Drachencorps

GeschichteKrimi / P18
Abigail "Abby" Sciuto Anthony "Tony" DiNozzo Dr.Donald "Ducky" Mallard Leroy "Jethro" Gibbs Timothy "Tim" McGee Ziva David
02.02.2020
30.03.2020
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Nichts von NCIS gehört mir, alle Rechte liegen bei Donald P. Belisario. Die Idee dieser Geschichte, sowie die erfundenen Charaktere stammen aus meiner eigenen Feder.
Dies ist meine erste NCIS-Geschichte und hoffe sehr, dass ich die Ermittler getroffen habe. Da ich seit Zivas Fortgang keine Folge mehr gesehen habe, bin ich nicht auf dem neusten Stand und schreibe deswegen mit Ziva. Es gibt keinen direkten Staffelbezug.

***

Erst kurz vorher musste ein Regenschauer über das Land gezogen sein, denn die asphaltierte Straße glänzte im Schein der tief stehenden Herbstsonne am späten Nachmittag. Anthony DiNozzo fuhr den Truck des Naval Criminal Investigative Services über den Highway zu ihrem nächsten Tatort. Kurz nach dem Verlassen des Navy Yards hatte er den Anschluss an Gibbs‘ dunklen Wagen verloren, der sich wie ein eleganter Kugelblitz zwischen den Fahrzeugen des innerstädtischen Verkehrs geschlängelt hatte. Sich bewusst sein, dass Tony nur seinen Hals riskieren würde, wenn er den Boss mit dem oftmals trägen Fahrzeug nachahmte, war er stur auf seiner Spur geblieben und den Straßenschildern gefolgt.
Kurz hatte Ziva gemurrt, die auf dem mittleren der drei Sitzen saß, dass er ruhig einen Zack zulegen sollte, aber ein scharfer Blick des Field Agents hatte sie zum Verstummen gebracht. »Sollte ich eines Tages dem Leben überdrüssig sein und Selbstmord begehen wollen, werde ich es dich wissen lassen und dem Boss folgen. Aber dann darfst du mich gerne hinterher von der Straße kratzen, Zivaaa«, absichtlich dehnte er ihren Namen, um sie zu necken.
Jedoch hatte Ziva ihre Füße gegen das Armaturenbrett gestemmt, ihr Kampfmesser aus dem Stiefel gezogen und begann seelenruhig ihre Fingernägel vom Dreck zu befreien.
McGee saß mit erbleichter Miene neben ihr und hoffte, dass Tony zu keiner Vollbremsung gezwungen wurde, weil er fürchtete, dass Ziva dann ein paar ihrer Finger einbüßte.
Nun befanden sie sich bereits außerhalb von Washington auf dem Weg zur Chesapeake-Bay. In einem der Zimmer des Studentenwohnheims der Naval Academy von Annapolis war ein Toter aufgefunden worden. Auf Bitten des Superintendent Vice Admiral Christian Walker hatte Vance sein bestes Team dorthin beordert.
Zwar war der Einsatz eine willkommene Abwechslung zum Überarbeiten der abgeschlossenen Einsätze, die sich in dezimeterhohen Stapeln geäußert hatten, aber bitte nicht an einem späten Freitag, kurz vorm wohlverdienten Feierabend!
Keiner von ihnen musste sich darüber ärgern, dass er nicht rechtzeitig ins Wochenende starten konnte, denn es würde erst gar nicht stattfinden. Verbrechen aufzuklären waren im Grunde ein 24/7-Job. Verspürte ein Mörder die Lust kurz vor dem Wochenende jemanden über den Jordan zu schicken, konnten die Ermittler nicht einfach sagen: ›Schön für den Toten, aber ich bin dann mal im Wochenende. Wir sehen uns dann am Montag um 10 Uhr nach meinem dritten Kaffee und einem ausgedehnten Frühstück am Tatort!‹
Für einen Ermittler galt dasselbe Motto, wie für die Pfadfinder: ›Allzeit bereit.‹
Somit stand es für Ziva, McGee und DiNozzo außer Frage, dass sie ihre Pflicht für den Staat erfüllten – denn in Zivas Fall machte sie es nicht fürs Vaterland, solange die blau-weiß-rote Fahne am Weißen Haus wehte und nicht die weiß-blaue der Israelis.
Tony musste einen Moment den Mund zu einem breiten Grinsen verziehen, als er daran dachte. Zur Demonstration ihrer Staatsangehörigkeit stand auf ihrem Schreibtisch immer eine kleine israelische Fahne.
McGee, der zur Beruhigung seiner flatternden Nerven bezüglich der ungewöhnlichen Methode Fingernägel zu putzen, aus dem Seitenfenster geschaut hatte, beugte sich vor, um an Ziva vorbeizuschauen und taxierte den Fahrer genau. »Was ist wohl so dringend, dass der Leiter der Academy ausgerechnet Vances bestes Team haben will?«
»Ein Toter ist passiert«, brummte Tony trocken. Er konzentrierte sich lieber auf den überfüllten Highway mit dem Feierabendverkehr, der dem Treiben der Stadt entkam um in wenigsten deren verdientes Wochenende zu starten.
McGee schüttelte den Kopf. »Das ist mir schon klar, Tony. Aber was ist so besonders daran, dass ausgerechnet nach uns verlangt wird?«
Etwas genervt rollte Tony mit den Augen. »Ach, Bambino! Erfreu dich doch einfach daran, dass wir das Beste sind, was der NCIS zu bieten hat! Oder ärgerst du dich, dass du nicht in deinen Onlinegames abhängen kannst, McWizzard?«, fragte er Augenbrauenzuckend seinen Kollegen.
McGee zuckte mit den Schultern. »Ich meine halt, vielleicht wurde jemand berühmtes ermordet. Der Sohn des Präsidenten oder so …«
Ziva beendete ihre Nagelpflege und schob das Kampfmesser zurück in ihren Stiefel. »Der Präsident hat keinen Sohn, nur zwei Töchter«, mischte sich Ziva in die Spekulationen ihrer Kollegen ein.
»Was ist deine Vermutung, Ziva?«, wollte McGee deswegen von ihr wissen.
»Ich bin kein Lichtseher und wir werden schon wissen, was uns am Tatort erwartet.« Unbekümmert zuckte sie mit den Schultern.
»Hellseher, Ziva. Es heißt Hellseher und stammt vom Wort ›Weitsicht‹ ab und hat nichts mit der vorherrschenden Helligkeit zu tun.«
Über Tonys bildende und berichtende Worte streckte ihm die Israeli die Zunge raus.

