Mitbewohner mit Biss

von Camaria
GeschichteDrama, Romanze / P18
OC (Own Charakter) Protagonist
31.01.2020
14.02.2020
3
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„Hey Camaria, ich gehe jetzt kurz zum Supermarkt. Brauchst du irgendwas?“, erkundigte Akira sich bei mir, nachdem er an meiner Zimmertür geklopft hatte und dann eingetreten war. „Nein, ich brauche nichts. Aber danke“, erwiderte ich und sah dabei kurz von meinen Notizen auf. Er lächelte mir noch einmal kurz zu und verschwand dann wieder, ehe ich mich wieder auf die vielen Blätter vor mir konzentrierte. Inzwischen wohnte ich nun schon gut zwei Wochen hier und ich musste sagen, dass ich mich echt gut eingelebt hatte. Ich verstand mich besser mit Akira und wenn seine Freunde, die doch relativ oft hier waren, mal wieder das Wohnzimmer einnahmen, traute ich mich auch schon ein paar Worte mit ihnen zu wechseln. Sie waren alle sehr freundlich und gaben mir auch kein schlechtes Gefühl. Das seltsame Gespräch, was ich zu Anfang meines Einzugs mit Goro hatte, war auch schon vergessen, da es bisher nicht noch einmal zu einer solchen Unterhaltung gekommen war. Ich hatte sogar erfahren, dass Yusuke, Akira und ich einen recht identischen Lesungsplan hatten und wir somit oft zusammen in der Mensa saßen oder mal über den Campus liefen. Und ich musste zugeben, dass mir Yusuke – natürlich neben Akira – mit am sympathischsten war. Er war ziemlich fanatisch in seine Kunst und hatte mich auch schon gefragt, ob ich ihm als Aktmodell dienen wollte. Doch mit Hilfe von Akira hatte ich ihn schnell von dieser Idee abbringen können. Dafür kannte ich Yusuke einfach viel zu wenig. Auch wenn ich nicht daran glaubte, dass er mich bedrängen würde. Er ging viel zu sehr in seiner Leidenschaft als Künstler auf, um an etwas anderes zu denken. Ich schmunzelte leicht und begann ein wenig mit meinem Kugelschreiber in meiner Hand zu spielen. Ja, Yusuke war wirklich ein spezieller Mensch. Er erinnerte mich auch ein wenig an mich selbst. Er war eher von der stillen Sorte und ging Gespräche mit anderen eher sachlich an. Er konnte seine Gefühle einfach viel besser durch seine Kunst ausdrücken. So wie ich es eben am besten durch die Musik konnte. Vielleicht verstanden wir uns deswegen so gut. Und vielleicht hatte Yusuke mich auch deswegen zu einem neuen Stück inspiriert. Kopfschüttelnd legte ich den Kugelschreiber ab und schielte dann zur Uhr. Akiras Freunde wollten in ungefähr einer Stunde hier sein. Und in ungefähr zwei Stunden würde Saki herkommen. Sie war so heiß darauf Akira und alle anderen kennenzulernen, dass ich glaubte, sie hatte vor sich einen von ihnen zu schnappen. Gut, die Mädels in Akiras Freundeskreis waren sicher vor ihr. Aber Yusuke, Goro und Ryuji könnten durchaus in Gefahr sein. Kichernd stieß ich mich von meinem Schreibtischstuhl ab und erhob mich dann, ehe ich zu meiner Handtasche ging und diese bereits zum fünften Mal durchsah. Hoffentlich vergaß ich nichts. Aber da wir nur einen Kaffee – oder in meinem Fall eher einen Kakao – trinken gehen wollten, brauche ich ja eigentlich nicht mehr als mein Handy, mein Portmonee und meine Schlüssel. Und außer meinem Handy befand sich alles schon in meiner Handtasche. Ich fuhr mir also durch die Haare und ging dann wieder zu meinem Schreibtisch, bevor ich dort ein wenig für Ordnung sorgte. Ich freute mich wirklich darauf Saki zu sehen. Wir hatten uns durch meinen Einzug und ihren Jobbeginn als Floristin in letzter Zeit sehr wenig sehen können. Selbst unsere stundenlangen, abendlichen Telefongespräche waren des Öfteren ausgefallen, da meistens ich vorher einfach eingeschlafen war. Aber wo ich mich nun an meinen Alltag als Studentin und sie sich an ihr Leben als Floristin gewöhnt hatten, hatten wir nun deutlich wieder mehr Zeit füreinander und