Ein neuer Weg

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
1.FFC Turbine Potsdam Die deutsche Nationalmannschaft OC (Own Character) VFL Wolfsburg
10.02.2020
26.03.2020
8
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Kapitel 8



Kessi

Schon seit 10 Minuten stehe ich vor der Tür und versuche mich durchzuringen zu klopfen. Warum ist das nur so schwer. Ich war ja nicht einmal derjenige der sie angefahren hat, aber vielleicht will sie auch keinen Besuch. „Sie wissen aber schon, dass sie auch reingehen können.“ Eine Schwester stand grinsend hinter mir und sah sehr amüsiert aus. „Ja, ich bin nur etwas nervös.“ „Keine Sorge, ihr geht es relativ gut.“ Nickend holte ich tief Luft und klopfte an die Tür. „Herein.“ Vorsichtig öffnete ich die Tür und schloss sie hinter mir. Neben Franzi saß noch eine weitere Person auf dem Bett. Es war der Junge von den ganzen Bildern aus Franzi ihrem Telefon. Liam. „Hi.“ „Oh mein Gott, du bist Nadine Keßler.“ Liam sprang kreischend auf und umarmte mich. Ich musste etwas aufpassen, nicht das er meine Blumen die ich für Franzi hatte, kaputt machte. „Hallo.“ „Liam, lässt du sie bitte los.“ Franzi musste lachen, verzog dabei aber wegen ihren Rippen das Gesicht. „Ups, entschuldige. Ich bin nur ein riesen Fan.“ „Kein Problem. Ich war nur kurz überrascht.“ „Können wir ein Foto machen.“ „Liam, nicht.“ „Was denn, sonst bekomme ich doch nicht die Chance dazu.“ „Ja klar.“ Er zog sein Telefon heraus und machte ein Selfie. „Super, das muss ich Tom zeigen.“ Er ging zu Franzi und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Schatz, wir sehen uns morgen.“ „Bis dann.“ Er nahm seine Jacke und umarmte mich noch einmal kurz, bevor er aus der Tür verschwand. „Sehr Energiegeladen.“ „Ja, entschuldige bitte.“ Sie setzte sich etwas mehr auf und zischte, als sie ihre Rippen etwas zu sehr bewegte. „Nicht.“ Schnell war ich an ihrer Seite und legte meine Hand auf ihre Brust um sie hinunter zu drücken. „Du sollst dich ausruhen und nicht weiter verletzen.“ Meine Augen trafen ihre grünen und uns beiden stockte kurz der Atem. Ich spürte ihr Herz rasen unter meiner Hand. „Mir geht’s gut.“ „Sieht man.“ „Sind die für mich.“ Franzi zeigte nach unten und ich zuckte etwas von ihr weg und hob meinen Arm. „Ja.“ „Danke.“ Sie nahm sie mir ab und roch an ihnen. „Mhm, die riechen echt toll.“ „Ich sollte eine Vase holen.“ „Ach was, darum kümmere ich mich später. Setz dich. Ich wollte mich eh bedanken das du mich gefunden hast.“ „Ja, es war echt Glück.“ „Ohne euch weiß ich nicht, wie lange ich hätte dort liegen bleiben müssen.“ „Es war nur gut das Josi und ich etwas später als sonst losgefahren sind. Hast du irgendeine Erinnerung an das Geschehen.“ Ich sah sie neugierig an. „Nicht wirklich. Ich bin die Straße entlang gerannt und dann gab es ein Hupen und schon rollte ich über die Motorhaube.“ „Ich hatte echt Angst um dich.“ Meine Hand fand ihre und wir schauten beide nach unten. Ich wollte sie schon wieder wegziehen, aber sie hielt sie fest. „Danke, aber musst du nicht beim Training sein.“ „Das war schon.“ „Oh, morgen ist Spieltag oder?“ „Ja, gegen Potsdam.“ „Ist euer letztes Spiel oder?“ „Ja, Meister sind wir ja schon seit dem letzten Spieltag.“ Sie nickte. „Und bei dir, wie geht es deinen Knochen.“ „Mein Arm ist gebrochen und ich darf ihn anderthalb Wochen nicht schwer belasten, dann bekomme ich eine leichtere Schiene um beim letzten Spiel mitspielen zu dürfen.“ „Ist bestimmt schwer, besonders da du den Druck von Ralf bekommen hast.