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Ein neues Leben

GeschichteFantasy, Freundschaft / P18 / Gen
29.01.2020
14.05.2021
15
97.333
28
Alle Kapitel
80 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
20.12.2020 6.627
 
Hallo meine hochgeschätzten Leserinnen und Leser. Ich freue mich euch vor Weihnachten noch ein Kapitel präsentieren zu können.
Wieder geht mein Dank, an meinen Beta Dusd.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.


Raffnuss bekam langsam Panik, da sie ihren Angreifer nicht sah. Sie hatte Angst, dass Astrid hinter ihr stehen könnte. Die Hand, die sie so plötzlich gepackt hatte, verschwand. Das Wikingermädchen wirbelte herum, um seinem Angreifer ins Gesicht zu schlagen. Raffnuss hielt inne, als sie in Valeskas Gesicht schaute. „Bist du übergeschnappt Valeska? Du hast mich fast zu Tode erschreckt!“, zischte die blonde Schildmaid wütend. „Du kannst von Glück sagen, dass ich dich vor Astrid erwischt habe. Sie wäre dir in den Wald gefolgt, wenn ich sie nicht aufgehalten hätte. Du solltest wirklich vorsichtiger sein! Sonst wissen bald alle im Dorf, dass Hicks noch unter den Lebenden weilt!“, erwiderte Valeska sauer. „Astrid hat versucht mir zu folgen?“, fragte Raffnuss nun ruhiger und fast schon etwas ängstlich. „Ja, das hat sie. Dank mir ist dein kleines Geheimnis noch geheim. Du solltest wirklich, bei Gelegenheit, deine Liebe zu Hicks aus und deinen Verstand einschalten. Ich bin nicht immer da, um Astrid abzufangen. Und Grobian hat auch nach dir gesucht. Du lässt dir besser bis morgen eine plausible Erklärung einfallen, sonst könnte es unschön für dich werden“, antwortete die Wikingerin sachlich nüchtern. „Mist, Valeska hat recht“, dachte das blonde Mädchen. „Danke“, sagte Raffnuss ziemlich kleinlaut. „Was wolltest du heute eigentlich von Hicks?“, wollte Valeska wissen. „Du bist ja wirklich sehr zerstreut in den Wald abgedackelt“, fügte die junge rothaarige Frau hinzu. „Ich habe mir bei Hicks und den Drachen ein paar Tipps geholt, wie ich mich im Drachentraining wieder steigern kann, ohne die Drachen zu verletzen“, erwiderte die Schildmaid. „Nanu, warum auf einmal so zahm? Wolltest du nicht die größte Drachenjägerin von ganz Berk werden?“, fragte Valeska provokant. „Das würdest du nicht verstehen“, entgegnete Raffnuss locker. „Ich möchte es aber verstehen und genau deswegen, wirst du mich das nächste Mal, mitnehmen. Und damit wir uns da direkt richtig verstehen, ein Nein akzeptiere ich nicht!“, stellte die Rothaarige klar. „Und was, wenn ich doch nein sage?“, wollte die Schildmaid herausfordernd wissen. „Dann pfeift hier morgen jeder Spatz vom Dach, dass Hicks noch lebt und du weißt, wo er ist“, antwortete Valeska mit einem triumphierenden Grinsen im Gesicht. „Verdammt! Ich habe versprochen, dass niemand etwas erfährt. Warum tust du mir das an? Ich dachte wir sind Freundinnen“, sprach die Schildmaid verzweifelt. „Das sind wir auch, aber ich habe ein Recht darauf, zu erfahren, wofür ich hier meinen Kopf hinhalte. Wenn die Sache auffliegt und Astrid erfährt, dass Hicks noch lebt, dann sind wir beide dran“, erklärte Valeska und legte Raffnuss einfühlsam, die Hand auf die Schulter. Die Jüngere schaute die Ältere verblüfft und auch schuldbewusst an. Die Schildmaid wusste, dass die junge Kriegerin im Recht war, besonders nachdem sie schlimmeres verhindert und Astrid abgelenkt hatte. „Du hast recht Valeska, wenn du möchtest, veranlasse ich ein Treffen. Das müsste ich dann natürlich erst mit Hicks und den Drachen abklären“, sprach das blonde Wikingermädchen. „Ja, mach das bitte“, bat die Rothaarige freundlich.  


Raffnuss und Valeska klärten noch einige Dinge ab. Die Schildmaid erklärte der Kriegerin, dass sie erst einiges mit Hicks und den Drachen besprechen musste, damit es nicht zu einem Unglück käme. Die Rothaarige nickte das Ganze verstehend ab. „So, du solltest langsam nach Hause gehen. Es ist schon spät und es wird sicher heute Nacht noch einen Drachenangriff geben“, sagte Valeska und geleitete Raffnuss zur Tür. „Wir sehen uns Morgen“, sagte das blonde Mädchen zum Abschied. „Bis Morgen“, entgegnete die Rothaarige freundlich. Raffnuss schlich schnell zu ihrem Elternhaus und achtete diesmal besser darauf nicht überrascht zu werden. Fast lautlos schlüpfte das Mädchen ins Haus und stahl sich in sein Zimmer. Ließ den Tag Revue passieren, und überlegte, wie sie den Besuch von Valeska am besten einfädeln konnte. Über diese Gedanken schlief Raffnuss ein. Der von Valeska vermutete nächtliche Drachenangriff blieb, zur Verwunderung aller, aus.


