Keine Kontrolle

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Alexander Mahone Dr. Sara Tancredi Fernando Sucre Lincoln Borrows Michael Scofield
09.02.2020
26.04.2020
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09.02.2020 5.312
 
Keine Kontrolle

Die Nachmittagssonne schien schräg durch die hohen Fenster an der langen Seite der Lagerhalle hinein und warf ihre Strahlen durch den großen Raum. Der lange Tisch, genau in der Mitte des erhöhten Podestes, war geradezu im Sonnenlicht getaucht und ließ ihre ganzen Unterlagen von innen heraus strahlen. Auf dem Tisch wechselten sich die verschiedensten Grundrisse, Schaltpläne, Gebrauchsanweisungen sowie weitere Unterlagen, die sie für den Einbruch in das Hauptgebäude der Company benötigten, ab. Der Grundriss von dem Raum, in der Scylla – die zentrale Datenspeicherkarte der Company – aufbewahrt wurde, hing an einer der weißen Tafeln und gab den Ausschlag für all die anderen Unterlagen und was sie noch alles zu erledigen hatten bzw. was sie noch alles tun mussten, um überhaupt die erste Mauer zu durchbrechen.  
Nach langen und aufreibenden Tagen, die sie mit der Jagd nach den Zugangskarten verbracht hatten, die sie für Scylla benötigten, und den Verlusten, die sie hinnehmen mussten, war der Einbruch in den untergelegenen Raum, wo das korrupte Unternehmen Scylla aufbewahrte, heikel und nicht weniger herausfordernd. Es war so viel zu beachten und zu planen, dass Michael das Gefühl hatte, dass nach jeder Lösung eines Problems schon das nächste Problem nur auf ihm wartete. Mittlerweile hatte er einfach das Gefühl, dass er 24 Stunden des Tages hindurcharbeitete und er überhaupt nicht mehr zur Ruhe kam. Seine Familie und seine Freunde verließen sich auf ihm. Agent Self verließ sich auf ihm. So viel Verantwortung lag auf seinen Schultern. So viele Menschen glaubten an sein Wissen, an seine Ideen und an seine Genialität. Wo die anderen bei der nächsten Herausforderung manchmal nur fragend die Augenbrauen hoben und nicht wussten, wo sie überhaupt anfangen sollten, hatte er im Gedanken den Plan bereits entworfen und allen Anwesenden die entsprechenden Aufgaben zugeteilt – was auch ausgesprochen gut klappte. Jeder erledigte seine Aufgaben. Sie als Team funktionierten und harmonierten zusammen. Das sprach auch von ihren recht schnellen Erfolg. Agent Self hatte Jahre mit der Jagd nach Scylla verbracht und kaum waren sie unfreiwillig mit dieser Aufgabe betraut wurden, kam Bewegung in die Sache.
„Ich hab mich gefragt“, begann auf einmal Alexander Mahone und Michael, welcher am langen Tisch saß, sah von dem Schaltplan auf, den er seit einigen Minuten eingehend studiert hatte. „wie du es schaffen willst, dass wir durch die verstärkte Wand bohren und gleichzeitig keinen Ton erzeugen? Mal abgesehen vom Dreck, der in den Raum fallen könnte. Wie willst du diesen Teil des Sicherheitssystems der Company umgehen?“
Michael sah den ehemaligen FBI-Agent einen Augenblick ernst an. In einer unbewussten Bewegung fuhr er mit der Hand über seinen kurz geschorenen Kopf und massierte hoffentlich unauffällig seine Schläfen. „Ich arbeite schon an einen Plan, Alex“, antwortete er ruhig und legte den Schaltplan auf den Tisch. „Aber wenn es so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, dann sollte ein elektromagnetisches Feld, zwei Regenschirme und ein schallgeschützter Staubsauger reichen.“
Mahone sah ihn erstaunt an. Er ließ sich das Gesagte durch den Kopf gehen, verzog kurz die Lippen und nickte vor sich hin. Etwas ungläubig schüttelte er den Kopf. „Echt Michael, manchmal würde ich gerne wissen, was in deinen Kopf ab geht, um auf solche Ideen zu kommen.“
Eine ganze Weile sah Michael ihn an. Der Blick seiner blau-grünen Augen war gerade noch konzentriert gewesen, jetzt wurde er wehmütig. „Glaub mir, Alex, dass willst du wirklich nicht wissen!“
Irritiert hob Mahone eine Augenbraue und legte den Kopf schief. Ehe er darauf etwas erwidern konnte, kamen Fernando Sucre und Lincoln Burrows durch das Tor der Lagerhalle und liefen die Rampe zum Podest hoch. „Wir haben alles bekommen, was du wolltest, Papi“, rief sein Freund Sucre. Schmerzvoll verzog der dunkelhäutige Puerto-Ricaner das Gesicht und hielt seine verletzte Seite, wo er vor ein paar Tagen angeschossen wurden war. Lincoln ließ dem Gesagten Taten folgen und ließ die volle Reisetasche mit voller Wucht auf dem Tisch fallen.
