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Just us

von justsweet
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Bob Andrews Jeffrey Palmer Jelena Charkova Justus Jonas Kelly Madigan Peter Shaw
05.02.2020
04.04.2021
25
104.207
20
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Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
05.02.2020 5.222
 
Hi!

Ich melde mich zurück und hier mit etwas anderem. Ich habe mal weitergeschrieben, was im Adventskalender* verpackt begonnen hat. Ein eher unübliches Pairing, aber vielleicht mögt Ihr es. Viel Spaß!

Liebe Grüße
Justsweet


*
https://www.fanfiktion.de/s/d/5de840980009064628241631/Drei-Adventskalender-Tuer-5-nbsp-nbsp-nbsp-nbsp-Just-us

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Justus saß auf seinem Bett und starrte auf die Tür. Sein Atem ging ruhig, so lange saß er schon so da. Seine Hände drehten seit einer Weile den kleinen Zipfel seines Bettlakens ein und rollten ihn wieder auf, immer wieder, aber er sah nicht hin. Seine Augen brannten und er musste bewusst zwinkern, doch es hörte nicht auf.
Er saß auf seinem Bett und starrte auf die Tür. Zu mehr war er nicht fähig.


Wenige Stunden zuvor...

Im Haus regte sich nichts. Er hatte eindeutig den leichteren Schlaf. Wenn man es überhaupt so nennen konnte, was er da gemacht hatte, im Bett liegend und mit offenen Augen, die unermüdlich an die Decke seines Zimmers gestarrt hatten, bis sie ihm dann irgendwann und damit gefühlt wohl gerade eben erst zugefallen waren. Wie er jetzt gähnend die Treppen hinuntertappte, hätte er doch gern mehr davon gehabt.
Bis er die Haustür öffnete und auf einen Schlag hellwach war.

"Peter! Was machst du denn hier?"

Die Hände in die Taschen seiner Hose geschoben, das etwas zu enge T-Shirt sich dabei straff über seine Brust spannend, leicht breitbeinig und den Blick auf seine Schuhe gerichtet stand er da, direkt vor seiner Haustür, weit nach Mitternacht. Mehr als bei der Dunkelheit nötig blinzelte Peter zu Justus auf.

"Hey... sorry, dasich so spät noch bei dir anklopfe. Kanich... reinkommen?"

'Du hast geklingelt,' dachte Justus, während er zurückblinzelte und dabei merkte, dass ihm der Mund offenstand. Eilig schloss er ihn und ging in seinem Kopf sofort die Möglichkeiten einer logischen Erklärung für diesen nächtlichen Besuch durch. Sicher brauchte Peter seine Hilfe! Seinen Rat. Wegen Kelly. Irgendwas. Noch in dieser Gedankenblase gefangen, vernahm er den süßlich-scharfen Geruch, der seinen Freund umgab.

"Du bist betrunken!"

Peter wankte über die Sohlen seiner Sneaker auf ihn zu und stützte sich fahrig am Türrahmen ab.
"Tolle Begrüßung, Just! Ja, ich binnein bisschen betrunken, na, und?"

Das Gesicht, auf das sich nach dieser kurzen Empörung sofort wieder ein unschuldiges Lächeln schlich, war jetzt direkt vor seinem. Klar, Alkohol verschob Distanzen. Und diese hier ließ Justus noch mehr blinzeln. Nervös fuhr er sich über die Lippen.

Es ging ihm zu schnell.
So lange hatte er in seinem Bett wachgelegen und nachgedacht, über den Abend, über sich und... so schnell konnte es gehen, dass er mehr wusste. Mehr als die Tatsache, dass ihm die Zeit von damals unheimlich fehlte. Ihre gemeinsame Arbeit. Bob. Peter. Das war ihm schon lange klar, genauso wie er sich sicher war, dass von ihnen dreien ihm diese gelegentlichen Treffen wohl am meisten bedeuteten. Jeder einzelne Abend, auf den er sich freute wie ein kleiner Junge auf Weihnachten, den er genoss, wenn er da war und über den er anschließend noch lange nachdachte. Nach jedem einzelnen ein bisschen länger.
Aber dass Peter jetzt hier war, mitten in der Nacht, noch dazu in diesem Zustand, schaffte mehr. Mit einem Schlag und doch auf schmerzliche Weise sagte ihm seine eigene innere Aufregung, wie sehr er ihn in seinem jetzigen Leben vermisste.
Jeden Tag.
Aber es musste etwas passiert sein. Irgendwas, weswegen Peter nach ihrem gestrigen Treffen noch einmal zu ihm gekommen war, zu seinem Freund Justus Jonas, von dem er sicher etwas anderes erwartete als einen wie überfahren dastehenden Typen im Pyjama, dessen hochgelobte Denkzentrale sich den Augen folgend mit dem V-förmigen Stoffausschnitt von Peters weißem T-Shirts beschäftigte. Nur weil ihm gerade aufgefallen war, in welch dunkelbraun schimmerndem Kontrast das freie Stück Haut von diesem eingerahmt wurde.
Jedenfalls schien Peter das zu irritieren und er sah schon mit zurückgezogenem Kinn und einem prüfenden Blick an sich hinab.
"Wassis? Hab ich'n Fleck?"

