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Die Überlebenden

von Deira
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Agron Duro Lucretia Nasir Pietros Spartacus
14.02.2020
03.07.2022
47
117.628
4
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
29.03.2020 3.601
 
Und hier ist das nächste Kapitel. Es ist ein düsteres Kapitel. An dieser Stelle auch noch vielen Dank an diejenigen, die sich im Lauf der Geschichte bisher gemeldet haben, an Shaun, grantaire und Isaria. Ich wünsche allen viel Spaß beim Weiterlesen.  
Warnung
Es kommen Kreuzigungen vor.

Kapitel 15

Duro

Als Aurelius sprach und auf sie zeigte, griffen Pietros Finger in Duros Unterarm, was dem Römer ein spöttisches Lachen entlockte.

„Fürchtest du dich, du kleiner Feigling?“

Er deutete auf Duro. „Aber er kann dir nicht helfen.“

Leider hatte der Römer recht, es gab nichts, was Duro tun konnte, um sich selbst oder Pietros zu schützen, dennoch würde er es versuchen. Er verfluchte nicht zum ersten mal seine Verletzung und seine damit einhergehende Schwäche. Duro war sich sicher, dass er in gesundem Zustand mit diesem Römer fertig geworden wäre.

Aurelius und die Soldaten nährten sich den Gefangenen und griffen nach ihnen. Duro stieß Aurelius' Hand fort und bereute es fast sofort.

Ein Faustschlag gegen seine Stirn raubte ihm beinahe die Sinne während die Soldaten seine Hände hinter seinem Rücken zusammenbanden. Er hörte einen kurzen Aufschrei von Pietros. Auch mit ihm wurde nicht sanft umgegangen. Dann zerrten die Soldaten beide Gefangene auf die Füße und drängten sie aus der Zelle heraus.

Duro versuchte, sich trotz seiner Kopfschmerzen und dem Stechen an seiner Bauchwunde auf den Beinen zu  halten. Er wollte sich nicht die Blöße geben, dass diese Männer ihn irgendwo hin schleiften oder trugen.

Wurden sie zu ihrer Hinrichtung gebracht? Oder stand ein neues Verhör bevor?

Eine große Holztür am Ende eines langen Ganges wurde geöffnet und Duro wurde ins Freie gestoßen. Beinahe stolperte er, aber die Soldaten hielten ihn fest und verhinderten so einen Sturz.

Anscheinend befanden sie sich im Innenhof des Hauptquartiers. Ihm gegenüber stand ein großes, dreistöckiges Gebäude und das Gelände wurde von einer großen Mauer umgeben.

„Dort drüben!“, sagte Aurelius und Duro sah, dass der Mann eine Hand in Pietros Haar gekrallt hatte, während der Gefangene von zwei Soldaten in Richtung eines kleinen Gebäudes gezerrt wurde.

Duro war sich sicher, dass Aurelius aus Bösartigkeit an Pietros Haaren zerrte, denn der Junge leistete nicht einmal nennenswerten Widerstand.

Beide Gefangenen wurden in das kleinere Gebäude gestoßen und ein unfreundlich dreinblickender Mann stand, einen Hammer in der Hand haltend, den Soldaten gegenüber. Neben ihm lagen auf einem Tisch mehrere Werkzeuge.

„Sind das die letzten für heute?“, fragte er schlecht gelaunt. „Was soll mit ihnen geschehen? Ein Brandzeichen? Ein Halsreifen? Beides?“

Pietros schien sich verzweifelt nach einem Fluchtweg umzusehen, aber dies war hoffnungslos. Er und Duro wurden auf die Knie gestoßen und die Soldaten hielten sie fest.