Die Lautstärke, die sein Bruder dabei verursachte, ließ Michael schmerzgepeinigt zurück-schrecken. Die Kopfschmerzen, die ihn die letzten Tage kontinuierlich begleitet hatten, nahmen schlagartig zu und explodierten in seinem Kopf. Er keuchte laut auf, kniff die Augen zu-sammen und legte beide Hände reflexartig an seine Schläfen. Fest drückte er die Hände an beide Seiten seines Kopfes und versuchte den Schmerz irgendwie entgegen zu wirken.  
„Michael?“ Die fragende Stimme von Lincoln ließ ihn nur noch einmal zusammenzucken. Selbst die nun normale Zimmerlautstärke war zu viel für ihn. Die Schmerzen nahmen sekündlich zu. Er biss die Zähne fest zusammen und drückte mit den Händen stärker gegen seine Schläfen. Der Schmerz wollte einfach nicht aufhören. Sein ganzer Oberkörper verkrampfte sich und wieder musste er gepeinigt aufstöhnen.
„Michael?!“ Die Stimme klang plötzlich panisch und er spürte Hände an seiner Schulter. Aber beim besten Willen, er konnte sich nicht darauf konzentrieren, geschweige denn darauf reagieren. Die Kopfschmerzen nahmen ihn komplett in Beschlag. Er war nur dabei, seinen Kopf festzuhalten, denn er hatte das Gefühl, dass sein Kopf gleich zerspringen würde.
„Michael!“ Er spürte, wie er abermals sanft aber entschlossen an der Schulter gepackt wurde. Unter größter Anstrengung öffnete er die Augen und sah Sara vor sich. Total konfus verzog er fragend das Gesicht. Er sah sich unter Schmerzen um und anhand seiner halbsitzenden Position und der Enge des Raumes wurde ihm schnell klar, dass er nicht mehr am Tisch, sondern im aufgeklappten Bett des kleinen aufgebockten Bootes saß, welches er sich in der Lagerhalle mit der jungen Ärztin teilte.
„Sara?“, fragte er mit brüchiger trockener Stimme und Michael merkte jetzt, dass er noch immer seine Hände an die Schläfen drückte.
„Gott sei Dank“, stieß Sara erleichtert aus. „Du bist endlich wach. Warte einen Moment“, rief sie, sprang auf und lief durch die Holztür zum Heck des Bootes. Laut schrie sie in die Halle: „Lincoln, Sucre, Alex – egal wer! Bringt mir ganz schnell meine Arzttasche. Sofort!“ Sie lief zurück ins Bootinnere und kniete wieder neben Michael nieder.
Dieser sah sie total verwirrt an. „Was ist denn los, Sara?“
Die junge Ärztin versuchte ihn beruhigend anzulächeln, aber er kannte sie zu gut, um die Sorge in ihren Blick zu sehen. Ganz langsam nahmen die Kopfschmerzen ab und er konnte endlich die Hände von seinen Schläfen nehmen. Sowohl im Traum als auch in der Realität hatte er seinen Kopf festhalten müssen.
Aus einer Gewohnheit heraus streichelte sie behutsam über sein Haar, aber er zuckte sofort zusammen, weil sein Kopf viel zu empfindlich für die Berührung war und nur wieder neuen Schmerz verursachte. „Entschuldige“, flüsterte sie schuldbewusst und nahm ihre Hand sofort weg.
„Hier ist deine Tasche, Sara“, drang plötzlich die tiefe Bassstimme von Lincoln zu ihnen herein. Er stürzte regelrecht in die kleine Kajüte und stellte die rote Arzttasche neben der Ärztin ab. Sein Blick huschte sofort zu ihm. Seine Augen weiteten sich und Michael fühlte sich sogleich unbehaglich bei der offensichtlichen Sorge, die Sara und sein Bruder ausstrahlten.
„Es ist alles okay“, sprach er daher leise und versuchte sich etwas gerader aufzusetzen. Er rutschte ans Kopfende des Bettes, lehnte sich vorsichtig an die Holzvertäfelung des Bootes und versuchte dabei das aufkommende Schwindelgefühl nicht allzu deutlich den Beiden zu zeigen. „Der Schmerz ist fast weg“, erklärte er und versuchte aufmunternd zu lächeln.
Sara und Lincoln wechselten einen Blick, der ihm mehr sagte, als ihm lieb war. Langsam sah sie ihn wieder an. „Es ist gar nichts okay, Michael.“ Sie deutete auf sein weißes T-Shirt und auf das Bettzeug. Er folgte ihrer Geste und keuchte entsetzt auf. Der obere Bereich seines T-Shirts und ein Teil des Bettlakens waren voller Blut. In einer Reflexbewegung griff er sich ins Gesicht, aber Sara reagierte genauso schnell und hielt seinen Arm fest.
