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Der Löwe von Kerry

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Fred Weasley George Weasley OC (Own Character)
31.01.2020
08.07.2020
32
141.891
68
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80 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
31.01.2020 5.326
 
Hi :)

Erst mal vorab - ich halte mich gerne an den Canon, aber ich habe es nicht geschafft, George mit Angelina zusammenzubringen - vielleicht sind sie in meinem Harry Potter Paralleluniversum einfach nicht füreinander bestimmt.
Aus der Sicht eines Mannes kann ich leider auch nicht schreiben ( ich kann mich nicht gut genug in sie hineinversetzen und es würde nur das herauskommen, was Frauen denken, das Männer denken...), also ist die Geschichte aus weiblicher Sicht geschrieben.
Diese Geschichte spielt grundsätzlich im selben "HP-Paralleluniversum" wie meine erste FF, unterscheidet sich aber in Länge und Umfang deutlich von ihr. Sie ist nur etwa 130.000 Worte lang, knapp über 30 Kapitel und somit viel mehr im Buchformat gehalten. Beleuchtet wird ein Zeitraum von Ostern 1997 bis  2000 (glaube ich).
Also beginnen wir mal zu Ostern im Jahr 1997:

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Kapitel 1: In dem Mae von einem Fremden erfährt, was sie schon längst gewusst hat und Einblick in eine unbekannte Welt erhält

London kam ihr riesig vor. Dabei war es nicht das erste Mal, das sie hier war. Es war nur eben so, dass sie von einem zum anderen Mal immer wieder verdrängte, wie groß die Stadt wirklich war. Und es war wirklich ein Fehler gewesen, in einen Stadtteil zu fahren, den sie nicht kannte. Warum war sie nicht dorthin gegangen, wo sie sich zumindest ein bisschen auskannte? Und es war außerdem eine dumme Idee gewesen, sich Sehenswürdigkeiten ansehen zu wollen. Erstens hatte sie die meisten schon gesehen und zweitens war sie nicht wirklich gut darin, Karten zu lesen. Sie hasste es, wenn sie es sich recht überlegte.

Welche Straße hatte sie hierher genommen? Sie wünschte nur, sie wäre ein wenig besser darin, sich zu orientieren.

„Du siehst verloren aus.“

Mae drehte sich nach der Stimme um und erblickte einen jungen Mann, der sie freundlich anlächelte. Seine Hände hatte er in seine Hosentaschen gesteckt und mit seinem Kinn, auf dem er einen rötlichen Dreitagebart trug, nickte er in die Richtung der Karte.

„Das erste Mal in London?“

„Ja“, begann sie und verbesserte sich dann rasch auf ein: „Ich meine, nein.. ich denke… ich war schon hier, ich meine… nicht genau hier, aber schon in London allgemein. Nur irgendwie...ja. Ich hab mich ein wenig verirrt.“

Mae lächelte und versuchte sich an einem hilfesuchenden Augenaufschlag. Sie wollte ja nur eine Wegbeschreibung, mehr nicht.

„Ich verstehe schon“, erwiderte der Mann inzwischen und schien grundsätzlich nicht unempfänglich für ihre Signale zu sein. „Ich wohne seit bald einem Jahr hier und verirre mich immer noch regelmäßig.“ Er runzelte seine Stirn und fügte leise hinzu: „Es ist aber auch viel einfacher, nicht zu Fuß zu gehen...“

Das klang nun ja wieder weniger vielversprechend. Wenn er sich selber regelmäßig verirrte, waren seine Wegbeschreibungen sicher mit Vorsicht zu genießen. Andererseits war sie ja immer noch mit der Karte ausgerüstet und würde sie notfalls einfach damit abgleichen.

„Wohin solls denn gehen?“

„Eigentlich nur zurück zu meiner Unterkunft.“ Sie tippte mit dem Finger auf den Punkt, den sie auf der Karte mit einem Kugelschreiber dick eingekreist hatte. „Aber ich bin mir nicht sicher, wo ich jetzt bin. Sehen Sie“, fuhr sie fort und seufzte, während sie die Karte so justierte, dass er mehr sehen konnte, „eben war ich noch hier.“ Sie zeigte auf einen markanten Punkt mit einem Park, den sie zumindest geglaubt hatte, richtig zugeordnet zu haben. „Und dann dachte ich, dass hier hier entlang gehen muss, aber irgendwie bin ich wohl falsch gegangen, weil die Straße hier heißt ja ganz anders, als sie sollte. Oder haben sie sie umbenannt?“

Der Mann nahm ihr die Karte mit einem Stirnrunzeln aus der Hand und suchte sie mit den Augen ab. Nach einer Weile tippte er mit der Fingerspitze auf eine Straße, die tatsächlich denselben Namen trug, wie die, in der sie standen.

