Vergangene Träume

GeschichteAllgemein / P12 Slash
09.02.2020
28.04.2020
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09.02.2020 3.466
 
Hallo Zusammen,
willkommen zu einer Story die euch in die traumhafte Welt Ludwigs des Zweiten führt, der so voller Rätsel war und dennoch faszinierend.
Ich hoffe es gefällt euch und es lassen ein paar ein Review da. :)
Viel Spaß!

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Geliebte Berge Göttern gleich!
Seht euren König trauern.
In Trümmern liegt mein Sonnenreich,
Zerstört von Hagelschauern.

Geliebte Berge stolz und stumm.
Ihr Götter saget mir: Warum
Kann es nicht ewig dauern?

Ewig ist das Streben,
Für die Kunst zu leben.
Geldgier nicht und Lügen
Werden jemals es besiegen.


(1)
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Einmal dort arbeiten, wo andere Urlaub machten, für viele ein No Go und für Felix Hofer ein wahr gewordener Traum.
Pünktlich zum Saison Start begann der sympathische Geschichts- Student in den Semesterferien seinen neuen Job als Schlossführer auf Schloss Neuschwanstein!
Von seinen Freunden wurde belächelt und aufgezogen, aber das juckte ihn nicht denn er wollte das machen! Schon seid jeher interessierte er sich für die sagen umworbene Geschichte um den "Märchenkönig" wie man ihn so nannte.

Ludwig II. Otto Friedrich Wilhelm von Wittelsbach, König von Bayern.

Seine Geschichte, sein Leben und seine Träume alles faszinierten den Jungen, der selbst aus einem recht kleinen beschaulichen Dorf nahe der bayrischen Alpen stammte. Trotz dieser Heimatverbundenheit hört man ihm seine Herkunft kaum an, Felix hat es perfektioniert seinen Dialekt zu verstecken und ist schon viel herumgereist. Ein Vorteil, wenn man eben die Welt sehen will und er tut etwas dafür.
Und jetzt war unheimlich aufgeregt, heute war der Tag, an dem er seine erste eigene Führung halten würde, vor etlichen neugierigen Touristen.
Bereits einen Tag zuvor war er eingezogen in seine neue Bleibe auf Zeit, niemand würde ihm seine neue Adresse so recht glauben.

Denn als er seinen Kumpels mitteilte, wohin sie ihm bei den Möbeln helfen sollten waren so manchem doch der Mund offen stehen geblieben, Neuschwanstein 20.
Das war mal eine Adresse, die nicht jeder vorweisen konnte.
Er hatte eine 2-Zimmer-Wohnung in der Kemenate, nicht im Palas, sonst würden all die Touristen wohl noch sehen wollen wie Felix lebte oh nein, darauf konnte er dann doch verzichten.
Sie lag ganz oben im Haus, ursprünglich war dieser Teil eigentlich für die Hofdamen gedacht und eigentlich hatten früher oft nur weibliche Schlossführer dort gelebt aber die Zeiten änderten sich bekanntlich.
Die Wohnung besaß sogar ein kleines Turmzimmer, ja das Turmzimmer wunderschön mit drei Fenstern.
Innen achteckig, Bogenfenster wie sie schon in der Architektur der Romantik vorkamen. Von einem der Fenster hat man einen tollen Blick auf die Marienbrücke, mindestens 90 m geht es hier in die Tiefe, ein Glück hat Felix keine Höhenangst und genoss diesen Augenblick jeden Moment.

Vom rechten Fenster aus hatte der Student einen sehr intimen Einblick, direkt ins ehemalige Schlafgemach des Königs und die Kapelle seines Schlafzimmers.
Ein beeindruckender Moment und ein wenig konnte Felix sein Glück nicht fassen, hier konnte man wirklich in einem Traum leben.
Tag für Tag, Gruppe für Gruppe… immer mehr tauchte er in diese vergangene Welt ein und lernte dabei jeden Tag etwas Neues.
Besondere Dinge, kleine Geschichten und Schätze wie an diesem Tag als ihm eine ältere Dame am Schluss der Führung etwas erzählte.
Es war Felix letzte Gruppe an diesem Tag, weshalb er nun auch Zeit hatte um der Dame zu lauschen, die ihm aufgeregt erzählte, wie sehr sie sich freue endlich hier sein zu können es war ein Traum der in Erfüllung ging.
Die gute Frau war bereits über 90 Jahre alt und dennoch sehr mobil und gut gelaunt, das beeindruckte den jungen Studenten enorm.

