The Return Home

OneshotFantasy / P12
Amren Azriel Cassian Morrigan (Mor) Rhysand
04.02.2020
04.02.2020
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„Sei dankbar für dein menschliches Herz, Feyre. Und hab Mitleid mit all jenen, die nichts mehr empfinden.“, sagte ich leise zu ihr als sie sich zu mir umdrehte. Feyre nickte nur, doch man sah ihr an, dass da mehr war. In ihrem Innern versteckte sie etwas.
„Leb wohl...“, verabschiedete ich mich: „...für den Augenblick.“ Ich verneigte mich tief vor ihr während meine Schatten mich verschlangen.

Plötzlich lag es ganz deutlich vor mir. Es leuchtete auf und spülte Wärme durch mein nahezu erfrorenes Herz. Ein Band. Ein Band so wunderschön wie ich es noch nie gesehen hatte. Ich erstarrte. Nein, das konnte nicht sein. Nicht sie. Nicht.
Mein Blick glitt voller Entsetzen erneut zu ihr. Sie merkte, dass etwas nicht stimmte.
Ich taumelte rückwärts. Völlig überwältigt von dem was ich gerade entdeckt hatte. Als meine Schatten mich komplett in sich aufnahmen, vernahm ich noch ein „Was...“, doch ich war längst fort.

Mit einem dumpfen Aufprall landete ich einige Meter vom Haus des Windes entfernt. Verzweiflung rollte über mich hinweg. Das konnte einfach nicht sein. Nein. Nicht sie, die alle von dieser Schreckensherrschaft befreit hatte. Nicht sie, die einen anderen liebte, die den liebte, der meine Familie auf dem Gewissen hatte. Mein Atem kam stockend. Ich griff mir in die Haare, zog daran, wusste nicht wohin, was ich nun tun sollte.

Schritte eilten auf mich zu. „Rhys.“ hauchte Mor als sie neben mir zum Stehen kam. Ich schaute langsam auf, kam zurück ins hier und jetzt. Mit großen Augen starrte meine Cousine mich an. „Rhys.“, hauchte sie wieder und trat einen Schritt auf mich zu, wollte die Arme um mich schlingen. Aus Reflex trat ich einen Schritt zurück und ein verletzter Ausdruck huschte kurz über Mors Gesicht. „Sie ist...“, fing ich an: „Sie ist...“ „Tot.“, antwortete Mor: „Wir sind endlich frei, denn sie ist tot.“ „Nein. Nein.“, entgegnete ich mit wirrer Stimme: „Sie ist...“ „Was ist los, Rhys ? Was ist sie „ Ist sie etwa doch nicht tot ? Wieso bist du dann hier ? Wieso...“ „Sie ist meine Seelengefährtin.“, unterbrach ich sie und sprach es zum ersten mal fast erstickt aus. Entsetzen lag in Mors Augen. „Nein. Nein. Auf keinen Fall. Amarantha ist nicht deine Seelengefährtin.“ „Feyre.“, war das einzige Wort, welches ich sprach und darin lag so viel Emotion, dass Mors Entsetzen sofort etwas anderem wich. Erstaunen. Ihre Augen wurden groß. „Wer...?“ „Sie hat uns alle gerettet. Sie war so mutig.“, flüsterte ich voller stolz. „Aber wo...?“, suchend schaute Mor sich um, versuchte zu sehen, ob sich noch jemand in unserer Nähe befand. Ich schüttelte den Kopf, brach innerlich fast zusammen. „Sie liebt einen anderen.“, stellte ich nur klar. „Aber wie ?“ „Sie weiß nichts davon. Ich habe es selbst erst gemerkt als ich mich von ihr verabschiedet habe.“ „Oh Rhys.“, bedauerte Mor und griff nach meinem Arm. Überrascht von der plötzlichen Berührung zuckte ich erneut von ihr zurück. Das schien sie wiederum zu erschrecken. „Es tut mir leid.“, versuchte ich mich zu erklären. „Ist schon okay, Rhys. Ich freue mich, dass du wieder da bist.“ Sie stellte keine weiteren Fragen, verstand auch so, hatte schließlich selbst erlebt, wie es war ungewollt angefasst zu werden. Sie kannte die tiefen Wunden, die so etwas hinterließ auch wenn man von sich selbst nicht dachte, dass es einem so viel ausmachen würde. „Komm wie gehen rein.“, meinte sie stattdessen lächelnd und wandte sich zum Gehen. „Mor ?“, hielt ich sie zurück. „Hm ?“ „Können wir das erst einmal für uns behalten. Ich möchte nicht, dass...“ „Ich verstehe schon. Deine Feyre bleibt erst einmal unser Geheimnis.“ Dankend nickte ich und ging ihr dann vorsichtig hinterher.

