Sommerregen

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Björn Lothbrok Der Seher
11.02.2020
10.03.2020
7
13.880
1
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9 Reviews
Dieses Kapitel
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11.02.2020 1.526
 
Hallo und herzlich willkomen! :)
Vorab wollte ich gerne ein paar Anmerkungen machen. Diese Geschichte ist die von Hvitserk und Ubbe, zumindest so, wie ich sie für mich ausgemalt habe... Zwei Brüder, genau! Wer dieses Pairing nicht mag oder allgemein die Sparte, der muss es ja nicht lesen. :) Nur wer wie ich jedes Mal da sitzt und denkt: "Mein Gott, küsst euch doch endlich...", der denkt wie ich über die beiden!
Wir springen durch die Story mit Zeitsprüngen... eine ganz angenehme Art, und mal etwas anderes!
Dank geht an Skytherin_Princess, die mich zu dieser Story dank "Fever" (siehe meine anderen Geschichten) inspiriert und motiviert hat... Aus Andeutungen wurde also eine Geschichte! :D Vielen Dank wie immer.
Spoiler aus Staffel 06, wobei ich dem Plot garantiert nicht streng folgen werde. Und natürlich Spoiler aus den übrigen Storys, wer sie noch nicht kennt :D.
An alle anderen: Habt Spaß mit der Geschichte und ich freue mich über alles, was ihr gerne dazu sagen möchtet!

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*** Gegenwart ***

--- Ubbe ----



Es dauerte nicht lange, vielleicht zwei Augenschläge, da roch die Umgebung schon nach verbranntem Fleisch. Übelkeit erregend, bissig, scharf. Wie oft hatte er es schon in seinem Leben gerochen, wie oft schon Menschen auf diese Art brennen sehen, ob lebendig oder schon tot – es war Brauch, eine uralte Tradition.


Doch in Ubbe regte sich vieles in diesen Sekunden. Zu vieles. Er konnte nicht wirklich lange auf das Feuer starren, und er musste ständig schlucken, als würde das Feuer geradewegs seine Kehle hinabklettern, ihn lähmen. Seine Lungenflügel zum Platzen bringen wie ein bösartiger faulender Abszess. Seinen Körper ausschalten.


Er hatte bittere Schreie erwartet; ein Schreien vor Schmerz, vor den Qualen des ihn auffressenden Feuers – doch Hvitserk blieb stark. Als Ubbe sich endlich wieder für einen Moment traute, die Augen auf den Mast zu wenden, an dem sein kleiner Bruder gerade bei lebendigem Leib verbrannt werden sollte, keuchte er leise. Er bemerkte, dass Torvi neben ihm sich leicht regte und seinen Blick suchte; doch Ubbe starrte nur in die Flammen.


Er starrte auf die hellen und gelblichen Zungen, die sich mittlerweile an Hvitserk’s Beinen hochschlangen. Starrte auf die Fesseln, die so fest um Hvitserk’s Handgelenke und Körper geschlungen waren, dass man Striemen feuchter Wundnässe sah, die durch die Flammen und die unbändige Hitze nur noch weiter aufrissen. Sie rissen die Haut auf, so wie sie Ubbe’s Herz zerrissen, seine Lungen, als er seinem kleinen Bruder ins Gesicht sah.


Hvitserk’s Gesicht war bleich und blutunterlaufen, wie es schon die ganzen, verrückten letzten Wochen und Monate gewesen war – die Trinkerei, von der Ubbe ihn nicht hatte abhalten können, forderte nun seinen Tribut. Die Äderchen in den einst so tiefgrauen Augen waren blutrot, müde, verklebt vom Rauch und Ruß, und Ubbe biss sich auf die Lippen. Es war fast nicht auszuhalten…


Hvitserk’s Kopf war nicht auf Ubbe gerichtet; sein kleiner Bruder, der zwar stark zitterte, aber immer noch keine Schreie von sich ließ, hatte den Kopf gehoben und starrte in den bewölkten Himmel. Es hatte nicht geregnet, nicht heute, zu Ubbe’s Leidwesen – doch die Wolken waren dennoch massig am Himmel zu finden. Hvitserk stierte mit seinen rötlichen Augen hoch, und Tränen liefen seine Wangen entlang. Ob es vom beißenden Rauch war oder aus purer Empfindung, aus Trauer vielleicht – Ubbe hätte alles gegeben, um in diesen Momenten der Qualen in den Kopf seines Bruders gucken zu können.


