New York? Oder doch Silver Bay?

von Letschi
GeschichteAllgemein / P16
06.02.2020
14.02.2020
4
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Hallihallo liebe Leser und Leserinnen!

Vielen Dank an euch alle, dass ihr so "mutig" ward, und dieser Geschichte tatsächlich einen Moment eurer Aufmerksamkeit geschenkt habt...

Wie dem auch sei - viel Spaß bei diesem Kapitel!

Liebe Grüße
Letschi


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3.     Kapitel

Der Wecker klingelte um Punkt sechs, aber ich war schon früher wach gewesen. Gut gelaunt schaltete ich ihn ab und verschwand mit frischer Unterwäsche und meiner Schuluniform im Bad. Zwanzig Minuten später stand ich vor meinem großen Spiegel im Begehbarem Schrank und musterte kurz mein Aussehen. Hier in New York war es verdammt wichtig, wie du aussahst, mit wem du Kontakt hattest oder ganz einfach gesagt: Wie du dich der Öffentlichkeit präsentierst.

Und ich, als Tochter des reichen Investors Arthur Dalston, musste da besonders aufpassen. Es kratzte leicht an meiner Zimmertür. Mit einem Lächeln öffnete ich sie und wurde im selben Moment stürmisch von meiner Collie-Hündin Lady Sparkle-Shine umsprungen.

» Hallo Lady! «, grinste ich und wuschelte ihr einmal quer durchs Fell. Sie sah mich vorwurfsvoll an, was mir ein Lachen entlockte. Sie verschwand wieder nach draußen auf den Flur und ich folgte ihr.





Im Esszimmer tischte Madame Lefèvre gerade einen Teller Pancakes auf und stellte von ihrem Tablet noch eine Tanne Tee mit vier Tassen auf den Tisch.

» Guten Morgen, Miss Lacey! «, grüßte die Französin freundlich und verschwand dann in der Küche.

Sie war eigentlich eine geborene Amerikanerin, aber ihre Mutter kam aus Frankreich und sie hatte knapp zehn Jahre in deren Geburtsstadt gelebt, bevor sie mit sechsundzwanzig zurück nach New York kam und ein paar Wochen später bei uns zu arbeiten anfing.

Ich setzte mich auf die linke Seite des Tisches und wartete auf die restlichen Familienmitglieder. Meine Eltern kamen zusammen von der dritten Tür des Esszimmers, die ihn ihr drei-Zimmer-Büro führte. Anscheinend hatten sie schon gearbeitet.

» Morgen, Schatz! «, lächelte mein Vater und drückte mir einen Kuss auf die Stirn, bevor er sich auf die Kopfseite des Tisches setzte.

Meine Mutter nahm ihm gegenüber Platz, also am Tischende. Während Dad die Zeitung aufschlug – in solchen Dingen erinnerte er mich unglaublich stark an meinen Dad in Silver Bay -, begann Mom in ihrer Teetasse herumzurühren. Sie schüttete immer Milch, Zucker und Honig hinein, bevor sie den kleinen Silberlöffel ihrer Großmutter, den sie einmal geerbt hatte, viermal im Uhrzeigersinn drehte. Jedes Mal, wenn ich ihr dabei zu sah fragte ich mich, wie sie den Tee nur so trinken konnte. Vor allem da es ja ein Früchtetee war. Bei schwarzem hätte ich es vielleicht noch verstanden.

» Wo bleibt Henry denn schon wieder? «, fragte sie dann seufzend, als sie ihr morgendliches Ritual beendet hatte.

Henry war mein kleiner großer Bruder. Er war fünfzehn, damit ein Jahr jünger als ich, und dennoch größer als ich. Er überragte mich beinahe um einen ganzen Kopf.

» Madame Lefèvre, wären Sie so nett und sehen nach meinem Sohn? «, fragte Dad die Haushälterin, als diese wiederkam, um das Gebäck zu bringen.

