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The Time In Between

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Het
Christine Daaé Erik - das Phantom der Oper Madame Giry Meg Giry OC (Own Character) Vicomte Raoul de Chagny
04.02.2020
28.03.2021
17
31.016
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04.02.2020 1.847
 
Drei Monate war es nun her, seit der Fall des Kronleuchters fast die halbe Pariser Oper abgebrannt hatte. Man hatte verhindern können, dass das ganze Gemäuer in Schutt und Asche zerlegt wurde. Dennoch gab es bis heute keine neuen Investoren oder Käufer, welche sich dieser Baustelle annahmen. Aktuell stand die Oper mit all ihren Mythen und Überresten zum Verkauf. Die Pariser Polizei hatte das Gebäude für rund zwei Wochen komplett gesperrt, um Untersuchungen und Nachforschungen anstellen zu können. Auch wenn vom Saal und der Bühne nicht mehr allzu viel übriggeblieben war, so trugen die alten Kellergemäuer kaum Schaden davon. Lediglich Verwüstung, nachdem man alles in den Gemächern des Phantoms durchsucht hatte. Es blieb kein Stein und kein Blatt umgedreht. Alles wurde gründlich unter die Lupe genommen. Denn auch wenn Christine und Raoul der Gefangenschaft des Phantoms entkommen konnten, so war von diesem nicht einmal die Maske auffindbar. Das spurlose Verschwinden des Phantoms beschäftigte nicht nur die Pariser Polizei, sondern auch die Zeitungen. Es wurden Fahndungszettel angefertigt, welche das Phantom nicht mal annähernd beschrieben. Die einen waren zu abstrakt die anderen kaum aussagekräftig. Und dennoch hangen sie plötzlich an allen Säulen und Wänden in Paris. Es begann ein regelrechter Wettkampf darum, wer es zuerst finden und zur Strecke bringen würde. Die Menschen gierten nach Rache. Manche von ihnen hatten einfach nur Lust an der Jagt, andere wollten wohl selbst mal einen Blick auf das Monster der Pariser Oper werfen. Es verging kein Tag, an dem man nicht über das Phantom sprach. Und doch hatte es bis heute niemand mehr gesehen. Die Polizei hatte inzwischen bereits die Suche eingestellt. Sie überließen diese Jagt wohl den besorgten Bürgen. Auch wenn in den letzten Monaten nicht ein Mord geschah. Oder jedenfalls keiner, welchen wohl das Phantom zu verschulden hatte. Es gingen die Tage ins Lande und allmählich kehrte in Paris wieder Ruhe ein. Ob es die Ruhe vor dem Sturm oder die endgültige Ruhe war, wusste niemand so genau zu sagen. Viele Spekulationen machten die Runde. Manch einer sagte, dass Phantom sei kurz nach der Flucht gestorben und andere erzählten sich, es sei aus Frankreich geflohen. Aber Beweise hatte keiner von ihnen. Denn niemand hatte das Monster seitdem jemals wiedergesehen. Oder konnte es zumindest beweisen, dass er es sah. Spinner gab es an jeder Straßenecke und auch gierige Tunichtgute, waren keine Seltenheit. Auch wenn der Preis, welcher auf den Kopf des Phantoms angesetzt wurde, nicht die Welt war.


Es war ein trüber Tag. So wie die ganze Woche bereits. Die Wolken hangen tief. Niemand wollte bei solch einen Wetter nach draußen wagen. Niemand außer einer Person.
Mit langsamen Schritten schlich sie an der Hauswand entlang. Drinnen brannte Licht. Man konnte das Flackern der Öllampen sehen. Aber das Zimmer war leer. Und die Terrassentüre von außen zugezogen. Das Gras war feucht. Es hinterließ Spuren auf den hellen Schuhen. Auch der Mantel schleifte etwas, wodurch er am unteren Saum immer mehr und mehr nass wurde. Ungeachtet setzte sie ihren Weg fort. Die Haube des Mantels tief ins Gesicht gezogen. Man sollte sie nicht erkennen. Niemand sollte ihr folgen. Die Person schlich durch den großen Garten und entfernte sich von dem prächtigen Gebäude. Es war ruhig. Obwohl solch ein Haus auf viele Bedienstete und Angestellte schließen musste. Der große Garten zog sich bis zu einer Anhöhe nach oben. Bei schönen Wetter konnte man von dort aus den Stadtrand von Paris sehen. Aber heute, wäre dies schlichtweg unmöglich. Nicht einmal der Zaun wäre bei diesem Wetter ersichtlich. Und bald auch nicht mehr sie. Der Nebel würde sie verschlingen. So wie die Nacht sie verschlang. Sie hatte gelernt sich zu verstecken. Nicht aufzufallen, auch wenn sie auffiel. Es war nicht einfach gewesen, aber sie hatte es gelernt. Und nun schlich sie sich, schon wieder über dieses riesige Grundstück. Genauso wie schon vor ein paar Tagen und den Tagen davor. Aber noch kein mal hatte man sie dabei erwischt, geschweige denn überhaupt gesehen. Sie war wie ein Phantom im Schatten dieses Gemäuers.