„Nicht!“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich muss es mir erst genauer angucken.“ Sie kramte in ihrer Tasche und zog sich Einweghandschuhe über. Danach beugte sie sich leicht vor und unter-suchte sein Gesicht. „Offensichtlich hast du in deinem Anfall Nasenbluten bekommen und dir die untere Lippe aufgebissen.“
Abermals zuckte Michael zusammen, denn dieses Mal war der Schmerz anderer Natur und jetzt spürte er auch seine verletzte Lippe und seine geschwollene Nase. Zudem bekam er nur schwer Luft. Seine Kopfschmerzen waren so viel schlimmer gewesen, dass er die anderen Schmerzen gar nicht wahrgenommen hatte. Michael spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte und er nach Luft schnappte. Wenn sein T-Shirt und das Bettlaken schon so voll Blut waren, dann wollte er nicht wissen, wie er aussah und welchen Anblick er den beiden bot.
Sara musste sein Unbehagen gespürt haben, denn sie drehte sich zu Lincoln und meinte ruhig und gefasst: „Kannst du bitte eine Schüssel mit warmem Wasser und ein Handtuch holen?“
Sein Bruder neigte den Kopf. „Klar.“ Er verließ die Kajüte und stieg die Leiter hinab, die an der Seite des Bootes angebracht war.
„Was ist los?“, hörte Michael Alex gleich darauf aufgeregt fragen.
„Was ist mit Michael?“, fragte auch Sucre und Michael konnte nur beschämt den Blick auf seinen Schoß senken. Er wollte nicht, dass sich die anderen seinetwegen Sorgen machten. Es gab so viel Wichtigeres zu tun, als sich um seine Gesundheit Gedanken zu machen.
„Er hatte wieder einen seiner Anfälle“, antwortete Lincoln ernst. „Er ist voller Blut.“
„Was?“, riefen die beiden Männer wie aus einem Mund.
„Er hatte wieder Nasenbluten, aber viel schlimmer als sonst – und jetzt lasst mich durch! Ich muss Wasser holen!“
„Wie geht es dir?“ Auch Saras sanfte Stimme ließ ihn nicht aufblicken. Noch immer starrte er auf seine Hände in seinen Schoß. Er konnte sie nicht ansehen. Er wollte ihre Sorge um ihn nicht in ihren Augen sehen.
Sehr langsam kam ihre Hand in sein Blickfeld. Zärtlich griff sie nach seiner Hand und umschloss sie mit ihrer. Sie beugte sich leicht vor und kam wie ihre Hand langsam in sein Blickfeld. Sie sah zu ihm hinauf. „Bitte mach dir keine Gedanken wegen mir, deinen Bruder oder den anderen“, flüsterte sie voller Liebe. Diese spürbare Liebe ließ ihn zögernd den Blick heben. Unendlich lange sah er ihr einfach in die Augen. Er konnte einfach nicht anders. Sie war sein tonnenschwerer Anker, der ihn in dieser Welt festhielt. „Ich weiß, dass du es nicht ertragen kannst, wenn sich andere um dich sorgen oder wenn sich andere um dich kümmern wollen. Dass du denkst, dass es wichtigeres zu tun gibt, als für dich da zu sein.“ Sie lächelte ihn liebevoll an. „Aber es ist okay. In jeder Hinsicht. Weißt du, das ist ganz normal in einer Beziehung, ganz normal in einer Familie oder auch ganz normal unter Freunden.“ Sie drückte leicht seine Hand. „Man sorgt sich um seine Lieben!“ Sie schwieg einen Augenblick, senkte kurz den Kopf, bevor sie ihn entschlossen ansah. „Die letzten Jahre hast du dich um uns gekümmert. Jetzt sind wir dran und wir kümmern uns um dich! Denn du bist uns wichtig!“
Eine gefühlte Ewigkeit sah er sie nur an. Nicht schnell nickte er und legte seine Hand sanft auf ihre.
„Wie geht es dir, Michael?“, fragte sie erneut.
„Die Schmerzen sind nicht mehr stechend scharf“, begann er leise und wollte sich am liebsten abermals die Schläfen massieren. „Es ist jetzt eher ein stetiges Pochen.“ Unbewusst wollte er den Kopf schütteln, überlegte es sich aber ganz schnell anderes. „Gerade eben war es echt heftig! Ich dachte … ich dachte, mein Kopf würde platzen.“ Er musste schlucken und schmeckte jetzt sein Blut im Mund. „So schlimm war es noch nie, Sara!“
Sie neigte den Kopf und betrachtete ihn. „Und ansonsten? Hast du noch andere Beschwerden?“
Er dachte kurz darüber nach und erklärte weiter: „Mir ist ehrlich gesagt schwindlig und …“ Er verzog das Gesicht und versuchte in sich hinein zu hören. „Ich fühl mich schlapp und total müde.“  
Aufs Neue nickte sie und Michael sah deutlich die Ärztin in ihr. Sie sammelte so viele Informationen, wie sie kriegen konnte, um dann ihre Diagnose stellen zu können. „Die Schmerzen haben deinen Körper sehr viel Kraft geraubt und der Blutverlust hat sein Übriges getan.“
In diesem Augenblick kam Lincoln die Leiter zum Boot hoch. In seinen Händen balancierte er eine mittelgroße Schüssel mit Wasser. Weil er die Hände nicht frei hatte, hatte er das geforderte Handtuch teils in die vordere Hosentasche gestopft und mit jedem Schritt schaukelte es hin und her. Sara nahm ihm die Schüssel ab und stellte sie aufs Bett zwischen sich und Michael. Lincoln reichte ihr das Handtuch und sah seinen Bruder abermals besorgt an.