"Nein, entschuldige," murmelte Justus und rief sich kopfschüttelnd zur Besinnung. Er stand wohl noch weiter neben sich als gedacht.
Peter erwartete etwas von ihm! So etwas wie Fragen, Tadel und Besorgnis und in dieser Konsequenz tat es ihm sogar gut, sich irgendwie daran entlangzuhangeln.
Er legte den Kopf schief und sah Peter in die glasig glänzenden Augen.

"Wieviel hast du getrunken, Peter?"

"Drei... Bier. Vier? Keine Ahnung, Officer. Kann ich reinkommen?"

Bevor Justus antwortete, ging sein Blick zum großen Tor hinüber. Es war verschlossen. Kein MG davor.

"Bist du mit dem Taxi gekommen?"

"Ja, verflucht, ich binnich mehr gefahren, das hab ich dir doch versprochen! Und wassich verspreche, das haldich auch."

Endlich huschte ein Lächeln über Justus' Gesicht, rein aus der Erleichterung, dass Peter noch im Ganzen vor ihm stand.
"Komm rein," sagte er und trat von der Tür zurück. Peter wankte ins Haus und Justus folgte ihm in Richtung Küche. Bis Peter plötzlich herumschwenkte und ihn mit kleinen gerunzelten Falten über seiner Nase eingehend ansah.
"Warum bist du immer so...?"

"Wie... bin ich?"

"Na, so... wieso fragsu mich das alles?"

Justus wich seinem Blick aus.
"Einer muss ja auf dich aufpassen!"

"Auf mich?" fragte Peter und grinste ihm direkt in die Augen. Für den Moment wirkte er erschreckend klar. Er bohrte Justus den Finger in die Brust.
"Ich dachte eher auf dich? Ehrlich, Just, das... war nicht okay!"

Justus wollte fragen, was genau er damit meinte. Wirklich.
Stattdessen schob er ihn weiter in die Küche und drückte ihn auf den vordersten Stuhl an dem viereckigen Holztisch. Auf dem stand ein liebevoll gesteckter Adventskranz, der sofort Peters Aufmerksamkeit auf sich zog. Justus wandte sich ab und schaltete bewusst nur das Licht der Anrichte an, denn das ging nicht mehr richtig. Seit Wochen schon wollte er die Lampenreihe reparieren, seine Tante hatte ihn mehrfach schon darum gebeten, aber man musste zuvor allen Inhalt aus dem Hängeschrank ausräumen, um an die Kabel heranzukommen. Das hatte er immer noch nicht gemacht und jetzt war er den drei ausgefallenen Lämpchen zutiefst dankbar.
Er sah wieder hinüber zu Peter, der gedankenverloren mit den Fingern an den goldglitzernden Schleifchen zwischen den duftenden Tannenzweigen und den weißen Stumpenkerzen herumspielte. Von denen erst eine gebrannt hatte und deren Wachs im dämmerigen Licht von einem sanften Schimmer durchzogen glitzerte.

"Schön...," seufzte Peter und Justus registrierte, wie er voller Hingabe die vorweihnachtlichen Gerüche der Jonas'schen Küche einsog.

"Warum bist du hier?" fragte er und merkte gleich, dass seine Stimme nicht ihre gewohnte Festigkeit hatte. Man sollte einfach keine Fragen stellen, wenn man Angst davor hatte, den Antworten nicht gewachsen zu sein.
Peter drehte sich zu ihm um und Justus schluckte. Nun würde eine kommen.

"Ich wollte mit dir reden."

Justus überlegte. Und stellte erstmal eine andere.

"Um diese Zeit?!"

Es war ihm klar, dass dem eine besondere Bedeutung zugrunde liegen musste. Und trotzdem fragte er. In der Hoffnung, Fragen zu stellen würde ihm seine Souveränität wiedergeben. Die ihm verloren gegangen war, irgendwo auf dem Weg von der Haustür in die Küche seines eigenen Zuhauses.
Peters Blick und das wohlwissende Nicken, mit dem er ihn bedachte, machten es nicht besser. Nein, denn es war ihm so, als würde Peter genau wissen, was in ihm vorging.