“ „Ja, ich habe noch so gar keinen Plan B, deshalb muss ich mich ranhalten.“ „Einen Plan B solltest du aber trotzdem aufstellen.“ „Ich weiß, nur habe ich noch keine Ahnung was ich machen will.“ „Was machst du sonst gerne, wenn du nicht gerade Fußball spielst.“ „Naja ich schreibe.“ „Wie Bücher.“ Sie nickte und ich sah sie erstaunt an. „Literatur war schon immer meine Stärke. Ich habe sogar einen eigenen Blog, wo ich immer wieder Geschichten reinstelle oder von Sachen berichte.“ „Na da hast du doch etwas. Reporter oder Journalist.“ „Das was jeder Fußballer hasst. Die Interviews nach dem Spiel.“ Ich lachte auf. „Stimmt, besonders 5 Minuten nach dem Abpfiff die Frage, was hätte man besser machen müssen.“ Sie lachte auf und ich könnte ihr den ganzen Tag beim Lachen zuhören. „Diese Frage ist echt dumm. Ich würde eher fragen, was würden sie im nächsten Spiel besser machen.“ „Ist das nicht dasselbe.“ „Deine Frage war eine Kritik, meine war eine Möglichkeit auf Lösung.“ Überrascht sah ich sie an. „Ok, ich verstehe.“ „Kennst du das Sprichwort. Jede Niederlage ist ein Schritt näher an den Titel.“ Ich schüttelte den Kopf. „Hat Sepp Herberger bei der WM 54 in einem Interview gesagt.“ „Na da hast du doch eine Zukunftsperspektive.“ „Mhm, aber hier in Wolfsburg könnte ich das nicht studieren.“ „Das wird schon gehen. Nicht aufgeben. Der Ball ist Rund und das Spiel dauert 90 Minuten.“ Sie grinste. „Nach dem Spiel, ist vor dem Spiel.“ Jetzt musste ich doch etwas überlegen. „Wer viel versteht, der muss nicht viel reden.“ „Sehr gut. Die Leute gehen ins Stadion, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht.“ „Ok, du hast gewonnen.“ Ich grinste sie an. „Tia, ich kenne den Sepp halt etwas besser.“ „Was machst du, wenn du nicht auf dem Platz stehst.“ „Meinen Master.“ „Schon mal überlegt von Wolfsburg zu wechseln.“ „Noch nicht, auch wenn mich das Ausland reizen würde, sehe ich keinen Grund von hier wegzugehen.“ Sie nickte nachdenklich. „Wie war deine Kindheit so.“ „Naja ich war fast immer draußen und hab Fußball gespielt. Meine Schwester und mein Vater waren meist dabei. Meine Mutter schaute sich das lieber von der Seite an. Wie war deine Kindheit?“ Ich sah kurz einen Funken Trauer in ihren Augen aufblitzen. „Eigentlich nicht so anders. Wenn mein Vater nicht gerade arbeiten musste spielte er mit mir auf dem Rasen hinter unserem Haus. Mum war schon immer lieber an der Seite und hat mir Tipps gegeben um besser zu spielen. Nach dem Unfall war ich immer im Internat und hab durch Liam einigen an Blödsinn gerissen.“ „Dein Vater war Feuerwehrmann.“ Sie nickte. „Er war Leiter der Zentrale. Als ich klein war durfte ich immer mit und war in der Jugendfeuerwehr. Aber nach dem Unfall konnte ich nicht mehr zurück. Mum hätte mich auch nie gelassen.“ „Was ist passiert? Du musst es mir nicht sagen.“ „Es war ein Tag vor meinem Geburtstag, da wurde er abends zu einem Einsatz gerufen. Ein Haus brannte und es waren noch Personen drinnen. Das Haus war Einsturzgefährdet, aber ein Mädchen so in meinem Alter, war unter einem Balken eingeklemmt und er rannte ins Gebäude. Er konnte sie retten, aber kurz bevor er von dem Balkon springen wollte, gab er nach und wurde von den Trümmern begraben. Wir bekamen die Nachrichten 2 Minuten vor Mitternacht. Es war der schlimmste Geburtstag den ich hatte. Das ist jetzt fast 7 Jahre her.“ „Das tut mir wirklich leid.“ „Ja, die Zeit war nicht leicht, aber mit Unterstützung kam ich auf die richtige Bahn zurück.