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Ein neues Leben

GeschichteFantasy, Freundschaft / P18 / Gen
29.01.2020
14.05.2021
15
97.333
28
Alle Kapitel
80 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
23.10.2020 3.647
 
Hallo meine lieben Leserinnen und Leser. Leider hat es wieder etwas gedauert, bis ich das Kapitel fertig hatte. An dieser Stelle geht mein ganz besonderer Dank an meinen Beta Dusd, ohne ihn wäre das Kapitel jetzt noch nicht on.
Ohne weitere Umschweife wünsche ich euch viel Spaß beim lesen.



Raffnuss traute ihren Augen nicht. „Ist das bloß ein Traum?“, fragte das Wikingermädchen und streckte die Hand aus. Vorsichtig berührten ihre Finger Hicks Schulter. Nein, das war kein Traum. Hicks stand leibhaftig vor ihr. Hicks war außer Stande zu sprechen. Ihm stand immer noch der Schock ins Gesicht geschrieben. „Oh scheiße, wenn die anderen mich und Raffnuss zusammen sehen, gibt es Mord und Todschlag!“, dachte der Jüngling panisch. „Wie konntest du den Drachen entkommen?“, fragte Raffnuss nach einiger Zeit und riss ihr Gegenüber aus den Gedanken. „Gar nicht. Es war nicht nötig zu entkommen“, antwortete Hicks recht mechanisch. „Hast du sie alle umgebracht? Wenn ja, warum bist du nicht mit ihnen als Trophäe zurückgekommen? Das hätte die anderen mehr als beeindruckt“, sprach Raffnuss. „Weil ich a. nicht den Wunsch hege nach Berk zurückzukehren und b. kann ich meiner Familie kein Leid zufügen“, entgegnete der Junge. „Was?!? Familie? Drachen sind mordende Bestien ohne Seele. Sie leben nur fürs Töten!“, sprach das Mädchen mit erhobener Stimme. „Da spricht die Unwissenheit aus dir Raffnuss! Ohne die Drachen wäre ich tot. Sie haben mir das Leben gerettet und mich aufgenommen. Drachen sind sehr gesellig und sozial. Ich würde sagen in mancher Hinsicht, sind sie sogar menschlicher als wir“, erwiderte Hicks sauer. „Was ist bloß mit dir los Hicks? Diese Monster müssen dich verhext haben. Ich bring dich zu Gothi, sie wird dir bestimmt helfen können“, entgegnete Raffnuss. Sie spürte aber langsam Unverständnis und Wut aufsteigen. „Ich brauche keine Hilfe. Mir geht es bestens“, sagte der Junge. „Hicks, du bist verwirrt. Komm mit mir. Ich bring dich zurück nach Hause“, sprach das Mädchen, in der Hoffnung auf Erfolg. „Raffnuss, geh bitte und vergiss, dass du mich hier gesehen hast. In Berk glaubt man, dass ich tot bin und ich will, dass das so bleibt“, erwiderte Hicks nun etwas ruhiger. „Von wegen! Du kommst mit!“, sprach Raffnuss fest und packte Hicks am Arm. Mit einem Ruck riss der Junge sich los. „Vergiss es! Los, verschwinde!“, fauchte Hicks nun aufgebracht. Es entstand ein hitziges Wortgefecht. Keiner der Beiden bemerkte, dass Sturmpfeil sich genähert hatte. Sie hatte das Ganze eine Weile mit gemischten Gefühlen beobachtet. Die Drachendame wechselte in ihre Drachengestalt, hielt sich aber weiter verborgen. Als Raffnuss erneut nach Hicks Arm griff, um ihn nach Berk zurückzubringen, brach die Nadderdame fauchend aus dem Unterholz.  


