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10. Februar: Mein Spiegelbild [by Anni98]

OneshotDrama, Freundschaft / P12 / Gen
Luna Lovegood OC (Own Character)
10.02.2020
10.02.2020
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10.02.2020 1.097
 
Tag der Veröffentlichung: 10.02.2020
Zitat: „Der Junge vergaß nie, was er gelernt hatte: Dass lieben zerstören heißt und dass geliebt zu werden bedeutet, derjenige zu sein, der zerstört wird.“ ~ City of Bones
Titel der Geschichte: Mein Spiegelbild
Autor: Anni98
Hauptcharaktere: Luna, OC
Nebencharaktere: -
Pairings: -
Kommentar des Autors: Ich weiß, dass es kein Thema ist über das man mal eben so etwas liest. Magersucht ist eine Krankheit, die leider mit sehr vielen Stigmata zu kämpfen hat. Ich hoffe, in den wenigen Worten konnte ich die Realität gut widerspiegeln :)

Mein Spiegelbild

„Wieso bist du so unsicher, Lydia?“ Meine beste Freundin, Luna, schaut mich durchdringend an.
Ich zucke mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich höre wie die Anderen über mich reden.“
Luna lässt sich ins Gras sinken und vergräbt ihr Gesicht in den Händen. „Bei Merlin! Dann müsste ich der unsicherste Mensch der Welt sein … Meine Sachen werden regelmäßig versteckt und ich stehe nicht regelmäßig vor dir oder weine mich in den Schlaf.“
Ich setze mich neben sie und umarme sie. „Es tut mir leid“, murmle ich leise in ihre Haare. Wieso muss ich immer alles kaputt machen? Alle Menschen, um mich herum unglücklich machen? Vielleicht ist es ein Fluch, der mich umgibt …
„Himmel, entschuldige dich doch nicht für alles“, murmelt Luna leise in die Umarmung hinein.
Vorsichtig löse ich mich von ihr. In Lunas Augen schimmern Tränen. Ist das wirklich meine Schuld?
„Es tut mir leid“, murmle ich noch einmal. „Ich wollte dich nicht zum weinen bringen.“
Luna seufzt genervt auf. „Nicht du bringst mich zum Weinen, sondern deine verdammte Gemeinheit. Am liebsten würde ich dieses Monster in deinem Kopf packen, um es zu zerstören. Aber wie soll so etwas gehen? Dann würde ich dich auch verletzen. Und dass will ich nicht, weil du der verdammt nochmal wichtigste Mensch in meinem Leben bist.“
„Sag so etwas nicht …“ Ich kann nicht der wichtigste Mensch in irgendeinem Leben sein.
„Wieso soll ich die Wahrheit nicht sagen, Lydia? Du bist meine beste Freundin, weil du immer zu mir gehalten hast. Aber es verletzt mich wie du mit deinem Körper umgehst, wie du von dir redest.“ Sie bricht ab und senkt den Kopf.
Irgendwo tief in mir, weiß ich dass sie recht hat. Noch vor einem Jahr, wäre ich ausgerastet, wenn sie so etwas gesagt hätte. Es stimmt. Ich gehe grauenvoll mit meinem Körper um. Man könnte ihn fast als Spiegel geradewegs in meine Seele bezeichnen. Alle Menschen können sehen, wie schlecht es mir geht. Mich anstarren und über mein Aussehen lästern. Mir ist bewusst, ein Körper, der so mager wie meiner ist, ist nicht schön. Für niemanden. Nicht einmal für mich selbst. Trotzdem werfen mir viele, die sich, wie ich ein wenig in der Muggelwelt auskennen vor, ich würde mich wegen der Models herunterhungern. Wieso sollte ich das machen? Ich sehe kaum Menschen aus der Muggelwelt. Wie sollte ich auch, ohne diese Zeitschriften, in denen alles über die Promis steht?
„Wieso hast du angefangen zu hungern und wieso hörst du nicht einfach damit auf, obwohl dir bewusst ist, dass es nicht gut für dich ist?“, hakt Luna noch einmal nach.
