Zwischen Freud und Leid ist nur ein schmaler Grat und jemand, der darüber tanzt

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Eric OC (Own Character) Tobias "Four" Eaton
31.01.2020
26.03.2020
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„Du bist auch nicht meiner, trotzdem kann ich dich attraktiv finden“, entgegnete Eric ruhig, ein wenig zu ruhig, aber Ella konnte nicht aufhören, sie ahnte nicht, wie extrem gespannt die Nerven des Älteren waren.

„Dein Typ ist ja auch blond und barbusig und am besten noch dumm. Wie auch immer die das durch die Initiation geschafft haben“, feixte Ella, Eric Mundwinkel zuckten.

„Auf jeden Fall nicht so wie du“, er unterdrückte ein Lachen und mit einem Mal war sein Zorn verflogen und seine Nerven beruhigt. Wie auch immer die junge Frau das gemacht hatte, es gefiel ihm. Ella hing in Gedanken noch bei dem Typ Frau, auf den Eric augenscheinlich stand. Sie phantasierte ein wenig, es ging sogar soweit, dass sie das nächste Szenario vor ihrem geistigen Auge sah und sich danach erst einmal von Eric entfernte und wieder zum Bett ging.

„Dann hat sich mein Typ wohl geändert“, die Hand des Blonden legte sich an Ellas Wange und bevor diese verstand, was passierte, drehte er sie ein wenig und drückte sie gegen die Wand, ehe er seine Lippen auf ihre presste und sie in einen intensiven Kuss verwickelte. Der schien Ella sogar zu gefallen, sie krallte ihre Finger in seine Schultern und erwiderte den Kuss. Schnell schob sie sich herum und schaffte es so, Eric zwischen sich und der Wand zu positionieren und sich nun gegen ihn zu pressen.

„Alles gut? Du siehst blass aus, Kleine“, Eric legte den Kopf leicht schief und seine Stirn warf einige Falten, Ella dürfte sich nicht anmerken lassen, dass sie in Gedanken gerade Eric geküsst hatte, das würde er ihr ewig vorhalten und sie damit aufziehen.

„Mir geht’s gut“, log Ella leise und rieb sich die Stirn, gleichzeitig verflogen die Falten auf Erics und er nahm sich eine Tasse Kaffee.

„Und soll ich raten, was dein Typ ist?“, Eric tippte sich gegen das Kinn, als würde er tatsächlich nachdenken. Ella ließ sich aufs Bett sinken und zog die Beine zum Schneidersitz auf die Matratze, es interessierte sie, wie Eric sie und ihren Männergeschmack einschätzte. Sie hatte zwar schon eine richtige und einige kurze und knappe Beziehungen gehabt, aber wirklich gehalten haben die nicht, was meistens auch so beabsichtigt war. Aber vom Aussehen glichen sich die Männer schon sehr, auch wenn sie charakterlich oft auseinanderlagen. Gefallen haben ihr alle.

„Ich tippe auf jemanden, der aussieht wie Four“, riet er und Ella öffnete empört die Mund, um das zu verneinen, dann stellte sie sich Four einmal bildlich vor und musste feststellen, dass er eigentlich genau ins Schema passte, sofort schloss sie den Mund wieder.

„Wusste ich es doch“, Eric stand der Blick des Siegers gut, er hatte ihn lange geübt und lange gefestigt.

„Das heißt aber nicht, dass ich Interesse an Four hätte“, warf Ella ein und hob dabei mahnend den Zeigefinger in seine Richtung. Eric trank unbeeindruckt einen Schluck.