Raffnuss schreckte zurück und griff instinktiv nach ihrem Schwert. Mit Entsetzen stellte sie fest, dass die Scheide leer war. Sie entdeckte die Klinge hinter dem Drachen auf dem Waldboden. Sturmpfeil fauchte erneut. Beherzt schob Raffnuss Hicks aus der Gefahrenzone, was den Nadder wütender zu machen schien. Das blonde Mädchen hechtete an dem Drachen vorbei und griff nach seinem Schwert. Womit sie nicht rechnete und was auch den Nadder zu verwirren schien war, dass Hicks plötzlich zwischen die Beiden sprang. „Sofort aufhören!“, sagte er mit fester Stimme. „Das Ding will uns umbringen“, sagte Raffnuss verständnislos. „So ein Quatsch. Sie will uns nichts tun, sie will mich nur vor dir beschützen. Außerdem erschreckst du sie“, entgegnete der Junge. „Ich erschrecke Sie? Und wer ist Sie?“, kam es verständnislos und leicht erschrocken von Raffnuss. „Raffnuss, das ist Sturmpfeil. Sturmpfeil, das ist Raffnuss. Sie ist eine Freundin“, sprach Hicks, beim zweiten Satz an den Drachen gewandt. Sturmpfeil knurrt angriffslustig. Der Junge sah, dass Raffnuss keine Anstalten machte, ihr Schwert wegzustecken. „Jetzt schieb schon das Schwert in die Scheide Raffnuss, sonst könnte es durchaus passieren das Sturmpfeil die Beherrschung verliert und dich angreift. Sie hält dich immer noch für eine Bedrohung“, sagte der Junge diplomatisch. „Sie soll mich auch für eine Bedrohung halten! Ich muss dich vor diesem blutrünstigen Monster beschützen. Du bist nämlich nicht klaren Verstandes Hicks, sonst würdest du dieses Gezücht, diesen groben Fehler der Natur nicht schützen“, fauchte die junge Schildmaid. Sturmpfeil war durch diese Aussage zutiefst verletzt und beleidigt. Mit einem wütenden Zischen ging sie auf Raffnuss los. Das blonde Mädchen suchte vor lauter Schreck ihr Heil in der Flucht. „Ich komme wieder und dann werde ich Hicks von dir befreien, du Bestie!“, brüllte Raffnuss von weitem. „Die sind wir los und du bist wieder sicher“, sagte Sturmpfeil großspurig. „Das war einfach nur blöd von dir Sturmpfeil“, sagte Hicks tadelnd. „Wieso, sie haut doch ab“, erwiderte die Drachendame. „Ja, aber sie kommt zurück und wird Verstärkung dabeihaben. Und die werden kurzen Prozess mit euch machen“, entgegnete der Jüngling. „Die sollen nur kommen, ich werde dich unter Einsatz meines Lebens beschützen“, sagte Sturmpfeil. Der Junge konnte einen besitzergreifenden Unterton bei der Nadderdame hören. „Soweit dürfen wir es nicht kommen lassen. Ich habe heute erst einen Freund verloren. Ich würde es nicht ertragen, wenn einem von euch etwas zustoßen würde. Dafür liebe ich euch alle einfach viel zu sehr“, sprach der Mensch. Sturmpfeil war von den Worten ihres Menschenfreundes gerührt und begann zu überlegen.


Einige Minuten später sagte Sturmpfeil: „Ich habe einen todsicheren Plan. Wir bringen Raffnuss einfach um.“ Hicks war erschrocken, wie motiviert der Drache plötzlich aussah. „Bist du wahnsinnig geworden Sturmpfeil. Das wird nur noch mehr Probleme bereiten“, sprach der Junge. „Hast du eine bessere Idee, du Schlaumeier?“, fragte der Drache schnippisch. „Fakt ist, sie darf auf keinen Fall zurück nach Berk“, meinte der junge Wikinger. „So schlau bin ich auch schon. Also legen wir sie um. Problem gelöst“, kam es vom Nadder. „Wir werden sie nicht umbringen! Außerdem warum willst du Raffnuss überhaupt umbringen?“, fragte Hicks provokant. „Weil sie eine Gefahr für dich und die Gemeinschaft darstellt“, antwortete Sturmpfeil, klang dabei aber leicht gehetzt. Fast wie ein Kind, das von seiner Mutter beim Naschen erwischt wurde. „Du sagt mir nicht die ganze Wahrheit Sturmpfeil, also was ist der wahre Grund“, sprach der Jüngling und sah, wie sich seine Drachenfreundin quälte und nach einer Ausrede zu suchen schien. „Sie ist halt eine Gefahr“, entgegnete das Nadderweibchen ausweichend. „Schau mir in die Augen und sag mir die Wahrheit Sturmpfeil!“ erwiderte Hicks fest. Es dauerte einige Augenblicke und Sturmpfeil konnte dem Blick des Jungen nicht standhalten. „Sie will dich mir wegnehmen“, antwortete der Drache kleinlaut. „Glaubst du wirklich, dass ich freiwillig zurück nach Berk gehen würde? In dieses Dorf, in dem mich bis auf 3 Menschen alle hassen. Sturmpfeil, ich dachte du kennst mich mittlerweile gut genug. In den paar Monaten, in denen ich nun bei euch bin, wart ihr mir mehr Freunde, Beistand und Familie, als die Menschen von Berk in den letzten 8 Jahren“, erwiderte Hicks und streichelte Sturmpfeil liebevoll. Dankbar leckte die Drachendame dem Jungen durchs Gesicht. „So, jetzt müssen wir uns noch um Raffnuss kümmern. Ich glaube ich habe eine Idee, aber dafür brauche ich deine Hilfe“, sagte der Junge. „Na dann los“, forderte Sturmpfeil und ließ ihren Freund aufsteigen. Sie schwang sich in die Luft und ließ sich von Hicks in seinen Plan einweisen. Die Idee des Jungen gefiel dem Drachen.