Ganz begeistert berichtete sie, dass ihr Ur-Großvater den König persönlich gekannt habe.
"Das war nach dem Krieg 1871, als der König die beteiligten Kriegsgebiete abfuhr.", sagte die Frau voller Begeisterung und Felix stand doch ein wenig der Mund offen.
Ludwig II. kam damals auch durch ihren Heimatort, ein kleines Dorf in Oberfranken, dort war ihr Ur-Großvater dem König begegnet. Er hatte im Krieg ein Bein verloren.
Der König wandte sich an den verletzten Soldaten mit viel Mitgefühl und wollte ihm gern einen Wunsch erfüllen. Ihr Ur-Großvater hatte nur einen Wunsch gehabt, er wünschte sich ein Bein aus Leder, dass er allein nie hätte finanzieren können.
"Der König fuhr weiter und einige Zeit später ließ er einen seiner Boten schicken mit dem gewünschten Lederbein. Seither schmücken das ganze Haus über Generationen hinweg Fotos und antike Gegenstände, die man vom König bekommen konnte!" erzählte die Dame und strahlte nur so.
Es war wie eine Geschichte aus einem Märchen und Felix konnte es praktisch nicht glauben aber es entsprach der Wahrheit und das beeindruckte ihn so ungemein.
Felix ließ die alte Dame ihre Geschichte nochmal vor der Gruppe erzählen und so hatte jeder von ihnen eine unglaubliche Geschichte, mit der er das Schloss verlassen konnte. Etwas geflasht und aufgewühlt von diesem Tag beschloss Felix am Abend, als alle Besucher bereits weg waren und das Schloss abgesperrt war noch einen Spaziergang zu machen.

Eine ganze Weile stand er auf der Marienbrücke und betrachtete diesen wunderschönen Bau in weiter Ferne. So romantisch und träumerisch es schien, so einsam musste das Leben des Königs gewesen sein. Das wiederum stimmte Felix traurig denn er war sich sicher, dass der Herrscher die unverstandene Person in seiner Zeit gewesen war, modern und weitsichtig. Aber für alle Anderen in seiner Zeit, die am Alten festhielten, war er ein Verrückter gewesen.
Seufzend beschloss Felix auch den Tag nun zu beenden, er schlenderte zurück und machte es sich in seiner Wohnung bequem, die so modern ausgestattet war mit Strom, fließend Wasser und ja sogar WLAN hatte er! Er schrieb ein wenig an seiner Hausarbeit, bis seine müden Augen brannten und er beschloss ins Bett zu gehen.
Heute Nacht war er das erste Mal völlig allein im Schloss! Seine Mitbewohner, sie wohnten zu Dritt, in der Kemenate waren heute nicht da. Es war ein wenig gruselig aber im Endeffekt war Felix so müde, dass er auch einschlief.

Es musste ungefähr 3 Uhr in der Nacht gewesen sein, als er plötzlich senkrecht im Bett saß. Natürlich hörte man in diesem alten Gemäuer wie sich das Gebälk bewegte oder hier und da etwas knarrte aber irgendetwas war anders.
Durch sein Zimmer fiel der helle Schein des Vollmondes was Alles in ein mystisches Licht tauchen ließ und dennoch klopfte Felix das Herz bis zum Hals.
Es gab einen Wachdienst aber dadurch das ja das komplette Schloss am Abend verriegelt und nach einem abschließenden Rundgang alles überprüft wurde, waren sie den Rest der Nacht allein.
Mit einer Taschenlampe bewaffnet machte er sich auf den Weg und trat mitten in der Nacht raus auf den Schlosshof.