“ Eine Schwester kam ins Zimmer und sah zu uns beiden. „Die Besuchszeit ist leider schon seit einer Stunde vorbei, tut mir leid.“ „Oh, nein das war mein Fehler.“ „Geben sie uns noch einen Moment.“ Sie nickte zu Franzi und verließ den Raum. „Danke, dass du gekommen bist, Kess.“ „Kein Problem.“ Ich lächelte und strich ihr etwas das Haar aus dem Gesicht. „Viel Glück morgen.“ „Danke.“ Ich wollte sie nach ihrer Nummer fragen, aber ich hatte zu viel schiss. „Ich hoffe man sieht sich mal wieder.“ „Ja spätestens, wenn du bei uns dann spielst.“ „Mal sehen.“ Ich stand auf und ließ ihre Hand los. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich sie die ganze Zeit gehalten habe. „Ruh dich aus.“ „Geb mir Mühe.“ Sie lehnte sich zurück und ich nahm meine Jacke und winkte ein letztes Mal. „Gute Besserung.“ „Bis demnächst.“




Das war das letzte Mal das ich sie gesehen habe. Zwei Tage später wurde sie
entlassen und spielte das letzte Ligaspiel. Ralf entschied sich gegen sie und bekam einige negative Kritik aus dem Team. Franzi entschied sich nach Berlin zu ziehen und Journalismus zu studieren. Bei Turbine bekam sie einen Profivertrag und trainierte dort fleißig in der ersten Mannschaft. Für mich kamen danach noch vier weitere OPs die rein gar nichts brachten. Schweren Herzens beendete ich zwei Jahre später meine Karriere und zog mich vom Fußball zurück. In all der Zeit beobachtete ich Franzi ihre Karriere weiter. Sie spielte zwei sehr starke Jahre für Potsdam, bevor sie zur neuen Saison zu Lyon wechselt. Gerade am Anfang hat sich die Öffentlichkeit auf sie und Silvia gestürzt, da rauskam wer Franzi genau war. Silvia trat von der Nationalmannschaft zurück und ließ Steffi Jones ans Ruder. Die nominierte Franzi auch direkt für die Nationalmannschaft. Ihr erstes Tor schoss sie bei ihrem zweiten Spiel gegen die USA. Nach einem Konterlauf hatte sie die bessere Schnelligkeit und traf so gegen Hope Solo zum 2:2 Ausgleich, wenige Sekunden vor Abpfiff. Was uns zu dem heutigen Tag brachte. Schon in den letzten Monaten war ich nervös und konnte dieses Wochenende nicht abwarten. Es war der 26. Januar 2019 und das Turbine Legendenspiel stand heute an. Neben Josi, Anja und Lira war auch Franzi eingeladen wurden. In den zwei Jahren die sie hier gespielt hatte, wurde sie zum totalen Fanliebling neben Feli Rauch und Svenja Huth. Heute ist unser erstes Aufeinandertreffen seit fast 5 Jahren und ich war wirklich tierisch nervös. Ich stand mit Josi und Isabel im VIP Bereich, als ich ein kleines Mädchen vielleicht zwei Jahre hereinrennen sah. Sie hatte blondes Haar und grüne Augen. Ich schluckte und sah mir die kleine genauer an. Sie könnte echt Franzi ihre Tochter sein. Hinter ihr kamen wenige Sekunden später zwei Frauen herein. Zwei Blondinen, beide sahen sich sehr ähnlich. Eine davon war Franzi, aber die andere Frau kannte ich nicht. „Ma.“ Die Kleine lief zu der Frau neben Franzi und ich stieß erleichtert den Atem aus. „Kess alles gut.“ Josi sah mich fragend an. „Mhm.“ Verwirrt sah ich sie an. „Bist du ok.“ Ihr Blick ging rüber zu Franzi und sie stöhnte leise auf. „Nicht dein Ernst. Es ist wie lange er? 4 Jahre.“ „5 um genau zu sein.“ Kleinlaut sah ich nach unten. „Kess, ich dachte du hast es schon lange überwunden.“ „Du weißt, dass es nicht so einfach ist.“ „Über was reden wir.“ Lira sah uns fragend an. „Kessi ihre Schwärmerei für Franzi.