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11. Februar: Sein Held [by Mega07ghost]

OneshotDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
11.02.2020
11.02.2020
1
2.074
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11.02.2020 2.074
 
Tag der Veröffentlichung: 11. Februar
Zitat: "Wer ein Held werden will, muss im richtigen Moment sterben. Den hab' ich wohl verpasst." (Athanor - Der letzte König)
Titel der Geschichte: Sein Held
Autor: Mega07ghost
Hauptcharaktere: Leo Oswald, Benni Hornberg
Nebencharaktere: Nick (aus Staffel 1)
Pairings: -
Kommentar des Autors:
Mein erster Beitrag zu diesem Projekt und dann auch noch zu einem Fandom, in welches ich neu einsteige. Aber Staffel 1 Folge 4 (*hust* Spoiler) hat mich sehr inspiriert und in Kombination mit dem Zitat musste ich das einfach schreiben. Disclaimer-technisch gehören sowohl das Zitat als auch die Serie "Ein Fall für Zwei" mit ihren Charakteren nicht mir. Ich leihe sie mir nur für diesen OneShot aus. Anyway ... Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!





Sein Held
"Wer ein Held werden will, muss im richtigen Moment sterben. Den hab' ich wohl verpasst." (Athanor - Der letzte König)
Er hatte gewusst, dass Nick keine Ruhe geben würde. Er hatte gewusst, dass er irgendwann zurückkommen würde, um seine Rache zu vollziehen. Aber irgendwie hatte er dieses Wissen verdrängt.
Deshalb traf es Leo umso mehr, als er den Brief auf seinem Hausboot fand. Er erkannte die Schrift sofort. Der Treffpunkt - dasselbe Hotelzimmer wie vor Jahren, die selbe Uhrzeit wie vor Jahren - sagten ihm alles. Er musste nicht groß überlegen wer diese Zeilen verfasst hatte.
Als das Klingeln seines Handys ihn aus seiner Erinnerung holte und er Bennis Namen auf dem Display las, schluckte er, ging aber schließlich ran.
"Nick, was machst du denn hier? Ich dachte du wärst wieder in Amerika."
Er tat so als sei er unglaublich selbstbewusst und souverän, dabei waren seine Knie kurz davor nachzugeben. Er hatte Angst. Angst, dass seinem besten Freund Benni bereits etwas Schreckliches zugestoßen war.
("Leo, weißt du wie sehr ich dich und unser kleines Spiel vermisst habe?")
Er ballte seine Hand zu einer Faust. Wieso? Wieso konnte Nick ihn nicht zufrieden lassen? Wieso musste er das Leben, das er sich zusammen mit Benni aufgebaut hatte, wieder bedrohen?
"Warum? Warum jetzt?", fragte Leo und das kühle Lachen am anderen Ende der Leitung ließ ihm einen Schauer über den Rücken fahren.
("Du hast dich in Sicherheit gewogen gefühlt, nicht wahr? Du hast gedacht, dass ich nicht wiederkomme, um einen Verräter wie dich fertig zu machen.")
Leo schüttelte nur den Kopf.
"Nein, Nick. Ich wusste, dass du zurückkommen wirst und ich habe mich darauf vorbereitet dir endlich in den Arsch zu treten."
("Leo ... Langweilig. Du hast dich immer noch nicht verändert. Ich weiß genau, dass du mir nichts tun wirst.")
"Und was macht dich da so sicher?"
Am liebsten wäre Leo direkt zu ihm gefahren und hätte seine Drohung wahr gemacht.
("Dein Anwalt wird es dir sicher nicht danken, wenn du mich verletzt.")
Die Angst vermischte sich mit Wut. Es war nicht nur die Wut auf Nick, sondern auch die auf ihn selbst. Er hatte geschworen, dass er Benni beschützen würde. Es war die Bedingung gewesen, die er sich selbst gestellt hatte. Er könnte nur bei seinem besten Freund bleiben, wenn er in der Lage war ihn zu schützen.
"Wenn du ihm etwas tust, dann-"
("Ich glaube nicht, dass du mir drohen willst, mein Lieber. Du wirst heute Abend ins Hotel kommen und wir werden uns unterhalten.")
Damit schien das Gespräch für Nick beendet, denn er legte auf.
"Scheiße!"
Leo warf eine der Flaschen, die auf dem Tisch standen, auf den Boden.
_______________________________________
Der Abend kam schneller als erwartet und als Leo an der Tür zum Hotelzimmer klopfte, griff er mit der anderen Hand sofort nach der Waffe, die er in der hinteren Hosentasche hatte. Er würde das hier schnell abwickeln. Diesmal würde er Nick nicht einfach entkommen lassen.
Bennis Schwiegervater würde diesen Kriminellen diesmal nicht vor ihm schützen können.
Die Tür öffnete sich und Leo richtete die Waffe auf den Mann vor sich.
Er stoppte sich sofort, als er den Menschen vor sich erkannte.
