A Series of Unexpected Events

OneshotRomanze, Familie / P12
Die deutsche Nationalmannschaft FC Bayern München Premiere League TSG 1899 Hoffenheim VfB Stuttgart Werder Bremen
10.02.2020
10.02.2020
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Eigentlich habe ich Timmy nur für dieses Gewinnspiel angemeldet, damit er Ruhe gibt. Hätte nie gedacht, dass es tatsächlich etwas wird, aber gerade eben starre ich auf die E-Mail von Allianz, die mir sagt, dass mein Sohn und ich ihr Gewinnspiel gewonnen haben.
Ein Meet und Greet mit drei Bayernspielern, ein Platz als Einlaufkind beim nächsten Bundesligaspiel und Tickets direkt hinter der Trainerbank für dieses Spiel. Oh mann. Na gut. Das kann ich ihm ja wohl kaum verwehren.
Als ich bei meiner Mama ankomme, die Timmy heute Mittag von der Schule abgeholt hat, bemerke ich wie immer das Chaos schon gefühlt einen Kilometer weit weg. Mein Sohn ist genauso unorganisiert wie ich und meine Mutter lässt ihm alles durchgehen, weil sie ja schließlich eine Oma ist und als Oma ist man für‘s verziehen und nicht für‘s erziehen zuständig. Ich würde ihr gerne widersprechen, aber ich habe sowieso keine Chance, denn sie liebt Timmy. Immerhin ist er ihr einziges Enkelkind und sie sagt immer, er hat ja sonst niemanden. Als ob ich niemand wäre. Aber egal.
Ich schieße den Fußball weg, der auf dem Fußabtreter vor der Haustür liegt und sperre die Tür auf.
„Hallo?“, rufe ich in Richtung Küche und ziehe meine Schuhe aus. Aus der Ferne höre ich das laute Lachen meines Sohnes und meine Mama, die ihm irgendwas erzählt. Bestimmt liest sie ihm vor. Eigentlich sollte er ja selber lesen, aber naja, Omas halt…
„Mama!“. Ich schaffe es gerade noch, mich etwas stabiler hinzustellen, da jagt schon ein blonder Blitz auf mich zu. Mein Sohn schlingt seine Arme um meinen Bauch und grinst zu mir hoch. „Wir hatten heute Pfannkuchen mit Schokolade!“, erklärt er mir begeistert. Ich hebe den Kopf und sehe meine Mama schuldbewusst in der Türe stehen. Aber ich sage nichts, denn ich weiß ganz genau, wie gut Mamas Pfannkuchen sind und normalerweise bin ich auch wirklich streng mit Süßigkeiten, also darf er das hin und wieder.
„Hast du deine Hausaufgaben alle gemacht?“, frage ich Timmy und er nickt fleißig.
„War total einfach“. Kommt definitiv nach mir. Ist auch besser so, denn sein Vater war ein Riesenarsch und alles, was ich die letzten fast sieben Jahre von ihm gesehen habe, waren die Unterhaltszahlungen auf meinem Konto, die ich mir vor Gericht erkämpfen musste. Aber das hab ich wohl davon, weil ich mit 18 schwanger wurde. Aber egal, es hat ja alles geklappt.
„Und was gibt‘s zum Abendessen?“.
„Nudeln mit roter Soße“. Natürlich, was sonst? Er ist wirklich eins zu eins mein Sohn. In dem Alter hab ich auch nichts anderes gegessen.

Beim Essen rücke ich dann mit der großen Neuigkeit raus: „Timmy, weißt du noch, als wir dich zu diesem Bayern-Gewinnspiel angemeldet haben?“. Mein Sohn merkt auf und nickt aufgeregt. „Tja, ich habe heute Bescheid bekommen und wir haben gewonnen“. Ich muss mir die Ohren zuhalten, denn er schreit vor Freude auf. Mama tauscht einen Blick mit mir aus, der ganz klar sagt: ‚Was hast du jetzt wieder angestellt?‘.
