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Keine Kontrolle

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Alexander Mahone Dr. Sara Tancredi Fernando Sucre Lincoln Borrows Michael Scofield
09.02.2020
26.04.2020
13
34.456
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01.03.2020 2.244
 
Das erste, was er spürte, waren ihre Lippen. Sanft hielt sie seine Hand an ihr Gesicht und küsste jeden einzelnen Fingerknöchel. Genauso sanft liebkoste ihre andere Hand seine pochende Schläfe und massierte sie vorsichtig. Unendlich behutsam legte sie seinen Arm wieder zurück auf ihren Bauch und streichelte diesen. Sanft fuhren ihre Finger seinen Arm hinauf und wieder hinunter.
Vor einiger Zeit hatte sich Sara zu ihm auf die Matratze gelegt und lag seitdem etwas erhöht von ihm. Er hatte seinen Kopf auf ihren Bauch gebettet, einen Arm um sie gelegt und sich einfach an sie geschmiegt. Es hatte nicht lange gedauert und er war wieder eingeschlafen.
Er brauchte einige Zeit, bis er sich regte. Tief atmete er ihren Duft ein und ließ sich noch einen Moment treiben.
„Ist es schon wieder so weit?“, murmelte er müde und gähnte.
„Hm.“
Er hörte ihr Schmunzeln und musste ebenfalls die Lippen verziehen. Trotzdem ließ er die Augen geschlossen und genoss ihre Nähe.
Michael wollte nicht schon wieder munter gemacht werden. Nur im Schlaf waren diese Schmerzen etwas auszuhalten, aber er wusste, dass es notwendig war. Sara hatte ihm erklärt, dass sie sich nicht sicher sein konnte, ob er eine Gehirnerschütterung hatte oder nicht. Viele der Symptome sprachen auch für sein Hamartom. Um ein mögliches Schädel-Hirn-Trauma entgegen zu wirken, behandelte sie ihn, als hätte er eines und weckte ihn deswegen jede Stunde.
Leise murmelte er weiter und versuchte gleichzeitig mit aller Macht den Schlaf festzuhalten – wenn alles gut ging, konnte er gleich weiterschlafen: „Höllische Kopfschmerzen, unangenehmen Druck an den Schläfen, leichte Übelkeit, kein Schwindelgefühl.“ Er sog noch einmal ihren Duft tief ein und atmete zufrieden aus. „Bis in einer Stunde.“
Ihre Hand wanderte langsam seinen Arm hinab. Zärtlich küsste sie seinen Kopf und fuhr sacht über seinen Verband. „Leider musst du jetzt munter bleiben, Michael.“
Er runzelte noch immer mit geschlossen Augen die Stirn. „Warum? Ich hab von meiner Ärztin strenge Bettruhe verordnet bekommen. Ich will sie nicht enttäuschen und möchte alles brav befolgen.“ Er lächelte vor sich hin. „Vielleicht verdien ich mir damit sogar einen Kuss.“
Sara lachte leise. „Vielleicht hast du dir den wirklich verdient. Ich bin dir auf jeden Fall sehr dankbar, dass du endlich auf mich hörst. Aber Dr. Malden kommt gleich und Self hat sich auch schon wieder angekündigt.“
Jetzt öffnete er doch die Augen und hob schwerfällig den Kopf von ihrem Bauch. Verdutzt, aber immer noch müde, blickte er sie an. Hatte sich in der einen Stunde, wo er geschlafen hatte, so viel verändert?
„Dr. Malden?“
„Ich hab doch in der Nacht mit ihm telefoniert und mich mit ihm abgesprochen“, erinnerte sie ihn. „Er hat vorhin noch einmal angerufen und sich bereit erklärt, vorbei zu kommen, um sich persönlich ein Bild von deiner Verfassung zu machen.“
Michaels Augen weiteten sich bei ihren Worten und mit plötzlich aufkommender Panik sah er sich in der Lagerhalle um. „Er kommt hier her?“ Er sah sie wieder an. „Aber warum? Wir können doch zu ihm …“
„Ich hab ihm gesagt, dass ein Transport deinerseits gerade unmöglich ist.“
„Aber … aber …“ Er suchte nach Worten und sah sich total konfus in der Lagerhalle um. Irritiert stellte er fest, dass all ihre Unterlagen vom Tisch verschwunden waren. Auch die zwei Tafeln waren leer. All ihre Ideen und Fortschritte waren weg. Nichts deutete mehr auf ihre geheime Operation nach der Jagd auf Scylla hin. Auch seine Mitstreiter sah er nicht. Die Lagerhalle wirkte wie ausgestorben.
