Einfach ist für Anfänger

von juju95
GeschichteDrama, Freundschaft / P18
Jan Ammann Mark Seibert OC (Own Character) Roberta Valentini
09.02.2020
26.03.2020
9
22156
3
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Guten Mittag ihr Lieben,

wow, die beiden Kapitel pro Woche stoßen bei euch auf sehr große Freude, da will ich gleich mal mitmachen und wie ihr schon in euren Reviews vermutet habt fliegt unseren Lieben die Situation langsam aber sicher um die Ohren. Ich bin gespannt, was ihr davon haltet und ob vielleicht die eine oder andere Entwicklung aus diesem Kapitel absehbar war …

Liebe Grüße, bleibt gesund und lasst wieder etwas von euch lesen,
eure juju





Mila gewöhnte sich dank ihrer neuen Freundin Nela dann doch gut im Kindergarten ein, sodass Jan nach gut zwei Wochen später Proben wieder zum üblichen Zeitplan übergeben konnte. Auch Raphael blieb inzwischen ohne Robertas Hilfe im Kindergarten, wie Jan am Morgen mitbekommen hatte.
Mit dem Handy immer in Reichweite stellte sich Jan erneut einer Einzelprobe mit Cornelius auf der Probebühne, schon nächste Woche würden sie auf der großen Bühne anfangen und auch die Wege durch den Zuschauerraum mit proben.
„Noch einmal!“, verlangte Cornelius und unterbrach Jans Weg zur Bühne, noch bevor er die Markierungen überhaupt erreicht hatte.
„Was ist denn jetzt?“, fauchte Jan angegriffen. Er war es leid, dass er nur kritisiert wurde, so konnte man doch nicht konstruktiv arbeiten.
„Geh ruhiger, majestätischer. Nicht so …“ Cornelius suchte nach dem richtigen Wort.
„Nicht so was?“, fragte Jan aggressiv.
„Du bummelst“, warf ihm Cornelius vor.
„Tue ich nicht!“ Jan stemmte die Hände in die Hüften und schnaufte. „Das wäre bummeln!“ Übertrieben aufreizend marschierte er den auf den Boden gezeichneten Korridor entlang und schlenkerte mit den Armen. „Fehlt nur noch die Handtasche.“
„Ich kann so nicht arbeiten!“, echauffierte sich Cornelius mit rotem Kopf.
„Da sind wir schon zwei“, stimmte Jan ihm zu und drehte sich auf dem Absatz um. Da er dabei allerdings auf seinen Umhang trat, zog es ihm die Beine weg. Polternd schlug er auf dem Boden auf, dann wurde es schlagartig schwarz um ihn herum.

„Jan?“
Wie durch Nebel hörte Jan seinen Namen und schaffte es schließlich, die Augen wieder zu öffnen. Er fühlte sich wie benommen und blinzelte. Harry und der Theaterarzt sahen ihn ernst und besorgt an.
„Herr Ammann?“, fragte der Theaterarzt ernst. „Verstehen Sie mich?“
„Na klar“; brummte Jan und stützte sich mit einem missglückten Lächeln auf die Unterarme. „Was schaut ihr denn so?“
„Du hattest einen Krampfanfall“, stellte Harry besorgt fest.
„Oh je.“ Jan sah an sich herunter, er war ganz mit seinem langen Umhang verknotet.
„Tut Ihnen etwas weh, Herr Ammann?“, fragte der Theaterarzt und fühlte Jans Puls. „Hatten Sie einen solchen Anfall schon einmal?“
„Mir geht es gut“, beharrte Jan und setzte sich langsam auf. „Ja, ich hatte so einen Anfall zuletzt vor einigen Wochen, aber ich bin in Behandlung.“
„Na gut.“ Harry wirkte nicht überzeugt und sah stattdessen zwischen seinem Hauptdarsteller und dem Theaterarzt hin und her.
„Ich habe morgen ohnehin einen Termin in der Praxis, da werde ich mich auf jeden Fall noch einmal durchchecken lassen“, fuhr Jan fort. „So, aber jetzt dürft ihr beide bitte aufhören, mich so besorgt anzustarren. Mir geht es gut.“

