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Die Überlebenden

von Deira
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Agron Duro Lucretia Nasir Pietros Spartacus
14.02.2020
03.07.2022
47
117.628
5
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Dieses Kapitel
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22.05.2020 3.008
 
Hier gibt es nun ein neues Kapitel. Ich wünsche euch viel Spaß beim Weiterlesen und hoffe, das neue Kapitel gefällt euch.


Kapitel 26




Villa des Aulus

Agron fand in dieser Nacht keinen Schlaf mehr, dennoch legte er sich zurück auf sein provisorisches Bett und lauschte in der Dunkelheit Nasirs Atemzügen. Der Gedanke an den Syrer brachte ihn trotz seiner Sorge um seinen Bruder, und er konnte es immer noch nicht wirklich glauben, dass er sich wieder um ihn sorgen durfte, zum Lächeln.

Die Gesellschaft des jungen Mannes war ihm in der letzten Zeit ein großer Trost gewesen, aber es war mehr als das, was sie miteinander verband.
Viele Gedanken gingen ihm durch den Sinn, während er gleichzeitig versuchte, die Hoffnung nicht zu groß werden zu lassen.

Der Morgen graute bereits, als Agron sich leise erhob, um seinen Zimmergenossen nicht zu wecken, aber Nasir schien in dieser Nacht nicht den festesten Schlaf zu haben.

„Wohin gehst du?“, fragte er ein wenig überrascht. „Hat Spartacus dich schon so früh zu sich gerufen?“
Agron schüttelte den Kopf und beschloss Nasir, der immerhin mittlerweile so etwas wie ein Freund geworden war, die Wahrheit zu sagen.
„Ich habe damals mit dir über meinen Bruder Duro gesprochen. Du erinnerst dich vielleicht...“

„Natürlich erinnere ich mich“, antwortete Nasir, der sich mittlerweile aufgesetzt hatte.

Agron nahm neben ihm Platz und Nasirs Hand berührte kurz seinen Unterarm. „Ich weiß, dass es dir schwer fällt, über ihn zu sprechen.“
„Er lebt,“ sagte Agron leise und Nasir sah ihn fragend und ungläubig an. „Wie ist das möglich?“

„Spartacus berichtete es mir gestern Nacht," antwortete Agron. "Genau weiß ich auch noch nicht, was sich zugetragen hat. Aber offenbar haben die Römer ihn und einen Jungen aus der Küche, Pietros, gefunden, als sie nach unserer Flucht das Haus durchsuchten. Mittlerweile konnten sie beide fliehen. Dass hat der Stadtkommandant diesem Aulus, dem dicken Kerl, der die ganze Zeit nach Essen jammert, erzählt. Drusus selbst hat mittlerweile seinen Posten verloren. Und Glaber macht mit seinen Soldaten jetzt Jagd auf uns und auch auf Duro und Pietros.“

„Dann sollten wir sie suchen. Vielleicht suchen sie auch nach uns“, antwortete Nasir nachdenklich. „Aber wie sollen wir sie finden? Oder sie uns?“

„Ich werde noch heute morgen aufbrechen. Darum bin ich so früh aufgestanden. Ich wollte dich nicht wecken“, antwortete Agron und Nasir machte Anstalten aufzustehen, aber Agron hielt ihn zurück.
„Schlaf noch ein bisschen. Wir werden nicht alle aufbrechen. Ich werde mich mit Spartacus und Donar auf den Weg machen.“

„Und ich werde dich begleiten,“ bot Nasir an, aber Agron schüttelte den Kopf. „Ich weiß, dass du unsere Gruppe verstärken würdest. Am liebsten wäre es mir auch, wenn wir alle nach Duro suchen würden. Aber Spartacus hatte recht, wenn er sagte, dass eine kleine Gruppe unauffälliger reisen kann. Wir können uns als Kaufleute ausgeben. Das funktioniert besser, als wenn wir als halbe Armee auftreten.“

„Aber….“, widersprach Nasir, jedoch Agron schüttelte den Kopf.

Im Grunde hätte er Nasir gerne dabei gehabt. Er fühlte sich wohl in der Gesellschaft des anderen und er glaubte auch, dass der junge Syrer eine Bereicherung bei der Suche sein würde. Außerdem wusste er nicht, wie er reagieren würde, wenn sich herausstellte, dass es sich bei dem jungen Mann, der gemeinsam mit Pietros auf der Flucht war, letztlich doch nicht um Duro handelte.

