Die Überlebenden

von Deira
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 Slash
Agron Duro Lucretia Nasir Pietros Spartacus
14.02.2020
19.08.2020
46
115.790
4
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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14.02.2020 3.951
 
Zuallererst kommen wir jetzt mal zum Rechtlichen. Die Serie Spartacus gehört definitiv nicht mir, sondern ihren Schöpfern, also Starz Entertainment und Steven DeKnight . Ich verdiene selbstverständlich kein Geld mit dieser Fanfiktion. Ich schreibe sie nur zur Unterhaltung von mir selber und einiger anderer, die sich dafür interessieren könnten. Auch nahezu sämtliche vorkommenden Personen gehören nicht mir. Es gibt zwar einige von mir geschaffene Figuren, aber diese laufen durch eine Welt, die mir nicht gehört.

Zur Geschichte

Diese Geschichte ist sehr stark AU. Zwar findet die Handlung grob so statt wie in der Serie, aber es gibt, vor allem mit den Personen die ich mir hier ausleihe einige größere Änderungen. Es werden auch Dinge passieren, die es in der Serie so nicht gab. Also teilweise Canon, stellenweise stark AU. Es gibt ein paar eigene Charaktere. Zwei davon werden noch mal mehr oder weniger wichtig.
Pietros, die im ersten Kapitel  vorkommende Person, überlebt hier. Dazu kommen noch Agrons kleiner Bruder Duro und möglicherweise andere Personen, die in der Serie das Zeitliche segneten. Manches bleibt, wie es war. Wieder anderes ändert sich. Außerdem bin ich netter zu Lucretia.

P-18 Slash, Pietros liebt nach wie vor seinen verstorbenen Freund Barca. Agron und Nasir sind natürlich auch ein Paar, genauso wie Crixus und Naevia. Die werden natürlich nicht getrennt, gehören doch zusammen.  

Agron und Nasir kommen so ab Kapitel 20 häufiger in der Geschichte vor und werden ihre Rolle spielen.

Mal sehen, wohin mich die Geschichte so treibt, denn die Zukunft liegt in manchen Dingen noch im Nebel. Manchmal machen Charaktere eben, was sie wollen und fragen mich nicht unbedingt.
Die Geschichte beginnt während der ersten Staffel, kurz nach Barcas Tod. Sie wird dann bald in Staffel 2 überwechseln.

Außerdem muss ich hier eine Wahrnung aussprechen. Wer die Serie kennt weiß, dass es dort sehr hart, blutig und gewaltsam, manchmal auch in sexueller Hinsicht, zugeht. Ich werde entsprechende Warnungen am Beginn eines Kapitels einfügen.

Weiterer Hinweis
Ich veröffentliche dieselbe Geschichte bei Archive of Our Own unter dem Titel "The Survivors" in englischer Sprache (oder versuche es zumindest). Dort trage ich den Namen Deirana.

Vorkommende Personen im ersten Kapitel
Pietros, Gnaeus, Spartacus und andere Gladiatoren. Dazu kommen wenige selbsterfundene Charaktere, die eine kleine Rolle spielen.

Kapitel 1
Warnung
Sexuelle Übergriffe und versuchte Vergewaltigung.


Verunsichert betrat Pietros die Küche der Villa seines Dominus, in der die Mahlzeiten für den Besitzer des Ludus und seine Frau vorbereitet wurden.
Eine ältere Frau, die gerade mit einem großen Holzlöffel in einem über einem Feuer hängenden Topf rührte, drehte den Kopf  und sah den im Türrahmen stehenden jungen Mann kurz an.

"Komm rein. Pietros, richtig?", fragte sie und wandte sich wieder ihrem Topf zu. "Die Suppe muss bald fertig werden, sonst werden wir nichts zu essen bekommen."

Letzteres schien sie nicht wirklich ernst zu meinen, denn sie schmunzelte. Verhungern musste offenbar niemand, der für die privaten Mahlzeiten der Herrschaften zuständig war. Ihre Körperfülle schien dies zu bestätigen.

"Letitia?", fragte er. "Ich sollte mich bei dir melden."

Die Frau nickte. "Ja, du sollst bei mir in der Küche bleiben und mir und den Mädchen mit den schweren Gerätschaften helfen. Du kannst gleich mit dem Suppentopf anfangen. Die Suppe ist für die Haussklaven bestimmt. Das Mahl für Dominus und Domina und ihre Gäste wurde bereits serviert."