"Möchtest du was trinken?"

Justus machte sich schon daran, aus dem Hängeschrank mit den kaputten Lämpchen ein Glas zu fischen. Wieder ließ Peter die Frage im Raum schweben und auch, wenn es diesmal weniger schlimm war, merkte Justus beim Aufschrauben einer der Flaschen Wasser von der Anrichte, wie feucht seine Hände waren. Mit Bedacht schüttete er seinem Freund ein und stellte ihm das Glas hin, aber er setzte sich nicht.
Die kalten Küchenfliesen unter seinen nackten Füßen gaben ihm gerade das bessere Gefühl.

"Worüber wolltest du mit mir reden?"

Peter nahm das Glas und hielt kurz inne, bevor es seine Lippen berührte.
"Über dich und Jeffrey," sagte er ohne Umschweife und trank gut die Hälfte des Wassers mit einem einzigen Schluck aus.

Die Antwort ließ Justus ebenso schlucken.
"Da gibt es nichts zu reden, Peter."

Seine Zehen hatten zwischen zwei Fliesen eine Fuge entdeckt. Er rutschte mit dem ganzen Fuß das kleine Stück vor, dass alle nebeneinander in die kleine Ritze passten.

"Und wenn ich's trotzdem wissen will?"

"Wozu denn?"

Peter zuckte mit den Schultern.
"Weiß nich. Vielleicht geht's mir dann besser?"

Justus musterte ihn kurz, dann fiel sein Blick hinunter auf seine kalten Füße und er murmelte leise: "Ich denke nicht, dass dir ein Gespräch über mein minderbemitteltes Gefühlsleben helfen wird, dich besser zu fühlen."

Peter legte den Kopf schief, richtete ihn aber mit zusammengekniffenen Augen eiligst wieder gerade. Justus registrierte das. Anscheinend war ihm schwindelig.

"Trink lieber noch von dem Wasser, dann wirst du dich sicher besser fühlen!" sagte er und wies mit einem Kopfnicken auf das Glas in Peters Hand.
Dessen Stirn zog sich in Falten.
"Machs du dich lustig über mich?"

"Natürlich nicht!" versicherte Justus und versuchte sich an einem ehrlichen Lächeln.
"Ich mache mir nur ein bisschen Sorgen um dich."

Peter schloss die Augen und schüttelte den Kopf. Langsam, aber so, dass ihm die vordersten seiner gewellten Strähnen anschließend im Gesicht hängenblieben. Und Justus von irgendwoher das Wort 'verwegen' durch den Kopf jagte.

"Brauchst du nicht. Mir geht's schon gut. Ich bin ja jetzt hier. Das war mir wichtig, weißt du? Denn wir beide...," Peter wedelte mit seiner Hand zwischen ihm und Justus hin und her, "...müssen da was klären."

Seine Reaktion darauf war vollkommen unprofessionell, das merkte Justus zu spät. Er konnte nicht genau einschätzen, was Peter in seinem angetrunkenen Zustand noch wirklich alles registrierte, aber aufgerissenene Augen würde er ganz bestimmt noch richtig einzuordnen wissen. Er würde sofort das Ausmaß begreifen, wie sehr er sich von dieser Situation überfordert fühlte. Aber so war es. Peter hatte soeben eine Lawine in ihm losgetreten und er selbst konnte nichts anderes tun als dazustehen und dabei zuzusehen, wie sie an Wucht zunahm. Das Gefühl, das ihn dabei packte, fast wie Panik, überrollte ihn und er konnte nicht einmal denjenigen um Hilfe rufen, der direkt vor ihm stand.

"Peter..."

Eben der hob jetzt seine Hand und schaffte es, ihn zu unterbrechen. Von seinen Fingern verweilte als einziger der ausgestreckte Zeigefinger mahnend in der Luft.
"Damit eins klar ist, Just..."
Justus zuckte zusammen, so laut hatte Peter gesprochen. Hastig drehte er sich zum Flur hin um.
"...ich werde erst gehen, wenn du mir erzählt hast, was zwischen dir und..."

"Okay, okay, schon gut!"
Mit einem Satz war Justus auf ihn zugesprungen und packte ihn am Arm. "Lass uns nach oben gehen."

"Gute Idee," grinste Peter und erhob sich noch leicht wankend, "da isses sowieso viel gemütlicher."