Raffnuss rannte durch den Wald. „Ich muss mit Haudrauf und Grobian sprechen. Sie müssen wissen, dass Hicks noch lebt und eine Geisel der Drachen ist. Wir müssen einen Trupp zusammenstellen und diese Monster fertig machen, dann kann ich meinen geliebten Hicks endlich in die Arme schließen“, dachte das Mädchen und sprang über einen Baum. Sie spürte nur das von etwas an den Schultern gepackt und in die Luft gehoben wurde. „Scheiße! Großer Odin steh mir bei!“, schrie Raffnuss panisch. „Du hast sie Sturmpfeil“, sagte Hicks und der Nadder krächzte bejahend. „HIIIICKS, SAG DIESEM VIEH ES SOLL MICH SOFORT RUNTER LASSEN!“, brüllte das blonde Mädchen. „Nichts lieber als das!“, dachte die Drachendame. „Tut mir leid Raffnuss, das ist erstmal nicht möglich“, antwortete der Junge und klopfte der Nadderdame auf die Schulter, worauf sie ihren Kurs änderte. Lange dauerte der Flug nicht. Auf einer nahen Lichtung setzte der Drache zur Landung an, ließ Raffnuss allerdings aus geringer Höhe auf den Boden fallen. Bevor das Mädchen aufstehen konnte landete der Nadder auf ihr, wie eine Henne auf den Eiern. Hicks stieg von Sturmpfeils Rücken und ging zu Raffnuss, die am Schimpfen war wie ein Rohrspatz. „Sag dem Drecksvieh es soll von mir runter gehen!“, schrie die Schildmaid den jungen Wikinger an. „Erst wenn du mir zuhörst“, sagte der Junge. „Ich denk gar nicht dran! Ich will nichts davon hören! Wenn ich frei bin, reiße ich diesem scheiß Drachenvieh höchstpersönlich das schwarze Herz aus der Brust!“, blaffte Raffnuss, wodurch Sturmpfeil ihr Gewicht ein wenig verlagerte und ihr ein wenig die Luft abdrückte. Hicks riss sich beide Ärmel vom Wams ab. „Gut, wenn du mir nicht zuhören willst, dann werden wir dir etwas zeigen“, sagte der Jüngling und verband der Schildmaid die Augen. Sturmpfeil erhob sich und Hicks half Raffnuss auf die Füße, aber nur um ihr die Hände hinter dem Rücken zu fesseln. „Was soll das?“, fragte das Mädchen und wurde nervös. „Eine kleine Sicherheitsmaßnahme, damit du unterwegs keinen Blödsinn machst“, antwortete der Junge. Sturmpfeil hatte sich auf den Boden gedrückt und erleichterte den beiden Menschen so das Aufsteigen. Hicks setzte sich hinter Raffnuss und hielt sie an den Hüften fest. „Okay Sturmpfeil, du kannst abheben“, sagte er. Die junge Wikingerin spürte, wie der Drache die Muskeln anspannte und sich in die Luft erhob. Eigentlich wollte sie sich wehren, aber die warmen Hände von Hicks, die auf ihrem Becken ruhten und ihr Halt gaben, hinderten sie daran.  


