30. Januar: Unerwartet [by NamiraKayleighFaolan]

OneshotDrama, Familie / P12
Grace / Mom Sir Reginald Hargreeves / The Monocle Vanya Hargreeves / Nr.7 / The White Violin
30.01.2020
30.01.2020
1
1.230
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
30.01.2020 1.230
 
Tag der Veröffentlichung
30. Januar 2020    

Zitat
"Ich habe drei Worte für dich: Hau ab!"

Titel der Geschichte
Unerwartet

Autorin
NamiraKayleighFaolan

Hauptcharaktere
Vanya Hargreeves / Nr.7 / The White Violin • Sir Reginald Hargreeves / The Monocle • Grace / Mom

Nebencharaktere
Leonard Peabody / Harold Jenkins • Allison Hargreeves / Nr.3 / The Rumor • Ben Hargreeves / Nr.6 / The Horror •  Diego Hargreeves / Nr.2 / The Kraken • Five / Nr.5 / The Boy • Klaus Hargreeves / Nr.4 / The Séance • Luther Hargreeves / Nr.1 / Spaceboy

Pairings
/

Kommentar des Autors
Ursprünglich wollte ich auch dieses Zitat im Dunkirk-Fandom zum Leben erwecken, leider hatte meine Muse andere Pläne und das kam dabei heraus. Dieser OS spielt nach der 1. Staffel.

-*-

Unerwartet


Heftiger als nötig schlug sie die Tür zu ihrer kleinen Wohnung hinter sich zu. Dass der Putz dabei von der Decke rieselte, war ihr egal. Wütend lief Vanya in ihr kleines Badezimmer, schmiss auch diese Tür hinter sich zu. Erschöpft lehnte sie sich dagegen, versuchte sich zu beruhigen. Die Kontrolle über ihre Kräfte zu verlieren, wäre nicht gut. Noch immer fiel es ihr schwer, all das zu begreifen. Die letzten Tage … sie konnte sie kaum greifen. Ruckartig stieß sie sich von der Tür ab, stürzte zum Waschbecken und riss die Tür des kleinen Medizinschranks auf. Fahrig ließ sie ihren Blick über die vielen gelben Döschen wandern. Überall stand in der geschwungenen Schrift ihres Vaters ihr Name geschrieben. In diesem Moment wurde Vanya noch bewusster, wie weit sie wirklich in die Vergangenheit zurückgesprungen waren. Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Auch ohne das heutige Datum vor Augen zu haben, wusste sie, dass Leonard in wenigen Tagen in ihre Wohnung kommen – einbrechen, wie Allison es betitelte – und ihre Medikamenten vernichten würde. Zitternd griff sie nach einem der Döschen, ließ es beinahe fallen, bekam es jedoch im letzten Moment sicher zu fassen. Vanya biss sich auf die Unterlippe, kaute darauf herum, während sie das Döschen hin- und herdrehte und dem leisen Klappern der Tabletten gegen die gelben Plastikwände lauschte. Reflexartig wollte sie den weißen Deckel abschrauben und sich eine der ebenso weißen Tabletten zwischen die Lippen schieben. Früher hätte sie dafür ein Glas holen und diesen bis zum Rand mit klarem Wasser befüllen müssen, irgendwann jedoch hatte sie sich so sehr an die tägliche Ration gewöhnt, dass sie runterging wie Smarties. Und nun? Was war nun? Überfordert biss sie sich abermals auf die Unterlippe, schmeckte die Mischung aus Salz und Metall, die sie beinahe würgen ließ. Mit einem leisen Seufzen stellte Vanya das Döschen wieder zurück und schloss die Tür. Stattdessen drehte sie den Wasserhahn auf, hielt ihre Hände darunter und genoss das kalte Nass zwischen den Fingern. Es half ihr runterzukommen, der Wut in ihrem Bauch standzuhalten.

-*-


„Und jetzt kommen wir zu der aktuellen Lage“, das Radio dudelte im Hintergrund, während sie sich ein Sandwich machte. Mit konzentrierten Griffen schmierte sie Butter auf den Toast, belegte es danach mit Schinkenwurst und Käse. Genau in dem Moment, als sie die obere Brotscheibe auftrug, gab auch ihr Wasserkocher ihr zu verstehen, dass seine Pflicht erfüllt war. Vanya goss sich ihren Kaffee auf – für einen Vollautomaten fehlte ihr das nötige Kleingeld. Abgesehen davon, trank sie nur selten Kaffee, sodass es sich überhaupt nicht rentieren würde. Der lösliche Instantkaffee verursachte zwar keinen himmlischen Orgasmus, doch wach hielt er sie allemal.