Justus nickte und zog seinen Freund hinaus aus der Küche zur Treppe hin, durch den dunklen Flur, den er blind kannte. Peter nicht und so war es fast unvermeidlich, dass er prompt gegen die hölzerne Schnecke am unteren Ende des Treppengeländers rumpste und ein gefluchtes "Au, verdammt!" hervorbrachte. In Justus' Ohren klang das mehr nach einer Beschwerde als einem Schmerzlaut und er fragte sich, ob sein Freund überhaupt gerade zu so etwas wie Schmerz zu empfinden in der Lage war. Während er selbst fast verschluckt wurde von einer befremdlichen Welle emotionaler Regungen.
"Ja, entschuldige, aber sei bitte leise!" Nach kurzem Zögern nahm er Peters Arm und legte sich den um den Nacken. "Sonst weckst du noch Tante Mathilda!"

Peter sah das weniger dramatisch.
"Dann sag ich ihr hallo," verkündete er mit einem völlig schuldbefreiten Lächeln.

"Ja, klar..."
Justus seufzte erneut. Schließlich schlang er seinen anderen Arm von hinten um Peters Hüften, um ihn zu stützen. Und nicht, um sich dabei Gedanken hinzugeben, die ihn auf eine ganz bizarre Weise faszinierten! So etwas wie die schlichte Tatsache, dass das die harten, kräftigen Wölbungen, die er mit seiner Hand unter dem dünnen Stoff fühlen konnte, eben gerade nicht schafften.
Wie auch immer, so fest gehalten zu werden hatte unweigerlich zur Folge, dass Peter seine Körperspannung nun beinahe völlig an Justus übergab.

"Wieso'nich? Sie kennt mich doch schon ewig! Ich würd' mich freuen, wennich sie mal wieder sehe..."

"Psst!" Justus stöhnte. "Ja, vielleicht aber lieber am Tage und nicht..."

"...im Nachthemd?"

Peter begann zu kichern und stolperte die nächste Stufe, krallte reflexartig in Justus' Pyjama-Shirt und zog es im Versuch, sich daran festzuhalten, bis knapp über den Bund seiner Boxershorts. Justus brach der Schweiß aus. Hektisch blinzelte er die Treppe hinauf. Das, was Peter zuviel an Ruhe hatte, fehlte ihm gerade völlig.
Fast fühlte er sich wieder wie ein kleiner Junge, der mitten in der Nacht sein großes Geheimnis an der Schlafzimmertür seiner Zieheltern vorbeischmuggeln musste. Nur war er kein kleiner Junge mehr.
Das Holz der alten Treppe knarrte und ächzte unter ihrem Gewicht und Justus starrte unentwegt auf die Türklinke des Schlafzimmers. Nichts fürchtete er gerade mehr, als dass sie im nächsten Augenblick heruntergehen und seine Tante im Türrahmen stehen würde. Er wusste nicht warum, aber was er sicher wusste war, dass das das Letzte war, das er jetzt wollte.
Sicher würde sie auch alles vollkommen falsch verstehen! Und während Peter in seinem Arm und mit der Hand an seiner Hose ihr dann irgendwelche fragwürdigen Komplimente für ihre Schlafbekleidung zulallen würde, müsste er erst einmal eine Erklärung abliefern. Dass Peter bei ihrem Treffen etwas über die Stränge geschlagen wäre und er ihn mit zu sich genommen hätte, rein aus Sicherheitsgründen, und falls sie irgendeine eventuell mögliche Verfärbung in seinem Gesicht sehen und danach fragen sollte, würde er antworten, weil es ihnen nicht gelungen war, sie nicht zu wecken.
Was ganz plausibel klang, wie er fand und es damit schaffte, sich wieder ein Stück weit zu entspannen.
Bis ihm einfiel, dass er im Gegensatz zu seinem Freund hier schon im Pyjama stand. Und Peter im selben Moment ein erneutes Glucksen entfuhr. Anscheinend hatte er ähnliche Vorstellungen im Kopf und versuchte, seine amüsierten Laute zu ersticken, indem er sein Gesicht an Justus' Hals vergrub. Und ihn damit auf der Mitte der Treppe dazu brachte, für den Bruchteil einer Sekunde die Augen zu schließen. Unter dem leisen Prusten, das gegen seine Haut bließ und in einem rauschenden Kribbeln an ihm hinabperlte. Ein Kitzeln, das überhaupt nicht zu seiner Angst passen wollte und ihn durchfuhr bis hinunter in die Knie, die schlagartig weich geworden waren. Für den Moment glaubte Justus sogar, sie würden ihn und Peter die Treppe nicht mehr heil hinaufbringen.

"Shht!" zischte Peter mahnend in sein Ohr und kicherte wieder.
Als ob er ihm das sagen müsste...