Sturmpfeil flog einige Schleifen, um den Flug in Länge zu ziehen und Raffnuss, trotz Augenbinde, zusätzlich zu verwirren. Sie landete in der Nähe der Höhle und ließ die beiden Menschen absteigen. „Ich werde dich führen Raffnuss, versuch nicht zu flüchten, Sturmpfeil würde dich sofort angreifen“, sagte Hicks. „Ja, gut, ich werde ganz brav sein“, antwortete Raffnuss und spürte einen unsanften Stoß im Rücke, der wahrscheinlich vom Drachen gekommen war. „Gehst du bitte vor Sturmpfeil?“, bat der Jüngling. Der Nadder nickte und ging in die Höhle. Hicks und Raffnuss folgten einige Minuten später. „Was hast du vor Hicks?“, fragte das Mädchen, ziemlich kleinlaut. Sie spürte, die Kühle der Höhle deutlich. „Ich werde dir jemanden vorstellen. Vielleicht öffnet dir das die Augen. Falls nicht, wirst du leider unsere Gefangene bleiben“, antwortete der Junge. Raffnuss stieß ein sarkastisches Lachen aus und sprach: „Glaubst du, dass man nicht nach mir suchen wird?“ „Taffnuss wird sicher nicht nach dir suchen. Rotzbacke sicher auch nicht und der Rest wird dich nicht finden, weil sie nicht wissen, wo sie suchen sollen. Deswegen mache ich mir da keine Sorgen. Außerdem glaube ich, dass du lernfähig bist, Raffnuss“, erwiderte Hicks. Den Rest des Weges entstand ein unangenehmes Schweigen. Der Junge erreichte zusammen mit seiner Geisel die Haupthöhle. Raffnuss hörte ein tiefes Grummeln, das von mehreren Drachen zu kommen schien. „Wenn du mir versprichst, nicht zu schreien oder abzuhauen, werde ich dir die Augenbinde abnehmen“, sagte der Junge. „J-Ja, o…..okay“, stotterte das Mädchen und war gar nicht so erpicht darauf zu sehen, was um sie herum geschah. Hicks nahm Raffnuss die Augenbinde ab und steckte sie in seine Hosentasche. Es dauerte einige Augenblicke, bis sich die Augen der Schildmaid, an das Licht der Höhle gewöhnt hatten. Einige Drachenaugenpaare ruhten auf ihr. Raffnuss wurde ängstlich. Trotz des Drachentrainings wusste sie nicht was sie nun machen sollte und hoffte, dass Hicks die Drachen unter Kontrolle hatte. Mit Entsetzen sah sie, wie sich ein pechschwarzer Drache näherte und sich an Hicks rieb. Der Junge streichelte dem Drachen sanft über den Kopf, was ihn zum Schnurren brachte. „Das…. das…..das ist doch ein……ein……ein N…. N…….Nachtschatten. Der ruchlose Spross von Blitzschlag und Gevatter Tod persönlich“, stammelte das blonde Mädchen panisch. „Immer diese schlechte Publicity der Menschen, du darfst nicht auf alles etwas geben, was in den tollen Drachenhandbüchern der Menschen steht. Davon stimmt kein Wort. Ich bin eigentlich ein ganz prima Kerl. Frag Hicks, der kann‘s bezeugen“, sprach der Nachtschatten. „Das Ding kann ja sprechen!“, entfuhr es Raffnuss panisch. „Das Gleiche wollte ich gerade von dir sagen. Ich bin übrigens Ohnezahn. Es freut mich dich kennen zu lernen Raffnuss“, erwiderte Ohnezahn. „Hicks, was geht hier vor? Ist das ein Zauber, oder ein böser Traum?“, fragte die Wikingerin erschrocken. „Das ist weder ein Zauber noch ein böser Traum. Du wolltest mir ja nicht zuhören, also habe ich beschlossen, dir die Augen zu öffnen. Das sind meine Freunde, meine neue Familie“, antwortet Hicks. Raffnuss bekam die Tür nicht mehr zu.  


