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Ein neues Leben

GeschichteFantasy, Freundschaft / P18 / Gen
29.01.2020
14.05.2021
15
97.333
28
Alle Kapitel
80 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
15.11.2020 5.816
 
Hallo meine geschätzten Leserinnen und Leser. Ich freue mich, dass ich euch ein neues Kapitel präsentieren kann.
Wieder geht mein ganz besonderer Dank an meinen hochgeschätzten Beta Dusd.
Ohne weitere Umschweife, wünsche ich euch nun viel Spaß beim Lesen.



Hakenzahn flog bis zur Erschöpfung. Seine Augen suchten den Horizont ab. Der riesenhafte Alptraum atmete erleichtert auf, als er eine kleine Insel entdecke. „Ein Rastplatz, endlich“, sagte der große Drache müde und ging in den Sinkflug über. Die Landung war alles andere als sanft. Durch die Stacheln Sturmpfeils, die in seinem Bein steckten kam Hakenzahn schwer ins Straucheln und überschlug sich fast. „Oh man, das war nicht die beste Landung“, fluchte der Drache. „Lieber so, als abgeschmiert“, meinte Hicks und stieg vom Nacken seines Freundes, um sich die Verletzungen genauer anzuschauen. Der Junge sah mit Entsetzen, das 4 Stacheln in Hakenzahns Bein steckten. Vorsichtig bestastete Hicks die Fremdköper, was den riesenhaften Alptraum aufheulen ließ. „Die Dinger müssen raus und das ganz schnell, sonst entzünden sich die Wunden“, sagte der Wikinger sachlich nüchtern. „Dann zieh sie raus“, erwiderte Hakenzahn mit vor Schmerz zusammengebissenen Zähnen. „Können vor Lachen Hakenzahn. Ich habe hier keinerlei Verbandszeug und ich mache mir ehrlichgesagt ziemlich Sorgen, dass du verbluten könntest, wenn ich die Stacheln einfach so rausziehe“, sprach der Junge mit besorgter Miene. Der riesenhafte Alptraum war gerührt von der der Sorge seines menschlichen Freundes. Er humpelte vom Strand zu Baumgrenze und schnüffelte herum. „Was suchst du Hakenzahn?“, fragte der Mensch neugierig. „Das weiß ich, wenn ich es gefunden habe. Ich glaube nämlich zu wissen, dass Sturmpfeil hier einen Teil ihrer Heilkräuter sammelt. Falls ich ein paar Kräuter davon finden kann, hätten wir schon mal die halbe Miete“, antwortete dieser und senkte seinen Kopf, um weiter zu suchen. Hicks schaute seinem Drachenfreund eine Weile zu, bevor er sich auf seine eigene Suche, nach einem brauchbaren Verbandsmaterial machte. Eine gute Stunde verbrachte der Junge im Unterholz und fand schließlich eine Pflanze mit großen und elastischen Blättern. „Das könnte gehen. Jetzt brauche ich nur noch etwas, was ich zum Abbinden benutzen kann“, dachte er. Die Lösung dafür fand er an einem Baum mit langen stabilen, aber dennoch elastischen Ranken. Der Wikinger lief los, um nach Hakenzahn zu schauen. „Ah, gut, dass du kommst Hicks. Ich habe die Pflanze gefunden, die Sturmpfeil zum Behandeln von Blutungen nutzt“, sagte der riesenhafte Alptraum. „Das ist sehr gut. Ich habe auch etwas Passendes gefunden, um dich zu verbinden, aber ich brauche deine Hilfe, um es zu pflücken“, erwiderte der Jüngling. „Ok, dann zeig mir den Weg“, bat der Drache. Hicks führte Hakenzahn zu dem Baum, an dem er die Ranken entdeckt hatte, auch die Blätter ließ sich der Drache zeigen. „Es ist zwar nur eine provisorische Lösung, aber besser, als dass deine Wunden unversorgt bleiben“, meinte der Junge. „Da hast du Recht Hicks“, erwiderte der Alptraum und riss einige der Ranken vom Baum.