Letitia wandte sich nun endgültig an ihn, den großen Löffel noch immer in ihrer Hand haltend. "Sie sagen, du hättest im Ludus für Schwierigkeiten und Streitigkeiten unter den Gladiatoren gesorgt. Darum hat Domina Lucretia entschieden, dass du nun in der Küche arbeiten sollst."

Sie seufzte. "Ich hoffe, du wirst hier nicht auch für Unstimmigkeiten sorgen. Das können wir hier nicht gebrauchen."

Pietros blickte zu Boden. Er wusste, dass man ihm die Schuld für die Streitigkeiten zwischen den Gladiatoren gab. Insbesondere  die Schlägerei zwischen Spartacus und Gnaeus vom Vortag, während der Gnaeus beinahe von der Klippe gestürzt war, wurde ihm zur Last gelegt.

"Wäre er doch nur hinunter gestürzt," schlich sich ein böser Gedanke in Pietros Kopf.

Er war beinahe erleichtert, dass er nun in der Küche arbeiten sollte. Zumindest hoffte er, dass er hier vor Gnaeus sicher war. In diesem Bereich des Hauses traf man für gewöhnlich keine Gladiatoren an. Nur die Leibköchin des Lanista, ihre Gehilfinnen sowie einige Haussklaven hatten Zugang. Auch die Schlafquartire der hier Arbeitenden lagen in unmittelbarer Nähe zur Küche.

Letitia trat näher an ihn heran und griff vorsichtig nach seinem Arm. Er fragte sich, ob er einen so verlorenen Eindruck machte, dass sie das Gefühl bekam, ihn trösten zu müssen. Dies störte ihn. Er wollte kein Mitleid. Auch nicht von der Frau, die ihn nun freundlich anlächelte.

"Ich möchte dir einen guten Rat geben. Versuch, nicht unangenehm aufzufallen. Hilf uns hier beim Zubereiten der Mahlzeiten und versuch, ansonsten in Vergessenheit zu geraten. Denn ich hörte, dass Dominus und Domina sich uneins über deine Zukunft waren.", sagte sie und senkte die Stimme, ehe sie fortfuhr. "Sie zeigt sich sonst nur selten gnädig, aber sie sagte zu unserem Dominus, dass seine Handlungen letztendlich für deine Situation und die daraus resultierenden Streitigkeiten verantwortlich seien und wenn du keinen Ärger machen würdest, könntest du hier bleiben und helfen. Wenn du deine Arbeit ordentlich erledigst und dich ruhig verhältst, kannst du hier ein gutes Leben haben."

Sie zuckte die Achseln und beendete das Gespräch, als zwei junge Sklavinnen die Küche betraten. Pietros sah, dass eines der Mädchen kleine Schalen aus einem Regal nahm, während die andere Holzlöffel auf einen Tisch legte. Die beiden wussten offenbar, was sie zu tun hatten. Beide Mädchen hatten schwarze Harre, die zu einem Zopf, der über den Rücken hing, zusammen gebunden waren.

"Du kannst den Topf vom Feuer nehmen und auf den Tisch stellen," wies die alte Köchin ihn an. "Verbrenn dich nicht. Er ist schwer und heiß."


Am späten  Abend lag Pietros unter seiner dünnen Decke auf seinem spärlichen Lager, dass sich direkt neben der Küche befand. Ein älterer Mann, der sich um die Pflanzen der Villa kümmerte, lag nur zwei Schritte von ihm entfernt auf einem anderen Bett und schnarchte laut. Er hörte die Mädchen aus dem Nebenraum kichern, bis Letitia sie mit einem lauten "Psst, ich will schlafen," zur Ruhe rief.

Aber nicht die Geräusche der Nacht hielten Pietros wach. Den ganzen Tag über hatte er sich schweigsam in seine neuen Aufgaben eingearbeitet. Die anderen Haussklaven, die er in der Küche angetroffen hatte, hatten ihn freundlich willkommen geheißen. Das gleiche galt für Naevia und Mira, die die Küche am späten Nachmittag aufsuchten und ein kurzes Gespräch mit Letitia führten. Offenbar ging es um die Essenswünsche der Domina für die nächten Tage.

