Verfallen

KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Dr. Hannibal Lecter Will Graham
02.02.2020
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Hallo liebe Leser, das Hannibal-Fieber hat auch mich gepackt und ich wünsche Euch viel Spaß mit diesem Zweiteiler.
Über Rückmeldungen jeglicher Art würde ich mich natürlich sehr freuen!

Hier der passende Song zu meiner Story:
https://www.youtube.com/watch?v=Jn-68L5GmRA




VERFALLEN


Ein Zittern lief durch Wills Körper und holte Hannibal aus seinem Dämmerschlaf. Die Wirkung der Tabletten war verflogen und schuf Raum für die schrecklichen Alpträume, welche den FBI-Berater schon lange quälten und in letzter Zeit an Intensität gewonnen hatten.
Seitdem er Hannibal kannte…
Als sein psychischer Berater war dieser ihm vom FBI an die Seite gestellt worden, damit er die Dinge, die er sah, besser verarbeiten konnte.
Doch seit diesem Tag war so viel passiert… ihre zwischenmenschliche Beziehung, anfangs nicht vorhanden, hatte sich zu einer Verbundenheit entwickelt und schließlich in einem Crescendo der Gefühle geendet.
Zuvor hatte er ihn tot sehen wollen… mehr als einmal hatte er seiner geheimnisvollen Anziehungskraft widerstehen können, aber einen von Hannibals Morden zu verhindern, war ihm nie gelungen. Dafür hatte er letztendlich das seltene Geschenk angenommen, das er ihm stets angeboten hatte… Verbundenheit und gegenseitiges Vertrauen – im Angesicht des Todes.
Völlig geschockt war er in jenem Moment, als auch er den gekrümmten Dolch zu spüren bekam. Der seelische Schmerz, selbst zum Opfer Hannibals zu werden, hatte den physischen noch bei weitem übertroffen und es war von Hannibal offenbar beabsichtigt, ihm so die Augen zu öffnen, denn selbst im Angesicht des Todes hatte Will sich des erotischen Anblicks nicht erwehren können… Blut an Hannibals wunderschön geschwungenen Lippen… das Blut der vermeintlich Getöteten, durch den Kampf gemischt mit seinem eigenen… und die Worte, die er zu ihm gesprochen hatte. „I gave you a rare gift but you didn´t want it.“
Eine Hand, die sanft durch sein Haar streicht,
kurz bevor…

Unruhig warf Will den Kopf hin und her.
Der Psychiater richtete sich auf und stützte sich auf einen Ellbogen, eine Haarsträhne fiel ihm dabei in die Stirn. Mit regloser Miene beobachtete er die hektischen Augenbewegungen unter den geschlossenen Lidern. Die Muskeln spannten sich in unregelmäßigen Abständen an und das Beben verstärkte sich. Ein gequältes Stöhnen veranlasste Hannibal schließlich dazu, mit seinen langen Fingern sanft durch das dunkle Haar zu streichen. „Hey“ sagte er leise, woraufhin Will aus seiner Pein befreit wurde und die Augen aufriss. Unruhiges Blaugrau flatterte umher, fand sich schließlich in stetem, unergründlichen Bernsteinbraun wieder, das ihm zu jeder Zeit Halt gab.
„Hey“ krächzte Will dankbar, denn er wusste, dass Hannibal ihn davor bewahrt hatte, schweißgebadet und mit rasendem Puls aufzuwachen. Wie sonst immer, bis der Alptraum ihn von selbst aus seinem Bann entließ…
Der Ältere hatte ihn gerettet, mehr als einmal, und ihn gleichzeitig in eine psychische Abhängigkeit getrieben, was sicher nicht ohne Grund geschehen war. Der hoch intelligente Geist hatte genau gewusst was er tat und ein klares Ziel verfolgt.
Die furchtbaren Visionen, die Realitätsverluste und die damit verbundene innere Zerrissenheit hatten stark zugenommen, doch Hannibal war sein Fels in der Brandung. Er brauchte ihn, mehr als er je eine Person in seinem Leben gebraucht hatte. Inzwischen auch körperlich, denn seit dem Zeitpunkt, als der geheimnisvolle, zu jeder Zeit beherrschte und perfekt gekleidete Mann ihn im Angesicht des sterbenden roten Drachen unvermittelt und beinahe brutal genommen hatte, war Will ihm verfallen. Er hatte ihn durch seine harten Stöße exakt in dem Moment kommen lassen, als das Leben aus dem brutalen Mörder gewichen war, den sie gemeinsam zur Stecke gebracht hatten. Hannibal war nie sanft vorgegangen bei dem, was er tat;
nicht, als er ihm den gekrümmten Dolch  in den Bauch rammte,
nicht, als er die Kreissäge an seiner Stirn ansetzte,
nicht in jenem Moment…

