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GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
OC (Own Character) Semi Eita Tendou Satori Ushijima Wakatoshi
30.01.2020
30.06.2020
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30.06.2020 2.294
 
„Nein, verdammt! Heute nicht! Heute gehört Misaki-chan mir!“
Bockig und mit trotzigem Blick umklammerte Tendou die Pinkhaarige, wie ein Klammeräffchen. Rühren war da absolut nicht mehr drin und so stand Misaki mit ihrem Schlüssel in der Hand und sah ihre Freunde Hilfe suchend an. Wakatoshi, mit dem Training wohl vollkommen zufrieden, stand neben Eita, völlig geduldig, während der Setter nur mitleidig in Misakis Richtung lächelte. Er hatte eigentlich nur darauf gewartet, dass so ein Ausbruch kommen würde und es hatte ihn doch sehr überrascht, dass Tendou ganze zwei Wochen die Füße still gehalten hatte. Deswegen waren seine Worte Anju und Hayato entgegen wohl auch so forsch und schnarrend.
„Misaki hat dir doch erklärt, dass sie momentan keine Zeit für -“, Anju machte eine ausladende Handbewegung, ehe sie mit den Schultern zuckte und meinte: „Dich und das, was auch immer ihr so treibt, hat.“
Schnaubend drückte der Rothaarige Misaki noch dichter an sich. Wenn es sein musste würde er sich die Pinkhaarige über die Schultern werfen und nach Hause schleppen, und zwar in sein zu Hause, wo die Misaki-Diebe keinen Zutritt hatten.
„Misaki hat immer Zeit für mich, hat sie selbst gesagt und so überaus geduldig und lieb, wie ich in den letzten zwei Wochen war, hab ich mir meine Misaki-Zeit verdient“, schmetterte der Mittelblocker der Weißhaarigen den Ball zurück. Hayato wollte gerade den Mund öffnen, als Wakatoshi ihm plötzlich zuvor kam: „Ich glaub nicht, dass er mit sich diskutieren lässt.“
„Du hast es erfasst“, schnaubte Tendou siegessicher aus und rieb sein Gesicht an Misakis Haaren, was diese trotz des Zopfes ordentlich durcheinander brachte.
„Ich denke, wir können ruhig mal einen Tag Pause einlegen. Das bekomme ich wieder aufgeholt.“
„Gewonnen~“, trällerte Tendou los und ließ nun doch von Misaki ab, um einen doch recht skurrilen Tanz aufzuführen.
„Gott, macht er das auch, wenn ihr gewinnt?“ Auch wenn Anju Tendou gegenüber nicht mehr so ablehnend war, wie noch am Anfang, so war er in ihren Augen immer noch ein schräger Vogel und genauso betrachtete sie ihn gerade auch.
„Ach, nicht immer. Er singt auch ganz gerne mal, aber man gewöhnt sich irgendwann dran“, meinte Eita schulterzuckend und sah dem Mittelblocker grinsend zu. Sie alle hatten wohl am Anfang ihre Probleme mit Tendous Art gehabt, aber dies war schon eine ganze Weile her. Seufzend wandte sich Anju von dem Spektakel ab. „Ich hau dann mal ab. Meine Mutter hat mir geschrieben, dass meine neue Bestellung angekommen ist.“
„Schon wieder neue Bücher?“
Die Weißhaarige zuckte nur mit den Schultern und hob die Hand zur Verabschiedung.
„Wir sehen uns morgen.“
„Bis morgen“, erwiderte Misaki, während die Jungs nur kurz die Hand zum Abschied hoben, alle, bis auf Hayato: „Ich begleite dich ein Stück, muss ja auch in die Richtung. Bis morgen, Leute.“
Schnell schloss der Libero zu dem Bücherwurm auf und die beiden verließen zusammen das Schulgelände, während Misaki ihr Fahrrad abschloss und Tendou sofort da war, um das pinke Gefährt zu schieben.
„Hayato verbringt ziemlich viel Zeit mit Anju, oder?“
„Hayato verbringt auch ziemlich viel Zeit mit mir, Eita. Versuch nicht schon wieder, mehr in etwas hineinzuinterpretieren, als drin steckt“, gab Misaki Augenrollend von sich. In dem Setter schien entweder ein Verkuppler zu stecken oder ein Romantiker. Was genau, konnte die Pinkhaarige nicht sagen, aber es war offensichtlich, dass Eita zu gerne die Herzchen in der Luft fliegen sah.
