There is always tomorrow

KurzgeschichteHumor, Romanze / P12
Abbey Bartlet C.J. Cregg Jed Bartlet
03.02.2020
03.02.2020
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03.02.2020 1.681
 
Nachdem mich meine Muse bei den aktuellen Geschichten etwas verlassen hat, habe ich mal nen kleinen OS zu West Wing zu stande gebracht ... ich habe die beiden vermisst ;) Ich hoffe es gefällt euch und ihr lasst mir vlt ein Review da ... fühlt euch gedrückt!
glg Mina

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„Ich habe etwas Schlimmes getan!“

Abigail Bartlet sah nicht einmal auf als ihr Mann in ihr Büro im East Wing gestürmt kam und die Tür hinter sich laut ins Schloss fallen ließ. Sie blätterte in aller Seelenruhe auf die nächste Seite um; die dunkelrote Lesebrille saß tief auf ihrer Nase. Sie hatte es sich bequem gemacht. Es war später Nachmittag und Großteil ihrer Angestellten war schon nach Hause gegangen. Sie saß auf der kleinen Besuchercouch; die schwarzen Pumps standen davor und lass einen der Berichte von dem nie enden wollenden Stapel auf ihren Schreibtisch. Und das ihr Mann, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, so überschwänglich in ihr Büro gestürmt kam, war nicht ungewöhnlich. Tatsächlich war es diese Woche schon das dritte Mal … und es war erst Freitag. Nur die Worte ließen sie etwas stutzen. Als ihr Mann nichts weiter zur Erklärung anführte, hob sie den Blick und blickte ihn über den Rand der Brille hinweg an.

„Keine Sorge, ich habe eine Schaufel“, erwiderte Abbey so ernst wie es ihr in dieser Situation möglich war. Und das war nicht gerade einfach. Ihre Mundwinkel zuckten verräterisch beim zerzausten Anblick ihres Mannes.

Jed Bartlet lehnte mit dem Rücken gegen die geschlossene Tür. Sein Haar war etwas durcheinander und seine Wangen waren leicht gerötet. Auch war er ein wenig außer Atem und er sah sie mit großen Augen an. Die Krawatte hing ihm über einer Schulter. Er musste wohl den Weg zu ihrem Büro mit schnellen Schritten zurückgelegt haben. Letzten Endes war es sein Blick, der ihn verriet. Er sah sie genauso an wie es ihre Töchter immer getan hatten, wenn sie etwas angestellt hatten.

Ein lautes Klopfen hielt sie von weiteren Überlegungen ab.

Jeds Augen wurden, wenn dies überhaupt noch möglich war, noch größer und er flüchtete sich hinter ihren Schreibtisch. Und nein, er setzte sich nicht auf ihren Stuhl. Er hockte sich allen Ernstes hinter, eher gesagt unter, ihrem Schreibtisch und versteckte sich. Der mächtigste Mann der freien Welt versteckte sich. Abbey blinzelte verwirrt und konnte ihn nur regelrecht anstarren. Jed drückte einen Zeigefinger gegen die Lippen und schüttelte den Kopf.

„Ma’am?“, erklang plötzlich C.J. Creggs gedämpfte Stimme und es folgte ein weiteres, energischeres  Klopfen.

Die First Lady legte den Bericht zur Seite wobei sie von der Couch aufstand. Sie warf einen letzten verwirrten Blick auf ihren Mann ehe sie barfuß zur Tür ging und sie nur einen Spaltbreit öffnete. „C.J., hallo“, begrüßte sie die Pressesprecherin des Weißen Hauses. Dabei blieb sie exakt so stehen, dass die andere Frau kaum einen Blick in den Raum hinter ihr werfen konnte.

„Haben Sie den Präsidenten gesehen?“, kam die größere Frau ohne Umschweife zur Sache wobei sie eine ihrer Mappen fest umklammert hielt. Ihre Fingerknöchel waren weiß.

Mit einem unschuldigen Lächeln auf den Lippen schüttelte Abbey den Kopf. „Nein, tut mir leid, ich habe Jed heute früh beim Frühstück das letzte Mal gesehen“, log sie ohne rot zu werden und fügte dem Ganzen noch einen leicht verwirrten Gesichtsausdruck hinzu.