Der Nebel hatte sie bald verschlungen und sie für das Personal und alle anderen Personen innerhalb des Hauses unsichtbar gemacht. Von da an war es ein leichtes das Grundstück zu verlassen. Der Zaun im hinteren Teil des Parks war nicht mehr der neuste. Ein paar Latten gehörten schon seit Monaten repariert. Aber dies hielt wohl niemand für nötig. Also nahm sie zwei Latten ab, schlüpfte durch das Loch und verschwand in dem Wald, der dahinter lag. Das Unterholz gab ihr zusätzlichen Schutz, aber es erschwerte ihr auch das Vorankommen. Weit durfte es nicht mehr sein. Sie wusste, wo sie ihn zurückgelassen hatte. Mit den Händen schob die Gestalt Äste aus ihrem Sichtfeld. Die Bäume gaben ihr Schutz. Auch der Nebel kam nicht bis in den Wald. Dann sah sie ihn. Noch immer neben dem umgefallenen Baumstamm stehend. Sie ging auf ihn zu. Zügig, um nicht zu spät zur nächsten Lehrstunde zu kommen. Geduldig stand er dort. Sofort wachsam, als er das Knacken der Äste unter ihren Füßen hörte. „Schhh,“ machte die Person und ging weiter. Ein letzter Blick zurück. Niemand hatte sie verfolgt.
Ihre Hände griffen nach den Zügeln des prächtigen Rappen. Der Mantel wehte im Wind, als sie sich auf den Hengst schwang. ‚Cascadeur‘ war ein treuer Begleiter. Schnell galoppierte sie durch den finsteren Wald. Es wirkte als wäre es nachts und doch war es erst nachmittags. Die Bäume zogen vorbei und der Wald schien sich zu lichten. Nur um gleich darauf eine große freie Fläche preis zu geben. Auch hier dominierte der Nebel und verbarg so ihre Spuren. Angetrieben von einem unsichtbaren Geist. Einem stillen Verlangen endlich ihr Ziel zu erreichen. Es trieb sie über die Felder. Immer näher Richtung Paris zurück. Die Lichter der Stadt waren bald durch den Nebel zu erkennen. Nicht mehr lange, dann wäre sie da. Pünktlich zur nächsten Lehrstunde. Nicht aus zu denken, wenn sie zu spät käme. Sie trieb den Rappen weiter an.
Erst knapp vor dem Stadttor zügelte sie diesen. Ihr Weg führte sie durch die Straßen von Paris. Immer näher auf das alte Operngebäude zu. Die halbe Ruine lag wie ein schwarzes Omen zwischen den Häusern. Viele Leute schreckte es ab und sie machten einen Boden darum. Aber es gab auch jene, welche es faszinierte. Der Charm war längst verfolgen aber die Geheimnisse blieben erhalten. Sie näherte sich dem Gemäuer. Erst als sie schon fast dort war, lenkte sie den Rappen in eine Seitenstraße und dort an einem großen Gasthaus vorbei. Sie stieg ab und schob ein Tor auf. Dahinter lagen Stallungen. Ein paar Pferde standen in den Boxen. Auch zwei Kutschen waren zu sehen. Das Gasthaus besaß nicht nur Zimmer sondern auch zwei große Ballsäle. Der Rappe kannte inzwischen seinen Weg. Von selbst ging er in seine Box und ein Stalljunge kam, um ihn abzusatteln. Schnell lief sie die Treppen nach oben. Sie war spät dran. Es war bereits Musik zu hören. Ihre hellen Schuhe hatten sich durch das nasse Gras etwas grünlich und dunkel verfärbt. Das war ihr egal. Im Vorraum nahm sie den Mantel ab. Ihr blondes Haar fiel in einem Zopf über ihre Schulter.
„Meg, da bist du ja endlich. Komm. Wir wollten gerade anfangen,“ ertönte auch direkt die Stimme ihrer Mutter.