Hicks sammelte die Blätter und die heruntergerissenen Ranken auf, bevor er sich die Kräuter von Hakenzahn zeigen ließ. „Etwas Land einwärts gibt es einen kleinen Bach. Da sollten wir hingehen. Hier am Strand sind wir zu ungeschützt. Ich denke bis dahin, sollte ich das mit der Verletzung schaffen“, sagte der riesenhafte Alptraum, nachdem sein Freund die Heilkräuter geerntet hatte. „Bis du dir da absolut sicher?“, fragte der junge Wikinger. „Natürlich bin ich mir da sicher. Du vergisst, ich bin Hakenzahn, der stärkste und mutigste Drache weit und breit“, sprach Hakenzahn und warf sich angeberisch in Pose. „Das stimmt und du hast das letzte Mal nur 20 Minuten geheult, als du dir im Traum in den Schwanz gebissen hast“, erwiderte Hicks trocken, konnte sich ein kleines freches Grinsen, aber nicht verkneifen. „Genau. Hey, Moment! Was fällt dir ein, du kleiner Stinkstiefel?!?“, grummelte der riesenhafte Alptraum, musste aber selbst lachen. „Komm, lass uns losziehen, damit ich dir endlich die Stacheln aus dem Bein ziehen kann“, meinte der Wikinger, wieder etwas ernster. Und so führte Hakenzahn seinen Freund, zu dem kleinen Bachlauf. Tatsächlich waren die Beiden dort sehr gut vor fremden Blicken geschützt. Hicks suchte nach einigen Steinen, um die Kräuter zu verarbeiten. Er hatte Sturmpfeil damals beobachtet, als sie die Kräuter für die Wundheilung zu einem Brei zerrieben hatte. Schnell wurde der Junge am Bachbett fündig. Er kehrte zu seinem Freund zurück und begann damit, die Kräuter, zwischen den gefundenen Steinen, zu zerreiben. „Okay, dann wollen wir mal“, sagte der Wikinger zu Hakenzahn. „Einen Moment“, erwiderte der Drache und packte einen jungen Baum und entwurzelte ihn. „Jetzt“, sagte er kaum verständlich, da er auf den Baum biss, um sich vor Verletzungen im Maul zu schützen und nicht laut aufzuschreien. Hicks packte den ersten Stachel und zog ihn aus dem Oberschenkel des Drachen. Hakenzahn zuckte und knurrte vor Schmerz. Sofort trug der Junge etwas von dem Pflanzenbrei, auf die offene Wunde auf und verband sie notdürftig. Dieser Vorgang wiederholte sich noch 2 Mal. Beim vierten und letzten Stachel wurde es problematisch, denn der steckte tiefer und saß recht fest. Bei jedem Versuch, den Fremdkörper zu entfernen, wand sich der Drache, aber egal was Hicks versuchte, er bekam den Stachel nicht aus der Wunde. Hakenzahn ließ den Baum aus dem Maul fallen und sagte nur: „Lass mich das machen.“ Der Junge sah, wie der riesenhafte Alptraum, den Stachel mit den Zähnen packte und mit einem beherzten Ruck, herauszog. Durch den Schmerz verlor der Drache kurz sein Bewusstsein. Der junge Wikinger machte sich daran die Wunde zu versorgen. Zu Hicks Erleichterung, blutete die Wunde nur wenig. Auch wenn ihm die Erfahrung Sturmpfeils fehlte, war er sich sicher, dass alles gut werden würde.


