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Paper Mario Bros. Der Segen des Königsjuwels

von No Cookie
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P6 / Gen
Bowser Koopalinge Luigi Mario OC (Own Character)
10.02.2020
03.10.2020
55
174.587
7
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10.02.2020 3.803
 
Prolog

Das friedliche Geplapper der Toads in den Straßen und der leise Gesang der Vögel in den grünen Bäumen, hing in der sommerlich warmen Luft. Dennoch hastete Mario mit klopfendem Herzen durch die Straßen der kleinen Stadt. Einmal mehr war er auf dem Weg zum Palast und musste fürchten, dort das Schlimmste vorzufinden. Gerade erst hatte der Botentoad den Brief aus dem Palast gebracht. Zwar von Prinzessin Peach persönlich verfasst, aber mit der dringenden Bitte an Mario, doch so schnell wie möglich zu ihr zu kommen. Über mehr hatte sie sich ausgeschwiegen. Ganz so, als würde Peach sich nicht trauen mehr in die Zeilen zu schreiben, oder hätte keine Zeit mehr dafür gehabt. So etwas ließ immer Schlimmes ahnen. Deshalb hatte der Held des Pilzkönigreiches sofort seine Schuhe gebunden und seine Mütze aufgesetzt, um sich auf den Weg zu machen. Dabei hatte er Luigi versprochen die Küche aufzuräumen  und den Tisch zu decken, bis der kleine Bruder vom Einkauf zurück wäre. Nun stand alles nur halbfertig herum. Der große Bruder verspürte darüber einen Anflug von schlechtem Gewissen, schob es aber entschlossen beiseite. Luigi würde es schon verstehen, wenn er es ihm erklärte.  Das tat er immer, wenn Mario einmal wieder alles stehen und liegen lassen musste, um der Hoheit zu Hilfe zu eilen.
Zum Glück war der Weg zum Schloss nicht weit. Trotzdem atmete der Held schwer, als er endlich über die Zugbrücke in den Schlosshof hastete. Sein Herz  hämmerte besorgt im Takt seiner Schritte auf dem Holz.Doch das Schloss, und vor allem dessen Bewohner, waren völlig ruhig und friedlich. Die vielen Pilzköpfe liefen zwar geschäftig umher, schienen aber weder aufgeregt noch panisch zu sein. Und auch die Wachen am kleinen Tor machten keine Anstalten Mario aufzuhalten oder auch sonst in besonderer Alarmbereitschaft zu sein.
Mario kratzte sich verwirrt unter der Mütze und erlaubte sich ein wenig durchzuatmen und selbst zur Ruhe zu kommen. Da der Palast auch noch unversehrt war, sich keine Luftschiffe um dessen Zinnen drängten oder randalierende Schergen durch Flure und Zimmer wüteten, handelte es sich wohl nicht um einen erneuten Entführungsversuch Bowsers. Eigentlich war das dem Helden des Pilzkönigreiches ganz recht so, dennoch fragte er sich was Peach dann dazu getrieben hatte ihn so dringend hierher zu bitten.
Hier und da grüßte der Held einen der kleinen Pilzköpfe, die ihm fröhlich zuwinkten, während er sich durch die Gänge zum Thronsaal begab. Diesen Weg kannte er mittlerweile fast so gut wie seinen Heimweg. Die Toads, die eher symbolisch an den schweren Türflügeln wachten, nickten Mario zu und öffneten dann ohne ein weiteres Wort. Er musste sich schon lange nicht mehr bei der schönen Hoheit anmelden. Unter einem freundlichen Lächeln trat er ein und ging auf die Herrscherin des Pilzkönigreiches zu, die ihn offenbar tatsächlich schon erwartet hatte.
Misstrauisch  und gründlich sah Mario sich hier um, damit ihm nichts entging. Hinterhalte und Fallen waren ihm dann und wann schließlich auch schon zum Verhängnis geworden. Doch auch hier, im Herzen des Palastes, war alles ruhig und friedlich.
Peach erhob sich rasch, als der Held die Mütze abnahm, um die Hoheit zu begrüßen. Offenbar standen ihm Sorge und Verwirrung ins Gesicht geschrieben, denn sie ergriff sofort das Wort.
