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Zufällige Begegnungen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Alexander Hamilton John Laurens
11.02.2020
05.07.2020
3
6.100
4
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Zufällige Begegnungen


An einem verregneten Tag im Bus...


Endlich war er so weit. Die Schule war beendet und jetzt musste Alexander Hamilton sich nur noch für ein College entscheiden. Beworben hatte er sich bei einigen und die Zusagen der Colleges, auf die er unbedingt wollte, hatte er auch bekommen. Zur Auswahl standen nun zwei, bei denen er sich am besten vorstellen konnte zu lernen: Das Columbia College in New York und die George Washington University in Washington D.C.

New York hatte er sich schon oft und lange angesehen, dort hinzukommen war schon lange sein Wunsch gewesen, doch er konnte sich einfach noch nicht festlegen, weshalb er sich entschieden hatte noch einen Ausflug nach Washington D.C. zu wagen und die Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Natürlich hätte er auch auf eine andere Universität gehen können. Harvard hatte ihm zugesagt, doch er fühlte sich in Cambridge nicht wohl. Chicago sagte ihm auch nicht wirklich zu. Also, waren die beiden Universitäten in New York das Naheliegendste, vor allem weil er sich so sehr in diese Stadt verliebt hatte, seit er vor etwa 7 Jahren eingereist war.

Warum er sich für das College in der Hauptstadt interessierte konnte er gar nicht so recht sagen. Es zog ihn einfach dahin und da er nichts hatte, was ihn aufhalten konnte, ließ er sich von dem Wunsch überwältigen und packte seine Sachen. Er stieg in einen Bus und lehnte sich zurück.
Der Bus war recht leer und er würde es hoffentlich auch bleiben, bis er umsteigen musste. Er hatte nicht wirklich das Bedürfnis neben irgendeiner fremden Person zu sitzen, weil er sich mit seinen eigenen Gedanken beschäftigen wollte. Er hätte auch einen Zug nehmen können, dachte er kurz, doch diese sind nun einmal teurer als Busse und er wollte so viel wie möglich sparen. Studieren kostete schließlich eine horrende Summe, für die er irgendwie aufkommen musste. Er arbeitete schon seit er in der High School war neben der Schule in verschiedenen Nebenjobs. Viele hatten es mit ihm jedoch nicht ausgehalten, oder er nicht mit ihnen. Er war oft einfach sehr hitzig und nahm kein Blatt vor den Mund, damit kamen die wenigsten Menschen klar und am Ende war das ja nicht sein Problem, sondern das der anderen. Eines konnte er definitiv von sich sagen: Er würde sich für nichts und niemanden verstellen oder zurückhalten.

Die Zeit im Bus verging langsam. Der Akku seines Mobiltelefons, an welchem er fast unablässig am Tippen war, sank rapide. Er speicherte sein Dokument zwischen und tippte weiter. Sicher würde es irgendwo auf der Strecke einen Ort geben, an dem er sein Handy nochmal laden konnte, bevor er in den nächsten Bus steigen musste. Er machte sich darum keine großen Gedanken. Das einzige, was ihm wirklich zu schaffen machte war der nicht vorhandene Laptop. Er wollte mit leichtem Gepäck reisen, dazu gehörte ein Laptop nun einmal nicht. Doch diese Entscheidung hatte er schon nach den ersten eineinhalb Stunden Fahrt bereut.
Nach insgesamt zweieinhalb Stunden Fahrt stieg er aus und begann sich nach einem Handyladeplatz umzusehen. Oder einem Schnellrestaurant in dem sich eine Steckdose befand. Er suchte eine Weile. Schnellrestaurants gab es um diese Haltestelle herum nicht gerade wenige, doch keines von ihnen hatte freie Steckdosen zur Verfügung.
Ärgerlich, weil ihm die Zeit davon lief und er es immer noch nicht geschafft hatte einen Ladeplatz zu finden, begab er sich zurück zur Haltestelle. Vielleicht hatte der nächste Bus ja eine Steckdose, die er nutzen konnte und selbst wenn nicht, zwei Stunden lang weder schreiben, noch Musik hören, waren doch wohl möglich, versuchte er sich einzureden.

