Gone Mate

OneshotFantasy / P12
Azriel Cassian Morrigan (Mor) Rhysand
03.02.2020
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„Bring mich irgendwohin“, sagte sie mit kalter, leerer Stimme: „Weit weg von hier. Jetzt gleich.“ Mor schaute zwischen Feyre und mir hin und her. „Bitte.“ Als Mor sie an der Hand nahm rief ich ein letztes Mal entkräftet ihren Namen, doch dann teilte Mor den Wind und weg waren sie.

Wie gelähmt starrte ich auf die leere Stelle, vergaß meine Schmerzen und den Schlamm in dem ich lag. Sie waren weg. Feyre war weg, sie wollte weg von mir, wollte mich nicht.
„Nein, nein, nein.“ murmelte ich immer wieder und versuchte mich auf meine Arme zu stemmen. Ich knickte weg und landete erneut im Schlamm. Cassian, der auf mich zugeeilt war, griff unter meine Arme und zog mich hoch: „Komm mit. Die anderen müssen das nicht sehen.“ Er brachte mich in die Hütte, weg von den Augen der anderen im Camp. Sie sollten ihren High Lord nicht so sehen, sollten mich nicht für schwach halten. Doch genau so fühlte ich mich im Moment. Schwach.
„Leg dich erst einmal hin.“, meinte er sorgenvoll. Sein Blick war auf meine Flügel gerichtet, die die Spuren der Pfeile an sich trugen. Jeder Illyrianer wusste von Geburt an, dass seine Flügel das waren, was es zu beschützen galt. Doch sie waren mir gerade fast egal. Ich konnte nicht darüber nachdenken. Meine Flügel waren mir nicht wichtig, wenn es um Feyre ging. „Was ist passiert ?“, fragte er vorsichtig als er mich auf dem Bett absetzte, darauf bedacht nicht gegen meine Flügel zu stoßen. Ächzend ließ ich mich fallen, zuckte zusammen als der Schmerz durch meinen Körper fuhr. Er fragte noch einmal als ich nicht gleich antwortete. „Sie ist weg.“ flüsterte ich nur: „Ich muss zu ihr.“ Als ich versuchte aufzustehen, scheiterte ich kläglich. „Bleib liegen, Rhys.“, kam es da plötzlich streng von Mor, die von mir unbemerkt wieder aufgetaucht war. Mein Blick schnellte zu ihr. „Du...“ ich ließ das Wort in der Luft hängen. Eine leise Drohung lag darin. „Ihr geht es ok. Das wird schon wieder.“, sagte sie gelassen. „Wo ist sie ?“ „Das werde ich dir nicht sagen. Sie will Zeit für sich und das solltest du akzeptieren.“ Wut ergriff mich nach dieser Aussage und gab mir die Kraft mit einem Ruck aufzustehen. „Sag es mir sofort.“, stieß ich aus, doch dann verließ mich die Kraft so schnell sie gekommen war. Mein Blick wurde verschwommen und dann alles schwarz. Ich spürte kräftige Arme, die mich auffingen, und dann nichts mehr.