„Mir geht es schon etwas besser, Linc“, sprach Michael ruhig und hoffte so, seinen großen Bruder damit etwas zu beruhigen.
Lincoln blickte ihn nur weiter an und war offenbar nicht mit der Antwort zufrieden. Etwas nervös steckte er die Hände in die Hosentaschen und sah Sara ernst an.
„Was denkst du, Sara?“
Sie antwortete nicht. Stattdessen nahm sie das Handtuch und tauchte es mit einem Zipfel ins warme Wasser. Behutsam tupfte sie ihn damit ab und entfernte so das bereits getrocknete Blut aus seinem Gesicht und von seinen Hals. Ihr Blick ging zu seiner Lippe. Sanft unter-suchte sie diese und nickte dann. „Wie es aussieht, muss es nicht genäht werden.“ Sie strich weiter mit dem Handtuch über seine Haut und mit jedem Ausringen in der Schüssel färbte sich das Wasser röter und röter, was Michael nur bestätigte, dass er furchtbar aussehen musste.
„Sara?“ Lincolns Stimme nahm einen besorgten Unterton an.
Michael sah erst zu seinem Bruder auf, dann sah er Sara an. Sie holte gerade tief Luft und schloss für einen Moment die Augen. Ihr Kiefer verspannte sich und als sie die Augen wieder öffnete, faltete sie das Handtuch fast schon mechanisch zusammen und legte es neben der Schüssel ab. Sie sah zu Lincoln auf. „Wir müssen Vorkehrungen treffen“, sagte sie nur und sowohl Michael als auch sein Bruder sahen sie fragend an. Michael spürte, wie sie wieder nach seiner Hand griff und sie jetzt fester umschloss. Er konnte nur schlucken. Die Angst um ihn war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.  
„Wie meinst du das?“ Lincoln trat näher ans Bett und sah die Ärztin noch immer verständnislos an.
Erneut atmete sie tief durch. „Ich will damit sagen, dass es nur schlimmer wird.“ Sie drehte den Kopf und sah nun Michael direkt an. „Deine Anfälle werden in immer kürzeren Zeitabschnitten auftreten. Ich denke, es wäre das Beste, wenn ab sofort immer jemand bei dir ist und notfalls eingreifen kann.“
Nicht schnell verneinte er. „Wir müssen mit unserem Plan weiter machen, Sara! Da brauchen wir jede helfende Hand! Wir müssen Scylla kriegen!“
„Nein, Michael!“ Entschlossen sah sie ihn an. Keinen Widerspruch duldend. „Vergiss jetzt bitte mal den Plan und Scylla. Wäre ich nicht zu dir rauf gekommen, um zu sehen, ob du munter bist, hätte keiner deinen Anfall mitbekommen! Du hättest an deinem Blut ersticken können oder hättest sogar deine Zunge verschlucken können. Keiner wäre da gewesen, um dir zu helfen!“ Wieder musste sie tief durchatmen, um sich zu beruhigen. Etwas ruhiger sprach sie weiter: „Michael, bitte. Es sind noch zwei Tage bis zur Operation. Zwei lange Tage. Wir müssen es irgendwie schaffen, dass du die übersteht. Wäre Dr. Malden nicht der einzige Neurologe hier im Umkreis, der diese Operation machen kann, hätte ich dich schon längst in ein anderes Krankenhaus gebracht.“ Sie biss die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf. „Du darfst dich aber nicht körperlich anstrengen oder dich aufregen.“ Sie sah ihn mahnend an. „Du musst dich ausruhen! Jede Anstrengung könnte einen weiteren Anfall auslösen.“
„Sara …“ Er versuchte wieder gegen ihre Argumente vorzugehen, aber ihr Blick ließ ihn dieses Mal verstummen. „Michael, der Hypothalamische Hamartom in deinem Kopf ist eine tickende Zeitbombe!“ Ihr Blick wurde todernst. „Er ist jetzt so stark angewachsen, dass du seine Anwesenheit sehr deutlich spürst! Und … und hast du mir nicht gerade gesagt, dass du das Gefühl hast, dein Kopf würde platzen?“
Aufkommende Wut ließ ihn innehalten. Sein Blick verdunkelte sich. Eigentlich hatte er ihr das im Vertrauen gesagt, aber anscheinend wollte sie, dass sein Bruder über seine wahre Verfassung auch Bescheid wusste. So konnten sie nämlich zusammen auf ihn einwirken, und so wie Lincoln ihn jetzt ansah, hatte sie genau das erreicht.