Während Hakenzahns Bewusstlosigkeit, begab sich Hicks auf Nahrungssuche. Aber außer ein paar Früchten, fand er nicht viel. Mit seiner mageren Ausbeute kehrte der Wikinger zu seinem Drachenfreund zurück. Als der Mensch den provisorischen Lagerplatz erreichte, war Hakenzahn bereits wieder bei Bewusstsein. „Hallo Haki, ich habe ein paar Früchte gefunden. Es sind zwar nicht viele, aber für den ersten Hunger, sollten sie reichen“, sagte Hicks. Der Drache betrachtete die Früchte und roch daran. Es war ein vertrauter Geruch. Er verzog das Gesicht und sprach: „Die kannst du wegwerfen. Die Dinger sind nämlich hochgiftig.“ Sofort entsorgte der Wikinger das Obst und wusch sich die Hände am Bach. „Dann sollte ich vielleicht versuchen, ein paar Fische für dich zu fangen, während du dich ausruhst“, meinte Hicks und schaute Hakenzahn durchdringend an. „Hicks, ich hatte 4 ungiftige Stacheln im Bein. Es geht mir soweit ganz gut. Ich kann selbst Fische fangen“, erwiderte der riesenhafte Alptraum. „Hakenzahn, als du dir den einen Stachel aus dem Schenkel gezogen hast, bist du vor Schmerz ohnmächtig geworden, außerdem steckt dir der Flug in den Knochen. Ruh dich bitte aus, ich kümmere mich ums Essen“, entgegnete der Junge fest. „Hicks, deine Sorge ist echt lieb von dir, aber ich kann ganz gut auf mich aufpassen und mich auch selbst versorgen“, sprach Hakenzahn. „Nichts da, du ruhst dich aus!“, sagte der Mensch bestimmend. „Na gut, wenn du unbedingt darauf bestehst“, lenkte der Drache ein und legte sich zur Ruhe. Auch wenn er es nicht zugeben wollte, musst er sich eingestehen, dass sein menschlicher Freund, Recht hatte. Hakenzahn war wirklich müde. Er rollte sich auf der kleinen Lichtung am Bach zusammen und beobachtete Hicks dabei, wie er sich einige Steine zurechtschlug und einen provisorischen Speer herstellte. „Menschen sind in Notsituationen wirklich erfinderisch“, dachte der riesenhafte Alptraum bewundernd. Beim Fischfang stellte sich der Junge etwas geschickter an, als beim Obstpflücken. Relativ schnell hatte der Wikinger 12 Fische gefangen. Mit seiner Beute kehrte der Mensch zu seinem Drachenfreund zurück. „Bitter sehr, einmal fangfrischer Fisch“, sagte Hicks und legte die legte die Fische vor Hakenzahn ab. „Du erwartest doch jetzt wohl nicht, dass ich die Dinger roh fresse“, sprach der riesenhafte Alptraum und rümpfte ein wenig die Nase. „Das ist jetzt nicht dein Ernst. Wir sitzen hier am Arsch der Welt und du erwartest, dass ich dir die Fische auch noch brate“, erwiderte der Jüngling ungläubig. „Aber selbstverständlich doch. Schließ hast du gesagt, dass ich ein armer Invalide bin und mich schon muss. Und gutes Essen, ist der Garant für eine schnelle Genesung“, sprach der Drache rechthaberisch und streichelte sich neckend über den Bauch. „Hakenzahn, manchmal bist du echt schwierig“, meinte Hicks, musste aber lachen. „Ich weiß, aber ich bin es auch wert“, witzelte der Alptraum und beobachtete seinen Freund dabei, wie er trockenes Holz, für ein Feuer, zusammensuchte.


Geschickt schichtete Hicks die trockenen Äste zu einer Art Pyramide auf. Kaum, dass er die Hände vom Holz weggenommen hatte, setzte Hakenzahn den Stapel auch schon in Brand. Hicks sprang, mit einem erschrockenen Aufschrei, zurück und fragte aufgebracht: „Was sollte das??? Du hättest mich fast abgefackelt!“ „Upsi“, antwortete Hakenzahn frech und grinste neckisch zurück. „Upsi? Mehr hast du dazu nicht zu sagen du übergroßes Reptil?“, wollte Hicks schreien, wurde aber von Hakenzahns Lachen angesteckt und klang dadurch ziemlich merkwürdig.  Während der Drache in die Flammen blickte, nahm der Wikinger die Fische aus. „Möchtest du die Innereien als Vorspeise?