Er blickte auf und betrachtete die Menschen um sich herum. Es waren jetzt viel mehr anwesend. Nächstes Mal würde er die direkte Strecke buchen, auch wenn sie 5 Dollar mehr kostete. Er hatte immer noch nicht so große Lust darauf mit irgendjemandem zu sehr in Kontakt zu treten, auch wenn er gerade an seinem ersten Kaffee des Tages nippte, wollte sich dieses Gefühl der Abneigung gegenüber Gesellschaft nicht legen. Er hatte wohl einfach keinen guten Tag.

Als der Kaffeebecher geleert war, schmiss Alexander ihn in den nächsten Mülleimer, was genau in dem Moment geschah, als der Bus einfuhr und es zu regnen begann. Es wirkte beinahe wie ein Auslöser für beide Ereignisse, was ihn auf eine unbestimmte Art amüsierte. Er wartete einen Moment und zog die Jacke fester um sich, bis er endlich auch in den Bus steigen und seine Fahrkarte vorzeigen konnte. Dann begab er sich auf einen freien Platz am Fenster und blickte hinaus. Er wusste, dass sich bald jemand neben ihn setzen würde, doch er wollte nicht sehen, wer es war.
„Entschuldigung, ist hier noch frei?“, erkundigte sich eine junge Männerstimme mit einem eindeutigen Südstaatenakzent. Alexander konnte ihn nicht wirklich zuordnen, so gut konnte er die Akzente nicht unterscheiden. Der Mann setzte sich neben ihn und schwieg.
Alexander starrte noch eine Weile aus dem Fenster, betrachtete den Regen, der an der Scheibe hinab lief, während sie losfuhren. Doch es dauerte nicht lang, da wurde er neugierig und wand seinen Kopf dem neuen Sitznachbarn zu. Er war überrascht. Ja, die Stimme war jung gewesen, aber er hätte ihn nicht auf sein Alter geschätzt. Der Typ neben ihm war höchstens ein Jahr älter, wenn überhaupt. Gut aussehend war er ebenfalls. Das fiel Alexander immer auf.
Und dieser Unbekannte lächelte ihn an: „Hey.“
„Hi“, antwortete Alexander eloquent. Irgendwie hatte ihm das Lächeln die Sprache verschlagen. Wie konnte ein Mensch um diese Uhrzeit, bei diesem Wetter und vor allem bei seiner vorherigen Unfreundlichkeit so freundlich lächeln? Er hatte schon fast ein schlechtes Gewissen.
„Wo geht’s bei dir hin?“, fragte der Sitznachbar.
„Washington, ich gehe heute zur GW University, um mich nochmal umzusehen und meine endgültige Entscheidung zu treffen, ob ich dort oder in New York studiere“, erklärte Alexander.
„Wie lustig, das Gleiche habe ich auch vor. Ich komme aus Charleston in South Carolina, habe aber sicher keine Lust dort zu bleiben. Für mich geht es nach Washington weiter nach New York.“
„Und warum fährst du Bus? Du müsstest doch länger als einen Tag bis hier her unterwegs gewesen sein. Das ergibt für mich keinen Sinn, muss ich sagen“, Alexander betrachtete den anderen mit einem Stirnrunzeln, dieser jedoch lächelte ihn weiterhin an.
„Das ist ganz einfach, ich lehne Fliegen ab so weit es sicher vermeiden lässt und ich kann Autofahren nicht ausstehen. Bis zur letzten Haltestelle bin ich mit dem Zug gefahren. Du wirkst ein bisschen misstrauisch.“

Alexander zuckte mit den Schultern: „Ich möchte nur sicher gehen, dass mich niemand belügt, das ist alles. Ich bevorzuge es immer, wenn man gleich mit der Wahrheit herausrückt. Wenn ich jemanden kennenlerne, soll das nicht auf Lügen basieren.“
Sein Gegenüber nickte: „Ich finde diesen Gedanken wirklich interessant und nachvollziehbar. Ich denke sogar recht ähnlich… Was möchtest du studieren?“