„Das wäre meine nächste Frage gewesen. Hätte mich nicht gewundert, wenn ihr zwei euch nach deiner Initiation nähergekommen wärt“, Ella verdrehte die Augen. Nach ihrer Initiation hatte sie ganz andere Dinge im Kopf als Männer, immerhin war sie da gerade 16 und erst einmal standen mögliche Jobs auf dem Plan. Sie hatte, bis auf die Führungsebene, immerhin schon alles ausprobiert und die Arbeit in der Kontrollzentrale und nun die Arbeit mit den Initianten in dieser bestimmten Zeit des Jahres lagen ihr gut und es gefiel hier so gut, dass sie nicht glaubte, noch einmal wechseln zu wollen. Eigentlich war es nicht üblich, dass ein Initiant nach seiner Initiation mit dem möglichst niedrigsten Job anfing, um alles auszuprobieren, aber eigentlich war es auch nicht üblich, dass jemand unter den ersten fünf überhaupt einen Fuß an den Zaun setzte oder dergleichen. Erst mit 18 hatte sie anfangen ihre Fühler auszuwerfen und kurz darauf kannte sie Four bereits als einen Freund und das würde sich auch nicht ändern, wie sehr er auch ihrem Beuteschema entsprach.

„Ich glaube, Four und ich haben uns immer nur als Freunde betrachtet. So wie ich dich immer als Anführer betrachten werde und mich als Untergebene“, dabei verzog Ella das Gesicht, weil sie seine Sprüche zu Beginn ihrer Zusammenarbeit doch sehr von oben herab fand, immerhin hätte Ella jetzt auch gut Anführerin sein können, wenn sie das gewollt hätte. Wenigstens hatte Eric dieses dumme Prüfen von ihren Fähigkeiten aufgegeben. Wie er selbst es gesagt hatte, er hatte sie bei ihrer Initiation bereits im Auge gehabt und wusste wie gut sie war.

„Sei dir da mal nicht so sicher“, er ließ die Aussage im Raum stehen, ohne zu erläutern, ob er es auf sie und Four oder sie und sich selbst bezog. Ella sollte das recht sein, sie war noch ein wenig müde und würde sich auch wieder ins Bett legen und weiterschlafen, sobald Eric fort war. Während er noch hier war, wollte sie aber diszipliniert genug sein, um wach zu bleiben und sich mit ihm zu unterhalten. Kurz schwiegen sie, bis Ella etwas einfiel. Sie hatte nicht fragen wollen, weil er nein sagen könnte, aber es ohne sein Wissen tun wollte sie auch nicht.

„Wie sieht es eigentlich mit deiner Badewanne aus? Darf ich die benutzen?“, Ella deutete mit einer Hand über ihre Schulter und Eric, der auf seine Tasse hinuntergesehen hatte, hob den Blick, ohne den Kopf zu heben. Sie auf diese Art und Weise betrachtend verharrte er einen Moment, bevor er den Kopf hob.

„Habe ich nichts gegen, ich benutze sie eigentlich nicht, dafür habe ich nicht die Zeit. Aber du hast sicher Zeit genug für solche Bequemlichkeiten. Meinetwegen darfst du auch, wenn ich wieder hier bin, wann immer du willst vorbeikommen und baden“, er zuckte mit den Schultern und leerte seine Tasse. Ihm war es gleich, ob Ella die Badewanne benutzte, die er damals nur gekauft hatte, damit das Badezimmer nicht so leer aussah und die er seitdem nur einmal benutzt hatte. Das stundenlange Aufweichen in warmem Wasser war nicht sein Ding, aber wenn Ella das gefiel, sollte sie es machen. Dann hatte die Badewanne wenigstens einen Sinn.

„Danke“, nuschelte sie, ein wenig verschreckt von seinem Angebot, aber wenn sie genauer darüber nachdachte, fand sie es gar nicht so schlecht. Oft wünschte sie sich nach einem harten Tag ein heißes Bad und wenn Eric sein Badezimmer so bereitwillig zur Verfügung stellte, sollte sie das ausnutzen. Schaden würde es ihr auf jeden Fall nicht und es bewies nur, dass der blonde Ferox doch nicht so kalt war, wie man es ihm vorwarf. Dass er mit seiner Aussage über ihre freie Zeit, sie ein wenig niedergemacht hatte, spielte dabei nicht einmal eine Rolle.