Aber er machte sich auch Sorgen um den anderen und er sagte sich, dass Nasir in der größeren Gruppe, umgeben von vielen Gladiatoren und Kämpfern, sicherer war. Außerdem schien Spartacus ebenfalls dieser Meinung zu sein.

„Ich muss mich als harmloser Reisender ausgeben und wir müssen uns unauffällig verhalten“, sagte Agron. „Und Spartacus glaubt auch, dass Duro und Pietros sich auf der Suche nach uns befinden. Ich gehe eigentlich auch davon aus.“

Dennoch sah er unsicher aus und Nasir ahnte den Grund. „Du machst dir Gedanken darüber, dass sich alles doch noch als Irrtum oder sogar als schlechter Scherz heraus stellen könnte?“

Agron nickte und war froh, dass Nasir das aussprach, was er selber bereits die ganze Zeit über so sehr befürchtete. „Ja, denke darüber nach. Denn ich habe jetzt die Hoffnung, dass es die Wahrheit sein könnte und dass Duro bald wieder an meiner Seite sein wird. Aber wenn es sich als Irrtum oder Lüge herausstellt, dann wird es fast so sein, als würde ich ihn ein zweites Mal verlieren. Gerade fing ich damit an, mich ein wenig damit abzufinden und es gab noch etwas anders in meinen Gedanken….“

Er blickte kurz in Nasirs Richtung, während der Syrer mit seinen Händen sanft seinen Arm ergriff. „Ich verstehe dich und ich wünsche dir Glück, auch wenn ich nicht glücklich darüber bin, dass ich hier bleiben soll. Aber wenn dies Spartacus Anordnung ist, dann werde ich mich, auch wenn es mir schwer fällt, daran halten. Wenn es mein älterer Bruder wäre, dann würde ich ihn wahrscheinlich auch suchen, auch wenn ich nicht einmal wüsste, wie er aussieht….“

Er und Nasir hatten auch über den Bruder des Syrers gesprochen, auch wenn er nicht viel über ihn wusste. Aber er erinnerte sich daran, dass Nasir der Name war, mit dem sein älterer Bruder ihn gerufen hatte.

„Wie viele Jahre ist er älter?“, fragte Agron und Nasir zuckte die Achseln. „Ich erinnere mich, dass einmal von acht Jahren die Rede war. Ich glaube, er hat es mir gesagt. Ich ging ihm nur bis zur Taille und er kam mir sehr groß vor. Ich erinnere mich, dass er mich auf dem Rücken trug und wir Spaß hatten. Dann waren da auch noch zwei Mädchen. Die waren auch älter als ich. Vielleicht waren es Schwestern oder Spielkameradinnen. Aber ich weiß nicht einmal mehr seinen oder ihre Namen. Ich erinnere mich nur noch, dass er mich Nasir nannte und meinen Namen rief, als ich ihn das letzte Mal sah. Ich glaube, es war auf einem Schiff. Und dann war ich bei meinem Dominus und habe ihn nie mehr wieder gesehen.“

„Und die Mädchen? Waren sie auch bei euch?“, erkundigte sich Agron, aber Nasir schüttelte den Kopf. „Nein, sie waren nicht dabei. Ich war mit meinem Bruder allein.“

„Das tut mir sehr leid“, sagte Agron und war froh, dass er seinen Bruder wenigstens gekannt hatte und viele Erinnerungen an ihn hatte, auch wenn die letzten so schmerzhaft waren.

Und nun würden dies vielleicht nicht die letzten Erinnerungen an seinen Bruder sein…


Ein wenig später beobachtete Nasir Spartacus, Agron und Donar beim Aufbruch und er sah ihnen noch lange hinterher, als sie auf ihren Pferden davon ritten. Sie führten zwei Pferde mit sich, auf denen sie Gepäck verstaut hatten. Sie gaben sich als Kaufleute aus und da wäre es ungewöhnlich gewesen, wenn sie vollkommen ohne Gepäck oder mögliche Waren gereist wären.

Außerdem, sollten sie Duro und Pietros finden, brauchten diese ebenfalls Reittiere, um schnell genug reisen zu können.
Letzteres hatten die drei Gladiatoren nicht erwähnt, aber es stand ihnen ins Gesicht geschrieben, dass sie diese Hoffnung hegten.