„Jura, aber ich weiß noch nicht genau auf welches Gebiet ich mich spezialisieren möchte. Von daher ist es für mich wirklich sinnvoll mich noch etwas umzuschauen, jetzt wo ich angenommen wurde“, langsam taute Alexander auf und begann er selbst zu werden. Der Kaffee hatte nun endlich seine Wirkung entfaltet und ihn geweckt. Was für ein Glück. Oder Pech. Das lag wohl im Auge des Betrachters: „Wie heißt du? Was möchtest du studieren? Wie kommt es, dass du dich für diese Universitäten entschieden hast? Mir ist es wichtig, dass alles stimmt, ich fühle mich In New York zu Hause, aber Washington D.C. ist wirklich schön. Die Frage ist nur wie ich mir eine Wohnung und das Studium leisten kann. Die Preise sind hoch, aber ich denke ich werde das hinbekommen. Ich habe schon vieles geschafft in meinem Leben und sobald ich mit dem Studium durch bin, werde ich mich darum kümmern, dass die USA noch besser werden, als sie es sowieso schon sind. Ich persönlich habe eigentlich viele Verbesserungsvorschläge, aber ich mag es hier zu leben. Ich liebe es sogar, man kann aber natürlich immer Dinge verbessern …“

Das Lächeln aus dem Gesicht des Gegenübers von Alexander wich einem Verblüften Ausdruck und er hörte schweigend zu, wie sich sein Sitznachbar immer weiter von der Ausgangsfrage entfernte und immer weiter redete, wie ein Wasserfall. Er hätte das nicht erwartet, als er ihn angesprochen hatte. Er versuchte ihm wirklich zu folgen, doch irgendwann schweiften seine Gedanken ab und er versucht sich eine gute Antwort zu überlegen, während der andere noch immer redete und redete. Da hatte er den Faden verloren.

„Also?“, fragte er ihn vom Fenster aus plötzlich.
„Wie was?“
„Wie heißt du?“, wiederholte er seine Frage, nach dem fast schon unendlich scheinenden Monolog.
„Mein Name ist John. John Laurens. Wie heißt du?“, fragte er und lächelte wieder. Er war glücklich, dass der Fremde keine Antwort auf den Rest seiner Tirade haben wollte.
„Alexander Hamilton“, stellte sich der andere nun vor und hielt ihm die Hand hin. Er hatte eine vollkommen Kehrtwende gemacht, stellte John fest. Plötzlich wirkte er offen auf ihn, obwohl er vorhin sehr verschlossen und abweisend gewirkt hatte. Doch John Laurens würde lügen, wenn er sich über diese Änderung nicht gefreut hätte.

Er schüttelte Alexander die Hand.

„Zu deinen anderen Frage…“, sagte er dann: „Ich habe mich für Kunst beworben. Ich habe auch überlegt Jura zu studieren, weil man damit doch um einiges weiter kommen kann in der Berufswelt, aber Kunst ist einfach meine Leidenschaft und wie es kommt, dass hier oder in New York studieren will? Das ist einfach… Wenn ich nicht hier hingegangen wäre, hätte man mich wieder nach Europa geschickt.“

Alexander fielen fast die Augen aus dem Kopf. Das hatte er nicht kommen sehen: „Europa?“
„Ja, ich habe den größten Teil meiner Schulzeit in Europa absolviert. Meine Eltern waren der Meinung, dass das besser für mich wäre, als hier.“

Alexander nickte und schwieg. Dieses Mal nicht, weil er schlechte Laune hatte oder müde war. Nein, er fühlte sich plötzlich eingeschüchtert. Dieser John Laurens war das Gegenteil von ihm, kam es ihm in den Kopf. Er hatte eine sich sorgende Familie, die Geld hatte und sich um ihn kümmerte. Er brauchte sich nicht darum zu sorgen mit welchem Geld er die Wohnung bezahlen würde. Nun, wahrscheinlich würde Alexander im Wohnheim des Colleges unterkommen und seine momentane Wohnung verlassen müssen, da die Kosten für die Universität es unmöglich machen würden sie weiterhin zu beziehen. Doch John Laurens konnte wohnen wo er wollte. Sogar in Europa. Alexander fühlte einen kleinen Stich von Neid in sich aufsteigen, doch begann ihn zu bekämpfen bevor er größer werden konnte. Er mochte John irgendwie und wollte sich nicht von diesen Gedanken die doch ganz schöne Unterhaltung zerstören lassen.
„Ich bin froh, dass du dich für Amerika entschieden hast“, sagte Alexander mit einem leichten Grinsen.
„So? Warum denn das?“, fragte John, sein gewinnendes Lächeln umspielte wieder seinen Mund.
„Wir hätten uns sonst nicht getroffen und ich will mir gar nicht vorstellen, wie es wäre neben jemand anderem zu sitzen, der mir dann am Ende vollkommen unsympathisch wäre“, Alexander schauderte merklich.

