Mein (un)perfektes Leben

GeschichteDrama, Romanze / P18
Charlie Swan Edward Anthony Masen Cullen Isabella "Bella" Marie Swan
13.02.2020
16.02.2020
4
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Hallo ihr Lieben,

hier habe ich schon ein weiteres Kapitel für euch! :)
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Über Rückmeldung/Reviews würde ich mich sehr freuen.

Liebe Grüße, NathieLaPaz:)

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Bella`s Perspektive:

Als das Geräusch der Schulglocke das Ende des Schultages einläutete, atmete ich erleichtert aus.
Sobald ich das Schulgelände verlassen würde, wäre ich keinen weiteren Schikanen meiner Mitschüler ausgesetzt.
Nahezu fluchtartig packte ich meine Materialien zusammen, verstaute sie in meinem Rucksack und stülpte mir meine Jacke über.
Mit einem Blick aus dem Fenster stellte ich resigniert fest, dass es zu regnen begonnen hatte.
Nässe und Kälte waren etwas, dass ich noch nie gemocht habe.
Daran, dass es in Forks so viel und oft regnete, hatte ich mich noch immer nicht gewöhnen können.
Genervt seufzte ich auf und schulterte meinen Rucksack.
Ich verließ den Klassenraum, begab mich auf den Schulflur und lief Richtung Spind.
Nach Schulschluss tat ich das immer.
Ich war gerade dabei, alle Bücher und Unterlagen, die ich zu Hause nicht brauchen würde, in meinem Fach zu verstauen, als ich von jemandem angerempelt wurde.
Wie nicht anders zu erwarten, entglitten mir meine Unterlagen und verteilten sich vor meinen Füßen.
Sofort bückte ich mich, um den nun entstandenen Papiersalat aufzusammeln, stets in der Hoffnung, dass ich sie wieder ordentlich sortiert bekam.
Gerade, als ich nach dem letzten Papier greifen wollte, trat jemand mit voller Absicht darauf und zerriss es dabei mit den Füßen.
„Lass` deinen Scheiss nicht überall hier rumfliegen, Swan“, rief jemand spöttisch.
Als ich meinen Blick hob, starrte ich in das von Spott verzogene Gesicht von Logan.
„Ehm…“, brachte ich nur mühsam hervor und richtete mich wieder auf. Dieses Papier war wohl nicht mehr zu gebrauchen.
„Kannst du eigentlich auch reden? Immer stotterst du vor dich hin, wie ein kleines Baby.“
Belustigt sah er mich an und verschränkte die Arme vor der Brust.
Immer, wenn ich von Einem von ihnen gehänselt wurde, verschlug es mir die Sprache. Ich hatte Angst vor ihnen; Angst, dass sie nur noch fieser zu mir werden würden, wenn ich mich wehrte. Meine Schüchternheit und Introvertiertheit trugen ihr übriges dazu bei.
„Ehm…“, wiederholte ich und versuchte krampfhaft, den Kloß in meinem Hals herunterzuschlucken.
„Na-…Natürlich kann ich sp-…sprechen…“, krächzte ich nun, mehr schlecht als recht.
„Dann hoffe ich doch, dass du dein hässliches Mundwerk halten und mich nicht beim Direktor verpetzen wirst!“, grinste er finster und ballte seine linke Hand zur Faust.
Mit klopfenden Herzen, aus Angst, dass er mich schlagen würde, nickte ich nur stumm.
„Und jetzt beweg` dich zur Seite, du fette Kuh“, fauchte er und drückte sich an mir vorbei.
Als er weg war, atmete ich erleichtert aus. Das schien hoffentlich meine letzte Begegnung für heute mit einem meiner Peiniger gewesen zu sein.
Hastig flüchtete ich aus dem Schulgebäude, ohne mich noch einmal umzudrehen.

Als ich nur Minuten später in meinem geliebten, blauen Opel Corsa saß und das Radio andrehte, fühlte ich mich sofort besser.
Auch wenn der Regen unnachgiebig auf das Autodach prasselte und mir die Sicht durch die Frontscheibe erschwerte, konnte mir nun nichts mehr die Laune verderben.
Der schönste Moment eines jeden Tages war, dass ich in dieses Auto steigen konnte und all` die schlimmen Erlebnisse, die ich mit der Schule verband, hinter mir lassen konnte.

