Zwischen Freud und Leid ist nur ein schmaler Grat und jemand, der darüber tanzt

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Eric OC (Own Character) Tobias "Four" Eaton
31.01.2020
08.10.2020
41
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31.01.2020 1.239
 
Hallöchen! Ich versuche mich nun einmal an einem anderen Fandom, als sonst.
Vorher möchte ich darauf hinweisen, dass ich mich beim Aussehen an den Filmcharakteren orientiert habe und auch das Alter der Akteure entspricht denen im Film. Erstens, weil ich Eric im Buch nicht sonderlich attraktiv dargestellt fand und zweitens weil meine Charaktere schon einige Jahre bei den Ferox auf dem Buckel haben sollen. Die Geschichte beginnt genau ein Jahr bevor Tris Geschichte beginnt. Neben den bekannten Charakteren musste ich verständlicherweise noch einige einbauen und hoffe, dass euch ihre Darstellung gefällt.
Viel mehr möchte ich auch gar nicht sagen.
Wir beginnen mit einem kleinen Prolog.


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Sie betrachtete sich im Spiegel und schob eine lästige braune Strähne hinter ihr Ohr. Heute würde sie sich entscheiden, offiziell, inoffiziell hatte sie das schon vor Jahren getan. Früh bemerkte sie, dass sie nicht zu ihrer jetzigen gebürtigen Fraktion passte. Nicht nur, weil sie die Farbe blau schrecklich fand. Elisabeth verschränkte die Arme vor der Brust, drückte das Klemmbrett näher an sich und trat heraus aus ihrem Zimmer ins Wohnzimmer. Ihre Eltern saßen bereits am Essenstisch und ihre jüngere Schwester tanzte darum herum. Sie würde sie vermissen. Natürlich würde sie sie vermissen. Wie konnte ein Mensch nicht die Menschen vermissen, mit denen er sein ganzes Leben verbracht hatte. Elisabeth atmete tief durch, bevor sie sich zu ihren Eltern an den Tisch setzte und ein aufmunterndes Lächeln von ihrer Mutter geschenkt bekam.

„Bist du aufgeregt?“, fragte die ältere ergrauende Frau neugierig und schob ihr einen Teller mit Brot und Marmelade herüber.

„Ein wenig, immerhin weiß ich nicht, was genau mich erwarten wird. Aber ich bin mir sicher, dass ich dort besser hineinpasse“, erklärte Elisabeth grübelnd. Ihre Eltern hatten es aufgegeben, sie für ihre Fraktion zu gewinnen. In den ersten Jahren, nachdem Elisabeth angekündigt hatte, sie würde die Fraktion wechseln, weg von den Ken, waren beide kräftig hinterher gewesen. An jeder Ecke konnten sie ihr ein Argument für die Ken liefern, doch keines überzeugte sie. Ihr Vater, noch ein wenig farbenfroher auf dem Kopf, als ihre Mutter, klopfte Elisabeth auf die Schulter.

„Jede Fraktion kann glücklich sein, dich zu haben“, meinte er und drückte einen Kuss auf ihre Stirn. Elisabeth würde ihn wohl am meisten vermissen. Ihr Vater hatte immer einen klugen Spruch auf den Lippen und immer einen passenden Rat zur Stelle. Seufzend nickte sie. Möglicherweise könnte sie nach der Initiation ihre Familie mal besuchen, vor allem die kleine Maggie würde sich wohl darüber freuen. Elisabeth fragte sich, ob der Lockenkopf sich wohl an sie erinnern würde, wenn sie nun nicht mehr da sein würde. Sie war zwar schon drei Jahre alt, aber Elisabeth erinnerte sich auch nicht mehr an ihre Oma, die gestorben war, als sie drei Jahre alt war. Es war zwar nicht das Gleiche und ihre Oma hatte sie vorher auch nicht täglich gesehen, aber Maggie hatte eine Aufmerksamkeitsspanne einer Fliege. Eigentlich würde es sie tatsächlich nicht wundern, wenn sie sie vergaß. Die drei schwiegen sich noch eine Weile an, bis die Uhr am Handgelenk der Frau piepte und signalisierte, dass sie aufbrechen mussten. Elisabeth sprang von Tisch auf und schmiss sich in die Arme ihrer Mutter.