„Ist es wirklich so schlimm, Michael?“ Die Besorgnis und die Angst seines Bruders hatten noch einmal zugenommen.
Wütend sah er die Beiden abwechselnd an. „Ja, verdammt. Es tut höllisch weh“, zischte er. „Aber das ist noch lange kein Grund mich wie einen Invaliden zu behandeln!“
„Nein, nicht wie einen Invaliden“, brummte sein Bruder zurück und wurde jetzt ebenfalls wütend. „Du bist schwer krank, Michael! Wann geht es in deinen Dickschädel, dass du daran sterben könntest?!“
Wütend funkelten sie sich an und Michael spürte, wie seine Kopfschmerzen wieder stärker wurden. Das Pochen wurde ein scharfes Stechen und nahm an Stärke zu. Fest drückte er die Kiefer zusammen und wandte den Blick ab. Er versuchte unauffällig auszuatmen, um den Schmerzen ein Ventil zu geben.
„Hört auf! Alle beide!“ Saras Stimme wurde gleich wieder unendlich sanft. „Lincoln, du siehst doch, dass jede Aufregung absolutes Gift für ihn ist!“
Dieser schnaufte nur und verschränkte noch immer wütend die Arme vor der Brust. „Was schlägst du also vor, Sara?“, wollte er wissen. „Sollen wir uns in Schichten aufteilen? Einer ist immer bei Michael und der Rest kümmert sich um Scylla?“
„Ja“, rief Sara.
„Nein“, rief Michael.
Michael sah nun sie gereizt an. Sie erwiderte seinen Blick ruhig und gefasst und stellte sich seiner Wut.  
„Willst du jetzt alles hinschmeißen, Sara?“, fragte er mit immer schlechterer Laune. „Alles, wofür wir gekämpft haben? Für unsere Freiheit?“ Sie hatten so viel durch machen müssen. Jeder von ihnen hatte wegen der Company durch die Hölle gehen müssen und jetzt hatten sie die Möglichkeit genau diese Unternehmen aufzuhalten. Vielleicht hatten sie sogar die Möglichkeit sie zu zerschlagen. Sie konnten endlich ihre Freiheit zurückhaben. Ein normales Leben aufbauen und dieses auch endlich wieder leben. Wollte sie das wirklich alles aufgeben?
Eine Ewigkeit starrte sie ihn an, ehe sie heftig schluckte und zu zittern begann. Schnell senkte sie den Kopf und Michael wollte sich am liebsten ohrfeigen. Er hatte es schon wieder getan. Er hatte ihr weh getan.
„Sara“, flüsterte er nun sanft und versuchte seinen Zorn hinunter zu schlucken. „Es …“
„Was wäre das für eine Freiheit?“, unterbrach sie ihn stattdessen und blickte ihn wieder an. Tränen standen in ihren schönen braunen Augen. „Wenn ich sie ohne dich verbringen müsste? Ich möchte meine Freiheit nicht wiederhaben, wenn ich sie nicht mit dir verbringen kann!“ Sie biss sich auf die untere Lippe und eine Träne rang ihre Wange hinab. „Du bist alles für mich, Michael! Glaubst du wirklich, mir ist da meine Freiheit wichtiger?“ Sie atmete tief durch. „Was hast du erst vor ein paar Tagen zu mir gesagt?“ Fest sah sie ihn in die Augen. „Du liebst mich mehr als dein eigenes Leben. Mir geht es genauso! Du bist mir wichtiger als mein Leben. Wichtiger als meine Freiheit. Ich will nur, dass du lebst! Und da ist mir ehrlich gesagt Scylla und die Company scheißegal!“
„Ich lass euch am besten mal allein“, sprach jäh in diesem Moment Lincoln sichtlich berührt und wollte bereits gehen.
„Nein, Linc“, schniefte Sara und erhob sich. Sie zog die Handschuhe aus und wischte sich über die Augen.
„Sara“, versuchte es Michael erneut und wollte aufstehen, aber sie schüttelte nur den Kopf.
„Du musst dich ausruhen, Michael!“ Sie sah Lincoln an. „Kannst du bitte bei ihm bleiben? Ich brauch einen Moment für mich.“ Er nickte und sie holte noch einmal kurz, aber tief Luft. „Außerdem muss ich eine Liste zusammenstellen, was wir alles für dich benötigen.“ Sie sah Michael noch einmal an. „Ich liebe dich, Michael! Vergiss das bitte nicht!“ Mit diesen Worten drehte sie sich um und verließ das kleine Boot.
