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old habits die hard

von Blythe
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16
Gavin Reed OC (Own Charakter)
06.02.2020
24.09.2020
5
4.988
1
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3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
06.02.2020 1.144
 
// Detroit, 115 Michigan Drive - früher Morgen

Die junge Frau parkte ihren weißen Sportwagen in der kleinen, gedrungenen Auffahrt hinter einem alten Ford, der schon sichtbar in die Jahre gekommen war. Die kleine Wohnsiedlung lang knapp außerhalb von Detroit und war ihr noch aus ihrer Kindheit vertraut - sie war hier nur ein paar Straßen weiter aufgewachsen. Es war offenbar die Ironie des Lebens, dass sie nun wieder hierher zurück fand.

Ihre Mutter Rachel hatte sich nun den 4. Mann in bald 2 Jahren gesucht und sie hatte daher endgültig ihre Sachen gepackt und sich für einen Umzug zurück nach Detroit entschieden. New York war mit ihr eh nie warm geworden und so war nur ihre Mutter dort glücklich gewesen. Der Weg zurück war ihr dennoch schwer gefallen, denn das Haus in New York war durchaus schön und geräumig gewesen. Aber ihr Onkel lebte hier in Detroit und somit war die Entscheidung recht einfach gewesen, genauso wie ihr Jobwechsel hierher. Jemand wie sie war heute gefragter denn je, egal wie die Welt sich gerade auch veränderte.
Mit etwas Mühe zog sie ihre übergroße Reisetasche aus dem Kofferraum und ging zur Haustür des kleinen Wohnhauses. Im Inneren brannte kein Licht und sie ahnte bereits, dass ihr Onkel noch nicht wach sein würde – es war allerdings auch erst halb 8 Uhr am Morgen. Wenn sie telefonierten oder sich schrieben, war es meist nur spät in der Nacht. Seufzend klingelte sie und war erfreut zumindest das interessierte Bellen seines Hundes zu hören. Sumo würde sich wohl auch noch an sie erinnern. Nur Sekunden später wurde die Tür geöffnet und sie stand einem hochgewachsenen Androiden gegenüber - die blinkende LED, die starre Haltung und der kalkulierende Blick verrieten ihn sofort. Und Gott sei Dank war sie immer über alles informiert. Freundlich lächelnd hielt sie ihm die Hand entgegen. „Hallo Connor, ich bin Faible – Hank´s Nichte. Freut mich, dich kennen zu lernen.“
Braune Augen musterten sie einen Moment lang scharf und sie wusste, dass er ihr Gesicht mit seiner Datenbank abglich. Dann nickte er, drückte sachte ihre Hand und seine Mundwinkel hoben sich etwas. „Miss Black, es freut mich ebenfalls. Bitte, hier entlang. Hank schläft noch.“ Sie lächelte dankbar und nahm an, dass er ihre schwere Tasche mit nur einer Hand hochhob und ins Wohnzimmer trug. Sie folgte ihm und wurde bereits im Gang von einem riesigen sabbernden Fellberg erwartet. Auch Sumo hatte sie fürchterlich vermisst.

Hank schlurfte erst 1 Stunde später aus seinem Schlafzimmer – das fleckige Hemd und die kurzen Shorts waren ganz klar seine Kleidung für die Nacht gewesen. Connor zog die Augenbrauen zusammen und sie sah genau den gewissen Unmut in seinem Blick, besonders als Hank einfach an ihnen vorbei ging und sich ein Tetrapak Milch aus dem Kühlschrank holte. Faible grinste breit, während Connor die Lippen verzog. „Lt. Anderson, wir haben Besuch. Ihre Nichte ist hier.“
Hank wandte sich verwirrt um und schien erst jetzt zu realisieren, dass er nicht mit Connor allein im Haus war. Die junge Frau grinste ihn breit vom Küchentisch aus an. „Gestern wieder zu tief ins Glas geschaut, Hank?“
Mit einem erfreuten Brummen stellte er die Milch zur Seite, hob sie aus dem Stuhl und zog sie in eine feste, erdrückende Umarmung. „Ich habe völlig vergessen dass du heute kommst, Kleine. Schön dich zu sehen!“ Seine blauen Augen musterten sie aufmerksam, als er sie wieder absetzte und scharf zu ihr hinab sah. „Du bist groß geworden. Hübsch. Die roten Haare stehen dir.“ Faible verzog den Mund zu einer Grimasse. „Danke. Ich bin immer noch 26, falls du das wissen willst. Die Haarfarbe mag ich nicht besonders, aber ich habe gerade kein Geld sie zu ändern. Mum lässt dir Grüße ausrichten und ist natürlich von mir enttäuscht. Wie immer.“ Sie ratterte die Worte herunter und Hank lachte nur, während Connor sie fragend ansah. Hank winkte ab. „Natürlich ist Rachel das – du konntest ihr noch nie etwas Recht machen. Ich kann dir hier leider nur die Couch anbieten, Kleine, bis wir eine Wohnung für dich gefunden haben. Und die neue Haarfarbe geht auf mich, wenn du eine Veränderung willst. Bei Gott, du hast schon genug mitgemacht in deinem Leben.“

