Keine Kontrolle

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Alexander Mahone Dr. Sara Tancredi Fernando Sucre Lincoln Borrows Michael Scofield
09.02.2020
26.04.2020
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16.02.2020 1.178
 
Ein starker Druck auf seine Blase weckte ihn. Mühsam öffnete Michael die Augen und streckte sich vorsichtig. Sein Körper und seine Gliedmaßen fühlten sich total schwer an. Zudem hatte er das Gefühl seit Stunden gelaufen zu sein, was gar nicht gehen konnte. Die kleine Lampe an der Holztür des Bootes warf einen sehr kleinen Lichtschein in die Kajüte. Sein Blick wanderte zu den kleinen Fenstern und dahinter konnte er auch nicht viel mehr Licht sehen. Es musste mitten in der Nacht sein.
Behutsam drehte er sich auf die Seite und schob die Decke von sich.
„Papi?“ Sucres leise Stimme ließ ihn den Kopf heben. Sein bester Freund stand von der Sitzbank auf und kam zu ihm ans Bett. „Na, wie geht’s dir?“
Er versuchte sich leicht aufzusetzen und Sucre half ihm in eine sitzende Position. Seine Füße berührten den kalten Boden des Bootes und Michael fühlte sich schon etwas besser. Er sah den jungen Puerto-Ricaner an. „Gerade geht’s mir ganz gut. Ich muss nur mal auf die Toilette.“ Mit der Hand deutete er in die Lagehalle. „Wie spät ist es?“
„Wir haben es gleich zwei Uhr morgens.“
Michael runzelte die Stirn. Er hatte wie ein Stein geschlafen und hatte gar nichts um sich herum mitgekriegt. Er hatte nicht mal mitbekommen, wie Sara und Sucre zurückgekommen waren. Der Weg von der Sitzbank zurück ins Bett hatte ihn dann auch noch das letzte Bisschen abverlangt. Er hatte nicht mal mehr die Kraft gehabt, nach der Bettdecke zu greifen. Er wusste nur noch, wie sein Kopf das Kopfkissen berührt hatte. Mehr war da nicht.
„Wart ihr lange weg? Du und Sara?“
Sucre schüttelte den Kopf. „Vielleicht zwei Stunden. Du hast tief und fest geschlafen, als wir zurückkamen. Sara wollte nur auf alle möglichen Situationen vorbereitet sein.“
Sein Blick ging zu den beiden Schüsseln, die neben dem Bett standen. Eine Schüssel war voller Wasser, die andere Schüssel war leer. Ein Handtuch und ein Waschlappen lagen daneben sowie ein kurzer, dicker Holzklotz. Sein Freund musste seinen fragenden Blick gesehen haben, denn er meinte leise: „Sara sagte, wenn du wieder einen Anfall hast, sollen wir das Holz zwischen deine Zähne drücken, damit du da notfalls drauf beißen kannst und dich nicht wieder verletzt.“
Abwesend nickte Michael und ignorierte die anderen Sachen, wie die Erste Hilfe – Tasche, die Wasserflaschen und das eingepackte Brot. Gerade gab es ein anderes Bedürfnis, was nach ihm verlangte. Langsam drückte er sich vom Bett ab und war sichtlich erfreut, aufstehen und auch ohne Probleme stehen bleiben zu können. Das sah während des Tages schon bedeutend schlechter aus. Sucre griff dennoch nach seinem Arm und sah ihn verständnislos an. „Wo willst du hin, Papi?“
„Auf die Toilette. Wie gesagt, ich muss dringend mal.“ Er drehte sich um und setzte einen Fuß vor den anderen. Unsicher und etwas hilflos sah sein Freund ihn an, half ihm aber durch das Boot. Vor einer kleinen versteckten Tür blieb der Puerto-Ricaner stehen, aber Michael schüttelte nur lächelnd den Kopf. „Die Toilette hier ist nicht aufnahmebereit, Papi! Ich muss schon zu den anderen runter.“
Die Augen seines Freundes weiteten sich schlagartig. Nun definitiv hilflos sah er zwischen ihm und dem Heck hin und her.
„Mir geht’s gut, Sucre!“, antwortete Michael auf die unausgesprochene Frage. „Ich schaff die Stufen. Keine Sorge!“
„Bist du dir sicher? Ich kann auch Lincoln wecken gehen. Der kann dich besser halten!“
„Lass ihn schlafen“, meinte er nur und setzte weiter einen Fuß vor den anderen. „Ehrlich. Ich fühl mich gut.“