“ Josi sah angepisst aus und ich habe nie verstanden warum sie so schlecht auf Franzi zu sprechen war. Selbst als beide zusammen in der Nationalmannschaft gespielt haben, war sie immer schlecht gelaunt und hat kein gutes Haar über sie geredet. „Ich weiß echt nicht, was dein Problem ist.“ „Mein Problem ist das du nicht siehst, wo du keine Chance hast.“ „Denkst du echt, meine Chancen sind so gering.“ „Natürlich, sieh sie dir doch an. Arrogant und Total eingebildet.“ „Reden wir über dieselbe Franzi, die Spenden für Kinder sammelt und schon zweimal in Afrika war um dort zu Helfen.“ Lira sah uns beide fragend an. „Ach was.“ Josi lief davon und ich schüttelte nur den Kopf. „Hey Leute.“ Anja kam zu uns und Franzi ihr Blick fiel auf uns. Braun traf auf Grün und mein Herz raste „Kess?“ „Was?“ „Wollen wir auf die Tribüne und uns die Spiele ansehen.“ Ich schaute zu Anja und nickte. „Ja, warum nicht.“ Wir verließen den VIP Bereich und setzten uns hinter das Tor. Eine Weile schauten wir uns das Spiel an und quatschten, als ich Franzi erneut sah. Sie gab einigen Fans Autogramme und lächelte in die Kamera, danach setzte sie sich runter zu dem Team das nicht mitspielte. „Hey, habt ihr Lust mal runter zu gehen und zu schauen was die nächste Generation so treibt.“ Jeder nickte und wir liefen zur Haupttribüne und nahmen die Treppen nach unten. „Und Kessi schon Fit?“ „Naja für ein paar Minuten wird es schon reichen.“ „Meine Rede.“ Anja grinste und wir gesellten uns zum Rest des Teams. Meine Augen suchten Franzi, aber diese war nicht mehr hier. „Guten Tag, Frau Keßler.“ Ich grinste und drehte mich um. Dort stand sie, mit ihren kurzem blonden Haaren und ihren grünen Augen. „Franzi.“ Sie grinste und nahm mich in den Arm. „Schön dich wiederzusehen. Ich habe nicht gedacht das du mich noch erkennst.“ „Aber hallo, ich habe dich gerettet, so schnell vergisst man das nicht.“ „Stimmt, das ist jetzt schon fast 5 Jahre her.“ „Richtig, seitdem bist du etwas herumgekommen.“ „Stimmt, ich habe deinen Rat angenommen und bin Journalistin geworden.“ „Und bist du eine derjenigen geworden die diese nervigen Fragen stellt.“ „Nein, ich bin im Hintergrund und schreibe für den Sportteil.“ „Na da, wie geht es dir sonst.“ „Sehr gut, bei Lyon kann ich mich sehr gut einbringen und neben Maro bin ich ganz gut aufgehoben im Mittelfeld.“ „Ja, ich habe einige Spiele von dir beobachtet. Du bist noch besser geworden, als zu der Zeit bei deinem Training bei uns.“ „Ja, nachdem mein Arm verheilt war, bin ich ja mit Joelle zur EM gefahren und hab dort den EM Titel gewonnen. Das war ein gutes Bewerbungsturnier. Potsdam hat bei mir angefragt und naja danach ging der ganze Rummel los.“ „Ja, ich habe da so einiges mitbekommen, aber keine Skandale.“ Ich zwinkerte ihr zu. „Nichts, was in die Öffentlichkeit gehört.“ „Und bei dir. Du bist jetzt in der Schweiz und hast jetzt das sagen.“ „Naja, nur im Frauenfußballbereich.“ „Immerhin.“ „Franzi.“ Wir sahen neben mich und Franzi ihre Miene wurde etwas neutraler. „Jo, schön dich zu sehen.“ „Ja, ich bin überrascht dich hier zu sehen. Solltest du nicht nach Barcelona zum Trainingslager.“ „Ab morgen geht es los.“ „Denkst du nicht, dass es etwas gefährlich ist für dich heute hier mitzumachen.“ „Warum, irgendwelche Fouls geplant.“ „Noch nicht.“ „Woar, was habe ich denn hier bitte verpasst.“ Fragend sah ich von Josi zu Franzi. „Nichts.“ Sagten beide, schienen aber den anderen nicht aus dem Augen zu lassen. „Ok. Ähm, wenn ihr mich entschuldigt, aber ich muss dann mal darüber.“ Ich zeigte zur Kommentatoren Kabine. „Ok, bis später.