Ubbe stieß ein tiefes Atmen aus; er hielt es nicht aus. Sein ganzer Körper stand unter Anspannung, und obwohl er es eigentlich nicht wollte, schaute er auf die andere Seite des Ufers herüber; und seine Augen fanden schnell, was er finden wollte.


Sein ältester Bruder Björn hatte den Mund zu einer miesgelaunten und wütenden Grimasse verzogen. Die Augen, so blau wie die ihres Vaters, hatten sich stur wie ein Bock auf den brennenden Hvitserk gerichtet, der mittlerweile ein oder zwei tiefe, röchelnde Laute von sich abgelassen hatte, bei denen es Ubbe eiskalt den Rücken hinunterlief.


Ubbe begann zu beten. Seinen Blick immer noch starr auf seinen ältesten Bruder gerichtet, betete er zu Odin, dass sein großer Bruder ihm endlich das Zeichen geben würde, das Zeichen der Erlösung, des bitteren Endes von Ubbe’s und Hvitserk’s Qualen. Es dauerte ein paar Herzschläge lang, bis Björn seine Augen auf Ubbe richtete.


Sie sahen sich für mehrere Momente an – und Ubbe spürte, was sein Bruder in diesen Sekunden sagte, allein mit dem kräftigen Ausdruck in seinen Augen. Seine Wut, seine Trauer, sein gebrochenes Herz. Ubbe nickte leicht – er versuchte, so viel Bitten und Vergebung in dieses Nicken zu legen, wie er nur konnte; Gefühle zu zeigen hatte ihm nie wirklich gelegen, doch es war höchste Zeit.


Der Geruch nach verbranntem Fleisch wurde stärker.


Es waren qualvolle Sekunden, in denen sich die Brüder über den Steg hinweg ansahen, den brennenden Hvitserk in der Mitte. Ein Sonnenstrahl preschte durch die Wolkendecke, sprengte die Dunkelheit für einen Moment auf – und dieser Strahl fiel genau auf Hvitserk, der immer noch wie ein Besessener in den Himmel oben starrte. Er lächelte jetzt leicht.


Björn hatte den Blickkontakt zu Ubbe einen Moment lang eingestellt; er sah mit seinem verzogenen Gesicht den Strahl der Sonne an, ließ seine Augen hinab zu seinem brennenden Bruder sinken. Ubbe schluckte; langsam wurde er unruhig. Hatte Björn es sich anders überlegt?


Doch dann fing Björn Ubbe’s Blick erneut auf – und er nickte, nach einer halben und gefühlten Unendlichkeit nickte er endlich. Ubbe fühlte sich fast so, als sei er aus einem schweren Fieber erwacht – er durfte keine Zeit verlieren.


Mit einem beherzten Griff schnappte er sich seine Axt aus seinem Gürtel, und warf sie mit aller Kraft in die Mitte an den siedend heißen Stamm, an dem Hvitserk festgebunden war – und die Fesseln sprangen ab, während der wie gelähmte Hvitserk einfach nur stumm und bewegungslos ins Wasser fiel.


Ubbe dachte in diesen Sekunden nicht nach – er funktionierte einfach nur. Mit einem Hechtsprung glitt er in das eiskalte Wasser und tauchte einige Meter ab; er fand seinen Bruder schnell, schloss seine Hand um dessen Arm und zog ihn mit an die Oberfläche, an der sich das Volk schon vor Aufregung wandte und tuschelte.