"Benni."
"Leo."
Der Anwalt schaute ihn einfach nur an. Wenn man ihn nicht kannte, hätte man ihn wohl als seltsam entspannt beschrieben, aber Leo sah die Angst in den Augen seines besten Freundes. Dann glitt sein Blick zu dem Mann, der hinter Benni im Raum stand.
"Nick."
Langsam trat Benni zur Seite und ließ Leo das Zimmer betreten.
"Schön dich zu sehen."
Mit diesen Worten stellte Nick das Glas Alkohol auf dem Tisch ab und kam näher auf die Freunde zu.
"Ich wünschte, ich könnte das erwidern, aber man hat mir beigebracht nicht zu lügen."
Leo richtete sofort die Waffe auf den Mann, den er ursprünglich nie wiedersehen wollte.
"Es wäre nicht schlau unser Spiel hier zu beenden, Leo."
Der Privatdetektiv verengte die Augen zu Schlitzen, als er diesen Satz hörte.
"Wieso?", fragte er misstrauisch, aber die Antwort kam von dem Mann hinter ihm.
"Weil ... ich dann sterben werde."
Verwirrt drehte Leo sich zu Benni um. Er verstand nicht was der Anwalt meinte. Er stand doch hinter ihm. Leo konnte ihn beschützen.
"Aber wie-"
"Gift", erklärte Nick und Leo fuhr herum.
"Unser lieber Herr Hornberg hat nur noch wenig Zeit zu leben ohne ein Gegengift."
Leo schluckte, unterdrückte ein Fluchen.
"Und ich nehme an, nur du weißt wo dieses Gegengift ist", schlussfolgerte er stattdessen und Nick zuckte mit den Schultern.
"Spiel oder dein Freund wird sterben."
Leo glaubte ihm nicht. Er kannte Nick. Er kannte ihn leider zu gut. Wenn er die Spielregeln aufstellte, würden weder Benni noch Leo diesen Raum lebend verlassen.
"Okay, was willst du?"
Nick kam ihm noch näher. Sein Grinsen wurde zu einem wütenden Blick.
"Ich will, dass du leidest. Ich will, dass du alles verlierst, was dir je etwas bedeutet hat."
Er schien überrascht, als er Leos Lächeln sah.
"Ach, Nick. Wie sagst du immer so schön? Langweilig."
Beim letzten Wort schlug der Detektiv seinem Gegenüber ins Gesicht. Die Waffen fielen zu Boden und die Männer begannen sich zu prügeln.
"Leo!"
Er hörte die sorgenvolle Stimme Bennis hinter sich, als er einen harten Schlag gegen den Kiefer einstecken musste. Was folgte war ein Schlag gegen die Schläfe und für einen Moment war er benommen. Ein Moment, den er sich nicht leisten konnte, denn Nick schlang einen Arm um seinen Hals und begann ihm die Luftzufuhr abzuschneiden.
Leo versuchte sich zu wehren, aber es funktionierte nicht. Egal wie sehr er um sich schlug und trat.
"Loslassen!"
Diese Stimme. Leo öffnete ein Auge und blickte zu Benni, der genau vor ihnen stand und zitternd eine Waffe auf Nick gerichtet hielt.
Langsam ließ der Mann den Arm locker und Leo schnappte nach Luft.
"Herr Hornberg, Sie wollen doch wohl nicht wirklich auf mich schießen."
Mit diesen Worten nahm Nick vorsichtig die Hände hoch.
"Lassen Sie Leo in Ruhe."
Leo nutzte diesen Moment und griff in Nicks Jackentasche, zog ein kleines Fläschchen hervor.
"Das Gegengift."
Nicks Gesichtsausdruck zeigte ihm, dass er recht hatte.
"Woher-"
"Ich kenne dich, Nick. Du würdest dieses Mittel nirgendwo verstecken, weil du es nur bei dir selber in Sicherheit weißt."
Damit stand Leo langsam auf.
"Na gut, na gut ... Ihr habt gewonnen." Nick ließ die Hände wieder sinken ... und packte die Waffe, die neben ihm lag.
"Runter!"
Leo reagierte sofort und schubste Benni, der noch immer wie angewurzelt neben ihm stand, zu Boden. Zeitgleich drückte er mit dessen Waffe ab.
Zwei Schüsse fielen, aber nur einer von ihnen traf sein Ziel.
Noch nie zuvor hatte Leo Nick so geschockt gesehen. Er starrte für einen Moment auf das Blut auf seiner Brust und an seiner Hand.
Dann war da nichts mehr in seinen Augen.
Sein Körper fiel auf den Boden und er rührte sich nicht mehr.
Langsam, aber sicher beruhigte sich Leos Atem. Ungläubig blinzelte er ein paar Mal.
Es war vorbei.
Nick konnte ihnen nichts mehr anhaben.
Leos Blick glitt zu Benni, der ebenfalls auf den leblosen Körper starrte.