„Vielen Dank, Mario, dass du so schnell hier sein konntest“, dankte sie mild und neigte leicht den Kopf. „Und es tut mir leid, falls ich dich mit meiner Dringlichkeit in Sorge versetzt haben sollte. Noch ist hier alles in Ordnung, wie du siehst, doch ich fürchte, dem wird nicht mehr lange so bleiben.“ Ihr Seufzen war schwer und zeugte einmal mehr von der großen Verantwortung, die Prinzessin Peach auf den Schultern ruhte. „Ich will dir alles erklären, bitte dich aber zuerst mir zu folgen.“
Peach schwebte die wenigen Stufen, die zum Thron führten, hinunter und verließ den Saal. Dort wandte sie sich nach links und betrat einen Flur, der Mario noch nie wirklich aufgefallen war. Nicht einmal Toadsworth folgte den beiden, was den Helden erkennen ließ, dass er gleich etwas erfahren sollte, was nicht für alle Ohren gedacht war. Zunächst herrschte Schweigen unter den Beiden. Peach schien über ihre nächsten Worte nachzudenken und Mario wartete höflich ab.
Die Hoheit lächelte so wunderschön wie immer, als sie sich tatsächlich wieder an ihn wandte. „Mario, wie du sicher weißt, ist in einem Monat das Fest der Übergabe“, ergriff sie dann fast feierlich das Wort. „Eine Festlichkeit, die im Leben eines Herrschers höchstens ein oder zweimal stattfindet. Bei diesem Fest reichen wir, der Tradition folgend, ein Schmuckstück weiter, das dem Königreich, in dem es sich befindet, besonderen Wohlstand und Frieden bringen soll.“
Mario nickte nur, während er den Worten der Prinzessin lauschte. Natürlich wusste er von diesem Fest, so wie jede einzelne Seele sonst auch im Pilzkönigreich. Seit Wochen, eigentlich schon Monaten, hielt diese Feier die Bevölkerung in Atem und war scheinbar das einzige Thema über das man sich unterhielt. Mario schmunzelte, doch wer konnte das den Pilzköpfen verdenken? Diese Zeremonie war eine Besonderheit, die nur Wenige in ihrem Leben überhaupt zu Gesicht bekommen würden.
Auch die Prinzessin schien an ihre Untertanen zu denken, die so voller Vorfreude waren. Natürlich konnte nicht jeder von ihnen im Palast anwesend sein, während Übergabe und Festlichkeiten. Dies blieb tatsächlich den Hoheiten aus den anderen Königreichen vorbehalten, schon weil es ansonsten die Möglichkeiten selbst des größten Saales im Palast bei weitem übersteigen würde. Doch Prinzessin Peach hatte dafür gesorgt, dass auch in den Straßen der von Toadtown alles für eine große Feier bereit war. Mit Feuerwerken, von Meisterhand arrangiert,  Köstlichkeiten aus allen Herren Ländern und besonderen Vorführungen, für die monate- oder gar jahrelang geübt worden waren. Musikalisch, Akrobatisch oder im Tanz mit den Elementen. Alles was man sich vorstellen konnte, wurde geboten. Dies und mehr für die treuen Pilzköpfe, die niemals klagten und sich mittlerweile selbst an Bowsers ständige Überfälle gewöhnt hatten.
Peach lächelte liebevoll, als sie an die Toads und ihre Aufregung dachte, schüttelte dann aber den Kopf. Es gab so viel Dringlicheres, an das sie nun zu denken hatte. „Natürlich sind diese angeblichen Kräfte des Steines nur eine Sage. Die eigentliche Aufgabe dieses Schmuckstück ist es den Frieden zu symbolisieren, den wir unter den teilhabenden Königreichen hüten. Ein jedes dieser Reiche muss das Schmuckstück fünfzig Jahre wahren, so wie den Frieden unter uns. Meine Eltern haben damals diese Aufgabe entgegengenommen, an mir ist es nun sie weiter zu geben. Eine Ehre, der ich mir vollauf bewusst bin“, schloss Prinzessin Peach und klang einen Moment sehr traurig. Viel zu früh hatte sie Vater und Mutter verloren, was ihr noch immer schwer im Herzen lag. Auch wenn sie in Toadsworth, ihren treuen Minister,  einen Vater voller Liebe wiedergefunden hatte.