Kurz war ihm als hätte er im Palas einen Lichtschein gesehen aber aufgeschreckt von den Geräuschen glaubte der Student sowieso weiße Mäuse zu sehen. Den schweren Eisenschlüssel umklammerte er auch das Tor zum Palas und traute sich gar nicht es zu öffnen.
"Verdammt reiß dich halt mal zusammen!" zischte sich Felix selbst zu und straffte den Rücken ehe er eintrat.
Die Taschenlampe hielt er wie ein Polizist, von oben herab während er durch die Gänge schritt.
In der Nacht offenbarte das Schloss sein geheimnisvolles Gesicht und man hatte schon das Gefühl hier nicht allein zu sein. Felix würde lügen, wenn er nun sagen würde er hätte keine Angst, irgendetwas war hier und er konnte es nicht sehen.

Hier und da vernahm er ein Knarzen, schleifen und dann wieder ein leises Seufzen was ihm kalte Schauer über den Rücken trieb. Ein dicker Kloß hatte sich in seinem Hals gebildet als er die riesige Treppe nach oben stieg und allerdings nicht weit kam da er zwei Schatten bemerkte, die in der Nähe zur Königswohnung standen.
Eigentlich wollte sich Felix bemerkbar machen aber irgendetwas hielt ihn davon ab und er hielt auch den Atem an, nicht mal der Taschenlampenschein schien aufzufallen, wobei er sie wie aus einem Reflex ausschaltete.

"Du bist hier.....?"

"Natürlich bin ich das.... ich hoffe Euer Groll ist verflogen?"

"Mein Groll? Du hast mich recht ärgerlich gemacht..."



Felix sah wie ein Schatten am Fenster stand und ein Anderer sich diesem näherte, es war so unheimlich das Felix am liebsten schreiend davon gelaufen wäre. Der helle Vollmond schien durch die Fenster und machte die Szene umso gespenstischer.

"Ich bitte um Verzeihung... ich bin jetzt hier bei Euch..."

"Bei mir.... bitte...."

"Bei dir~ Meine Liebe ist stärker als Alles andere.... leider konnte ich dich nicht retten..."

"Oh teurer Freund... mach dir keine Sorgen...."



Das war genug!

Felix fürchtete sich zu Tode, er stürzte die Treppen mit lautem Poltern nach unten und sah zu das er zurück in seine Wohnung kam. Es war ihm egal das er eigentlich die Pflicht hatte auf sich Aufmerksam zu machen aber diese Szenerie hatte ihn bis ins Mark verstört und er war davon gelaufen.
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Geliebte Berge, oft bin ich
In eure Welt gegangen.
Ihr stummen Zeugen, tröstet mich.
Die Welt hält mich gefangen!

Den Künsten hab’ ich mich geweiht.
Und alle Kunst will Ewigkeit.
Muss ewig um sich bangen.

Zum Adler stiegen sie bei Nacht,
Der Habgier treue Schergen.
Sie haben mich zu Fall gebracht,
In meinen eig’nen Bergen!

Sie nahmen mir die Krone ab,
Und warfen sie ins Tal hinab,
Und gaben sie den Zwergen!



(1)
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Geschlafen hatte der Student daraufhin nicht mehr und am Morgen war er auch der Erste der ins Schlossführerzimmer kam, wo bereits einer der Ältesten saß.

"Ja mei, wia siehst du denn aus Bua? Hosd du übahabt gschlafa?" wollte Josef auch wissen.

"Ich hab nicht geschlafen....", erwiderte Felix auch und setzte sich mit einer Tasse Kaffee an den Tisch, ehe er auch von dem nächtlichen Ereignis berichtete.
Der Ältere strich sich nachdenklich über den Bart ehe er allerdings abwinkte und sich absolut unbeeindruckt zeigte.

"Ach des war da Kini.  Unsa arma Kini, 's mua schrecklich sei zua seng wia jedn Dog tausend Tourisdn hierha keman und durc hseie heilign Hoin gengan. Ma mua aufpassn damit ma ned sein Zoan auf si ziagd."
Felix starrte den alten Herrn etwas fassungslos an und er fragte sich allen Ernstes wer jetzt hier verrückt war und unter Paranoia litt?
Natürlich hatte er schon davon gehört, ungewöhnliche Dinge oder Sachen die immer zum selben Zeitpunkt geschahen, aber das er selbst so etwas erlebte? Daran hätte er nie gedacht.