„Was sagt die Heilerin ?“ sagte eine gedämpfte männliche Stimme. „Er wird wieder. Feyre hat ganze Arbeit geleistet, doch das Gift ist nicht vollständig aus ihm raus. Es wird noch ein paar Tage dauern, aber sie hat ihm das Leben gerettet.“ erklärte jemand anderes. Die Stimmen wurden deutlicher, mein Kopf klarer und mit einem Mal war alles wieder da. Ich stöhnte auf als der Schmerz zu deutlich wiederkam. Das Gespräch verstummte und Schritte eilten zu mir. „Hey Bruder.“ meinte Cassian: „Auch mal wieder unter den Lebenden ?“ „Wie geht es dir ?“, fragte Azriel, die erste Stimme, die ich zuvor vernommen hatte. „Wo ist sie ?“ hauchte ich nur schwach. Meine Brüder blickten zu Mor, doch die schüttelte den Kopf: „Ich werde sie nicht verraten.“ „Bitte.“ Wieder ein Kopfschütteln, das mein Blut zum Brodeln brachte. Wie leicht wäre es in ihren Kopf zu sehen und die Information auf diesem Weg zu erlangen. „Wag es ja nicht, Rhys.“ Mor schaute mich mit einem wissenden Blick an: „Du hast mir versprochen nie ohne meine Erlaubnis in meinen Kopf zu schauen.“ Ich wusste was sie meinte. Eine Grenze, die ich versprochen hatte bei keinem Mitglied meiner Familie je zu überschreiten. Ein Knurren entwich mir. Meine Wut gab mir Kraft, ließ meine Macht anschwellen. Mit einer schnellen Bewegung griff ich nach ihrem Arm und sagte bedrohlich: „Sag mir sofort wo sie ist.“ Erschrocken sah sie mich an. So etwas hatte ich noch nie getan, war noch nie handgreiflich ihr gegenüber geworden. „Lass sie sofort los, Rhys.“ knurrte Cassian, der einen weiteren Schritt nach vorne tat. Ich kämpfte mit mir. Stränge der Dunkelheit drangen aus mir heraus, unterstützen meine Entscheidung so zu reagieren. „Rhysand.“ kam es nun auch streng von Azriel, der wenn es um Mor ging keinen Spaß verstand. Ich blickte zwischen den drei hin und her, wog meine Entscheidung ab. Tief durchatmend zwang ich mich zur Ruhe und ließ langsam den Arm los. Sogleich trat Mor einen Schritt zurück, um aus meiner Reichweite zu gelangen. Als hätte das etwas genutzt, wenn ich ihr wirklich etwas hätte tun wollen. Doch mein Zustand ließ nicht mehr zu. Mit zunehmender Ruhe schwand auch die Kraft. Ich fiel zurück. „Es tut mir leid.“ flüsterte ich. Mor nickte. Sie verstand, doch im nächsten Moment war sie fort und damit auch meine Chance herauszufinden wo sich Feyre befand. Erneut kochte meine Wut auf, begleitet von Schatten, die sich um mich herum ansammelten. „Was sollte das ?“ fragte Cassian: „Beruhige dich Mann.“ Mein wütender Blick glitt zu ihm. „Es wird schon alles gut werden. Wir verstehen dich. Mor hat uns gesagt, was los ist, dass Feyre deine Seelengefährtin ist, aber du kannst Mor nicht so angehen.“ Ich hörte seine Worte, doch er verstand gar nichts. Wie könnte er auch verstehen. „Du weißt gar nichts, Cas.“, spie ich ihm entgegen: „Und jetzt raus hier. Wenn ihr mir nicht sagen könnt wo sie ist, dann könnt ihr auch gehen.“ So hatte ich nie mit ihnen geredet, doch mein Monster übernahm hier die Führung. Mein Schmerz darüber, dass sie mich nicht wollte überschattete alles andere. Selbst meine Verletzungen spürte ich kaum noch. „Wenn du Hilfe brauchst. Ruf uns einfach.“, meinte Azriel kopfschüttelnd und zog Cassian mit sich nach draußen.