***

Die drohenden Wolken des vergangenen Unwetters hingen noch immer hinter dem Gebäude der Academy am Himmel und tauchten die Szene in ein dramatisches Bild. Die tiefstehende Sonne hüllte das Marmorgebäude in ein goldenes, fast schon rotes Licht und passte somit ausgesprochen gut zu den gleich gefärbten Bäume am Rande des Parkplatzes.
Ein kühler, erfrischender Wind wehte über den Vorplatz und sprach groß davon, dass es vor Kurzem geregnet hatte. Leicht schwang die Brise nach Salz und Seetang in der Luft mit, was eindeutig vom Meer ins Land herein geweht wurde.
Gibbs löste sich mit einem Kaffeebecher in der Hand von seinem dunklen, schlanken Wagen, neben dem Tony geparkt hatte. Sein Blick fiel auf die Armbanduhr an seinem Handgelenk. »Einen kurzen Moment war ich geneigt Wetten abzuschließen, ob Ducky und Palmer ausnahmsweise zuerst den Tatort erreichen werden.«
»Und was hat dich gegen die Wette entschieden?«, wollte Tony neugierig von ihrem Boss wissen.
Gibbs warf ihm einen vernichtenden Blick zu. »Der Umstand, dass sie sich in Baltimore verfahren haben. Und jetzt kommt mit«, herrschte er sein Team an.
Unterdessen hatte McGee bereits die Ausrüstung aus dem Truck geholt und drückte Ziva davon etwas in die Hände. Tony kratzte sich ungläubig unter seinem Basecap. »Wie kann man sich in Baltimore verfahren, wenn man eigentlich nach Annapolis will?«
»Ich weiß es nicht, DiNozzo«, bezog Gibbs die Frage auf sich, »aber scheinbar ist Palmer nicht lernfähig, weil er Ducky immer wieder die Straßenkarten in die Hand drückt.«
Da Gibbs bereits vor einer Viertelstunde den Ankunftsort erreicht hatte, wusste er bereits in welcher Richtung der Tatort lag. Sicheren Schrittes führte er sein Team über den Vorplatz der Akademie, hinüber zum Studentenwohnheim. Er führte sie an mehreren Tennis- und Basketballplätzen vorbei, auf denen sich die Studenten hitzige Spiele lieferten. Danach betraten sie ein weitläufiges, mehrstöckiges Gebäude, das eindeutig nach Schweiß, alten Kaugummis und irgendwie verschwendetem Talent roch. Nur weil es sich ›Naval‹ Academy titulierte, gab es hier keine anderen Studenten. Von muskeltriefenden Wandschränken fehlte hier ebenso die Spur, wie dämlich kichernde Weiber. Jeder, der sich an der Naval Academy einschrieb – egal ob Männlein oder Weiblein – musste nach seiner vierjährigen Studienzeit für fünf Jahre der US-Navy oder den US-Marines dienen. Kein schlechter Weg fürs Militär an neue Rekruten zu kommen, da sie mit einem Bachlor-Abschluss ebendieser Rekruten winkte. Dennoch fragte sich Tony, was die Menschen dazu bewog, sich hier einzuschreiben. Ihm hatte seine Zeit an der Remington Military Academy vollkommen gereicht – einer privaten militärischen Highschool!
Zielsicher führte Gibbs sie über die Flure des Gebäudes in den dritten Stockwerk zu einem Zimmer in der Mitte. Unterdessen setzte er das Team auf den aktuellen Stand. »Unser Tote heißt Liam Jakarta und befindet sich im ersten Studienjahr.« Zwei Mitglieder des Personals der Schule standen vor der Tür und bewachten es mit eisernem, stur an die Wand gerichtetem Blick.