Mario lächelte die schöne Herrscherin aufmunternd an und hätte zu gerne trösten ihre Hand genommen. Diesen Bruch der Etikette wagte er dann aber doch nicht. Auch wenn er wusste, dass die Prinzessin nicht auf diese strengen Anstandsregeln bestand. Eher hielt ihn die Angst zurück, wie Mario sich eingestehen musste. Ausgerechnet immer dann kam sie ihm in die Quere. Er zuckte abgelenkt zusammen, als Peach weiter sprach.
„Seit vielen Jahren ruht das Juwel nun in meiner Schatzkammer und war niemals in Gefahr. Doch jetzt, kurz vor der Übergabe, spüre ich eine Bedrohung, der ich mich einfach nicht erwehren kann. Jeden Tag wird sie drängender und heute habe ich entschieden etwas dagegen zu  unternehmen. Das Juwel braucht besonderen Schutz.“ Die Hoheit ballte die Fäuste und trat vor eine unscheinbare Tür, fast am Ende des schmalen Ganges. Auch diese kannte Mario nicht.
Ihre Schritte hatten auf dem langen Läufer, der hier ausgebreitet lag, sicher kaum ein Geräusch gemacht und ihre Stimmen waren während der Unterhaltung gedämpft gewesen. Dennoch trat sofort ein Toad aus den Schatten der Wand, in dem er sich versteckt gehalten hatte. Es war ein älterer Pilzkopf mit grauen Brauen und einem harten Gesicht.
Zu Marios Überraschung trug er ein Schild und einen langen Speer bei sich. Ausrüstung, die auch die Wachtoads als Schmuck trugen. Üblicherweise harmlose Dinger, die eher symbolisch galten und ihr Amt unterstreichen sollten. Doch bei diesem Wächter hier war der Speer aus scharfkantiger Alufolie und glänzte bedrohlich im wenigen Licht. Mit eisenblauem Blick erfasste er alle und alles um sich herum in nur einem Moment und stellte sich breitbeinig vor die Tür, den Speer nur wenig, aber eindeutig warnend, gesenkt. Kein Wort kam dem alten Toad dabei über die Lippen.
„Ich danke dir, du kannst dich zurückziehen“, meinte Peach nur leise zu diesem und nickte beschwichtigend.
Der Angesprochene salutiert scharf und verschmolz wieder mit den Schatten, aus denen er gekommen war, dabei noch immer schweigend. Doch nur augenscheinlich, denn Mario konnte die Blicke des Wächters noch immer in seinem Rücken fühlen. Etwas, das ihn schaudern ließ. Da waren ihm die lauten, tölpelhaften Schergen Bowsers ja lieber.
Prinzessin Peach unterdessen, zog ein goldenes Schlüsselchen aus einen ihrer Ärmel hervor und schloss die Tür auf, die so unscheinbar wirkte. Nur durch einen Spalt trat sie ein und winkte Mario mit sich.
Ein wenig erstaunt, zwängte sich der Held hinter der Schönen durch die Tür und riss im nächsten Moment fassungslos die Augen auf. Alle Sorge über die Worte der Hoheit waren wie weggewischt, so wie jeder andere Gedanke in Marios Kopf. „Mama mia“, nuschelte er nur fahrig und stolperte fast die wenigen Stufen hinunter, die hinter der Treppe lagen.
In diesem schalen Gang, hinter dieser unauffälligen Tür und doch so streng bewacht, lag die Schatzkammer des Palastes. Und sie war gut gefüllt. Mehr Münzen, als selbst Mario es sich vorstellen konnte, stapelten sich in schweren Truhen neben Kunstwerken aus Silber und Gold. Dazu Juwelen in allen Farben, geschliffen oder roh und Schmuckstücke, auf die ein Kaiser eifersüchtig geworden wäre. Der Held des Pilzkönigreiches nahm erneut die Mütze ab und schüttelte schmunzelnd den Kopf. Zumindest musste er um keine finanziellen Notlagen für das Königreich und seine Bewohner fürchten.