Lange sah Michael ihr nach – auch als sie bereits nicht mehr zu sehen war, sah er noch immer zum Heck des Bootes. Mal wieder hatte er es verbockt und er wusste nicht, was er denken sollte. Enttäuscht über sich selbst, ließ er sich zurück an die Holzvertäfelung sinken und starrte vor sich hin. Wie konnte er sie nur so anfahren? Er war in seinen Gedanken vollkom-men hin- und hergerissen. Einerseits wollte er mit Sara und Lincoln für immer zusammen sein. Anderseits wollte er endlich die Company auslöschen, damit sie ihre Ruhe hatten. Seine Gesundheit sollte dabei überhaupt keine Rolle spielen – und jetzt war es ein angeborener Tumor, der gegen seine Schläfen drückte, der ihnen so stark in die Karten spielte. Das war so alles gar nicht Teil seines Plans!
„Mist verdammter!“, murmelte er und strich sich wie gewohnt über den Kopf. Dummerweise war dieser noch immer sehr empfindlich und er keuchte schmerzgepeinigt auf.
„Michael?“ Lincoln kniete mit einem Satz neben dem Bett und hob schon die Arme, als wollte er ihm irgendwie helfen, verharrte aber dann in seiner Position. Hilflos sah er ihn an.
„Es geht schon wieder“, knirschte er und sah ihn langsam an. Er versuchte zu lächeln. „Hab nur vergessen, dass mein Kopf noch total empfindlich ist.“ Lange sah er seinen großen Bru-der an. „Es tut mir leid, dass ich dich so angefahren habe, Linc!“
Dieser erwiderte das Lächeln. „Mach dir keinen Kopf. Ich weiß nicht, wie gereizt ich in deiner Situation wäre, also Schwamm drüber.“ Abermals betrachtete er ihn und blickte von seinem blutverschmierten T-Shirt zum blutbefleckten Bettlaken. „Glaubst du, du hast die Kraft dich und deinen schlaffen Hintern auf die Sitzbank zu bugsieren? Dann kann ich dein Bett neu beziehen.“
Michael musste die Augen schließen und grinsen. „Meinen schlaffen Hintern?“, fragte er und sah ihn an. „Ich muss Sara fragen, ob der wirklich schlaff ist. Ich glaube, sie hat da eine andere Meinung als du“, lachte er auf, wurde aber sofort wehmütig, als seine Gedanken zu Sara wanderten. Sein Kiefer verspannte sich. Er musste bei ihr so viel wieder gut machen!
„Sie macht sich große Sorgen um dich“, flüsterte sein Bruder sanft, als hätte er seine Gedanken gelesen.
„Ich weiß, Lincoln. Ich weiß. Ich werde es wieder gut machen!“ Er schob die Bettdecke zur Seite und rutschte langsam ans untere Ende des Bettes, wo er erstens nicht durch sein Blut musste und zweitens auch ohne Umwege schneller zur Sitzbank kam, welche am anderen Ende der Kajüte stand. Als er seine nackten Füße auf den Boden stellte, atmete er noch einmal tief durch und drückte sich dann vom Bett ab. Als er auf seinen Beinen stand, wollte sein Körper gleich wieder zurück in die Waagerechte. Er schwankte gefährlich und spürte, wie seine Beine einzuknicken drohten. Starke Arme umfassten seine Hüften und hielten ihn problemlos aufrecht. Erleichtert schnappte er nach Luft und legte einen Arm um die breite Schulter seines Bruders.
„Danke!“
„Wie gesagt: Mach dir keinen Kopf!“
Langsam liefen sie zu der Sitzbank und den kleinen Tisch davor. Sie kamen nur langsam voran, aber Michael war es fast schon zu schnell. Abermals musste er die Zähne zusammenbeißen, weil er das Gefühl hatte, dass sein Kopf mittlerweile mit gar nichts mehr zufrieden war. Als sie endlich an der Sitzbank waren, stützte er sich mit beiden Armen auf den Tisch ab, drehte sich leicht und ließ sich dann schwerfällig auf der Bank nieder. Er schnaufte regelrecht und hasste den Tumor mit jeder Sekunde mehr. Er hatte echt das Gefühl, nicht mehr der Herr seiner Sinne und seines Körpers zu sein. Es war ein absolut beschissenes Gefühl!
„Geht’s?“, wollte Lincoln wissen.