Aber einiges wunderte ihn am Verhalten der anderen.

Besonders Naevia hatte ihm einen mitleidigen Blick zugeworfen und Letitias junge Gehilfinnen, Iras und Damaris, hörten mit ihrem Gespräch auf, als er sich ihnen näherte. Iras, eine Sklavin, die ursprünglich aus Karthago stammte, wollte etwas sagen, aber die Griechin Damaris schüttelte den Kopf.

Anscheinend hatten die anderen Sklaven bereits über ihn gesprochen. Wussten sie alle, warum seine Tätigkeit im Ludus nicht mehr erwünscht war und warum er statt dessen in die Küche geschickt wurde? Wahrscheinlich war dies so.

Seine Gedanken wanderten zu Iras, der jungen Sklavin aus Karthago. Barca hatten sie das "Biest aus Karthago" genannt...

Pietros fragte sich, ob Barca überhaupt noch einen Gedanken an ihn verschwendete. Wo war er im Augenblick? Kehrte er in seine Heimat zurück? Hielt er sich noch in der Stadt auf? Diese Gedanken machten Pietros wütend und traurig zugleich. Warum war Barca ohne ihn gegangen?

Er wischte die Tränen fort, die sich in seine Augen stahlen. Von ihnen hatte er in der letzten Zeit sehr viele vergossen.

Warum hatte Barca ihm falsche Hoffnungen, gemacht, wenn er doch in Wahrheit überhaupt nicht plante, ein gemeinsames Leben mit Pietros zu beginnen?

Er drehte sich auf die Seite und versuchte eine bequemere Schlafposition zu finden, während der alte Mann, Lucillus, laut im Schlaf schmatzte und dann erneut zu schnarchen begann.

Pietros lächelte traurig. Bei den Gladiatoren war es bei Tag und bei Nacht um einiges lauter zugegangen als in der Küche und den anliegenden Schlafräumen. Vor allem wurde mehr geflucht und niemand störte sich daran, auch Pietros nicht.

Hier hingegen hatte Letitia drohend ihren Kochlöffel, den sie anscheinend niemals los lies, gehoben, als Iras sich beim Schälen einer Möhre in den Finger schnitt und leise fluchte. "Iras, keine rauhe Sprache in meiner Küche! Wie oft muss ich das noch sagen," schimpfte Letitia und für einen Augenblick fragte sich Pietros, ob die alte Köchin das Mädchen tatsächlich mit dem Löffel schlagen würde.

Aber Iras hatte gelächelt und ihren Fluch hinunter geschluckt. Anscheinend hielten sich die Sklaven, die in der Küche arbeiteten, an Letitias Anweisungen.

Ein wenig später hatte Pietros eine Holzschale mit Äpfeln fallen lassen und ein Fluch war ihm entfahren, aber Letitia ließ dies nicht durchgehen. Der Kochlöffel klatschte tatsächlich auf seinen Handrücken und sie schaute ihn streng an. "Du bist hier nicht mehr bei den Gladiatoren. Also zügele deine Zunge. So sprechen wir hier nicht!"

Die beiden Mädchen, die in der Nähe Gemüse putzten, kicherten und Pietros wurde sich bewusst, dass hier wirklich andere Regeln herrschten.

Die Gedanken des jungen Mannes wanderten erneut zu Barca und ein anderer Gedanke schlich sich, nicht zum ersten Mal, bei ihm ein. Hatte Barca ihn wirklich verlassen? Sein Herz sagte ihm eigentlich etwas anderes. Aber konnte er darauf hören? Er dachte an etwas, das Letitia bei seiner Ankunft gesagt hatte.

Warum hatte sich Domina Lucretia dafür eingesetzt, dass er eine Stellung in der Küche bekam, nachdem angeblich sein Verhalten für den Ludus nicht mehr tragbar war? Warum verkauften sie ihn nicht direkt weiter oder schickten ihn, im schlimmsten Fall in die Mienen? Warum sagte die Domina zu ihrem Mann, Batiatus, dass er selbst verantwortlich für die Unstimmigkeiten unter den Gladiatoren sei?

Unstimmigkeiten, für die Pietros für die meisten verantwortlich war...