Es war kurz nach Sonnenaufgang auf der Dracheninsel. Eine trügerische Ruhe lag über dem Eiland. Der rote Tod, der Alphadrache des Inselschwarms, war satt gefressen in einem tiefen Schlaf gesunken. Die Drachen des Schwarms, nutzten die Zeit der Ruhe, um für sich selbst jagen zu gehen, oder mit anderen zu sprechen oder zu spielen. Von einem hohen Felsen, am Kraterrand des Vulkans, schaute die Tagschattendame Schneesturm auf das Treiben. Sie hatte sich selbst zur stellvertretenden Anführerin erklärt, was die Drachen wort- und kommentarlos hinnahmen. Alle kannten die Regeln, die der rote Tod aufgestellt hatte. Eine davon besagte, wer sich beschwert wird gefressen, eine andere Regel verbot es, die humanoide Gestalt anzunehmen. Alle wussten, dass das keine leere Drohung war. Schneesturm schwang sich in die Luft und glitt majestätisch, zu den anderen Drachen, am Fuße des Vulkans, herab. Der Alpha hatte ihr einige Aufgaben erteilt, die sie nun wegdelegierte. Die Tagschattendame war eine Intrigantin, die genau wusste, wie sie mit „ihren“ Untergebenen sprechen musste. „Guten Morgen ihr Lieben“, flötete Schneesturm zuckersüß, als sie bei einer kleinen Gruppe, unterschiedlicher Drachen, gelandet war. „Los, verzieh dich wieder, du weiße, missgebildete Albinoratte“, fauchte ein grüner riesenhafter Alptraum wütend, der gerade noch mit der Schuppenpflege beschäftig war. „Begrüßt man so etwa die stellvertretende, besorgte und führsorgliche Anführerin des Schwarms, während sie sich, für ihre geliebten und hingebungsvollen Untertanen, ins Zeug legt? Ich bin zutiefst verletzt“, erwiderte der Tagschatten theatralisch und gespielt betrübt. „Zisch ab, du Papieralpha! Bevor du dir noch deine, ach so herrlichen, Schuppen dreckig machst“, knurrte ein weiblicher Gronckel angriffslustig. „Aber, aber, nicht so aggressiv meine Lieben. Ich habe lediglich ein paar Aufgaben, die erledig werden müssen. Und es könnte der Eindruck entstehen, dass ich und meine Bemühungen hier unerwünscht sind, was den Anordnungen unseres großen Alphas widersprechen würde und das wollen wir doch nicht oder?“, erwiderte Schneesturm gespielt freundlich, während sie sich an der Angst in den Gesichtern, einiger umstehender Drachen, ergötzte. „Hat der Alte dir wieder etwas aufgetragen, wo du dir zu fein für bist. Los schieb ab und mach deinen Mist allein, sonst poliere ich dir die Schuppen, du weiße Ratte!“, zischte der riesenhafte Alptraum, völlig unbeeindruckt davon und richtete sich drohend, zu seiner vollen Größe auf. „Feuerpfeil, du wolltest mir doch nur, deine tatkräftige Unterstützung anbieten und mir versichern, dass alles zu meiner vollsten Zufriedenheit ausgeführt wird, nachdem du dich, für dein unangebrachtes und respektloses Verhalten, bei mir demütigst entschuldigt hast, nicht wahr?“, sprach die Tagschattendame, so aufreizend wie keine anderer und ließ die unverhohlene Drohung wirken. „Hier, das wollte ich eigentlich tun, euer Gnaden“, antwortete der Alptraum sarkastisch und spuckte eine Stichflamme zu ihren Klauen. „Nun bist du zu weit gegangen Feuerpfeil! Ich werde dem Alpha sagen, dass du gegen ihn aufbegehrst und seine rechtmäßige Autorität nicht anerkennst. Die Strafe dafür kennst du“, zischte das Tagschattenweibchen, blieb aber betont ruhig, obwohl man ihr ansah, dass sie, vor Zorn, in Flammen stand. Der riesenhafte Alptraum lachte trocken und sarkastisch. „Ich habe vor dem Tod weniger Angst als du, Schneesturm! Es ist eh kein Leben, von einem anderen kontrolliert und als Nahrungsbeschaffer missbraucht, zu werden“, erwiderte Feuerpfeil bissig. „Du weißt, dass du gegen mich keine Chance hast“, sprach das weiße Drachenweibchen. „Im Ränkespielchen spielen vielleicht nicht, aber im Kampf Drache gegen Drache schon! Also, hau ab oder kämpfe, falls du nicht zu feige bist, um etwas anderes als Speichel zu lecken oder Befehle zu geben, zu machen!“, brüllte der Alptraum und machte sich kampfbereit. „Beruhig dich bitte Feuerpfeil. Du verschlechterst die Situation für uns alle“, schaltete sich das Gronckelweibchen diplomatisch ein. „Bitte vergib ihm Schneesturm“, bat die Drachendame unterwürfig. Der Tagschatten dachte einen Moment nach und sagte hochnäsig und triumphierend grinsend: „Ich bin bereit dir zu vergeben Feuerpfeil, wenn du mir die Krallen leckst.“ „Vergiss es! Lieber sterbe ich, als mich dazu herabzulassen, deine beschissenen Krallen zu lecken!“, feuerte der riesenhafte Alptraum zurück, was ein Grummeln unter den anwesenden Drachen auslöste. „Sterben? Nun, wenn das dein Wunsch ist, dann soll er dir auch erfüllt werden, ich bin sicher, deine Familie wird dieselbe Meinung haben und dem entsprechend, auch dein Schicksal teilen“, sprach Schneesturm erhaben, wie eine Königin, bevor sie sich erneut in die Luft erhob, um anderen Drachen ihre Aufgaben aufs Auge zu drücken, sie freute sich schon aufs Abendessen und auf die Blicke seiner Familie, wenn nicht nur sein, sondern auch ihr Urteil verkündet wird. „Das war dumm von dir Feuerpfeil!“, fauchte die Gronckeldame den riesenhaften Alptraum an, was auf allgemeine Zustimmung traf. „Lieber tot, als einen Tag länger von dieser weißen Ratte tyrannisiert zu werden“, erwiderte Feuerpfeil und widmete sich wieder der Schuppenpflege. „Und deine Familie sieht das auch so? War es das wirklich wert?“, forderte ein umstehender Nadder, den riesenhaften Alptraum, zur Antwort. Feuerpfeil antwortete nicht und in dem Dämmerlicht, das auf der Insel herrschte, konnte man, zu seinem Glück, die Tränen nicht erkennen.


Feuerpfeil beendete seine Körperpflege und sagte knapp: „Ich muss etwas erledigen.“ Ohne sich noch einmal umzudrehen, flog der riesenhafte Alptraum davon. „Armer Teufel“, meinte die Gronckeldame mitfühlend. „Blödsinn, das hat sich Feuerpfeil selbst eingebrockt. Er hätte nur die Schnauze halten müssen. Jetzt ist er fällig, genauso, wie seine Familie und wir auch, wenn wir nicht aufpassen“, erwiderte der Nadder sauer. „Weißt du, was das Schlimme ist, Brandmal? Das Feuerpfeil recht hat. Wir haben alle gekniffen. Er hatte den Mut, Schneesturm die Stirn zu bieten“, erwiderte das Drachenweibchen. „Und was hat er nun davon? Der Alpha wird ihn zusehen lassen, wie er seine Familie frisst, bevor er sich dann auch noch Feuerpfeil einverleibt. Dann lieber ein Sklave, als gefressen zu werden“, entgegnete Brandmal aufgebracht. „Du bist ein Feigling. Wenn der rote Tod dir befehlen würde, deinen eigenen Nachwuchs zu fressen, würdest du das sicher auch tun, du armseliger Jammerlappen!“, keifte der Gronckel und flog ebenfalls davon. Brandmal bekam das Maul nicht mehr zu. „Junge, Junge, die hat es dir jetzt aber gegeben“, lachte ein anderer Nadder. „Halt einfach deine Klappe Dornenschwanz!“, erwiderte dieser sauer.