Schwierige Frage, obwohl ich mich in den letzten Wochen, Monaten, eigentlich im gesamten letzten Jahr sehr viel damit auseinandergesetzt habe. Die wöchentliche Therapie im St. Mungo hat auf jeden Fall, etwas angestoßen. „Ich glaube ich kann sie noch nicht loslassen.“
Luna schaut mich fragend an.
Ich zucke mit den Schultern. „Wirklich erklären kann ich es doch auch nicht … Ich frage mich nur immer wieder wer ich ohne diese Krankheit wäre. Sie ist schon sehr lange ein Teil von mir.“
„Ohne wärst du immer noch Lydia, meine beste Freundin. Der wundervollste Mensch, den ich kenne.“
„Sag so etwas nicht“, seufze ich. Der wundervollste Mensch der Welt? Ich? Es ist unfassbar komisch so etwas zu hören, obwohl Luna es regelmäßig zu mir sagt. Wahrscheinlich hofft sie, dass ich es irgendwann glauben kann.
„Es muss doch einen Auslöser geben?“
Ich seufze. „Du wirst niemals Ruhe geben, oder?“
„Erfasst“, lacht Luna. „Es würde dir bestimmt gut tun endlich mal darüber zu reden. Wofür bin ich denn sonst deine beste Freundin?“
Ich zucke mit den Schultern. Irgendwie hat sie schon recht. „Die Sommerferien nach dem 2. Schuljahr waren die Schrecklichsten, die ich jemals in meinem Leben erlebt habe. Meine Eltern, haben das gesamte Jahr vorher, vor mir geheim gehalten, dass sie sich haben scheiden lassen. Irgendwie hat mich das total aus der Bahn geworfen. Erst habe ich mir selbst die Schuld gegeben. Dann wollte ich Kontrolle. Was ich esse war das Einzige, was ich zu Hause kontrollieren konnte. Meine Eltern haben zwar versucht, mir alles zu erklären, aber ich wollte es nicht wahrhaben. Nicht wahr haben, dass sie kein Paar mehr sind. Ich war mir sicher, wenn ich mein Essverhalten streng reguliere wird es mir irgendwann so schlecht gehen, dass sie irgendwann wieder zusammen kommen.“ Natürlich, hat es nicht funktioniert. Mein Vater interessiert sich einen Scheiß für mich. In den Ferien sehe ich ihn meistens höchstens einmal, dabei wäre ich gerne sein kleines besonderes Mädchen. Doch vermutlich werde ich es nie sein. Für ihn bin ich die Versagerin, die nichts erreicht, was sie erreichen sollte. Meine Noten sind zu schlecht, und dann noch diese psychische Krankheit … So etwas kann nicht seine Tochter sein. Schämen soll ich mich so geworden zu sein.
„Das klingt schrecklich …“, murmelt Luna mit ganz heiserer Stimme.
Ich nicke. „Diese Lektion verfolgt mich bis heute … Ich vergesse nie, was ich gelernt habe: Dass Lieben zerstören heißt und dass geliebt zu werden bedeutet, derjenige zu sein, der zerstört wird.“
„Sag so etwas nicht …“
„Doch“, fahre ich sie ein bisschen zu laut an. „Die Liebe meiner Eltern hat mich zerstört. Es gab eine Zeit, in der wir eine glückliche Familie waren, aber die ist lange vorbei. Heute bin ich kaputt, weil die Familie, die ich einst so geliebt habe, nicht mehr existiert. Ihre Auflösung hat mich zerstört.“
„Hast du jemals jemandem davon erzählt?“
Ich schüttele den Kopf, während ich langsam aufstehe. Meine Knochen schmerzen vom langen Sitzen. Ganz steif fühlt sich alles an. „Nein, ich habe noch niemandem davon erzählt und aus meinem Mund wird diese Geschichte auch niemals jemand hören.“





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Mal eine Geschichte mit einem nicht ganz so leichten Thema. Anni hat das ganze dennoch sehr gut darstellen und verdeutlichen können. Lydias Gedankengänge waren meiner Meinung nach sehr authentisch und konnten ihr Selbst sehr gut verdeutlichen. Das hat mir gut gefallen.

Eure lula-chan
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