„Ich mein ja nur. Wobei die beiden doch recht unterschiedlich sind, aber das Hayato momentan nicht ständig umlagert wird oder den Mädchen auch aus dem Weg geht, ist schon ungewöhnlich.“
Nachdenklich tippte sich Eita ans Kinn und grinste dann an Tendou vorbei Misaki an.
„Wer weiß, vielleicht hat ja doch ein Volleyballer ein Auge auf dich geworfen, Misaki.“
Eita schrie auf, als das pinke Fahrrad ihm mit Gewalt in den Hintern fuhr. Wütend drehte sich der Setter zum Mittelblocker, welcher ihn finster ansah.
„Was soll der Scheiß, Satori?!“
„Erzähl nicht so einen Mist, Eita!“, fauchte der Mittelblocker zurück. Was Misaki nun doch überrascht blinzeln ließ. Tendou war sonst nicht wirklich der Typ, Eita anzuschnarren oder überhaupt jemanden anzuschnarren, aber scheinbar war heute so ein Tag, wo die Haut des Mittelblockers ziemlich dünn war.
„Hört auf, euch wie Kleinkinder zu benehmen. Wir sind schließlich ein Team und auch wenn wir Kenjiro als Stammsetter haben, ist Eita immer noch wichtig, Satori, also verletz ihn nicht. Es ist nicht mehr lange bis zum Frühlingsturnier, wir haben keine Zeit für so einen Quatsch.“
Wakatoshis sachlicher Vortrag sorgte für absolute Stille, dafür, dass Eita sich nur langsam über den lädierten Hintern fuhr und Tendou und er sich nur einen bösen Seitenblick schenkten.
„Du solltest öfters mal, was zu den Kindsköpfen sagen, Wakatoshi.“
Misaki lächelte dem Größeren entgegen, welcher nur kurz schnaubte und schließlich dafür sorgte, dass der kleine Trupp sich wieder in Bewegung setzte.
„Ich misch mich nicht gerne ein, es sei denn, das Team wird beeinflusst.“
Natürlich, was anders hatte Misaki auch gar nicht erwartet. Genauso wenig, wie die anderen zwei.
„Du bist so herzlos, Wakatoshi“, jammerte Tendou los und Eita nickte lediglich. So schnell waren die beiden sich wieder einig.
Kurz darauf hatten sie die Kreuzung erreicht, wo sich ihre Wege trennen würden. Schnell hatten sich die Oberschüler voneinander verabschiedet. Tendou saß bereits auf dem Rad, als Misaki sich seitlich auf den Gepäckträger setzte und sich ihre Arme um seinen Körper schlangen.
„Gut festhalten, Misaki-chan.“
Ihre Finger gruben sich in das weiße Hemd seiner Uniform und als wäre das die Bestätigung, die er gebraucht hatte, sauste Tendou auch schon los. Er hatte dies hier vermisst. Diese kleinen Momente, die nur er und Misaki miteinander teilen und er würde jeden einzelnen dieser Momente heute Abend genießen.

***

„Gott, was hab ich das vermisst!“, seufzte Misaki lautstark auf und schob sich einen weiteren Löffel Curry mit Reis in den Mund. Die absolut verzückten Laute, welche Misaki nun schon seit Beginn des Essens von sich gab, konnten einem schon die Röte ins Gesicht treiben. Tendou hingegen grinste nur breit, während er ebenfalls aß oder Misaki mehr zusah als alles andere.
„Wenn deine Mutter jetzt nach Hause kommt, denkt sie, wir treiben sonst was in ihrer Küche.“
Seine Augenbrauen wackelten anzüglich hin und her, während sein Grinsen breiter wurde und sein Blick dunkler. Misaki winkte nur mit dem Löffel in der Hand ab und schluckte ihren letzten Bissen herunter.
„Das ist mir so was von egal.“ Genüsslich schob sie sich einen weiteren Löffel zwischen die Backen und Tendou fing an zu lachen, wenn es ums Essen ging, war Misaki wirklich leicht zufriedenzustellen und mit Curry sowieso.