Nach weiteren schleppenden Schritten hatten sie es die Treppe hinauf geschafft und erreichten schließlich unentdeckt und in leicht gewanktem Gang sein Zimmer. Ziemlich außer Atem, aber mit einem erleichterten Seufzen lud Justus Peter auf seinem Bett ab, knipste sein Nachttischlicht an und schloss die Tür hinter sich. Als er sich wieder umdrehte, blieb er erst einmal im Zimmer stehen.
Vorsichtig schlich sich sein Blick über den Boden heran an sein Bett.
Peter hatte schon oft darauf gesessen. Aber da war er meist zum Lernen hier gewesen und es war fein säuberlich gemacht, sogar mit der Tagesdecke darüber. Nun füllte Peter mit seinem vom Alkohol ziemlich dahingerafften und doch so makellosen Körper die gesamte Fläche seines bestimmt noch warmen Bettes aus und Justus erwischte sich in einem merkwürdigen Anflug von Scham bei der Überlegung, wann seine Tante ihm das letzte Mal die Laken gewechselt hatte.
Auf merkwürdige Weise gebannt beobachtete er, wie Peter mit dem Gesicht inmitten seiner Kissen und Decken umherwühlte, in dem Bemühen, sich aus der Bauchlage in eine gesprächstauglichere Position zu bringen. Und doch war es mit dem befremdlichen Gefühl, noch nackter als nur in seinem kurzen Pyjama vor ihm zu stehen.

"Hey, wo bist'n du?"

Peters Stimme relativierte das Ganze ein bisschen. Indem das Paradebeispiel athletischer Männlichkeit auf seinem Bett ihm mit schlaftrunkenen Augen versichern wollte, dass er sich ganz wohl fühlte, da wo er war. Auffordernd blitzten ihn diese Augen an und strahlten dabei seine typische, beneidenswerte Lässigkeit aus, die Justus erneut ein ferngesteuertes Lächeln entlockte. Peter war betrunken noch lässiger.
Vielleicht sogar lässig genug für sie beide.

"Ich bin hier," antwortete Justus.

"Und warum?"

"Warum ich hier bin? Das... ist mein Zimmer!?"

"Warum du da rumstehst wie'n Findling!"

"Ein Findling??"
Justus konnte sich gerade noch beherrschen, es bei einem verwirrten Blinzeln zu belassen. "Nun, äh, bis eben habe ich geschlafen, jedenfalls glaube ich das, und jetzt... bist du in meinem Zimmer, genauer gesagt liegst du quer auf meinem Bett!"
Er wusste selber nicht, warum er die letzten Worte so betonen musste, doch Peter rollte sich jetzt auf die Seite und versuchte ihn mit seinem merklich amüsierten Blick zu fokussieren.

"Na, und? Mann, Just, entspann dich einfach mal und setz dich her zu mir." Auf seinen Ellenbogen gestützt klopfte er auf das Bett.
Doch Justus konnte nicht.

"Warum bist du hier, Peter?"

Er musste die Frage noch einmal stellen. Als könnte die Antwort darauf das alles entscheidende Codewort sein, das er nur richtig genannt bekommen müsste und dann wäre alles gut. Dann würde ihm nichts passieren, auf was auch immer er sich einlassen würde. Denn dieses drängende Flattern in seiner Brust sagte ihm, dass er bereits dabei war, genau das zu tun.
Peter antwortete nicht, sondern klopfte noch einmal auf den Platz neben sich. Und sah ihn dabei eindringlich an.
Vielleicht war es der Blick in dieses leicht verschleierte und doch so stechende Grün, dem Justus schließlich folgte. Seine eigene Sehnsucht nach etwas Unbekümmertheit.

Letztlich war es Peter.

"Was willst du von mir hören?" fragte Justus leise, nachdem er sich neben ihn auf das Bett gesetzt hatte, den Blick auf seine Hände gerichtet. Beim erneuten Warten auf eine Antwort hatten die sich den Zipfel seines Bettlakens gegriffen und fingerten daran herum.

"Ich weiß's auch nicht," gab Peter dann doch noch, aber etwas nuschelnd von sich und zog dabei das Stück Stoff aus Justus' Hand. Dann ließ er sich mit dem Kopf an dessen rechte Seite sinken.
Justus schob seine Finger ineinander und hielt sie so. Nach außen hin die Beherrschung wahrend, konnte er doch nichts dagegen tun, dass sein Herz raste und er mit jedem Einatmen etwas mehr von dem aufsog, was mit ihm geschah. Von Peter dicht neben ihm. Er roch den verflogenen Rest des Sport-Deos, das er immer benutzte und darunter eindeutig ihn, wie er ihn kannte. Peter roch irgendwie immer nach Meer, Wellen und nach Sand. Und nun auch nach Alkohol. Unter dessen Einfluss wurden die Menschen bekanntlich ehrlicher.

"Rede einfach! Das kannst du doch so schön."