Es dauerte einen Moment, in dem Ubbe seinen kleinen Bruder klitschnass auf den Steg hieven konnte; er ließ sich von Björn helfen, der Hvitserk direkt und erbarmungslos am Kragen packte und auf den Boden drückte. Er ließ ihm nicht einmal eine Sekunde zum Atmen.


Ubbe zog seinen eigenen nassen Körper aus dem Wasser und fuhr sich durch den Bart; seine Augen richteten sich auf das Wasser. Er wusste sowieso, was nun kommen würde. Die Tropfen seiner nassen Kleidung klatschten leise ins Wasser und ließen sein Spiegelbild verzerrt wirken.


„Du dachtest wohl, du hast einen wunderbaren Tod verdient, nicht wahr, mein Bruder? Dachtest, du kommst nach Valhalla, um mit unserem Vater zu speisen und zu feiern, was? Niemals… Ich werde dir keinen ehrenhaften Tod geben!! Du wirst leiden, ausgestoßen in der Wildnis leben… und dein Name wird noch vor diesem Winter ausgelöscht sein, genau wie dein Körper und Geist… keine heiligen Hallen!!“ Björn’s Stimme hallte durch die gesamte Umgebung; es war kein Zweifel daran, zu was er seinen jüngeren Bruder verdonnert hatte. Was für eine Bürde er ihm auferlegt hatte…


Ubbe fuhr sich durch seinen langen Zopf und senkte seinen Blick auf Björn und Hvitserk neben ihm; Hvitserk sagte kein Wort. Er war immer noch leicht am Prusten, immer noch schoss ihm Wasser aus der Lunge. Björn schlug Hvitserk einmal fest ins Gesicht, bevor er mit einem wütenden Schnauben aufstand und von dannen ging. Als er an Ubbe vorbeiging, spürte Ubbe einen leichten Tritt gegen seinen Rücken. Er hatte schon fast damit gerechnet – aber immerhin hatte sein Bruder seine Bitte erhört.


Als sich der Aufmarsch an Menschen langsam lichtete, rutschte Ubbe herüber zu Hvitserk und strich ihm die Haare aus dem Gesicht. Die blutunterlaufenden Augen sahen ihn fragend an, verwirrt, verzweifelt.


Ubbe stieß ein leichtes Keuchen aus; er zog Hvitserk näher an sich heran, drückte seine Stirn gegen Hvitserk’s. Das Wasser lief beiden noch immer ins Gesicht, doch Ubbe störte es nicht. Wichtig war, dass der Körper unter ihm noch atmete.


„Es ist alles gut, es ist besser so. Hvitserk, ich…“, begann Ubbe, doch Hvitserk keuchte nur und rutschte leicht weg. Er sah Ubbe mit einem Ausdruck an, den er nicht so ganz zuordnen konnte. War es Verletztheit? Wut?


„Ich war bereit, Ubbe. Ich wollte gehen… Jetzt komme ich nie nach Valhalla.“ Seine Stimme klang heiser, wie angekratzt durch das Feuer. Mit einem Stoß wollte er Ubbe von sich wegschubsen, doch Ubbe blieb standhaft. Er schloss seine Hand um Hvitserk’s Handgelenk, zog ihn wieder näher.


„Du wirst noch nach Valhalla kommen. Ich verspreche es dir.“


„Ich bin verbannt worden! Wie stellst du dir das vor?“, schrie Hvitserk; Ubbe erschrak, wich zurück; Hvitserk’s Stimme war fester als erwartet. Und als wäre das nicht genug, stand er nun auch noch wankend auf und wollte sich in Richtung Dorf aufmachen.


Doch Ubbe war schneller; er packte seinen immer noch entkräfteten Bruder mit einem wütenden Schnauben und warf ihn über seine Schulter; er kannte nur einen Ort, wo sie jetzt hinkonnten….
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