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Einfach ist für Anfänger (Bühnenliebe Teil 8)

von juju95
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / Het
Jan Ammann Mark Seibert OC (Own Character) Roberta Valentini
09.02.2020
04.05.2021
153
337.103
12
Alle Kapitel
563 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
04.05.2021 1.842
 
Einen wunderschönen guten Abend meine Lieben,

ihr seht, ich bin dieses Mal früher über das Word-Dokument „gestolpert“, auch wenn ich bezweifle, dass das letzte Kapitel von vielen gelesen wurde. @Vivian, vielen Dank für deine Rückmeldung an der Stelle :)
Eine lange Reise haben unsere lieben Charaktere hinter sich und hoffentlich viel dramafreie Zeit vor sich. Und das geht am Besten, wenn juju nicht ständig dazwischenfunkt. Ihr ahnt bestimmt, worauf ich hinauswill. Dies ist das vorletzte Kapitel dieser langen und mitunter nevenaufreibenden FF, einen Epilog mit den letzten noch offenen Fragen werde ich vermutlich nächste Woche noch anfügen, da habe ich endlich Ideen zu. Ich hoffe, ihr lasst zum Abschied nochmal von euch hören, würde mich sehr freuen.

Liebe Grüße,
eure juju






Sophie trennte sich nur äußerst ungern von Henry, doch der Wunsch nach Zuhause überwiegte. Schweren Herzens legte sie ihren Sohn in die Babyschale und schnallte den Kleinen an, dann konnten sich alle auf den Weg zum Parkplatz machen. Paul trug die Babyschale, die Tasche hing hinten an Jans Rollstuhl und Sophie hatte sich bei Roberta untergehakt. Weit mussten sie nicht, Paul hatte direkt am Eingang in der Abholzone geparkt.
„Willst du dich vorne …?“, fragte Jan unsicher.
„Ich geh auf den Rücksitz zu Henry“, entschied Sophie und beugte sich ins Auto, um die Babyschale zu befestigen. „Du kannst doch vorne besser ein- und aussteigen.“
„Danke.“ Jan lächelte andeutungsweise. Zwar ging es ihm körperlich wieder besser, doch die Rückschritte der letzten zweieinhalb Wochen nagten immer noch an ihm. Ächzend setzte er sich auf den Beifahrersitz, sein Vater verstaute den Rollstuhl im Kofferraum. Währenddessen stiegen auch Roberta und Sophie ins Auto, sodass sie direkt losfahren konnten.
„Noah und Mila sind schon ganz aufgeregt, aber das habt ihr euch vermutlich auch schon gedacht“, meinte Paul und sah zu Sophie im Innenspiegel.
„Sie freuen sich auf ihren Bruder, so wie wir alle“, lächelte Sophie. „Waren sie sehr anstrengend?“
Paul schmunzelte. „Schlimmer als in den letzten Tagen, aber wir haben sie schon ganz gut beschäftigt. Mark war da eine große Hilfe.“
„Das war selbstverständlich. Ihr ward ja auch so für uns da, als die Zwillinge auf die Welt gekommen sind…“, stellte Roberta fest und drückte Sophies Hand, doch sie hatte ohnehin nur Augen für ihren Sohn. „Ich seh schon, gegen Henry habe ich nicht den Hauch einer Chance …“
Jan schmunzelte. „Ich fürchte, das blüht uns allen … also dass wir ignoriert werden und gleichzeitig Henrys Charme erliegen.“
„Das ist gut möglich.“ Paul setzte den Blinker. „Anke ist mit Noah und Mila erstmal bei Mark geblieben, damit ihr zumindest in Ruhe ankommen könnt.“
„Mhm …“ Sophie nickte nur gedankenverloren, während ihr Schwiegervater den Wagen langsam die Tiefgarageneinfahrt hinunterrollen ließ.

