The Machine

von SheepNear
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
L Light Yagami Sachiko Yagami Sayu Yagami Watari
13.02.2020
14.02.2020
2
2.124
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13.02.2020 1.116
 
Vieles habe ich bei dem Fall Kira verloren… Meinen Vater, die Lebensfreude meiner verbliebenen Familie, welche ich versuche langsam aus ihrem Kummer zu holen. Misa Amane hat ihr Leben an Kira verloren, viele Polizisten mussten ihre Familien und ihre Zukunft aufgeben, einige sogar ihr Leben. Sie haben gute Dienste geleistet und am Ende war nicht alles umsonst, wie wir zuvor angenommen haben. Nach dem Fall trennten sich die Wege des weltbesten Detektiven L und mir, Light Yagami. Ich gehe seit einem knappen Jahr nicht mehr zur Uni, mein Grund, Trauerbewältigung, wurde akzeptiert, sodass ich wieder einsteigen kann, sobald es mir besser geht. Ein Grund dafür wird sicherlich auch meine hervorragenden Leistung gewesen sein.
Jeden Tag dieses Jahres nutzte ich, um mich auf der Rangliste der besten Detektiven hochzuarbeiten, jeden Fall den ich bekommen kann nehme ich an und löse ihn und vor zwei Wochen ist etwas unglaubliches passiert: Ich übertraf den drittbesten Detektiven der Welt, Deneuve, und übernahm seinen Rang. Das wäre keine große Sache für jemanden mit meinem Intellekt, aber eines Tages, mitten in den Ermittlungen, ich saß neben L, als Watari ihn darauf hinwies, dass Eraldo Coil, der zweitbeste Detektiv der Welt, von der Yotsuba Group kontaktiert wurde, um Ls Identität herauszufinden. Jeder, sogar mein sonst so ruhiger Vater, war sofort in Alarmbereitschaft, bis L ganz gelassen sprach, wir bräuchten uns keine Sorgen machen, da er unter Synonymen auch den zweiten und den dritten Platz der Rangliste übernahm. Wahrscheinlich waren sie alle erstaunt, doch ich nicht. Ich bewunderte L, für alles was er tat. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich jemanden gefunden, den ich als ebenbürtig ansah. Die Gespräche mit ihm waren nie langweilig, zwar gab es viele Konflikte, da keiner von uns so leicht aufgab wenn wir anderer Meinung waren als der andere, aber oft waren wir einer Meinung, dachten uns bis spät in die Nacht Pläne aus und stellten Theorien auf. Umso mehr verletzte es mich, sein Hauptverdächtiger gewesen zu sein. Das erste Mal musste ich überlegen, was ich sagen konnte und was nicht, war unsicher und wenn ich genau darüber nachdachte hatte ich Angst, wegen einem falschen Wort verhaftet und infolgedessen umgebracht zu werden.
Nie aber war ich auf die Idee gekommen, L mit anderen Augen zu sehen, ihn vielleicht sogar zu hassen, dafür war meine Bewunderung für diesen Mann zu groß. Er hatte irgendetwas, was mich staunen ließ, so wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal eine Zaubershow oder eine Aufführung im Zirkus sah. Aber jetzt bin ich mal wieder allein unterwegs, im strömenden Regen, mein Kopf voller Gedanken, zu viele um sie zu sortieren. Trotz meiner warmen Kleidung, bestehend aus einer dicken Jacke, gefütterten Schuhen und einer Wollmütze, friere ich, mir ist kalt. Aber jetzt kann ich nicht nach Hause. Ich ertrage es nicht, meine Schwester und meine Mutter zu sehen, denn ihre Augen sind meistens rot und angeschwollen , ihre Stimmen kratzig und rau vom vielem Weinen. Auch sie gehen weder arbeiten oder zur Schule, noch raus um etwas zu unternehmen. L hatte und nach Vaters Tod eine große Summe Geld zukommen lassen, die für uns alle locker zwanzig Jahre reichen würde, außerdem verdiene ich durch meine Detektivarbeit nicht gerade wenig. Jeden Tag, um