Will hatte geschrien, nicht nur aus Schmerz und Entsetzen, sondern auch aus purer Lust und Verlangen. „Das habe ich von Anfang an für uns beide gewollt…“ hatte Hannibal ihm daraufhin ins Ohr geflüstert.
Ein Erlebnis, das Will unabwendbar in die Arme des fast zwanzig Jahre älteren Mannes getrieben hatte. Hannibal hatte den passenden Zeitpunkt dafür gewählt und genau gewusst, was er damit in Will auslösen würde. Sein Werk trug nun Früchte.
Das Bild würde Will niemals mehr aus seinem Kopf bekommen, es fachte seine Alpträume seit diesem Tag neu an und doch verzehrte er sich nach genau jenem Moment, weil er etwas Grundlegendes in ihm verändert hatte.

Inzwischen war gut eine Woche vergangen und Will hatte den Mord nicht gemeldet, er konnte es nicht, denn er war ein Teil davon geworden; eins mit dem entfesselten Raubtier in Hannibal und unfähig es aufzuhalten.
Und doch fühlte er kein Unrecht, denn er spürte, dass es dem gefühlskalt wirkenden Mann genau das gab, was ihn lebendig machte und wonach er sich verzehrte.
Unmöglich, ihm das jetzt noch zu nehmen… unmöglich.
Sein Blick richtete sich auf die sinnlichen Lippen und er rief sich das hauchfeine Lispeln in Erinnerung, das Hannibals trockenem und starr wirkenden Akzent eine sanfte Note verlieh.
Will hob den rechten Arm, griff in das volle, aschblonde Haar und zog den Älteren zu einem Kuss herab. Zart und beinah schüchtern begegneten sie sich. Hannibal blieb verhalten, spürte die feine Berührung mit all seinen Sinnen, doch Will wollte mehr. Er berührte die Lippen mit seiner Zungenspitze, woraufhin ein Stromschlag seinen Körper durchlief und ihn erneut erzittern ließ. Doch diesmal nicht aufgrund eines Alptraums.
Und Hannibal spürte es. Er konnte so unglaublich zärtlich, aber andererseits auch unfassbar kaltblütig und brutal sein. Eine Mischung, die Will unaufhaltsam in ihrem Strudel der gefährlichen Faszination mitriss.
Der Ältere spürte diese Willenlosigkeit und nutzte sie gnadenlos aus. Er wusste jede Faser des anderen Körpers zu deuten. Will war abhängig von ihm – doch er war es auch von ihm. Hannibal löste sich einige Zentimeter und ergötzte sich an dem sehnsuchtsvollen Ausdruck in Wills Augen. Er hatte ihn an diesen Punkt gebracht, genau dorthin, wo er ihn haben wollte. Wenn es in seinem dunklen Geist, der schwarzen Seele ein Verlangen nach Liebe gab, dann musste es gestillt werden…
Waren Sie ein Paar? Oder womit sollte man ihre seltsame Verbindung beschreiben?
Sie lagen in dem riesigen Bett dieses abgeschiedenen Ortes. Keine zehn Meter hinter den großen Panoramafenstern die Steilküste. Das Schlagen der Brandung fast fünfzig Meter darunter drang gedämpft bis hinauf.
Hannibals Rückzugsort, sein Belvedere, das niemand außer ihm kannte.