Justus schloss die Augen.
Er spürte den Stich, dabei konnte er es seinem Freund nicht einmal verübeln. Eigentlich niemandem, der so über ihn dachte, nicht einmal sich selbst. Das war eben der Justus, den alle kannten. Warum sollte der auch zu etwas anderem zu gebrauchen sein als zu reden. Warum sollte er bloß jemals etwas anderes wollen als reden?
Aber er seufzte nur und begann.

"Bob macht einen sehr glücklichen Eindruck auf mich. Er scheint wirklich seinen Weg gefunden zu haben mit Jelena. Das freut mich."

"Ja, mich auch," erwiderte Peter und schien eine Weile nachzudenken. Als Justus schon dachte, er wäre vielleicht eingeschlafen, hörte er ihn plötzlich fragen: "Weißt du was?"

"Hm?"

Peters Aussprache hatte wieder erstaunlich an Klarheit gewonnen, als er meinte: "Ich hab 'ne ganze Zeit geglaubt, dass ihr beide mal zusammenkommt."

"Bitte?!"

Dieser Gedanke kam von so weit her, dass er Justus in seiner ohnehin angespannten Haltung einen Ruck zur Seite machen ließ. Peters Kopf rutschte unweigerlich von dessen Arm ab und landete auf dem Laken, doch seinen vorwurfsvollen Blick ignorierte Justus: "Jelena und ich?! Niemals!"

"Naja, es heißt doch immer, was sich neckt, das liebt sich..."

"Das...," Justus' Mund blieb offen stehen, er fand die richtigen Worte nicht und Peter zuckte betont unschuldig mit den Schultern.
"Du liebst Sprichwörter," erinnerte er ihn und ein merkwürdiges Funkeln durchzog seinen Blick, als er fragte: "Meinst du, das stimmt nicht?"

Justus sah eilig wieder auf seine Hände, bevor er erwiderte: "Ich glaube, es darf für jedes gute Sprichwort eine berechtigte Ausnahme geben."

"So so...," murmelte Peter und Justus bemerkte sehr wohl jenes Schmunzeln, während sich sein Freund nebenher bemühte, seine Position von eben wieder einzunehmen.
"Bob hat also sein Glück gefunden und was ist mit uns?"

"Was??"

Justus konnte spüren, wie Peter an seinem Arm ein amüsiertes Glucksen unterdrückte. Aber er wusste gerade wirklich nicht, wie er das meinte.

"Ja, wo ist denn unser Glück? Ich will auch meins, aber ich weiß nicht, wo es ist..."
In einer fahrigen Bewegung ließ er seinen Arm über seinem Gesicht kreisen. Und ihn anschließend zurück aufs Bett fallen, die Augen immer noch dorthin gerichtet, wo er gerade noch durch die Luft geschwebt war.
"Wow, das klang philosophisch, oder?"

"Oh, ja."

"Bist du jetzt beeindruckt von mir?"

"Bin ich."

"Sag auch sowas."

"Was?"

"Was Philosophisches!"

"Auf Kommando funktioniert das nicht."

"Kannst du sonst doch auch."

Justus schluckte und Peter räkelte sich in wachsender Unruhe an Justus' Arm. Eine Weile sagte keiner von ihnen etwas. Justus sah verstohlen hinunter auf die sanft gewellten Haare an seiner Seite, unter denen auch Peter gerade seinen eigenen Gedanken nachzuhängen schien und wünschte sich, sie lesen zu können.
Bis Peter plötzlich offenbarte, wo sie gelandet waren.

"Willst du mal Kinder haben, Just?"

Nachdem Justus einen Moment gebraucht hatte, um die Frage zu schlucken, antwortete er leise: "Ich glaube schon."

"Glaubst du es oder weißt du es?"

"Ich glaube es. Um es zu wissen, fehlt es mir gerade an einigem."

"Oh, das hilft auch nicht! Ich weiß, dass Kelly will, aber von mir weiß ich gerade gar nichts. Und das will ich nicht... nicht zu wissen, was ich will." Er machte eine kurze Pause und blinzelte zu Justus hoch. "Verstehst du das?"

Justus nickte und Peter lächelte.

"Und? Hast du dafür was Philosophisches auf Lager?"

Justus atmete tief ein.
"Ich glaube, dass es in der Natur des Menschen liegt, die Kontrolle bewahren zu wollen. Das kann es schwer machen zu erkennen, was man will."

Peter sah ihn noch immer an und entlockte ihm ein kleines, aber einvernehmliches Lächeln, bei dem Justus sich sparen wollte darüber nachzudenken, wofür genau er es verdient hatte.
Und noch viel weniger war er dazu in der Lage, als Peter sich wieder an ihn schmiegte und ihm in einer wohlig zufrieden wirkenden Geste mit der Hand über den Bauch strich.