Die Erschöpfung steckte tief in Sophies Körper, sodass sie in der Wohnung erleichtert aufs Sofa sank und Henry sofort wieder in die Arme nahm. Jan wechselte rasch aus dem Rollstuhl ebenfalls aufs Sofa und rutschte näher zu Sophie. Auch er konnte den Blick kaum von seinem Sohn wenden.
„Ich werde dann zu meiner Familie zurückkehren“, stellte Roberta leise fest. „Lernt euch erst einmal kennen und genießt die Zeit zu fünft.“
„Sagst du Anke Bescheid, dass sie mit Noah und Mila kommt?“ Sophie lächelte. „Ich will sie nicht zu lange auf die Folter spannen.“
„Klar.“ Roberta wandte sich zum Gehen. „Und wenn ihr noch irgendetwas braucht, sagt einfach Bescheid.“ Sie verließ die Wohnung ihrer Freunde mit einem breiten Lächeln. Im Flur ihrer eigenen Wohnung hörte sie bereits die aufgeregten Stimmen der Ammann-Kinder, die nur noch schwer zu beruhigen waren. Verdenken konnte sie es ihnen nicht. Leise schloss sie die Tür hinter sich, doch unbemerkt blieb ihre Ankunft nicht. Die Zwillinge kamen gerade den Flur entlang gerobbt und hingen sofort an ihren Beinen.
„Matteo? Regina?“ Mark sah aus dem Wohnzimmer. „Ach, da schau an. Ihr habt die Mama vor mir entdeckt.“ Er lächelte und hob seinen Sohn hoch, Roberta nahm Regina in den Arm. „Wie lief es denn?“, fragte er nach einem zärtlichen Begrüßungskuss.
„Sophie hat das toll gemacht.“ Roberta unterdrückte ein Gähnen. „Ihr und Henry geht es gut und es ist alles so verlaufen, wie sie sich das gewünscht hat.“
„Das freut mich. Und dass sie alle wieder zu Hause sind ist ja auch ein sehr gutes Zeichen, was?“ Mark streichelte Roberta über die Wange. „Ich bin schon sehr gespannt auf dein Patenkind.“ Er ging voran ins Wohnzimmer, wo Anke ihre liebe Müh und Not hatte, Noah und Mila im Zaum zu halten.
„Robby!!!!“ Noah kam prompt auf sie zugestürmt. „Wo ist denn die Mama? Und ist Henry wirklich auf der Welt? Weil… also die Oma hat gesagt, dass er jetzt da ist, aber … wo sind sie denn jetzt?“
„Ja, deine Mama, der Papa und Henry sind wieder zu Hause“; bestätigte Roberta.
„Oma! Können wir Henry endlich sehen?“, bettelte nun auch Mila und hopste aufgeregt auf dem Sofa herum.
„Sophie hat schon nach euch gefragt, also geht nur“, schmunzelte Roberta und setzte ihre Tochter auf den Sessel.

Versonnen lächelnd betrachtete Paul Jan, Sophie und Henry. Sophie schien endlich angekommen und mit sich im Reinen zu sein. Die Frau, die er sich immer für Jan gewünscht hatte. Und dieses Mal hatte er keine Bedenken, dass diese Entwicklung nur von kurzer Zeit sein könnte. Sophie hatte im vergangenen Jahr viele Hürden gemeistert und sich sehr unbequemen Wahrheiten gestellt, sie war absolut ehrlich.
„Woran denkst du?“, wollte Jan neugierig wissen und löste den Blick von Henry.
Paul schüttelte andeutungsweise den Kopf. Eine Antwort war ohnehin überflüssig, denn die Stimmen von Noah und Mila waren im Flur zu hören.
„Und Henry ist jetzt wirklich nicht mehr im Bauch von der Mama?“, fragte Mila.
„Das hat die Robby doch gesagt“, erklärte Noah aufgeregt, dann tauchte Anke auch schon mit den Großen an den Händen in der Wohnzimmertür auf. „Mama!“ Noah ließ die Hand seiner Oma los und näherte sich neugierig. „Das ist Henry?“, fragte er mit großen Augen.
Jan schmunzelte.
„Der ist ja voll winzig und Mamas Bauch war so riesig“, stellte Noah irritiert fest. Mila neben ihm kletterte aufs Sofa und rutschte sofort näher zu Sophie.
„Das war doch im Buch!“ Mila hopste auf und ab. „Da war doch ganz viel Wasser um das Baby rum!“
„Wirklich?“ Noah runzelte die Stirn. „Aber aber …“
Paul lächelte. „Wir können das Buch nachher ja nochmal in Ruhe ansehen“, schlug er vor.
„Warum schläft Henry denn?“, fragte Mila und stupste ihren jüngeren Bruder an. „Es ist doch noch gar nicht Abend …“
„Es war für Henry und für mich ganz schön anstrengend, dass er auf die Welt gekommen ist“, erklärte Sophie. „Deswegen schläft er gerade auch.“
„Mhm …“ Noah runzelte die Stirn. „Und darf ich mit ihm kuscheln?“
„Ich will dann aber auch!“ Mila richtete sich etwas mehr auf.
„Ihr dürft ihn beide halten“, versprach Sophie und unterdrückte ein Gähnen. Sie war müde und erschöpft, und gleichzeitig voller Liebe und Erleichterung, dass alles gut gegangen war. Das hatte sie bei aller Vorbereitung nicht erwartet.