Harry und der Theaterarzt waren nicht überzeugt, doch sie entließen Jan in die Mittagspause. In einer Stunde wollten sie sich noch einmal mit ihm zusammensetzen und abstimmen, ob er am Nachmittag weiterproben sollte oder nicht.
Jan holte sich eine Kleinigkeit aus der Kantine und zog sich dann in seine Garderobe zurück. Ihm war nicht nach Gesellschaft und Fragen nach dem Anfall eben. Denn der hatte sich natürlich in Windeseile im Theater herumgesprochen.
Lustlos schaufelte er den Salat mit Hühnchenstreifen in sich hinein und warte dann auf den Rückruf seines Neurologen, der kurz vor Ende der Mittagspause grünes Licht für den Probennachmittag gab, solange sich Jan gut fühlte, ihm nicht schwindlig war oder er sich benommen fühlte. Den Rest wollte er dann am nächsten Tag untersuchen.
„Wenigstens was“, brummte Jan und sah neugierig auf, als er laute Stimmen auf dem Flur hörte.
„So geht das nicht!“, schimpfte Cornelius vor Jans geschlossener Garderobentür, war jedoch immer noch gut zu verstehen. „Was hast du eigentlich in deiner Ausbildung gelernt?! Sprechübungen, ab sofort, jeden Tag! Und im Theater kommen die Zähne nicht mehr raus!“
„Ich brauche halt ein bisschen Übung“, fauchte Mark zurück. Offenbar war ihm Cornelius jetzt lange genug auf die Nerven gegangen. „Und meine Ausbildung hat dem Gebiss definitiv nichts zu tun. Wenn ich die Schiene gerade mal seit fünf Minuten drin habe und du mich anschreist, dass ich undeutlich spreche ist das nicht verhältnismäßig! Ja, ich werde üben und wenn ich in einer Woche immer noch so nuschle, dann sehe ich Kritik durchaus angemessen. Aber so nicht!“
Jan schmunzelte unwillkürlich, als Mark in seinem Ärger wohl die Garderobentür verwechselt hatte und nun in seiner Garderobe stand.
„Hmpf?“ Mark schaute verdutzt. „Waff machscht du denn da?“
„Mahlzeit, Inge Meisel“, entgegnete Jan trocken. „Deine Garderobe ist nebenan, aber Cornelius kann einen schon mal aus dem Konzept bringen.“
Mark verzog das Gesicht und nahm die Zahnschiene aus dem Mund. „Du hast es gehört, ja?“
„War schwer zu überhören. Wie alles, was Cornelius im Moment so veranstaltet.“
Mark nickte und musterte Jan lange. „Wie geht’s dir? Hab beim Mittagessen nur gehört, dass …“
„Dass es mich wieder hingelegt hat?“ Jan nickte. „Es geht mir gut, der Doc zerlegt mich morgen nachmittag und hat es mir freigestellt, heute weiterzuproben oder nach Hause zu fahren.“
„Und du bleibst hier?“, vermutete Mark.
„Ich möchte Gott ist tot einmal zu Ende spielen dürfen“, stellte Jan klar und stand auf. „Ich mache dann gerne früher Feierabend und erhole mich, aber so gebe ich heute ungern auf.“
„Und Cornelius?“, fragte Mark.
„Der soll sich ein Beispiel an Harry nehmen und gefälligst seine Tabletten wieder nehmen.“ Jan stand auf. „Na komm, wo musst du hin?“
„Die Einladung zum Ball.“ Mark verdrehte die Augen. „Zum hundertsten Mal, ich hab schon Muskelkater.“
„Machs halt einmal gscheit“, stichelte Jan kichernd.
„Dito.“ Mark stimmte in sein Lachen ein und setzte die Zahnschiene wieder ein.

Mit Harry war Jans Einzelprobe dann rasch erledigt, sie hatten noch an Nuancen gearbeitet, aber sonst hatte Harry nichts auszusetzen gehabt. Die richtige Probenarbeit für diese Szene würde ohnehin erst im Theatersaal beginnen. Neugierig folgte Jan Harry in den anderen Probensaal, wo sich Cornelius jetzt an Mark und der Einladung zum Ball austobte.
„Ist das denn so schwer? Langsam auf den Wannenrand steigen, kurz stehen bleiben und dann zu singen anfangen“, schimpfte Cornelius. „Von deiner Aussprache rede ich noch gar nicht!“
„Ich sehe ein, dass ich noch ruhiger aufsteigen muss, aber der Rest ist doch Kindergarten!“ Mark sah zu Harry. „Könnt ihr euch bitte mal auf eine Linie einigen? Beim Wechsel zwischen euch bekomme ich langsam ein Schleudertrauma.“ Er nuschelte noch etwas, deswegen klang seine eigentlich wütend gemeinte Aussage etwas putzig, wie Jan grinsend feststellte. Auch er musste sich erst an die neuen Zähne gewöhnen, aber Mark machte das schon recht gut. Er nuschelte noch, aber Jan hielt es für sehr realistisch, dass sich das in den nächsten Tagen bei intensiver Probenarbeit rasch geben würde.
„Einmal noch“, bat Harry ihn. „Und dann schauen wir mal, was an der Szene tatsächlich noch fehlt.“

„Üb die Bewegung mal ne halbe Stunde lang vor einem Spiegel“, meinte Jan auf dem Weg nach Hause.
„Bitte?“ Verwirrt hob Mark eine Augenbraue. Offenbar war er selbst gerade tief in Gedanken versunken gewesen.
„Na, deinen Aufstieg auf die Wanne“, erklärte Jan. „Stell dir einen Hocker hin und stell dich da einfach nur so drauf, als würdest du bei Sarah auf die Wanne hopsen. Du schießt noch zu sehr nach vorne, aber vor dem Spiegel kann man sich so einen Unfug ganz gut austreiben.“
„Du sprichst aus Erfahrung?“ Mark schloss die Haustür auf und steuerte die Briefkästen an.
„Ich hab das damals in Oberhausen schmerzhaft lernen müssen, als ich Sarah tatsächlich mal in die Arme geflogen bin“, gab Jan schmunzelnd zu.
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