Aurelius griff Pietros grob ins Gesicht und schüttelte dann den Kopf. „Eigentlich wäre mir beides am liebsten. Du könntest ihre Gesichter mit Brandzeichen entstellen. Aber andererseits wäre das eine Schande. Der Bengel ist recht hübsch. Junge Männer sind nicht mein Geschmack, aber vielleicht hat ja noch einer unserer Soldaten Interesse an ihm, bevor es morgen früh zur Kreuzigung geht...also einen Halsreifen. Da sehen ebenfalls alle, dass sie Sklaven waren, die fliehen wollten, sich gegen ihre rechtmäßigen Herren erhoben, und dann ihre gerechte Strafe erhielten. Das tut es genauso gut wie ein Brandzeichen.“

Pietros sah den anderen Gefangenen verzweifelt an. Hatte Duro nicht noch vor kurzem versucht, dem anderen und sich selbst ein wenig Mut zu machen, dass man sie vielleicht doch am Leben lassen würde?

Und jetzt würde man sie zuerst mit diesem Halsring demütigen und dann kreuzigen. Er wollte es nicht glauben. Auch nicht, als Aurelius dem Mann neben ihm einen Halsring reichte, wie Duro ihn bei Ania gesehen hatte. Diese Demütigung würde er gerade noch ertragen, aber der Gedanke an seine Kreuzigung sorgte dafür, dass sich eine Kälte in ihm breit machte und er fühlte Übelkeit aufsteigen.

Nur mit Mühe konnte er den Drang bekämpfen, seinen Mageninhalt auf Aurelius Füßen zu entleeren.
Duro dachte daran, dass es einfacher für ihn gewesen wäre, vor ein paar Wochen im Ludus zu sterben.

Pietros
Draußen war es bereits dunkel und eine erneute kalte Nacht stand bevor.

Pietros saß auf dem Strohhaufen in ihrer Zelle und hielt seine angezogenen Beine mit seinen Armen umklammert, während Duro auf dem Rücken neben ihm lag. Der verletzte Gladiator massierte seine Stirn mit einer Hand, aber dort bildete sich bereits ein kleiner Bluterguss.

Beide hatten kaum gesprochen, seitdem man sie in die Zelle zurück gebracht hatte, aber Pietros war sich sicher, dass der andere über dasselbe nachdachte wie er. Kreuzigung. Gab es eine noch schlimmere Todesart? Er erinnere sich noch gut an Iras Bericht über den Tod von Segovax und hatte Duro es nicht sogar mitangesehen?
Pietros wusste genug über diese Hinrichtungsmethode um mit Grauen an den nächsten Morgen zu denken. Hatte er so etwas verdient? Nach allem,was er wusste, würde man sie gemeinsam mit den Haussklaven, die sich seit kurzem im Gefängnis befanden, hinrichten.

Er hörte Stimmen und leises Weinen aus den anderen Zellen. Diese Menschen teilten seine und Duros Angst.

Pietros packte seinen Hals. Ein Ring aus einem festen Metall in einer bräunlichen Farbe befand sich dort. Duro trug ebenfalls einen solchen Halsring und er hasste es genauso wie Pietros.  Der Reifen war nicht zu eng, Pietros konnte seinen Daumen zwischen Hals und Ring schieben. Es fühlte sich an wie ein schreckliches Schmuckstück, aber zumindest störte es ihn nicht beim Atmen.

An dieser Stelle hatte er bis zu seiner Verhaftung eine Kette getragen, die Barca ihm einst geschenkt hatte. Pietros hatte sich damals Sorgen gemacht, aber niemand hatte sich im Ludus an dem Geschenk und daran, dass er es trug, gestört.

Seine Kette hatte man ihm, wie fast alle seine wenigen Habseligkeiten, bereits am ersten Tag im Gefängnis abgenommen. Ihm waren nur die Kleider geblieben, die er auf dem Leibe trug. Diese rochen mittlerweile und benötigten, genauso wie Duro und er, dringend eine Wäsche.

Pietros hatte bereits mehrfach versucht, sich von dem Ring zu befreien, aber der Mann, wahrscheinlich ein Schmied, hatte ihn mit einem Hammer bearbeitet und dabei auch Pietros Schulter getroffen, als er sich im falschen Moment bewegte. Der dabei entstandene Bluterguss würde noch eine Weile sichtbar bleiben.