Michael hob den Blick und sah seinen Bruder total fertig an. „Frag mich das am besten in einer Stunde oder so noch einmal. Dann hab ich vielleicht eine Antwort darauf.“
Ernst nickte er und sah zwischen ihn und den vielen kleinen Schränken an den Bootswänden hin und her. Sichtbar unsicher, was er als nächstes tun sollte. Trotz der aufsteigenden Übelkeit musste Michael doch lächeln. „Ich renn nicht weg, Lincoln. Ich kann mich sowieso nicht bewegen, also such du die Bettlaken. Ich bleib einfach hier sitzen. Versprochen.“
„Okay“, nickte sein Bruder und widmete sich jetzt der Suche nach einem frischen Bettlaken. Im dritten unteren Schrank wurde er endlich fündig und begann auch sogleich das verschmutzte Bettlaken abzuziehen und durch das Frische zu ersetzen. Nach einigen Minuten war das Bett wiederhergerichtet. Lincoln stellte die Schüssel voll Wasser auf den Tisch ab. Dann nahm er das blutverschmierte Bettlaken und das Handtuch in die eine Hand und deu-tete mit der anderen auf sein T-Shirt. „Wo hast du deine Shirts versteckt?“
Michael hob seine Hand und zeigte auf den ersten Schrank gleich rechts neben der Holztür. Lincoln machte den Schrank auf und holte ein schwarzes T-Shirt raus. Er drehte sich wieder zu ihm um und stellte sich vor ihm. Er legte das T-Shirt auf den Tisch und wollte gerade die Schüssel nehmen, als er in seiner Bewegung abermals innehielt. Unentschlossen sah er ihn an.
„Brauchst du Hilfe?“, fragte er leise und sah ihn jetzt doch leicht unbeholfen an.
Michael konnte ihn sehr gut verstehen. Da saß der kleine Bruder vor einen und man musste ihn fragen, ob er es selbstständig schaffte ein T-Shirt zu wechseln. Das schlimmste für ihn selbst war, dass er nicht mit hundertprozentiger Sicherheit darauf antworten konnte.
„Ich weiß es nicht“, sprach er genauso leise. Gleichzeitig überkreuzte er die Arme und griff nach den Enden seines Shirts. Mit einer fließenden Bewegung zog er es sich über den Kopf und war schon regelrecht stolz auf sich, es geschafft zu haben. Er gab Lincoln sein weißes T-Shirt und nahm das schwarze in die Hand. Wie gerade eben zog er es sich in einer fließenden Bewegung über und war nun doch sichtlich stolz auf sich – auch, wenn er die Konsequenzen bereits spürte. Schweiß war auf seinen Rücken ausgebrochen und die Übelkeit wurde kontinuierlich schlimmer. Trotzdem musste er lächeln. „Geschafft!“
„Michael“, flüsterte sein Bruder unglaublich sanft und kniete sich vor ihm nieder.
Verwirrt sah er ihn an und wusste nicht, was jetzt war. Er hatte es doch geschafft?!
„Du bist kreidebleich geworden“, erklärte Lincoln besorgt. Er schnaufte leise und schüttelte den Kopf. „Sara hat vollkommen recht. Jede Anstrengung ist zu viel für dich. Und demnach reicht da schon ein Klamottenwechsel.“
Er wusste nicht, was er darauf erwidern sollte. Lange sah er seinen Bruder nur an. Lincoln sah ihn genauso lange an und Michael sah die Angst mehr als deutlich in den Augen seines Bruders. Die Angst um ihn und die Angst ihn nach allem, was sie durchmachen mussten, endgültig zu verlieren. Die letzten Jahre hatte sie noch enger zusammengeschweißt, als es ihre Kindheit eh schon getan hatte und das spürte er jetzt eindeutig. „Linc“, flüsterte er, aber dieser schüttelte noch einmal den Kopf und sah ihn eindringlich an. „Wir schaffen das zu-sammen, Michael“, flüsterte er ebenfalls. Seine Stimme war fest und ließ nichts Gegenteiliges gelten. „Wir haben schon so viel Scheiße überlebt, glaubst du, da drängt sich ein blöder Tumor zwischen uns und trennt uns?“ Er sah ihn entschlossen an. „Ganz bestimmt nicht!“
Unendlich lange sah er seinen großen Bruder an und verspürte dieselbe Liebe, die ihn auch damals schon dazu veranlasst hatte, sich tätowieren zu lassen und sich in das gleiche Gefängnis wie Lincoln sperren zu lassen, um ihn zur Flucht zu verhelfen. „Danke!“, sprach er ehrfürchtig und nickte ihm zu. Dieser lächelte ihn kurz an und nickte ebenfalls. Er erhob sich und knüllte das Bettlaken, das T-Shirt und das Handtuch zusammen.
