden lassen können oder wollen.

Nach Corinnas Tod hatte Iunius seinem Sohn dann im betrunkenen Zustand die Wahrheit ins Gesicht geschleudert. Lucius war nicht sein Sohn. Er verdiente weder die Förderung noch die Zuneigung des Mannes, der ihn, um der Peinlichkeit zu entgehen, als Sohn anerkannt hatte.

Drusus stellte seinen Weinbecher auf den Tisch, während er sich auszog, um ins Bett zu gehen. Er lachte bitter, als er daran dachte, dass er und sein vermeintlicher und inzwischen ebenfalls verstorbener Vater, der sein Vermögen noch vor seinem Tod zwischen seinen älteren Söhnen verteilt hatte, eine große Gemeinsamkeit besaßen.

Auch Corinna hatte ihren Mann mit einem Gladiator betrogen und offenbar sogar Gefühle für diesen Mann gehegt. Auch sie war eines Tages von ihrem Mann erwischt worden. Als sie kurz darauf ihre Schwangerschaft bemerkte wusste Iunius, dass er auf keinen Fall der Vater des Kindes sein konnte. Dazu hatte er zu lange nicht mehr das Bett seiner Frau geteilt und es kam nur dieser Gladiator als Vater infrage. Vorausgesetzt, sie hatte ihn nicht mit noch mehr Männern betrogen. Aber dies hatte selbst Iunius seiner Frau nicht unterstellt.

Der Gladiator war wenig später tot aufgefunden worden und es konnte niemals genau geklärt werden, wie er zu Tode gekommen war. Sein Körper war mit unzähligen Wunden übersäht gewesen. Corinna hatte, laut Drusus`Ziehvater, bitterlich geweint, als sie davon erfuhr.

Im Gegensatz zu ihrem Mann hatte sie den Sohn geliebt.

Aber sie hatte ihn durch ihr Verhalten auch um die Liebe und das Geld seines vermeintlichen Vaters gebracht. Dies lastete Drusus ihr im Nachhinein an.

Auch Marcella hatte ein Kind bekommen, von dem Drusus nicht wusste, wer der Vater war. Er hatte die kleine Drusilla noch nie zu Gesicht bekommen und wollte es auch nicht. Sie lebte nun gemeinsam mit Marcella wieder im Haushalt ihrer Herkunftsfamilie. Sie konnten von Glück sagen, dass Marcellas Eltern sie wieder aufgenommen hatten und offenbar sogar die kleine Drusilla ins Herz geschlossen hatten.

Auch wenn er Rom vermisste war Drusus auf der anderen Seite froh, dass er nun in Capua eine gute Stellung bekommen hatte. Nach der Scheidung und der Geburt der kleinen Drusilla, die er nicht als Kind anerkannte, hatte es zu viel Klatsch und Tratsch gegeben. Seine offiziellen Halbbrüder hatten bereits befürchtet, dass dies auch ihrer Karriere im Senat schaden könnte und ihm nahegelegt, sich eine andere Stellung zu suchen.

Kommandant der Stadtwache war zwar nicht mit einem Senator zu vergleichen, aber es war auch nichts, wofür er sich schämen musste. Schließlich hatte er sich seine Stellung selber erarbeitet. Er war nicht gefördert worden wie seine beiden angeblichen Brüder, die offenbar über seine Herkunft Bescheid wussten und auch noch nie ein gutes Wort für ihn übrig gehabt hatten. Außerdem hatte er in Rom einen niedrigeren Rang bekleidet.

Ausgerechnet Batiatus und seine Frau hatten ihn an diesem Tag zum Abendessen eingeladen. Er hatte gezögert, die Einladung anzunehmen. Aber dann hatte doch die Neugier gesiegt. Er wollte wissen, woher der Gladiator, der seine Ehe zerstört hatte, gekommen war. Natürlich hatte er mit Batiatus darüber nicht gesprochen. Statt dessen hatte er sich genau darüber erkundigt, ob er seine Gladiatoren unter Kontrolle hatte.

Dies hatte Batiatus ihm bestätigt, während die köstliche Gans von einer jungen Sklavin namens Damaris serviert wurde. Das Mädchen hatte ihn verstohlen beobachtet und geglaubt, dass er es nicht bemerken würde. Sie gefiel ihm durchaus. Aber Frauen wie sie konnte er überall finden und er hatte nicht die Absicht gehabt, die Gastfreundschaft von Lucretia und Batiatus länger als nötig zu beanspruchen.

Leider hatte Batiatus anschließend Geschichten über seine Gladiatoren zum Besten gegeben. Auch der Name dieses verfluchten Gannicus war dabei mehrfach gefallen. Am meisten gab Batiatus mit seinem derzeit besten Gladiator, Spartacus, an und er lud Drusus ein, doch einmal die nächsten Spiele zu besuchen.

Auch dies würde er wohl oder übel tun müssen und dabei würde er sehen, wie die Frauen von Capua die Gladiatoren anschmachteten und sich selber und ihre Ehemänner der Lächerlichkeit preisgaben.

Immerhin hatte er Damaris, die Sklavin, noch einmal gesehen, bevor er das Haus verlies. Er hatte sie kurz in eine Ecke gezogen und sie hatte ihn erwartungsvoll angeschaut. Offenbar gefiel er ihr, obwohl er mindestens fünfzehn Jahre älter war als sie. Ja, er hätte sie in diesem Moment haben können. Sicherlich hätten seine Gastgeber keine Einwände erhoben, wenn er sie darum gebeten hätte.

Er dachte sogar flüchtig darüber nach, aber dann kam er zu dem, was er tatsächlich von ihr wollte.
"Du könntest mir helfen," flüsterte er ihr ins Ohr und sie nickte.

"Was soll ich tun?", fragte sie ebenso leise und er lächelte sie freundlich an. "Du hast doch manchmal Ausgang, um auf den Markt zu gehen, oder?", fragte er.

Sie nickte. "Ja, ich erledige manchmal Einkäufe zusammen mit anderen Sklaven."

"Dann würdest du mir eine große Hilfe sein, wenn du mich darüber informierst, wenn es hier irgendwelche Schwierigkeiten, insbesonder mit den Gladiatoren gibt.", sagte er und sie nickte zustimmend, als er ihr neben einem weiteren Lächeln auch ein paar Münzen in die Hand drückte.

Offenbar wollte sie ihm gerne helfen und das war genau das, was er brauchte. Sollte Batiatus dahinter kommen, dass sie ihn mit Informationen versorgte würde sie wahrscheinlich bestraft werden. Für solche Dinge waren Sklaven bereits von ihren Besitzern getötet worden.

Doch was kümmerte dies ihn? Dann würde er sich eben einen anderen Informanten suchen müssen und der war sicherlich schnell gefunden.

Er musste Bescheid wissen, wenn es mit den Gladiatoren zu Problemen kam, um schnell genug eingreifen zu können. Sie stellten ein großes Risiko für die Sicherheit der Stadt dar.

Und er wollte, dass seine Stadt sicher war.
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