Der Reifen ließ sich nicht verbiegen, zerbrechen oder öffnen. Auch Duro, der an die Decke starrte, hatte noch weitaus heftiger versucht, sich von dem Ding zu befreien, aber seine Bemühungen waren genauso vergeblich gewesen.

„Warum haben sie das gemacht?“, fragte Pietros und er konnte das Zittern in seiner Stimme nicht verhindern. „Wenn sie uns doch sowieso töten, warum müssen sie das auch noch tun?“

„Weil sie Freude daran haben, uns noch zu quälen, so lange sie die Gelegenheit dazu haben“, antwortete Duro und fügte hinzu; „Es tut mir leid. Ich habe dir vorhin falsche Hoffnungen gemacht. Ich dachte, wir hätten noch eine Chance...“

„Nicht deine Schuld“, murmelte Pietros und er meinte es genau so. „Ich habe auch gehofft, dass sie sich nicht mehr mit uns befassen würden. Aber wir sind nicht mehr von Nutzen...wir sind nur noch gut genug für eine abschreckende Hinrichtung.“

Nach einer Weile setzte Duro sich auf. „Pietros, wenn sie in die Zelle kommen um uns zu holen, dann versuche ich, an eines der Schwerter heran zu kommen. Vielleicht schaffe ich es. Es ist eine geringe Chance, wahrscheinlich wird es nicht funktionieren oder ich kann nicht allzu viel damit ausrichten. Aber wir haben nichts mehr zu verlieren.“

Er lächelte schwach. "Vielleicht kann ich wenigstens Aurelius mitnehmen..."

Nach einem Augenblick des Zögerns nickte Pietros. „Ich helfe dir, so gut ich kann.“

Sie hatten wirklich nicht mehr allzu viel zu verlieren…

Drusus

Der Morgen brach an und Drusus beobachtete seine Männer, während diese ihr grausiges Werk vollzogen.

Durus hatte sich entschlossen, die Hinrichtungen vor den Mauern der Stadt zu vollziehen. Immerhin gab es durchaus friedliebende Menschen, die keinen Gefallen an dem Anblick und vor allem dem Geruch verwesender Leichen fanden.

Drusus wollte römischen Bürger in der Stadt schützen und er wollte sie daher auch inmitten ihrer Mauern vor dem Anblick dieser toten Verbrecher bewahren.

Er hasste Kreuzigungen und er war froh, dass Römer niemals zu einem solchen Tod verurteilt wurden. Er hatte niemals zu denen gehört, die sich eine solche Hinrichtung zum Vergnügen ansahen. Manche Menschen teilten seine Ansicht nicht und schienen Hinrichtungen unterhaltsam zu finden.

Auch jetzt waren trotz der frühen Stunde einige Zuschauer anwesend. Ein römisches Paar stand da und die Frau hatte ihren Kopf an die Seite ihres Mannes gelehnt und kicherte. Offenbar fand sie das Spektakel nicht besonders beängstigend, sondern eher amüsant.

Er erkannte einen reichen römischen Villenbesitzer, der des öfteren geschäftlich in Capua weilte.

In Begleitung seiner beiden Leibsklaven beobachtete er die Hinrichtung. Dabei hatte er die Hände auf die Rücken seiner beiden Sklaven, einer blonden Frau und einem jungen Mann mit langem schwarzen Haar, gelegt. Er schien sie am Rücken zu streicheln und sagte dann etwas zu den beiden. Bisher hatten sie die Köpfe leicht geneigt und zu Boden geblickt, aber jetzt, nach den Worten ihres Dominus, schauten sie zu den Gekreuzigten.

Wahrscheinlich warnte ihr Dominus die beiden vor schlechtem Benehmen und machte sie darauf aufmerksam, was mit Sklaven geschah, die sich gegen ihre Herren erhoben.

Danach hatte der Mann anscheinend sein Interesse an den Kreuzigungen verloren und machte sich, gefolgt von seinen Sklaven, auf den Weg in die Stadt.

