,,Aber du hast doch Mal gesagt..."

OneshotAllgemein / P12
05.02.2020
05.02.2020
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Aber du hast doch Mal gesagt

So, Abi in der Tasche. Und was jetzt?
10 Millionen Träume, verschwommen, irgendwie verblasst durch die Änderung der Zeit. Verloren durch die Realität, in die man, wahrhaftig und zu meinem Bedauern zurückgeworfen wird.
Eben noch die Schulbank gedrückt: ,,Das ist Abiturrelevant!”, höre ich noch jetzt meine Lehrerin sagen. Ein großes Ausrufezeichen neben dem Elend-langen Kasten auf Papier.
Und jetzt? Eine Änderung der Zeiten, doch nicht mehr vom Präteritum ins Präsens
-nein. Es ist die Änderung im echten Leben.
13 Jahre, schienen so lang und sind doch verflossen. Jetzt stehe ich hier. Ein Blatt Papier in der Hand. Denn das ist es doch eigentlich. Ein Blatt Papier. Je weiter ich den Blick senke, desto grausiger wirkt es, und ich wende angeekelt meinen Blick ab. Dieser Unterkurs in Mathe. So will mich doch eh niemand haben. ,,Mathe und Deutsch”, das ist worauf sie achten. Und mir wird ganz mulmig zumute. Da habe ich wohl verschissen. Tja. Was tun?
Eigentlich will ich ja schon studieren. Aber das ist es ja: studieren, nur um des Studierens willen? Ugh. Aber irgendwie will ich’s ja doch. Und dann kommts wieder. ,,Was willst du denn jetzt machen. Ich habe dir doch gesagt, man müsste sich schon vor dem Abi überlegen, was man nach dem Abi machen will.” Ja, aber ich war beschäftigt. MIT DEM ABI. Und Freunden. Freunde sind wichtig. Ich kann mich ja schlecht die zwei Jahre der Oberstufe in meinem Zimmer verkriechen und nur Schule machen..und mich um meine Zukunftspläne kümmern. Wer bin ich denn? Und mit Netflix war ich beschäftigt. Was? Die fiktiven Leben anderer Menschen beobachten, die viel interessanter sind als meine? Das kann ich. Ich habe mein Talent entdeckt. Netflix gucken. Gibt’s das als Studiengang? Nein. Schade. Meine Hoffnungen lösen sich in Luft auf.
,,Du hast doch Mal gesagt, du willst Lehramt studieren. Ich verstehe das nicht. Warum willst du das denn nicht mehr?”
,,Ist ja nicht so, dass das sechs Jahre her ist. Das will ich schon so lange nicht mehr, Mama. Ich werde das jetzt nicht zum  x-ten Male wiederholen”, denke ich mir schon wieder genervt.
Wenn ich ihr das sage, versteht sie es irgendwie nicht.
,,Warum sagst du denn immer was und machst es dann doch nicht? Du wolltest das doch IMMER.”
Mama, immer ist ein sehr ausdrucksstarkes Wort. Immer. Das ist wie oft? Halt immer. Im Mutterleib, als Neugeborenes, als Kleinkind, bei meiner Einschulung. Immer? Wohl kaum. Mutter, ich möchte dir nicht gerne widersprechen, aber…
Nun ja. Immer stimmt einfach nicht. Ich will es beispielsweise jetzt nicht.
Eigentlich wollte ich auch nochmal ins Ausland...danke dabei übrigens an meine reizenden Bekannten, die ich tatsächlich gern habe, aber die meiner Mutter in den Kopf gesetzt haben, ich solle doch erstmal was richtiges machen. Was mich voran bringt. Und das Ausland tut das nicht, oder was? Okay, vielleicht war ich schon im Ausland. Aber Freiwilligenarbeit in einem Land in Asien oder Afrika? Hallo? Wo liegt jetzt das Problem? Mir ist klar, dass ich mich dafür bewerben muss und alles. Aber warum wollt ihr hier gerade meine Träume zerstören?
Na gut, dann halt doch erstmal überlegen, was ich studieren will.
,,Du hast doch Mal gesagt, du willst Musik studieren. Warum denn das nicht mehr?”
,,Okay, ich kann vielleicht ganz okay Geige spielen, aber hast du Mal daran gedacht, dass man einen fetten Eignungstest machen muss? Mit Theorieteil? Ich meine, natürlich mit Theorieteil. Ich kann keine Musiktheorie...das ist mir halt...zu theoretisch. Keine Ahnung. Und Klavier habe ich gerade erst angefangen. Mit den ganzen Superpros, die nach Deutschland kommen, um Musik zu studieren, kann ich nicht mithalten.”
,,Dann musst du halt üben.”
,,Also ein Jahr oder so? Joa. Ne. In der Zeit kann ich ja nicht Mal studieren.”
Ich weiß, das ist auch kein Argument. Aber manchmal weiß ich einfach, ich möchte etwas nicht, ohne Grund und muss dann halt für die Eltern die dämlichsten Argumente aus dem Hut zaubern. ,,Das ist doch kein Grund.” Touché Mama, Touché.

,,Du hast doch Mal gesagt…”
,,Okay, reicht dann jetzt auch.”
,,Aber…”
,,Ich möchte nicht, dass ich auf das, was dämliches 13-Jähriges ich Mal gesagt hat, festgenagelt werden.”
,,Ja, aber Alternativen hast du ja auch nicht.”
,,Das stimmt wohl.”
Tolle Konversation.
Ich habe viele Studiengänge im Kopf, die leider nicht existieren:
Prokrastination.
Schnell sprechen.
Laut sprechen.
Geld ausgeben.
Überanalysieren.
Planlos zum Ziel.
Aber diese Studiengänge gibt es nicht. Ich muss wohl erst das Studiensystem ändern. Oder mir fällt noch irgendwas ein. Bis dahin bleib ich wohl planlos.
Irgendeine Möglichkeit wird mir das Universum wohl irgendwann bieten.
Hoffentlich.




Lasst mir gerne eure Meinung da. Anregungen, vielleicht Ratschläge von denen, die das alles schon hinter sich haben oder wenn ihr allgemein ähnliche Sachen auf dem Herzen habt. Immer her damit. Schießt los.
Allgemein, danke ich euch fürs Lesen.
Dazu muss ich einmal sagen: Ich habe mein Abitur leider noch nicht. Ich bin momentan in der Oberstufe und hoffe einfach, dass es klappen wird und ich tatsächlich einmal diese Blatt Papier, um das so ein Wind gemacht wird, mit meinem Namen in der Hand halten werde. Dennoch: diese Gespräche führe ich jetzt schon. Also will ich gar nicht erst wissen, wie das erst aussieht, wenn ich das Teil wirklich in der Hand halte und immer noch keine Ahnung, also wirklich nicht den reinsten Schimmer von nichts habe. Wir werden sehen.

Bis dahin
silberrubin