„Hier sind Sie. Das ist ein ganz anderer Stadtteil. Der Park, den Sie gesehen haben, ist so klein, dass er nicht einmal eingezeichnet ist.“

„So ein Mist“, murmelte Mae und fuhr sich etwas verzweifelt durch ihr Haar. „Ich hasse Maßstäbe. Warum können sie das nicht so machen, dass es auch Leute wie ich lesen können?“

„Vermutlich lassen die Sie gerne leiden.“ Er grinste schief und zeigte ihr dann, welchen Weg sie wirklich gehen musste. Netterweise benutzte er dafür nicht die Karte, sondern eine Erklärung allà: „Da vorne links, so lange geradeaus, bis Sie ein großes Musikgeschäft sehen, dann rechts, dann bis zum Theater geradeaus und...“

Es war fast genauso verwirrend, wie die Karte. Nur, dass sie es sich merken konnte.

„Keine Angst, mein Weg nach Hause überschneidet sich bis zum Musikgeschäft, ich kann Sie solange begleiten.“

„Gern.“

Also setzten sie sich in Bewegung. Mae nahm die Karte wieder entgegen und faltete sie zusammen, während sie einem Hundehaufen auswich, den irgendjemand freundlicherweise auf dem Gehsteig hinterlassen hatte.

„Mögen Sie Hunde?“, fragte ihr Begleiter in diesem Moment, offenbar war es ihm aufgefallen, und entlockte ihr damit ein Lachen.

„Ja, sehr. Wir haben Zuhause immer Hunde. Hütehunde, normalerweise. Aber wir leben nicht in der Stadt.“

„Das habe ich gemerkt“, erwiderte er mit schelmischen Lächeln und sie grinste. „Ja, ich bin eher kleinere Ortschaften gewöhnt. Aber ich bin nur für die Osterferien hier, eine Freundin aus Oxford besuchen.“

„Wenn sie aus Oxford ist, wieso besuchen Sie sie dann hier?“, fragte er ein wenig irritiert nach, und Mae warf ihm einen fragenden Blick zu.

„Oxford University. Wir teilen uns dort ein Zimmer. Sie selbst ist in London groß geworden“, erklärte sie, ein wenig verwundert über das Missverständnis.

„Ach, die Universität, natürlich“, murmelte er und verzog seinen Mund kurz zu einer Grimasse. „Na dann.“ Sie bogen links ab und in der Ferne konnte Mae das Musikgeschäft, das vermutlich gemeint war, bereits erkennen.

„Und Sie?“

„Äh, ich hab einen Laden“, erwiderte er und Mae schüttelte ihren Kopf. „Eigentlich meinte ich, ob Sie Hunde mögen.“

„Achso“, lachte er und neigte seinen Kopf ein wenig zur Seite. „Nicht besonders. Vielleicht. Ich weiß nicht, ich hatte nie einen und um ehrlich zu sein, kann ich mir auch nicht vorstellen, einen zu halten. Hier in der Stadt scheint mir nicht gerade der richtige Ort dafür zu sein und ich habe auch nicht die Zeit, um jeden Tag mit ihm spazieren zu gehen.“

„Da haben Sie sicher recht. Aber Sie wissen nicht, was sie verpassen. Hunde sind treu und loyal und sie stehen immer zu einem.“

„Menschen können auch treu und loyal sein, und man muss sie nicht Gassi führen“, merkte er an und brachte sie damit wieder zum Lachen.

„Mag sein, aber es ist nicht so leicht, so jemanden zu finden, oder?“

„Ich weiß nicht“, sagte er und fuhr sich über sein unrasiertes Kinn. „Ich habe einen Zwillingsbruder, also bin ich vermutlich privilegiert.“

„Ist das nicht eher Fluch, als...ich meine, verzeihen Sie, ich wollte nicht“, unterbrach Mae sich hastig, als ihr klar wurde, was sie gesagt hatte.

„Sie meinen, weil ich es nicht gewöhnt bin von ihm getrennt zu werden, keinen Tag im Leben alleine war, und wir uns in dieselbe Frau verlieben?“, fragte er mit verständnisvollem Lächeln und Mae nickte, erleichtert darüber, dass er Humor besaß.

„Ich gebe zu, dass es tatsächlich solche Zwischenfälle geben kann, aber dafür habe ich einen Menschen, mit dem ich alles teilen kann, und selbst wenn wir weit voneinander entfernt wären, würde ich immer eine Verbindung spüren.“ Er zuckte mit den Schultern und blieb vor einem Pub, direkt vor dem Musikgeschäft stehen.