Feuerpfeil setzte vor dem Loch, das ihm als Höhle diente, zur Landung an. Zu seinem Leidwesen, war Schneesturm bereits da. „Ah Feuerpfeil, wie gut, dass du kommst. Ich war so frei und habe deine Familie bereits über deine Untat unterrichtet. Sie sind alle nicht besonders darüber begeistert, der halbjährige Feuerwurm, hat sogar angefangen zu weinen“, trällerte das Tagschattenweibchen vergnügt. „Feuersturm!“, zischte der große Alptraum, durch zusammen gebissene Zähne. „Wie bitte?“, fragte sein Gegenüber unschuldig. „Er heißt Feuersturm, du missgebildetes Albino Krokodil“, fauchte Feuerpfeil aggressiv. „Dein Tonfall…ist nicht deiner aktuellen Lage angemessen“, provozierte das weiße Weibchen, unbeirrt weiter. Der riesenhafte Alptraum knurrte drohend. „Oh geht das schon wieder los. Du hast deiner Familie schon den Tod gebracht, sollen jetzt auch noch deine Freunde dran glauben. Das lässt sich alles arrangieren, wenn du möchtest“, flötete Schneesturm superfreundlich. „Lass bitte meine Freunde aus dem Spiel“, bat Feuerpfeil, seinen Stolz hinunterschluckend, zurückhaltend. „Nun, ich könnte deine Freunde aus dem Spiel lassen und vielleicht, könnte ich auch etwas für deine Familie tun, aber dafür, müsstest du dich bei mir entschuldigen und zwei weitere kleine Gefälligkeiten, müsstest du mir auch erweisen“, sprach das Tagschatten seidig und schlug aufreizend die Augen nieder. „Und was wäre das?“, fragte der riesenhafte Alptraum, dabei wusste er genau, was das weiße Drachenweibchen wollte. Schneesturm lächelte süß, bevor sie ihre Krallen durch den Dreck zog. „Leck mir die Krallen sauber Feuerpfeil, dann darf deine Familie weiterleben“, sprach die Drachendame und lächelte kalt. Sie genoss den Triumph in vollen Zügen, wusste sie doch, dass dem riesenhaften Alptraum keine Wahl blieb. Feuerpfeil warf einen Blick zu seinen Geschwistern, bevor er sich selbst erniedrigte und Schneesturms Krallen sauber leckte. Aber das reichte der Tagschattendame noch nicht. Sie zog die Pranke weg und drückte Feuerpfeils Kopf in den Staub. „Sag, dass dir dein Verhalten leidtut“, forderte der Tagschatten mit sadistischem Vergnügen. Dabei gab sie sich große Mühe, erhaben und königlich auszusehen. „Mein Verhalten, dir gegenüber, tut mir aufrichtig leid“, presste Feuerpfeil hervor, versuchte aber überzeugend zu klingen, was ihm nicht sonderlich gut gelang. „Ach komm mein Lieber, dass kannst du doch deutlich besser“, meinte Schneesturm provokant. Der riesenhafte Alptraum wand sich vor dem Tagschatten im Dreck. Zu allem Überfluss, schauten immer mehr Drachen, dem beschämenden Schauspiel zu, was Schneesturm geschickt ausnutzte, um Feuerpfeil noch mehr zu demütigen. „Winsele um Vergebung, dann darf deine Familie leben“, säuselte das Drachenweibchen sanft, als würde sie mit ihrem Liebsten sprechen. Feuerpfeil wusste, dass ihm nichts anderes übrigblieb, als ihrer Aufforderung, nachzukommen. Er bettelte um Vergebung, mehr als eine halbe Stunde, ließ Schneesturm ihn zappeln. Sie sah, dass er, vor Charm, angefangen hatte zu weinen und ließ von ihm ab. Der riesenhafte Alptraum hob den Kopf aus dem Dreck und bekam sofort die Krallen des weißen Drachenweibchens zu spüren. „Oh, so etwas dummes aber auch, nun sind meine Krallen ja schon wieder dreckig. Ich bin aber auch ungeschickt. Würdest du mir bitte helfen?“, bat Schneesturm charmant. Feuerpfeil senkte nur demütig sein Haupt und leckte sein eigenes Blut, von der Pranke des Tagschattens. „Du bist so ein hilfsbereiter Drache Feuerpfeil, warum denn nicht gleich so“, säuselte Schneesturm und leckte dem riesenhaften Alptraum, über die blutigen Striemen im Gesicht. „Ich werde meinen anderen Gefallen, schon sehr bald einfordern, verlass dich drauf“, fügte sie, leise und lächelnd, hinzu und rieb sich sanft an Feuerpfeil.