“, fragte er den riesenhaften Alptraum. Hakenzahn öffnete als Antwort einfach nur das Maul und Hicks warf ihm die Fischinnereien in den Schlund. Die ausgenommenen Fische spießte der Junge auf Stöcke, um sie über dem Feuer zu braten. Obwohl sein Magen knurrte, wartete der große Drache geduldig und nahm sich die Fische einen nach dem anderen von den Stöcken. Lediglich einen ließ er für Hicks übrig, der aber abwesend zu sein schien. Der Junge stellte sich viele Fragen. Wie es wohl weiter ging? Ob Sturmpfeil sich von ihm abwenden würde? Ob seine Liebe zu ihr stark genug wäre, um das Geschehene zu verzeihen? Ob es Ohnezahn wohl gut ging, oder ob sich die beiden Drachen, bei ihrer Auseinandersetzung so schwer verletzt hatten, dass sie vielleicht schon tot waren? Immer mehr finstere Szenarien spielten sich im Kopf des Menschen ab. Er zuckte zusammen, als Hakenzahn ihn sanft mit der Schnauze anstieß. „Dein Fisch verbrennt Hicks“, sagte er mit besorgtem Gesicht. „Oh, entschuldige bitte. Ich war in Gedanken vertieft“, erwiderte der Angesprochene und nahm den Fisch von den Flammen weg. „Du machst dir Gedanken um Sturmpfeil und Ohnezahn, stimmts?“, fragte der riesenhafte Alptraum, obwohl es mehr eine Feststellung, als eine Frage war. „Ja…. ja du hast Recht Hakenzahn“, antwortete der Junge abwesend. „Du machst dir einen Kopf um das was passiert ist und hast Angst, dass es wieder passieren könnte“, stellte der Drache sachlich nüchtern fest. „Sie man mir das so deutlich an?“, fragte Hicks und schaute auf. „Ja, du schreist es geradezu in Welt hinaus. Aber du solltest dich nicht fragen, ob es wieder passiert. Du solltest dich fragen was du willst!“, sprach der Drache. „Wie meinst du das?“, wollte der Wikinger neugierig wissen. „Ich formuliere es etwas anders. Liebst du Sturmpfeil?“, fragte Hakenzahn. „Was soll die Frage? Natürlich liebe ich Sturmpfeil!“, erwiderte Hicks hitzig. „Warum zweifelst du dann? Wenn du sie wirklich liebst, dann solltest du morgen direkt mit ihr sprechen“, sagte der riesenhafte Alptraum. „Was soll das bringen?“, wollte der Mensch wissen. „Ganz einfach. Ich habe schon einmal eine solch starke Hitze durchstehen müssen. Es war für uns und auch für sie Stress pur. Danach wurde es für Sturmpfeil noch schlimmer. Sie wurde durch die heftigen Hormonschübe, die durch ihre Hitze verursacht wurden, und das anschließende Ausbleiben der Schübe, regelrecht depressiv. Damals konnte wir ihr nicht wirklich helfen, obwohl wir alle für Sturmpfeil da waren. Aber dieses Mal ist es anders, weil du da bist“, erklärte Hakenzahn. „Inwiefern ist es denn anders als damals. Und wie kann ich helfen?“, fragte Hicks sichtlich verwirrt. „Ganz einfach Hicks, weil Sturmpfeil dich als Partner akzeptiert hat und liebt. Sie braucht dich, damit sie nicht, wie damals, in ein tiefes Loch fällt, aus dem es kein wirkliches Entkommen gibt. Es gab seit Feuerklaues Tod niemanden mehr, den sie so dich an sich heranließ“, sprach der Drache und biss sich sofort auf die Zunge, weil er merkte das er zu viel gesagt hatte. „Wer ist Feuerklaue?“, fragte der Junge neugierig. Es war das erste Mal, das er diesen Namen hörte. „Niemand, vergiss was ich gesagt habe und vergiss den Namen Feuerklaue“, antwortete Hakenzahn fast panisch, da es der denkbar ungünstigste Moment war, um in Sturmpfeils Vergangenheit umher zu wühlen. „Wer ist Feuerklaue?“, wiederholte der Wikinger seine Frage, aber der Alptraum hüllte sich in Schweigen. Hicks nickte und trat etwas dichter an Hakenzahn heran. Mit der flachen Hand schlug der Jüngling auf einen der provisorischen Verbände, was den Drachen aufheulen ließ. „Wer ist Feuerklaue?!?“, fragte Hicks laut und wartete auf eine Reaktion seines Freundes. Er hoffte er war nicht zu weit gegangen.