"Soll ich dir sagen, warum ich gekommen bin?"

Er hatte ihn ja gefragt. Also musste er jetzt nicken.

"Das mit dir und Jeffrey... ich weiß nicht, irgendwie ist das 'ne harte Nuss für mich."

Justus atmete weiter. Ganz bewusst, denn von einer Sekunde auf die nächste war es anders geworden. Peter anzusehen, wie er an seinen Arm gelehnt lag und wieder zu ihm aufblinzelte. Und sagte: "Ist ehrlich so!"

Dabei wurde er sich noch einmal umso bewusster, wie nah das war. Seine Haare, die wildesten von ihnen waren fast in seinem Gesicht.

"Ich kann's nicht erklären, ich... hab einfach das Gefühl gehabt, ich hab dich... verloren...?"

Justus spürte Peters Worte wie warme Hände, die sich um sein zitterndes Herz legten. Vorsichtig und ohne Zwang und doch so, dass er einfach nicht wusste, wie er damit umgehen sollte. Ob er sich darüber so freuen durfte, wie er es gerade tat. Ob das gut war.
Viel zu lange überlegte er, ob er einfach seinen Arm um Peter legen durfte und als er es gerade wagen wollte, erhob dieser sich und er erschrak.
Aber es schien nur seine doch etwas abgeknickte Position zu sein, mit der Peter nicht zufrieden war, denn er zog sich in einer leicht unbeholfenen Bewegung eines der Kissen heran und machte es sich damit nun auf Justus' rechtem Bein gemütlich.
Und Justus ließ ihn. Sah auf ihn hinab und betrachtete ihn.
Der Augenblick brachte ihn um alles, was er als Verstand bezeichnet hätte und doch war der so im Frieden mit sich selbst und voller Vertrauen, als wäre das selbstverständlich. Als wäre diese Berührung selbstverständlich.
Aber das war nur der Alkohol, das wusste Justus. Und sicher, ganz sicher dachte Peter gerade, dass das Bein, auf dem er anfing sachte Kreise zu malen, Kellys Bein war. Es war seins, doch er sagte ihm das nicht. Er ließ es liegen, auf der Kante seines Bettes, mit der sich erhebenden Gänsehaut darunter und beobachtete gebannt die sonnenverwöhnten schlanken Finger, die über den Stoff seiner Shorts strichen.
Peter war betrunken. Und morgen würde er sich an nichts erinnern.

"Hast du nicht," sagte Justus flüsternd und hob jetzt seine Hand, berührte mit ihr ganz zaghaft die wellig verwuselten Haare. Und genoss, wie weich sie sich anfühlten. Noch nie hatte er Peter durch die Haare gestrichen und jetzt tat er das und ließ die wohlige Wärme zu, die ihn dabei erfüllte. Es war nichts dabei. Es durfte nichts dabei sein, eine so innige Berührung zu genießen. Auch wenn es der beste Freund war.
Und er endlich dabei war, etwas zu begreifen.

"Das ist schön bei dir, Justus."

Justus zuckte zusammen. Und zog seine Hand sofort zurück.
Doch dem folgte ein sanftmütiger Protest: "Mach weiter, das ist okay... bitte."

Justus hätte darauf bestehen müssen aufzustehen.
Wegzugehen. Aber irgendetwas in ihm hörte auf die Worte. Gehorchte ihnen. Wollte weiter die weichen Wellen berühren. Mit ihnen spielen und dabei wie zufällig am Rand des Ohres entlangfahren, das unter ihnen zum Vorschein kam.

"Ich hab es nicht gewusst...," flüsterte Peter und seine Worte klangen beinahe wie eine Entschuldigung. Sie gingen ihm unter die Haut, direkt in seine Venen und ehe er darüber nachgedacht hatte, flüsterte Justus zurück: "Ich auch nicht."

"Du hast nichts gesagt."

"Nein..."

Die kleinen Kreise auf seiner Haut fingen an zu brennen. Feuer zu fangen und er müsste bald aufpassen, dass es sich nicht ausbreitete. Außer Kontrolle geriet. Bald.

"Was habt ihr gemacht?"

"Hm?"

Nicht reden. Er wollte nicht reden. Nicht nachdenken darüber, was er hier gerade tat. Nicht nachdenken darüber, was ihn überhaupt hierher gebracht hatte, aus Angst, es könnte kaputtgehen.
Er könnte es kaputtmachen.

"Was habt ihr gemacht?"

"Nicht... viel," sagte er dann doch und merkte, wie sich in Peter die Neugier regte.