Kurz nachdem Barca verschwand, begann es. Gnaeus, der ihn schon häufiger mit Blicken verfolgt hatte, gab sich damit und mit flüchtigen, scheinbar zufälligen Berührungen nicht mehr zufrieden. Statt dessen drückte er ihn eines Morgens  in dem Quartier, dass er einst mit Barca geteilt hatte, zu Boden. Als Pietros sich wehrte schlug ihm der Gladiator ein paar Mal ins Gesicht, ehe der Mann seine Hände weiter wandern lies.

Dass es nicht noch Schlimmer für Pietros wurde lag nur daran, dass Spartacus die Zelle betrat und Gnaeus von ihm wegzog. Dieser stieß daraufhin Flüche aus, die Letitia niemals in ihrer Küche geduldet hätte und er versetzte Spartacus einen heftigen Stoß, ehe er  erneut seinen gierigen Blick auf Pietros richtete. Gnaeus vergaß offenbar während jener kurzen Augenblicke den anderen Gladiator, der sich in unmittelbarer Nähe befand. Statt dessen griff er wieder nach Pietros, der von ihm weg kroch und seine geprellte Wange rieb.

Dann sah der Junge, wie Spartacus`Faust in Gnaeus Gesicht landete. Ein weiterer Schlag schickte ihn zu Boden, während Pietros sich unsicher an die Wand drückte.

"Verschwinde ," zischte Spartacus dem anderen Mann zu. "Wenn du so etwas noch einmal versuchst, wird es dir schlechter ergehen."

Anschließend wandte sich der Gladiator an Pietros, der verunsichert Gnaeus hinterher blickte, als dieser hinaus  eilte. Mit Spartacus wollte er sich im Augenblick anscheinend doch nicht anlegen.

"Geht es dir gut?", erkundigte sich Spartacus und Pietros sah das Mitgefühl in den Augen des anderen.

"Es...geht mir gut...", antwortete der Jüngere, aber er konnte das Zittern in seiner Stimme nicht unterdrücken. Die letzten Augenblicke vor Spartacus Eingreifen waren einfach zu erschreckend für ihn gewesen. Aber hätte er mit so etwas nicht rechnen müssen? Er hatte die Blicke doch bemerkt, mit denen Gnaeus ihn verfolgte.

Spartacus sagte noch etwas, aber Pietros hörte die Worte kaum. Seine Gedanken wanderten in eine andere Richtung. Als Barca noch bei ihm war, hatte Gnaeus es nicht gewagt, ihn anzurühren. Dieses Mal war Spartacus ihm zur Hilfe gekommen. Aber was würde beim nächsten Mal geschehen?

Das nächste Mal fand bereits ein paar Tage später statt. Dieses Mal hatte der Medicus Pietros aufgefordert, ihm neues Verbandmaterial zu bringen, während er einen Gladiator, Hamilcar, der sich beim Training verletzt hatte, behandelte.

Als Pietros zu dem kleinen Raum ging, in dem der Medicus seine Vorräte an Medikamenten, Kräutern und Verbänden aufbewahrte, wurde er gegen die Wand gedrückt und er spürte stinkenden Atem in seinem Nacken, ehe ihm dort ein unsanfter Kuss, der eher einem Biss glich, aufgedrückt wurde.

"Dieses Mal hilft dir niemand. Du gehörst mir," flüsterte Gnaeus und Pietros fragte sich, ob der Gladiator jeden seiner Schritte beobachtete. Verfolgte er ihn? Musste er nicht eigentlich beim Training sein?

Pietros versuchte, den Mann abzuschütteln, aber er wusste, dass er keine wirkliche Chance hatte. Jedoch auch dieses Mal standen ihm die Götter noch einmal bei. Die Stimme des Medicus erklang.

"Gnaeus. Was machst du da? Weg von dem Jungen! Er hat Aufgaben zu erledigen" rief er und Hamilcar, der dem Medicus trotz einer Wunde am Oberarm gefolgt war, packte Gnaeus an der Schulter und zog ihn von Pietros fort. "Lass ihn, geh zum Training," forderte er mit ruhiger Stimme. "Du gehst zu weit."

Gnaeus hörte auf Hamilcars Worte, zischte Pietros aber ein wütendes "Bald ist es so weit" zu, ehe er nach draußen eilte, um sein Training mit den anderen Gladiatoren aufzunehmen.