Gibbs nickte den beiden Männern zu. »NCIS, Agents Gibbs, DiNozzo, McGee und Officer David«, stellte er sich ihnen vor und zückte seinen Ausweis aus dem Jackett, damit sie es sehen konnten.
Nickend und damit den Einlass gewährend, schritten die Männer auseinander. Sie betraten des Zimmer des Studentenwohnheims, das aus einem Wohnraum und Balkon bestand. Gegessen wurde in der Kantine am Campus, so wie es auf den Stützpunkten üblich war. Für die Notdurft oder Körperhygiene befanden sich auf jedem Stockwerk jeweils Gemeinschaftsbäder.
Etwas fragwürdig hob Tony eine Augenbraue, als er den penibel aufgeräumten Raum sah. Die Academy setzte es wohl hoch in ihr Ansehen, dass die Studenten sich in Ordnung und Sauberkeit übten, wie es das Militär selbst verlangte.
Einzig auf dem Couchtisch lagen ein paar Chipstüten und Stapel von Konsolenspielen herum.
Ihr Toter lag auf dem Bauch nahe des Balkons am Boden. Das Gesicht war ihnen abgewandt und lag auf der Wange. Mehrere blutige Messerstiche befanden sich in seinem Rücken und hatten das helle T-Shirt dunkelrot gefärbt. Die ersten Fliegen versammelten sich bereits in Scharen über dem Toten und der unangenehm süßliche Duft ließ dem Team der Magen herumdrehen. »Der kann unmöglich erst seit ein paar Stunden tot sein!«, brummte Ziva mit leicht verzogener Miene. Entweder machte ihr der Geruch nichts aus oder sie verbarg es gekonnt.
Tony überlegte ernsthaft, ob er das Gemeinschaftsbad in Anspruch nehmen sollte. Der Geruch war auch für seinen eigentlich stahlharten Magen zu viel.
»Laut dem Aufseher hat sich sein Zimmergenosse wegen eines verstauchten Knöchels auf der Krankenstube aufgehalten und ist erst am Nachmittag ins Zimmer gekommen.«
»Entweder sind deren Zimmernachbarn geruchsblind oder haben das Verbrechen begannen!«, knurrte Tony angewidert.
Hinter ihm vernahm er ein würgendes Geräusch und McGee rannte eilig aus dem Zimmer. In der warmen Umgebung des Zimmers konnte es Tony ihm nicht verübeln, auch sein Mittagessen kitzelte verräterisch an seinem Adamsapfel. Ein Glück hatte er nicht Ziva das Steuer überlassen, denn dann hätte er sich fröhlich McGees Kotzfreude angeschlossen.
Gibbs löste seinen Blick vom Toten und wandte sich an seine verbliebenen Teammitglieder. »Ziva, Beweise. Tony, Fotos und Tatotskizze. Wenn einer Kotzen muss, soll er es vermeiden den Tatort zu verunreinigen und McGees vorbildlichem Beispiel folgen.« Verdächtig schnellem Schrittes verließ der Chefermittler den Raum und suchte sein verbliebenes Mitglied.
McGee lehnte blass an der gegenüberliegenden Wand und hatte die Augen geschlossen. Etwas angeekelt fuhr er sich übers Brustbein. Als er die Schritte seines Vorgesetzten vernahm, öffnete er die Augen und versuchte sich schleunigst aufzurichten. Gibbs klopfte ihm jedoch nur aufmunternd auf die Schulter. »Ist nicht schlimm, McGee.« Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck sah er auf seinen halbvollen Kaffeebecher hinab und überlegte, wo der nächste Mülleimer war. Ihm hatte es die Lust auf seine geliebte schwarze Brühe verdorben.
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