„Vor ein paar Wochen haben wir ein Gewinnspiel entdeckt, bei dem man ein Meet and Greet mit Bayernspielern gewinnen kann und danach auch noch als Einlaufkind mit einem von denen ins Stadion einlaufen darf. Und Karten für das Spiel kriegt man natürlich auch“, erkläre ich Mama und sie seufzt.
„Ich hatte gehofft, diese Fußball-Sache geht vorbei, aber wohl nicht“. Sie verdreht die Augen und seufzt. „Wann steigt die Aktion?“.
„In zwei Wochen“. Samstag, 15:30 ist das Spiel und Samstag 12:00 treffen wir die Spieler, die für das Meet und Greet abgestellt werden. Und dann darf mein Kleiner an der Hand eines seiner Helden in die Allianz Arena einlaufen und danach schauen wir uns das Spiel an. Und Timmy ist ganz offensichtlich mega begeistert, denn er wirkt wie ein Flummi, so wie er durch die Gegend hüpft. „Ich freu mich für ihn. Hoffentlich sind die auch nett“. Meine Mama sieht mich ein wenig schief an und schmunzelt dann.
„Vielleicht kannst du dir ja einen anlachen. Das findet Timmy bestimmt auch klasse“. Ich kann echt nur die Augen verdrehen.
„Mama…“. Wir hatten dieses Thema schon so oft. Seit Timmys Erzeuger hatte ich keinen Freund mehr. Wie auch. Erst war ich schwanger, dann hatte ich genug zu tun damit, mein Abi zu schreiben und ein Baby zu betreuen. Und dann bin ich zur Polizei und war eine single Mom und daran sind die wenigsten Kerle interessiert. Sie finden mich immer mega, bis ich sage, dass ich einen Sohn habe, das ist dann nämlich der Mega-Abturn. Und das wird bei den Fußballern nicht anders sein – nicht dass ich mir wirklich einen anlachen wollen würde. Ich bin zufrieden. Alles läuft gut.
„Ja, ich weiß, Entschuldigung. Aber ich bin auch schon alt und wer soll denn auf dich aufpassen, wenn ich mal nicht mehr bin?“.  Wenn ich noch mehr die Augen verdrehe, dann bleiben sie in meinem Kopf stecken.
„Mama, du bist noch nicht mal 50, jetzt hör aber auf, du bist topfit. Und ich kann ziemlich gut auf mich selbst aufpassen, wie du weißt“. Sie tätschelt lächelnd meinen Arm und nickt.
„Ich weiß. Dann hab wenigstens Spaß bei diesem Event, ich weiß, dass du mit Fußball nichts anfangen kannst, aber lass dich drauf ein“. Ich seufze. Das hab ich vor.

Je näher wir dem besagten Samstag kommen, desto aufgeregter wird Timmy und desto nervöser werde ich. Was, wenn die Spieler einfach scheiße sind? Oder er nicht mit seinem Lieblingsspieler einlaufen darf? Oder er sich irgendwie verletzt oder wehtut oder nach dem Einlaufen im Stadion verloren geht? Oh mann, Mara, was denkst du nur wieder? Es wird schon alles gut gehen.
Samstag um 11:45 stehen wir in der Erlebniswelt des FC Bayern, wo wir uns mit den Spielern treffen. Um uns herum stehen noch zwei Kinder mit ihren Eltern, die wohl auch zu den glücklichen Gewinnern gezählt haben.
„Hallo, mein Name ist Luca, ich bin Arena Tour-Guide und ich werd euch heute begleiten. Die Spieler werden auch gleich zu uns stoßen, wobei ich darum bitten muss, dass sie nicht überrannt werden. Sie und Ihre Kinder werden die Chance bekommen, mit den Spielern zu reden und Fotos zu machen. Wir machen mit den Spielern eine Arena Tour und danach, je nachdem, wie lange wir brauchen, werden Sie sich mit Ihren Kindern und den Spielern im Restaurant hier zusammensetzen und die Kinder können ihre Fragen loswerden. So gegen 15:00 dürfen Sie mit Ihren Kindern nach unten zu den Umkleiden gehen, wo ein Trikot-Set auf Ihr Kind wartet, und gegen 15:20 stellen sich die Kinder auf. Sie folgen dann bitte einer Kollegin vom Kids Club, die Sie dorthin begleitet, wo Sie Ihre Kinder kurz vor Anstoß wieder einsammeln können und danach führt Sie noch jemand auf Ihre Plätze. Das Trikot-Set darf natürlich behalten werden. Gibt es noch Fragen?“. Ich fühle mich ein bisschen überrannt von der Info, aber der Tour-Guide teilt uns kleine Flyer aus, auf denen der Zeitplan nochmal etwas detaillierter steht. Und dann geht auch schon die Tür auf und drei Männer in roten FC Bayern-Trainingsanzügen betreten den Raum.