Feuerpfeil und seine Familie schauten Schneesturm nach, die sich in die Luft schwang und davonflog. Silberkralle, die Jüngere der Alptraumgeschwister, ging zu ihrem älteren Bruder und verpasste ihm einen Flügelschlag vom aller Feinsten. „Bist du total übergeschnappt Feuerpfeil, dich so zu erniedrigen?!?“, fauchte das Drachenweibchen wütend. Sie hatte ihren älteren Bruder immer für seinen Mut und seinen rebellischen Geist bewundert, aber das Schauspiel, das sich ihr geboten hatte, war einem riesenhaften Alptraum unwürdig. „Was blieb mir anderes übrig? Meine große Klappe hätte euch fast in den Magen des Alphas gebracht. Es war die einzige Möglichkeit euch zu retten“, antwortete Feuerpfeil verzweifelt. „Ich wäre lieber ehrbar gestorben, als mir ein solches Laienspiel der Unterwürfigkeit anzusehen. Wo ist dein Stolz geblieben Bruder?!?“, fragte Silberkralle wütend. „So etwas wie Stolz, hat mich erst in diese Situation gebracht. Hätte ich einfach nur mein Maul gehalten, wäre das alles nicht so weit gekommen“, konterte der männliche Alptraum hitzig. Zwischen Feuerpfeil und seiner jüngsten Schwester, entbrannte schnell ein handfester Streit. Keiner der beiden merkte, dass Feuersturm wieder in Tränen ausbrach und verängstigt wimmerte. „Ruhe jetzt Kinder! Das ist ja nicht zum Aushalten“, brüllte Funkenflug aufgebracht und brachte ihre Kinder, mit einer Stichflamme über ihre Köpfe, zum Schweigen. „Aber Mutter, er hat uns und alle anderen Alpträume, entehrt“, warf Silberkralle ein. „Feuerpfeil hat uns erst in ein Schlamassel geritten und seine Ehre und seinen Stolz eingebüßt, um uns zu retten. Dafür solltest du dankbar sein Silberkralle“, sprach die Drachenmutter und schmiegte ihre Schnauze tröstend an Feuersturm, der sich langsam beruhigte. „Ich glaube es nicht Mutter. Du stellst dich wirklich schützend vor Feuerpfeil, nachdem er uns so beschämt hat?“, fragte das Drachenmädchen ungläubig. „Er ist mein Sohn, so wie du meine Tochter bist. Es stimmt mich nicht froh, dass Feuerpfeil einen solchen Handel eingegangen ist, aber er hat für seinen Fehler mehr als teuer bezahlt und uns alle, vor dem Zorn des Alphas, gerettet“, erklärte Funkenflug ruhig. „Irgendwann, bringe ich diesen Tyrannen um!“, fauchte Silberkralle fest. „Hüte deine Zunge Schwester! Wer weiß, ob Schneesturm, nicht doch noch in der Nähe ist“, zischte Feuerpfeil mahnend. „Das ist mir völlig gleich! Soll diese Drachenhure doch spionieren und mich verraten, dann bringt man mich zu ihm und ich kann ihm den Hals aufheizen und selbst Alpha werden“, fantasierte das rebellische Drachenmädchen. „Sei endlich still! Nicht, dass wir doch noch als Essen herhalten müssen!“, fauchte Funkenflug und brachte so ihre Tochter zum Schweigen. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte, war, dass sich Silberkralle ihr eigenes Grab geschaufelt hatte. Schneesturm hatte den Familienstreit mit angehört und grinste diabolisch. „Das wird den Alpha sicher interessieren“, dachte sie und flog zum Krater. Sie freute sich schon auf die Hinrichtung und vor allem auf Feuerpfeils Gesicht. „Das geschieht dieser vorlauten Rebellin ganz recht, denn niemand, kann mich beleidigen und davonkommen“, dachte sich die Drachendame, auf dem Weg zum Alpha.


Schneesturm landete im Inneren des Vulkankraters. Sie konnte deutlich die Präsenz ihres Alphas spüren. Sie wusste, dass er gerade erst aus dem Schlaf erwacht war und sicher keine allzu gute Laune hatte. Der Tagschatten verneigte sich tief und unterwürfig. „Erlaubt mir, oh mächtiger Alpha, die Gnade sprechen zu dürfen“, bat die Drachendame in einem höflichem Tonfall. „Sprich!“, erwiderte der rote Tod mit donnernder Stimme. „Ich fürchte, wir haben eine Verräterin im Nest, die euch stürzen will. Ich habe selbst mit angehört, wie sie davon sprach, euch zu überfallen und die Halsschlagadern aufzureißen. Ihr müsst auf der Hut sein, mein Gebieter“, erklärte Schneesturm und klang dabei so verzweifelt, wie eine Frau, die erfahren hatte, dass ihr Mann in den Krieg ziehen musste. Sie vergoss sogar ein paar Tränen, um das Schauspiel authentischer wirken zu lassen. „Wer ist so töricht und wagt es, solch einen Plan zu schmieden?“, fragte der Alpha aufbrausend. „Es war Silberkralle. Was sollen wir tun, ich mache mir große Sorgen, um euer Wohlergehen“, weinte die Drachendame jämmerlich. „Nimm dir zwei, drei starke Drachen und bringe mir diese Aufrührerin. Achte darauf, dass sie lebend hier ankommt. Ich werde das Urteil sprechen und persönlich vollstrecken!“, sprach der mächtige Alphadrache eisern. „Sehr wohl mein Alpha“, erwiderte Schneesturm untertänig und verneigte sich tief und voller Respekt. Sofort eilte das Tagschattenweibchen los, um drei starke Drachen zusammen zu trommeln. Das nahm nicht viel Zeit in Anspruch, da sie im direkten Auftrag des roten Todes unterwegs war und so mehr als genug Freiwillige fand. Mit ihrer kleinen Kampfeinheit flog die Drachendame zum Strand. Sie wusste, dass sie Silberkralle dort finden würde, da sie die Drachenfamilie schon länger beobachtete. Ihr gefiel Feuerpfeil recht gut und sie hatte Pläne mit ihm. In ihren Gedanken malte sie sich kleine und gemeine Spiele mit ihm aus.


Silberkralle hatte es sich am Strand bequem gemacht und schaute aufs Meer. Sie dacht über das Geschehene nach. Ihr gingen die Worte ihres Bruders nicht aus dem Kopf und sie fragte sich, ob sie zu hart zu ihm war. Sie war so in ihre Gedanken vertieft, dass sie die vier Drachen, die in ihrer Nähe landeten, nicht bemerkte. „Silberkralle, unser erhabener Alpha gewährt dir die Gnade einer Audienz“, sagte Schneesturm mit einem sanften Lächeln. „Was wünscht das alte Fossil von mir?“, fragte der weibliche riesenhafte Alptraum aufbrausend. „Das hat mir unser Alpha nicht gesagt, aber es scheint wichtig zu sein, deswegen solltest du ihn nicht warten lassen“, entgegnete die Tagschattendame höflich. Silberkralle schaute ihr Gegenüber genau an. Irgendetwas störte sie an der ganzen Situation. Es machte sie ebenfalls stutzig, dass Schneesturm zwei riesenhafte Alpträume und einen Taifumerang dabeihatte. „Was wenn ich mich weigere die Audienz wahrzunehmen?“, fragte die Alptraumdame provokant und bemühte sich dabei besonders beleidigend zu sein. „Nun, dann müssten dich meine freundlichen Begleiter zu deinem Glück zwingen, meine Liebe“, säuselte die Tagschattendame liebreizend. Auf ein kurzes Zeichen begannen die drei männlichen Drachen zu knurren. Silberkralle lachte die Vier bloß aus. „Ich lasse mich nicht von dir und deinen drei winzigen Zauneidechsen einschüchtern! Wenn dieser ärmliche Jammerlappen eines Alphas etwas von mir möchte, soll er seinen faulen, fetten und verfressenen Hintern, gefälligst zu mir bewegen. Und wenn er das nicht mehr kann, weil sich seine Muskeln zu weit zurückgebildet haben, dann kann er mich gerne mal am Arsch lecken“, fauchte Silberkralle rebellisch und unbeugsam. „Du bist ja fast so schlimm wie dein Bruder. Ihn musste ich auch zu seinem Glück zwingen. Warum muss es bei euch nur immer in Gewalt enden? Ich bin so enttäuscht, wo euer Vater doch der treuste Diener unseres Alphas war“, entgegnete die Tagschattendame, begann gekünstelt zu weinen und wischte sich eine imaginäre Träne aus dem Augenwinkel. Ihre geschickte Provokation, verfehlte ihr Ziel nicht. „Lass meinen Vater aus dem Spiel, du hinterhältiger Albino Ledermantel“, brüllte der weibliche riesenhafte Alptraum voller Zorn und griff Schneesturm ohne Vorwarnung an. Das Tagschattenweibchen reagierte einen Sekundenbruchteil zu spät und fing sich ein paar blutige Kratzer ein. Die weiße Drachendame, schaute sich kurz die roten Striemen auf ihren makellosen Schuppen an und wurde wütend. „SCHNAPPT SIE EUCH UND TUT IHR ORDENTLICH WEH, ABER PASST AUF, DASS IHR SIE NICHT TÖTET!“, brüllte Schneesturm aufgebracht und vergaß ihre höfliche und charmante Fassade, für einen Augenblick. Die beiden Alpträume und der Taifumerang, kamen dem Befehl, ihrer „Anführerin“, nach und griffen Silberkralle an, die erbitterten Widerstand leistete. Mit Zähnen, Krallen und Feuer, bekämpfte sie die drei Drachen und schaffte es sogar, einen kampfunfähig zu machen, was ihr aber nicht viel brachte. Obwohl sich Schneesturm für Kämpfe zu fein war, griff sie hinterrücks an und spie Silberkralle eine Plasmakugel in den Rücken, wodurch sie zu Boden taumelte. Die beiden verbliebenen riesenhaften Alpträume nutzten diese Gelegenheit und machten ihre benommene Artgenossin fertig. Die Tagschattendame ließ die beiden männlichen Drachen machen und schaute zufrieden zu. „Das reicht, sie hat genug“, sprach Schneesturm wenige Minuten später und senkte den Kopf zu Silberkralle. „Das hätte nicht so enden müssen“, säuselte sie dem Alptraum zuckersüß ins Ohr. Obwohl der Tagschatten wieder seine charmante Art zeigte, war zu spüren, dass sie vor Zorn loderte und sich auf das Urteil, des roten Todes, freute. Silberkralle hob den Kopf nur ein wenig und hauchte mit einem schwachen Lächeln: „Lieber tot als feige!“ „Schafft sie zu unserem großen Alpha, aber passt auf, dass sie am Leben bleibt“, befahl die weiße Drachendame.