„Dann trennen sich hier unsere Wege, kommen Sie gut heim.“

Er nickte ihr zu, aber Mae konnte sich nicht zurückhalten und spottete: „Ich dachte, Sie wollten nach Hause. Jetzt gehen Sie in einen Pub?“

Seltsamerweise wirkte er mehr überrascht, als ertappt. Er drehte sich in Richtung der Türe und fragte: „Pub?“

„Na hier: Zum tropfenden Kessel. Sie stehen doch davor?“

Er wandte sich ihr wieder zu, kniff seine Augen leicht zusammen und fragte: „Sie sehen den Pub?“

„Äh...ja? Ich bin doch nicht blind?“

Sie musterte sein überraschtes Gesicht, seine Augen, in die ein seltsames Funkeln trat, und seinen Mund, der sich zu einem Strich verengte, bevor er ihn wieder lockerte und sie fragte: „Wollen Sie vielleicht noch auf ein Getränk mitkommen?“

Das kam aus dem Nichts, zumindest für Mae. Gerade eben hatte er sich von ihr verabschieden wollen, keine Anstalten gemacht, nach ihrer Nummer oder ihrer Adresse zu fragen. Nicht einmal nach ihrem Namen. Und jetzt wollte er plötzlich, dass sie etwas gemeinsam tranken? Das konnte eigentlich nur damit zusammenhängen, was gerade passiert war (was auch immer das sein sollte…). Es machte sie neugierig. Und so sagte sie Ja.

Sie folgte dem Fremden in den Pub, der sich als sehr dunkel und schlecht besucht erwies. Allerdings war auch noch nicht wirklich die passende Uhrzeit für eine Feierabendbier, weswegen sie das verzeihen konnte.

Sie setzten sich an einen staubigen, leeren Tisch, und ihr Begleiter nickte dem Wirt hinter der Theke zu und rief etwas, das wie: „2 Butterbier“, klang, bevor er seinen Jacke ablegte. Butterbier? Sie musste sich verhört haben. Oder es war eine Marke, die sie nicht kannte. Wie auch immer, solange sie nicht dafür zahlen musste, würde sie sich nicht beschweren. Also schlüpfte sie ebenfalls aus ihrer Jacke, hängte sie über die Stuhllehne und wandte ihrem Begleiter wieder ihre Aufmerksamkeit zu.

„Was halten Sie von Magie?“, fragte er unvermittelt und lockte sie damit ein wenig aus der Reserve.

„Ob ich daran glaube?“, gab sie zurück und als er nickte, zuckte sie mit den Achseln. „Natürlich. Sie ist überall. Wir haben Zuhause Trolle und Kobolde und Feen und all so ein Zeugs.“

„Ich meine, Magie wie diese hier“, sagte er und zeigte auf etwas, das sich hinter ihr befand. Sie wandte sich um und sah, dass gerade zwei Krüge mit Getränken durch die Luft auf sie zu schwebten. Schwebten. Von alleine. Ohne Hilfe. Einfach so.

„Das ist … mehr Magie, als ich bisher gesehen habe“, gab sie zu, versuchte aber, nicht allzu sehr auszuflippen.

„Wie heißt du?“, wechselte er unwillkürlich das Thema und erschütterte sie damit noch mehr. Vor ihr auf dem Tisch landete einer der Krüge, der mit jede Menge Bierschaum verziert war. Sie nahm probeweise einen Schluck und war irritiert, dass es süß und warm war.

„Mae.“

„Marry?“

„Maèlle.“

„Das klingt gälisch.“

Sie nickte. „Die Prinzessin. Oder so etwas.“

„Dein Dialekt klingt nicht irisch“, stellte er fest und sie verzog ihren Mund zu einem Grinsen.

„Der Name stammt von meiner Oma. Sie war wohl Irin. Ich komme aus Island.“

„Verstehe...“ Er nahm einen Schluck von dem Bier, und es schien ihm zu schmecken. Natürlich, sonst hätte er es wohl kaum bestellt. Sie selbst fand die Kombination des Geschmacks ziemlich seltsam und wusste nicht, ob sie es mochte. Trotzdem nahm sie noch einen Schluck und musterte eine komisch angezogene Person, die ein paar Tische weiter saß. Sie trug einen interessanten, spitz zulaufenden Hut. Natürlich gab es in London genug Leute, die keinen Geschmack für Kleidung besaßen, aber sie ertappte sich dennoch dabei, sie anzustarren.

„Und wie heißen Sie?“, fragte sie zurück, um nicht allzu unhöflich zu wirken und suchte seinen Blick. Er hatte gerade seinen Krug an die Lippen gesetzt, blickte über den Rand auf und sah sie mit braun-grünen Augen an. Sie hatte nicht oft rothaarige Männer getroffen, die sie als attraktiv empfand, aber er gehörte definitiv dazu.

„George“, hörte sie ihn murmeln, ehe er sich verschluckte und zu husten begann. Mae sprang auf und klopfte ihm auf den Rücken.

„Hey, bitte erstick nicht in meiner Gegenwart, ich hab den Erste Hilfe Kurs geschwänzt.“

„Ich werd mir Mühe geben“, keuchte er, sobald seine Luftröhren wieder frei waren, und stellte den Krug etwas zu heftig auf den Tisch. „Aber danke.“

Mae warf ihm noch einen kritischen Blick zu, um sicherzugehen, dass er wieder Luft bekam, dann ließ sie sich wieder auf ihrem Stuhl nieder und sah ihn forsch an.