„Für die, die diese Jungs nicht kennen: Serge Gnabry, Leon Goretzka und Joshua Kimmich“. Der Guide deutet bei jedem Namen, den er nennt, auf einen der Männer, die nicken, wenn ihre Namen gesagt werden. „Wenn Sie sich auch kurz vorstellen könnten“. Luca nickt in unsere Richtung und deutet auf mich, also räuspere ich mich und lächele.
„Hey, mein Name ist Mara und der blonde Wirbelwind da hinten ist mein Sohn Timmy. Wir freuen uns sehr, dass wir hier sein dürfen“. Ich mache eine kleine Handbewegung, die andeutet, dass ich nicht mehr sagen will und Luca deutet auf die nächsten Eltern und nach und nach stellen sich alle vor. Und ich muss ehrlich sagen, ich fühle mich ein wenig underdressed und vor allem schrecklich jung im Vergleich zu den anderen Eltern. Die sind alle mindestens zehn Jahre älter als ich und einer der Väter trägt sogar einen Anzug. Oh mann, es ist doch nur ein Meet and Greet, kein Businessgespräch oder sowas. Eine von den Müttern färbt mit Sicherheit ihre Haare, so kacke wie ihr Ansatz aussieht. Oh mann, ich fühl mich viel zu jung. Und die färbende Mutter sieht mich auch so an, als könnte sie nicht glauben, dass jemand wie ich schon ein so großes Kind hat. Ich hasse so Blicke. Aber ich ignoriere es und wende mich dem Guide zu, der jetzt wieder anfängt zu reden.
„Ja, also damit haben wir das erledigt. Wir werden jetzt die Tour starten, die Spieler werden mitgehen. Und los“. Ich seufze und pfeife kurz auf zwei Fingern, Timmys und mein Zeichen, dass er jetzt antreten muss und schon steht er neben mir. Meine Mama sagt immer, das sei ein bisschen barbarisch, weil ich ihn da wie einen Hund behandle, aber auf den Pfiff hört er meistens eher als wenn ich seinen Namen schreie.
Ich ignoriere den entrüsteten Blick des Anzug-Vaters und den leicht beeindruckten Blick der Fußballer. Stattdessen nehme ich Timmys Hand und folge mit ihm dem Tour Guide, der uns Treppen hoch und wieder runter jagt und uns so viele Fakten erzählt, die sich doch niemand merken kann.
Als wir uns auf ein paar Sitze im Unterrang setzen, bittet uns der Tour Guide einmal laut „TOR“ zu schreien und die Kinder kommen dem gerne nach und auch ich steige in den Spaß ein, die Fußballer auch. Die Businesseltern nicht so. Aber unser Geschrei hallt durch die fast leere Arena und gleich darauf folgt lautes Kinderlachen. Ja, allein die Tatsache, dass mein Kleiner so fröhlich ist, macht meine Langeweile hier wett.
Nach dem Unterrang geht es in den Saal, in dem die Pressekonferenzen abgehalten werden. Während Timmy und die anderen Kids durch den Raum stürmen und alles erkunden, lasse ich mich auf einen der Stühle fallen und seufze. Ich hab ein wenig Kopfweh. Aber egal.
„Hey“. Ich sehe auf. Einer der Fußballer hat sich neben mich gesetzt. „Ich bin Serge und du bist Mara, stimmt‘s?“. Kurz überlege ich, ob ich gesiezt werden will, aber dann lass ich den Gedanken fallen. Serge ist mit Sicherheit in meinem Alter.