John lachte und Alexanders Grinsen wurde breiter. Er war froh einen Sitznachbarn wie John zu haben. Sobald sie sich wieder etwas beruhigt hatten fragte Alexander John, ob er ihm seine Bilder zeigen konnte. Er war ein wirklich neugieriger Mensch und John schien wirklich zufrieden mit seiner Kunst. Er holte eine Mappe aus seinem Rucksack und reichte sie Alexander, dann holte er noch einen Skizzenblock aus einer anderen Tasche.

Während Alexander nachdenklich die Bilder betrachtete und hin und wieder kommentierte, weil er wirklich begeistert davon war, was er zu sehen bekam, zeichnete Laurens vor sich hin. Er blickte hin und wieder auf und nickte Alexander zu seinen Bemerkungen zu, dann vertiefte er sich wieder in seine Zeichnung.

Alexander betrachtete Bilder, die sehr viel Natur abbildeten, einige Tiere, die schon fast wie fotografiert aussahen und ein paar Porträts. Unter jedem der Porträts stand in einer feinen, sauberen Schrift der Name der abgebildeten Person. Alexander nahm sich Zeit, die Bilder zu studieren. Etwas hatten sie, dass ihn wirklich fesselte.

Die Zeit verging und bald wurde die Durchsage laut, dass sie sich in Washington D.C. befanden. Alexander klappte die Mappe zusammen und reichte sie John vorsichtig: „Das sieht wirklich unglaublich aus… Ich bin beeindruckt.“
John schmunzelte etwas und zuckte mit den Schultern: „Ich versuche mein Bestes. Die nächste Haltestelle ist schon meine, ich … fahre nicht bis zum Ende mit. Ich habe Verwandte hier, die mich über die nächsten Tage aufnehmen werden.“

Alexander war etwas überrascht. Er hatte irgendwie erwartet, dass er bis zur Endhaltestelle neben John sitzen bleiben würde. Er öffnete den Mund kurz, um etwas zu sagen, dachte kurz nach und schloss ihn wieder, dann lächelte er und bot ihm wieder eine Hand an: „Es hat mich gefreut, dich kennenzulernen, John Laurens.“
„Die Freude ist ganz meinerseits, mein lieber Alexander Hamilton“, entgegnete der Mann mit den Sommersprossen ihm. Sein Lächeln war nicht mehr so heiter, wie es am Anfang war.

Oder Alexander bildete sich das nur ein. Er war es schließlich, der Abschiede eigentlich überhaupt nicht leiden konnte.

John stand auf und begann seine Sachen zu packen. Er nahm seinen Rucksack und begab sich zur Tür des Busses ohne sich noch einmal nach Alexander umzudrehen.

Seufzend lehnte Alexander sich wieder zurück und wollte gerade wieder aus dem Fenster blicken, als etwas Weißes in seinem Augenwinkel aufzublitzen schien. Er sah hinab auf den Sitz, auf welchem gerade noch sein Mitfahrer gesessen hatte. Dort lag ein kleines Blatt Papier, es musste aus Johns Skizzenbuch gerutscht sein. Alexander nahm es an sich und sah es an.

Es zeigte sein eigenes Gesicht im Profil. Darunter stand eine Nachricht, die Alexanders schweres Herz nun etwas höher schlagen ließ.

-Ich hoffe wir sehen uns bald wieder.
Die Busfahrt mit dir war wirklich angenehm.
Melde dich gern bei mir, wenn du möchtest.
John Laurens-

Und eine Telefonnummer.

Vorsichtig faltete Alexander das Blatt zusammen und steckte es in die Innentasche seiner Jacke, damit es ja nicht vom Regen durchnässt werden würde, wenn er ausstieg. Die Reise war es definitiv wert gewesen, sie angetreten zu haben.

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Hey ich bin es, der Autor! :D

Ich hoffe sehr, dass euch der erste Teil meiner kleinen Geschichte gefallen hat.
Ich habe sehr viel Spaß gehabt ihn zu schreiben.

Ich bin für Verbesserungsvorschläge und Kritik immer offen, aber bitte seid sachlich dabei. Wenn sich jemand dazu berufen fühlt für mich Beta zu lesen, wäre ich übrigens nicht abgeneigt zuzustimmen. ;)

Mit freundlichem Gruß und hoffentlich baldiges wieder lesen,

Ellis
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