„Ich werde mich dann auf den Weg machen, die Kaffeetasse spülst du dann nachher aus?“

„Ja“, Ella quälte sich zu einem Lächeln in seine Richtung durch und ihm huschte ebenfalls ein knappes Lächeln über das Gesicht. Während Eric noch einige Dinge in einen Rucksack schmiss, legte Ella sich bereits wieder unter die Decke, drehte sich auf die Seite, sodass sie in Richtung Tür sah und wartete darauf, dass Eric durch diese für zwei Tage verschwinden würde. Doch bevor er sein Zimmer verließ, kam er noch einmal ans Bett.

„Danke, Ella“, er strich sanft über ihr Haar und setzte danach einen Kuss darauf.

„Gerne“, Ella zwinkerte ihm zu und der Blonde verschwand. Kurz danach fielen Ellas Augen auch schon wieder zu und sie driftete in einen traumlosen Schlaf. Dieses Mal war der Wecker weniger dröhnend und weckte Ella um einiges angenehmer als noch Stunden zuvor. Sie rollte sich aus dem Bett, tapste ins Badezimmer und ihre morgendliche Routine hier unterschied sich kaum von der bei ihr, nur dass sie zum Anziehen in ihr Zimmer gehen musste. Dafür behielt sie die Sachen von Eric an, nackt würde sie nicht durch den Flur laufen, selbst wenn der Weg nicht weit war. Und genau auf diesem Weg traf sie Four, der gerade aus seinem Zimmer kam, um zum Frühstück zu gehen. Erst lächelte er sie freundlich an, dann stockte er. Sein Blick glitt an Ella herunter und sie wusste ganz genau, was der Dunkelhaarige nun dachte.

„Es ist nicht so wie es aussieht“, begann sie, Four wank ab.

„Du kommst in Erics Sachen aus seinem Zimmer geschlichen, wonach soll das denn aussehen? Ich denke, es ist ein normaler Morgen“, damit trat er an ihr vorbei und Ella zog die Augenbrauen zusammen. Ein Nachspiel würde das sicher haben, aber jetzt hatte Four nichts gesagt und das sollte sie erst einmal genießen, solange sie noch konnte. In ihren Sachen saß sie beim Frühstück, gegenüber von Four und neben Luke, der kurz nach ihnen eingetroffen war. Er bemerkte die Blicke, die Four Ella zuwarf, wartete etwas ab, damit er die Blicke nicht fehldeutete, bevor er sich grinsend an die beiden wandte.

„So wie er dich ansieht, hast du heute Nacht nicht in deinem Zimmer verbracht und in einem von unseren sicher auch nicht“, er wackelte mit den Augenbrauen und Ella schnaubte.

„Sie und Eric müssen ein ziemlich hartes Training gehabt haben in der Nacht“, bestätigte Four seine Aussage und Ella lief sofort rot an. Das Training mit Eric war hart gewesen, aber nicht auf die Art und Weise, wie die beiden anderen es gerade behaupteten. Aber wenn sie ihnen nun erzählte, dass nichts zwischen ihnen gelaufen war und Eric sie nur gebeten hatte, in den Tagen seiner Abwesenheit in seinem Zimmer zu schlafen, würden sie es nur als Anlass nehmen, viel mehr dahinter zu vermuten. Ella könnte es ihnen nicht einmal verübeln, sie selbst konnte nicht glauben, dass zwischen Eric und ihr nichts lief, so wie sie sich manchmal verhielten. Sie zuckte nur mit den Schultern.