Es gab noch weitere Schaulustige. Drusus erkannte auch Ashur, den Sklaven der Witwe des Batiatus. Auch er ließ sich das schaurige Schauspiel nicht entgehen, ehe auch er es vorzog, sich hinter die Mauern der Stadt zurück zu ziehen.

Drusus wandte sich wieder den Hinrichtungen zu.

Eine Frau schrie laut auf, als man Nägel durch ihre Handgelenke schlug und Drusus wandte den Blick ab.

Wäre es nach ihm gegangen, hätte er die 20 Sklaven, fünf von ihnen waren Frauen, schnell getötet.
Aber dies hätte nicht dieselbe abschreckende Wirkung gehabt und er hatte klare Anweisungen durch den Magistrat Gallienus und den neuen Prätor Glaber erhalten.

Keine Gnade mit entflohenen Sklaven.

Die Sklaven, die nun gekreuzigt wurden und die in den letzten Tagen sein Gefängnis bevölkert hatten, hatten sich tatsächlich eines sehr schweren Verbrechens schuldig gemacht. Sie hatten, ermutigt durch das schlechte Beispiel von Spartacus, ihren Dominus und drei seiner zu Besuch weilenden Freunde getötet und waren anschließend geflohen. Ihr Anführer, ein einfacher Haussklave namens Darios, hatte die anderen aufgewiegelt.

Drusus erinnerte sich an den Dominus der Haussklaven. Vor einiger Zeit hatte er ihm einen geflohenen Haussklaven zurück gebracht und dieser war anschließend an den Misshandlungen, die ihm sein Dominus zur Strafe zufügte, gestorben.
Bei dem Dominus hatte es sich um einen trotz seiner vornehmen Kleidung ungepflegt wirkenden Mann gehandelt, der schrecklich nach Schweiß roch. Drusus hatte ihn als einen sehr unangenehmen Menschen empfunden, aber es lag nicht an ihm, sich ein Urteil über einen Römer, der sein Eigentum zurück forderte, zu fällen.
Nach der Begegnung mit dem Mann hatte Drusus die Fenster geöffnet, um zu lüften.

Die entflohenen Sklaven waren nicht allzu weit gekommen, Drusus`Männer hatten sie bereits nach zwei Tagen wieder eingefangen. Da eine Belohnung ausgesetzt worden war, hatte es recht bald entsprechende Informationen über ihren Aufenthaltsort gegeben.
Leider hatte das Aussetzen einer weitaus höheren Belohnung bei der Ergreifung von Spartacus und seiner Gladiatoren bislang nicht zum Erfolg geführt.

Die Sonne stieg langsam über der Stadt auf und schien in die Gesichter der an den Kreuzen hängenden Menschen. Drusus versuchte die Schmerzensschreie und das Weinen der Gekreuzigten zu ignorieren. Einige schwiegen und ein junger Mann hatte den Kopf gesenkt. Entweder hatte er das Bewusstsein verloren oder er gehörte zu denen, die das Glück hatten, schnell zu sterben. Andere schrien und ein Mann versuche sogar jetzt noch, sich zu befreien.

Alle waren als geflohene Sklaven markiert worden. Zwei Frauen hatte man ein F in die Stirn geritzt, die anderen drei trugen Halsreifen und eine hatte zusätzlich ein Brandmal auf der Wange. Bei den Männern verhielt es sich ähnlich, mit den meisten von ihnen war man noch unsanfter umgegangen. Die Körper einiger waren mit Wunden übersät, auch von ihnen trugen einige die verhassten Halsringe und hatten durch das Verschließen selbiger blaue Flecken am Hals und an den Schultern.

Vor allem Darios hatte den Preis für den Mord an seinem Dominus, den er persönlich auf sich genommen hatte, gezahlt. Neben den Blutergüssen seines Ringes befanden sich Peitschenstriemen, Brand- und Schnittwunden an seinem Körper. Man hatte mehrere F nebeneinander in seine Wange und auf seine Schultern geritzt und beide Wangen wiesen zusätzliche Brandzeichen auf.