Nachdem die Tür geschlossen war erschütterte mein Knurren die ganze Hütte, das ganze Camp. Mir war es egal. Das Holz der Möbel ächzte als meine Macht nach außen drängte, frei sein wollte. Jahrhunderte lang hatte ich gelernt sie zu kontrollieren, doch nie war es so schwer gewesen wie jetzt. Meine Krallen fuhren unkontrolliert raus und rein, Dunkelheit waberte um mich herum, der erste Stuhl zerbrach und war daraufhin nur noch ein kleiner Haufen Staub. Ich musste raus hier bevor ich alles in Schutt und Asche legte.
Ich stöhnte auf und knickte kurz ein als ich mich auf einen Arm stützte um auszustehen. Ich musste kurz sitzen bleiben bis sich die dunklen Flecken vor meinen Augen verzogen hatten. Ich merkte, dass ich noch nicht wieder völlig gesund war, merkte es nun mit jedem Schritt den ich mich weiter vom Bett entfernte. Immer noch floss ein wenig Gift in meinem Körper und setzte mir zu, doch meine Wut gab mir die nötige Kraft. An der Tür angekommen stützte ich mich am Türrahmen ab, schwer atmend stieß ich gegen das Holz. Naja, meine Macht stieß gegen das Holz und schon hatte die Hütte keine Tür mehr, aber ich einen freien Weg nach draußen. Leicht wankend nahm ich Kurs auf den Wald.
„Wo willst du hin ?“ rief Cassian hinter mir. Ich drehte mich nicht um, sondern versuchte meine Flügel zu spreizen. Schmerzen durchfuhren mich als eine Wunde erneut aufriss. „Scheiße, Rhys, bleib stehen.“ rief nun auch Azriel und folgte mir zusammen mit Cassian: „Sei vernünftig.“ Beide prallten sie gegen einen Schild. „Hey was soll das ? Nimm das Ding runter.“ fluchte Cassian ein paar Meter hinter mir. Ich wollte eigentlich gar keine Barriere aufbauen, doch etwas in mir hatte wohl für mich entschieden. Doch das Schild kostete Kraft und ich spürte, dass es zusammenbrach, nur kurz nachdem ich die ersten Baumreihen hinter mir gelassen hatte. Schwer atmend lehnte ich mich an einen Baum, verfluchte das Gift, dass mir meine Kraft raubte. Ich hörte schnelle Schritte auf meine Position zurennen. Ich konnte mich nicht verschwinden lassen, nur noch schwach wirbelte die Dunkelheit um mich herum. „Da ist er !“, rief Azriel und kurz später standen meine beiden Brüder vor mir. „Was sollte das, Rhys ? Du kannst nicht einfach abhauen. Du sollst dich schonen und gesund werden.“ Mit einem Blick zu meinem rechten Flügel meinte Cassian weiter: „Sie nur an was du getan hast. Sie waren doch erst wieder halbwegs gut verheilt. So wird es eine Narbe geben.“ Narben an den Flügeln waren nicht gut, sie erschwerten das Fliegen, machten die Flügel weniger flexibel im Wind. Doch meine Flügel hatten viele Narben. Amarantha hatte mir genug Wunden zugefügt, die nie richtig verheilen konnten, da sie mir gleich darauf große Teile meiner Macht gestohlen hatte. Ich zuckte deshalb mit den Schultern. Was war schon eine Narbe mehr oder weniger. Der Flügel heilte ja bereits schon wieder, langsam aufgrund des Gifts, aber ich spürte wie die Wunde langsam heilte. „Wo wolltest du hin ?“, fragte mich Azriel besorgt. „Ich muss zu ihr.“ „Du weißt doch gar nicht wo Feyre ist.“ „Ich muss zu ihr.“, wiederholte ich nur. „Du musst zurück ins Bett. Du musst gesund werden. Das ist, was du musst. Der Rest wird sich auch ohne solche unüberlegten Aktionen von dir klären.“, rügt mich Cassian und griff unter meinen rechten Arm. Azriel stützte mich auf meiner linken Seite und teilte den Wind, sodass wir schneller wieder in der Hütte ankamen. „Ich muss zu ihr.“, versuchte ich ein letztes Mal, bevor meine Brüder mich bestimmend in die Kissen zurück drückten. Ich hatte keine Kraft mehr mich zu wehren. Meine leichtsinnige Aktion hatte mir mehr zugesetzt als ich je zugeben würde. Kopfschüttelnd ließen beide von mir ab als sie merkten, dass keine Gegenwehr mehr kommen würde. Meine Augen begannen zu zu fallen und kurz darauf glitt ich in einen leichten Schlaf.

