Ein Abschied für immer?

von Lady0409
KurzgeschichteAllgemein / P12
Dr. Lea Peters Tim Peters
07.02.2020
27.03.2020
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Ein Abschied für immer?


Lea hat ein Angebot einer Münchener Klinik bekommen, dort als Chefärztin zu arbeiten. Wie wird sie sich entscheiden?



Kapitel 1
eine Entscheidung für oder gegen Leipzig?

Das Angebot der Münchner Klinik kam für Lea sehr plötzlich, aber war zugleich auch längst überfällig, dachte sich die erfahrene Neurochirurgin und meinte damit nicht unbedingt die Stelle als Chefärztin, sondern den Umstand, dass sie endlich ihre Vergangenheit hinter sich lassen konnte. Sie wollte vergessen, was ihr passiert war und warum sie ihren kleinen Sohn Tim nicht mehr gemeinsam mit dessen Vater aufziehen konnte.

Inzwischen hatte sich die erfahrene Neurochirurgin auch damit angefreundet, dass sie eine neue Stelle annehmen konnte.
Doch wie würde es werden, wenn sie mit der Verwaltungschefin über ihre Vertragsauflösung mit der Sachsenklinik sprach?
Wie würde es sein, wenn sie das letzte Mal dieses Gebäude, das die letzten fünf Jahre ihr Zuhause war?
Wie war es für Tim, wenn er seine Freunde aus dem Kindergarten das letzte Mal sehen würde?
Wie sollte sie Tim überhaupt von dem Umzug nach München erzählen?
Diese und noch viele andere Fragen stellte sich die Chirurgin nun nach dem Telefonat mit dem Verwaltungschef der Münchner Klinik, der ihr von den Möglichkeiten erzählt hatte, die ihr an dieser Klinik geboten werden würden.

‚Ich werde mir ihr Angebot durch den Kopf gehen lassen.‘, hörte sich die Neurochirurgin wieder und wieder sagen und sie seufzte kurz, als sie sich auf den Weg zur Verwaltungschefin der Sachsenklinik machte.
Doch immer wieder stellte sich die Ärztin nur eine einzige Frage: Sollte sie jetzt wirklich kündigen oder… Oder sollte sie doch in Leipzig bleiben?

„Ah, Frau Doktor Peters. Schön, sie zu sehen. … Kommen sie doch später in mein Büro…“, grüßte Verwaltungschefin Sarah Marquardt die Neurochirurgin und Lea überlegte kurz.
Hatte Frau Marquardt etwa gerade eben etwas von dem Telefonat mit der Münchener Klinik mitbekommen?
Wusste sie, dass sich Lea eventuell wirklich für den Wechsel nach Bayern entschieden hatte?

„Ich… Ich komme gleich. Aber ich muss vorher noch nach einem Patienten schauen. Dann bin ich gleich bei ihnen; sagen wir, in einer viertel Stunde…“, schlug Lea vor und Sarah nickte, bevor die Neurochirurgin sich auf den Weg auf die Station zu ihrem frisch operierten Patientin machte, den sie von einem Hirntumor befreit hatte und der sich nun von der Operation erholte.


„Wie geht es ihnen denn?“, erkundigte sich die Neurochirurgin bei ihrem Patienten und warf einen kurzen Blick in die Krankenakte, bevor sich der Patient bei ihr bedankte. „Ich… Mir geht es schon wieder viel besser. Danke, Frau Doktor Peters. Ich… Sie haben… Sie haben mir mein Leben wieder gegeben. Ich weiß nicht, wie lange ich diese verdammten Schmerzen noch ausgehalten hätte. Ich habe es zwar für meine kleine Prinzessin… für meine kleine Tochter ausgehalten; aber lange wäre es auch nicht mehr gut gegangen und… Vielleicht hätte ich mir auch das Leben genommen. Aber… Aber jetzt kann ich bald wieder mit meiner kleinen Tochter über die Wiese toben. … Ich bin so froh, dass ich an sie geraten bin. Vielen Dank… Vielen Dank für… für die Rettung, Frau Doktor Peters…“
„Ich habe es doch gerne für sie getan. Sie brauchen sich jetzt keine Sorgen mehr zu machen, dass sie noch länger Schmerzen haben müssen.“, meinte Lea und steckte die Krankenakte des Patienten wieder weg. „Ich komme dann später noch einmal zu Ihnen.“

Der Patient der Neurochirurgin nickte und Lea machte sich sogleich auf den Weg zu Sarah Marquardt ins Büro, an dem sie schon wenige Augenblicke später ankam.