„Jap. Und ich fühl mich ein bisschen fehl am Platz“, rutscht es mir raus, bevor ich irgendwie nachdenken kann. Serge zieht eine Augenbraue hoch.
„Warum?“.
„Naja, ich hab mit Fußball nichts am Hut – no offense – und ganz ehrlich, vielleicht hätte ich mein Abiball-Kleid anziehen sollen, denn anscheinend gibt es hier einen festen Dress Code“. Ich deute vage auf den Anzug-Vater und Serge lacht. „Ah und nicht zu vergessen, dass mich die Mamis alle mit so einem skandalösen Blick ansehen, als könnten sie nicht glauben, dass Timmy wirklich mein Sohn ist, nur weil ich zehn Jahre jünger bin und hundertmal besser aussehe als die in dem Alter“.
„Ah okay, wir hatten uns schon gewundert. Du siehst nämlich wirklich sehr jung aus und die Einlaufkinder müssen ja mindestens sechs sein, dass sie überhaupt dürfen…“. Serge fährt sich durch die Haare und lächelt schief. „Darf ich fragen, wo Timmys Papa ist?“. Ich seufze. Eigentlich rede ich nicht wirklich gerne über sowas, aber irgendetwas an Serge wirkt einladend und vertrauenswürdig. Und was soll's, nach heute seh ich ihn eh nie wieder.
„Den gibt es nicht. Nur einen Erzeuger und der ist ein Schwein“. Ich lächele gequält und Serge schluckt.
„Oh, sorry für die Frage“, aber ich winke ab.
„Schon gut. Ich hatte genug Zeit, das zu verarbeiten“. Meine Therapeutin ist wirklich ein Engel.
„Alles klar, dann gehen wir mal wieder!“. Der Tour Guide winkt alle weiter und ich stehe auf, sammele meinen Sohn wieder ein und lasse Serge stehen – oder eher sitzen.
Nach dem PK-Raum geht es in die Bayern-Umkleide und da steht der erste Fototermin an.
„Das ist Anna, sie fotografiert für den FC Bayern. Und wir würden gerne ein kleines Gruppenfoto machen, das dann im nächsten Stadionmagazin veröffentlicht wird, sofern alle zustimmen. Und wenn sie fertig ist, können Sie Ihre Kinder mit den Spielern knipsen“, kündigt Luca, der Tour Guide, an und scheucht uns alle in die Mitte des Raumes, so dass man dann im Hintergrund des Bildes die Bayern-Kabine mit den Trikots sieht.
„Alle mal Cheese sagen“. Alle sagen „Cheese“ und Anna drückt ab. Sie schießt ein paar Bilder und bedankt sich, verabschiedet sich dann.
„Alles klar, junger Mann. Wie wär‘s, wenn wir anfangen?“. Ich sehe überrascht, wie Serge Timmy die Hand hinhält und mein Sohn sie nimmt und sie sich gemeinsam aufstellen. Serge flankiert von seinen beiden Kollegen und vor Serge steht Timmy.  Ich schnappe mir mein Handy und fotografiere die Jungs. „So und jetzt wir alle einzeln mit dir, oder Timmy?“. Mein Sohn nickt begeistert und Serge schubst seine Mitspieler auf die Seite, kniet sich neben Timmy und hält einen Daumen hoch. „Komm, Daumen hoch, Timmy, damit die Mama ein tolles Bild hat!“. Timmy macht den Daumen hoch und grinst wie ein Honigkuchenpferd und ich drücke ab. Er sieht so glücklich aus. Der Trip hat sich definitiv gelohnt und ich weiß ganz genau, dass ich diese Bilder in mindestens dreifacher Ausführung ausdrucken muss. Für mich, für Mama und für Papa auch noch.
„Okay, jetzt ich“. Serges dunkelhaariger Kollege nimmt Serges Platz ein, fährt sich noch einmal durch die Haare und grinst dann auch.
„Timmy, sag Ameisenscheiße“, sage ich und mein Sohn kichert. Perfekt. Ich schieße das Foto und lächele. Normalerweise geht er wirklich nicht so schnell auf fremde Leute zu. Aber auf der anderen Seite sind diese Jungs ja nicht fremd, er sieht sie jedes Wochenende im Fernsehen.