Madame Giry war nach dem Vorfall in der Oper gezwungen gewesen, einen neuen Kursraum zu finden. Das Ensemble wurde aufgelöst, die Direktoren verschwanden von Heute auf Morgen. Dennoch war Madame Giry um ihre Ballettgruppe bemüht. Und so unterrichtete sie diese weiter. Auch nahm sie neue Mitglieder auf und gab nun zusätzlich privaten Ballettunterricht, zusammen mit ihrer Tochter Meg. Ihr Ehrgeiz zahlte sich aus. In den letzten drei Monaten wurde die Ballettgruppe für verschiedene Feste und Veranstaltungen gebucht. Madame Giry hatte nach wie vor einen Namen in Paris. So kam sie auch an den Saal hier in diesem Gasthaus. Der Wirt war noch vor ein paar Monaten öfters in der Oper gewesen und hatte dem Ensemble Vorräte und Lebensmittel geliefert. Schließlich lebten sie alle einst dort. Ein Großteil der Ballettgruppe hat, nach dem Brand, Unterschupf bei Verwandten und Bekannten gefunden, andere wohnten noch immer hier im Gasthaus und Madame Giry und Meg zogen auf den alten Hof ihres Mannes. Dieser wurde noch immer von ihrem Schwager Francois bewohnt. Der Hof lag außerhalb von Paris. Man brauchte eine Kutsche oder ein Pferd, um dorthin zu gelangen.
Genau aus diesem Grund saß Madame Giry nun in ihrer Kutsche. Der Kutscher hatte sie und Meg vor wenigen Minuten abgeholt. Durch das trübe Wetter war kaum jemand auf den Straßen zu sehen. Lediglich Kutschen begegneten ihnen.
„Wo warst du vorhin schon wieder?“ fragte Madame Giry ihre Tochter. Sie klang nicht ungehalten. Eher ein wenig besorgt. Meg war in den letzten Wochen immer öfter unterwegs gewesen. Teilweise hatte sie das Gefühl, diese blieb die ganze Nacht weg. Oder sie hörte sie nur nicht. Es sorgte sie, da Meg mit ihren 19 Jahren, doch noch so jung war und es sich in Paris und dem Umland immer wieder seltsame Personen herumtrieben. Alleine, dass Meg schon wieder ohne Begleitung mit ihrem Hengst umherstreifte, würde ihr heute Nacht Alpträume bescheren. Meg konnte auf sich selbst aufpassen, aber Angst durfte eine Mutter doch wohl noch um ihre Tochter haben.
„Ich war wieder bei Christine, Mutter,“ erwiderte diese.
„Du schleichst dich aber nicht nach wie vor auf das Grundstück des Vicomte?“ Am Blick ihrer Tochter, konnte sie sich die Antwort auch schon selbst geben. „Warum treibt ihr dieses Spielchen eigentlich? Sie hat doch eine Haustüre und du bist ihre beste Freundin.“
„Übung,“ gab Meg grinsend zurück und schaute dann aus dem Fenster. „Und ein wenig Nervenkitzel vielleicht.“
„Haben wir denn nicht so schon genug Spannung?“
„Bitte Mutter. Machst du dir wirklich noch immer Gedanken? Es rückt doch sowieso alles langsam in Vergessenheit.“ Meg konnte die Ängste ihrer Mutter nicht nachvollziehen. Ja es war riskant gewesen und sie hätten auch anders enden können aber nun waren seid dem Brand gut drei Monate vergangen. Man sprach zwar noch darüber aber die meisten Menschen in Paris scheinen sich inzwischen daran gewöhnt zu haben. Das Leben ging weiter und pulsierte in den Straßen Paris. Zumindest an schönen Tagen. Was das Phantom betraf, glaubten wohl die meisten den Gerüchten und Meg hatte kein Problem damit. Die Angst ihrer Mutter, konnte sie nicht wirklich teilen. Ihr Leben hatte sich nicht zum schlechten gewendet. Im Gegenteil. Meg war zufrieden. „Sie spricht übrigens noch oft von ihm.“
„Es wäre besser, wenn bald keiner mehr von ihm sprechen würde.“ Madame Giry, warf ihrer Tochter einen Blick zu. Diese aber grinste nur verschwörerisch und schaute dann wieder aus dem Fenster der Kutsche.
Sie haben Paris inzwischen hinter sich gelassen. Der Nebel verhüllte noch immer die umliegenden Felder und Wiesen.
„Ich glaube, sie hatte ihn doch irgendwie geliebt,“ säuselte Meg ein wenig in Gedanken.
„Meg, rede keinen Unsinn. Sie hat sich für Raoul entschieden also liebt sie Raoul!“
„Wenn du das sagst, Mutter,“ erwiderte sie nur noch.
Die restliche Fahrt über schwieg sie und schaute nach draußen. Auch wenn es dort kaum etwas zu sehen gab. Der Kutscher trieb die Pferde an, so dass sie schneller durch den Nebel kamen.
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