„Wer weiß“, ohne auf die anderen Ausbilder zu achten, aß sie ihr Frühstück zu Ende und marschierte zur Trainingshalle. Auch wenn Four heute vormittags immer mal wieder Sprüche in ihre Richtung fallen ließ, hatte sie gute Laune. Zwei Tage kein Eric, zwei Tage Four und ihre Initianten waren angestrengter denn je. Es könnte eigentlich nicht besser laufen. Eigentlich. Denn nachdem sie gestern mit Eric trainiert hatte und ihr Gespräch heute Morgen relativ friedlich und beinahe freundschaftlich verlief und er wieder sanft zu ihr war, war Ella sich nicht mehr sicher, wie sie zu Eric stehen sollte. Natürlich hatte er mit ihren Gefühlen gespielt und sich darüber amüsiert und sie hatte sich vorgenommen, ihn zu hassen, aber das konnte sie nicht. Er war kein schlechter Mensch, egal wie sehr sie es hoffte.

„Morgen ist unser capture the flag, ich dachte, du hast vielleicht Lust mitzukommen?“, Four legte einen Arm um Ellas Schulter und grinste sie an. Seine dunklen Augen strahlten sie an und sein Grinsen war ansteckend.

„Kann ich das spontan entscheiden? Ihr geht doch in der Nacht los?“, sie legte nun auch einen Arm um Four, obwohl ihr Arm eher um seine Taille lag, der Ältere nickte.

„Wir gehen nachts. Wenn du willst, kann ich dann ja eben bei dir klopfen und du entscheidest dann?“, sie schlenderten durch die Gänge zum Mittagessen, die Initianten waren bereits vorgelaufen, weil Ella und Four ihnen viel abverlangt hatten und sie allesamt großen Hunger hatten, zudem hatten sie bereits angekündigt, dass der Nachmittag nicht angenehmer werden würde. Arm in Arm kamen die zwei Ausbilder beim Essen an.

„Sehr gerne, aber dann musst du bei Erics Zimmer klopfen“, erklärte Ella gerade, da sie an dem Tisch mit Luke ankamen. Diese beäugte sie kurz skeptisch.

„Lasst das bloß nicht Eric sehen, ich kann mir nicht vorstellen, dass er gerne teilt“, warnte Luke mit einem schiefen Lächeln auf den Lippen. Four lehnte sich etwas zurück, um Ella gerade ins Gesicht sehen zu können und sie tat das Gleiche.

„Wie wäre es mit einem Dreier?“, fragte Four gespielt ernst, Ella nickte.

„Sehr gerne, wenn dann aber richtig dreckig“, Ella verdrehte die Augen, ließ sich mit Four zusammen auf die Bank nieder und bedachte Luke mit einer Grimasse. Der Älteste hatte verstanden, er hätte auch nicht geglaubt, dass zwischen Four und Ella mehr wäre als Freundschaft, seinen Seitenhieb gegen Ella wollte er dennoch austeilen.

„Weiß Eric jetzt eigentlich wie du heißt?“, fuhr er fort und spürte im nächsten Moment einen stechenden Schmerz am Schienbein, Ella hatte ihn getreten.

„Natürlich weiß er wie sie heißt, immerhin wohnt sie jetzt bei ihm“, setzte Four nach.