„Was ist das für ein Ort? Wieso haben Sie gedacht, ich könnte den Pub nicht sehen?“

George lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme. „Normalerweise sehen ihn nur Leute, die es können, und die, die ihn sehen wollen. Aber ich glaube nicht, dass du - ich darf doch du sagen? - ihn sehen wolltest, oder?“

Sie runzelte die Stirn und erwiderte nichts. Wenn er sich klarer ausgedrückt hätte, wäre sie vielleicht in der Lage gewesen, ihm eine Antwort zu geben, aber wenn er es vorzog, in Rätseln zu sprechen, würde er sich mit ihrem Schweigen abfinden müssen.

„Das heißt, dass du ihn sehen kannst, weil du selbst… wie soll ich das sagen, ohne, dass du von deinem Stuhl fällst?“ Er machte eine kurze Pause, scheinbar um nachzudenken, dann sagte er: „Nur Leute, die Magie besitzen, können ihn sehen. Außer sie wissen, was sie suchen müssen.“

„Naja“, erwiderte Mae ziemlich ungerührt und tastete nach ihrem Krug. Sie musste daran denken, wie er auf sie zugeschwebt war, eindeutig von Magie getragen. „Ich erzähle das normalerweise nicht herum, aber ein bisschen Magie beherrsche ich schon.“

„Das dachte ich mir schon“, sagte er und zog einen Mundwinkel leicht nach oben. „Sonst hättest du nicht so entspannt auf die schwebenden Getränke reagiert.“ Und dann fügte er hinzu: „Was kannst du?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Nicht sehr viel. Kleinere Wunden heilen. Handauflegen. Ich kann nichts schweben lassen oder so.“

„Hast du dich nie gefragt, woher das kommt?“, hakte er nach und Mae grinste schief. „Na von den Feen. Das war ihr Geburtsgeschenk an mich. Hat Mama immer gesagt.“

„Kann deine Mum das auch alles?“

Mae schob ihr Kinn nachdenklich in ihre Hand und versuchte, sich daran zu erinnern, ob ihre Mutter irgendetwas in diese Richtung gekonnt hatte, aber ihr fiel nichts ein. „Ich weiß nicht“, sagte sie deshalb vage, „sie ist schon sehr früh gestorben.“

„Das tut mir Leid“, hörte sie ihn sagen und es klang so, als würde er es meinen. Sie lächelte.

„Keine Angst, es ist lange her. Ich habe mich daran gewöhnt. Und meinen Vater habe ich nicht kennengelernt. Es ist also schwer zu sagen, von wem ich es wirklich haben sollte, wenn nicht von den Feen.“

„Wo bist du aufgewachsen? - wenn ich fragen darf. Ich hoffe, du hast noch irgendeine Großmutter oder so was.“

„Mein Onkel. Also, der Bruder meiner Mutter. Er züchtet Isländer und ist eigentlich ziemlich nett. Und er hat sich immer eine Tochter gewünscht, von daher kann ich mich nicht beschweren. Es ist also nicht so, als müsste man mich wahnsinnig bemitleiden, immerhin hat er mich immer unterstützt, auch, als ich nach Oxford wollte, anstatt an die Universität in Reykjavik.“

„Du weißt also nicht, dass man Magie beherrschen kann, anstatt sie nur zu besitzen? Also, ich meine, richtig beherrschen. Mit einem Zauberstab. Und Zaubersprüchen.“

Mae schmunzelte und nahm noch einen Schluck Butterbier. „Meinst du einen Zauberstab, wie Gandalf ihn besitzt?“

Sie erntete einen verständnislosen Blick. „Gandalf?“

„Aus ‚Der Herr der Ringe‘? Lebst du unter einem Stein? Erst das mit Oxford und jetzt das!“ Sie musterte ihn forschend und er fuhr mit den Fingern über die Tischkante.

„Ich lebe nicht unter einem Stein, aber in einer ganz anderen Welt. Eben in der Welt der Magie. Das ist kein Paralleluniversum, sie existiert nur einfach so, dass es keiner bemerkt. Und du sitzt gerade in einem der Durchgänge zum magischen Teil von London.“

„Wo? Hier?“ Sie blickte suchend über die verlassenen Tische, hin zu den staubigen Gläsern an der Theke. Der Wirt blickte sie misstrauisch an und rasch senkte sie die Augen und drehte sich wieder zu George.

„Ich sehe nichts.“

„Im Hinterhof. Ich kann es dir zeigen, wenn du willst. Vielleicht glaubst du mir dann.“

„Ich glaube dir“, wehrte sie ab und trank ihr Butterbier aus. „Sonst würde ich dich doch verrückt nennen“, fuhr sie fort, sobald sie es wieder abgesetzt hatte.

Er grinste schief und erhob sich. „Da hast du Recht. Du hast allerdings mit einer seltsamen Mischung reagiert.“

Er zog sich seinen Jacke wieder an, holte ein paar seltsam wirkende Münzen heraus und gab sie dem Wirt im Vorbeigehen. Mae schlüpfte in ihre Jacke und folgte ihm durch den Pub, zu einem Flur, der zu den Toiletten führte. George öffnete eine unbeschriftete Türe, die in einen kleinen Innenhof führte. Er war von einer Mauer umgeben und der einzige Gegenstand in ihm war ein altes Holzfass. Mae rümpfe die Nase und zog ihre Jacke fester an sich.