Die Pressesprecherin atmete tief durch. Rötliche Flecken breiteten sich auf ihrem Gesicht aus aber sie rang sich ein, wenn auch gequältem, Lächeln ab. „Danke, Ma’am. Wenn Sie ihn sehen, sagen Sie ihm bitte, dass ich ihn sprechen muss. Es ist dringend!“ Den letzten Satz betonte sie mit Nachdruck ehe sie auf dem Absatz kehrt machte und mit großen Schritten den East Wing wieder verließ.

Abbey wartete noch einen Augenblick bis sie die Tür schloss und den Schlüssel herumdrehte. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und musste sich fest auf die Zunge beißen als Jed über den Rand des Schreibtisches lugte. Nur sein zerzaustes Haar und seine himmelblauen Augen waren zu sehen. Sie musste sich eingestehen, dass ihr Mann doch irgendwie süß aussah. Sie seufzte. „Sie ist weg. Du kannst jetzt rauskommen und mir erklären was zum Teufel hier los ist.“

„Nun.“ Jed rappelte sich, so würdevoll wie es die Umstände zuließen, auf und versuchte sein Haar zu richten. Er warf ihr einen verlegenen Blick zu ehe er sich voll und ganz auf seine Krawatte konzentriert, mit der er herum spielte. Er sprach jedoch nicht weiter.

Mit einem leisen Seufzen nahm Abigail die Brille während sie zum Schreibtisch ging, der zwischen den beiden Bartlets stand. „Jed, was ist los?“, fragte sie ihn mit einem deutlich sanften Tonfall.

Eine leichte Röte färbte Jeds Ohren ein und er ließ die Krawatte los während er um den Schreibtisch herum trat. „Ich habe es mir vielleicht mit C.J. verscherzt.“ Er steckte die Hände in die Hosentaschen und zuckte mit den Schultern. „Ich war auf dem Weg zu …“ Er stockte und runzelte nachdenklich die Stirn.

„Sam?“, half Abbey ihm auf die Sprünge. Die Brille legte sie auf den Stapel Berichte. „Toby?“

„Toby“, wiederholte Jed dankbar. „Ich war auf dem Weg zu Toby wegen einer Rede, die ich am Montag vor dem Energieministerium halten muss. Ich will, dass er einige Änderungen vornimmt. Wir müssen den Absatz mit den erneuerbaren Energien viel stärker hervorheben und ausbauen. Es ist wichtig, dass wir diesen Weg beschreiten und …“

Abbey hob eine Hand. „Ich weiß, Jed.“ Ihr Lächeln war voller Liebe und Bewunderung. „Du hast mir heute früh beim Frühstück davon erzählt. Ich kenne die Rede und ich finde es fantastisch, dass du mehr auf die erneuerbaren Energien eingehen willst aber davon reden wir jetzt nicht. Claudia Jean scheint sauer auf dich zu sein und ich möchte doch gerne den Grund dafür erfahren.“

Jed schnaufte. „Wie gesagt, ich war auf der Suche nach Toby. Niemand wusste so genau wo er sich gerade aufhielt und irgendwann bin ich am Presseraum vorbei gekommen, indem C.J. gerade mit der Presse sprach.“ Er nahm eine Hand aus der Hosentasche und rieb sich den Nacken. Dabei vermied er es seine Frau noch immer in die Augen zu blicken. „Ich wäre nicht stehen geblieben wenn ich nicht deinen Namen gehört hätte.“

Erstaunt zog Abbey die Augenbrauen nach oben. Selbst nach dem langen und kräftezehrenden Wahlkampf, dem Sieg und den ersten, turbulenten 4 Monaten im Weißen Haus war es für sie noch immer ungewohnt, stets und ständig Thema der Presse zu sein. „Und worum ging es?“, hackte sie nun noch neugieriger nach.

„Es ging um dein Vorhaben mehr im Gesundheitssektor zu ändern und zu erneuern. Vor allem für Menschen, die sich keine Krankenversicherung leisten können. Vorsorgeuntersuchungen. Mehr Aufklärungsarbeit bei den Kindern und Jugendlichen. Es ging sehr lautstark im Presseraum zu und C.J. hatte sichtlich Mühe, die Meute zu bändigen. Also … bin ich rein gegangen. Du weißt, wie sehr ich es hasse wenn jemand über dich oder eine der Mädchen schreibt.“ Schnell und etwas atemlos hatte Jed die Worte ausgesprochen und dabei nicht aufgesehen.