"Das Gegengift", fiel es ihm sofort ein und er reichte seinem Kollegen die Spritze, umarmte ihn zur selben Zeit.
Erleichterung überkam ihn. Er hatte sein Versprechen an sich selbst gehalten.
_______________________________________
"Ich kann noch immer nicht glauben, dass er wirklich tot ist", murmelte Benni. Sie saßen im Hotelzimmer und warteten auf die Polizei und die Sanitäter.
Leo legte seinem Freund einen Arm um die Schulter und drückte ihn an sich.
"Es ist vorbei. Jetzt wird alles wieder gut."
Benni erwiderte seinen Blick, Verzweiflung in seinen Augen.
"Aber ... wir haben ihn umgebracht, Leo."
Der Detektiv seufzte nur schwer und nickte dann.
"Um unser Leben zu retten."
Sie hatten nicht ohne Grund abgedrückt. Es war, um sie zu schützen. Leo wollte sich nicht ausmalen was passiert wäre, wenn sie nicht geschossen hätten.
"Vielleicht hast du recht ..."
"Ich habe recht."
Er bemerkte wie Bennis Blick immer wieder zu dem Leichnam ging.
"Entschuldige bitte, aber mir ... ist unglaublich übel."
Mit diesen Worten stand der Anwalt auf und ging in das angrenzende Bad.
Leo nahm eine Decke vom Bett und deckte den leblosen Körper damit zu. Er wollte nicht, dass es Benni noch schlechter ging.
Ein paar Minuten vergingen und langsam wurde Leo unruhig.
"Benni?"
Er klopfte an der Tür zum Bad und als keine Reaktion folgte, öffnete er sie.
"Scheiße!"
Der Anblick schockierte Leo und ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Sein Freund lag auf dem Boden, Erbrochenes neben ihm.
"Benni."
Leo fiel neben ihm auf die Knie und drehte ihn auf den Rücken.
"Das Gegengift ...", murmelte dieser, übergab sich aber direkt wieder.
"Es ... hat nicht gewirkt."
Die Feststellung traf Leo wie ein weiterer Schlag ins Gesicht.
"Nein ... Das kann nicht sein."
Er schüttelte ungläubig den Kopf. Das durfte einfach nicht passieren!
"Die ... Die Sanitäter sind bestimmt gleich da."
Er hoffte es so sehr, aber Benni schüttelte mit dem Kopf.
"Bitte ... Geh'. Ich will nicht, dass du mich so siehst."
"Hör' auf, Benni. Es wird schon alles gut. Und ich habe wirklich schon Schlimmeres gesehen", versuchte er zu scherzen und sein Freund lachte schwach.
"Ich ... hätte mich wohl einfach erschießen lassen sollen."
"Was? Was redest du denn da?"
Tränen füllten Leos Augen und er versuchte krampfhaft sie wegzublinzeln.
"Wer ein Held werden will, muss im richtigen Moment sterben. Den hab' ich wohl verpasst."
"Du wirst nicht sterben, Benni Hornberg. Nicht hier ... und nicht jetzt."
Die Tränen begannen zu laufen.
"Jetzt bringst du mich sogar zum Weinen, Mann. Also hör' auf so einen Mist zu reden."
Schnell wischte Leo die Tränen weg und konzentrierte sich auf Benni, nahm ihn in den Arm. Die Freunde schwiegen einen Moment. Dann atmete Benni zittrig und fragte:
"Leo?"
"Hm? Was ist?"
"Ich ... bin froh, dass du damals zurückgekommen bist. Du ... hast mir gezeigt ... was das echte Leben ist. Danke. Du bist ... ein wahrer Held."
Leo machte eine abwinkende Handbewegung.
"Ach was, ohne dich würde ich jetzt im Knast sitzen. Wer von uns beiden ist da wohl der Held?"
Wieder lachte Benni auf.
"Sowas machen Freunde eben füreinander", erklärte er und Leo schüttelte mit dem Kopf.
"Wir... sind mehr als Freunde. Du bist ... Familie, Benni."
Er bekam keine Antwort.
Leo schaute hinab ... und sein Herz zog sich zusammen.
In Bennis Augen zeigte sich derselbe Ausdruck wie zuvor in Nicks. Eine grausame Leere.
"Benni?"
Panik mischte sich in Leos Stimme.
"Benni?"
Es verwandelte sich in ein Schniefen und Schluchzen.
"Scheiße! Verfluchte Scheiße!"
Er schlug auf den Boden. Wieder und wieder.
Sein Held, sein bester Freund, seine Familie ... hatte ihn verlassen.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Mal wieder ein Fandom, das ich nicht kenne. Diese Geschichte hat mir trotzdem gut gefallen. Maga07ghost hat das echt gut geschrieben. Die ganze Stimmung und auch Leos Gefühlslage kam meiner Meinung nach wirklich gut rüber.

Eure lula-chan
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