“ Franzi lächelte mich an, bevor sie an Josi vorbeiging. Diese rammte Franzi kurz mit der Schulter, aber sie zeigte keine Reaktion darauf. „Was sollte das?“ Ich sah Josi wütend an. „Was sollte was. Ich wollte dich nur vor einer Demütigung bewahren.“ „Josi, was ist wirklich los. Ich weiß, dass meine Chancen nicht so schlecht stehen, aber du hast mich immer entmutigt den Schritt zu gehen. Warum ist das so?“ Ich zog sie in den Gang, wo wir gerade alleine waren. „Sie ist nicht gut genug für dich. Du hast jemanden besseren verdient.“ „Wie…“ Weiter kam ich nicht, da küsste mich Josi überraschend. Zuerst erwiderte ich den Kuss, aber in mir rührte sich nichts. Kein Funke oder Feuerwerk. „Jo.“ Ich zog mich zurück und sah die Tränen in ihren Augen. „Du darfst dich nicht auf sie einlassen. Ich würde dich auf Händen tragen, habe ich immer. Denk doch mal daran, wer war in den letzten Jahren für dich da. Hat dich aufgebaut und dich zum Lächeln gebracht. Gib uns doch bitte eine Chance.“ „Josi, ich mag dich wirklich und du weißt du bist meine beste Freundin, aber ich liebe dich nicht so.“ Sie sah nach unten und auch mir kamen die Tränen. „Es tut mir wirklich leid.“ Sie nickte. „Irgendwie habe ich schon damit gerechnet, aber dich zusehen wie du all die Jahre mit dieser Schwärmerei kämpfst, ließ mich immer eifersüchtiger werden.“ „Es tut mir leid, dass ich es nicht früher gesehen habe.“ Sie lächelte und schüttelte den Kopf. „Du liebst sie, nicht mich.“ „Vielleicht, aber du bist meine Freundin und ich habe zu wenig hingesehen um zu sehen, dass es dir nicht gut ging.“ Ich umarmte sie. „Sind wir trotzdem gut.“ „Natürlich.“ Sie nickte und strich sich die Tränen weg. „Solltest du nicht zum Interview.“ „Stimmt.“ „Geh schon mal vor, ich komme gleich nach.“ Nickend ließ ich sie hier zurück.


Franzi

Kessi wiederzusehen fühlt sich komisch, aber auch gut an. Nach diesem Abend im Krankenhaus habe ich jede Minute an sie gedacht. Hatte aber nie den Mut den ersten Schritt zu machen. Als ich die Absage von Ralf bekam, wusste ich das auch meine Chancen bei Kessi nach unten gingen. Der Abstand zu Potsdam hat mir geholfen, aber mein Herz war trotzdem zum Teil in Wolfsburg. Ich hatte natürlich einige Beziehungen hier gehabt, aber nichts Ernstes. „Hey alles gut. Wie geht es dir?“ Svenja sah mich lächelnd an und drückte mich an sich. „Es ist ok.“ „Wir wissen beide, dass du innerlich gerade zergehst.“ „Stimmt.“ Ich grinste. „Denkst du wirklich, dass du keine Chance hast.“ „Ja, Josi hat mir vor all den Jahren klargemacht, wie gering meine Chancen sind.“ „Mhm, trotzdem sind sie und Kessi nicht zusammen.“ „Ist ok. Ich gehe mal zu Mary und Lexi.“ „Ignorieren und davonlaufen bringt dir aber auch nichts.“ „Leider.“ Damit verschwand ich zur Haupttribüne. Meine kleine 2-jährige Nichte strahlte mich an und sprang mir in die Arme. „Tante Franzi, schau mal.“ Sie zeigte zu Kessi, die gerade ein Interview auf dem Platz gab. „Ja, echt toll das sie hier ist.“ „Denkst du, wir könnten mit ihr zusammen ein Bild machen.“ „Wenn du sie ganz lieb fragst, dann bestimmt.“ Die kleine jubelte auf, während ich mich neben meine Cousine setzte. „Na, wie geht es dir damit.“ Sie zeigte auf den Platz. „Es ist komisch, aber auch gleichzeitig gut. Verstehst du was ich sagen will.“ Sie nickte. „Ja, du magst sie und auch wenn ich mich gerne lustig darüber gemacht habe, denke ich, dass du einen Schritt wagen solltest.“ „Svenja hat so was Ähnliches gesagt.“ „Na siehst du, dann was machst du noch hier?