"So geht das nicht weiter," murmelte Hamilcar, der sich ansonsten recht gut mit Gnaeus verstand in düsterem Tonfall und der Medicus nickte, ehe er sich an Pietros wandte.

"Ich brauche neue Verbände. Ich muss mich um Hamilcars Arm kümmern," sagte er und ging nicht weiter auf den Vorfall ein, während Pietros ein leises "Gratitude" murmelte.

Vorfälle dieser Art häuften sich. Während sich die meisten der Gladiatoren nicht eimischten, gab es doch einige unter ihnen, die sich anscheinend entschlossen hatten,  ein Auge auf Pietros zu haben. Noch einmal half Spartacus ihm, als Gnaeus ihn erneut abfing. Beim nächsten Mal waren es Spartacus und dessen bester Freund Varro, die ihm beistanden. Einmal ließ sogar Oenomaus seine Peitsche knallen, als Gnaeus Pietros nach dem Training in eine Ecke drängte. Beim nächsten Vorfall schlug Spartacus Gnaeus einen Backenzahn aus, den dieser wütend auf den Boden spuckte, ehe es zu einer Schlägerei kam, an der bald auch andere Gladiatoren teilnahmen, obwohl die meisten von ihnen nicht einmal genau wussten, worum es eigentlich ging. Jeder von ihnen fand einen Grund, mitzukämpfen.

Schließlich mussten Oenomaus und drei Ludus-Wächter die Kämpfenden voneinander trennen. Einer der Wächter blickte Pietros zornig an. "Immer gibt es Ärger wegen dir! Man sollte dich von diesem Ort entfernen."

Pietros wollte nicht, dass es seinetwegen Streit gab. Aber war es denn wirklich seine Schuld? Was tat er denn so Schlimmes? Anscheinend fühlte sich Gnaeus doch durch seine bloße Anwesenheit ermuntert.

Aber auch wenn Pietros nicht wollte, dass es seinetwegen zu Unruhen kam, war er den Gladiatoren, die ihm halfen, sehr dankbar. Er fragte sich, warum sie es taten. War es reine Freundlichkeit? Alte Loyalität gegenüber Barca?

Viele hatten sich gewundert, dass er ohne Pietros gegangen war und niemand konnte es sich  wirklich erklären. Dennoch blieb Pietros misstrauisch. Erwarteten die Helfenden eine Gegenleistung für ihre Hilfe? Aber keiner trat mit einem entsprechenden Ansinnen an ihn heran.

Sein Misstrauen tat ihm leid, aber seitdem Barca ihn verlassen hatte, fiel es ihm schwer, Worten und Taten zu vertrauen. Schließlich hatte sogar derjenige, dem er von allen am meisten vertraute, ihn bitter enttäuscht.
Der junge Mann beschloss, sein Möglichstes zu tun, um künftige Schwierigkeiten zu verhindern und Gnaeus Gegenwart noch mehr zu meiden als zuvor.

Pietros war so sehr damit beschäftigt, Gnaeus aus dem Weg zu gehen und gleichzeitig seine täglichen Aufgaben zu erfüllen, dass er zumindest bei Tage nicht andauernd über Barca nachdachte.

Diese Gedanken kamen Nachts, wenn er sich schlaflos hin und her wälzte und sich fragte, ob und warum Barca ohne ihn gegangen war.

Aber er wusste nicht, was er glauben sollte. Ein Teil von ihm sagte ihm immer wieder, dass der Gladiator ihn nicht einfach so, ohne ein Wort, verlassen hätte. Er erinnerte sich daran, als sie sich das letzte Mal umarmt hatten. Barca war glücklich gewesen. Glücklich darüber, dass ihnen beiden ein Leben in Freiheit bevorstand.

Hätte Pietros gewusst, dass es das letzte Mal war, dass sie sich berührten, hätte er ihn niemals losgelassen.

Pietros schaute auf die leere Stelle neben seinem Schlafplatz. Es war viel zu ruhig ohne die Atemzüge des anderen. Er griff an die Stelle, an der sich sonst meist Barcas Hand befunden hatte. Auch im Halbschlaf hatte der Gladiator seinen Jungen dann zu sich an seine Seite gezogen und den Arm um ihn gelegt und Pietros war mit einem Lächeln eingeschlafen.