„Also, was machen wir nach dem Essen? Serie, Spielen oder Lesen?“
„Bitte Serie. Mein Gehirn kann eine Auszeit wirklich mal gebrauchen und ich möchte dir keine leichten Siege schenken.“
Nachdenklich und auch etwas besorgt, glitt Tendous Blick über Misakis Gesicht. Sie sah glücklich aus, so, wie sie da saß und ihr Curry verschlang und allein dies ließ ihn selbst etwas lächeln, aber ihm war auch nicht entgangen, dass sie momentan ziemlich blass war und ihre Augenringe immer schlimmer wurden.
„Dein Projekt verschlingt wohl wirklich zu viel Zeit, was?“
Vielleicht hätte er selbst doch noch etwas zurückstecken sollen und Misaki die Zeit lassen, die sie für ihr Projekt brauchte. Schließlich waren es nur noch knapp zwei Monate und dann konnte alles wieder beim Alten sein. Jetzt hatte er ihr allerdings die Möglichkeit genommen, heute weiterzuarbeiten, wodurch ihr Zeit verloren ging und die Belastung somit weiter steigen würde. Ein schlechtes Gewissen machte sich in ihm breit.
„Ja, schon. Momentan steht wenig Schlaf auf der Tagesordnung, aber es ist ein abzusehender Zeitraum, daher.“ Misaki zuckte lediglich mit den Schultern als wäre es nichts. Während Tendous Gewissen sich noch weiter bemerkbar machte.
„Eigentlich wäre es also besser, wenn du auch heute weiter arbeiten könntest?“
Misaki ließ ihren Löffel sinken und besah sich ihren Freund. Seine geknickte Haltung entging ihr nun nicht mehr. Leicht lächelte sie.
„Natürlich wäre es gut, wenn ich weiter arbeiten könnte, aber mir tut auch das hier gut.“
Seine braunen Augen richteten sich nun wieder auf sie und Misaki konnte nicht anders, sie erhob sich und beugte sich über den Tisch um ihm durch die roten Haare zu streichen.
„Ich hab nicht nur dein Essen vermisst, sondern auch deine Gesellschaft und sobald ich mit meinem Projekt fertig bin und ihr euer Turnier gewonnen habt, haben wir auch wieder mehr Zeit füreinander.“
Als Misaki ihre Hand zurückzog, griff Tendou wie aus einem Reflex nach ihrem Arm. Er schluckte, sah in ihre überraschten bernsteinfarbenen Augen. Jetzt oder nie. Der Mittelblocker öffnete seinen Mund, welcher staubtrocken war. Er hatte ganze zwei Wochen auf diesen Moment warten müssen und in nicht mal einer Minute würde Misaki wissen, wie er für sie empfand.
„Misaki, ich-“
„Misaki, ich bin wieder zu Hause!“, schallte es durch den ganzen Flur und genauso wie die Tür zu klappte, klappte nun auch Tendous Mund zu. Während die Pinkhaarige sich langsam aufrichtete, ließ Tendou sie los, als hätte er sich verbrannt. Schnell drehte er sein Gesicht zur Seite weg, während Misaki in den Flur trat. Gott, Tendou war die ganze Sache plötzlich so unangenehm. Beinahe hätte Misakis Mutter sein Liebesgeständnis mit angehört und das wollte er nun wirklich nicht. Es war so schon hart genug, die Wahrheit auszusprechen ohne zu wissen, wie der andere empfand. Er hörte, wie die beiden Frauen sich unterhielten und atmete einmal tief durch, um sich wieder zu fangen, ehe er selbst aufstand und lächelnd den Flur betrat. Vielleicht sollte es einfach noch nicht sein.