„Nur weil ich heute so gut drauf bin, bringe ich euch zwei jetzt nicht um“, Ella lächelte ein zuckersüßes Lächeln, verabschiedete sich von den Ferox und ging zu dem Tisch der Initianten herüber, um sich zu ihnen zu setzen und zu essen. Die hatten noch keine Ahnung, was sie morgen Nacht erwarten würde, es war normal, dass man die Initianten nachts weckte und sie direkt mit der Situation konfrontierte. Ella würde sehr gerne mitkommen, war sich nur unsicher, ob sie Zeit hatte, immerhin sollte sie für Eric etwas annehmen und wenn es bis dahin nicht da war, konnte sie schlecht gehen. An diesem Tisch quatschte sie niemand mit idiotischen Ideen von einer Beziehung zwischen ihr und Eric dicht und sie konnte entspannt ihr Essen in sich hineinschlingen. Die Initianten hatten an ihrem Blick bereits gesehen, dass sie nicht reden wollte. Dadurch, dass sie wirklich täglich mit ihr zu tun hatten, kannten sie ihre Ausbilderin und ihre Eigenarten bereits ziemlich gut und wenn sie die Augenbrauen heruntergezogen hatte, die Lippen aufeinandergepresst und die Schultern angespannt, wollte sie mit niemandem reden und niemanden sehen. Obwohl sie wohl nichts gegen ein Gespräch mit Eric gesagt hätte, der äußerte wenigstens keine absurden Theorien, bis auf die mit Four, aber da hatte er sich schnell vom Gegenteil überzeugen lassen, zumindest hoffte Ella das. Schlimm genug wenn ihr etwas mit Eric nachgesagt wurde, dann auch noch etwas mit Four, das wäre doch ein Ausbilder zu viel. Beim Nachmittagstraining ließ Ella es sich nicht nehmen und forderte Four zu einem Messerwurfduell heraus, nachdem er ihr mit einem eindeutigen Blick begegnet war, während die Initianten Messer warfen.

„Du weißt, dass selbst Eric denkt, ich wäre besser als er“, erinnerte Four sie daran, dass er wirklich gut war und in seiner Initiation damals auf Platz 1 stand, Ella zuckte unbeeindruckt mit den Achseln.

„Vielleicht bin ich ja besser als Eric“, sie versetzte Four einen Stoß in die Seite.

„Komm, zier dich nicht so. Fünf Messer, ein Ziel, von wem am Ende mehr Messer tödlich stecken bleiben“, die beiden wechselten einen Blick und Four gab nach. Bereits siegessicher nahm er sich seine fünf Messer, die eine kleine gelbe Markierung am Schaft hatten, positionierte sich vor einem der Ziele und warf, sofort hörten die Initianten auf und beobachteten Four dabei. Alle fünf Messer blieben stecken, vier von ihnen tödlich. Er hob entschuldigend die Hände.

„Du solltest dir nicht zu sicher sein“, Ella nahm nun ihre Messer und anstatt zu versuchen, ebenfalls tödliche Treffer zu landen, warf sie auf Fours bereits steckende tödliche Messer und schaffte es mit jedem ihrer ersten vier Würfe die Messer von Four aus dem Ziel zu schießen. Ihre landeten dabei zwar auch auf dem Boden, aber am Ende hatte sie noch ein Messer.

„Wenn du den jetzt triffst, hast du gewonnen, aber mit unfairen Mitteln“, Four verschränkte die Arme vor der Brust, die Adern an seinen Unterarmen traten hervor und Ella konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Meintest du nicht, wir Frauen kämpfen unfair?“, Ella fixierte eine Stelle an, traf ebendiese, aber sie stellte keinen tödlichen Treffer dar. Four klopfte ihr auf die Schulter. Sie hatte nicht gewonnen, aber verloren auch nicht, sie wollte dem Dunkelhaarigen nur etwas beweisen.