„So und jetzt noch Josh“. Serge schiebt den Dunkelhaarigen auf die Seite und stellt seinen blonden Kollegen neben meinen Sohn. Und wieder grinsen sie alle und ich drücke ab. „Fertig. Zeig mal her, Mara“. Irritiert zeige ich Serge die Fotos. Ich bin etwas verwirrt, denn er benimmt sich, als würden wir uns schon lange kennen und die anderen Eltern sehen mindestens genauso konsterniert aus. Die denken sich auch, sie werden hier verarscht. „Wow, die sehen wirklich toll aus. Leon, schau, wie gut deine Haare aussehen!“, ruft Serge und winkt den Dunkelhaarigen her. Also dunkle Haare – Leon und blonde Haare – Josh.
„Sieht wirklich toll aus“, murmelt Leon und lächelt mir zu. Automatisch erwidere ich das Lächeln. Doch bevor einer von uns mehr sagen kann, plappert Serge schon weiter.
„Wow, Josh, du hättest ja nicht mal in die Knie gehen müssen für dieses Foto“, stichelt er seinen blonden Kollegen an, der nur die Augen verdreht.
„Äh, Jungs, ihr solltet vielleicht mit den anderen Eltern auch Fotos machen“, flüstere ich und hoffe, dass nur sie mich hören. Sie springen gleich in Aktion, Serge gibt mir mein Handy wieder und zwinkert Timmy zu.
Während die anderen Kinder mit den Profifußballern Fotos machen, tritt Luca, der Tour Guide neben mich und räuspert sich leise.
„Sie kennen die Spieler aber nicht, oder?“, fragt er leise und kratzt sich am Hinterkopf.
„Nein, überhaupt nicht. Ich hab mit Fußball gar nichts am Hut. Und ich bin genauso verwundert wie Sie, dass die so persönlich mit meinem Sohn und mir umgehen“, gebe ich zu. Er zuckt mit den Schultern und nickt.
Die Tour geht weiter und als Luca, der Tour Guide im Spielertunnel die Champions League-Hymne anmacht, bekomme sogar ich Gänsehaut. Timmy und die zwei anderen Kinder sehen sich begeistert an und gehen andächtig die Treppe von den Umkleiden hinunter. Zweifellos stellt sich mein Kleiner vor, wie er da selbst einmal runtergeht, im Bayerntrikot und dann ein großes Spiel spielt. Immerhin ist er ja gar kein allzu schlechter Fußballspieler.
Der letzte Stop ist die Mixed Zone und dann geht es ins Arena Bistro. Ich werfe einen Blick auf die Uhr und stelle überrascht fest, dass wir gar nicht so lang gebraucht haben, wie es sich angefühlt hat.  
„Okay, jetzt ist noch genug Zeit für Fragen und vor allem für Essen“. Ich höre schon mal vorsorglich weg, denn die Kids stürmen mit Gebrüll in Richtung der Theke und auch ich merke, dass ich langsam Hunger habe. „Geht natürlich alles aufs Haus! Ich wünsche noch einen guten Appetit und dann viel Spaß beim Spiel!“. Und damit verabschiedet sich unser Tour Guide. Ich folge meinem Sohn zur Theke und bestelle ein Stück Pizza Margarita und ein Stück Prosciutto und zwei Apfelschorlen. Dann schnappe ich mir Timmy und wir setzen uns an einen der leeren Tische.
„Na, wie war‘s?“, frage ich und Timmys Augen leuchten auf.
„Es war soo cool, Mama“, sagt er mit vollem Mund und auch mein strenger Blick kann seine Freude nicht trüben. Er weiß ganz genau, dass ich es nicht mag, wenn er mit vollem Mund redet.
„Ja, das fand ich auch“. Ich fahre herum. Dieses Mal ist es nicht Serge, der vor mir steht, sondern der dunkelhaarige Kerl – Leon. „Darf ich mich setzen?“. Ich nicke und er lässt sich neben mich auf die Bank fallen. „So, Timmy, spielst du auch Fußball?“, fragt er und mein Sohn steigt voll darauf ein und erzählt ihm alles. Dass er bei Unterhaching in der Jugend spielt und dass es mega viel Spaß macht und und und. Dieses Kind ist so ein Plappermaul und das hat er ganz definitiv auch von mir.