Als ich zu Hause ankam, stand Charlie`s Auto nicht in unserer Einfahrt. Er war also noch arbeiten. Mein Dad war Chief und arbeitete im Forks Police Departement. Nicht selten kam er erst sehr spät von der Arbeit zurück. Er machte viele Überstunden und entlastete damit jüngere Kollegen, die kleinere Kinder zu Hause hatten und ungeduldig auf ihren Dad warteten. Ich war mittlerweile aus dem Alter raus, wenngleich ich mich immer freute, meinen Dad nach seiner Arbeit zu sehen.
Da ich nicht wusste, wann er nach Hause kommen würde, verwarf ich den Gedanken, etwas für uns zu kochen und widmete mich stattdessen einem meiner Hobbys.
Malen. Ich hatte vor einiger Zeit angefangen verschiedene Blöcke, Leinwände und Zeichenkarton zu besorgen. Dazu natürlich auch Bleistifte, Buntstifte, Aquarellfarben, Acrylfarben und Wachsmalkreide.
Meine ersten Versuche hatte ich damals mit einem einfachen Zeichenblock und Bleistiften gewagt, aber schnell bin ich zu anderen Materialien übergegangen. Nicht etwa, weil ich das einfache Zeichnen nicht beherrschte, sondern weil ich schnell zufrieden mit meinen Ergebnissen war.
Auch mein Dad war begeistert von meinem Talent, sodass er viele meiner Bilder in unserem Haus aufhing.
Oben in meinem Zimmer angekommen, schmiss ich meinen Rucksack in die nächstbeste Ecke, kramte einige meiner Malmaterialien hervor und lief damit wieder ins Wohnzimmer.
Meine Hausaufgaben würde ich wie üblich heute Abend erledigen.
Ich lief auf unsere Terrasse zu und war mehr als glücklich, dass wir ein Vordach hatten, sodass ich trotz des Regens meine Staffelei aufstellen und alle Materialien auf dem Boden ausbreiten konnte.
Schnell zog ich mir noch etwas Warmes über und schnappte mir einen Stuhl aus dem Wohnzimmer.
Zufrieden platzierte ich mich auf dem Stuhl und begann, die schönen Bäume unseres Gartens auf einer Leinwand zu verewigen.

„Bella, bist du zu Hause?“, hörte ich meinen Dad von unten rufen, während ich es mir mit einem meiner Lieblingsbücher auf dem Bett bequem gemacht hatte.
„Ja, Dad. Ich komme“, erwiderte ich freudig und stand nur wenige Momente später bei ihm in der Küche.
„He, schön dich zu sehen, Kleine“, sagte mein Dad sanft, zog mich in eine Umarmung und hauchte mir einen Kuss auf`s Haar.
Ich lächelte ihn an und gemeinsam setzten wir uns an den Küchentisch, nachdem er zwei Dosen Cola aus dem Kühlschrank geholt hatte.
„Wie geht`s dir?“, fragte er mich liebevoll und lächelte mich ermutigend an. Mein Dad und ich waren noch nie gut darin gewesen, zu reden. Wir beide waren keine redefreudigen Menschen, doch bei mir schaffte er es, sich aus seiner Komfortzone zu bewegen. Er wusste, dass ich sonst niemanden hatte, mit dem ich reden konnte.
„Mir geht’s gut, Dad. Wirklich! Wie geht’s dir denn?“, antwortete ich knapp und versuchte so von mir abzulenken. Ein beruhigendes Lächeln lag auf meinen Lippen.
„Mir geht’s soweit ganz okay. Die Arbeit war heute sehr anstrengend. Ein Ehepaar kam heute zu uns auf das Revier und meldete ihren 21-jährigen Sohn als vermisst. Da er laut ihren Aussagen kein Rebell und noch nie von zu Hause ausgerissen ist, versetzt uns dieser Fall in größere Aufruhr. Aber genug von mir. Wie war dein Schultag?“
Bei dem Gedanken an den heutigen Schultag musste ich tief schlucken. Mein Dad wusste nichts davon, dass ich dort ausgegrenzt und gemobbt wurde. Er wusste nur, dass ich keine Freunde hatte. Ich wollte ihn nicht mit meinen Problemen belasten. Zudem hatte ich Angst, dass er seine Position als Chief nutzen würde, um ihnen unsanft deutlich zu machen, was für Konsequenzen ihr Verhalten mir gegenüber mit sich bringen würde. Im ersten Moment würde mir das Erleichterung verschaffen, doch auf lange Sicht würde das nur dazu führen, dass sie mich noch mehr oder härter mobben würden. Dann würden sie mich damit aufziehen, dass ich mich hinter meinem Dad versteckte und mich nicht selbst wehren könnte.
„Er war eigentlich ganz gut. Wir werden in Englisch gemeinsam die Lektüre Romeo und Julia von William Shakespeare lesen. Darauf freue ich mich. Ansonsten gibt es nichts spannendes zu berichten.“
Forschend sah er mich an und brummte nur nachdenklich auf.
„Bella, du weißt, dass du mit mir über alles reden kannst. Ich bin für dich da, immer und zu jeder Zeit“, erwiderte er und griff dabei nach meiner Hand, welche reglos auf der Tischplatte gelegen hatte.
„Ja, Dad, ich weiss. Dafür bin ich dir auch sehr dankbar.“
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