konnten wieder solange telefonieren, bis Akira seine Freunde aus der Wohnung schmiss. Und das war meistens so um drei Uhr morgens. Wie ich da immer noch genügend Schlaf bekam, war mir immer noch ein kleines Rätsel. Aber eigentlich wollte ich mich auch nicht darüber beschweren. Es lief grade gut und darüber sollte ich einfach froh sein. Zufrieden blickte ich auf meinen Schreibtisch und strich mir dann ein paar Haare aus dem Gesicht, bevor ich mein Zimmer verließ und in die Küche ging. Dort holte ich mir einen Eistee und begab mich ins Wohnzimmer. Inzwischen hatte ich mich dran gewöhnt hier zu sitzen und einfach ein wenig fernzusehen, während Akira neben mir saß oder in seinem Zimmer Musik hörte. Es war schon erstaunlich, wie schnell ich mich an seine Anwesenheit gewöhnt hatte und wie gut ich mit dem Heimweh umging. Eigentlich hatte ich von mir selbst erwartet, dass ich meine erste Nacht zwischen Kloschüssel und einem großen Haufen Taschentücher verbringen würde, weil die Trennung von meinen Eltern doch schlimmer war, als Anfangs gedacht. Immerhin wusste ich jetzt, dass meine Eltern nicht mehr unten im Wohnzimmer saßen und irgendeinen Film zusammen sahen oder ich meinen großen Bruder hörte. Es war anders, aber irgendwie hatte Akira es geschafft, dass ich mir hier schneller einlebte. Und irgendwie war ich froh darüber. Ob er wohl wusste, dass er diese Atmosphäre verströmte? Viele Leute wussten ja gar nicht, wie entspannend oder ruhig sie auf andere wirkten. Ich selbst konnte mir vorstellen, dass Akira daran noch gar keinen Gedanken verschwendet hatte. Mir war schon oft aufgefallen, dass ich mir über Dinge den Kopf zerbrach, die für andere Leute total banal oder nichtig erschienen. Aber so war ich eben. Mir fielen die kleinsten Dinge auf – oder eben auch die Unwichtigsten – und zerbrach mir darüber den Kopf. Vermutlich war ich deswegen auch immer so schlecht darin mich anderen Leuten anzunähern. Es war bisher oft so, dass sie irgendwann auf ein recht oberflächliches Thema zu sprechen kamen – was den Rest der Gesellschaft wohl sehr wichtig erschien –, aber ich wollte eher wissen, warum dieses Thema scheinbar so wichtig war und ich wollte mich dann auch gleich am liebsten kritisch dazu äußern. Das gefiel den meisten nur leider nicht, weshalb ich oft nur wenige, inhaltslose Gespräche führte. Aber ich war ziemlich zufrieden mit meiner Art zu denken und wie ich bestimmte Dinge abwog. Denn dadurch hatte ich Freunde – auch wenn es nur sehr wenige waren – mit denen ich mich stundenlang unterhalten konnte und es einfach partout nicht langweilig wurde. Alle meine Freunde kannten gut die Situationen, wenn ich mal wieder in meinen verdrehten Gedanken abdriftete oder so etwas sagte, wie: „Ich möchte heute nicht so gerne sprechen“. Sie wussten, dass es nicht persönlich gemeint war, sondern dass ich wirklich keine Lust hatte allgemein zu sprechen und dass sie an diesen Tagen eher über das Handy mit mir schreiben sollten. So war ich eben und so war ich auch zufrieden mit mir. Seufzend stellte ich mein leeres Glas auf den Wohnzimmertisch und war mal wieder froh darüber, dass Akira da überhaupt nichts gegen hatte, wenn ich meine Füße auf diesem ablegte. Das war eines der schönen Dinge, wenn man ausgezogen war. Man durfte endlich Dinge machen, die von den Eltern streng beäugt wurden. Zum Beispiel Cola aus einem Weinglas trinken oder sich morgens um halb zehn eine Pizza zu machen. Schmunzelnd lehnte ich mich zurück und streckte meine Füße aus, als ich auch schon hörte, wie die Wohnungstür aufgeschlossen wurde. Lächelnd sah ich auf und musste doch etwas schmunzeln, da es ein sehr vertrautes Geräusch war. Zuhause hatte ich es auch jedes Mal mitbekommen, wenn jemand die Haustür geöffnet hatte. Und dass, obwohl ich mein Zimmer im ersten Stock hatte.
