✦ Wires ✦

GeschichteDrama, Krimi / P16
Gavin Reed Hank Anderson OC (Own Charakter) RK800-51-59 Connor
01.02.2020
13.09.2020
17
49.540
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Wires


1. greed has left us naked

Hunt the wicked
Chase disaster
In the world our sin has made
~ No More Heroes by Aviators ~




Samstag, 06.11.2038
10:02 Uhr
Detroit Police Department
„Hey, bring mir nen Kaffee, Arschloch.“
Stirnrunzelnd schloss sie die Tür hinter sich, als sie die Stimme ihres Partners erkannte.
„Jetzt mach schon!“
Ein Seufzer entfuhr ihr, während sie zielstrebig auf den Pausenraum zuging. Wahrscheinlich hätte sie als Erstes zu ihm und nicht auf Toilette gehen sollen. Dann hätte er gewusst, dass er sich wieder benehmen musste.
„Tut mir leid. Ich unterstehe lediglich Lieutenant Anderson.“ Die Antwort war bar jeder Emotion.
„Oh ... oh“, rief Gavin in ironischem Verständnis aus und im selben Moment, in dem die beiden nicht länger von einer Wand verborgen waren, schlug ihr Partner zu. Mit einem Stöhnen und den Händen auf dem Magen, sank sein Gegner zu Boden. „Wäre Hank gestern nicht da gewesen ...“
„Gavin!“, wies sie ihn zurecht.
Wütend sah er auf, als er sie jedoch erkannte, entspannten sich seine Gesichtszüge augenblicklich.
Sie schüttelte den Kopf, ihr Tonfall irgendwo zwischen Missfallen und spöttischer Resignation. „Da nimmt man sich einmal Urlaub ...“
Lachend schloss er sie in die Arme. „Davy! Schön dass du wieder da bist!“
„Guten Morgen“, sagte eine leise Stimme aus der Ecke des Raums.
„Chen“, grüßte sie ihre Kollegin knapp, dann warf sie einen bedeutsamen Blick auf das jüngste Opfer ihres Partners. „Ich hoffe, du hast nicht all zu viel angestellt, während ich weg war.“
„Hey, ich ...“, begann er sogleich abzuwehren.
„Ja, ja. Ich weiß“, winkte sie ab. „Wie wär’s, wenn du uns allein lässt? Ich komm gleich nach.“
Er seufzte genervt, beließ es aber bei einem „Klar“ und verließ den Raum in Begleitung seines Anhängsels.
Augenblicklich hielt Grace dem Mann die Hand hin. Erstaunt sah er zu ihr auf, ehe er sich von ihr aufhelfen ließ. Da erst begriff sie, dass es sich um einen Androiden handelte – und er war kein einfacher Assistent wie die anderen auf dem Revier.
Er war optisch in einem ähnlichen Alter wie sie und wurde als RK800 ausgewiesen. Der Android war adrett gekleidet, sah überraschend gut aus und es mangelte ihm an der leicht verstörenden, mechanischen Ausstrahlung, die sie von den meisten anderen Modellen kannte.
„Vielen Dank, Detective Davenport.“
Irritiert blinzelte sie. Hatte er sich im Voraus über alle informiert?
„Kein Problem“, winkte sie ab, die Überraschung mit Mühe abschüttelnd. „Tut mir leid, dass er dich so behandelt hat.“
„Ich bezweifle, dass Sie etwas dafür können“, entgegnete er ruhig und begann seine Kleidung zu richten.
Sie lächelte schief. „Nein, wohl nicht. Aber ich bin es inzwischen gewohnt, mich für ihn zu entschuldigen. Er ist ... ein schwieriger Fall.“
„Sie sind Partner, nehme ich an?“
„Exakt.“ Unschlüssig sah sie ihn an.
„Mein Name ist Connor“, stellte er sich vor. „Ich bin der Android, den CyberLife geschickt hat.“
„Freut mich dich kennenzulernen, Connor“, erwiderte sie, das Lächeln ein wenig gezwungen. „Ich wusste nicht, dass sie uns einen Androiden schicken würden.“
„Ich werde mit Lieutenant Anderson sämtliche Fälle in Augenschein nehmen, die mit Abweichlern in Verbindung stehen“, erklärte er.
„Verstehe. CyberLife hat natürlich ein erhöhtes Interesse daran, dass das Problem schnellstmöglich behoben wird“, sagte sie möglichst neutral.
„Korrekt.“
Unsicher verlagerte sie ihr Gewicht. „Und du ... bist in der Lage dieselbe Arbeit wie ein Detective zu leisten?“
„Das bin ich. Ich bin ein neuer Prototyp.“
„Aha.“ Ihr Lächeln verschwand. Kein Wunder das Gavin so überreagiert hatte. „Wer braucht schon einen Menschen, wenn er einen Androiden haben kann?“
Connor legte den Kopf etwas schief. „Ist das eine rhetorische Frage, Detective?“
Sie räusperte sich. „Ja. Und eine zynische noch dazu, tut mir leid.“
„Sie entschuldigen sich ziemlich oft.“
„Ich habe dich gerade beleidigt“, erinnerte sie ihn. „Auch wenn du es anscheinend nicht so verstanden hast.“
„Das macht mir nichts aus. Ich bin eine Maschine, Sie können meine Gefühle nicht verletzen.“
Die Antwort verstörte sie auf seltsame Art und Weise. „Darum ... Darum geht es nicht. Man hackt nicht einfach auf anderen rum – selbst wenn die Gefühle des anderen nicht verletzt sind. Das ist eine Frage des Anstands. Man sollte andere stets so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.“
Neugierig sah er sie an. Sie bemerkte selbst, dass sie sich mal wieder zu sehr in die Thematik reingesteigert hatte – zumindest würde er sie nicht danach fragen.
„Darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen?“
Verwundert sah sie ihn an, dann verzog sie ihre Lippen zu einem schiefen Lächeln. „Wenn ich dir dafür ebenfalls eine stellen darf, gerne.“
„Wie kommt es, dass Sie mit Detective Reed befreundet sind? Sie scheinen ihm nicht sonderlich ähnlich zu sein.“
Sie lachte auf. „Nein, das bin ich zum Glück nicht. Als ich vor zwei Jahren hergekommen bin, hätte ich auch niemals gedacht, dass wir uns anfreunden.“ Mit verschränkten Armen lehnte sie sich gegen die Wand. „Er ist ein Arschloch, das streite ich überhaupt nicht ab. Aber ... sobald man den Dreh einmal raushat, begriffen hat, wie er denkt, dann kann man lernen, mit ihm umzugehen. Zugegebener Weise hatte ich dabei den Vorteil, dass er mit mir auskommen musste.“
„Inwiefern das?“
„Keiner hat es jemals länger als ein paar Monate mit ihm ausgehalten. Fowler hat ihm gesagt, dass er sich gefälligst zusammenreißen soll, oder dass er sich eine Stelle unter einem anderen Captain suchen muss. Also hat er sich ein wenig Mühe gegeben und wir haben uns besser kennengelernt. Und festgestellt, dass wir mehr Gemeinsamkeiten haben als es den Anschein hat.“
Connor nickte langsam. „Ich denke, ich verstehe.“
„Gut, darf ich dann?“ Fast schon vergaß sie, dass sie nicht mit einem Menschen redete.
„Natürlich.“
„Hat CyberLife dir irgendetwas über mich gesagt?“
Stirnrunzelnd musterte er sie. „Nein, wieso fragen Sie?“
Sie zuckte mit den Schultern, tat, als wäre es nichts. „War nur so ne Frage. Du kanntest schließlich meinen Namen.“
„Ich habe direkten Zugriff auf die Datenbank“, entgegnete er. „Ich habe lediglich Ihr Gesicht gescannt.“
„Verstehe.“ Mit einem Räuspern brachte sie das Gespräch zu einem Ende. „Ich geh mal wieder an die Arbeit. Pass auf dich auf, Connor – und gib mir Bescheid, falls du Hilfe mit Gavin brauchst. Zu Androiden ist er besonders fies.“
„Wie gesagt, so etwas macht mir nichts aus, Detective“, entgegnete er.
„Aber mir.“
„Das ist verwunderlich.“
Einen Moment lang sah sie ihn eindringlich an, dann wandte sie sich mit einem „Wenn du meinst“ um und ließ Connor allein im Pausenraum zurück.