Schneesturm landete im Vulkankrater. Sie verneigte tief und voller Respekt. „Wir haben die Verräterin gefangen genommen. Sie hat erbitterten Widerstand geleistet, aber sie lebt“, sprach die Drachendame. Der Kopf des roten Todes kam aus dem Krater. „Bringt sie her!“, befahl er mit donnernder Stimme. Die beiden riesenhafte Alpträume, zerrten die schwer verletzte Silberkralle, vor den Alpha und verneigten sich. Der rote Tod sah die Verletzungen der beiden großen Drachen und fragte: „Was ist geschehen, Schneesturm?“ Der Tagschatten erzählte, was geschehen war und fügte einige Unwahrheiten hinzu, in der Hoffnung, dass Silberkralle noch mehr leiden würde. „Es tut mir um Feuerpfeil, ihren Bruder, leid. Er ist ganz der Sohn seines Vaters und euch treu ergeben. Was muss das doch für eine Schande sein, dass seine eigene Schwester, den guten Namen des Vaters, so in den Dreck zieht“, fügte Schneesturm ihrem Bericht hinzu und vergoss einige Krokodilstränen. „Sie ist die Tochter von Funkenflug und Stahlnetz?“, wollte der Alpha wissen. „Ja, das ist sie“, schluchzte die Tagschattendame mit gespielt enttäuschtem Unterton. „Meine Boten, ruft Feuerpfeil her. Ich will sofort mit ihm sprechen“, donnerte der rote Tod. Sofort schossen zwei schreckliche Schrecken davon, um die Botschaft ihres Anführers zu überbringen. „Während wir auf Feuerpfeil warten, werde ich dein Urteil sprechen Silberkralle“, sprach der mächtige Drache. „Lass meinen Bruder aus dem Spiel, du aufgeblasener Wichtigtuer!“, zischte Silberkralle schwach. „Oh, da hat mein Spion scheinbar den richtigen Riecher gehabt. Ich hätte nicht erwartet, dass es je einen Drachen geben würde, der mir im Angesicht des Todes, die Stirn bieten würde“, lachte der Alpha sarkastisch. „Ich habe keine Angst vor dem Tod. Lieber sterbe ich, als einen Tag länger unter deiner Herrschaft zu leben, du elender Tyrann. Du zu groß geratener Salamander, du bist kein Alpha. Du bist ein kleiner Feigling, der nur durch Angst herrscht. An dir ist nichts Echtes, du Papierdrache“, lachte Silberkralle den roten Tod aus. Du hast dein Urteil gerade selbst gesprochen! "Du weißt, was auf Hochverrat steht!“, brüllte der Alpha voller Zorn. „Lieber tot als feige“, erwiderte das Drachenweibchen ohne eine Spur von Angst. Schneesturm freut sich, dass ihr Plan, wie am Schnürchen lief. Ein kaltes Lächeln zierte ihr Gesicht, als der rote Tod Silberkralle zum Tode verurteilte. „Da sollte ich bei Feuerpfeil ein leichtes Spiel haben, wenn er mit ansehen muss, wie seine Schwester gefressen wird, sollte ich ihn spielend um die Kralle wickeln können. Und wenn nicht, habe ich ja immer noch einige Druckmittel, um meinen Gefallen einzufordern“, dachte der durchtriebene Tagschatten zufrieden.