„Schon gut, du bist besser als Eric und wir zwei sind gleich gut“, sie grinsten sich an, bevor Four sich an die Initianten wandte und sie grob dazu anhielt weiter zu trainieren, heute sollten sie alle noch einmal kämpfen. Ella gelang es den restlichen Tag kaum an Eric zu denken, während sie arbeitete. Manchmal war es stiller und sie beobachtete nur, wie die anderen trainierten, manchmal musste sie noch Verbesserungen anbringen. Four ließ sie machen und hielt sich vor allem am Nachmittag im Hintergrund, zufrieden sah er der Jüngeren bei ihrer Arbeit zu, sie hatte ein Händchen für die Initianten und beeindruckte ihn immer wieder aufs Neue. Auch wenn er Ella nun bereits ein paar Jahre kannte und sich gut mit ihr verstand, seit sie bei den Ausbildern dabei war, hatte sich ihre Freundschaft noch ein wenig gefestigt und er war froh darüber. Normalerweise waren seine Bekanntschaften mit Frauen nicht so eng oder eindeutig nicht auf freundschaftlicher Ebene. Four lächelte Ella an, als sie über ihre Schulter zu ihm herübersah, sie erwiderte sein Lächeln. Wenn Four eine Schwester gehabt hätte, hätte er sich gewünscht, sie wäre wie Ella, ein wenig frech, nicht auf den Mund gefallen, aber vor allem freundlich und humorvoll. Er hatte in den Jahren zuvor selten so viel gelacht während dieser Zeit des Jahres. Zum Ende des Nachmittagstrainings stand Ella nun ein wenig abseits und beobachtete alles, vor allem die Kämpfe, um nichts zu verpassen. Four lief stattdessen durch die Trainierenden und ermahnte sie zu härterem Training. Gerade hatten zwei beinahe gleichstarke Mädchen gegeneinander gekämpft, bis die etwas Kleinere aufgab, um nicht noch mehr Schläge zu kassieren. Die Größere sah fragend zu Ella, die bei einer leichten Abwärtsbewegung ihres Kopfes die Augen für einen Moment schloss. Der Kampf war vorbei. Four trat an Ella heran.

„Wieso soll ich morgen Nacht bei Eric klopfen?“, darüber hatte er sich seit heute Morgen den Kopf zerbrochen, Ella schüttelte den Kopf.

„Ich schlafe in seinem Zimmer, wenn er weg ist“, erklärte sie, als sei es das Normalste der Welt, in ihren Ohren klang es nicht einmal mehr merkwürdig, Ella hoffte, Four würde es genauso gehen, der biss die Zähne zusammen.

„Ich weiß ja, dass du strikt behauptest, das zwischen dir und Eric sei rein beruflich, aber so langsam kann ich das nicht mehr glauben“, er wollte abwehrend die Hände heben, aber Ella hielt ihn auf, sie ergriff seine linke Hand und zog ihn etwas zu sich heran.

„Es ist rein beruflich. Nachdem er mir Anfang der Woche quasi gestanden hat, dass er mich will, ist er mit einer anderen ins Bett. So jemanden brauche ich nicht, in Ordnung?“, zischte sie, entließ Four sogleich aus ihrem Griff, trat an ihm vorbei, mit den Gedanken bereits woanders. Sie hatte das nicht erzählen wollen, aber sie glaubte, Four vertrauen zu können. Er runzelte die Stirn.

„Wieso hast du nichts gesagt?“, schnell hatte er zu ihr aufgeschlossen. Die Initianten waren bereits auf dem Weg zum Abendessen, Ella und Four waren noch in der Trainingshalle, wollten ihnen aber jetzt folgen. Ella seufzte, hielt inne und stellte sich vor Four.

„Was hätte ich sagen sollen? Eric steht auf mich und vielleicht finde ich ihn auch gut? Aber jetzt hat er trotzdem was mit einer Anderen gehabt? Und obwohl es mich gekränkt hat, bin ich dennoch bereit freundlich zu ihm zu sein und finde ihn vielleicht gar nicht mehr so schlecht, jetzt, wo ich ihn besser kenne, obwohl er mit mir und meinen Gefühlen gespielt hat?“, Ella sah den Dunkelhaarigen vorwurfsvoll an, dass er das aus ihr herausgezogen hatte und sie nun ausgesprochen hatte, was sie nie hatte aussprechen wollen. Sie mochte Eric irgendwie noch und scheinbar mehr, als sie nach seinem Verhalten ihr gegenüber sollte. Four verzog das Gesicht zu einem mitleidigen Blick.

„Willst du darüber reden?“, er legte mitfühlend einen Arm um die Kleinere, die ihn langsam abschüttelte.