Diese Erinnerungen machten ihn traurig und er setzte sich meist auf und fragte sich erneut, was geschehen war. Warum war Barca fort?

"Er hat dich nie wirklich geliebt. Du warst für ihn ein Zeitvertreib. Sicherlich hat er in der Freiheit längst jemand anderen gefunden, jemanden, den er wirklich liebt. Du warst ihm lästig, darum ist er gegangen," flüsterte eine böse Stimme in seinem Kopf. "Was hast du denn gedacht? Er hat dir Lügen erzählt um dich in sein Bett zu locken. Du weißt, dass er auch eine dunkle Seite hatte. Er war nicht der strahlende Held, zu dem du ihn jetzt machst."

Aber eine andere Stimme sagte etwas anderes. "Er verließ dich nicht. Barca hätte dich niemals verlassen, jedenfalls nicht freiwillig."

"Unsinn!", antwortete die erste Stimme. "Er hat dich wegen mangelnder Zuneigung verlassen. Du warst ihm gleichgültig."

"Nein, er wurde gezwungen zu gehen," erwiderte die zweite Stimme, als sich eine dritte Stimme einmischte. Und diese klang fast so wie Pietros Stimme.

"Er ist tot."

"Er ist tot!", flüsterte Pietros und diese Möglichkeit war von allen die Schlimmste.

Ein paar Tage ließ Gnaeus ihn in Ruhe. Hatte er verstanden, dass einige der anderen Pietros vor ihm schützten? So kam Pietros ein wenig zur Ruhe.

Eines Morgens kümmerte sich Pietros um Barcas Vögel. Er hatte es bisher noch nicht übers Herz gebracht, sich von ihnen zu trennen und sie frei zu lassen, denn Barca hatte sehr an den Tieren gehangen. Sie erinnerten ihn so sehr an ihn.

Er nahm eine Taube aus einem Käfig und hielt sie sanft in ihren Händen. "Vermisst du Barca auch?", flüsterte er und streichelte mit dem Daumen über den Kopf des Vogels.

Unerwartet  und brutal wurde er zu Boden geschlagen. Die Taube flog davon, während eine Hand sein Haar packte und seinen Kopf zu Boden drückte, während sich ein Gewicht auf Pietros Rücken drückte, dass ihm fast den Atem nahm.

Erneut roch Pietros Gnaeus stinkenden Atem und fragte sich, wonach der Gladiator überhaupt roch. An den Schweißgeruch von Gladiatoren war er gewöhnt, befand er sich doch tagtäglich unter ihnen. Dies machte ihm nichts aus. Aber bei Gnaeus war es anders.

Der Mann verursachte allein durch seinen Geruch einen unglaublichen Ekel in ihm, so dass er ihn auch unter anderen Umständen niemals freiwillig als Gefährten oder Liebhaber in Betracht gezogen hätte.

Verdammt, er zog überhaupt niemanden als Barcas Ersatz in Betracht, und diesen brutalen Beinahe-Vergewaltiger Gnaeus schon gar nicht.

Mit einem Mal hatte er nicht nur Angst, sondern er wurde auch wütend. Er würde nicht kampflos aufgeben. Pietros versuchte, sich von dem Gewicht auf seinem Rücken zu befreien. In diesem Moment bedauerte er es, dass er keiner der Gladiatoren war, die sich ganz anders gegen Gnaeus hätten zur Wehr setzen können.

Aber ungeachtet von Pietros Gegenwehr lachte Gnaeus. "Deinetwegen habe ich einen Zahn verloren. Ich würde dir raten, keinen Laut von dir zu geben. Oder willst du, dass dir und vor allem den Vögeln deines Barca etwas geschieht? Willst du, dass ich ihnen die Flügel heraus reiße und dir die Zähne herausbreche?"

Gnaeus presste eine Hand auf Pietros Mund und dieser leistete das an Widerstad, was er noch konnte. Er biss zu und seine Zähne bohrten sich tief in den Daumen seines Angreifers. Pietros schmeckte Blut in seinem Mund.

Überrascht und wütend zugleich schrie Gnaeus laut auf und zog seine Hand fort. "Du verdammter kleiner...", begann er, als Pietros plötzlich wieder frei atmen konnte, da Gnaeus von ihm fort gerissen wurde.