Punkt 8:30 Uhr, verabschiede ich mich, gehe raus, fange an zu joggen während ich via Kopfhörer die Lieblingssongs meines Vaters hörte und versuche Ordnung in meinem Kopf zu schaffen, was nur sehr selten möglich ist. Um Punkt 12:00 Uhr komme ich wieder nach Hause, koche etwas für meine Familie und verschwinde danach in meinem Zimmer um bis spät in die Nacht Fälle zu knacken und wenn ich dann im Bett liege kommt mir der Gedanke, ich tue all dies nur, um L auf mich aufmerksam zu machen und ihn einmal wiederzusehen. Ich arbeite unter dem Pseudonym Shadow, es gibt absolut keine Spur, die zu mir führen könnte, wir alle sind sicher. Seit dem Fall Kira habe ich mehr als 15 Kilogramm abgenommen, doch ich mache mir keine Sorgen, schließlich war L auch nie sonderlich dick gewesen. Allgemein kann ich viele Parallelen zu ihm herstellen. Ich vermied Kontakt mit Menschen, ich habe rapide abgenommen, ich habe tiefe Augenringe und meine Haare sind ganze 12 Zentimeter gewachsen und alles andere als ordentlich. Meine restliche Körperpflege erhalte ich jedoch aufrecht, meine Haut ist dieselbe, meine Klamotten sind dieselben, aber ich bin ein neuer Mensch. Oder eher ein Roboter, das trifft es ganz gut. Ich wiederhole meine Tagesablauf wieder und wieder, nur das Wetter, das Gericht das ich koche, die Stimmung meiner Familienmitglieder und die Fälle variieren, doch im Grunde ist immer alles gleich. Von Tag zu Tag nutze ich mich immer mehr ab, es geht mir schlechter und schlechter, es kam bereits dazu, dass ich wochenlang nicht sprach, mit niemandem, wozu auch, denn ich bin eine Maschine. Die Maschine Light Yagami, oder auch Shadow. Die Maschine mit zerfallener Familie. Die Maschine ohne Freunde. Die Maschine ohne Wünsche und Träume. Das bin ich, nicht mehr und nicht weniger.
Ich jogge vor mich hin, versuche mich auf das Laufen statt die schmerzhaften Gedanken zu konzentrieren, die mich so oft und seit so langer Zeit heimsuchen. Was wäre, wenn Vater noch leben würde? Wären wir glücklicher? Mit Sicherheit. Ich, als neues Oberhaupt der Familie, kann zwar für unseren Wohlstand sorgen, doch niemals kann ich es schaffen, sie wieder glücklich zu machen und ihnen das zu geben, was Vater ihnen gab: Einen liebenden Ehemann und Vater. Meine oberste Priorität ist es, für die beiden zu sorgen, ich komme an letzter Stelle.
Ich laufe schneller, mit verschwommener Sicht, ob durch den Regen oder den immer wiederkehrenden Schwindel, der mich seit Wochen oder vielleicht schon seit Monaten verfolgt und im Alltag behindert. Oft schüttle ich meine Kopf in der Hoffnung, dadurch wieder klar sehen zu können, doch es wird nur schlimmer, bis ich fühle wie ich zu schwanken beginne. Dennoch bleibe ich nicht stehen, die Maschine muss arbeiten, sonst hat sie keinen Sinn mehr. Ich renne und renne, ohne zu sehen wohin, bis ich grelles Licht und das Quietschen von Reifen wahrnehme. Ich falle, kann mich auf etwas kaltem, glatten abstützen, sehr für einen kurzen Moment wieder scharf, genau durch eine Windschutzscheibe. Meine Augen mussten mich betrügen, da mich aus dem Auto die vor Schreck weit aufgerissenen Augen von keinem anderen als Watari anblicken und als ich nach links schaue sehe ich L, mit genau dem gleichen Gesichtsausdruck. Es muss also ein Traum sein, bestimmt wurde ich überfahren und ich liege im Sterben, weshalb ich Bilder in meinem Kopf sehe. Denn L zeigt keine Gefühle. Weder Watari, noch den Polizisten, noch mir. Auch er ist nur eine Maschine. Dann sehe und fühle ich nichts mehr, alles ist schwarz.
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