Feuerpfeil beaufsichtigte seinen kleinen Bruder Feuersturm, da sich Funkenflug, zu einem kurzen Schläfchen, zusammengerollt hatte. Immer wieder schaute der männliche riesenhafte Alptraum aus der Höhle. Er machte sich Sorgen, um seine Schwester, die eigentlich schon längst überfällig wäre. „Was hast du, großer Bruder?“, fragte Feuersturm, da Feuerpfeil, beim Spiel, nicht bei der Sache war. „Was?“, fragte der große Drache und schreckte, aus seinen besorgten Gedanken, hoch. „Dich beschäftigt etwas Bruder. Was ist los?“, fragte der Kleine erneut. „Ich mache mir ein wenig Sorgen, um Silberkralle. Sie sollte längst zurück sein“, antwortete Feuerpfeil abwesend. „Ihr geht es sicher gut, großer Bruder. Sie hat bestimmt, beim Spielen, die Zeit vergessen“, erwiderte Feuersturm mit kindlicher Naivität. „Du hast bestimmt recht, kleiner Bruder“, entgegnete der große Drache und rang sich ein Lächeln ab, aber sein Gefühl sagte ihm etwas anderes. Feuerpfeil und Feuersturm setzen ihr Spiel fort, das jäh gestört wurde, als zwei schreckliche Schrecken vor der Höhle landeten. „Feuerpfeil, der Alpha möchte dich sofort sehen“, sagte einer der kleinen Drachen energisch. „Wisst ihr, was unser großer Alpha von mir möchte?“, fragte Feuerpfeil unsicher, dabei war er sich sicher, dass es um sein eigenes Todesurteil ging. „Das wissen wir nicht. Es ist unsere Aufgabe Botschaften zu überbringen und nicht zu wissen, was der rote Tod von jedem einzelnen wünscht“, antwortete einer der Schrecken teilnahmslos. Der riesenhafte Alptraum nickte und weckte seine Mutter. „Was ist los?“, wollte Funkenflug wissen und gähnte ausgiebig. „Der Alpha will mich sehen, deswegen habe ich dich geweckt“, erwiderte Feuerpfeil nervös. Sofort war die Drachenmutter hellwach. „Weißt du, was er will?“, fragte sie fast panisch. „Nein, das weiß ich nicht und genau das macht mir Angst. Vielleicht geht es um meine Hinrichtung“, erwiderte der Sohn mit einem Kloß im Hals. Funkenflug schmiegte sich an ihren Jungen und sprach mit Tränen in den Augen: „Lebe wohl, mein Sohn.“ Sie war sich sicher, ihren Sohn nie wieder zu sehen. „Wo gehst du hin, großer Bruder?“, fragte Feuersturm, als er sah, dass sein Bruder Feuerpfeil aufbrechen wollte. „Ich muss zu unserem Alpha“, erwiderte der ausgewachsene Alptraum und versuchte sich ein Lächeln abzuringen. „Spielen wir wieder, wenn du zurück bist?“, wollte der Kleine wissen und schaute seinen großen Bruder hoffnungsvoll an. „Aber natürlich, Feuersturm“, entgegnete Feuerpfeil sanft und versuchte die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken.


Feuerpfeil erhob sich in die Luft und trat seinen, vermeintlich letzten, Flug an. Je näher der riesenhafte Alptraum dem Vulkankrater kam, desto nervöser wurde er. Er setzte im Krater zur Landung an und spürte, dass seine Knie weich wurden. Feuerpfeil versuchte einige Schritte zu gehen, doch seine Beine und Flügel, verweigerten ihren Dienst. Um die Sache noch zu verschlimmern, tauchte auch noch Schneesturm auf und nahm ihn in Empfang. „Bist du bereit für deine Audienz, bei unserem großen Alpha?“, fragte die Drachendame höflich und lächelte ihn charmant an. „So bereit wie man nur sein kann“, erwiderte Feuerpfeil und versuchte tapfer zu klingen. Allerdings durchschaute die Tagschattendame die Fassade, des riesenhaften Alptraums, sofort. „Dann komm mit, unser Alpha wartet nicht gerne“, sagte das weiße Drachenweibchen zuckersüß und genoss die aufsteigende Panik, des anderen. Langsam näherte sich Feuerpfeil dem Krater und verneigte sich, bevor er sprach: „Ihr wolltet mich sprechen, oh großer Alpha.“ „Ah Feuerpfeil, wie schön, dass du Zeit gefunden hast. Ich möchte mich gerne ein wenig mit dir unterhalten“, entgegnete der rote Tod mit donnernder, aber auch merkwürdig freundlicher Stimme. „Ich habe vorhin an deinen Vater gedacht, der mir der treuste Diener war. Sein Tod war ein schrecklicher Verlust. Auch wenn ich es mir als Alpha nicht erlauben kann, habe ich still um ihn getrauert. Sag mir, mein Junge, bist du mir ebenfalls treu ergeben, wie es dein Vater war?“, sprach der Alpha betont höflich und ruhig. „Ja, mein großer Alpha, das bin ich“, erwiderte Feuerpfeil und versuchte immer noch seine Unsicherheit zu überspielen. „Das lobe ich mir, du bist ganz der Sohn deines Vaters. Deine Schwester muss wirklich eine Schande für dich und deine Familie sein“, sprach der mächtige Drache. „Warum meine Schwester?“, fragte der Alptraum und konnte seine Angst nicht weiter übertünchen. „Bringt sie her!“, befahl der rote Tod, im strengen Befehlston. Mit Entsetzen sah Feuerpfeil, wie zwei riesenhafte Alpträume, die verletzte Silberkralle heranschleiften. „Schwester!“, entfuhr es dem jungen Drachenmännchen. Er eilte an die Seite seiner Schwester. „Was…..was wird ihr vorgeworfen?“, fragte Feuerpfeil verunsichert. „Hochverrat“, säuselte Schneesturm enttäuscht. „Was?!?“ entwich es dem riesenhaften Alptraum. „Du hast richtig gehört, mein Junge. Deine Schwester hat geplant mich zu stürzen, deswegen werde ich sie, wegen Hochverrats, fressen“, erklärte der Alpha, als sei es die normalste Sache der Welt. Die beiden Drachen schleiften Silberkralle an den Kraterrand. „Wartet bitte, oh großer und mächtiger Alpha. Kann ich den Platz meiner Schwester einnehmen und ihr schickt sie in die Verbannung?“, fragte Feuerpfeil verzweifelt und mit Tränen in den Augen. „Nein Bruder“, kam es schwach von seiner Schwester. „Du bist wirklich der Sohn deines Vaters Feuerpfeil von Krallenhieb, aber Verräter müssen sterben!“, brüllte der rote Tod und fraß die Alptraumdame, mit einem genüsslichen Schmatzen. „NEIN!!!“, schrie der junge riesenhafte Alptraum und brach weinend zusammen. Schneesturm grinste zufrieden. „Feuerpfeil, eines darfst du niemals vergessen, wer die Regeln bricht, der bezahlt den Preis!“, sprach der rote Tod kalt und zog sich in den Krater zurück. Auch die beiden anderen riesenhaften Alpträume, verzogen sich. Nur Schneesturm blieb und beobachtete den weinenden Drachen, voller Genugtuung. Nun ließ sie Phase zwei, ihres Plans anlaufen. Sie flog von dem Felsen, der ihr als Beobachtungspunkt gedient hatte, zu Feuerpfeil und stieß ihn sanft mit der Schnauze an. „Komm, ich begleite dich nach Hause“, sagte sie einfühlsam und half dem Alptraum auf die Beine.