„Und was macht Timmys Mama?“. Ich merke auf und schlucke den Rest Pizza runter. Leon sieht mich neugierig an.
„Ich bin Polizistin“. Leon sieht überrascht aus.
„Wow. Arbeitest du Schicht?“. Jetzt bin ich die, die überrascht ist. Aber auf der anderen Seite, mir wurde heute schon eine andere, viel persönlichere Frage gestellt, von daher…
„Nein, ich arbeite Tagdienst. Während Timmy in der Schule ist und drei Nachmittage in der Woche, in denen er entweder bei meiner Mama oder meinem Papa ist“.
„Ich muss ganz ehrlich sagen, ich hab den allergrößten Respekt vor dir. Kann mir nicht vorstellen, dass das Leben als alleinerziehende Mutter einfach ist“. Vermutlich sollte ich irritiert sein, dass Leon weiß, dass ich alleinerziehend bin, aber was soll‘s. Ich sehe diese Fußballer nie wieder nach heute, da kann man auch mal ratschen.
„Einfach nicht, aber ich würde es mir nicht anders wünschen“. Was die reine Wahrheit ist. Und auch ein Grund, warum ich seit Timmys Erzeuger keinen Kerl mehr hatte. Ein Mann in unserem Leben würde die Dynamik zwischen meinem Sohn und mir bestimmt total verschieben und wer weiß, ob Timmy besagten Mann dann überhaupt mögen würde, denn wenn er das nicht täte, dann steht eine Beziehung ja außer Frage.
Ich zucke leicht zusammen, als Leon kurz meine Hand nimmt und sie drückt, mich anlächelt.
„So, ich muss jetzt weiter, wir spielen nämlich ein bisschen Reise nach Jerusalem, so dass jedes Kind was von uns hat. Vielleicht spricht man sich ja nochmal“. Er hält Timmy die Hand zum High Five hin und legt mir kurz die Hand auf die Schulter und geht dann.
Der nächste, der sich neben uns fallen lässt, ist der Blonde – Josh.
„So, also was hast du getan, dass du Serge und Leon so um den Finger gewickelt hast?“, wendet er sich direkt an mich, nachdem er mit Timmy abgeklatscht hat.
„Äh was?“. Mehr kriege ich nicht raus.
„Die zwei reden die ganze Tour schon von dir. Irgendwas hast du an dir, aber sei mir nicht böse, ich seh‘s einfach nicht. Allerdings bin ich auch glücklich vergeben, von daher…“. Er zuckt mit den Schultern und grinst. „So und du Großer, wie alt bist du?“. Timmy setzt sich gerader hin, froh, Joshs Aufmerksamkeit zu haben.
„Ich bin fast sieben“, sagt er stolz und Josh grinst.
„Meine kleine Tochter ist inzwischen fast drei“. Überrascht sehe ich zu ihm. Er wirkt jünger als ich und ich hätte nie damit gerechnet, dass er auch schon ein Kind hat. Aber ich bin die Letzte, die was sagen darf, also lächele ich nur. „Ich hoffe, sie wird auch mal ein so großer Bayern-Fan wie du“.
„Ich bin der allergrößte Bayern-Fan“, erklärt Timmy stolz und Josh nickt zustimmend.
„Und der beste!“. Und dann geht das Karussell auch schon weiter, Josh verabschiedet sich von uns und Serge lässt sich auf die Bank neben mich fallen.
„Hallo Timmy, Mara. Darf ich mal ehrlich sein?“. Er seufzt theatralisch. „Ihr seid wirklich die allercoolsten hier. Die anderen sind alle langweilig“. Er zwinkert und Timmy kichert.
„Du bist lustig“, sagt er und Serge nickt.
„Serge?“. Er dreht sich zu mir und lächelt unschuldig. „Ich hab das Gefühl, es geht hier hinter meinem Rücken irgendetwas vor, von dem ich nichts weiß. Und ich würde gerne wissen, was. Vor allem, weil ihr alle drei so tut, als würden wir uns schon Jahre kennen“. Serges unschuldiges Lächeln wird zu einem breiten Grinsen.
