Unpraktisch

von Yehiel
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Bayer 04 Leverkusen Borussia Dortmund Borussia Mönchengladbach Die deutsche Nationalmannschaft FC Bayern München FC Schalke 04
12.02.2020
14.02.2020
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Diese Geschichte habe ich mit anderen Hauptdarstellern vor Jahren schonmal veröffentlicht und schließlich gelöscht, weil manche Promis ihren Namen hier halt nicht lesen wollen. Nun also ein neuer Anlauf mit neuen Hauptdarstellern und einem allgemeinen Update


***

Der Sportpsychologe sah mich an, als habe er einen Geist gesehen.
“Und da kommen sie zu mir?”

Offensichtlich ja, du Trottel, lag mir auf der Zunge, aber für spitze Bemerkungen war jetzt eindeutig nicht der richtige Zeitpunkt. Es erschien mir nicht ratsam, mich mit der einzigen Person anzulegen, die um mein Geheimnis wusste.

“Homosexualität ist keine Krankheit, ich wüsste nicht, wie ich ihnen helfen sollte”, erläuterte der Doc sein Erstaunen. Einerseits war ich erleichtert, weil der Vorschlag einer Elektroschocktherapie oder ähnlicher mittelalterlicher “Heilungsmethoden” mir mein Leben sicher nicht erleichtert hätte. Andererseits war ich wirklich ziemlich enttäuscht, denn ich hatte tatsächlich gehofft, hier Hilfe zu finden. Schließlich war ich in einer ziemlich schwierigen Situation.

Ich bin Fußballnationalspieler. Megatalent. Die Zukunft des deutschen Fußballs. Leverkusens Juwel. Und ich bin schwul. Und niemand, wirklich niemand darf etwas davon erfahren. Sonst bin ich geliefert. Das hatte ich dem Doc auch genau so gesagt, nachdem er mir versprochen hatte, dem Verein und vor allem dem Trainer nichts davon zu erzählen, was in diesem Raum gesprochen wurde.

“Andererseits verstehe ich natürlich, dass es sie belastet. Und es ehrt mich, dass sie mir vertrauen, denn ich bin mir natürlich bewusst, dass Schwulsein in ihrem Job nicht gerade....naja, einfach ist.” Anscheinend war dem Mann gerade ein kleines Licht aufgegangen.

Ich nickte.

“Haben sie es denn schon...”, er stockte, “....ausgelebt?”

“Sie meinen, ob ich mir sicher bin?”

Sichtlich erleichtert nickte er.

“Ja. Ich hatte vor kurzem nach einem Europacupspiel eine, sagen wir, Begegnung mit einem jungen Mann, die mir ziemlich klar gemacht hat, dass ich nicht wirklich auf Frauen stehe.”

Ich machte eine Pause.

“Ich nehme an, sie brauchen keine weiteren Details?”

Er lächelte mich kurz an und winkte ab.
“Wissen sie, ich würde sie normalerweise zu einer schwulen Jugendgruppe schicken. Da sind junge Männer in ihrem Alter und sie könnten in Ruhe jemanden kennenlernen. Aber in ihrem Fall ist das natürlich völlig ausgeschlossen, das ist mir schon klar. Und trotz allem Bemühen von Seiten des DFB...für Fälle wie sie gibt es einfach kein passendes Angebot. Kennen sie denn wirklich niemandem aus ihrem Freundeskreis mit dem sie reden könnten? Am besten jemand, der das Geschäft und die...nun ja....Brisanz dieser Angelegenheit abschätzen kann?”

Natürlich gab es die. Meine Freunde im Team wären natürlich eine Option, aber das erschien mir dann doch zu riskant, weil ich absolut nicht einschätzen konnte, wie sie reagieren würden - und wenn es nicht gut verlief, dann hätte ich gleich ein doppeltes Riesenproblem.

Blieb im Grunde nur noch....Julian, mein bester Freund. Und das war völlig ausgeschlossen.

So sagte ich das auch dem Psychodoc.

Ahnungsvoll und erstaunt zugleich schaute der mich an.

“Wieso?”

Na, weil ich in den verliebt bin. Du Depp. Das sagte ich ihm. Nicht so, aber sinngemäß.

“Dann kann ich ihnen leider auch nicht helfen”, antwortete er bedauernd.