Sie erreichten das Heck und Michael griff entschlossen nach dem Geländer der Stufenleiter. Ehe Sucre hätte eingreifen können, drehte er sich um und nahm vorsichtig rückwärtsgehend eine Stufe nach der anderen. Man konnte die Leiter auch vorwärtsgehend runter gehen, aber so viel Vertrauen hatte er in seinem Gleichgewichtssinn dann doch nicht mehr. Lieber wollte er die Stufen langsam nacheinander runter gehen und sicher unten ankommen. Er hob den Kopf und sah seinen Freund aufmunternd an. Mit der Geste wollte er ihm zeigen, dass alles gut war, aber genau in diesem Augenblick schoss ein brennender Glühhaken durch seinen Kopf und schlug heftig zu beiden Seiten seiner Schläfen ein. Er keuchte schmerzvoll auf, biss die Zähne zusammen und griff instinktiv mit beiden Händen nach seinem Kopf. Da er aber bereits einen Fuß in der Luft hatte, trat dieser jetzt ins Leere und er wurde von der Schwerkraft nach hinten gezogen.
„Michael?!“ Sucres lauter Schrei hallte durch die Lagerhalle und ließ ihn noch mehr aufstöhnen. Von einer Sekunde auf die nächste explodierten die Schmerzen in seinen Kopf. Er nahm kaum wahr, wie er fiel. Sekunden war er in der Luft, fühlte sich schwerelos, dann knallte er mit voller Wucht auf den Fußboden. Sein Körper fiel der Länge nach auf seinen Rücken. Die Luft wurde aus seinen Lungen gepresst. Seine Arme knallten rechts und links von ihm auf den Boden und taten wie sein Rücken sofort weh. Am schlimmsten war aber der Aufprall seines Kopfes. Zu den Schmerzen an seinen Schläfen kamen jetzt Schmerzen am Hinterkopf hinzu. Er schrie auf.
„Michael?!“
„Was ist los? … Scheiße, Michael!“
„Shit, Shit, Shit.“
„Michael?!“
Durch den Schleier der Schmerzen hörte er ihre aufgeregten Stimmen. Alle waren da. Noch immer kniff er die Augen und die Zähne zusammen. Sein ganzer Körper verkrampfte sich und begann unkontrolliert zu zucken. Die Schmerzen hörten gar nicht mehr auf.
„Sucre, hol den Holzklotz.“ Saras Stimme drang schwach in ihrer ärztlichen Professionalität zu ihm durch. „Lincoln, halt seinen Kopf ruhig. Ich spritz ihm ein krampflösendes Mittel.“
Mit einem Mal bekam Michael nur schwer Luft. Er schnappte mit offenem Mund gierig nach Luft und wollte sich gleichzeitig irgendwie an den Kopf fassen. Er musste seinen Kopf unbedingt festhalten. Sonst würde er einfach platzen.
„Sara, er bekommt wieder Nasenbluten!“ Lincolns Stimme klang panisch. „Scheiße. Er blutet auch am Hinterkopf. Sara?!“
„Geh mit deinen Knien behutsam unter seinen Kopf. Halt ihn etwas schräg, damit das Blut aus seiner Nase abfließen kann. Beweg seinen Kopf aber nicht allzu viel. Er könnte eine Gehirnerschütterung haben. Gib auf seine Platzwunde acht! Drück das drauf!“
Michael spürte wage, wie sein Kopf angehoben wurde und dann konnte er auf einmal besser atmen. Er biss sich wieder auf die Zähne.
„Hier.“ Sucre war zurück und plötzlich wurde an seinem Kiefer gezerrt und er wollte schreien, dass sie damit aufhören sollten, aber die Schmerzen in seinen Kopf nahmen ihn komplett ein. Die Intensität der Schmerzen nahm noch immer zu. Er musste einfach den Schmerz rauslassen, sich ein Ventil suchen und schrie deswegen gepeinigt auf. Diesen Moment nutzte Sara und trieb den Holzblock zwischen seine Zähne. Als er jetzt die Zähne zusammendrückte, biss er nun auf das Stück Holz.
„Was ist denn nur passiert?“
„Er wollte auf die Toilette!“
„Und da weckst du keinen von uns? Scheiße, Sucre!“
„Er hat gesagt, er fühlt sich gut!“
„Verdammt Sucre! Michael sagt doch immer, dass es ihm gut geht.“
„Haltet alle die Klappe. Schuldzuweisungen bringen hier gar nichts.“
Saras Stimme war das letzte, was er hörte, als die Dunkelheit nach ihm griff und ihn endlich hinunter in die wohltuende Bewusstlosigkeit zerrte …  


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Fortsetzung folgt ...

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