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Das Feuer und der Wille

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
31.01.2020
31.01.2020
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Hierbei handelt es sich um eine Fanfiktion zu dem Film „Shin Godzilla“ von Hideaki Anno und Shinji Higuchi und es wird versucht, die Gedanken und Gefühle einer ganz bestimmten Figur deutlich zu machen. (Ja, es ist mir bewusst, dass sie wahrscheinlich diese menschlichen Begriffe nicht kennt. Dann ist das hier halt quasi eine „Übersetzung“)
Die Lektüre empfiehlt sich wirklich nur, wenn man den Film gesehen hat, da man sonst wahrscheinlich nicht alles verstehen wird.
Das hier ist natürlich nur meine eigene Deutung. Jeder Zuschauer kann natürlich auch eine andere haben, vor allem da man die Motive dieses Charakters genau genommen nie in aller Deutlichkeit erfährt.
Inspiriert wurde ich u.a. auch von diesem Lied und diesem Bild.





Was war vor all diesem hier?
Ich weiß es nicht mehr genau.
Alles, was in meiner Erinnerung noch existiert, ist eine angenehme Dunkelheit. Es war friedlich und ruhig.
Doch dann brach sie zusammen. Sie wurde zum Gift für mich und ich konnte nicht mehr länger in ihr leben. Ich musste mich verändern und mich ihr anpassen.  Schließlich nahm ich das Gift sogar auf, um noch leben zu können.

So lernte ich zum ersten Mal den Schmerz kennen.
Nun ist er das Einzige, was ich noch richtig spüre. Er ist in mir und scheint sich nach außen zu fressen. Wie ein wildes Feuer tobt er in meinem Körper und will mich zerstören.
Gleichzeitig ist es dieses Feuer, das mich noch erhält. Es hat mich schon zu sehr erfüllt und jeden Teil meines Körpers durchdrungen, als dass ich noch ohne es noch leben könnte. Es ist untrennbar an mich gebunden und wird mich nie mehr verlassen.
Dieses Feuer verändert auch meinen Körper. Dadurch habe ich die Dunkelheit verlassen und gelangte nun hinauf zum Licht, in eine andere Welt.
Dann trat etwas Neues in mein Bewusstsein. Ich nahm etwas Fremdes auf und seitdem begann es mich zu lenken. Eine Art übermächtiger Wille fing an, mich anzutreiben. Wie das Feuer meinen Körper, beherrschte er meinen Geist.
Er zwingt mich, immer weiter zu ziehen.
Wohin? Ich weiß es nicht. Es gibt nur eine Richtung: Vorwärts.

Ich passe nicht in diese Welt. Das Licht brennt in meinen Augen, die Luft ist schwer zu atmen und Blut rinnt aus meinem Körper, der nicht hier hergehört. Meine Umgebung zerbröckelt unter ihm und ich kann mich kaum richtig fortbewegen, muss mich praktisch blind  vorwärts schieben.
Aber weder kann ich nicht entkommen noch kann mich irgendetwas aufhalten.

Doch dann verwandele ich mich erneut: Meine Beine werden stärker und stemmen meinen Körper nach oben. Nun kann ich aufrecht stehen und richtig atmen, doch meine Qual wird durch diesen Schmerz immer größer. Zum ersten Mal lasse ich dieses Gefühl richtig aus mir heraus: mit einem Schrei, der alles erzittern lässt.
Zuerst leicht taumelnd schaffe ich es, mich nun durch diese Landschaft zu bewegen. Mein neuer Körper passt nun besser hierher, doch das hat seinen Preis: Das Feuer wird wilder als jemals zuvor, es glüht praktisch aus meinem Rücken nach außen.
Es wird so unerträglich, dass ich die Flucht ergreife. Rasend vor Schmerz stürze ich davon und tauche zurück in die Tiefe. Sie scheint mich zu empfangen und die Kälte lindert die Hitze kurzzeitig. Für einen Moment empfinde ich den ehemaligen Frieden, doch ich kann nicht bleiben.
Der Wille wird immer stärker und erneut steige ich hinauf in die andere Welt.