Der Prinzessin dagegen schien diese Zurschaustellung von Reichtum wohl eher unangenehm, denn sie griff in ihren Schritten schneller aus und eilte so geschwind wie möglich durch den Raum. Vor einer der Vitrinen hielt sie Inne und öffnete diese, um behutsam etwas draus hervor zu nehmen. Fast liebevoll hielt sie es Mario hin. Auf einem Kissen ganz aus rotem Samt, lag das Juwel, das Frieden und Wohlstand für so viele unschuldige Seelen bedeutete. Ein dreieckiger Stein, dunkelblau wie der Abendhimmel und so geschickt geschliffen, dass seine Facetten jeden noch so schwachen Lichtstrahl einfingen und in Regenbogenfarben aufspalteten. Gefasst war er ganz schlicht in einen schmalen Rand aus Silber, was seine Pracht noch verstärkte.
„Das ist es. Das Königsjuwel. Ist es nicht wunderschön?“, flüsterte Peach und betrachtete gemeinsam mit Mario das Schmuckstück ehrfürchtig. Die Köpfe dicht beieinander. „In einem Monat muss ich es überreichen und damit beweißen, dass unser Pilzkönigreich in der Lage ist den Frieden für alle zu wahren. Doch ich spüre, dass in dieser Zeit etwas damit geschehen wird, wenn es hier verbleibt“, erklärte die Prinzessin und nahm das Juwel vom Kissen. Behutsam ergriff sie Marios Hand, der darunter so rot anlief wie seine Mütze und legte den Stein in seinen Handfläche. „Deshalb will ich, dass du das  Königsjuwel nimmst, Mario, bis zur Übergabe. Dann weiß ich, dass es absolut sicher ist.“ Die Bitte lag in ihren Worten und auch in ihren blauen Augen.
Der Held des Pilzkönigreiches würde alles für die schöne Hoheit tun, besonders wenn sie ihn so ansah und dennoch zuckte er bei diesem Anliegen zusammen. „Aber Hoheit, bist du dir sicher?“, stammelte er. Schließlich war ihm hier gerade das Herz des Königreiches anvertraut worden und dessen Ruf vor all den Anderen.
Peach lächelte und nickte, während sie Marios Hand nochmals vertrauensvoll drückte. So zart. „Vollkommen.“
Ein fast weiches Schweigen kam auf und der Held hätte nichts dagegen gehabt, wenn dieser Moment eine Ewigkeit gedauert hätte.
Doch stattdessen erbete der Boden, die Wände des Palastes erzitterten und ließen Papierstaub regnen. Scheinbar der ganze Palast wurde erschüttert durch einen einzigen, heftigen Schlag. Reißen  und Brechen vermischte sich mit einem entsetzten Schrei, der von vielen Stimmen aufgenommen wurde. Das Geräusch rennender Füße und umstürzender Gegenstände brandete wie eine Welle heran, vermischt mit Faserflocken und Pappestückchen. Der Geruch nach verbranntem Papier und heißer Folie erfüllte die Luft von einem Moment auf den anderen. Dieses Getöse des Grauens ließ Prinzessin und Held herumfahren, das Entsetzen stand beiden ins Gesicht geschrieben und fuhr ihnen tief in die Glieder. Sie kannten das alles gut, viel zu gut.
„Hooooheiiiit“, hallte gleich darauf eine verzweifelte Stimme durch den Flur, in der Peach ihren guten Minister erkannte. Doch statt streng klang sie diesmal verzweifelt. Mit jagendem Herzen raffte die Schöne ihre Röcke und stürzte los, um nach Toadsworth zu sehen. Die Angst ihn verletzt vorzufinden, ließ sie ausbleichen.