Sie entschuldigte sich mit einem höflichen Lächeln und begann, meinen Bruder zu suchen. Ich griff nach dem Teller mit den Pancakes und nahm mir einen. Dann reichte ich den Teller an meinen Vater weiter, von dem ich diese "Pancakes-Besessenheit" definitiv geerbt hatte. Niemand von meinen vier Elternteile aß die. Nur Arthur Dalston, mein männlicher Elternteil in New York. Ich war gerade bei meinem dritten Stück angelangt, Dad hatte in dieser Zeit schon sechs geschafft, als Henry endlich hereinkam.

Ich musterte ihn kritisch. Er trug eine verwaschene Jeans, die so gar nicht wie die Hose der Schuluniform aussah. Dafür hatte er das weiße Hemd angezogen, den dunkelblauen Blazer und die hellblaue Krawatte. Wenigstens die Hälfte.

» Morgen. «, brummte er und ließ sich auf den Stuhl mir gegenüber fallen.

» Guten Morgen, Henry! «, antworteten meine Eltern im Chor und mir rann ein Schauer über den Rücken. Das war… gruselig.

Mein Bruder häufte sich gleich vier Stück der Pancakes auf seinen Teller, nahm sich dann noch einen Bagel und fing an, die Pancakes in diesen hinein zu stopfen. Angeekelt verzog ich mein Gesicht. Diese Familie hier hatte echt seltsame Angewohnheiten, was das Essen betraf.

» Henry, bitte! «, meinte Mom, die wohl meinem Blick gefolgt war. Er zuckte aber bloß mit den Schultern und aß seelenruhig weiter. Ich verdrehte meine Augen.

--^^--


Als Mr. Winterbottom, unser Chauffeur, uns bei der Eleanor Roosevelt High School ausstiegen ließ, war es bereits kurz vor Unterrichtsbeginn. Ich bedankte mich bei Mr. Winterbottom, verabschiedete mich anschließend und machte mich auf den Weg zu meinem Spind. Henry hatte ich bereits direkt nach dem Parken aus den Augen verloren. Er war aus dem Wagen gesprungen, da ist er noch nicht einmal gestanden.

» LACEY!!! «, kreischte da auch schon Jenna, meine beste Freundin von hier.

Äußerlich mag sie wohl komplett anders aussehen als Darcy mit ihren blonden Haaren und den grauen Augen, aber innerlich waren sie komplett gleich. Fast schon Zwillinge. Sie fiel mir um den Hals und drückte mich fest an sich.

» Wie war dein Wochenende? Oh mein Gott, wir haben uns ewig nicht mehr gesehen! «.

Sag ich doch. Genau wie Darcy.

» Es waren nur zwei Tagen Jenna. «, antwortete ich lachend. Falsch, fünf. Aber das sagte ich nicht laut. Kurz überlegte ich, was ich zu meinem Wochenende sagen konnte, entschied mich dann aber für dieselbe Antwort wie in Silver Bay: » Ganz okay. «.

Jenna sah mich empört an, ich wusste das sie eine andere Antwort erwartet hätte, aber ich konnte ihr nichts von meinem Wochenende erzählen. Zumindest nichts Spannendes. Ich bin eigentlich nur zum Essen aus meinem Zimmer hervorgekommen. Aus beiden.

» Ich war am Samstag bei Victoria's Secret shoppen, die haben gerade so tolle Angebote. «, erzählte sie und ich dachte für einen Moment, sie würde mir jetzt tatsächlich ihre Unterwäsche zeigen. Glücklicherweise tat sie das aber nicht und ich atmete erleichtert aus.

» Lacey, wir müssen unbedingt in der Woche noch dahin. «, meinte sie und wechselte dann so abrupt das Thema, das ich nur schwer nachkam.

» Kyle ist übrigens wieder Single. «, verriet sie mir mit einem geheimnisvollen Glitzern in den Augen.

» Diese Zicke war sowieso nichts für ihn. «, meinte ich und das ganze erinnerte mich stark an das Gespräch über die Trennung von Stella und Andrew.

» Ja, nicht wahr? Mit ihren fake-Haaren und dem zugekleisterten Gesicht war sie ja eine Zumutung. «.

In diesem Moment läutete es. Jenna sah mich entsetzt an, bevor wir beide gleichzeitig loshasteten, um noch rechtzeitig in die Klasse zu gelangen.
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