„Und wenn er die anderen sieht?“, fragte er besorgt und sah sie an. „Was dann?“
„Dr. Malden hat mir sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass du in aller erster Linie sein Patient bist und er sich große Sorgen um deine Gesundheit macht. Ihm ist es egal, dass du, dein Bruder oder die anderen gesucht werden. Er will dir nur helfen! Er ist Arzt durch und durch und er steht zu seinem Wort!“
Abwesend nickte Michael und sah dann an sich hinab. Noch immer trug er sein schwarzes T-Shirt und seine Boxershorts aus vergangenen Stunden. Er sah Sara an. „Reicht die Zeit noch für eine Dusche? Dann fühl ich mich vielleicht nicht ganz so dreckig, wenn Dr. Malden kommt.“  
Sie verzog das Gesicht und war mehr als offensichtlich von seiner Idee nicht sehr angetan. „Michael, ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist.“
Er richtete sich etwas auf und stützte sich auf seinen Ellenbogen ab. Mit seinem halben Lächeln sah er sie an. „Und wenn du mir hilfst?“ Sehr langsam beugte er sich zu ihr. Ihr Atem vermischte sich mit seinem und jetzt weiteten sich ihre Augen. „Wir könnten zusammen duschen und …“ Er rieb hauchzart seine Nase an ihrer. „und vielleicht können wir dort auch noch anders zusammen sein?“
Sara schluckte heftig und leckte sich kurz über die Lippen. Schnell holte sie tief Luft und versuchte seinen verführerischen Blick auszuweichen. Sie schloss kurz ihre Augen und die Ärztin gewann die Oberhand zurück. Entschieden sah sie ihn an. Ein leichtes Schmunzeln dennoch noch immer auf den Lippen. „Auch wenn mich dein Angebot sehr reizen würde, so ist doch Sex definitiv unter schwerer körperlicher Anstrengung zu verbuchen.“ Sie legte eine Hand an seine Wange und lächelte ihn liebevoll an. „Was hältst du davon, wenn ich dir bei einer Katzenwäsche helfe? Dann fühlst du dich sauberer, überanstrengst dich aber nicht.“ Sie seufzte leise. „Zumindest hoffe ich das.“
Gespielt schmollend legte er den Kopf schief und sah sie lange an. „Hab ich mir dann wenigstens einen Kuss verdient, weil ich mich ausgeruht habe?“
Diesmal grinste sie und nickte schnell. „Dass hast du auf jeden Fall!“ Sie überwand die letzten Zentimeter zwischen ihnen und drückte ihre Lippen auf seine. Glücklich schmiegte sich Michael an sie und vertiefte den Kuss. Am liebsten hätte er sie einfach an sich gedrückt und nie mehr losgelassen. Sekundenlang küssten sie sich und wollten beide nicht mehr aufhören. Sara war es, die Vernunft walten ließ und sich langsam von ihm löste. Sanft streichelte sie seine Wange und hauchte einen letzten unbeschreiblichen zärtlichen Kuss auf seine Lippen, ehe sie sich endgültig von ihm löste.
„Komm, gehen wir ins Bad.“ Sie rutschte von der Matratze und stand auf.