"Misch dich nicht ein! Dazu ist er doch da," brüllte Gnaeus und Pietros drehte sich um. Er setzte sich auf und blickte auf den zornigen Mann, der Gnaeus gepackt hatte. Dessen Daumen blutete heftig.

Erneut war Spartacus Pietros zu Hilfe gekommen und versetzte Gnaeus einen Schlag ins Gesicht. "Du verstehst es nicht, nicht wahr?", fragte Spartacus und Gnaeus riss sich los und lief an ihm vorbei.

"Ich werde ihn bekommen! Er gehört mir", brüllte Gnaeus.  

"Das muss jetzt mal ein Ende haben," knurrte Spartacus und folgte dem anderen Gladiator. Inzwischen stand Pietros ein wenig mühsam auf konnte nicht verhindern, dass er leicht zitterte.

Er war Spartacus dankbar für dessen Hilfe, fürchtete aber, dass sich Gnaeus auch davon nicht würde abhalten lassen.

Mittlerweise schien Gnaeus regelrecht von ihm besessen zu sein und Pietros war sich fast sicher, dass der Gladiator den Verstand verloren hatte und dass dies von Tag zu Tag schlimmer wurde.

Ein wenig später erfuhrt er, dass es auf dem Trainingsgelände zu einer erneuten Schlägerei zwischen Spartacus und Gnaeus gekommen war. Beinahe war Letzterer dabei die Klippe hinab gestürzt. Ohne Zweifel wäre Gnaeus bei einem solchen Sturz zu Tode gekommen und nur im letzten Moment rettete das Eingreifen der anderen Gladiatoren Gnaeus vor dem sicheren Tod.

All dies erfuhr Pietros aus den Worten der Männer, die an seinem Raum vorbei gingen, während er Barcas Vögel freiließ. Er trennte sich nur ungern von den Tieren. Aber auf diese Weise würden sie wenigstens in Freiheit leben. Vor allem wären sie sicher vor Gnaeus.

"Dieser Arsch Gnaeus ist es nicht wert, dass einer von uns ernsthafte Schwierigkeiten mit Batiatus bekommt," hörte Pietros Stimmen von draußen. "Und reizt der Junge ihn nicht immer wieder?"

Pietros zuckte zusammen. So dachten also einige tatsächlich von ihm.

Ein anderer Mann, Varro, widersprach. "Es ist Gnaeus Schuld. Er ist derjenige der für den Unfrieden sorgt. Ich hoffe nur, dass Spartacus keine allzu große Schwierigkeiten bekommt. Aber Batiatus soll zornig sein, es war ja nicht das erste Mal."

Einen Moment herrschte Stille, ehe Varro weitersprach. "Aber den Ärger bekommt er nicht allein. Batiatus ist auch wütend auf Gnaeus. Und leider auch auf Pietros. Ich hörte, dass er nicht hier bleiben soll! Batiatus will nicht, dass sich seine Gladiatoren wegen eines einfachen Sklaven gegenseitig umbringen."

Diese Ankündigung bereitete Pietros wirklich Sorge. Wohin sollte er denn gehen oder vielmehr gebracht werden?

Am nächsten Tag, kurz vor der Mittagszeit, wurde er aufgefordert, seine wenigen Habseligkeiten zusammenzupacken.  Ihm wurde mitgeteilt, dass er fortan in der Küche der Villa der Köchin Letitia helfen sollte.  Außerdem erfuhr er, dass Spartacus und Gnaeus für ein paar Tage mit der Hälfte ihrer Nahrungsration auskommen mussten.

Während Pietros Gnaeus die Strafe gönnte, tat es ihm für Spartacus leid. Dieser hatte ihm doch nur helfen wollen. Aber ihm wurde keine Gelegenheit mehr gegeben, Spartacus für seine Hilfe zu danken oder sich von ihm oder irgend einem anderen zu verabschieden.


So begann also Pietros neuer Abschnitt in seinem Leben als Sklave des Quintus Lentulus Batiatus. Er hoffte, dass er nun zumindest vor Gnaeus ein wenig sicherer sein würde.




Ich hab mich gefragt, was aus Pietros geworden wäre, wenn Gnaeus aufgehalten worden wäre.
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