„Beeindruckend, deine magische Welt. Vielleicht muss ich meine Meinung revidieren und dich doch für verrückt abstempeln.“

„Ungläubige Prinzessin“, spottete er und ging auf die Mauer zu, die der Tür direkt gegenüber lag. Er zog einen kleinen Holzstab aus seiner Tasche, vermutlich das, was er mit Zauberstab gemeint hatte, und tippte damit einen der Ziegelsteine an. Es war seltsam. Im ersten Moment passierte nichts, dann aber schien es, als würde Leben in die Ziegel kommen. Sie begannen zu ruckeln und sich herumzuschieben und langsam aber sicher formten sie einen Durchgang.

Es war im wahrsten Sinne des Wortes einfach nur magisch.

Mae stand mit halbgeöffnetem Mund davor und beobachtete das Spektakel, das ihr bald einen Blick in eine weitere Gasse gewährte. Ein geheimer Durchgang, ganz, wie George gesagt hatte.

„Wer ist jetzt der Verrückte?“, fragte er in diesem Moment und Mae schloss ihren Mund wieder.

„Vielleicht wir beide?“

„Du hast nur unfassbares Glück, dass du hübsch bist. Bringt dir das öfter Vorteile?“, fragte er beiläufig, während er seinen vermeintlichen Zauberstab wieder wegsteckte und durch den Durchgang trat.

Mae, die wusste, dass sie nicht hübscher als der Durchschnitt war, entschied, das Kompliment einfach anzunehmen und erwiderte: „Bei Frauen eher weniger.“

Sie folgte ihm und begann sofort damit, neugierig ihre Umgebung in sich aufzusaugen. Niemals hätte sie gedacht, dass hinter der verwirrenden Karte Londons eine weitere Welt verborgen liegen könnte (abgesehen von den unterirdischen Flüssen, natürlich).

Nun aber fand sie sich in einer Gasse, die vor den Augen der Welt verborgen war, offenbar wirklich nur für jene, die Magie besaßen. Oder beherrschten, wie George meinte.

Sie konnte Läden sehen, in Häusern, wie in der Außenwelt, nur, dass sie andere Dinge zu verkaufen schienen. Magische Gegenstände, Kessel zum Tränkebrauen, Zutaten, Zauberbücher, Zauberumhänge, ein Geschäft, das scheinbar fliegende Besen verkaufte… Es war ein Fest für die Augen. Natürlich, da war etwas seltsames: In den meisten Auslagen klebte ein großes, violettes Plakat, das mit Sicherheitshinweisen gespickt war. Ohne es recht zu wollen, warf sie einen Blick über ihre Schulter. Es war ein Feiertag, die Einkaufsstraße war fast menschenleer. Dennoch, sie hatte sich die Stimmung in einer magischen Straße irgendwie besser vorgestellt, weniger düster.

„Unser Laden ist da vorne.“

Georges Stimme riss sie aus ihren Gedanken und sie folgte seinem Blick, zu einem Gebäude, das nicht mehr weit von ihnen entfernt lag. Sie konnte leuchtende Schaufenster sehen, irgendetwas, das sich bewegte, und beinahe meinte sie, Geräusche hören zu können. Sie beschleunigte ihre Schritte und blieb kurze Zeit später davor stehen. Die Auslage war fantastisch. Da waren kleine Miniaturdrachen, die in einem Käfig herumflogen, springende und hüpfende Gegenstände, die sich drehten, leuchteten und lustige Geräusche von sich gaben.

„Was genau verkauft ihr?“, fragte sie und drehte sich begeistert zu ihm um. Er blieb hinter ihr stehen und schob seine Hände in seine Manteltaschen.

„Alles mögliche. Ursprünglich sollten es nur Scherzartikel sein, aber inzwischen ist unser Sortiment gewachsen. Wir verkaufen auch Kleidungsstücke, die mit Abwehrzaubern versehen sind, also die leichte Zauber abwehren können, oder Liebestränke. Wenn du willst, können wir hineingehen.“

„Ich dachte, deshalb sind wir hier?“

„Charmant“, murmelte er, schüttelte seinen Kopf und sperrte die Ladentüre auf. Er ließ sie hinein und sofort wanderte ihr Blick mit Begeisterung über die einzelnen Artikel. Es waren seltsame Dinge dabei, wie „Tagtraumzauber“. Scheinbar versetzte der Zauber den Benutzer in einen realistischen Tagtraum. Sie fand auch Süßigkeiten, von denen einem schlecht wurde (was ja wirklich sinnlos war???), aber wurde dann dahingehend von George aufgeklärt, dass sie dazu dienten, den Unterricht zu schwänzen, und es ein Gegenmittel gab.

Besonders faszinierend fand sie allerdings die Wunderhexenabteilung, mit Gegenständen wie Haarbürsten, die Haare glätten oder locken konnte. Sie selbst besaß bereits eine Fülle an Locken, weswegen für sie natürlich die haarglättende Bürste interessanter wäre.