Auch Mario hatte sich wieder gefasst, legte eilig das Königsjuwel zurück und stürzte der Prinzessin dann hinterher, um zu sehen welch Unglück diesmal über den Pilzpalast hereingebrochen war. Zur Erleichterung aller beide trafen sie schon im Hauptflur auf den alten Minister, der ein paar jammernde, hustende Toads um sich geschart hatte. Mit befehlsgewohnter Stimme und Miene wies er die Pilzköpfe an, die Zimmer und Flure zu räumen und umgehend den Palast zu verlassen. Ohne Widerworte wurde den Anweisungen des Ministers Folge geleistet. Doch kaum hatte Toadsworth seine Prinzessin Peach entdeckt, schwand alle Strenge aus seinen Zügen und eine ungewöhnliche, liebevolle Milde machte sich darin breit. „Prinzessin, oh, da seid Ihr ja, ich war ja so in Sorge“, schrie er und schwenkte völlig aufgebraucht seinen Gehstock.
Peach eilte auf ihn zu und ließ sich dann in die Hocke vor ihm nieder, um ihren guten Minister mit besorgten Blicken zu betrachten. Von Staubflecken auf seiner Weste und einem etwas verrutschten Schnurrbart einmal abgesehen, schien der Pilzkopf aber nicht verletzt. Höchstens ein wenig erschreckt. „Oh, Toadsworth, was ist denn nur geschehen?“, fragte die Prinzessin dennoch und drückte ängstlich seine Hand. Noch immer liefen Pilzköpfe verschreckt wie Hühner hin und her.
„Ach, meiner Treu, das ist doch nicht zu fassen“, schalt der Minister ersteinmal ausgiebig und zuckte pikiert mit dem Schnurrbart. „Dieser Bowser hat sich eine erneute Frechheit herausgenommen und mit einem seiner Luftschiffe ein Loch in das Dach des Thronsaales gerissen. Sicher auf der Suche nach Euch.“ Der Minister hatte geschimpft, ohne Atem zu holen und schnappte nun ganz dringlich nach Luft. Gleichzeitig versuchte er Peach weiter in den Gang zur Schatzkammer zu drängen, die Augen nervös zuckend. „Nun randalieren seine rüpelhaften Schergen im ganzen Schloss und stellen alles unverschämt auf den Kopf. Ach,wie erleichtert ich war, als ich mich erinnern durfte, dass Master Mario bei Euch weilt, Hoheit.“ Wieder schnappte Toadsworth nach Luft und baute sich dann aufgebracht vor Mario auf. Nicht einmal die Hand der Prinzessin auf seinem Kopf, schien den Minister beruhigen zu können. Diesmal stieß der den Stab in den gemalten Marmorboden und sein Gesicht glühte schon wieder zornig. „Master Mario, Ihr werdet diesem Unhold doch einmal mehr Einhalt gebieten? Ich bringe derweil die Prinzessin in Sicherheit. Bei meiner Ehre, diesmal soll der Koopa-König sie nicht in seine groben Klauen bekommen!“ Noch einmal krachte der Gehstock auf den beklebten Pappkarton, doch diesmal musste der arme Pilzkopf sich auch ermüdet auf die Hilfe stützen.
Prinzessin Peach sah dies mit Sorge. Ihr Minister war nicht mehr der Jüngste und durfte sich nicht mehr so ereifern, wie sie fand. „Toadsworth“, bat sie sanft und war entschlossen sich nur dann in Sicherheit zu bringen, wenn er sie begleitete.
Auch Mario schien dies so zu sehen, denn er rückte sich die Mütze zurecht und nickte dem erschöpften Minister beruhigend zu. „Aber natürlich, ich kümmere mich um Schergen und Luftschiff. Bringt euch nur in Sicherheit.“ Mario war entschlossen erst dann einen Kampf herauszufordern, wenn er sicher sein konnte, dass kein Unschuldiger mehr in der Nähe war, der verletzt werden konnte.
Gerade wollten sich Minister und Hoheit zurückziehen,  um einen sicheren Ort in der Stadt zu finden, da brandete ein weiteres Beben durch den Palast. Auch diesmal begleitet von Reißen und Brechen. Doch diesmal drang dieser Laut von Zerstörung und Wut aus dem Gang in Marios Rücken, dort wo die Schatzkammer lag. Und der Königsjuwel, wie sich der Held mit Schrecken erinnerte.