"So is des! Unsa Kini is übaoi." winkte Josef auch ab und las weiter in seiner Zeitung.

Sprachlos war wohl noch einfach ausgedrückt was der arme verschreckte Student in dem Moment war und Felix hatte an diesem Tag wirklich Schwierigkeiten sich zu konzentrieren. Dennoch schaffte er es irgendwie den Tag und die Hundertschaften an Touristen hinter sich zu bringen und als der Letzte das Schloss verlassen hatte, legte sich eine Ruhe über das Schloss, in der man selbst herunterfuhr.

Lediglich die Putzkräfte und ein paar Sicherheitsleute waren noch unterwegs und auch Felix machte seinen letzten Rundgang, froh darum nicht gänzlich allein im Schloss zu sein, nach diesem nächtlichen Ereignis.
Er wusste immer noch nicht was da vorgefallen war, hatte er sich das nur eingebildet? Es hieß, wer sich länger und ausgiebig mit Ludwig befasste, wurde selbst langsam verrückt. Aber Felix hielt es für Ammenmärchen und schüttelte abermals den Kopf, er war ein aufgeklärter, junger Mensch und er würde sich bestimmt nun nicht davon abhalten lassen.

Mit prüfendem Blick betrat er auch das Schlafzimmer des Königs, es war einfach nur fantastisch und war so etwas wie die heiligen Hallen und dennoch jedes Mal, wenn Felix allein hier herein kam, spürte er, das man hier nicht allein war.
Andächtig wischte er nun auch den Boden, über den erneut Tausende von Füßen gelaufen waren und stutzte als ihm etwas in der Nähe des Bettes auffiel. Direkt in einer Nische bemerkte er lose Dielenbretter, wobei er zögerte, denn eigentlich gab es nichts Geheimes mehr in diesem Schloss.

Seine Neugier siegte aber und er hockte sich hin und öffnete sie vorsichtig.
Zum Vorschein kamen versiegelte Briefe, welche Felix Herz schneller schlugen ließen als er das Siegel erkannte. Soweit er wusste hatte man alle privaten Dinge des Königs längst gefunden, ausgestellt oder sie waren vernichtet worden und jetzt fand er nach über Hundert Jahren weitere Briefe?
Das musste ein schlechter Scherz sein und dennoch konnte er nicht anders und brach das Siegel mit zitternden Fingern. Zum Vorschein kam die fein, geschwungene Schrift des Königs, die er schon oft hatte in Büchern sehen können und ihm blieb der Atem weg.
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06. Mai 1867
Heute sind wir uns zum ersten Mal begegnet. Natürlich hätte ich es eher aufschreiben können aber mir war zu Anfangs nicht danach. Erst jetzt begreife ich das ich es hätte aufschreiben müssen direkt.... unsere Begegnung die ich nie vergessen werde.
Der Respekt in deinen Augen, deine Haltung und Hochachtung vor mir... in deinem Blick habe ich gespürt wie sich ein wahrer König fühlen muss.
Dennoch wollte ich das dir gegenüber nie so sein... ich wollte dich zum Freund.... Vertrauten... und das bist du mir geworden.
Bereits am 11. Mai konnte ich dich in meine persönlichen Dienste stellen, ich war glücklich und du mir ein treuer Freund und Begleiter.
Ich konnte dir vertrauen, meine gesamte Korrespondenz lief über dich und mit dir zusammen konnte ich regieren.
Da war mehr... ich fühle mehr..., obgleich mich diese Gedanken verrückt machen da es sich nicht ziemt.... verboten ist... kann ich nicht anders. Ich sehe es dir aber an das du nicht abgeneigt bist... was wird geschehen?
Ich weiß es nicht.... ich bin verdammt zu warten wie es scheint...

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Felix schluckte, der Brief war abrupt beendet  und wie es aussah auch nie abgeschickt worden. Unterschrieben war er mit der unverwechselbaren Unterschrift Ludwigs des Zweiten. Der Zweite Brief trug nicht das königliche Siegel und dennoch öffnete Felix auch diesen. Die Schrift war weit weniger gut zu entziffern und ein paar Worte konnte er auch nicht lesen.
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1870 Meine Hochzeit....