Wie lange war ich nicht hier gewesen. 50 Jahre. Das Haus hatte sich kaum verändert. Es roch noch wie damals. Der Geruch meiner Familie hing in der Luft. Als ich eintrat, nahm ich mit einem tiefen Atemzug alles in mir auf. War das gerade wirklich real ? War ich wirklich zurück ? Mit einem Griff zum Türrahmen überzeugte ich mich langsam von der Realität. Ich strich behutsam über das Holz, nahm seine Farben auf und all die Gerüche um mich herum. „Alles in Ordnung ?“, fragte Mor vorsichtig und kam ein paar Schritte zurück zu mir. „Es ist wirklich wahr oder ? Ich bin wieder hier ?“ „Ja, Rhys. Ja, du bist wieder hier. Du bist zu Hause.“, überzeugte sie mich. Ein vorsichtiges Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. „Cassian, Azriel und Amren sind auch auf dem Weg hier her. Sie haben alles stehen und liegen lassen als sie die Nachricht erreichte, dass Amarantha gefallen ist.“ Bei dem Namen zuckte ich zusammen und dunkle Schatten loderten um mich herum auf. Dann dachte ich an meine Brüder und Amren, die bestimmt wissen wollten, was geschehen war. Sie waren alle nicht so feinfühlig wie Mor. Keiner hatte so ein Gespür wie sie, wenn es darum ging, was andere gerade durchmachten. Schweißperlen traten auf meine Stirn. Ich konnte es ihnen nicht sagen, konnte es ihnen nicht erklären. „Ich kann ihnen sagen, dass sie erst morgen kommen sollen. Ruh dich ein wenig aus, Rhys.“,meinte Mor mitfühlend als sie meine wachsende Panik bemerkte. Ich sah in verständnisvolle Augen als ich mich zu ihr wandte. „Es tut mir leid.“, versuchte ich es wieder wie vorhin. „Es ist okay, Rhys. Ich verstehe dich und die anderen werden es auch verstehen. Du musst uns nichts erklären. Wir sind dir nur unendlich dankbar und so froh dich wieder hier zu haben.“ „Danke.“, flüsterte ich. „Ich lass dich allein. Wir sehen uns dann morgen.“ Im vorbeigehen streifte sie mit ihrer Hand meinen Oberarm und ich konnte nur hoffen, dass sie das unwillkürliche zucken von mir nicht bemerkte. Doch natürlich tat sie es. „Tut mir leid.“, hauchte sie und ging durch die Tür.

Ich seufzte tief. Langsam ging ich weiter ins Haus hinein, nahm jedes Detail in mir auf, strich über die Möbel, fühlte was ich so lange vermisst hatte.
Im Wohnzimmer blieb ich am Fenster stehen. Wie lange hatte ich keine Sterne mehr sehen dürfen. Der Anblick als es mit zunehmender Dunkelheit mehr und mehr wurden, ließ Tränen in mir aufsteigen. Wie lange hatte ich auf die Sterne gewartet, die Sterne in meinem Zuhause. Ich stand lange so da. In völliger Dunkelheit, den Blick nur aus dem Fenster zum Himmel gerichtet mit Tränen, die mir langsam über die Wange flossen.

Später im Schlafzimmer betrachtete ich todmüde mein Bett, meins. Wie lange hatte ich gehofft je wieder darin schlafen zu dürfen. Doch nun. Ich betrachtete es und in mir keimte Panik auf. Ich wollte ins Bett, aber ich hatte auch Angst. Ich hatte Angst davor einzuschlafen. Ich wusste, dass ich die Albträume mit hierher gebracht hatte, noch bevor ich mich auch nur auf die Bettkante gesetzt hatte. Schwer atmend und mit zittrigen Händen entledigte ich mich meiner Kleidung. Mit Magie wäre es schneller gegangen, doch ich wollte den Moment hinauszögern, fürchtete mich zu sehr davor. Aber als ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten konnte, ließ ich mich einfach fallen. Ich glaubte sofort eingeschlafen zu sein.