Sie klopfte an die Tür und nachdem die Verwaltungschefin mit „Ja, bitte“ auf das Klopfen reagiert hatte, betrat Lea das Büro

„Frau Marquardt, sie wollten mit mir sprechen?“, erklärte Lea und Sarah erwiderte: „Ja… Bitte, setzen sie sich doch, Frau Doktor Peters. … Ich komme gleich zum Punkt.“
„Ist irgendwas passiert, Frau Marquardt?“ „Mir ist zu Ohren gekommen, dass sie sich anderweitig nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen…“, erklärte die Verwaltungschefin und Lea nickte zustimmend.
„Sie sind ja mal wieder gut informiert, Frau Marquardt. … Ja, ich gebe es zu; ich habe ein Angebot aus einer Münchener Klinik, dort als Chefärztin einzusteigen.“, antwortete die Neurochirurgin darauf und Sarah, die durch ihr eigenes Telefonat mit ihrem Münchener Kollegen schon wusste, dass Lea diese Stelle angeboten wurde, erwiderte: „Ich kann mir vorstellen, dass es für sie ein sehr gutes Angebot ist, das sich ihnen dort bietet. Aber… Ich lasse sie auch nur sehr ungern weggehen…“

„Deswegen haben sie mir auch den Anruf der Klinik verheimlicht, Frau Marquardt. … Ich war ja selbst erschrocken, als sich plötzlich die Kollegen aus München bei mir gemeldet haben.“, meinte die Neurochirurgin zur Verwaltungschefin und Sarah erwiderte: „Ich wollte nicht, dass sie uns auch noch verlassen. Sie sind die beste Neurochirurgin bei uns am Haus. … Wenn ich ihnen die Chefarztstelle auf der Neurochirurgie anbieten würde, würden sie dann bei uns bleiben?“
„Ich weiß es doch selbst nicht, Frau Marquardt. Sie wissen doch hoffentlich noch, was mir und meinem Sohn um Weihnachten im vorletzten Jahr herum passiert ist… Sie wissen hoffentlich, dass ich meinen Sohn nach diesem schrecklichen Tag gezwungenermaßen alleine großziehe. … Ich will einfach Leipzig aus familiären Gründen verlassen.“, meinte die Neurochirurgin und sah zum Fenster heraus, bevor sie aufstand und kurz durchatmete und erklärte: „Frau Marquardt, ich habe mir die Entscheidung sicherlich nicht leicht gemacht. Aber ich muss einfach weg. Ich habe Jenne verloren, ich bin mit meinem Sohn komplett alleine… Ich brauche einfach einen Neuanfang. Für mich und für meinen Sohn. Tim ist für mich der wichtigste Mensch in meinem Leben…", fuhr Lea die Verwaltungschefin der Sachsenklinik erbost an und setzte sich noch einmal auf den Stuhl vor Sarahs Schreibtisch.

„Ich kann doch sehr gut verstehen, dass sie ihren Lebensgefährten vermissen. Und dass es für sie nicht einfach ist, wenn sie mit ihrem Sohn alleine sind.“, meinte Sarah und fügte an: „Aber ich will eine so gute Ärztin, wie sie nicht verlieren. Sie sind eine der besten Ärztinnen bei uns an der Klinik und ich… Ich finde, wir sollten sie wirklich bei uns an der Klinik behalten.“
„Ich kann mir aber ehrlich gesagt nicht vorstellen, noch hier an der Klinik… und vor allem auch in Leipzig zu bleiben. … Ich muss einen Neuanfang für mich und meinen Sohn starten. Vielleicht wäre es wirklich besser, wenn… Wenn ich Leipzig verlasse…“