Auch Letitia und Chadara waren beim Aufbruch der drei dabei. Vor allem die alte Köchin schien sich große Sorgen zu machen. Die Vorstellung, dass einer ihrer Schützlinge wochenlang im Gefängnis gewesen war und dort womöglich gelitten hatte, bedrückte sie offensichtlich.
„Er hat so unter dem Tod seines Geliebten Barca gelitten und dann war da dieser abscheuliche Gnaeus. Er hatte es doch bereits so schwer“, sagte sie traurig. „Und warum hat Damaris gelogen? Warum hat sie nicht gesagt, wo er war? Wenn ich das Mädchen noch einmal treffe, bekommt sie meinen Kochlöffel zu spüren!“

„Du wirst dich um Pietros kümmern, wenn er wieder bei dir ist. Du wirst ihm zuerst einmal etwas gutes zu essen machen, und dafür sorgen, dass er sich von den Strapazen erholen kann.“ versuchte Nasir die Köchin zu trösten und sie schenkte ihm ein dankbares Lächeln. „Ja, das werde ich. Er wird ein wenig Zuneigung bestimmt gebrauchen können.“

„Spartacus, Donar und Agron riskieren sehr viel, nur um zwei Vermisste zu finden!“, stellte Chadara unterdessen missmutig fest. „Es sind nur zwei und hier sind so viele!“

Letitia stieß ein Schnauben aus, dann griff sie nach Nasirs Arm. „Ich mache uns etwas Warmes zu trinken. Es ist kalt heute morgen. Du möchtest sicherlich auch etwas haben!“

Nasir folgte Letitia in die Küche und ihm fiel auf, dass die Köchin Chadara nicht aufgefordert hatte, sie ebenfalls zu begleiten. Anscheinend nahm sie ihr die Bemerkung übel.
Er drehte sich zu ihr um, aber die junge Frau war bereits davon gegangen. Wahrscheinlich würde sie sich wieder zu Rhaskos ins Bett begeben.



Ein kleiner Dorfmarkt

Pietros ging so unauffällig wie möglich, in seinen Mantel gehüllt, über den Marktplatz des kleinen Dorfes. Es herrschte ein reges Treiben und er war nicht der einzige, der einen solchen Mantel aufgrund des kühleren Wetters trug. Er war deswegen ein wenig besorgt gewesen, immerhin hatte er ihn in diesem Dorf gestohlen.

Aber da ihm bereits am Dorfeingang drei Männer mit denselben Mänteln begegneten, fiel er nicht sonderlich auf.
Seinen Mantel hatte er fest um sich gewickelt und sein Halsring war verborgen. Dennoch bedauerte er es, keinen Schal zu besitzen.

Auf der anderen Seite war es mittlerweile Frühling und er wäre mit einem Schal, trotz des nicht sonderlich warmen Wetters, zu sehr aufgefallen. Aber mit dem Mantel funktionierte es auch und nachdem er eine Weile über den Markt geschlendert war, beruhigte er sich ein wenig.

Dadurch, dass es auch viele Marktbesucher aus anderen Orten gab, fiel er nicht weiter auf und stand nun an einem Stand und kaufte Brot und Käse. Das Geld für seinen Einkauf hatte er bei seinem letzten Diebstahl im Dorf mitgehen lassen.

Es war ihm bewusst, dass er und Duro sich bereits zu lange in der Nähe dieses Dorfes aufhielten. Am nächsten Tag würden sie ihre Suche nach den Rebellen fortsetzen. Aber sie hatten den Markttag abwarten wollen, auch weil sie sich Informationen von den Marktbesuchern erhofften. Hatte es weitere Überfälle auf Villen gegeben?

Und falls ja, wo fanden diese statt?

Er hoffte, dass er so einen Hinweis auf den Aufenthaltsort der anderen finden würde.
Eigentlich hatte Duro ihn begleiten wollen, aber Pietros hatte ihm dies mit einiger Mühe ausgeredet. Sollte es tatsächlich zu einer gefährlichen Situation kommen, wäre Pietros alleine in der Lage, schneller zu fliehen.
Natürlich war Duro nicht wirklich glücklich über diese Entscheidung, die sie aber letztlich doch gemeinsam getroffen hatten. Pietros ließ sich Zeit beim Einpacken der Einkäufe, denn die beiden Frauen, die neben ihm standen, führten gerade ein sehr interessantes Gespräch.

„Es wurde erneut eine Villa überfallen. Und der Stadtkommandant von Capua wurde seines Postens enthoben. Aber Glaber lässt jetzt noch einmal verstärkt nach den Gladiatoren suchen. Man ist ja mittlerweile seines Lebens nicht mehr sicher,“ sagte eine der beiden Frauen, eine Römerin, die aber recht einfache Kleidung trug.