„Funktioniert das wirklich?“, fragte sie in Georges Richtung, als sie die Bürste in den Händen hielt. Er lächelte.

„Ja, ich glaube, dass es bei deinen Locken funktionieren sollte.“

Sie warf einen Blick auf das Preisschild und runzelte die Stirn. „Was für eine Währung ist das?“

„Zauberergeld. Mit Gold-, Silber-, und Kupfermünzen. Wir haben unsere Währung seit dem Mittelalter, sie ist also wesentlich stabiler, als jede Muggelwährung, die es jemals gab.“

„Muggel?“

„Nicht magische Menschen“, erklärte er und streckte sich. Seinen Mantel hatte er über den Verkaufstresen gelegt und sich lässig dagegen gelehnt.

„Ach...dann...kann ich dir vielleicht Muggel-Geld dafür geben? Ich habe nämlich kein anderes. Wie viel ist es in Pfund?“ Sie wog die verpackte Bürste in ihrer Hand ab und legte sie dann in ihre andere.

„Ich schenke sie dir.“

Er verschränkte seine Arme vor der Brust und musterte sie, während sie irgendeinen Dank stammelte und gleichzeitig überlegte, ob sie so ein Geschenk bedenkenlos annehmen konnte, oder er irgendeine Gegenleistung erwarten würde. Andererseits – es war nur eine Haarbürste!

„Aber was machen wir jetzt mit dir?“, fuhr er inzwischen fort und sah sie weiter an. „Willst du nicht lernen, deine Magie zu beherrschen?“

„Ich beherrsche sie doch“, gab sie zurück und steckte die Bürste in ihre Handtasche. „Ich kann ein bisschen heilen.“

„Ja, aber du könntest viel mehr können. So wie das hier...“ George holte wieder seinen Zauberstab hervor, machte eine lautlose Bewegung und hielt aus dem Nichts heraus plötzlich einen Blumenstrauß in der Hand. Es waren Nelken. Er stieß sich von der Theke ab und ging zu ihr, um sie ihr in die Hand zu drücken.

„Hier, für dich.“

Ein charmantes Lächeln seinerseits - Mae verdrehte ihre Augen. „Guter Trick. Aber du musst zugeben, dass das nicht sehr kreativ ist. Wenn dein Date auch zaubern kann, bleibt ihr ja nichts anderes mehr übrig, als die Augen zu überdrehen.“

„Ehrlich gesagt, habe ich das noch nie direkt vor ihren Augen gemacht. Ich habe schon Blumen mitgebracht, aber dann hatte ich sie schon.“ Er legte seine Stirn in Falten und schien kurz darüber nachdenken. „Einmal habe ich einen Muggel… also, jemanden ohne Zauberkräfte, gedatet und ich habe sie mit magischen Kartentricks beeindruckt.“

„Oh ja“, sagte Mae sarkastisch, „das muss furchtbar beeindruckend gewesen sein. Du bist wohl ein ziemlicher Frauenheld?“

Er lachte leise. „Ich mag Frauen. Ist das dasselbe?“

„Wenigstens bist du ehrlich.“

Sie legte die Blumen auf den Tresen und schritt weiter durch den Laden, auf einen dunklen Vorhang zu. Neugierig, was sich dahinter verbergen konnte, zog sie ihn beiseite und war überrascht, dass er einen weiteren Raum abtrennte. Es war nur ein kleiner Raum, der durch die Regale und Produkte, die dort ausgestellt waren, noch weniger Fläche hatte. Zwei Türen gingen von dort ab, eine war geöffnet und zeigte eine Treppe, die in einen weiteren Stock führte.

„Lebst du da oben?“, fragte sie und deutete hinauf.

„Ja, und sei bitte leise, Steph lernt, glaube ich“, antwortete er und schloss die Türe.

„Steph? Heißt dein Zwilling Stephan?“

„Äh, er heißt Fred und ist hinter der anderen Türe.“ Er zeigte auf die zweite, geschlossene Türe. „Unsere Werkstatt. Steph ist unsere beste Freundin, zufällig auch Freds Freundin, die kein Geld für eine eigene Wohnung hat, also lebt sie hier.“

„Ah“, machte Mae und hob anerkennend die Augenbrauen. „Wahre Wohltäter.“

„Du bist wirklich ziemlich frech, weißt du das? Und eigentlich überhaupt nicht nett“, stellte er fest und Mae schmunzelte.

„Ich finde auch, dass du ziemlich von dir selbst überzeugt bist, aber irgendwie mag ich dich trotzdem.“

Sie machte eine kurze Pause, und fügte dann hinzu: „Sonst wäre ich wohl kaum mit dir mitgegangen. Aber was machen wir hier eigentlich? Du hast bewiesen, dass es eine magische Einkaufsgasse hinter dem Pub gibt, nur haben wir, zu deinem Pech, um nichts gewettet.“

Sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr und sagte: „Ich sollte gehen. Wenn ich mich verirre, ist es mir lieber, wenn es hell dabei ist.“

„Ich kann dich nach Hause apparieren, wenn du mir die Adresse noch einmal zeigst“, bot er an und erntete Maes verständnislosen Blick: „Das ist wie… Teleportieren.“

„Wie praktisch“, erwiderte sie und dieses Mal ohne den üblichen Hauch von Ironie. Er schüttelte trotzdem seinen Kopf und hielt ihr den Vorhang auf.