Geliebter Freund,

ich werde niemals den Blick in deinen Augen vergessen als ich dir die Wahrheit sagte... die Enttäuschung, die Trauer und dann deinen Zorn. Ich hoffe du kannst mir je verzeihen, aber ich hatte keine andere Wahl. Wir Beide... in dieser Zeit, wir wären Beide zum Tod verdammt gewesen. Aber glaube mir, das ich dir stets treu zur Seite stehe, du bist mein König, mein Freund, mein Vertrauter...
Du weißt von meinen Gefühlen, behalte sie in deinem Herzen und vielleicht irgendwann können wir uns wieder gegenüber treten. Ich möchte dir aber danken... das du mir diese Villa geschenkt hast. Sei dir stets versichert, dass dir meine Türen immer offen stehen werden.

In ewiger Treue

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Dieser Brief war allerdings nicht unterschrieben, wohl um zu verhindern, dass er in die falschen Hände fiel und dennoch spürte Felix eine unendliche Traurigkeit in sich. Diese Zeilen hatten ihn fast noch mehr erschüttert als das, was er letzte Nacht erlebt hatte. Wie unglücklich konnten zwei Menschen sein?
Kurz durchfuhr ihn der Gedanke, das er mit diesen Stücken Geld machen konnte aber sofort, kaum hatte er darüber nachgedacht, schüttelte der Student auch schon wieder den Kopf und legte die beiden Schriftstücke zurück in ihr Versteck.

"Schäm dich darüber nachzudenken!" knurrte Felix sich selbst an und schob die losen Bretter darüber. Er bewunderter Ludwig den Zweiten und sein Leben und er würde keinerlei Profit mit dem Gefundenen machen. Lieber sollten die Briefe auf ewig hier in ihrem Versteck liegen, die kommenden nächsten Hundert Jahre!
Er beendete auch seinen abendlichen Rundgang und da er Hunger hatte, beschloss Felix auch runter ins Dorf zu wandern um dort in einer Schenke etwas zu Essen.

Mal wieder unter Leute kommen bevor er noch verrückt wurde, dort oben auf dem Berg! Es war ziemlich spät und er hatte schon ein paar Maß intus als er den beschwerlichen Weg hinauf zum Schloss zurücklegte.
Felix fluchte unfein, er hätte wirklich weniger trinken sollen denn es glich einem Höllenfahrtkommando und es war tierisch anstrengend.
Völlig zerstört und fertig mit der Welt schlappte er die letzten Meter zum Schloss wobei er glatt noch überlegte einen Abstecher zur Marienbrücke zu machen. Über der Pöllatschlucht erstreckte sich die malerische Brücke unter der es 90 m in die Tiefe ging.

In seinem betrunkenen Zustand vielleicht nicht die beste seiner Ideen aber besoffen tat man eben Dinge, die man sonst nicht tat.
"Gott ist mir schlecht..." brummte der Student als er am Geländer stand, ihm war schwindelig, ob jetzt gleich von der Höhe oder vom vielen Bier konnte man sich aussuchen aber der Blick war es schon wert, denn das Schloss erstrahlte im Mondschein nur so in seiner vollen Pracht.

"Wunderschön, nicht wahr?"

Felix glaubte ihm bliebe das Herz stehen als er plötzlich neben sich eine Gestalt bemerkte und er musste sich am Geländer festhalten, da die Brücke eh ein wenig schwankte.

Wo war sie hergekommen? War er SO betrunken?

"Nur im Mondlicht sieht man die perfekte Illusion~" sinnierte die Gestalt, die man so kaum erkannte.
Es war eine hochgewachsene Person, sie trug einen Bowler an dem ein schickes Schmuckstück funkelte und einen langen schweren Mantel, an dessen Kragen Pelz schimmerte.