“ Sie schubste mich wieder nach unten. „Ok, ist ja gut.“ „Seestern, na komm mit.“ Ich hob sie auf meine Schultern und lief um das Feld herum. Lexi hielt sich an meinen Haaren fest und winkte fröhlich zu einigen Spielerinnen. „Lexi, ich finde durch dich sieht Franzi ihre Frisur endlich mal gut aus.“ Jojo grinste uns an. „Du siehst toll aus, Tante Franzi.“ „Danke.“ Wir hatten Glück, da Kessi gerade mit ihrem Interview fertig war, hatten wir die Chance. Sie sah von mir zu Lexi. „Na wer bist du denn?“ „Ich heiße Lexi, Tante Franzi meinte wir könnten vielleicht ein Foto machen.“ Sie sah von der kleinen zu mir. „Natürlich.“ „Juhu.“ „Ok, dann komm mal runter.“ Ich hob sie von meinen Schultern. Kessi musste lachen und ließ mich verwirrt dastehen. „Komm mal her.“ Sie kam näher und strich mir durch mein Haar. „Schon besser.“ Durch ihre Nähe musste ich schlucken und fühlte mich tierisch nervös. „Bereit.“ Lexi zupfte an meinem Shirt, was mich aus meinen Träumen holte. „Ja, natürlich.“ Ich zückte mein Telefon und Kessi kniete neben Lexi. Die strahlte breit. Lächelnd nahm ich einige Fotos. „Danke.“ „Und jetzt du.“ „Was?“ Sie zog mich zu Kessi und nahm mein Telefon aus der Hand. „Etwas näher und lächeln.“ Sie versuchte die Kamera hochzuhalten, aber noch hatte sie den Dreht nicht raus. Mein Arm lag um Kessi und ich spürte ihre wärme. „Warte mal, ich helfe dir.“ Svenja kam grinsend zu uns und hob Lexi hoch. „So lächeln.“ Ich sah in die Kamera, konnte dann aber ein Blick zu Kessi nicht verhindern. Sie sah ebenfalls zu mir und unsere Augen verfingen sich. „Können wir reden.“ „Ja, gerne.“ Ich sah zu Lexi, aber die war schon mit Svenja davon. „Ok, komm mit.“ Ich zog sie von den Blicken in den Gang.

Nervös stand ich vor ihr und sie lehnte sich an die Wand hinter sie. „Hi.“ „Hi.“ Nervös strich ich mir durchs Haar und brachte sie so zum Lachen. „Was?“ „Nichts, du bist nur süß, wenn du nervös bist.“ „Das liegt an dir. Du hast mich schon immer nervös gemacht.“ „Ist das so.“ Sie sah mich neugierig an. „Ja, bis ich dich traf, kannte ich dieses Gefühl nicht.“ „Warum hast du dich nie gemeldet.“ Ich sah nach unten und seufzte auf. „Josi meinte ich hätte nie eine Chance bei dir und auch wenn mir Svenja und Mary immer sagten ich sollte es versuchen, hatte ich Angst das Josi Recht hat.“ Kessi hob ihre Hand und drückte sie unter mein Kinn um meinen Kopf zu heben. So sah ich in braune Augen. „Josi, ist in mich verliebt.“ „Ich weiß man sieht es.“ „Gut, dass es wohl jeder außer mir wusste.“ Sie schüttelte den Kopf. „Aber ich liebe sie nicht so, da mein Herz schon seit 5 Jahren vergeben ist.“ „Wirklich.“ Hoffnungsvoll sehe ich sie an und lehnte mich etwas näher an sie. „Ja.“ Sie sprach leise und ihre Lippen trafen auf meine. Das Feuerwerk was in mir ausbrach war unbeschreiblich und ich drückte sie an die Wand hinter ihr. Sie saugte an meiner Unterlippe und ich musste leise aufstöhnen. Ihre Hand wanderte in mein Haar. „Hey Leute.“ Erschrocken fuhren wir auseinander und sahen zu Anja Mittag, die uns angrinste. „Entschuldigt, ich wollte nicht stören, aber wir sind bald dran.“ Damit verschwand sie wieder und ich sah zu Kessi. Die war etwas außer Atem und rot im Gesicht. „Wow.“ Ihre Augen trafen meine und sie grinste mich an. „Ja, wow.“ „Würdest du mit mir Ausgehen.“ „Unbedingt.“ Damit küsste sie mich und ich genoss glücklich ihre Lippen auf meinen.

Was 5 Jahre doch alles ausmachen können.



-     Ende -
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