Wieder bin ich verändert. Das Feuer hat mich noch weiter ausgefüllt, meine Haut ist wie fest erstarrt und meine Knochen und mein Blut glühen vor Hitze.
Jetzt bin ich größer als alles andere. Nun zerbröckelt nichts mehr unter mir sondern ich zermalme es ohne größere Mühen. Was vorher Hindernisse waren, sind jetzt nur noch kleine Steine auf meinem Weg. Das Ziel kenne ich immer noch nicht.
Doch alles in dieser Welt scheint mich nun mehr denn je abzustoßen. Donner und Explosionen treffen mich und versuchen offenbar, mich zu vertreiben. Alles um mich herum ist  mein Feind, da ich auch der Feind von allem hier bin. Den Grund dafür weiß ich ebenso wenig. Der Wille befiehlt es mir.
Nichts kann mir noch etwas anhaben, ich bin zu mächtig für die Gefahren dieser Welt geworden. Das, was da an meiner Haut abprallt, ist kaum bemerkbar.

Dann schlägt etwas Stärkeres auf mir ein und eine neue Empfindung durchfährt meinen Körper: Ein Schmerz von außen. Ich spüre, wie ich aufgerissen werde und das Blut aus meinem Rücken läuft.
All mein Leiden und mein Schmerz bündeln sich erneut in einem gewaltigen Schrei und dann lasse ich das Feuer aus meinem Inneren heraus.
Meine Umgebung geht in Flammen auf und wird zerstört. Unkontrolliert bricht diese gewaltige Macht aus mir heraus und bringt die pure Vernichtung hierher. Vielleicht es auch das ,was der Wille immer schon von mir wollte.
Dann wird das Feuer zu Licht. In meiner Wut und meinem Schmerz schieße ich es umher und setze die Zerstörung immer weiter fort, bis ich zu schwach bin.
Zum ersten Mal ist das Feuer kleiner geworden und mit ihm schwinden auch meine Kräfte. Meine Bewegungen werden langsamer und ich verfalle in eine Art Schlaf.

In dieser Ohnmacht gibt es keine Gedanken oder Träume. Es herrscht nur eine tiefe Leere, voller Dunkelheit. Doch es ist nicht mein ehemaliges Zuhause, denn der Schmerz ist immer noch da.
Zwar ist er kleiner geworden, doch er ist das Einzige, was ich noch fühle.
Vielleicht ist auch er das Einzige, was mich vor dem endgültigen und ewigen Schlaf bewahrt.
Doch vielleicht wäre das dieser Welt auch vorzuziehen.

Urplötzlich wache ich auf. Es ist etwas von außen, das mich geweckt hat: Erneut greift man mich an, doch diesmal bin ich zu schwach dafür.
Ich versuche, mich wieder zu wehren, aber das Feuer ist noch nicht wieder richtig erwacht. Schon nach kurzer Zeit versagen meine Kräfte.  
Es scheinen Berge auf mich  niederzustürzen und reißen mich zu Boden. Erschöpft bleibe ich liegen. Nun wird mir von fremden Objekten etwas Seltsames eingeflößt, das meine Kräfte noch weiter lähmt.
Mit letzter Kraft verbrenne ich sie und kann mich wieder erheben, doch ich spüre es schon: Meine Glieder erstarren und meine Haut überzieht sich mit Kälte. Das Feuer wird immer kleiner und mein Geist erschlafft, genau wie mein Körper.
Ich versinke in einer noch tieferen Trance als vorher, noch näher an der Grenze zur ewigen Ruhe.

Nun bin ich regungslos wie ein Fels geworden. Kein einziger Muskel kann sich mehr bewegen.  
Doch ich lebe noch.
Es mag noch so sehr schrumpfen, das Feuer kann nicht erlöschen und besteht in meinem Körper noch immer weiter. Es hat mich unsterblich gemacht, nie werde ich vergehen können, so lange es noch brennt.
Eines Tages wird es mich aus dieser Starre befreien.
In mir wächst, angetrieben von dem Willen, schon etwas Anderes, etwas Neues.
Bis jetzt war ich allein in diesem Kampf. Der Einzige meiner Art.
Doch das wird nach meinem Erwachen nicht mehr so sein.
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