Michael deckte sich auf und rutsche ebenfalls zur Bettkante. Dort blieb er einen kurzen Moment sitzen, bevor er sich mit der Hand abstützte und sich hochdrückte. Als er stand, musste er die Augen schließen, weil die Welt sich zu drehen begann. Er fühlte, wie er schwankte und versuchte mit ausgestrecktem Arm sein Gleichgewicht wieder zu finden. Michael spürte, wie Sara ihre Arme um ihn legte und ihn half einfach stehen zu bleiben. Es war wirklich nicht zu verstehen. Die ganze Zeit ruhte er sich aus, schlief Stunde um Stunde und kaum bewegte er sich etwas, drehte alles in ihm durch. Die Schmerzen in seinen Kopf waren nur durch das Aufstehen von einer Sekunde auf die andere rapide angewachsen. Vom Schwindelgefühl und Übelkeit mal abgesehen. Er holte tief Luft und versuchte einigermaßen wieder Herr seiner Sinne zu werden.
„Ich muss mich korrigieren“, keuchte er und legte eine Hand auf ihre. „Höllische bis echt ätzende Kopfschmerzen, schnell ausbreitendes Schwindelgefühl und zunehmende Übelkeit.“
Er öffnete die Augen und drehte sich in ihre Richtung. Ernst sah sie ihn an und nickte nur. Sie legte einen Arm fester um seine Hüfte und hob seinen Arm, um ihn sich auf die Schulter zu legen.
Nicht schnell liefen sie in Richtung des Gemeinschaftsbades, welches sich neben dem erhöhten Podest befand. Der blau geflieste Raum beherbergte auf der einen Seite mehrere Waschbecken mit Spiegeln und hinter einer Ecke waren drei Duschen zu finden. Sara steuerte das erste Waschbecken an, wo auch ein Schemel nur auf ihn zu warten schien. Mit festem Blick sah er die kleine Bank an und konzentrierte sich nur noch darauf. Sein Ziel war genau diese Bank. Sie bedeutete in diesem Moment alles für ihn, denn sie würde dafür sorgen, dass er sich ausruhen konnte. Dass er wieder zu Atem kommen konnte.
Eigentlich konnte er es immer noch nicht glauben. Es war noch nicht allzu lange her, da konnte er alles allein erledigen. War Herr über seine Sinne, seinen Körper und seiner Gedanken. Und jetzt? Jetzt fühlte er sich wie ein alter Mann, der bei allem eine Hilfe benötigte und es nicht mal mehr allein ins Bad schaffte. Er hoffte inbrünstig, dass dieser Zustand bald aufhören würde und er wieder unabhängig leben konnte.
Endlich erreichten sie den Schemel und er konnte sich erleichtert darauf niederlassen. Die ersten Minuten saß er einfach da und versuchte nicht nach vorne zu fallen. Er fühlte sich total erschöpft und ausgelaugt – und dabei waren sie nur ein bisschen gelaufen. Wie hätte er da denken können eine Dusche durchzustehen geschweige denn Sara nah zu sein? Enttäuscht seufzte er auf. Wie konnte ein Tumor nur mit einem Schlag sein ganzes Leben auf den Kopf stellen und alles verändern? Er holte tief Luft und versuchte nicht darüber nachzudenken. In diesem Fall war der steigende Druck gegen seine Schläfen eine willkommene Abwechslung.  
Während Sara neben ihm warmes Wasser in das Waschbecken laufen ließ, sah er in der Ecke auf einem kleinen Schrank seine Sachen liegen. Jemand musste alles zusammengesucht haben und hier rein getan haben, um schneller dran kommen zu können. Erstaunt erkannte er auch neue Klamotten neben den Haufen liegen. Ein neuer grauer Jogginganzug lag dort zusammengefaltet und war wohl für ihn gedacht. Sara hatte seinen Blick bemerkt, denn sie sprach leise: „Ich hab Lincoln gebeten, dir bequeme Sachen zu besorgen. Du musst dich hauptsächlich ausruhen und da brauchst du nicht in Jeans zu sein.“ Sie sah an ihn hinab und lächelte verschmitzt. „Aber Boxershorts gehen natürlich auch.“
Er reagierte nicht auf ihre Neckerei. Zu sehr war er noch immer damit beschäftigt, sich einfach auszuruhen.
„Geht’s, Michael?“ Saras besorgte Stimme ließ ihn den Kopf heben. Sie drückte gerade den kleinen Waschlappen unter Wasser, ließ ihn aber nicht aus den Augen.
Unmerklich schüttelte er vorsichtig den Kopf. Die Übelkeit nahm sekündlich zu. Von seinen Kopfschmerzen mal ganz abgesehen. Ihm war nicht gut.