„Ruh dich einen Moment aus. Ich drück das jemanden in die Hand und dann helfe ich dir zurück ins Bett!“
Lincoln wollte gerade durch die Holztür, als eine Stimme lautstark durch die Halle drang: „Was soll das heißen, Scofield ist nicht zu sprechen?“ Agent Selfs donnernde Stimme halte von den Wänden wider. Michael und Lincoln sahen sich erschrocken an. In diesem Moment antwortete ihn Mahone: „Er hat eine schlimme Migräne und ruht sich aus, Agent Self! Von uns allen war er der Einzige, der ununterbrochen gearbeitet hat. Wo wir anderen schon lange nicht mehr konnten und uns in der Nacht ausgeruht haben, hat er sich jede Nacht um die Ohren gehauen und seine Ideen entwickelt.“
„Und deswegen muss ich ihn sprechen. Ich will wissen, wie es weiter geht“, warf Agent Self ein, aber Alex‘ Stimme wurde hörbar schärfer. „Lassen Sie ihn in Ruhe, Agent Self. Ohne ihn hätten wir vielleicht eine Karte in der Zeit, wo wir schon jetzt alle haben! Und einen Plan für den Einbruch hat er auch schon entwickelt. Also Agent Self lassen Sie ihn bitte zur Ruhe kommen!“
„Ist er deswegen vor zwei Tagen zusammengebrochen?“, fragte der Agent jetzt schon gefasster. „Was hat der Arzt gesagt?“
„Dass er eine verschleppte Migräne hätte und sich dringend ausruhen muss!“    
Einen Augenblick war es zwischen den Agenten und den ehemaligen FBI-Agenten still. Dann meinte Agent Self: „Ich komme morgen wieder und dann will ich ihn definitiv sprechen! Mig-räne hin oder her!“ Seine Stimme entfernte sich. „Ach ja, und Mahone? Halten Sie sich mit Ihrem Ton zurück! Ich kann Sie schneller in den Knast zurückbringen, als Sie vielleicht denken!“ Sekunden später wurde das Tor zugestoßen.
Lincoln schnaufte verächtlich. „Was für ein Arsch!“ Er lief durch die Holztür des Bootes und stellte sich ans Heck. „Danke, Mahone“, rief er und Michael sah, wie sein Bruder hinüber zur Rampe sah. Der ehemalige Agent musste dem Boot näherkommen, denn der Blick seines Bruders senkte sich. „Kannst du mir das abnehmen? Schmeiß es am besten einfach weg.“
„Natürlich“, antwortete Mahone und Lincoln beugte sich vor, um ihn die Sachen zu reichen.
„Und komm dann noch mal zurück wegen der Schüssel voll Wasser. Die muss auch entsorgt werden!“
„Mach ich“, hörte Michael Mahone bereits aus einer entfernteren Ecke der Halle rufen.
Sein Bruder kam zurück in die Kajüte, griff nach der Schüssel und lief zurück zum Heck. Vorsichtig ging er in die Knie und Michael konnte ihn nicht mehr sehen. Lincoln musste jetzt genau bei der Leiter knien. Nicht schnell hob er den Blick und ließ ihn durch die kleinen Fenster des Bootes in die Halle schweifen. Er sah ein Teil des erhöhten Podestes und die andere Treppe genau gegenüber an der anderen Hallenwand, welche in die obere Etage führte. Auf der oberen Etage hatten die anderen ihren Schlafplatz und auch die offene Küche befand sich dort. Außer, dass Mahone da war, sah Michael niemanden mehr. Irritiert runzelte er die Stirn. Er konnte Sara und Sucre nicht sehen.
„Wie geht es ihm?“ Alex‘ leise Stimme ließ ihn wieder zum Heck gucken. Noch immer musste sein Bruder knien, denn er sah ihn weiterhin nicht.
Es kam keine Antwort. Stattdessen hörte er Lincoln fragen: „Wo sind Sucre und Sara?“
Eine gute Frage, fand Michael und wartete gespannt auf die Antwort.
„Sara hat eine Liste gemacht und wollte, dass Sucre mit ihr geht. Sie müssten bald wieder zurück sein. Wenn du abgelöst werden willst, sag einfach Bescheid, ja? Sara hat gemeint, dass immer einer bei ihm sein sollte.“
„Okay.“ Lincoln erhob sich und kam wieder in sein Sichtfeld. Er drehte sich bereits um, als Mahone noch meinte: „Was machen wir, wenn Self morgen wieder kommt und nicht locker lässt?“
Die massige Gestalt seines Bruders drehte sich noch einmal zum ehemaligen FBI-Agenten um. Den Blick, den Lincoln nun nach unten warf und welchen Michael nur zur Hälfte zu sehen bekam, verursachte eine Gänsehaut bei ihm und erwärmte sein Herz schlagartig. „Dann bekommt er es mit mir zu tun! Michael braucht Ruhe und da kann sich Self in Kreise drehen, wie er will. Ich lass ihn nicht zu ihm!“    
Mit diesen Worten drehte er sich endgültig um und lief zurück in die Kajüte. Michael konnte ihn nur gerührt ansehen. Egal, was auch zwischen ihnen war. Egal, welchen Mist Lincoln immer mal wieder verbrockte und in welcher Scheiße er steckte. Egal, ob sie verschiedener Meinung waren. Ging es um ihn, seinen kleinen Bruder, dann legte man sich am besten nicht mit ihm an! Lincoln erwiderte seinen Blick und neigte dann entschieden den Kopf. Er lief um den Tisch herum und griff mit dem Arm um seine Hüften. „Komm, ich bring dich zurück ins Bett. Das war Aufregung genug für heute.“ Behutsam zog er ihn hoch und half ihn zurück zum aufgeklappten Bett …


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Fortsetzung folgt ...

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