Er schlug die Bettdecke zurück und sah, wie sich der entblößte Brustkorb von Will erwartungsvoll hob und senkte. Das Funkeln in seinen Augen erfüllte den Psychiater mit einem nie gekannten Gefühl der Wärme. Er schloss die Augen und begann die zarte, erhitzte Haut zu küssen.
Er nahm die Berührung und das, was es in ihm selbst auslöste, mit allen Sinnen wahr.
Mit der Zunge glitt er langsam, ganz langsam das Brustbein hinab und schmeckte ihn, senkte die schwer gewordenen Lider.
Will erzitterte unter der Berührung und ein genussvolles Brummen stahl sich aus seiner Kehle. Seine Hände krallten sich in das Laken zu seiner Seite. Mit Hannibal erlebte er Dinge, die er niemals für möglich gehalten hätte. Nie zuvor hatte er auch nur ansatzweise Interesse am gleichen Geschlecht verspürt. Doch dieser Mann war so viel mehr als das, er war geheimnisvoll, unnahbar, beherrscht und doch verschlingend wie ein Raubtier, wenn er die Kontrolle übernahm.
Eine schwindelerregende Mischung und Will stöhnte abrupt auf, als er fühlte, wie sich die schlanken Finger um seine Mitte schlossen. Hannibal begann ihn zu massieren, während seine Küsse weiterhin die Brust des Jüngeren benetzten. Sie verwandelten sich zu Nadelstichen aus purer Lust und schossen heiß durch Wills Körper. Ihm entglitt wieder einmal die Kontrolle, doch er wusste, dass der Ältere ihn auffangen würde.
Es ging viel zu schnell. Als er die Lippen kurz darauf an seiner Spitze fühlte, explodierte Will ohne Vorwarnung und bäumte sich stöhnend auf. Sein Herz raste erneut, doch nicht aufgrund von psychischen Qualen, sondern aufgrund physischer Erfüllung, die ihm Hannibal schenkte.

Kurz darauf blickte er Will in die verklärten Augen und seine glänzenden Lippen verzogen sich zu einem seltenen Lächeln. „Du reagierst schnell“ stellte er fest.
Will grinste und legte einen Arm über die Augen. „Wundert dich das?“
Hannibals Lächeln erstarb, so schnell wie es gekommen war. Auch er begehrte den anderen. Auch er brauchte ihn. Der lebendige junge Mann in seiner mentalen Verstörtheit erfüllte ihn auf eine nie gekannte Weise. Ohne Will hätte er das Gefühl, innerlich bereits tot zu sein.
Allein die Morde hatten ihm dazu verholfen, sich ein Stück weit lebendig zu fühlen. Doch jetzt war da noch etwas anderes. Ein Gefühl, das er niemals geglaubt hatte, zu verspüren - so kostbar und rar, dass er es für immer behalten wollte. Doch ihm war bewusst, dass er den wertvollen jungen Mann nicht wie seine Opfer behandeln durfte. Seit dem gemeinsamen Mord an dem roten Drachen kam Will ihm geistig seltsam klar vor, beinahe so, als hätte diese Tat ihm die Augen geöffnet - für etwas, das möglicherweise offenbar ebenso tief in der Seele des FBI-Beraters schlummerte wie in seiner… Hannibal hatte es gesehen…

Aber noch war diese Seele rein und nicht vom ausweglosen Schicksal eines Serienkillers vergiftet. Sie durfte nicht unter der Brutalität, mit der Hannibal seine Taten beging, zerrieben werden. Hannibal wusste, dass er selbst verloren war, aber Will war es noch nicht.
Ein seltsamer Schimmer trat in seine Augen, so dass Will fragend die Stirn zusammenzog und sich ein Stück aufrichtete. „Was hast du?“ fragte er leise, denn dieser Ausdruck kam völlig unerwartet.
Hannibal neigte den Kopf, sah ihm tief in die Augen und er strich ihm zärtlich eine dunkle Locke hinter das Ohr. „Die Teetasse setzt sich nicht wieder zusammen, nachdem sie zerschmettert wurde…“ flüsterte er tonlos, „es ist ein Hirngespinst…“
Verständnislos schüttelte Will den Kopf. „Was… meinst du damit?“
Ein Lächeln legte sich auf seine Züge, doch seine Worte straften diese liebevolle Geste Lügen: „Du musst den Mord melden… so darf es nicht weitergehen. Du darfst dich durch meine Taten nicht strafbar machen. Deine Seele ist rein.“ Er sagte es mit solch einer Überzeugung, dass sich in den blauen Augen das Entsetzen spiegelte. Will glaubte, sich verhört zu haben, denn Hannibal würde niemals eine Schwäche zugeben. „Aber genau das wolltest du doch für mich“ flüsterte er ebenso leise, unfähig, seiner Stimme mehr Nachdruck zu verleihen, „wir zwei sind jetzt eins, das ist unbestreitbar.“