"Was...?"

Auch in ihm. Ein Gefühl, das sich erhob, sich gegen seine Angst auflehnte und ihn statt ihr beherrschen wollte. Es schaffte. So sehr, dass er es kaum aushielt.
Es vergingen endlos veratmete Minuten, bis Peter endlich fragte: "Hat er dich geküsst?"

Ohne dass er es bewusst steuerte, fuhr Justus sich mit der Zunge über seine Lippen, biss sich auf sie. Peters Kopf hob sich und er sah ihm ins Gesicht.
Kleine Pupillen aus grünen Weiten, in denen etwas flackerte, das er noch nie zuvor in ihnen gesehen hatte.

"Hat er dich berührt?"

Niemals mehr als deine Frage...

"So vielleicht?"

Er hörte sich selbst, wie ihm der Atem entwich, noch während er zusammenzuckte, als einer der Kreise an der Innenseite seines Schenkels hinabglitt. Die entsetzliche Neugier und das Gefühl, dass Peter anscheinend genau wusste, was er da tat.
Waren furchtbar schön.

"Tu das nicht..."

Das waren seine Worte gewesen. Warum auch immer er sie hervorgepresst hatte, denn sie halfen nicht. Im Gegenteil.
Sie waren eine Beichte. Und sie schienen Peter in diesem Moment erst richtig zum Leben zu erwecken. Fiebrig nahm Justus wahr, wie Peters Haare an seinem Gesicht kitzelten, heißer Atem über seine Haut an seinem Hals hauchte.

"Nein?"

Seine eigene Unfähigkeit, dem zu widersprechen rann ihm als heißer Schauer den Rücken hinab. Und brannte in ihm, in undefinierbarer Tiefe, wie er spürte, dass Peter sich mit seinem Körper langsam über seine Beine schob.
Er hatte die Augen geschlossen, den Mund geöffnet. Wollte nicht das, was er sagte.
Und konnte nicht aussprechen, was er wollte. Mehr als alles andere.

"Was dann...?"

Justus bebte unter Peters Fragen und dessen warmen Körper auf seinem. Und verstand nicht, was mit ihm passierte. Wie wenig er dem entgegenbringen konnte. Der Gefahr, sich zu verbrennen, und Peter, als dieser sich gegen ihn lehnte und ihn auf den Rücken brachte. Und als er dort lag, wie sehr er sich ihm entgegenbringen wollte.

"...ist das verboten, was wir tun?"

Wehrlos. Er konnte nichts sagen. Nichts tun.

"...böse?"

Ausgeliefert dem Geruch von Peters Haut, seinen Haaren, den nach wildem Pazifik riechenden Wellen, dem tiefen Rauschen in seinem Ohr...
"sag... soll ich aufhören?"...Peters Becken, mit dem er sich auf seines hinabsenkte...

"nein..."

..."Was?"

Er hörte ihn, den Teufel zwischen all den lodernden Flammen.

..."Nein! Du... sollst nicht aufhören... bitte..." Jetzt bewegte Justus sich. Mit seinen beiden Händen tastete er nach oben, an den heißen Körper über sich, spürte die wohlgeformten Konturen der festen Muskeln unter dem losen Stoff, und hielt ihn fest, sah dem glühenden Gesicht vor seinem direkt in die wild funkelnden Augen ..."bitte hör nicht auf...!"
Jetzt war es Peter, den er stöhnen hörte. Leise, aber doch konnte er ihn hören, seinen mühsam beherrschten, stoßenden Atem und dann, als er ihn zu sich hinunterzog, in ungehaltener Weise.

Und als er meinte, nicht einmal die Berührung selbst könnte jemals schöner sein als das sehnende Glühen, mit dem seine Lippen sie erwarteten, war das der Moment, in dem er sicher zu spüren glaubte, dass das hier ihnen beiden auf eine unheimlich ergreifende Weise gefiel.

Und nur ein gefühlter Atemzug vor dem Moment, in dem die Wärme kurz vor seinen Lippen verschwand.

Als er wieder die Augen öffnete und sich wünschte, er hätte sie zugelassen.
So musste er dem blassgrünen Funkeln, das ihn empfangen hatte dabei zusehen, wie sich etwas hineinmischte. Was so schnell geschah, dass er im selben Moment wusste, er hätte es sowieso nicht aufhalten können. Er konnte nur die Angst spüren, die sofort zurück war und ihn eiskalt packte, bevor er die Worte hörte.

"Ich... muss gehen..."

Er hatte etwas sagen wollen, aber nicht gewusst was.
Er hatte sich schneller aufrichten wollen, doch er verstand zu spät, was gerade geschah.

Als er es tat, war die Tür bereits zu.
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