„Mor du musst ihm sagen wo sie ist.“ „Nein.“ „Er dreht uns hier vollkommen durch. Hast du gesehen das wir eine neue Tür haben und er eine Narbe mehr am Flügel ?“ Mor brummte als Antwort auf Cassians Frage. „Ich habe es ihr verprochen, Cas. Er muss es verstehen.“ Nun war es an Cassian zu brummen. „Wo ist sie ?“ fragte ich in die darauf folgende Stille. Beide hatten nicht bemerkt, dass ich während ihrem Gespräch wach geworden war. Mor war seit Tagen nicht hier gewesen, versteckte sich vor mir, doch nun hatte ich sie kalt erwischt, was ich an ihrem erschrockenen Ausdruck in ihrem Gesicht sehen konnte. „Hey wie geht es dir ?“, versuchte sie mich abzulenken. Wissend hob ich eine Augenbraue, was zugleich als Aufforderung zu verstehen war. Doch erneut erntete ich ein Kopfschütteln, was mich wiederum wütend machte. Wut war in den letzten Tagen mein ständiger Begleiter. „Ich sag es dir noch einmal. Ich werde sie nicht verraten, Rhys. Akzeptiere das jetzt.“ Das Holz des Schreibtisches ächzte als meine Macht nach außen drängte. „Ruhig Blut, Bruder.“, warnte mich Cassian, der aufmerksam nach vorne trat als ich langsam aufstand. Er kannte meine Ausbrüche mittlerweile ganz gut, hatte Jahrhunderte mir mir verbracht in denen ich lernte die Kontrolle über mich zu erlangen. Es hatte gute und schlechte Zeiten gegeben, doch die letzten Tage waren hart an der Grenze. Immer wieder ging etwas zu Bruch, doch ich fand stets meine innere Kontrolle wieder. Aber alles hatte seine Grenzen und ich balancierte langsam auf Messersschneide. Wenn niemand verletzt werden sollte, dann sollte nicht mehr viel passieren, denn es wurde zunehmend schwerer dem Drängen meiner Macht nicht nachzugeben. „Es ist wohl besser ich verschwinde wieder.“ „Nein du bleibst hier.“, sagte ich mit einer Stimme, die selbst Mor unter ihrer Macht zusammenzucken ließ. Sie blieb wo sie war und Cassians wachsamer Blick wanderte zwischen uns hin und her. „Lass sie...“ „Ruhe, Cassian.“, befiehl ich ihm und er kannte mich gut genug, mir nicht zu widersprechen. Dennoch merkte ich, wie er einen weiteren Schritt vor Mor glitt. Die Hütte bebte unter meiner wachsenden Wut. „Beruhige dich.“ kam es hinter mir aus einer Ecke. Azriel war mal wieder unbemerkt aufgetaucht und nun bereit einzugreifen. „Mor verschwinde.“, sagte er zu ihr. „Nein.“, befiehl ich wiederum: „Sie bleibt wo sie ist und sagt mir endlich was ich wissen will.“ „Rhys, bitte. Ich kann nicht.“, meinte Mor verzweifelt unter meinem Befehl: „Zwing mich nicht dazu.“ „Rhys.“ drängten nun auch meine Brüder. In der Sekunde in der mein Blick zweifelnd wurde und ich mich kurz nicht auf Mor konzentrierte, verschwand sie mir dem Wind. „Nein.“, rief ich aus und der Tisch brach krachend zusammen. „Nein.“, wiederholte ich und auch die restlichen Stühle in der Hütte fanden ihr Ende. Cassian und Azriel schauten sich erstaunt an, wachsam betrachteten sich mich im Anschluss. „Du solltest nach draußen gehen, Rhys. Geh in den Wald. Reagiere dich da ab.“, kam von Azriel. „Gute Idee. Lass uns rausgehen, Bruder.“, stimmte Cassian zu. Ich kochte vor Wut, Dunkelheit blitzte um mich herum auf. Ich stand so kurz wie selten vor einem Ausbruch. Ein kleiner vernünftiger Teil von mir wusste, dass sie Recht hatten. Keiner sollte verletzt werden und im Camp gab es zu viele Zeugen.

Auf dem Weg nach draußen verwandelte ich auch noch Bett und Sofa in unbrauchbare Gegenstände, die wohl zeitnah ersetzt werden müssten. Kaum im Wald angekommen, krallte sich meine Macht in eine Reihe von Bäumen, die allesamt kurz darauf als Staub vom Wind fortgeweht wurden. Cassian und Azriel beobachteten das Ganze aus einiger Entfernung, jederzeit bereit einzugreifen, auch wenn dies bedeuten würde selbst verletzt zu werden. Ich hatte in meiner Wut schon schlimmeres getan, zum Beispiel als mir meine Mutter und Schwester genommen wurden. So weit würde ich es nie wieder kommen lassen, hatte ich mir danach geschworen. Doch nun hatte ich wieder etwas das mir so viel wichtiger war als alles andere auf der Welt. Für sie würde ich jeden töten. Krallen fuhren aus meiner Haut bei dem Gedanken ihr könnte etwas geschehen. Die nächsten Bäume fielen und wurden zu Staub. Ein Hirsch der über die Lichtung lief kam meiner Macht in die Quere und wurde mit einem kleinen Stoß meiner Krallen in seinem Geist ebenfalls aus der Welt der Lebenden gewischt. Meine Macht verzehrte sich danach mehr zu tun, wollte mehr zerstören, mehr töten. Meine Vernunft überwog aber nachdem noch mehr Bäume und ein paar Hasen dem erlagen. Schwer atmend versuchte ich sie in mich zurück zu drängen, mich zu beruhigen.

„Besser ?“, fragte Cassian nach einem Moment der Ruhe. Ich nickte. „Dann können wir ja zurück.“, bestimmte Azriel und drehte sich um. Ich schaute mich erst um bevor ich losging, beschämt von meinem Ausbruch, der eigentlich gar keinen Sinn hatte. „Es tut mir leid.“ „Ist schon okay, Rhys. Keinem ist etwas passiert, nimmt man den Hirsch und die Hasen mal raus.“, versuchte Cassian zu scherzen. Mein Versuch zu lächeln scheiterte kläglich. Noch immer brodelte es in mir, doch so kam ich nicht weiter. „Ich werde sie suchen.“, sagte ich und teilte den Wind.
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