Einige Minuten passierte nichts und es sprach auch keiner, damit Raffnuss sich etwas sammeln konnte. „Ich glaube wir haben ihr Gehirn überfordert“, sagte Sturmpfeil. „Das Nadderteil kann ja auch sprechen“, sprach das blonde Mädchen erstaunt. „Hey, werd ja nicht frech, sonst setze ich meinen ursprünglichen Plan doch in die Tat um! Egal ob es Hicks gefällt, oder nicht!“, fauchte die Drachendame beleidigt. „Das lässt du schön bleiben Sturmpfeil. Wir wollen sie etwas lehren“, mischte sich Hicks ein. „Was willst du die denn lehren? Nach ihrem Verhalten zu urteilen, würde ich sagen, dass sie hohl ist. Von der Schädeldecke abwärts“, meinte Sturmpfeil sarkastisch. „Du hast die Schläue aber auch nicht mit Löffeln gefressen, sonst würdest du mich nicht nach dem ersten Eindruck beurteilen!“, konterte Raffnuss. „Hast du uns denn anders beurteilt?“, fragte ein riesenhafter Alptraum. „Ich…ähm….nein….ich habe genau so dumm gehandelt und vorschnell geurteilt“, entgegnete das blonde Mädchen. „Siehst du Sturmpfeil, sie ist doch lernfähig, du dumme Ente“, sprach Hakenzahn mit einem süffisanten Grinsen. „Halt deinen dummen Rand, du Schattenparker“, erwiderte Sturmpfeil. „Druckspüler!“, kam es vom Alptraum. „Sauna Untensitzer!“, feuerte der Nadder zurück. „Schwachapfel!“, konterte Hakenzahn. „Sturzflugabbremser!“, rief Sturmpfeil. Und so ging es noch einige Minuten mit bunten Beleidigungen weiter. Kotz, und Würg feuerten die beiden Streitenden an. Fleischklops schüttelte nur verständnislos den Kopf und stellte sich Raffnuss vor, die sich ein weiteres Mal erschreckte. „Was meinst du Ohnezahn, wie lange machen Sturmi und Haki noch damit weiter?“, fragte Hicks. „Ich habe keinen Schimmer. Das letzte Mal hatten sie Luft und Ideen für 10 Stunden. Ich fürchte dieses Mal könnte es schlimmer werden“, antwortete der Nachtschatten. „Sind die beiden immer so drauf?“, fragte Raffnuss. „Nein, nur 7 Tage die Woche“, entgegnete Ohnezahn. „Die Beiden sind ja schlimmer als Taffnuss und ich. Und wir sind schon nicht ohne“, sagte das Wikingermädchen. „Raffnuss, du und dein Bruder seit harmlos gegen Hakenzahn und Sturmpfeil. Die Zwei sind ja noch nicht mal richtig warm“, sprach Hicks. Raffnuss schaute zu und lernte von den beiden Drachen, was sie hörte würde sie irgendwann gegen ihren Bruder verwenden. „So Raffnuss, komm doch bitte mal mit. Wir müssen da einige Formalitäten mit dir besprechen“, sagte Ohnezahn und ging in die Richtung seines Schlafbereichs. Hicks führte Raffnuss, dicht gefolgt von Fleischklops, hinterher.