„Ich glaube, ich gebe mich mit frischen Klamotten zufrieden. Die würden mir schon reichen.“ Er nickte zu seinen Sachen in der Ecke und sah sie etwas ratlos an.
Sara richtete sich auf und legte den nassen Waschlappen an den Beckenrand. Ihre Hände trocknete sie an einem Handtuch ab und stellte sich vor ihm. Ihre Züge wurden mehr als sanft. „Ich mach dir einen Vorschlag. Da ich dir sowieso mit den Sachen helfe, kann ich dich auch ganz schnell waschen. Dann fühlst du dich gleich doppelt gut und strengst dich dabei nicht an.“
Unsicher sah er sie an, ehe er langsam den Blick senkte und schlucken musste. Ihm war nicht wohl bei den Gedanken von Sara gewaschen zu werden. Wie nutzlos war er dann bitte schön? War er denn zu gar nichts mehr zu gebrauchen? Das schwere Gefühl der Scham breitete sich in ihm aus und ließ ihn komplett verstummen.
Sara ging vor ihm in die Hocke und legte ihre Hände auf seine nackten Oberschenkel. Liebevoll sah sie zu ihm hinauf und streichelte sanft sein Knie. „Du brauchst dich nicht zu schämen, Michael! Ich kann mir zwar nur schwer vorstellen, was du alles durchmachst oder welche unbeschreiblichen Schmerzen du hast, aber es ist keine große Sache für mich dich zu waschen, weil du keine Kraft dazu hast.“ Sie lächelte ihn aufmunternd an. „Schon vergessen? Ich bin Ärztin und habe schon so einiges mehr gemacht, als einen Patienten zu waschen. Das ist wirklich keine große Sache für mich und sollte es auch für dich nicht sein.“ Einen langen Moment sahen sie sich in die Augen. Als seine Unsicherheit noch immer nicht weg gehen wollte, trat ein neckisches Lächeln in ihr Gesicht. Behutsam beugte sie sich vor und küsste erst sein rechtes Knie und dann das linke. Sie blickte ihn wieder an. „Und nicht zu vergessen, dass ich dich bereits nackt gesehen und erlebt habe.“ Sie zwinkerte ihn zu und jetzt musste er doch lächeln.
„Okay?“
Er schloss für einen Augenblick die Augen und ließ das Gesagte noch einige Zeit wirken, ehe er sehr langsam nickte. Er sah sie wieder an. Sie lächelte noch immer und wollte ihn so offensichtlich trösten, so dass er letztendlich seine Scham und auch seinen Stolz hinunter-schluckte. „Okay“, sprach er leise und richtete den Oberkörper auf.
Sie erhob sich und griff an die Enden seines T-Shirts. Er hob die Arme und sie zog ihm das Shirt sorgsam über den Kopf. Als sie sicher war, dass der Verband um seinen Kopf blieb, wo er bleiben sollte, knüllte sie das schwarze T-Shirt zusammen und warf es auf den kleinen Schrank. Sie nahm den Waschlappen und stellte sich abermals vor ihm. Sacht nahm sie sein Kinn in die Hand und hob es leicht an. In ruhigen Bewegungen strich sie mit den nassen Waschlappen über sein Gesicht. Michael richtete dabei seine Augen genau auf ihr Gesicht und sah sie unentwegt an. Er vergaß alles um sich herum und verlor sich einfach in ihren Augen. In diesem Moment richtete sie ihre Augen auf seine und lächelte ihn warm an.
„Ich liebe dich über alles, Sara“, hauchte er. Wieder einmal wurde er von seinen Gefühlen für sie komplett überwältig und er konnte ihr nur seine Liebe gestehen.
Sie hielt in ihrer Bewegung inne und sah ihn tief in die Augen.
„Und ich liebe dich über alles!“ Sie beugte sich zu ihm hinunter und hauchte einen unbeschreiblich zarten Kuss auf seine Lippen. Erst als sie sich von ihm löste, nahm sie ihre Tätigkeit wieder auf …

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Fortsetzung folgt ...

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