Die Prinzessin schien der gleiche Gedanke gekommen, denn nach einem kurzen Blickwechsel zwischen Mario und Peach, rannten die beiden in den Flur zurück, der nun von Pappeflocken erfüllt war. Sie brannten ihnen in den Augen und brachten sie zum  husten, dennoch hasteten sie weiter, das Geschrei des Ministers ignorierend. Die Tür zur Schatzkammer stand weit offen, so wie Mario und Peach sie ihn ihrer nachlässigen Eile zurückgelassen hatten. Nur ein paar Schritt weit dahinter lag der stumme Wächter zwischen einigen gezackten Pappestückchen, den Speer noch immer umklammert. Bewusstlos zwar und ein wenig zerknittert, aber unverletzt, wie Mario feststellte, als er sich über ihn beugte. Tiefer im Saal, genau dort, wo das Königsjuwel auf seinem Kissen ruhte, stand eine Gestalt, die hier nicht das Mindeste verloren hatte. Mario und Prinzessin dabei den mächtigen, stachelbewehrten Panzer zugewandt und gerade triumphal lachend. Ohne mit der Wimper zu zucken, nahm er etwas an sich, das eigentlich in andere Hände gehörte.
„Bowser!“, schrie Prinzessin Peach voller Schrecken und Verachtung. „Was hast du hier verloren?“ Sie wusste selbst nicht woher sie den Mut nahm so mit dem Koopa-König zu sprechen.
Doch der lachte nur erneut und wandte sich ihr dann langsam zu, das Gesicht zu einer hämischen, süßlichen Grimasse verzogen. Er brachte es sogar fertig sich erstaunlich geschmeidig vor Peach zu verneigen. „Gute Tag meine Schönste, ich hätte nicht gedacht, dass du mich heute noch persönlich begrüßen willst“, grollte er dabei und zuckte mit den roten Augenbrauen. „Aber wie unfreundlich du bist und Mario hast du auch noch mitgebracht. Du solltest wissen, dass du mir damit keine Freude machen kannst.“ Wieder erfüllte das Gelächter des Koopa-Königs den zerstörten Saal. Gemächlich schlenderte er auf Held und Prinzessin zu.
Sofort trat Mario vor die schöne Hoheit, die angstvoll zwei Schritte zurückwich und stellte sich Bowser kampfbereit gegenüber. Er hatte ein Versprechen gegeben, auch wenn es ihm lieber gewesen wäre Peach an einem sicheren Ort zu wissen. Grimmig funkelte Mario seinen Erzfeind an, der allerdings keinerlei Anstalten machte sich mit Mario schlagen zu wollen.
Im Gegenteil, er blieb stehen und hob harmlos die leeren Klauen, sein Blick war voll gespieltem Erstaunen. „Aber, aber, Mario, kein Grund gleich so wütend zu werden. Glaub es oder nicht, heute bin ich nicht wegen der Prinzessin gekommen, es besteht für dich also keinerlei Anlass wieder so schrecklich handgreiflich zu werden.“ Der Koopa-König bleckte die Zähne zu einem hinterhältigen Grinsen und betrachtete in aller Seelenruhe einen kostbaren Armreif in einem der Schränke.
Damit schaffte Bowser etwas, das seinen Feinden schnell zum Verhängnis werden konnte. Er überraschte Mario und die Prinzessin, was schon lange nicht mehr vorgekommen war. Sogar der Held des Pilzkönigreiches wusste nicht so ganz, was er nun damit anfangen sollte. Das war ja noch nie vorgekommen.
„Aber was kann dich denn sonst hierher treiben?“, wollte die Hoheit leise wissen und das schlechte Gefühl, das sie nun schon so lange verfolgte, wurde eindringlicher denn je. Etwas ging hier entsetzlich schief.