„Bin wieder da!“, rief Akira und ich fand es unglaublich zuvorkommend von ihm, dass er mir das mitteilte. Er hatte mich sehr schnell als seine Mitbewohnerin akzeptiert und war schon nach wenigen Tagen dazu übergegangen mir zu sagen, wenn er die Wohnung verließ – und mich fragte, ob ich noch etwas brauchte – und auch, wenn er wieder da war. „Schön!“, gab ich zurück und kurze Zeit später hörte ich, wie Akira in der Küche seine Einkäufe auspackte. Trotz dessen, dass Akira nichts dagegen hatte, nahm ich meine Füße vom Tisch und erhob mich dann, um mein Glas in der Küche wieder aufzufüllen. Also ging ich eher schweigend in die Küche und an den Kühlschrank, als Akira mich ansprach: „Ist es überhaupt in Ordnung, wenn meine Freunde kommen? Ich meine, du hast heute ja auch Besuch“. Ein wenig überrascht hob ich meinen Kopf und sah ihn an: „Ach kein Problem. Saki würde euch sowieso gerne alle einmal kennen lernen“. „Du hast ihr von meinen Freunden erzählt?“, fragte Akira, während er Spülmittel unter die Spüle stellte. „Naja…sie sind ja fast jeden Tag hier. Also quasi auch meine Mitbewohner“, erwiderte ich ein wenig verlegen und schenkte der Plastikflasche in meiner Hand wieder mehr Aufmerksamkeit. „Ja, das stimmt wohl. Ich hoffe, dass es dich wirklich nicht stört. Wenn wir mal zu laut sind oder so, kannst du das ruhig sagen. Ich meine, es ist ja schließlich unsere Wohnung und nicht nur meine“, wandte Akira ein und faltete seinen Einkaufsbeutel wieder zusammen. „Mach dir da mal keine Gedanken drüber, wenn mich etwas gestört hätte, hätte ich das schon lange angesprochen. Oder du hättest es sonst irgendwie selbst gemerkt“, wank ich ab, wobei ich doch ein wenig flunkern musste, da ich Konfrontationen lieber aus dem Weg ging. Auch wenn Akira es selbst erwartete, dass ich mich über etwas beschwerte. Aber ich mochte es einfach nicht ein eher schlechtes Thema anzusprechen und damit zu riskieren, dass die allgemeine Atmosphäre zwischen uns negativer wurde. Akira sah mich noch ein paar Momente an, bevor er langsam nickte und dann auch schon aus der Küche verschwand. Ich sah ihm noch einmal kurz nach, ehe ich mit meinem vollen Glas langsam in mein Zimmer ging. Akira hatte sich – das sah ich aus dem Augenwinkel – ins Wohnzimmer gesetzt und zappte nun gelangweilt durch das Fernsehprogramm. In meinem Zimmer setzte ich mich an meinen Schreibtisch und atmete tief durch, bevor ich noch einmal ein paar Notizen durch ging. In der Woche war noch nicht sehr viel passiert. Ich hatte ein paar Professoren und Dozenten kennen gelernt und mir meinen Stundenplan erstellt. Und dann war ich einmal sogar Yusuke und Futaba über den Weg gelaufen. Futaba war mit ihren langen, orangefarbenen Haaren wirklich sehr auffällig und ich konnte fast nicht glauben, dass sie Yusukes Freundin war. Sie waren sich in ihrer Art und ihren Interessen so unähnlich, dass ich echt dachte, sie würden sich die ganze Zeit zoffen. Doch sie verstanden sich gut und auch wenn ihre Beziehung vermutlich eher untypisch war, so hatte ich selbst schnell gemerkt, dass sie einander sehr nahe waren. Schmunzelnd lehnte ich mich zurück und nippte dann von meinem Glas, als ich es auch schon klingeln hörte. Das war sicherlich Goro. Er war immer etwas früher hier, als die anderen. Er war der Pünktliche in der Gruppe. Vielleicht auch der Vernünftige, aber dafür kannte ich alle anderen nicht so gut. Es war ja schon erstaunlich, dass ich überhaupt mit seinen Freunden sprach, da ich echt wirklich sehr schüchtern und unsicher dabei war, wenn es darum ging mit Leuten zu sprechen. Aber sie gaben mir ein gutes Gefühl.