„Hast du dich mit dem Plastik-Arsch angefreundet?“, grüßte Gavin sie, sobald sie in Hörweite kam.
Sie seufzte auf. „Was habe ich dir über Mobbing gesagt?“
„Er ist kein Mensch – du hast keinen Grund, dich über irgendetwas aufzuregen.“
Kopfschüttelnd setzte sie sich an ihren Schreibtisch. „Das wirklich Traurige ist, dass du nicht verstehst, was ich meine.“
„Anscheinend nicht, nein.“ Verständnislos sah er sie an, dann wechselte er das Thema. „Wie war die Hochzeit?“
„Ganz nett. Für meinen Geschmack gab’s aber zu viele Gäste.“
Er lachte auf. „Pass auf, nicht, dass man dich noch für einen Misanthrop hält.“
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich mag halt keine großen Gruppen ...“
„... oder Lärm oder Spaß ...“
„Sehr witzig“, entgegnete sie trocken. „Wir können nicht alle dasselbe unter ‚Spaß‘ verstehen. Und du musst zugeben, dass dreihundert Gäste übertrieben sind.“
Mit verschränkten Armen sah er sie an. „Wieso bist du dann überhaupt gegangen?“
„Michael und ich kennen uns jetzt seit 15 Jahren. Da ruf ich ihn doch nicht an und sag ‚hey, übrigens, ich komm nicht zur Hochzeit. Nimm’s mir nicht übel, aber da ist mir nicht so nach‘.“ Kopfschüttelnd sah sie ihn an. „Und du fragst dich, warum ich dich nie mit den Angehörigen der Opfer sprechen lasse.“
Er lachte auf. „Schon gut! Schon gut! Also, sag mal: Ist dir nach guten Neuigkeiten?“
Fragend hob sie die Augenbrauen. „Lass hören.“
„Ein netter Mord auf Belle-Isle.“ Gebannt beobachtete er ihre Reaktion.
„Im CyberLife-Tower?“
„Jepp. Hat wohl einen der Wissenschaftler erwischt.“
Mit funkelnden Augen sprang sie auf. „Worauf warten wir dann noch?“
„Wusste ich doch, dass du das spannend finden würdest!“, rief er grinsend. „Du holst den Kaffee!“ Und schon war er weg. Kopfschüttelnd sah sie ihm hinterher.
Mit halbem Ohr hörte sie Chris‘ Ausführungen gegenüber Hank über einen AX400 zu, während sie ihren Mantel zuknöpfte. Dann schnappte sie sich einen der Thermobecher aus ihrer Schublade und band den Taillengürtel auf ihrem Weg zur Küche zu.
Mit Glück würde dieser Fall tatsächlich interessant werden – und war nicht einer dieser langweiligen Morde, bei denen der Täter offensichtlich war.