„Schon in Ordnung. Ich will mir nur nichts mehr wegen ihm anhören. Wenn sich irgendetwas an der jetzigen Situation ändern sollte, erfahren du und Luke es sowieso mit als Erste“, das verstand Four und beim Abendessen schob er Luke direkt einen Riegel vor. Das, was Four dem Ältesten der Ausbilder zuflüsterte, konnte Ella nicht verstehen, aber danach waren die dummen Sprüche wie weggeblasen und Ella war deutlich entspannter. Die zwei Ferox hatten es nie böse gemeint, sondern hatten eher den Witz daran gesehen, aber jetzt, da ihnen bewusst war, dass die Situation doch ernst war, war auch ihnen nicht mehr zu lachen zumute. Beim Abendessen lachten sie dennoch viel über andere Sachen und gemeinsam gingen sie zu ihren Zimmern.

„Gute Nacht, Jungs, bis morgen“, Ella schob die Tür zu Erics Zimmer auf. Luke und Four unterhielten sich noch eine Weile vor ihren Zimmern, dass es bei diesem Gespräch vorwiegend um Eric und Ella ging, war der Brünetten klar, sie wollte sie aber auch nicht aufhalten. Es war normal, dass Leute redeten, egal bei welchem Thema, sobald es etwas Neues gab. Damals bei ihrer Initiation hatten die anderen auch geredet, als sie bei Kämpfen begann zu gewinnen und als sie dann auch noch beim Angsttraining auf Rang Eins landete hatten auch die Letzten angefangen über sie zu sprechen. Willice hatte sie eines Abends allein in der Trainingshalle gefunden, wie sie Runden lief und hatte als Erster ihre Sicht der Dinge hören wollen. Seit diesem Abend standen die beiden sich näher, was natürlich wieder für neuen Gesprächsstoff sorgte, aber dieses Mal fühlte sich Ella nicht mehr schlecht, wenn sie andere tuscheln sah, sondern stand darüber. Erics Zimmer war dunkel und bis Ella den Lichtschalter gefunden hatte, war sie gegen einige Dinge auf dem Boden gelaufen, die sie am Morgen nicht weggeräumt hatte. In der Küchenzeile wusch sie Erics Tasse ab, suchte in seinen Regalen nach einem Buch, entschied sich am Ende für das Einzige, das sie nicht sofort mit dem Titel abschreckte und huschte ins Badezimmer. Um ein mögliches Klopfen hören zu können, ließ sie die Badezimmertür offenstehen, ließ sich ein heißes Bad ein und sobald sich das Wasser um ihren Körper schloss, amtete sie befreit aus. Sie war überzeugt, dass Eric am Zaun gerade an sie dachte, denn sie konnte nicht aufhören an ihn zu denken. Er wanderte durch ihre Gedanken weswegen sie alsbald das Buch wieder zur Seite schob und stattdessen die Decke des Badezimmers anstarrte, es half nichts. Der blonde Ferox Anführer machte sie verrückt und wenn ihr die zwei Tage Abstand nichts nützen sollten, käme sie wohl nicht darum herum, es ihm zu sagen und zu hoffen, dass er eine Möglichkeit wusste, dieses Problem aus der Welt zu schaffen.



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Ellas Gedanken scheinen ihr wirklich Streiche zu spielen. Erst stellt sie sich Eric und sich beim Küssen vor und dann muss sie die ganze Zeit an ihn denken. Ach ja, sie denkt, es sei ein Problem, dass man aus der Welt schaffen müsste.
Ob Eric wirklich an sie denkt?
Aber jetzt wo der Blonde nicht da ist, könnte sie die Zeit mit Four und Luke genießen; immerhin haben sie jetzt verstanden, dass sie nicht mehr darüber Witze reißen sollten.

Ich hoffe, euch gefällt das Kapitel. Im Moment bin ich eigentlich nur im Haus und gehe höchstens zur Gartenarbeit raus. Produktiv bin ich trotzdem nicht; wenn ich so viel Zeit habe, kann ich mich irgendwie nicht so gut konzentrieren.
Die Kapitel kommen trotzdem weiter regelmäßig Donnerstags.
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