Hannibals Blick war – wie so oft – unergründlich. Nie war eine Gefühlsregung in seinen Augen zu erkennen gewesen… bis jetzt. Das kühle Bernsteinbraun drückte die Liebe aus, die er zu Will empfand. „Die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft ist irrational. Ich habe mir etwas vorgemacht, auch wenn ich es mir so sehr wünschte… du bist zu kostbar, um im Schatten meiner Taten zu verderben.“
„Nein“ entschied Will und stieß seine Faust halbherzig gegen Hannibals Brust. „Das hättest du dir vorher überlegen sollen! Vor dieser ganzen Hirnwäsche! Ich liebe dich und ich tue es mit einer Leidenschaft, wie ich es niemals zuvor getan habe! Wir werden von hier verschwinden, uns gemeinsam an einen anderen Ort auf der Welt niederlassen. Niemand wird uns aufspüren.“
Hannibals Augen ruhten auf seinen, die nicht von der Überzeugung seiner Worte abwichen. „Sie werden dich… sie werden dich dafür umbringen. Und das kann ich… nicht zulassen.“ Wills Stimme endete in einem verzweifelten Flüstern – wie stets, wenn ihn die Situation überforderte. „Ich kann dich nicht verlieren… nicht mehr.“ Und nach einer Pause, in der sich die beiden Männer tief in die Augen blickten, fügte er entschlossen hinzu: „Wenn du gehst, dann gehe ich auch!“
Für einen Moment spiegelte sich Entsetzen in den Augen des Psychiaters. „Nein Will! Du hast nichts Unrechtes getan. Noch bist du frei von der Schuld des Mordens.“
„Nein, das bin ich nicht mehr“ sprach der FBI-Berater mit einer Ironie der Verzweiflung in seiner Stimme und ein bitteres Lächeln verzog seine Lippen. „Du hast dein Ziel erreicht: Egal, was du tust, ich stehe zu dir!“

Das klang vor kurzem noch völlig anders und Hannibal schluckte. Eine solche Äußerung, ein solches Vertrauen war ihm nie im Leben entgegengebracht worden. In Will hatte er einen Gefährten gefunden, jemand, der mit ihm in seine kranke, gestörte Welt eintauchen sollte und nun tat er es aus purer Liebe.
Sanft strich er ihm über die Wange, fuhr mit kühlen Fingern durch die kurzen weichen Barthaare. „Niemand hat jemals Gefühle in mir ausgelöst… nicht solche, wie du es tust… durch dich habe ich meine Bestimmung gefunden. Etwas… „ er machte eine lange Pause und sein Blick glitt über Will hinweg ins Leere, so dass dieser fürchtete, er würde den Satz unvollendet lassen, „…von dem ich dachte, ich würde es niemals erlangen…“ beendete Hannibal schließlich den Satz und richtete seine Augen wieder auf Will. „Du darfst nicht zu dem werden, was ich bin. Du darfst dich nicht mit meinem Gift infizieren, denn dieses wird nie versiegen. Ich weiß das…“ er hauchte ihm einen Kuss auf die Nasenspitze, „ich spüre es.“
In Wills Augen sammelten sich Tränen, als ihm bewusst wurde, wie ernst es Hannibal war, die Mundwinkel in der Überzeugung seiner Worte wieder einmal festgefroren. „Bitte nicht…“ wisperte er kraftlos, obwohl er ihm die Worte eigentlich entgegenschreien wollte, damit sie sich in seinem Kopf manifestierten. Hastig setzte er sich auf, nahm das geliebte Gesicht in beide Hände und drückte ihm einen Kuss auf, in dem Hannibal das Salz seiner Tränen schmecken konnte. „Ich lasse es nicht zu, dass du mich verlässt!“
Der Psychiater holte tief Luft. Ihm wurde klar, dass er Will mit vernünftigen Argumenten nicht überzeugen konnte – wie er es für gewöhnlich mit seinen Patienten tat. Die Gefühle waren zu tief und er musste sich eingestehen, dass er dieses Ziel einst angestrebt hatte.