„Leon findet dich hübsch, also habe ich beschlossen, mich mit dir anzufreunden“. Er zwinkert. „Und ich find dich mega sympathisch und du bist ganz anders als die Mamis und Papis hier“.
„Hey Timmy, magst du dir einen Nachtisch holen?“. Mein Sohn springt begeistert auf und rast los zur Theke und ich kann endlich Klartext reden. „Hör mal, Serge, ich finde Leon auch sehr hübsch, aber ich… ich bin nicht auf der Suche nach einer Beziehung oder irgendwas in der Art. Timmy ist meine absolute Priorität und auch, wenn er euch mega mag und ich dich auch sehr sympathisch finde, ihr seid trotzdem auch noch Profifußballer und das würde uns voll ins spotlight stellen. Und das will ich nicht“. Ich zucke mit den Schultern, doch Serge hebt nur abwehrend die Hände.
„Hey, alles okay. Ich versteh das total. Aber ich habe ein Gegenangebot zu Freundschaft und Beziehung zu Profifußballern. Wie wär‘s mit Kontakten?“. Er wackelt mit den Augenbrauen, zaubert irgendwo einen Stift her und schreibt seine Handynummer auf eine Serviette. „Falls du deine Meinung änderst oder falls du mal wieder Tickets für ein Bayernspiel brauchst oder Timmy eine VIP-Tour durch unser Trainingszentrum will oder wir ein gutes Wort für ihn bei unserem U9-Trainer einlegen sollen oder ein Probetraining für ihn ausmachen sollen oder…“.
„Das ist wirklich nett von dir, aber ist das nicht ein bisschen fahrlässig, einer fremden Person deine Nummer zu geben?“. Serge schnaubt.
„Das ist die Nummer von meinem Berater. Ich geb ihm Bescheid, dass du dich vielleicht mal meldest und wenn du dich meldest, dann schauen wir weiter“. Er zwinkert. „Aber falls du doch ein Date mit Leon willst, hier ist seine Handynummer“. Mir klappt die Kinnlade runter, als Serge eine zweite Handynummer auf die Serviette kritzelt und dick und fett LEON daneben schreibt.
„Gleiche Anmerkung wie gerade eben, nur wieso gibst du einer fremden Person die Handynummer deines Kollegen? Das ist ja noch fahrlässiger als mir deine eigene zu geben!“. Serge lacht.
„Ich bin mir zu 99 Prozent sicher, dass du ihm eh nicht schreibst, von daher kann ich tun, was ich will“. Ich kann nur die Augen verdrehen und Serge lacht ein wenig lauter. „Überleg‘s dir“, sagt er dann und steht auf. „Wir müssen jetzt dann los. Du weiß ja, wie du uns erreichst“. Er zwinkert und verabschiedet sich von mir. Dann geht er gemeinsam mit seinen Kollegen noch kurz zu Timmy und den anderen zwei Kindern, die inzwischen in der Spielecke sitzen und sie verabschieden sich noch kurz von den Kids, auch wenn sie die in einer Stunde wiedersehen.
Timmy und ich schlagen die Zeit bis zum Gang in die Umkleide in der Erlebniswelt tot und um 15:00 treffen wir uns wieder mit den anderen Eltern und Kindern inklusive der restlichen 23 Einlaufkinder. Gemeinsam folgen wir einer KidsClub-Mitarbeiterin zu den unbenutzten Extra-Umkleiden.
Ich helfe Timmy in seine Klamotten, über die er sich tierisch freut – ein komplettes Trikot-Set mit Stutzen und Hose und sogar einer Jacke. Und es dauert tatsächlich fast bis 15:20, um alle Kinder fertig zu bekommen und dann gehen die Kinder auch schon los. Ich sehe noch zu, wie Timmy die Treppe Richtung Spielertunnel verschwindet und dann fällt mir Serge auf, der gerade aus dem Gang zur Bayern-Umkleide kommt und mir zuzwinkert. Und seltsamerweise bin ich nicht total gestresst, mein Kind fremden Leuten zu überlassen, denn tief in mir weiß ich, er ist bei Serge und Leon und Josh gut aufgehoben.