„Verfluchte Sklaven,“ zischte die andere Römerin. „Meine Sklavin wird auch immer aufmüpfiger. Sie braucht mal wieder die Peitsche. Neulich hat sie absichtlich meinen Obstteller fallen lassen. Ich bin mir sicher, dass es Absicht war.“
Pietros hoffte, dass das Mädchen nicht wirklich die Peitsche zu spüren bekam. Aber anscheinend wurden die Römer allmählich unruhig und fürchteten sich davor, dass sich immer mehr Sklaven ein Beispiel an Spartacus nehmen und sich diesem anschließen könnten.

Leider gab es keinerlei Informationen darüber, in welcher Villa oder welchem Versteck sich die Rebellen im Augenblick aufhielten. Aber es gab schließlich noch mehr Stände, zu denen er gehen wollte.

Auch wenn er seine äußeren Zeichen, die ihn als entflohenen Sklaven aus dem Haus des Batiatus markierten, verdeckt hielt, war es für die meisten offensichtlich, dass es sich bei ihm höchstwahrscheinlich um einen Sklaven handelte.

Die meisten gingen wahrscheinlich davon aus, dass er mit seinem Dominus auf den Markt gekommen war und dass dieser sich in der Dorftaverne aufhielt, während sein Sklave die Einkäufe erledigte.

„Aus dem Weg“, sagte daher auch eine römische Frau an einem Stand, an dem Salben und Tinkturen verkauft wurden, und stieß ihn ein Stück zur Seite, während sie sich vordrängelte.

Natürlich stand es ihr zu, vor dem Sklaven bedient zu werden und sie begann dem Verkäufer von den Verdauungsbeschwerden ihrer Schwiegermutter zu berichten.

Geduldig erklärte der Händler, der sich wohl freute, eine gute Kundin gefunden zu haben, die diversen helfenden Mittelchen und Pietros fragte sich, ob diese tatsächlich halfen.

Die Frau seufzte schließlich bedrückt. „Eigentlich hat sie ja nur darum so große gesundheitliche Probleme, weil sie sich so große Sorgen wegen dieser Sklaven macht. Es ist gut, dass der neue Prätor jetzt durchgreift, aber er lässt entlaufene Sklaven und diejenigen, die den Namen Spartacus aussprechen zum Teil auf dem Markt in Capua hinrichten. Das hat sie gesehen und sie hat sich sehr aufgeregt. Seitdem geht es ihr gar nicht gut und das alles schlägt ihr auf den Magen.“

Der Händler lächelte verständnisvoll und reichte ihr eine weitere Tinktur. „Die sorgt für einen ruhigen Schlaf und ist gut bei Verdauungsproblemen. Außerdem sorgt sie für eine gute Haut! Man kann sich auch die Haare und die Füße damit waschen!“

„Wirklich?“, erkundigte sich die Frau und Pietros konnte ein Grinsen nicht unterdrücken.

Schnell blickte er in eine andere Richtung. Er wusste nur, dass er diese Tinktur weder zum Haarewaschen benutzen noch Trinken würde. Wahrscheinlich würde es der Schwiegermutter der römischen Dame hinterher schlechter gehen und dagegen würde der Händler ihr ein weiteres Mittel verkaufen.

Sie seufzte bedrückt, als der Händler sie freundlich anblickte und ein weiteres Mittel hochhielt. „Das ist auch sehr gut. Und ich kann dich sogar in einer Hinsicht beruhigen. Vor ein paar Tagen habe ich meinen Stand eine halbe Tagesreise entfernt aufgebaut. Dort traf ich ein paar Sklaven auf dem Markt. Ich weiß nicht, ob sie zu der Räuberbande von Spartacus gehörten. Aber sie sprachen darüber, dass sie als nächstes die Villa eines reichen Römers namens Aulus überfallen würden, ganz in der Nähe des Ortes, in dem ich mich damals befand. Aber wenn sie dort sind bist du in deinem Haus bestimmt sicher. Ich kenne diesen Aulus sogar. Ich habe ihm einmal ein paar Mittelchen gegen seine Verdauungsprobleme verkauft. Wenn man mich fragt isst der Mann zu viel. Aber die Mittel werden ihm bestimmt geholfen haben! Und ansonsten lässt es sich ja auch noch anderweitig verwenden.“

Die Frau seufzte tatsächlich ein wenig erleichtert auf, kaufte die Heilmittel und nun war Pietros endlich an der Reihe. Er kaufte eine Salbe, die gegen verspannte Muskeln und Schmerzen half. Er wusste sogar, wonach er Ausschau hielt, denn der Medicus im Ludus hatte diese Salbe häufig bei den Gladiatoren angewandt. Pietros wollte die Medizin für Duro besorgen, vielleicht halfen sie seiner durch die Verletzung in Mitleidenschaft gezogenen und nun geschwächten und noch immer schmerzenden Bauchmuskulatur.