In einem Punkt hatte Drusus sich als gnädig erwiesen, denn die Frauen trugen zumindest noch einen Teil ihrer Kleidung und den Männern hatte er ihre Subligaria gelassen.

„Bitte lasst mich gehen,“ schluchzte eine der Frauen, sie war die älteste von ihnen und er schätzte sie auf sechzig Jahre. Sie zitterte am ganzen Körper und würde nicht mehr lange durchhalten.

„Marcella würde mich hassen, wenn sie sähe, dass ich so etwas tue,“ dachte Drusus einen Augenblick, ärgerte sich dann aber über sich selber.

Was kümmerte ihn noch die Meinung seiner geschiedenen Frau? Dass sie Sklaven oder vielmehr ehemaligen Sklaven gegenüber zu viele Gefühle zeigte, hatte sie ja zur Genüge bewiesen…

„Wir sind fertig!“, sagte Aurelius, als er vor seinen Kommandanten trat. „Einige haben sich gewehrt, sogar als wir sie aus der Zelle holten und als wir sie ans Kreuz nagelten. Ich habe mich darum gekümmert.“

Drusus nickte und er sah dem anderen an, dass es ihm Vergnügen bereitet hatte, die Oberaufsicht über die Kreuzigung zu übernehmen. Dies war ein Auftrag nach dem Geschmack des Mannes, den er vor kurzem zum Hauptmann befördert hatte.

Die meisten Zuschauer waren inzwischen in die Stadt zurück gekehrt, die wenigsten wollten stundenlang auf den Tod der Verurteilten warten.

„Wir ziehen uns jetzt auch zurück, lediglich diejenigen, die Wache halten, bleiben zurück,“ sagte Drusus zu Aurelius und er blickte noch einmal zu den Gekreuzigten.

Jetzt, nachdem die Verurteilten gekreuzigt worden waren, hatte er wieder einen gewissen Spielraum. Er rief einen Soldaten zu sich.
"Nimm dein Schwert. Töte zuerst die Frauen. Mach es möglichst schmerzlos. Töte anschließend auch die Männer bis auf den Anführer. Er soll es bis zum Schluss ertragen...."

Während die meisten der anwesenden Soldaten in die Stadt zurück kehrten, machte sich der Mann daran, den Auftrag des Kommandanten auszuführen.

Aurelius war nicht zufrieden mit dieser Entscheidung. „Warum zeigst du Gnade?“

Drusus deutete auf die Gefangenen. „Das,was erreicht werden sollte, ist doch erreicht. Sie sind tot und sie dienen als Abschreckung.“

Schließlich waren nur noch der Anführer der Sklaven und ein weiterer Mann am Leben, als sie Reiter hörten, die sich ihnen näherten. Dann zogen Drusus, Aurelius und die anderen Soldaten ihre Schwerter.

Sie wurden überfallen, wahrscheinlich von Banditen…

Etwa fünfzehn Reiter näherten sich den zehn übrig gebliebenen Soldaten. Der erste von Drusus Männern wurde mit einem Speer aufgespießt und einige der Männer stiegen von den Pferden und stürmten auf die übrigen neun Soldaten zu.

Drusus griff einen der Männer an und es gelang ihm, ihm sein Schwert in den Arm zu stoßen, aber ein anderer Bandit stieß ihn zu Boden.

„Spartacus, die Gefangenen sind tot, bis auf zwei,“ rief einer der Angreifer und der Mann, der Drusus zu Boden gestoßen hatte, wandte sich dem anderen zu.

„Helft denen, denen ihr helfen könnt,“ rief er und Bedauern klang in seiner Stimme mit.

Drusus sah Aurelius, der zu fliehen versuchte.

Der Kommandant blickte zu dem Mann, bei dem es sich offenbar um Spartacus handelte. Er hatte ihn niemals zuvor gesehen, schließlich hatte er niemals die Spiele in Capua besucht.