// DPD - gleicher Vormittag

Faible hatte schnell gelernt woran sie in ihrem neuen Job war und welche Regeln sie aufstellen musste, um nicht herumgeschubst zu werden. Das DPD in Detroit war voll, laut und beschäftigte eine Menge sehr eigener Persönlichkeiten. Cpt. Fowler hatte sie freundlich begrüßt und war mit ihr zusammen ihre neuen Aufgaben durchgegangen – er schien dankbar, dass sie sich wieder für das DPD entschieden hatte. Schon in ihrer Ausbildung war sie hier einer seiner Lieblinge gewesen.
Seine dunklen Augen musterten sie nun freundlich und sie lächelte schief, als sie abwartend vor dem großen Schreibtisch stand. Cpt. Fowler kannte sie schon seit sie ein kleines Mädchen war und hatte über die Jahre ihre Entwicklung verfolgt – mit 15 hatte sie eine künstlerische Schiene eingeschlagen, nur um mit 18 Jahren dann in eine ganz andere Richtung zu gehen. Zwei abgeschlossene Master in Forensik, ein langes Praktikum in der Gerichtsmedizin und bald 5 Jahre Berufserfahrung neben einem erfahrenen Detective, machten sie für diesen Job perfekt. Und auch Fowler schien das zu wissen. Erfahrene Tatortermittler suchte man heute oft.

„Es freut mich sehr, dass Sie Ihren Weg wieder zu uns zurück gefunden haben, Miss Black. So exotisch der Vorname, so gut sind auch Ihre Referenzen. Cpt. Demeter war äußerst betrübt, Sie gehen zu lassen und hat mir versichert, dass Sie erstklassige Arbeit leisten. Auch wenn Sie keine Ausbildung für Außeneinsätze haben, würde ich Sie doch gerne mit einem meiner Detectives rausschicken. Erinnern Sie sich an Dtc. Reed?“
Faible verdrehte die Augen. „Und wenn man denkt es kommt nicht schlimmer…. natürlich erinnere ich mich. Beisst er schon, oder bellt er immer noch?“ Fowler grinste sie breit an. „Ja, Sie erinnern sich. Ich stelle Sie gleich vor und keine Sorge: er hat einen Einlauf bekommen. Sein letzter Partner hat nach 5 Wochen das Handtuch geworfen, die letzten Jahre habe ich ihm niemanden mehr zugeteilt. Sie werden ihn bei fast allen Ermittlungen begleiten und unterstützen - er ist angewiesen worden Ihr Wissen zu erweitern und Sie weiter auszubilden. Sie werden ihn auch in andere Gebiete begleiten: Gerichtsmedizin, Forensik, Streifendienst, Gerichtsverhandlungen… ich hätte gerne, dass Sie von seinem Wissen profitieren. Er ist gut, auch wenn er oft zu ehrgeizig ist und über die Strenge schlägt.“ Er zögerte einen Moment und sie sah einen Funken Sorge in seinem Gesicht. „Ich räume Ihnen gewisse Freiheiten ein, Faible – weder kann er sich von Ihnen bedienen lassen, noch müssen Sie überzogenen Anweisungen folge leisten. Mir ist bewusst, dass er das eventuell ausnützen würde, da sie ihm nicht mit einem Rang übertrumpfen können. Daher beuge ich dem Ganzen vor und gebe Ihnen etwas mehr Kanonenfutter in die Hand – sie sind nicht sein Dienstmädchen. Aber bitte tun Sie nichts, was ich nicht auch tun würde.“, fügte er zwinkernd hinzu.
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