Der Flug, zurück zu seiner Höhle, gestaltete sich für Feuerpfeil schwierig. Er konnte, durch die Tränen, kaum geradeaus schauen. Und Schneesturm, als „Sicherheit“ an seiner Seite, machte den Flug nicht angenehmer. Unsanft landete der riesenhafte Alptraum auf dem kleinen Plateau und wurde sofort freudig, von seinem kleinen Bruder begrüßt. Feuersturm verzog sich sofort in die Höhle und hinter seiner Mutter, als er Schneesturm sah, die elegant, neben seinem Bruder, landete. „Funkenflug, bist du da?“, rief das Tagschattenweibchen fragend. Die Gerufene kam aus der Höhle und schaute zuerst zu ihrem Sohn und dann zu der Drachendame. „Was willst du Schneesturm?“, entgegnete das Muttertier, mit einer Mischung aus Wut und Besorgnis. „Ich muss dir leider mitteilen, dass deine Tochter des Hochverrats angeklagt und durch unseren großen Alpha hingerichtet wurde. Es tut mir sehr leid“, antwortete Schneesturm und vergoss einige falsche Tränen. „Kümmere dich bitte gut um Feuerpfeil. Er musste mit ansehen, wie das Urteil vollstreckt wurde. Ich muss leider weiter, meine Pflichten rufen mich“, fügte sie hinzu und hob elegant ab. Sie ließ eine entsetzte Mutter und ihren gebrochenen Sohn zurück. „Nun muss ich nur ein wenig warten und er wird mein“, dachte sich das Tagschattenweibchen.


2 Tage später


Funkenflug versuchte ihrem jüngsten Sohn Feuersturm immer noch beizubringen, dass seine große Schwester bei Glayder in Vanagard war. Der kleine riesenhafte Alptraum begriff nur ganz langsam, dass er Silberkralle nie wiedersehen würden. Feuerpfeil lag nur noch in der Höhle. Er wollte nicht mehr fressen und trinken. Seiner Mutter platzte der Kragen. „Sag mal mein Sohn. Willst du dich hier zu Tode hungern? Wenn ja, dann lasse ich das nicht zu. Ich habe vor einem Jahr meinen Gefährten verloren und vorgestern meine Tochter. Ich will dich nicht auch noch verlieren, also nimm gefälligst den Platz deines Vaters, als Familienoberhaupt ein und sorge für uns, falls wir dir am Herzen liegen“, sprach sie tadelnd und mit Tränen in den Augen. Langsam fraßen sich die Worte seiner Mutter in sein Gehirn. Dem jungen riesenhaften Alptraum war klar, dass er nun noch mehr Verantwortung zu tragen hatte. „Mutter, ich….ich….“, stammelte er unsicher und voller Trauer. „Hör auf so rumzudrucksen. Du bist nun der Familienalpha der von Krallenhiebs, also benimm dich gefälligst so, auch wenn es dich, noch so sehr schmerzt. Sei für deinen kleinen Bruder und deine Mutter da“, forderte Funkenflug energisch und schob ihren Sohn aus der Höhle. „Los, geh und fresse dich anständig satt!“, befahl sie ihm. Feuerschweif erkannte, dass er keine Chance und seine Mutter recht hatte. Er flog an die Küste und fing sich einige Fische. Leider hatte Silberkralles Hinrichtung einen negativen Einfluss, auf den, ohnehin schon angeschlagenen, Ruf des riesenhaften Alptraums. Er hatte sich am Strand niedergelassen und hing seinen trüben Gedanken nach. Dass sich einige tödliche Nadder hinter ihm scharten, bemerkte Feuerpfeil nicht. „Hey, wie fühlt man sich, wenn die eigene Schwester, wegen Hochverrats, Drachenfutter wurde?“, rief Brandmal provokant. Der junge Drache wirbelte herum und sah die fünf Nadder. „Antworte gefälligst, wenn du etwas gefragt wirst!“, forderte ein andere Nadder barsch, aber Feuerpfeil hüllte sich in Schweigen, um einer Rauferei aus dem Weg zu gehen. Die fünf Drachen versuchten den riesenhaften Alptraum, durch ihre Beleidigungen, aus der Reserve zu locken, aber er blieb stur und schwieg. Er wollte nicht der Erste sein, der angriff. Brandmal verlor zuerst die Geduld und auch die Beherrschung. Er griff Feuerpfeil, gemeinsam mit seinen vier Freunden, an. Der junge Drache wich den Angriffen so gut es ging aus, aber dennoch trug er etliche oberflächliche Blessuren davon. Schneesturm schaute dem Spektakel, aus einiger Entfernung, zu. Sie hatte die Höhle von Feuerpfeil zwei Tage lang beobachtet. Sie wollte nun ihre Gefälligkeit einfordern und nun schenkte ihr das Schicksal, eine mehr als gute Gelegenheit, dies zu tun. Sie schwang sich in die Luft und warf sich, wenige Augenblicke später, zwischen den Alptraum und die fünf Nadder. „Sofort aufhören!“, befahl sie mit fester Stimme. „Was tust du hier?“, fragte Feuerpfeil. „Dir zur Seite stehen“, antwortete sie mit freundlicher Stimme und strahlte ihn herzlich an, bevor sie sich zu den Naddern umdrehte. „Verschwindet, dann tue ich so, als sei der Vorfall hier nie passiert!“, brüllte die Tagschattendame. „Und was, wenn wir nicht wollen?“, fragte Brandmal provokant. „Dann richtet unser Alpha über euch, ein Nadder hatte er schon lange nicht mehr!“, antwortete das Drachenweibchen drohend. Mehr war nicht nötig. Brandmal und seine Freunde verschwanden, mit panischer Angst. „Die wären wir los“, säuselte der Tagschatten und schaute sich die Verletzungen, des riesenhaften Alptraums, an. „Komm mit, ich kenne eine Höhle, wo wir ungestört sind. Da werde ich mir deine Verletzungen anschauen und versuche erst gar nicht erst, mein freundliches Angebot abzulehnen, das würde meine Gefühle verletzen“, trällerte Schneesturm zuckersüß, aber bestimmend. Notgedrungen folgte Feuerpfeil der Drachendame, zur Westseite der Dracheninsel.


