Little Secrets

von qhanqibe2
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
DI Gregory Lestrade Mycroft Holmes
10.02.2020
11.10.2020
13
14.979
4
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
10.02.2020 767
 
      Vor vier Jahren

Seine Schultern hoben und senkten sich ein paar mal sehr schnell, seine Wangen waren ganz rot; Greg war gerannt. Ihm nachgerannt.
»Warten Sie, Mister Holmes!«, hatte er gerufen und Mycroft wusste selbst nicht, warum er trotzdem weiter gegangen war. Vielleicht war es die Angst in jenem Moment gewesen, wo ihm das Herz bis zum Hals geklopft hatte und er wie gelähmt gewesen war. Er wusste nämlich, was gleich passieren würde - er konnte es nicht aufhalten. Und danach? Das war das, was ihn in den letzten Tagen am meisten beschäftigt hatte; was wäre, wenn Greg es endlich ausgesprochen hatte? Was würden sie dann tun? Alles rationale, was ihm selbst dazu eingefallen war, würde auf Dauer zur Qual werden. Das konnte er Greg nicht antun, so sehr, wie er ihn mochte. Und genau das war nunmal der Punkt. Er mochte Greg und Greg mochte ihn. Das war nicht richtig, vor allem, da Mycroft diese hohe Position hatte. Der Eismann, der das Land regierte, hatte einen Freund … Wenn das jemand herausfand, würde wer weiß was passieren!
Nervös klammerte er sich mit einer Hand an das alte Treppengeländer und schluckte alle schmerzlichen Gefühle herunter, sonst kämen ihm nämlich doch die Tränen. Aber er hatte sich geschworen, nicht zu weinen. Das  wäre unfair für Greg gewesen - er hatte zu heulen und nicht das Problem selber. So sah die Lage schließlich aus.
»Hören Sie zu, Lestrade«, sagte er mit brüchiger Stimme und klopfendem Herzen. Er war sich unsicher, ob nicht Greg es aus dieser Entfernung schon hören konnte.
»Ich weiß, zwischen uns ist einiges passiert, aber … das ist nichts und hört jetzt auf. Kein Wort zu niemandem, verstehen Sie?«
Mycroft spürte selbst, wie kalt er klang und wie weh Greg das tun musste, aber er konnte es nicht ändern und in ihm tobten die Gefühle; Angst. Trauer. Liebe. Und Liebeskummer, der keine Sekunde zu spät kam, aber früher als jemals erwartet. Es zermürbte Mycroft fast, dass er diese Lügen ausgesprochen hatte. Als wolle er Greg loswerden. Aber so war es nicht!
»Ich verstehe Ihren Standpunkt, Mister Holmes.«
Greg hatte den Kopf etwas zur Seite geneigt, so dass sein Gesicht mit dem Schatten des Treppenhauses verschmolz; weinte er? Das versetzte Mycrofts Herz einem Stich und er bereute sofort, was er getan hatte. Doch ändern konnte er es einfach nicht mehr. Seine Kehle war wie zugeschnürrt und er sah den Polizisten einfach nur an. Stumm, sehnsüchtig. Bis jener ihn endlich auch ansah, mit einem überraschend klarem Ausdruck in den kaffeebraunen Augen. So gefiel er Mycroft besser; es sollte nicht wegen ihm weinen, egal, was passiert war. Greg hatte etwas besseres verdient. Jemand besseren. Um so überraschter war er, als Greg folgende Worte warm und eigreifend aussprach:
»Aber das alles ist mir egal! Ich weiß, was zwischen uns war und ich will es nicht aufgeben! Bitte, Mycroft, gib mir, uns, eine Chance! Ich kann damit leben … wenn wir uns verstecken müssen und sonstwas, ich will doch nur bei dir sein. Nimm mir das nicht weg, bitte! Ich liebe dich!«
Die Worte hallten in seinem Kopf wieder; Greg wollte sich wirklich für ihn verstecken? In Kauf nehmen, niemals die Wahrheit auszusprechen? Oder mit seinem Freund ganz normal nach draußen gehen zu können? Das alles wollte Greg opfern?! Für ihn, einen Nichtsnutz?
»Nein«, presste Mycroft zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
»Ich will dir nicht dein Leben kaputt machen - du sollst glücklich werden.«
»Das werde ich, aber nur, wenn du bei mir bist. Mycroft, ich will es versuchen, ich gehe das Risiko ein, unglücklich zu sein. Weil ich dich liebe und jetzt küss mich endlich, bevor ich anfange, zu weinen!«
Greg schniefte und wischte sich die Nase am Ärmel seines dunkelblauen Trenchcoats ab. Mycroft biss sich reumütig auf die Lippe. Sollte er es riskieren? Er würde Greg mit großer Wahrscheinlichkeit wirklich unglücklich machen. Aber so wie es jetzt war, konnte es auch nicht bleiben.
»Nein … Ach, Greg! Wein nicht, ich liebe dich doch auch. Ich weiß nur nicht, wie wir das hinkriegen sollen!«
»Sagte ich doch schon.«
Greg kam näher und lehnte sich an Mycroft, so dass er seinen Kopf leicht auf dessen Schulter stützen konnte, während ihm immer mehr Tränen, wie glitzernde Perlen, die Wangen hinunter liefen.
»Ich gehe mit dir das Risiko ein, glücklich oder unglücklich zu werden, weil ich dich auch so sehr liebe!«
Er presste sich näher an ihn und kam vorsichtig immer näher, bis seine Lippen die von Mycroft berührten. Und es war so viel mehr als nur ein kleiner Kuss, im Treppenhaus von New Scottland Yard. Es war der Beginn einer Beziehung und tausend Geheimnissen.