„Ich liebe dich, mein Schatz, und ich wünsche dir ganz viel Glück bei Allem, was jetzt auf dich zukommt“, man drückte Elisabeth eng an sich. Nur mit aller Kraft konnten die Frauen ihre Tränen zurückhalten, doch heute sollte kein trauriger Tag sein. Elisabeth drückte auch ihre kleine Schwester, bevor sie mit ihrem Vater zusammen das Haus verließ und sich nicht mehr umsah. Ihre Zukunft lag vor ihr. Fraktion vor Blut. Bei diesem Gedanken lief ihr ein Schauer über den Rücken und schnell hatte ihr Vater einen Arm um sie gelegt. Elisabeth richtete ihren Blazer, strich ihre Hose glatt und sah gebannt nach vorne zu den fünf Schalen. Bei jedem Neuen, der nach vorne ging, war sie gespannt, als stünde sie selbst bereits unten und müsste sich entscheiden. Es war eine Qual. Ihr Herz raste, als sie ihrem Namen näher kamen. Und dann war es soweit.

„Elisabeth Marten“, wurde sie aufgerufen. Wie von einer Tarantel gestochen sprang sie vom Stuhl und schmiss sich ein letztes Mal in den Arm ihres Vaters. Beide wussten, dass es wahrscheinlich das letzte Mal war, auch wenn sie sich nach der Initiation wiedersehen könnten. Der ältere Mann drückte sie sanft von sich.

„Nun geh schon und leb dein Leben, Elisabeth“, er wischte eine Träne von ihrer Wange und schob sie vorwärts. Ihre Hände knetend ging sie die unendlich lang wirkenden Treppenstufen herunter. Elisabeth fragte sich, ob ihr Vater sich genauso gefühlt hatte, als er sich mit 16 gegen seine alte Fraktion, für die Ken entschied. Unten standen zwei Männer hinter den Schalen und einer rang sich zu einem Lächeln durch. Sie wusste, dass man von ihr erwartete, dass sie sich für die Ken entschied. In der Schule war sie immer eine der Besten gewesen. Aber was nützte ihr das ganze Wissen und die Anerkennung, wenn sie sich dort nicht wohl fühlte, als lebte sie das Leben eines anderen. Elisabeth nahm einen tiefen Atemzug, griff entschlossen das Messer und schnitt sich mit Schnelligkeit in die Hand. Nun war es kein Zögern mehr, keine Angst mehr, nur noch Überzeugung, als sie die Hand über die Schale ganz links hielt und ihr Blut auf die schwarzen Kohlen tropfen ließ.

„Ferox!“, rief man aus und sich ein Tuch greifend drehte sich Elisabeth schwungvoll um und ging zu dem Teil herüber, in dem die Menschen johlten und klatschten. Sofort erhob sich einer aus der ersten Reihe, gratulierte ihr lautstark und bot ihr seinen Platz an. Bevor sich die junge Frau setzte, sah sie noch einmal zu ihrem Vater, der sanft lächelte. Er hatte sich damals gegen die Ferox entschieden, sie sich dafür. Augenscheinlich hatten die Gene für die Ferox eine Generation übersprungen.


Dieser Tag war nun bereits zwei Wochen her und Elisabeth bereute es mit keinem Tag. Das Springen in das Loch zu Beginn war ihr zwar nicht schwergefallen, Erste wollte sie dennoch nicht sein. Noch weniger schwer war für sie das Verbrennen ihrer alten Kleidung und das Anlegen der schwarzen Kleidung. Sie fühlte sich sofort viel wohler, wusste, was sie an sich hatte und wusste, wie sie mit ihrem Körper umgehen musste. Die ersten Tage waren anstrengend, sehr anstrengend für die wenig trainierte Sechszehnjährige, doch mit jeder Trainingseinheit wurde sie besser, bis sie auf Platz 7 im Ranking angekommen war und sich seitdem sehr konstant darauf hielt. Ihr Ausbilder, ein etwas älterer Mann namens Willice, sah Potential in der Wechslerin. Bevor jedoch in den nächsten Tagen die zweite Phase der Initiation stattfinden sollte, in der die Initianten sich ihren Ängsten stellen müssen, wollte er sie noch einmal auf die Probe stellen.

„Nummer 7, antreten!“, schnarrte er über die Köpfe der Trainierenden hinweg. Willice sprach nie jemanden mit seinem Namen an, auch wenn sich Elisabeth nach ihrem Sprung für den neuen Namen Ella entschieden hatte und ihn gerne öfter hören würde. Für den Ausbilder war es einfacher die Initianten mit ihrer Rankingnummer anzusprechen, wahrscheinlich auch, um sie darauf hinzuweisen, wo sie stehen und dass sie besser sein müssten. Ella trat vor und sah den dunkelhaarigen Mann entschlossen an.

„Nummer 2, antreten!“, rief er den großen Nathan dazu. Die Brünette wusste genau, wohin das führte und atmete zur Beruhigung noch einmal tief durch. Sie hatte bisher nur einmal gegen jemanden unter den Top fünf gekämpft und war kläglich gescheitert. Das würde nun wahrscheinlich genauso laufen.
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