Schneesturm landete am westlichen Strand, direkt vor einer kleinen, gut versteckten Höhle. Feuerpfeil landete direkt neben ihr. „Komm mit“, sagte sie sanft und ging voraus. Immer noch skeptisch und mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, folgte der riesenhafte Alptraum, dem Tagschatten. „Dann lass mich mal schauen“, meinte das Weibchen und schaute sich die Wunden des Männchens an. Sanft begann sie, die Verletzungen sauber zu lecken. Dafür ließ sich Schneesturm viel Zeit und gab sich große Mühe. Bei der Wundversorgung rieb sie ihren Körper immer wieder an Feuerpfeil, was ihm mehr als komisch vorkam. „So, fertig“, sagte die Tagschattendame und schlug verführerisch die Augen nieder. „Was willst du von mir Schneesturm?“,  fiel der riesenhaft Alptraum mit der Tür ins Haus. „Wie kommst du darauf, dass ich etwas von dir möchte?“, fragte das Drachenweibchen unschuldig, aber es lag ein besitzergreifender Glanz in ihren blauen Augen. „Ich bitte dich Schneesturm. Verkauf mich nicht für dumm. Du würdest nie einem anderen Drachen, deine Hilfe anbieten, ohne eine Gegenleistung einzufordern“, erwiderte Feuerpfeil und versuchte ruhig zu bleiben. „Du bist ja so ein kluger Kopf, das gefällt mir sehr an dir Feuerpfeil von Krallenhieb. Du hast recht. Ich habe dir nicht aus Freundschaft, oder Großmütigkeit geholfen. Ich möchte meine Gefälligkeit von dir einfordern“, antwortete sie und lächelte hämisch, bevor sie sich erneut an ihm rieb. „Also, dann rück raus mit der Sprache. Was willst du?“, fragte Feuerpfeil kurz angebunden. Schneesturm klimperte aufreizend mit den Augenlidern und sprach: „Ich möchte, dass du dich in Zukunft vor mir verbeugst, wann immer ich dir begegne und mich, in jedem Satz mit, meine Herrin, ansprichst.“ Der riesenhafte Alptraum begann zu lachen. „Du bist ja völlig größenwahnsinnig. Ich denke nicht einmal im Traum dran, dir diesen Gefallen zu tun“, erwiderte der große Drache. „Ich bin zutiefst betrübt. Ich dachte immer du seist ein ehrbarer Drache, der sich an seine Versprechen hält. Dein Vater war ein Drache von Ehre und sein Tod, vor einem Jahr, war sehr bedauerlich. Nun wurde auch noch deine Schwester, als Verräterin hingerichtet. Es wäre doch eine Tragödie, wenn deiner Mutter etwas zustoßen würde oder dem kleinen Feuersturm, findest du nicht? Ich weiß nicht, ob ich damit leben könnte“, erwiderte die Tagschattendame traurig. Und ließ die unterschwellige Drohung wirken. Feuerpfeil blieb sein Lachen im Halse stecken. Schneesturm hielt ihm provokant die rechte Pranke hin und fragte mit einem kalten Lächeln: „Na, wie sieht es aus?“ Sie genoss es den riesenhaften Alptraum, mit sich selbst kämpfend, zu sehen. Wusste sie doch, dass ihm keine andere Wahl blieb, als ihr treuer Diener zu werden. Feuerpfeil wusste ganz genau, dass Schneesturm ihn in den Krallen hatte. Würde er sich weigern, dann wäre seine Familie tot. Er senkte widerwillig den Kopf und leckte die Pranke, der Tagschattendame, bevor er leise und gequält sagte: „Euer Wunsch ist mir Befehl.“ Schneesturm schlug ihm, mit ihrem Schwanz, die Beine Weg und setzte einen tadelnden Gesichtsausdruck auf, der in etwa sagte: „Hast du nicht was vergessen?“ „Meine Herrin“, würgte der, am Boden liegende, Drache hervor. Schneesturm kicherte zufrieden, nun war Feuerpfeil ihr Eigentum und solange es seiner Familie gut ging und an nichts fehlte, würde das auch so bleiben. „Es ist schön, dass du dich umentschieden hast. Möchtest du, dass es mir immer gut geht Feuerpfeil?“, säuselte das Drachenweibchen und leckte dem Alptraum sanft über die Oberseite seiner Schnauze. „Ja m…meine H…errin, es…..es……es ist….ist mein größter Wunsch, dass….. dass es euch an nichts fehlt“, antwortete das Männchen und ekelte sich vor sich selbst. „Es ist eine Freude, dass du mir zu Diensten bist. Es gibt da auch schon etwas, dass du für mich tun kannst. Durch meine weiße Schuppenfarbe bin ich ja sehr anfällig für Schmutz und du weißt, wie reinlich ich bin. Dennoch gibt es Stellen, wo ich nur sehr schwer herankomme. Deswegen möchte ich, dass du mich vom Kopf, bis zur Schwanzspitze putzt“, sprach Schneesturm voller Vorfreude. „Wie ihr wünscht, meine Herrin“, erwiderte Feuerpfeil und begann damit, die Drachendame zu putzen. „Hey, sei gefälligst sanft zu deiner Herrin“, tadelte ihn das Weibchen, als er, in ihren Augen, zu grob wurde und verpasste ihm einen Schlag, voll auf die Schnauze. Der riesenhafte Alptraum stöhnte auf und ging ab jetzt, äußerst vorsichtig vor. Er wollte es unbedingt vermeiden, sein Gegenüber zu verärgern. Anhand ihres Schnurrens schien ihr die Körperpflege zu gefallen. Als Feuerpfeil Schneesturms Schnauze erreichte, schob sie ihre Zunge heraus und züngelte ungeniert mit ihm. Als er sich zurückziehen wollte, bedachte sie ihn mit einem mahnenden Blick, der ihn daran erinnerte, dass er ihr, vollkommen ausgeliefert war und er machte so lange weiter, bis sie sich zurückzog. „Das war ganz wunderbar, besonders der Abschluss hat mir sehr gefallen, mein treuer Diener. Ich denke, ich sollte dich für deine sanften Bemühungen, mir zu gefallen, belohnen“, sprach die Tagschattendame und rieb sich erneut an dem riesenhaften Alptraum, dem mit einem Mal klar wurde, was sie mit dem ständigen Körperkontakt bezweckte. Sie markierte ihn, mit ihrem Duft, als ihr persönliches Eigentum. Schneesturm hielt inne und schaute Feuerpfeil zärtlich an, bevor sie sich niederlegte und den Schwanz ein wenig anhob. Sie präsentierte ihm wollüstig ihre Weiblichkeit. „Mach mich glücklich, mein treuer Feuerpfeil“, hauchte das Tagschattenweibchen lüstern. Feuerpfeil stand das blanke Entsetzen im Gesicht. Er war in ihre Honigfalle geraten, aus der es kein Entrinnen gab.      


Ich hoffe, das Kapitel hat euch gefallen.
Über ein Review von euch, würde ich mich sehr freuen.
Ich gebe eigentlich nie Prognose ab, aber wenn es mit dem Schreiben weiter so gut läuft, könnte ich euch eventuell vor Jahresende noch ein Kapitel präsentiere.


Ganz liebe Grüße

Euer Fuchs
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