Aurelius war unterdessen von einem der Angreifer eingeholt worden und wurde ebenfalls zu Boden gestoßen. „Bitte, tu mir nichts!“, flehte der Hauptmann und Drusus schämte sich dafür, einen solch feigen Hauptmann in seinen Reihen zu haben.

Den Gefangenen gegenüber hatte sich Aurelius niemals so feige verhalten.

Der Gladiator, denn dafür hielt Drusus den Angreifer, versetzte Aurelius einen Tritt in die Seite und der Hauptmann brach zusammen. Er rollte sich zur Seite, als der Gladiator mit seinem Schwert zustieß.

Aurelius bat erneut lautstark um Gnade.

Drusus selbst würde Spartacus oder einen der anderen Sklaven, denn nichts anderes waren sie in seinen Augen, nicht um Gnade anflehen.

Ein anderer Gladiator hatte einen seiner Soldaten gegen den Pfahl eines Kreuzes gedrängt und schlug ihm immer wieder mit der Faust ins Gesicht. Die übrigen von Drusus Soldaten lagen auf dem Boden, waren wahrscheinlich tot.

Unterdessen waren die beiden Überlebenden von den Kreuzen befreit worden, aber für einen der Sklaven kam offenbar jede Hilfe zu spät. „Der Mann ist tot,“ rief einer dieser Verbrecher.

Offenbar lebte nur noch Darios, der Anführer der Haussklaven. Zwei der Angreifer trugen ihn in Richtung der Pferde.
Drusus tastete nach seinem aus der Hand gefallenen Schwert, während Spartacus und seine Männer sich zurück zogen. „Warum macht er sich die Mühe, um diese Haussklaven zu retten? Woher hat er die Pferde?“, dachte Drusus, ehe er einen Schlag auf den Kopf erhielt.



Drusus öffnete die Augen und schloss sie sofort wieder. Die Kopfschmerzen waren zu heftig. Eine Hand wurde auf seine Stirn gelegt.

„Gut, dass du wieder aufwachst, Kommandant,“ hörte er die Stimme von Alexios, dem Medicus. Offenbar befand er sich in den Krankenräumen des Hauptquartiers. „Ich hatte schon Sorge, dass du nicht mehr erwachen würdest. Du hast eine Wunde am Kopf, die ich nähen musste. Wahrscheinlich hielt man dich für tot. Oder sie hatten es eilig. Aber du und Aurelius seid die einzigen Überlebenden.“

Drusus öffnete nun doch die Augen und sah Aurelius, der, mit einem Arm in der Schlinge, ihm gegenüber auf einem Hocker saß. Der Mann war blass und Drusus erinnerte sich daran, dass er seinen Hauptmann das letzte Mal gesehen hatte, als er um Gnade winselte.

„Du hast ja sehr tapfer gekämpft,“ sagte er spöttisch und Aurelius zuckte kurz zusammen. „Ich habe eine List angewandt! Ich habe mich tot gestellt!“, sagte er und schien auf ein Lob durch seinen Kommandanten zu warten.

Als dieses ausblieb seufzte Aurelius. "Die Gladiatoren waren wirklich wütend. Sie nannten mich einen Mörder."

Drusus nickte, aber diese Bewegung bereitete ihm weitere Kopfschmerzen. „Sei froh, dass wir die beiden Gefangenen aus dem Haus des Batiatus nicht wie geplant mit den anderen gekreuzigt haben. Wenn die Gladiatoren ihre eigenen Leute unter den Toten gefunden hätten, dann hätten sie uns wahrscheinlich die Haut abgezogen oder uns in kleine Stücke geschnitten.“

In der Tat hatte sich Drusus erst in den frühen Morgenstunden dazu entschieden, die beiden jungen Männer aus dem Ludus nicht hinzurichten. Er hatte am Vorabend eine Nachricht erhalten. Glaber, der Prätor, würde in wenigen Tagen eintreffen und er wollte ihm diese beiden Gefangenen lebendig übergeben.