Bowser nickte geschmeidig, wandte sich vom Armreif ab, um langsam auf Peach zuzugehen. „Die Neugierde, meine Schönste, die reine Neugierde. Denn wie es scheint, hast du unglücklicherweise vergessen mich auf eure anstehende Feier einzuladen. Da ich mir dieses sagenumwobene Juwel aber doch gerne einmal angesehen hätte, sah ich mich dazu gezwungen mir selbst dazu zu verhelfen“, säuselte der Koopa-König süßlich. Dann lachte er grollend, schnippste das Königsjuwel wie einen alten Kaugummi in die Luft und fing es wieder auf. „Dummerweise ist blau meine Lieblingsfarbe. Daher habe ich mich dazu entschieden denn netten Funkelstein einfach mitzunehmen.“ Er hielt sich den Juwel vor den Brustpanzer und bleckte die Zähne wieder im bedrohlichen Grinsen. „Steht mir doch, oder?“ Mit diesen Worten schob sich Bowser das Schmuckstück tief in seinen Panzer und stapfte über Pappefetzen und Papierschnipsel zurück in den Saal, wo ein großes Loch im Dach klaffte. Darüber schwebte surrend und kreiselnd ein weiters Luftschiff. Geradezu gemächlich ließ sich sein langer Wollseilfaden zum Koopa-König herunter.
„Nein“, rief Peach und eilte auf Bowser zu, die Hand fast flehend ausgestreckt. „Wenn du das Königsjuwel stiehlst, wird das ganze Pilzkönigriech in Ungnade fallen.“ Bebend presste sie ihre zitternden Hände auf ihr Herz und sah den Koopa flehend an. Sogar der musste doch verstehen, was das bedeutete.
Bowser grollt tatsächlich nachdenklich, wiegte dann aber genüsslich den Kopf. „Genau das ist Sinn der Sache, meine süße Prinzessin. Wenn ihr an dieser Feier der Übergabe keinen Juwel mehr habt, den ihr weitergeben könnt, wird das von den anderen Reichen als euer Versagen betrachtet. Dafür werdet ihr sicher aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden und in Ungnade fallen. All die armen, kleinen Pilzköpfe, ganz auf sich allein gestellt im harten Überlebenskampf. Ach.“ Bowser zog eine mitleidige Schnute und klatschte die Pranken in falschem Entsetzen zusammen. „Aber fürchte dich nicht Peach, ich werde das Juwel zurückbringen und als Lohn sicher in die Gemeinschaft aufgenommen werden. Und natürlich werde ich dann alles in meiner Macht stehende tun, um dich und dein Volk zu  beschützen und euer Fürsprecher sein, euer Einziger.“ Jetzt spielte der Koopa-König genüsslich mit dem Seil, das er sich schon einmal um den Wanst geschlungen hatte. „Das wird allerdings einfacher, wenn dein Volk auch zu meinem wird, sagen wir, durch eine Ehe...“ Weiter sprach Bowser  nicht, doch das war auch  nicht nötig, alle hier im Raum wussten, was ihm vorschwebte. Und leider war es ein guter Plan.
Prinzessin Peach spürte wie die Wut über diese Unverschämtheit in ihr aufwallte, vor allem aber die tiefe Abneigung, die sie Bowser gegenüber mit jeder Entführung heftiger empfand. Worte brannten ihr auf der Zunge, Worte für die ihr Minster sie sicher streng gerügt hätte und schon deshalb brachte Peach sie nicht über die Lippen. Stattdessen krallte sie sich in ihr Kleid und stampfte entschieden auf. „Ich  heirate dich niemals“, stieß sie hervor.
Bowser verrutschte bei diesen Worte seine selbstsichere Miene ein wenig, was er hinter einem grollenden Lachen versteckte. Dreimal zog er am Seil. „Ganz wie du willst, meine Schöne. Du hast ja noch ein paar Wochen Zeit es dir zu überlegen.“
Mario sprang vor, die Wut im Blick und entschlossen die Fäuste geballt. Er kannte dieses Gefühl, er kannte diese Situation und auch diesmal war er dazu entschlossen sie so enden zu lassen wie immer. Bowser geschlagen und weit fort von der erleichterten Hoheit. Der Blick des Königs durchbohrte Mario, während die Propeller des Luftschiffes über dem Palast s schneller und lauter schwirrten. Der Koopa-König schwebte schon ein Stück über dem Boden. Abfällig kräuselte er die Lippen. „Du willst mich aufhalten, Heldenwürstchen? Versuche es, ich warte vor dem Schloss auf dich.“ Damit wurde Bowser schnell und sicher auf sein Luftschiff hinaufgezogen, das einen letzen Windstoß zwischen Held und Prinzessin sandte, ehe es vom Himmel über dem Schlossdach verschwand.
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