Ohnezahn ließ sich auf seinem Nachtlager nieder. Raffnuss staunte nicht schlecht, als sie sah, dass die Steinplatte, auf der der Drache schlief, mit weichem Moos bedeckt war. „Was schaust du so, ich mag es halt bequem“, lachte der Nachtschatten. „Wie es scheint, sind wird gar nicht so verschieden“, sinnierte das Mädchen. „Ich sagte doch, gib nichts auf die Drachenhandbücher. Ich habe zwar kein einziges gelesen, aber ich kann mir denken was drinsteht. Drache XY, extrem gefährlich, sofort töten“, sagte Ohnezahn und gestikulierte wie ein Professor mit der rechten Pranke. „Du hast es erfasst“, erwiderte Raffnuss und wirkte niedergeschlagen. „Was hast du mein Kind?“, fragte Fleischklops. „Ich habe das Gefühl, dass ich hier in 5 Minuten mehr über Drachen gelernt habe, als in den letzten paar Monaten“, gestand das Mädchen. „Das wundert mich jetzt nicht. Was wissen Menschen schon über Drachen, außer, dass wir extrem gefährlich sind und sofort getötet werden müssen“, meinte der Nachtschatten. „So, kommen wir mal zu den Formalitäten. Kannst du ein Geheimnis für dich bewahren, Raffnuss?“, fuhr Ohnezahn fort. „Ja das kann ich“, antwortete die Gefragte. „Sehr gut, dann müssen wir dich nicht als Geisel hierbehalten“, sprach der Nachtschatten. „Meinst du so wie Hicks?“, wollte Raffnuss wissen. „Hicks war zu keinem Zeitpunkt unser Gefangener. Er bleibt aus freien Stücken hier, weil er sonst niemanden hat. Er ist uns willkommen, als einer der Unseren. So wie auch du willkommen bist zurückzukommen, um von uns zu lernen. Hicks wird dabei dein Lehrmeister sein, wenn du möchtest“, sagte Ohnezahn. „Was? Lehrmeister? Ich?!? Ich lerne doch selbst noch von euch“, mischte sich Hicks ein. „Ich weiß, du wirst auch jede Hilfe von uns bekommen, aber so kann ich sehen, ob bei dir auch hängen bleibt, was wir dir beibringen kleiner Bruder“, erwiderte der schwarze Drache zwinkernd. „Was meinst du mit, ich bin euch zum Lernen willkommen?“, fragte Raffnuss. „Das heißt, das Ohnezahn dich laufen lässt, sofern du unser Geheimnis für dich bewahren kannst“, sprach Fleischklops. „So ist es. Und wenn du möchtest, darfst du Hicks zwei Mal in der Woche sehen, damit er dir mehr über uns Drachen beibringt. Natürlich wird immer einer von uns dabei sein. Hicks ist zwar ein kluges Kerlchen, aber ich möchte trotzdem sicher gehen, dass er dir nichts Falsches beibringt“, sagte Ohnezahn lachend. „Danke für dein Vertrauen, du schuppiges Arschloch“, meinte Hicks lachend. Auch Raffnuss stimmte in das Lachen ein. Der Nachtschatten wurde ohne Vorwarnung wieder ernst und fixierte Raffnuss mit geschlitzten Pupillen. „Schwöre, dass du unser Geheimnis für immer für dich behältst!“, forderte der Drache. „Was?“, fragte das Mädchen völlig verängstig. Auch Hicks bekam es mit der Angst zu tun. So hatte er Ohnezahn noch nie erlebt. „SCHWÖR!“, fuhr Ohnezahn die Wikingerin an. „Ich…..ich schwöre“, antwortete Raffnuss leise und eingeschüchtert. „Gut, dann kannst du in dein Dorf zurückkehren“, meinte der Nachtschatten mit einem milden Lächeln.  


Nachdem Hicks sich gefangen hatte, verlor er keine Zeit. Im Beisein von Ohnezahn und Fleischklops begann der Junge Raffnuss sein Wissen zu vermitteln. Ab und zu fügten die beiden Drachen etwas zu den Ausführungen ihres menschlichen Freundes hinzu. Wie ein Schwamm saugte das Mädchen, das neue Wissen auf und lauschte Hicks Stimme. Sie war überrascht, was der Junge in ein paar Monaten an Wissen bekommen hatte. Raffnuss hatte das Gefühl, dass Hicks mehr über Drachen wusste als Gothi, Grobian, Haudrauf und Fischbein zusammen. Ohnezahn schaute den Jungen sehr zufrieden an und unterbrach die Lehrstunde. „Ich glaube das genügt fürs Erste. Wir bringen Raffnuss zurück auf die Lichtung, wo du sie eigefangen hast“, sagte der Nachtschatten. „Was, jetzt schon?“, fragte die Wikingerin. „Wir wollen kein unnötiges Aufsehen. Deswegen solltest du zeitig nach Berk zurückkehren“, antwortete Fleischklops. „Ich schätze mal, dass ihr recht habt. Es wird sicher einige Frage zu meinem Verbleib geben“, lenkte das Mädchen ein und begann sich ein paar Ausreden auszudenken. Was ihr nicht sonderlich schwer fiel, da sie eine ausgebuffte Lügnerin war. Die Menschen und Drachen erhoben sich und begaben sich zurück in die Haupthöhle, wo sich Hakenzahn und Sturmpfeil immer noch gegenseitig beleidigten. „Ach du meine Götter. Die sind ja immer noch dran“, entfuhr es Raffnuss. „Ich sagte ja, wenn die Beiden mal dran sind, sind sie schlimmer als du und dein Bruder“, sagte Hicks und verband dem Mädchen die Augen. „Ist das wirklich nötig?“, maulte Raffnuss beleidigt. „Ja ist es“, antwortete der junge Wikinger. „Wir bringen Raffnuss mal weg. Bis später ihr Beiden“, rief Ohnezahn, ohne überhaupt von Sturmpfeil und Hakenzahn gehört zu werden. Kopfschüttelnd verließ der Nachtschatten die Höhle. Hicks führte Raffnuss hinterher.