Ich wusste nicht wie lange ich geschlafen hatte, doch mit einem lauten Schrei setzte ich mich ruckartig hin. Mit einer Hand stütze ich mich auf, mit der andern fuhr ich mir in meine schweißnassen Haare. Dunkelheit , meine eigene Dunkelheit, füllte das Zimmer. Mein verschleierter Blick nahm langsam die Konturen war. Ich war in meinem Zimmer. Meinem Zuhause. Ein Traum. Es war ein Traum gewesen. Aber nicht nur mein Traum. Feyres Gesicht schwebte in einer Erinnerung vor mir. Ich hatte ihren Traum miterlebt und dann wie sie schreiend aufgewacht war, sich im Bad hatte übergeben müssen. Zuvor war ich in meinem Alptraum gefangen gewesen. Einem Alptraum, der sich nun seit fast 50 Jahren ständig in verschiedenen Versionen wiederholte. Ich musste in diesem Traum entweder zusehen wie Amarantha, es tat weh allein an ihren Namen zu denken, meine Familie quälte oder sie zwang mich es selbst zu tun.

Bis zum Morgengrauen tat ich kein Auge mehr zu. Im Bad starrte ich in den Spiegel, versuchte den erschreckenden Anblick wegzuwischen, den ich selbst verursachte. Ein blasses ausgemergeltes Gesicht starrte mir entgegen, leere Augen und Augenringe, die tiefe Schatten darunterlegten.

Ich vergaß vollkommen die Zeit während ich die Schatten in meinem Gesicht betrachtete, die die vergangenen Jahre dort eingegraben hatten. So lange hatte ich gekämpft und mich an den winzigen Strohhalm geklammert, der letztendlich Feyre hieß. Meine Feyre. Meine Feyre, die nun in den Armen von Tamlin lag. Mein Herz begann heftig zu schmerzen. Mit einer Hand fuhr ich an meine Brust. Die Stelle, die sich so lange leer angefühlt hatte, klopfte nun wie wild.
Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Ich konnte sie nicht zu mir holen. In ihren Augen war ich ein Monster, hatte ich ja auch alles dafür getan, um solch einen Eindruck bei jedem zu hinterlassen. Ein kaltes durchweg böses Monster. Was hinter dieser Fassade lag, wussten nur wenige. Bei ihr hatte ich mein wahres ich nur in winzigen Momenten gezeigt. Ich konnte die Fassade nicht fallen lassen, da sonst alles um sonst gewesen wäre. Die Momente hatten aber ausgereicht, um sie am Leben zu erhalten und das war alles, was ich wollte. Feyre sollte leben, denn ihr Tod würde auch mein Tod bedeuten.
Ich würde mit der Situation klar kommen, denn Feyre lebte und war in Sicherheit. Sie war dort, wo sie sein wollte. Sollte sich daran etwas ändern, könnte ich immer noch eingreifen. Alles was ich wollte, war sie glücklich zu machen und für ihre Sicherheit zu sorgen. Ich wusste, wenn ich sie einfach zu mir holen würde, dann wäre ich in ihren Augen nur das Monster, welches sie ihrem Tamlin klauen wollte. Nein, das konnte ich nicht tun. Aber irgendwann würde Tamlin einen Fehler machen und dann wäre ich da. Ich würde sie zu mir holen und ihr alles von mir zeigen. Sie würde glücklich sein, aber ich musste den richtigen Zeitpunkt abwarten.

Leise klopfte es an meiner Zimmertür. „Rhys ?“ Mor öffnete zögernd die Tür. Als sie mich erblickte, zog sie erstaunt die Augenbrauen nach oben, „Was ?“. Ich wusste was sie sah. Es hatte sie ein kleines Lächeln auf mein Gesicht gestohlen. Ich hatte wieder Hoffnung. „Es wird alles wieder gut.“, sagte ich zu ihr, „Irgendwann wird alles wieder gut. Alles wird so wie es sein soll.“ „Also holst du sie her ?“ „Noch nicht. Es wird der Zeitpunkt kommen und dann werde ich da sein.“ Ich wusste, dass sie verstand. Mor nickte. „Bist du bereit die anderen zu sehen ? Sie haben viele Fragen.“ Mein lächeln verrutschte leicht. „Du musst nicht...“ „Doch. Es ist okay. Ich werde ihnen so viel erzählen wie nötig. Sie werden es verstehen. Sie müssen es verstehen.“ Sobald ich diese Worte ausgesprochen hatte, wusste ich, dass sie wahr sind. Meine Familie würde es verstehen, wenn ich nicht über alles reden wollte. Sie wussten, wie man sich nach dem Krieg fühlte und sie würden mich nicht drängen. Ich würde von ihnen die Zeit zum Verarbeiten bekommen, wie auch Feyre die Zeit von mir bekommen würde, um zu erkennen was richtig für sie ist.
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