Für einen Moment senkte er die Lider, unterbrach den Blickkontakt in dieses meeresblaue Gefühlschaos, denn es schnitt sein Herz in tausend Stücke. Eine Emotion, die ihm völlig fremd war und im Schmerz dieser Erkenntnis entglitten ihm für einen Moment die Gesichtszüge. „Bitte Will“ presste er hervor, „mach es mir nicht so schwer.“ Er holte tief Luft und richtete den Blick wieder auf ihn. „Wir beide wussten, dass es keine gemeinsame Zukunft geben würde.“
„Das war bevor ich mich in dich verliebt habe“ platzte es aus Will hervor. „Zuerst warst du nur mein psychologischer Berater, aber dann blickte ich hinter deine Fassade. Und ja, dafür wollte ich dich umbringen. Aber meine Fähigkeiten ermöglichten es mir zu erkennen, wer du wirklich bist und welches Potenzial in dir schlummert. Wir beide sind in dieser Zeit untrennbar zusammengewachsen, nahezu miteinander verschmolzen. Wir sind eins geworden und wenn du ehrlich zu dir selbst bist, hast du das von Anfang an so gewollt!“
Seine Stimme bebte aufgrund der Tränen, doch hatte sie ihre alte Überzeugung wiedererlangt. Deutlich erkannte er den Schmerz in den Augen des Älteren, dem diese Worte wie heißes Blei durch die Adern jagten. „Ich weiß das Will… ich spüre es ebenso wie du und glaube mir, es ist das Schönste, das ich je fühlen durfte. Aber… du wirst mich trotz allem nicht ändern können. Der Drang zu töten… er sitzt in mir wie ein Krebsgeschwür. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann es mich umbringt.“
Will schluchzte leise auf. „Ohne dich werde auch ich sterben… es ist zu spät“ flüsterte er, aus tiefster Seele überzeugt. „Es wird keinen Will Graham geben, wenn es keinen Hannibal Lecter mehr gibt.“

Dieser schwieg und unterbrach den Blickkontakt erneut, denn es schmerzte grausam zu sehen, wie Will litt und sich an die Verzweiflung klammerte, dass Hannibals kranke Seele noch zu retten sei. Ihre Verbundenheit trotzte der Erkenntnis, dass ihre gemeinsame Zeit nicht von Dauer sein würde.
„Kann ich…“ fragte Will mit bemüht fester Stimme, „…dich unter diesem Aspekt  noch umstimmen?“
Ein weiterer Dolch durchzog das Herz von Hannibal, ein so fremdes Empfinden, das ihm den Boden unter den Füßen wegzog.
Ein weiterer zärtlicher Kuss sollte die Situation besänftigen und das Schöne zwischen ihnen besiegeln. Hannibal schloss die brennenden Augen, seine Lippen suchten die von Will, tasteten sich an ihnen entlang und umschlossen sie in der unendlichen Liebe, die er für ihn empfand. Will ging darauf ein, keuchte leise auf, denn er spürte die Hingabe und die unglaublichen Emotionen, die dahinter steckten.
Etwas, das Hannibal nie zuvor in der Lage war, zu offenbaren.
Doch schließlich flüsterte er ein Wort, nur ein leichter Hauch gegen Wills Lippen, das sein Herz in tausend Einzelteile zerschmetterte: „Nein!“
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