Einen Versuch war es zumindest wert und er wollte seinem Freund ein wenig Erleichterung verschaffen.

Der Händler reichte ihm die Salbe und versuchte nicht, ihm weitere Heilmittel zu verkaufen. Er ging davon aus, dass hier ein Sklave seine Einkaufsliste für seinen Dominus abarbeitete und mit Strafe bei zusätzlicher Geldausgabe rechnen musste.

Aber Pietros hatte seinerseits noch eine Frage. „Ich hörte vorher von diesem Aulus. Mein Dominus macht sich deswegen ebenfalls große Sorgen. Wo genau lebt dieser Aulus? Und wissen die Soldaten auch davon?“

Der Mann schüttelte den Kopf. „Nein, ich laufe nicht zu den Soldaten. Am Ende gerate ich noch in Verdacht, etwas mit den Rebellen zu tun zu haben. Aber wenn es ums Geschäft geht, nun, dann gebe ich solche Informationen schon einmal preis. Diese Frau macht sich wahrscheinlich keine Gedanken, die über die Verdauungsprobleme ihrer deswegen sicherlich sehr schlecht gelaunten Schwiegermutter hinaus gehen.“

Er zog Pietros ein Stück weit an sich heran. „Und dein Dominus macht sich auch Sorgen?“

Pietros nickte und sah den Mann so freundlich wie möglich an. „Ja, er ist etwas ängstlich deswegen, seitdem einer seiner reichen Verwandten im Haus des Batiatus so schrecklich ums Leben kam.“

Der Mann zuckte kurz zusammen und Pietros wusste, dass er sein Ziel erreicht hatte, auch wenn er ein Risiko einging. Aber offenbar hielt ihn der Händler mit dem einfachen, aber dennoch guten und sauberen Mantel für den Sklaven eines Dominus, der mit einem Mitglied des römischen Adels verwandt war, die im Haus des Batiatus  getötet worden waren.
„Ich sage dir, wo das Haus liegt. Dann kannst du deinen Dominus beruhigen, Junge. Und wenn er es für besser hält, den Prätor zu informieren, dann wird der ihm sicherlich sehr dankbar sein. Falls dein Dominus eine Karriere anstrebt ist es bestimmt hilfreich für ihn, wenn er geholfen hat, Spartacus zur Strecke zu bringen.“

Er sagte Pietros, wo sich die Villa des Aulus befand und dieser hörte aufmerksam zu.


Verfallenes Haus im Wald

Duro blickte auf, als Pietros zurück kehrte und ihm einen Teil des Brotes und des Obstes reichte, das er gekauft hatte.
Dann setzte er sich neben Duro und reichte ihm die Salbe. „Hier, vielleicht hilft das gegen deine Wunde. Und ich habe noch etwas anderes erfahren. Spartacus wollte das Haus eines Mannes Namens Aulus angreifen. Und ich weiß, wo es sich befindet.“

Duro erhob sich. „Dann sollten wir sofort aufbrechen. Vielleicht sind sie noch dort oder wir erfahren in der Umgebung wenigstens, wohin sie gegangen sind.“

Er griff nach der Salbe und wandte sich ab, als er einen Teil seiner Tunika hochzog. Pietros wusste, dass es Duro unangenehm war, andere auch nur in die Nähe seiner Wunde zu lassen und daher bot er ihm auch nicht an, zu helfen, auch wenn er dies unter anderen Umständen getan hätte.
Duro rieb die Salbe auf seine Haut, mied dabei aber seine Narben, einfach weil die Haut dort noch zu empfindlich war.

Dennoch spürte er nach kurzer Zeit eine gewisse Erleichterung und er sah Pietros dankbar an. „Ich glaube, es hilft. Damit wird es leichter sein, zu diesem Aulus zu kommen. Aber wir sollten jetzt aufbrechen. Und...du hast das alles sehr gut gemacht.“
Pietros sah den anderen verwundert an. „Es war nicht so schwer. Ich habe nur den dummen kleinen Sklaven gespielt, der seinem Dominus treu ergeben ist. Manchmal frage ich mich, ob wir jetzt eigentlich noch Sklaven sind oder nicht.“

Duro dachte einen Augenblick nach. „Wenn es nach den Römern geht ja. Und man erkennt uns als Sklaven. Aber sollten diese Gesetze für uns gelten? Spartacus ist anderer Ansicht.“
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