„Aber ich kann doch damit… Ich kann doch damit rechnen, dass sie wenigstens als Gastarzt zu uns an die Klinik kommen, wenn wir sie brauchen. … Frau Doktor Peters; ich hätte sehr gerne an unserer Sachsenklinik behalten. Aber wenn sie weg wollen, dann… Dann kann ich sie wahrscheinlich nicht mehr aufhalten. … Ich wünsche ihnen auf ihrem weiteren Lebensweg alles Gute und… und dass sie von den Erinnerungen an Herrn Derbeck endlich nicht mehr gequält werden. Ich weiß selbst, wie es ist, wenn… Wenn man einen geliebten Menschen verliert. Das ist nicht einfach…“
„Ich danke ihnen, Frau Marquardt. … Natürlich können sie mich jederzeit anrufen, wenn sie einen Arzt brauchen, der einen schwierigen Fall behandelt. Ich bin gerne für die Klinik da. … Aber ich… Ich werde mit Sicherheit nicht mehr als festangestellte Ärztin hierher zurückkehren.“, meinte Lea und atmete tief durch.

Endlich hatte sie ihren Willen durchgesetzt und festgesetzt, dass sie die Stadt verlassen würde.
‚Wann lief noch einmal ihr Vertrag aus?‘, überlegte Lea und sie nahm sich vor, genau das noch heute heraus bekommen zu wollen.

Plötzlich klingelte das Handy der Ärztin; der Kindergarten ihres Sohnes rief an.
„Sie entschuldigen mich, Frau Marquardt; der Kindergarten von Tim… Irgendwas ist mit meinem Sohn nicht in Ordnung, befürchte ich.“, verabschiedete sich Lea sofort und nahm den Anruf des Kindergartens ihres geliebten, kleinen Sohnes an.

„Peters. Was ist passiert? Ist irgendetwas mit meinem kleinen Sohn nicht in Ordnung? … Hat er… Hat er sich vielleicht übergeben müssen? Oder war Tim längere Zeit nach dem Sturz bewusstlos? Oder auch nur kurzzeitig nicht ansprechbar? … Wie geht es ihm jetzt? Ist er… Weiß er wenigstens, wo er ist? Ist der Kleine orientiert? …  Ja, ich komme natürlich sofort und hole den Kleinen ab, das ist doch völlig klar. Kümmern sie sich am besten jetzt erst einmal darum, dass er sich ausruht. Und achten sie bitte auch darauf, ob er sich vielleicht doch noch übergibt… Das kann auf eine Gehirnerschütterung hindeuten… Ich bin in spätestens einer halben Stunde bei ihnen in der Kita und hole Tim natürlich sofort ab. … Ja, beruhigen sie meinen kleinen Sohn jetzt bitte… bitte noch ein bisschen. Ich bin sofort bei ihnen…“, erklärte die Neurochirurgin und Sarah, die das Telefonat der Neurochirurgin mitbekommen hatte, sah die Ärztin erschrocken an, als sie fragte: „Ist etwas mit ihrem kleinen Sohn nicht in Ordnung?"
„Tim… mein kleiner Sohn ist bereits vor einer halben Stunde… bereits vor einer halben Stunde beim Spielen im… beim Spielen im Kindergarten von der Schaukel gestürzt. Und bis jetzt hat der… bis jetzt haben die Erzieherinnen keinen Notarzt geholt. Tim wäre ja nicht bewusstlos gewesen, er hätte nach dem Sturz weiter gespielt. … Aber jetzt… Aber jetzt lässt er sich plötzlich nicht mehr von den Erzieherinnen beruhigen. Ich muss ihn sofort aus dem Kindergarten abholen. … Vielleicht hat er eine schlimmere Verletzung; eventuell sogar eine Hirnblutung… Mein armer kleiner Schatz…", seufzte Lea und zog sich schon im Verlassen des Büros von Verwaltungschefin Sarah Marquardt ihren Kittel aus, um möglichst schnell ihren geliebten kleinen Tim aus dem Kindergarten abholen zu können.
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