Nach der ersten Kennenlernphase ließ Sophie Henry in Pauls Armen und verschwand im Bad zum Duschen. Jan war ihr gefolgt, denn ganz traute Sophie ihrem Kreislauf doch nicht.
„Es ist so ungewohnt“, stellte sie mit Blick in den Spiegel fest. „So lange war Henry ein Teil von mir und jetzt …“
„Das glaube ich dir.“ Jan lächelte und legte ihr ein großes Duschtuch bereit. „Ich bin einfach nur stolz auf dich, Soph.“
„Und ich liebe dich.“ Sophie gab ihm einen zärtlichen Kuss, bevor sie sich auszog und die gläserne Duschkabine hinter sich schloss. Sie seufzte wohlig auf, als das angenehm warme Wasser auf ihren Körper prasselte und den Schweiß langsam abwusch. Lange blieb sie nicht unter der Dusche, um ihren Kreislauf nicht zu sehr zu beanspruchen. Vor der Kabine wartete Jan schon mit ausgebreitetem Handtuch und half ihr beim Abtrocknen, dann reichte er ihr frische Kleidung.
„Wir müssen noch die Hebamme anrufen“, fiel Sophie ein, als sie die Zahnbürste aus dem Glas nahm.
„Das mache ich“, versprach Jan. „Erstmal soll es dir an nichts fehlen. Möchtest du noch etwas essen? Oder …?“
„Ich will mich etwas hinlegen und Henry bei mir haben“, nuschelte Sophie an der Zahnbürste vorbei. Sie spuckte aus. „Auf die Gefahr hin das es wirkt wie klammern ich möchte jeden Moment mit ihm auskosten. Ich wurde zum ersten Mal nicht sofort von meinem Kind getrennt und …“
„Ich verstehe dich. Es ist auch mein erstes Mal, dass ich weder dich noch unser Baby auf der Intensivstation besuchen muss.“ Jan lächelte. „Na komm, ich bring dich ins Bett, meine Eltern werden dafür sicher Verständnis haben.“
Sophie nickte und schob sich die Hemdsärmel hoch. Sie hatte sich für ein Hemd aus Jans Schrank entschieden, das konnte sie gut aufknöpfen und so wieder Haut auf Haut mit Henry kuscheln. Das hatte ihnen schon im Spital sehr gut getan. „Bleibst du dann noch auf oder …?“
„Alt werde ich heute sicher nicht, aber ich will noch mit Noah, Mila und meinen Eltern zu Abend essen.“ Jan folgte ihr aus dem Badezimmer.
„Klar.“ Gähnend schlurfte Sophie ins Wohnzimmer zum Rest ihrer Familie. „Ich werde mich etwas hinlegen“, stellte sie fest und nahm Henry wieder selbst in die Arme.
„Soll ich dir ein Schlaflied singen, Mama?“ Noah klatschte in die Hände. „Dann kannst du bestimmt viel besser einschlafen.“

Paul hatte Noah und Mila schließlich mit in die Küche genommen, um Jan und Sophie im Schlafzimmer noch etwas Ruhe zu gönnen. Sophie hatte dem Kleinen den Strampelanzug und das dünne Oberteil wieder ausgezogen, sodass er möglichst viel Hautkontakt hatte so wie er auf ihrer nackten Brust lag. Das Hemd hatte sie so zurechtgezogen, dass sie nicht ganz entblößt dalag.
„Bist du froh, dass du diese Art der Geburt gewählt hast?“, wollte Jan nachdenklich wissen, doch diese Frage nagte seit den ersten Wehen an ihm und jetzt erschien ihm ein guter Moment, sie loszuwerden. „Ich meine, war es jetzt so, wie du es dir gewünscht hast?“
Sophie sah ihn lächelnd an. „Es war sehr viel heftiger, als ich erwartet hätte“, gab sie zu. „Aber es gab niemanden, der mir Maßnahmen aufgezwungen hat. Es ging nur um Henry und mich und diesen Moment mit dir und Robby zu teilen, das war ein sehr großes Geschenk.“
„Das hatte ich gehofft, zu hören.“ Jan erwiderte ihren Blick. „Und … bist du glücklich?“
„Mit der Entscheidung für Henry und für uns?“ Sophie hatte seinen Gedankengang erraten. Sie nickte. „Er ist perfekt, Jan. Ich habe ihn schon im letzten halben Jahr lieben gelernt und jetzt …“ Tränen schimmerten ihren Augen. „… ich weiß gar nicht wohin vor Liebe. Ich könnte gerade alles und jeden umarmen und küssen und … es ist herrlich kitschig und so gar nicht ich, aber … ich …“
„Ich liebe dich.“ Jan legte ihr die Hand auf den Oberschenkel. „Und ich bin sehr stolz auf dich, so wie du das alles gemeistert hast.“
„Das bedeutet mir viel.“ Sophie atmete entspannt aus. „Noch eine Notfallsituation hätte ich wirklich nicht verkraftet…“
„Nicht nur du, die letzten Stunden waren auch für mich eine Aufarbeitung der Vergangenheit.“ Jan kuschelte sich neben sie. Auch er konnte den Blick nicht von Henry wenden und hier gemeinsam mit ihm und Sophie zu kuscheln, das war schlicht ein Geschenk.
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