***

Nachdem Misaki und Tendou schließlich aufgegessen hatten, waren sie nach oben in Misakis Zimmer gegangen und holten nun die ein oder andere Folge ihrer Serien nach, welche einfach liegen geblieben waren. Misaki hatte es Tendou hoch angerechnet, dass er nicht ohne sie weiter geguckt hatte. So lagen die beiden Oberschüler mal wieder nebeneinander in Misakis Bett, eine Decke über ihre Rücken geworfen, die Arme unter ein Kissen geklemmt und sahen runter auf den flackernden Bildschirm. Das erste Mal seit zwei Wochen, dass Tendou nicht missgelaunt zum Fenster gegenüber sah, sondern wieder hinter diesem Fenster einen Abend verbringen durfte. Seufzend drückte er sein Kinn weiter in das Kissen und genoss in vollen Zügen den Moment. Trotzdem hatte er immer noch im Hinterkopf, dass er Misaki endlich reinen Wein einschenken musste. Aus dem Augenwinkel sah er die Pinkhaarige an, welche träge auf den Bildschirm guckte und hin und wieder nachdenklich die Brauen zusammenzog. Manchmal wollte er nur zu gerne wissen, was in ihrem Kopf vorging, doch da sie gerade die neuen Folgen von Attack on Titan sahen, ging es wohl überwiegend darüber, dass sie nicht mit der Strategie des Aufklärungstrupps einverstanden war. Zumindest ging er davon aus. Sein eigener Blick heftete sich wieder auf den Bildschirm, genau im richtigen Moment, um zu sehen, wie Eren mal wieder in eine überaus missliche Lage geriet. Attack on Titan war nicht gerade ein romantischer Anime und vielleicht sollte er warten, bis sie die zwei aktuellen Folgen gesehen hatten und sich etwas anderem widmen würden. Doch wenn er genau drüber nachdachte, gab es nicht einen Anime, den sie zusammen guckten, der romantische Stimmung aufkommen ließ. Er würde also warten können bis er schwarz war, um so einen Moment abzupassen. Aber brauchten sie das wirklich? Einen romantischen Moment? Er hatte sich schließlich in Misaki verliebt, ohne das sie je auf einem Date gewesen waren oder etwas gemacht hatten, was besonders romantisch gewesen wäre. Sie hatten zusammen rumgeblödelt, gelacht, er hatte für sie gekocht und sie hatte sein Essen zu gerne verschlungen. Auch war es immer wieder amüsant gewesen, gegen Misaki zu spielen, egal ob er gewann oder verlor. Er hatte es einfach immer genossen, Zeit mit ihr zu verbringen, aber romantisch war es nie gewesen. Vielleicht hätte man einen Moment, wie den am Lagerfeuer, als romantisch bezeichnen können, aber es hatte sich nicht so angefühlt. Es war ein schöner Moment gewesen, ein ruhiger, keine Frage, aber als romantisch würde er es nicht betiteln. Wahrscheinlich war romantisch einfach nicht ihr Ding und warum sollte er nun auf etwas warten, was einfach nicht ihr Ding war. Vielleicht war es aber auch einfach so, dass Momente wie diese, ihre Definition von Romantik waren. Wie er es auch drehte und wendete, er war jetzt in diesem Moment mit Misaki allein. Es würde sich einfach kein besserer Moment ergeben, egal, (Komma) ob Mikasa gerade Titanen schlachtete, um Eren zu retten, oder nicht. Es spielte einfach keine Rolle. Tief atmete Tendou durch. Es war so weit.
„Misaki, ich-“
Er hatte sich leicht aufgerichtet, doch unter dem Kissen krallten sich seine Finger in das Laken. Nervosität kroch durch seinen Körper und er hörte sein Blut in seinen Ohren rauschen. Ihm war heiß und in seinem Magen kribbelte es wild umher. Sein Blick glitt zu der Pinkhaarigen neben sich. Er musste nun etwas sagen, schließlich hatte er sie eben direkt angesprochen.
Tendou rutschte alles aus dem Gesicht, als er auf die Pinkhaarige runtersah, welche ihr Gesicht ihm zugewandt hatte. Ehe sein Kopf leicht zu Seite fiel und sich ein Schmunzeln auf seine Lippen stahl. Sie war eingeschlafen, irgendwo zwischen Erens Entführung und Mikasas Versuch diesen zu retten, war sie eingeschlafen. Seufzend legte er seinen Kopf wieder auf dem Kissen ab und wandte sich Misaki zu. Einzelne Strähnen hatten sich in ihr Gesicht verirrt, doch diese hatte er ihr schnell aus dem Gesicht gestrichen, was sie nicht mal mitbekam. Scheinbar war sie wirklich ziemlich fertig mit der Welt und ihre Augenringe waren nicht nur Tarnung. Auch wenn ihm dies gerade nicht in die Karten spielte, würde er sie nun sicher nicht wach machen, wo sie ihren Schlaf doch wirklich brauchte. Leicht strich er mit dem Daumen über ihre Wange. Eine Trockenübung konnte allerdings nicht schaden.
„Ich bin ziemlich hart in dich verschossen, Misaki-chan.“
Dass er darauf keine Antwort bekam, interessierte ihn gerade nicht wirklich.
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