Als ich meinen Sohn eine Viertelstunde später wieder in Empfang nehme, vibriert er fast vor Aufregung, kommt aber problemlos mit mir mit zu unseren Plätzen. Während des Spiels fiebert Timmy mit und ich denke nach. Ich hatte wider Erwarten einen richtig guten Tag und alleine die Tatsache, dass ich fühle, dass mein Kind sicher aufgehoben ist bei den Jungs, irritiert mich sehr. Und dass ich mich auch wohl gefühlt habe. Mit Leon, der mich wohl hübsch findet und den ich zugebenermaßen auch hübsch finde, habe ich nicht so recht geklickt, aber mit Serge… der auch hübsch ist. Und mit dem ich gut reden kann. Und der charmant ist. Und mit dem Timmy wirklich gut klarkommt. Und der Profifußballer ist.

Keine Ahnung, wie das Spiel ausgeht, denn ich philosophiere die vollen 90 Minuten vor mich hin, aber als Timmy nach Abpfiff mit glühenden Augen und breitem Grinsen fragt, ob wir das wieder machen können, ist meine Entscheidung, Serge zu kontaktieren, fast gefallen. Die Profifußballer-Sache ist ja wirklich das einzige Hindernis und man kann sich bestimmt gut verstecken. Wen interessiert schon, mit wem so ein Fußballer zusammen ist? Vermutlich viel mehr Leute, als ich mir vorstellen kann. Und Timmy mag ihn. Das ist wirklich der größte Bonus.
Also rufe ich am nächsten Tag Serges Berater an und lasse mir seine Nummer geben. Und dann rufe ich Serge an.
„Hallo?“.
„Hey, hier ist Mara“. Ich bin ein bisschen nervös.
„Hey, ich hab schon auf deinen Anruf gewartet. Und irgendwie auch nicht, ich dachte, du rufst Leon an“. Er lacht leise.
„Nein… nein, mir hat‘s jemand anders mehr angetan als er“. Ich atme tief durch. „Du“. Am Ende der Leitung ist es eine Weile still.
„Wow, okay damit hab ich wirklich nicht gerechnet. Die meisten Frauen fahren eher auf Leon ab“, sagt Serge leise. Es klingt richtig niedergeschlagen und es erklärt auch, warum er sich auf der Tour so verhalten hat und immer seinen Kollegen in den Vordergrund gestellt hat.
„Ich dachte, wir hatten schon etabliert, dass ich anders bin?“. Ich höre ihn lachen.
„Das stimmt. Und, hast du dich entschieden, wie du weitermachen willst?“, fragt er dann.
„Ja schon. Ich denke… ich denke, ich würde dich gerne wiedersehen“. Ich fühle mich ein bisschen blöd, und ehrlich gesagt habe ich ein bisschen Angst, dass Serge sagt, so meinte er das nicht und er ist nicht an mir interessiert, doch er unterbricht meine Gedankenspirale: „Ich würde dich auch gerne wiedersehen!“. Und mein Herz schlägt doch tatsächlich ein wenig schneller. So habe ich schon lange nicht mehr empfunden. Und es fühlt sich gut an. Ich brauche keinen Mann in meinem Leben, aber vielleicht will ich einen. Und ich danke allen Göttern, die ich kenne, dafür, dass sie Timmy für dieses Gewinnspiel ausgewählt haben und gerade diese Spieler das Meet und Greet gemacht haben. Ich weiß zwar nicht, wo das hier hinführt, aber ich lasse es einfach auf mich zukommen.
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Bitte gewöhnt euch jetzt nicht an einen neuen OneShot von mir jeden Tag :D
Aber mein Gehirn geht aktuell mit mir durch und die meisten Ideen geben nicht genug her für eine lange Story, deswegen nur OneShots ;)
Falls eine Fortsetzung gewünscht ist, könnte ich mir was überlegen und eine schreiben!
Ich freu mich auf euer Feedback!


LG die Ela :)
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