Erschrocken zuckte ich zusammen, als plötzlich mein Handy vibrierte und ich sah, dass Saki mich anrief. Ich brauchte ein paar Sekunden, bevor ich den Anruf annahm und auch schon ihre Stimme hörte. „Hey Cami, ich bin’s“, begrüßte sie mich und ich musste lächeln. „Ja, hey. Ich höre deine Stimme. Was gibt’s?“, erwiderte ich und stellte sie auf Lautsprecher, da ich keine Lust hatte mein Handy die ganze Zeit an mein Ohr zu halten. „Ich bin schon in ein paar Minuten da. Ich hoffe, dass das okay ist“, erklärte sie mir und ich musste einfach lachen. „Es ist auf jeden Fall mal was anderes. Sonst sagst du mir ja immer, dass du später oder auch mal gar nicht kommst. Aber ich bin eh zu Hause und habe nichts zu tun, bis du hier bist“, antwortete ich schmunzelnd und legte dann nach einer knappen Verabschiedung auf. Ich schob mein Handy wieder an die Seite und erhob mich von meinem Stuhl, bevor ich mich streckte und mit dem Glas, was ich noch eben schnell leerte in die Küche ging. Dort stellte ich es in die Spülmaschine und da diese damit voll war, schmiss ich noch schnell einen Spülmaschinentab in die Klappe, ehe ich die Maschine auch schon startete. „Hallo Camaria, schön dich zu sehen“, ertönte hinter mir auch schon die sanfte Stimme von Goro. Lächelnd drehte ich mich um und lehnte mich an die Küchenzeile, ehe ich ihn anlächelte: „Ja, das stimmt. Ich finde es auch schön, dich zu sehen. Wie geht’s dir?“. Inzwischen hatte ich mich mit Goro ein wenig anfreunden können. Neben Yusuke, war er derjenige aus Akiras Freundeskreis, mit dem ich mich bisher am meisten unterhalten hatte. Zumindest von den Jungs. Bei den Mädchen war es ein wenig anders gewesen, da ich mit Frauen allgemein besser auskam und schneller eine Verbindung zu ihnen aufbaute. „Ähm…Camaria? Alles okay?“, riss mich die Stimme von Goro aus meinen Überlegungen und ich zuckte leicht zusammen. Oh je. Es war schon wieder passiert. Schon wieder war ich mitten in einer Unterhaltung mit meinen Gedanken abgedriftet. „Ähm…äh…entschuldige. Was hast du gesagt?“, erwiderte ich und strich mir verlegen ein paar Strähnen hinter mein Ohr. Goro sah mich verblüfft an und musste dann schmunzeln, ehe er seine Aussage wiederholte: „Ich habe gesagt, dass es mir hervorragend geht und ich mich über deine Aufmerksamkeit darüber freue. Und dann würde ich gerne noch wissen, wie es dir geht“. „Ach so…ähm…mir geht es auch sehr gut. In ein paar Minuten kommt eine Freundin her und dann gehen wir zusammen einen Kaffee trinken“, antwortete ich und musste mich vor Nervosität räuspern. Wieso geriet ich immer so schnell in solche unangenehmen Situationen? Ich sollte mich mehr auf meine Mitmenschen konzentrieren und nicht die ganze Zeit meinen Gedanken nachhängen. Das war unhöflich und sicherlich dachten meine Mitmenschen dann auch, dass sie mich langweilten. Und das wollte ich gar nicht.
Ich blinzelte etwas und sah dann zu Goro, der mich abwartend ansah. Oh je. War es schon wieder passiert? „Entschuldige, in letzter Zeit hänge ich ein wenig zu oft meinen Gedanken nach“, entschuldigte ich mich und wich immer wieder seinem Blick aus. Es beunruhigte mich ein wenig, dass er mich so freundlich ansah. Als würde er es nur spielen und sich hinter einer Maske verstecken oder so. Aber es war halt nicht zu freundlich, dass ich glaubte, er hätte in mir sein nächstes Opfer entdeckt. … Was dachte ich hier eigentlich? Ich müsste auf jeden Fall mal wieder ein paar Zeilen schreiben, damit diese dämlichen Fantasien aus meinem Kopf kamen. „Macht nichts. Yusuke passiert das auch ständig und fängt dann ganz zufällig mit irgendwelchen Themen an, die gar nicht zur herrschenden Atmosphäre passen“, wank Goro ab und strich sich ein paar seiner braunen Strähnen zur Seite, die in seine Augen gefallen waren. Erleichterung breitete sich in meinem Bauch aus und ich musste einfach lächeln. Da war ich froh, da ich Goro doch mochte. „Gut, aber es ist wirklich nicht, weil ich dir nicht zuhören möchte oder so“, erwiderte ich und lächelte ihn an, als ein Klingeln unsere Unterhaltung unterbrach. „Oh, das ist sicherlich meine Freundin. Entschuldige mich“, erklärte ich und ging dann auch schon zur Tür, wo ich Saki unten ins Treppenhaus ließ und dann die Wohnungstür öffnete.
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