„Du wirst doch nicht undankbar sein, oder?“

„Nein, ich bin einfach immer unausstehlich.“

Sie folgte ihm wieder in das Innere des Ladens und nahm die Blumen vom Tresen. Dann gab sie ihm die Karte und er blickte sie eine Weile an, um herauszufinden, an welcher Adresse ihre Unterkunft lag. Schließlich gab er sie ihr zurück und hielt ihr die Hand hin.

„Nimm sie und mach dich auf etwas Unangenehmes gefasst.“

„Ich hoffe, dass sagst du nicht auch, wenn du eine Frau anmachen willst“, hörte sie sich sagen und wurde von ihm überrascht, als er ihre Hand einfach von alleine nahm. Dann ging es furchtbar schnell. Sie hatte gerade genug Zeit, um zu registrieren, dass er sie festhielt, als ihr auch schon der Boden unter den Füßen weggerissen wurde. Ihr Magen presste sich zusammen und ihr wurde schlecht, es kam ihr so vor, als wäre der Druck um sie herum viel zu groß für ihren Kopf, als würde er jeden Moment explodieren, als…

Aber es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde. Sie spürte, wie der Druck nachließ, als hätte jemand ein Handtuch ausgewrungen, und endlich wieder losgelassen. Sie keuchte auf, taumelte, dachte für einen Moment, sie würde das Bewusstsein verlieren, und schloss ihre Augen.

„Das erste Mal ist immer hart, nicht wahr?“, hörte sie George spöttisch sagen und das zwang sie, ihre Augen wieder aufzumachen.

Er stützte sie an der Taille und war ihr damit vermutlich näher gekommen, als sie es ihm eigentlich erlaubt hatte. Sie machte sich von ihm los und holte tief Luft, nur, um zu erkennen, dass ihr von dieser „Teleportation“ wirklich ein wenig schlecht geworden war.

„Das war überhaupt nicht lustig“, stellte sie fest und sah ihn ein wenig verstimmt an. Er erwiderte ihren Blick mit einem leicht schadenfrohen Grinsen.

„Ich hoffe, dass du das nicht zu dem Typen gesagt hast, als ihr fertig wart? Ich glaube nicht, dass das gut ankommt.“

„Sprichst du aus Erfahrung?“, gab sie spöttisch zurück, schüttelte dann ihren Kopf und erkannte, dass er sie tatsächlich vor das Haus ihrer Studienfreundin gebracht hatte. Es war also eine unangenehme, aber durchaus wirkungsvoller Teleportation gewesen. Wie hatte er es genannt? Apparieren?

„Ich bin eine unangenehme Gegnerin. Wir sollten damit aufhören“, sagte sie deshalb, und wandte sich wieder ihm zu. „Uns zu ärgern, meine ich.“

Er blickte sie mit funkelnden Augen an: „Wo es doch gerade angefangen hat, Spaß zu machen.“

„Bis einer von uns beiden weint? Wie du meinst. Ich bin aber nur noch bis Mitte April in London, dann geht es zurück nach Oxford. Ferien dauern leider nie so lange, wie man es gerne hätte.“ Die Dämmerung hatte eingesetzt und Mae war wirklich froh, dass sie nicht zu Fuß nach Hause hatte gehen müssen. Ihr Ausflug in den Pub hatte länger gedauert, als ursprünglich geplant, und sie hätte sich in der Dunkelheit unter Garantie verlaufen. Natürlich war es Georges Idee gewesen, ihr all das zu zeigen, also war es nur gerecht, dass er sie auch rechtzeitig nach Hause gebracht hatte, aber sie nahm es dennoch nicht als selbstverständlich.

„Danke, dass du mich nach Hause gebracht hast. Ich hätte vermutlich nicht vor Mitternacht hierher gefunden.“

„Du solltest vielleicht nicht alleine in einer fremden Stadt herumlaufen“, sagte er und versenkte seine Hände wieder in seiner Manteltasche.