-*-


Mit Teller und Tasse bewaffnet, ging sie schließlich in ihr Wohnzimmer und ließ sich auf dem Sofa nieder. Seufzend sah sie sich um. Die Wohnung, die sie schon seit mehreren Jahren bewohnte, wirkte auf den ersten Blick irgendwie trostlos – graue Wände, keine Bilder, ein ebenso grauer Teppich, doch irgendwie war diese Monotonie auch tröstend. Sie konnte es nicht erklären und wollte es auch nicht. Auch wenn Allison der Meinung war, dass ihr etwas mehr Farbe gut tun würde. Aber sie war nicht ihre Schwester, sie brauchte keine Farbtupfer – und vor allem keine rosa Farbtupfer. Grau war so viel schöner …

-*-


Das schrille Läuten an der Tür riss sie aus ihren Gedanken und beinahe hätte sie die Tasse umgeworfen, nach der sie greifen wollte. Verwirrt sah sie zur Seite und zur Tür, ehe sie realisierte, dass sie sich das gar nicht eingebildet hatte. Nervös biss sie sich auf die Unterlippe, riss die kleine, verheilte Wunde wieder auf. Einen Moment saß sie noch auf ihrem alten Sofa, ehe sie sich einen Ruck gab und sich erhob. Unsicher ging sie zur Tür, blieb einen Moment stehen. Einen Spion besaß sie nicht, was sie nun bedauerte. Einen Augenblick lang überlegte sie, einfach wieder zurückzugehen und so zu tun, als wäre sie gar nicht da. Eigentlich wollte Vanya niemanden sehen – und erst recht nicht Leonard oder einen ihrer Geschwister. Nervös zwirbelte sie eine Haarsträhne zwischen ihren Fingern, ehe sie sich doch noch einen Ruck gab.

-*-


Überrascht starrte sie den Mann an. Sie hatte mit jedem gerechnet, mit Leonard, Luther, Diego, Allison, Klaus, Fünf … selbst mit Ben, doch  dieser Besucher überraschte sie eiskalt.
„Hallo Nummer Sieben, würdest du bitte die Güte besitzen, zu erklären, was du in diesem Rattenloch zu suchen hast?“
Fassungslos stolperte sie einen halben Schritt zurück, schnappte nach Luft und starrte Sir Reginald Hargreeves an wie ein Kaninchen die Schlange.
Was macht er hier? Träume ich?
Dass Grace neben ihm stand, machte die Situation nicht logischer oder verständlicher oder gar besser. Ihre Androiden-Mum sagte nichts, sah sie nur mit diesem milden, tröstenden Lächeln an, das ihr in ihrer Kindheit so viel Kummer genommen hatte. Diesem Lächeln, aus dem sie soviel Kraft hatte schöpfen können, wenn ihr Vater sie mal wieder als Nichts deklariert und ihre Geschwister über sie gestellt hatte.
„Nummer Sieben!“, die Stimme des alten Mannes riss sie wie ein Peitschenhieb aus ihrer Erinnerung.
„Das ist meine Wohnung, Vater! Hier lebe ich!“, antwortete sie und warf einen Blick über die Schulter, ehe sie wieder zu ihrem ungebetenen Besuch sah. Der Ekel in der sonst so ruhigen, nichtssagenden Mimik ihres Adoptivvaters schnitt sich tief in sie hinein.
„Nummer Sieben! Wie kannst du es wagen …. Du wirst auf der Stelle deine Sachen packen und zurückkehren …“
Sie rührte sich nicht von der Stelle, starrte den Mann vor sich an.
„Nummer Sieben …“
„Nein!“
„Wie bitte?“
„Ich sagte nein! Ich werde hier bleiben. Auch wenn du es als Rattenloch bezeichnest, diese Wohnung ist mir mehr Heim gewesen, als dein protziges Anwesen“, zischte sie erbost und doch spürte Vanya, dass jedes Wort wahr war. Sie spürte es tief in sich. In dieser Wohnung war sie endlich angekommen, durfte sie sie selbst sein. Keine Vergleiche. Kein Druck. Keine Lügen.
„Nummer Sieben … ich sage …“
„Und ich habe drei Wörter für dich: Hau ab!“, und mit dieser Ansage schlug sie die Tür vor ihrem Adoptivvater zu, blendete sein wütendes Klopfen, das schrille Läuten aus und kehrte zurück zum Sofa, ihrem Kaffee und dem Sandwich.
Okay, es waren keine drei Wörter, aber ich fühle mich gut …, dachte sie und biss lächelnd in ihr Sandwich, blendete die Welt einfach weiterhin aus.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Und wieder ein Fandom, das ich nicht kenne, von dem ich noch nicht mal was gehört habe. Aber wer soll auch alle Fandoms kennen? Dazu sind das viel zu viele.
Das Lesen hat mir trotz dessen viel Spaß gemacht.  Die Geschichte ist wirklich gut geschrieben, vor allem den letzten Absatz finde ich gut.

Eure lula-chan
Review schreiben