Drusus fürchtete sich insgeheim sowieso bereits vor Glabers Zorn darüber, dass es ihm bislang noch nicht gelungen war, einen einzigen der geflohenen Gladiatoren gefangen zu nehmen oder zu töten. Der heutige Überfall, bei dem der Anführer der Haussklaven befreit und mehrere Soldaten getötet worden waren, würde diesen Zorn sicher noch verstärken.

Schon in Rom hatte Drusus einige Geschichten über Glaber gehört und der neue Prätor war ein Mann, den er nicht als seinen Feind haben wollte.

„Aurelius, lass deine Wut nicht an den beiden Gefangenen aus,“ befahl Drusus seinem Hauptmann, der ihn enttäuscht ansah. „Ich will die beiden in einem halbwegs vorzeigbaren Zustand an Glaber übergeben! Er soll entscheiden, was mit ihnen geschieht.“

Vielleicht würde dies den Prätor ein bisschen milde stimmen….


Pietros

Pietros saß in einer Ecke auf dem Boden der Zelle und versuchte, ein Zittern zu unterdrücken. Die Nacht war schrecklich gewesen und am Morgen hatten er und auch Duro damit gerechnet, aus ihren Zellen geholt und mit den anderen Gefangenen hingerichtet zu werden.

Sie würden als abschreckendes Beispiel für künftige rebellische Sklaven dienen. Er fragte sich, ob die wenigen Menschen, die ihnen noch nahe standen, jemals erfahren würden, was mit ihnen geschehen war. Schließlich wussten sie nicht mit Sicherheit, ob sich Letitia, Iras und die anderen geflohenen Haussklaven und Gladiatoren noch in der Nähe aufhielten.

Pietros hatte sich gefragt, ob Barca nach seinem Tod auf ihn warten würde. Er wollte Barca wiedersehen. Aber nicht so bald…

Duro war aufgstanden und hatte sich an die Wand in der Nähe der Tür gelehnt. Mit Mühe hielt er sich aufrecht, war aber dennoch bereit, zu kämpfen. Pietros hatte neben ihm gestanden, um zu helfen, so gut er konnte.

Aber die anderen Gefangenen wurden, aneinandergekettet, an ihrer Zelle vorbei geführt und Aurelius hatte ihnen spöttisch zugerufen, dass man sie stattdessen in ein paar Tagen an den neuen Prätor übergeben würde…

Erschöpft saß Pietros nun auf dem Boden und hätte sich am liebsten für immer in dieser dunkelsten Ecke der Zelle verkrochen.

Er war müde und er spürte, wie die Anspannung von ihm abfiel. Zumindest fürs Erste würden sie weiterleben, auch wenn die Aussicht, dass nun der Prätor über ihr Schicksal entscheiden würde nicht wirklich beruhigend war.

Pietros fragte sich, wer der neue Prätor war und ob er schon einmal etwas von ihm gehört hatte, denn Aurelius hatte keinen Namen genannt.
Pietros blickte auf, als Duro vor ihm stand und ihm seine Hand hin hielt. „Komm, setzt dich drüben hin. Es ist kalt in der Ecke auf dem Boden...“

Pietros ergriff die Hand und stand auf. Duro legte einen Arm um seine Schulter und Pietros lehnte sich in die angebotene Umarmung. Schweigend setzten sie sich so auf ihren Strohhaufen und Duro legte die Decke um ihrer beider Schultern.

Pietros schloss die Augen und die Anspannung der letzten Stunden fiel endgültig von ihm ab. Sie waren noch am Leben.

Eigentlich sollte das Kapitel mit Drusus enden. Aber ich habe dann noch den Schluss eingefügt, weil ich zeigen wollte, wie es den Jungs geht.
Beim nächsten Mal bekommt Lucretia ungebetenen Besuch und man wird einen Bekannten aus der Serie treffen. Natürlich erfährt man auch, wie es bei Duro und Pietros weiter geht.
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