Es herrschte einige Momente lang eine Stille, die geradezu darauf zu warten schien durchbrochen zu werden.

„Du willst mir also sagen, dass du ohne C.J.s Einverständnis in den Presseraum gestürmt bist und eine flammende Rede zu meiner Verteidigung gehalten hast.“ Es war eher eine Feststellung als eine Frage. Das wussten beide.

Schulterzuckend und mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen, das man fast schon als verschmitzt beschreiben konnte, sah Jed seine Frau an. „Ich habe ebenfalls deine fachliche Kompetenz gelobt. Und nicht zu vergessen: ich habe dich als Frau generell auch angepriesen. Ich meine, sieh dich an. Optisch verschlägst du einem glatt die Sprache und wenn du dann auch noch lächelst ist es um einen geschehen. Und ich fange gar nicht erst mit deinem scharfen Verstand an.“ Sein Lächeln wurde breiter und selbstbewusster. „Dein Aussehen ist ein dicker Bonus aber dein Intellekt, deine Gedanken und Ideen, dein Einfühlungsvermögen, deine Liebe zu unseren Kindern und zu mir … tja, was soll ich sagen? Ich bin dir hoffnungslos verfallen.“

Abbeys Blick wurde weich und ein liebevolles Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Innerlich wurde ihr wohlig warm und wenige Momente später konnte sie spüren wie ihre Wangen rot wurden. Dieser Mann. Er schaffte es doch immer wieder, dass ihre Knie weich wurden und Herz höher schlug. Und das alles nur mit seinem entwaffnenden Lächeln und seinen charmanten, wahren Worten. Wortlos streckte sie ihm die Hand entgegen und ein kaum hörbarer Seufzen entfuhr ihr als Jed ihre Hände ineinander verschlang.

„Hättest du wirklich eine Schaufel für mich?“, fragte Jed leise wobei er sich an seine Frau schmiegte und den freien Arm um ihre Hüften schlang. Federleicht strich er mit seinen Fingern über ihren unteren Rücken.

„Nicht hier in meinem Büro aber irgendwo müssen die Gärtner hier ihre Utensilien haben“, erwiderte Abbey schmunzelnd und hauchte ihm einen Kuss auf die Kehle.

Jed gluckste. „Wie wäre es wenn wir noch ein wenig hier bleiben? Irgendwann werden sie mich sicher finden aber bis dahin möchte ich meine Zeit sinnvoll nutzen.“ Er hauchte ihr einen Kuss auf den Schopf und er atmete tief durch. Sie roch so gut.

Abbey lehnte sich nach hinten gegen die Tür und zog ihn mit sich. Ihr gefiel seine Idee. Sie gefiel ihr sehr. Mit der freien Hand strich sie seinen Oberarm bis zu seinem Hals hinauf und fuhr schließlich durch sein dichtes Haar. Sie schnurrte leise. „Dann sollten wir die Zeit nutzen, die uns noch bleibt. C.J. wird sicherlich bald bemerken, dass ich sie angelogen habe und wiederkommen.“ Zärtlich strich sie mit den Zähnen über seine Kehle und biss behutsam zu.

„Eine fabelhafte Idee, Liebling.“ Seine Stimme war tiefer, heiserer. Mit geübten Handbewegungen öffnete er flink ihre Bluse und schob den dünnen Stoff beiseite. „Wir sollten keine Zeit mehr verschwenden.“ Ein ersticktes Stöhnen erfüllte den Raum als Jed ihre Brüste umfasste und mit den Daumen über die stoffbedeckten Brustwarzen rieb.

Abbey leckte sich die Lippen. Ihr war vollkommen egal wie riskant das ganze war. Sie wollte ihn. Hier und jetzt. Über alles andere konnten sie sich auch immer noch später Gedanken machen. Die ihnen verbliebene Zeit mussten sie sinnvoll nutzen. „Ganz genau, Mister Präsident.“
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