Hoffentlich kamen keine Tierschützer vorbei, dachte Felix sich nur, den ein Schaudern überkam, als er eine Art Pferde Wiehern hörte.
Am anderen Ende der Brücke erblickte er eine weitere Person, die anscheinend wartete. Auch diese trug alte Kleidung, die man im Schatten der Schlucht kaum sah und der arme Student musste auch schlucken. Er war wie versteinert und war nicht mehr fähig sich zu bewegen oder zu sprechen.

"Es ist Zeit Majestät~"

Die fremde Gestalt neben ihm seufzte schwermütig, hielt sich am Geländer fest und sah für einen Moment gegen Himmel.

"Adieu~"

Langsam bewegte sich die Gestalt zur anderen Seite, wo sie den dargebotenen Arm ergriff, da der Weg recht uneben nach oben führte über etliche Baumwurzeln.

"Lass uns gehen teurer Richard~"
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"HIMMEL HERR GOTT UND SAKRAMENT, FELIX?!"

Der junge Student schrie erschrocken auf als er sich umdrehte und eine der Schlossführerinnen erblickte, die mit ihm zusammen in der Kemenate wohnte.
Ein Blick zurück zu der Stelle wo die beiden Gestalten bis eben noch gestanden hatten ließ ihn schlucken, sie waren verschwunden.

"Wie viel hast du gesoffen?" schimpfte Marie indes auch und stapfte mit einer Taschenlampe bewaffnet auf die Brücke, wobei sie innehielt da diese Höhe wirklich nicht für Jeden geeignet war.
"Komm jetzt endlich hierher!" fluchte sie und packte ihn am Arm als er näher kam.

"Der Wirt hat angerufen das du im voll gesoffenen Kopf aus der Schenke aufgebrochen bist und ich hab am Tor auf dich gewartet. Was hab ich gesehen? Wie du Richtung Brücke torkelst! Bist du nicht mehr ganz sauber? Im besoffenen Kopf auf die Brücke zu gehen, Zeit das du deinen Rausch ausschläfst!" wetterte sie und schleifte ihn hinter sich her, wobei Felix mehr stolperte als lief.
"Wie kann man nur so seinen Hals riskieren!" zischte sie und stupste Felix auch förmlich in sein Bett als sie endlich in seiner Wohnung angelangt waren.

"Ich hab den König gesehen Marie!" lallte der Student, während er versuchte die Bettdecke zu entwirren.
"Ach ge~ du spinnst doch! Besoffen bist du!" winkte Marie auch ab und zog ihm zumindest die Schuhe aus.

"Schlaf jetzt!"

Mit einem lauten Poltern fiel auch seine Tür ins Schloss und obwohl ihn die Müdigkeit übermannte dachte Felix an diese nächtliche Begegnung auf der Brücke zurück.
Ja er hatte eindeutig zu viele Maß gehabt und er musste sich das eingebildet haben und morgen würde der Tag schon wieder ganz normal aussehen.
Mit diesem Gedanken um sich selbst zu beruhigen schlief Felix auch ein, im festen Glauben sich das Ganze in seinem betrunkenen Zustand nur eingebildet zu haben.
Aber eines stand fest, der König war überall und wachte über seine Werke, die er sich erträumt und erschaffen hatte.
Auch jetzt noch über 134 Jahre nach seinem rätselhaften Tod.

Der König ist tot, lang lebe der König.



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Übersetzung ;)

"Ja mei, wia siehst du denn aus Bua? Hosd du übahabt gschlafa?"
- Ach je wie siehst du denn aus Junge? Hast du überhaupt geschlafen?-

"Ach des war da Kini.  Unsa arma Kini, 's mua schrecklich sei zua seng wia jedn Dog tausend Tourisdn hierha keman und durc hseie heilign Hoin gengan. Ma mua aufpassn damit ma ned sein Zoan auf si ziagd."
-Ach das war der König. Unser armer König, es muss schrecklich sein zu sehen wie jeden Tag tausende von Touristen durch seine heiligen Hallen gehen. Man muss aufpassen das man seinen Zorn nicht auf sich zieht.-

"So is des! Unsa Kini is übaoi."
-So ist es, unser König ist überall.-


(1) "Geliebte Berge" Lyrics: Ludwig² (Musical) https://lyricstranslate.com
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