Ohnezahn wartete geduldig auf die beiden Menschen. Er ließ Hicks und Raffnuss aufsteigen. „Gut festhalten“, sagte der Nachtschatten und warf sich in die Luft. Anders als Sturmpfeil, flog er den direkten Weg zur Lichtung. Angekommen, ließ er die Wikinger absteigen. Hicks nahm Raffnuss die Augenbinde ab. „Komisch, der Rückflug kam mir irgendwie viel kürzer vor“, meinte das Mädchen. „Das täuscht. Ohnezahn ist einfach nur sehr viel schneller geflogen als Sturmpfeil“, flunkerte der Junge und der Nachtschatten nickte eifrig´. „Hör mal Raffnuss. Eine Sache noch. Ich weiß das du dich sehr darüber freust, dass Hicks noch lebt, aber bitte lass dir nichts anmerken. Das würde sonst gefährlich für uns. Pass bitte auf“, bat Ohnezahn. „Okay, ich verspreche es. Darf ich denn wenigstens Grobian erzählen das Hicks noch lebt?“, entgegnete die Schildmaid. „Mir wäre lieber, wenn nicht, auch wenn mir das schwer fällt. Je weniger Leute wissen, dass ich lebe, desto besser ist das“, antwortete Hicks. Es war ihm anzumerken, dass ihm diese Entscheidung schwergefallen war. Er vermisste seinen alten Lehrmeister und Ziehvater mehr, als er sich eingestehen wollte. „Okay, ich verstehe“, antwortete das Mädchen ein wenig enttäuscht. Sie war sich sicher, dass Grobian vor Freude einen Luftsprung gemacht hätte. Allerdings hätte der Schmied auch mit Sicherheit darauf bestanden Hicks persönlich zu sehen. Und sicher würde er seinem Lehrling eine Standpauke halten, da er einfach wegblieb. „Ich möchte dich nicht drängen, aber du solltest langsam aufbrechen Raffnuss. Es dunkelt bald“, sagte Ohnezahn. „Du hast recht Ohnezahn“, erwiderte die Schildmaid. Sie wandte sich an Hicks und verpasste ihm einen heftigen Schlag gegen die Schulter. „Aua, hey was soll das?!?“, beschwerte sich der junge Wikinger. „Das war dafür, das du mich entführt hast!“, sagte Raffnuss vorwurfsvoll und drückte ihm sanft einen Kuss auf die Lippen. „Und das, für alles Andere“, fuhr sie fort und rannte in Richtung Berk davon. Hicks stand dort wie vom Blitz getroffen. „Was schaust du so komisch?“, fragte der Junge mit hochrotem Kopf. „Sie mag dich. Sie mag dich sogar sehr“, antwortete der Nachtschatten lachend. „Ach Blödsinn“, entgegnete Hicks immer noch rot. „Oh doch sie mag dich. Aber den Kuss solltest du Sturmpfeil besser verschweigen. Sonst läuft sie vor lauter Eifersucht Amok“, witzelte Ohnezahn und ließ seinen Menschenfreund aufsteigen. Dem Wikinger war klar, dass der Nachtschatten mit seinem Witz recht hatte. Sturmpfeil würde Raffnuss für den Kuss sicher langsam und qualvoll töten. „Komm auf geht’s nach Hause“, sprach Ohnezahn und warf sich erneut in die Luft.          



Ich hoffe das Kapitel hat euch gefallen.
Über ein Review von euch würde ich mich riesig freuen.

Bis zum nächste Kapitel.

Ganz liebe Grüße

Euer Fuchs
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