„Prof. Dr. Jeremiah Hemingway“, las sie vor. „41 Jahre alt, wohlhabend und einer der hiesigen Projektleiter. Heute Morgen kurz nach Arbeitsbeginn gefunden, verstorben wahrscheinlich gegen 5 Uhr früh. Arbeitszeit ist wegen eines Projektes momentan von 4 bis 16 Uhr.“
Gelangweilt klappte sie die Akte zu und drückte sie dem nächststehenden Officer in die Hand. Dann hockte sie sich neben Gavin hin und betrachtete die Überreste von dem, was einmal einer der bekanntesten Wissenschaftler von CyberLife gewesen war.
„Wo hat man das Herz gefunden?“, fragte sie niemand bestimmten.
„In der Ecke da hinten.“ Officer Brown wies auf eine Stelle zur Rechten des großen Fensters. „Anscheinend wurde es einfach da hingeworfen.“
„Wenn ihr mich fragt, spricht das für ein gebrochenes Herz“, witzelte Gavin neben ihr.
Sie verdrehte die Augen und betrachtete stattdessen das aufgerissene Fleisch. „Hast du ne Ahnung, was für ein Gerät ein Herz aus der Brust reißt?“
Ihr Partner schüttelte den Kopf. „Sowas habe ich noch nie gesehen. Aber ins Gesicht wurde ihm auf jeden Fall etwas aus Metall gerammt.“
Sie nickte langsam. „Mehrmals. Da war jemand wütend.“
Damit erhob sie sich und nahm das mitgenommene Büro näher in Augenschein. Hier hatte ein heftiger Kampf getobt. Der Stuhl war umgekippt und ein paar Sachen waren vom Schreibtisch gefallen. Zudem hatte etwas eine Delle im Fenster hinterlassen, während die Leiche kurz vor der Tür lag.
„Wollen wir?“, erwartungsvoll sah sie Gavin an.
Brown schüttelte den Kopf mit einem Seufzer. „Wir machen euch mal Platz. Sehen nach Zeugen ... oder so.“
Unfreiwillig lachte sie auf. „Das alle das immer so verstörend finden.“
Während der Rest den Raum verließ, brachten sie alles mehr oder wieder auf Normalzustand.
„Ladies first.“ Bedeutsam hielt ihr Partner die Münze hoch.
„Kopf.“
Im nächsten Moment flog sie auch schon in die Luft und gekonnt fing Gavin sie wieder auf.
„Dein Glück“, brummte er, steckte die Münze wieder ein und setzte sich auf den Stuhl. Sie warf ihm einen frechen Blick zu und stellte sich in die Tür.
Zielstrebig ging sie in den Raum hinein und Gavin sprang auf, den Stuhl dabei umwerfend. Sie stürmte um den Schreibtisch herum, packte ihn an den Schultern und warf ihn gegen das Fenster. Ihre Faust als Ersatz zur noch unbekannten Tatwaffe, führte sie einen leichten Angriff gegen ihn aus.
Schnell duckte er zur Seite, so dass sie stattdessen die Delle im Fenster berührte. Er taumelte, fiel und kroch dann in Richtung Leiche.
Missmutig schüttelte sie den Kopf und hielt inne. „Wir vergessen das Chaos auf dem Schreibtisch.“
Mit einem Brummen erhob er sich, stellte sich wieder an das Fenster.
„Also: Ich weiche nach rechts aus. Warum, wenn die Tür links ist?“
„Du willst zum Schreibtisch.“ Abrupt wandte sie sich ab, überprüfte die Schubladen und wurde schließlich fündig. „Du hast eine geladene Waffe.“
„Also habe ich Angst, obwohl der Tower hervorragend gesichert ist.“
„Du hast wohl viele Feinde.“
Er nickte langsam und sie kehrte zu ihm zurück. Dieses Mal warf er sich nach rechts und schubste sie zurück. Sie taumelte etwas, während er sich auf den Schreibtisch stürzte. Sie sprang zu ihm und packte seinen Arm, bevor er die Schublade erreichte. Gavin drehte sich zu ihr um, packte sie und warf sie über die hölzerne Fläche.
Mit einem Keuchen rollte sie sich darüber ab, zahlreiche Gegenstände mit sich reißend – unter anderem auch ihren Partner.
Mit einem dumpfen Geräusch landeten sie auf dem harten Boden – direkt neben der Leiche.
„Wir kämpfen“, stieß sie hervor, sich ein wenig aufrichtend, „du rollst dich zur Seite und da bring ich es zu Ende.“
Er nickte und folgte ihrem Beispiel langsam. „Ich glaub, ich bin zu alt für so was.“
„Du bist nur ein Jahr älter als ich“, erinnerte sie ihn. „Und du willst mich doch wohl nicht alt nennen?“
„Ja, ja“, brummte er.
Mit einem schiefen Lächeln kam sie auf die Füße und half ihm hoch. „Da du das Opfer warst, darfst du dir auch aussuchen, was du machen willst.“
„Sehr gnädig“, spöttelte er, dann sagte er, etwas ernster. „Ich befrag die anderen auf der Etage.“
„Das hat auch bestimmt nichts damit zu tun, dass die Dame ein Büro weiter auf kurze Röcke steht“, kommentierte sie. Ehe er etwas sagen konnte, winkte sie ab. „Ich frag mal nach den Aufnahmen. Auf der Etage gibt’s zwar keine Kameras, aber im Fahrstuhl und beim Empfang.“
Sie war fast schon verschwunden, als er ihr hinterherrief: „Essen um 2?“
„Wenn du zahlst!“