Mae sah ihn zweifelnd an und erinnerte ihn: „Es war hell, als ich losgegangen bin. Gerade Mittag vorbei. Viel gefährlicher war es eigentlich, mit einem Wildfremden in einen gruseligen Pub und danach in einen einsamen Hinterhof zu gehen.“

George grinste und sah sie auffordernd an: „Du siehst überaus reuig aus. Und deine Bedenken konnte ich währenddessen förmlich riechen. Nichts für ungut, Prinzessin, aber du wärst wirklich ein leichtes Opfer.“

„Ich kann Karate“, sagte sie und reckte ihr Kinn. „Ich hätte dich außerdem auch ohne Selbstverteidigungskurs zwischen die Beine treten können. Das tut doch auch Menschen weh, die Magie beherrschen, oder nicht?“

„Ich werde dir keine Gelegenheit geben, es herauszufinden“, antwortete er schnell und trat einen Schritt zurück. „Aber appropos beherrschen...willst du es lernen? Zu Zaubern? Ich weiß nicht, warum du nicht auf einer Schule warst, denn in den meisten Ländern gibt es welche, aber das heißt nicht, dass du es nicht noch immer lernen kannst.“

„Schulen?“, hakte sie nach und sah ihn verständnislos an. „Für Magie?“

„Ja, da lernt man Sachen wie Verwandlung, Zaubertränke, Kräuterkunde...“ Er zuckte mit den Schultern. „Statt Mathematik und Französisch und solchen Sachen.“

„Ich dachte, das wäre mehr so ein...Hobby oder sowas. Magie, meine ich.“

Er lachte, als er das hörte. „Nein, es ist für die meisten so selbstverständlich, wie zu atmen. Wir haben magische Berufe, wir kochen mit Magie, putzen mit Magie...“ Er zuckte mit den Schultern. „Leben mit Magie. Deine Fantasie ist die Grenze, sozusagen.“

Mae blickte ihn an und dachte darüber nach. Sie hatte all das, was er über Magie gesagt hatte, hingenommen, weil sie selbst die Magie spürte, die in ihr war. Schon in ihrer Kindheit war sie von ihr umgeben gewesen und sie hatte oft genug Begegnungen mit Kobolden gehabt, um daran zu glauben. Ihre Heimat war ein sehr magischer Ort, es war etwas normales, an Magie zu glauben. Aber sie hatte noch nie gesehen, wie jemand einen Zauberstab benutzt, und wirklich gezaubert hatte. Bisher war sie davon ausgegangen, dass es einfach verschiedene Möglichkeiten gab, zu zaubern, und Menschen verschiedene Fähigkeiten hatte. Der Gedanke, dass man einfach einen Zauberstab nehmen, und Zauber lernen konnte, klang wie aus einem Kinderbuch.

„Wie könnte ich es denn lernen?“, fragte sie und sah wieder zu George auf. Er wirkte jetzt wieder ernst, und auch ein wenig nachdenklich.

„Du könntest zum Beispiel die Bücher benutzten, die wir in der Schule hatten. Aber natürlich brauchst du dafür einen Zauberstab. Wenn du willst, kann ich es dir auch beibringen.“

„Ich weiß nicht“, sagte sie und trat auf der Stelle. Sie wusste es wirklich nicht. Das Thema Magie einmal komplett beiseite geschoben, war sie sich nicht sicher, was sie von George halten sollte. Mae belog sich nicht gerne. Sie fand ihn attraktiv und fühlte sich auch zu ihm hingezogen und genau deshalb wusste sie nicht, ob es denn eine sehr gute Idee wäre, mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Er erschien ihr ein Mann zu sein, der Beziehungen zu Frauen nicht sehr ernst nahm, gerne flirtete und dann weiterging. Sie mochte die Vorstellung nicht sonderlich, sich in ihn zu verlieben und dann mit gebrochenem Herzen dazustehen. Andererseits war es natürlich verlockend, zu versuchen, Magie zu erlernen. Und sie brauchte ein neues Hobby, seit sie aufgehört hatte, Klarinette zu spielen.

„Du kannst es dir ja noch überlegen. Ich weiß, dass es viel zu verdauen ist, also...“ Er griff um seinen Hals und nahm eine Kette ab. Es war eine Muschel, aufgefädelt, auf einem Lederband. Eigentlich recht hübsch, dachte Mae, während sie beobachtete, wie er seinen Zauberstab nahm, und damit irgendetwas mit der Kette machte. Dieses Mal flüsterte er etwas, das wie Latein klang, also war es wahrscheinlich ein schwierigerer Zauber, als der mit den Blumen.

Einige Sekunden später reichte er ihr die Kette. „Hier. Wenn du es dir überlegt hast, dann nimm sie in die Hände und denk an mich. Du kannst auch meinen Namen sagen, wenn du willst, das spielt keine Rolle.“

„Und dann passiert was?“, fragte sie vorsichtig nach, und nahm die Kette entgegen.

„Na, dann komme ich.“ Er zwinkerte ihr zu und trat noch einen Schritt zurück.

„Ich werde nicht warten, um sicher zu gehen, dass du heil und gesund in das Haus hier kommst. Ich glaube das schaffst du. Außerdem sagt mir eine innere Stimme, dass du mich sowieso nicht für einen Gentleman hältst und ich will dich nicht enttäuschen.“

„Du bist eigentlich ziemlich unausstehlich.“ Sie schüttelte ihren Kopf und überlegte, was sie ihm zum Abschied sagen könnte, aber schon ertönte ein leises „Plopp“ und er war ohne Gruß verschwunden.

„Wow“, murmelte sie und verschränkte die Arme vor der Brust. „Asni.“
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