to be continued ...


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Guten Abend und herzlich willkommen zu meiner neuen Geschichte! :-)

Nachdem ich zu Weihnachten „Detroit: Become Human“ geschenkt bekommen hatte, konnte ich von dem Spiel gar nicht genug bekommen. Also habe ich es nicht nur in wenigen Tagen durchgespielt, sondern hatte sehr schnell auch eine Geschichte im Kopf, die ich einfach aufschreiben musste.

„Wires“ habe ich nun zu einem guten Stück schon vorgeschrieben, sodass ich hoffe, meinen geplanten Upload-Plan ohne große Probleme umsetzen zu können: Ich werde jede Woche (immer samstags) ein Kapitel hochladen. Ein Kapitel hat meistens eine Länge zwischen 2000 und 3000 Worten, das kann aber je nach Handlung etwas variieren.

Ich hoffe, das erste Kapitel hat euch gefallen und dass ihr Interesse an meiner Geschichte bekommen habt. Für Kritik bin ich übrigens immer offen - und ich freue mich über jede Rückmeldung. Vor allem aber brenne ich darauf zu lesen, was ihr von den Charakteren, der Handlung und dem Cover (oben im Titel verlinkt) haltet! :D

Falls euch übrigens die Songs hinter den Lyrics interessieren - ich habe bei der Benennung auch immer gleich einen Link zu einem Youtube-Video eingebaut.

Auf ein Wiederlesen! ;)

Liebe Grüße,
Lena
aka Shadow-Lightning





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Disclaimer:
Ich habe keinerlei Rechte an dem Detroit: Become Human Universum. Dies beinhaltet sowohl die originalen Charaktere, die Welt als auch die Handlung des Spiels. Diese Geschichte wird weder von Quantic Dream gefördert noch ist sie in anderer Art und Weise offiziell. Diese Geschichte entsteht aus reinem Vergnügen. Ich verdiene hierbei kein Geld.



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