Hakenzahn atmete einige Male tief ein und aus, um wieder klar denken zu können. Wütend fixierte er Hicks mit seinem Blick. „Okay, du willst es wissen, dann verrate ich es dir. Aber wenn du mit Sturmpfeil jemals darüber sprichst, dann reiße ich dich in 1000 Stücke, röste dich und verfüttere dich an den roten Tod, kapiert?!?“, fauchte der riesenhafte Alptraum aggressiv. „Versprochen, ich werde schweigen wie ein Grab“, schwor der Junge. „Das wäre auch besser für dich und für mich! Feuerklaue war Sturmpfeils Gefährte. Er wurde vor 10 Jahren von Drachenjägern umgebracht, was sie schwer traf und nie wirklich überwunden hat. Das heißt bis jetzt. Denn das Schicksal dich zu uns geführt. Sturmpfeil ist in der letzten Zeit richtig aufgeblüht und ich freue mich wirklich für sie, denn wenn es jemanden gibt, dem ich die Liebe gönne, dann ist es Sturmpfeil. Deswegen solltest du dir ganz schnell über deine Gefühle klar werden Bürschchen. Ich glaube nicht, dass sie es ein zweites Mal ertragen kann, wenn ihr das Herz gebrochen wird. Und jetzt verzieh dich und denk über meine Worte nach! Bis Sonnenuntergang will ich dich nicht mehr sehen!“, brüllte der Drache und schob den Kopf unter den Flügel, um ein wenig zu schlafen. Er hoffte, dass Hicks schweigen konnte. Hicks schaute noch einmal zu Hakenzahn, der ihn keines Blickes mehr würdigte. So verließ der Junge den Lagerplatz, um über die Worte seines Drachenfreundes nachzudenken.


Hicks ging achtlos durch den Wald und dachte über Hakenzahns Worte und seine Gefühle über Sturmpfeil nach. Er war so in seine Gedanken vertieft, dass er nicht mitbekam, dass Gefahr im Unterholz lauerte. Etliche Augenpaare, verfolgten die Bewegungen des Wikingers. Ein Rascheln im Unterholz, riss den Jüngling aus seinen Gedanken. Nervös schaute er sich um. Zuerst vermutete er Hakenzahn dahinter, der ihm einen Schrecken einjagen wollte, als Rache für den Schlag auf den Verband. Ein sanfter Luftzug trieb aber einen unangenehmen Geruch zu dem Menschen. Er kannte den Mief und wusste was dort lauerte. Langsam und ruhig bewegte sich Hicks und versuchte aus dem Gefahrenbereich zu schleichen. Ehe er sich versah, brach eine Rotte Wildschweine aus dem Unterholz und er rannte um sein Leben. „Verdammter Mist, wenn die mich erwischen, kann ich meine Knochen sortieren“, dachte der Junge panisch und rannte immer tiefer in den Wald, in der Hoffnung, die Wildschweine irgendwie abzuschütteln. Und tatsächlich verlangsamte das Dickicht, das Vorankommen der Schweine, aber es bremste, auch ihn selbst auch aus. Der junge Wikinger wusste nicht weiter und langsam ging ihm, trotz Training, die Puste aus. Er rief um Hilfe, aber Hakenzahn war außer Hörweite. Jemand anderes hörte die panischen Hilferufe des Menschen. Hicks bekam den Schreck seines Lebens, als die Baumkronen anfingen zu Boden zu stürzen und ein Holzklau über ihn hinwegfegte. Auch die Wildschweine versetzte, der große Drache der Pfeilklasse, in Panik und sie liefen in unterschiedlichen Richtungen davon. Am Ende seiner Kräfte, fiel der Junge auf die Knie und dankte dem Drachen und den Göttern für seine Rettung. „Schwein gehabt!“, sagte er selbst zu sich selbst und hörte im selben Moment ein Grunzen. Als er aufblickte, sah er einen großen Keiler, der ihn wütend anschaute und sich zum Anlauf bereit machte. Fast lautlos landete der Holzklau zwischen dem Menschen und dem Wildschwein. „Verschwinde, du dumme Sau!“, fauchte der Drache den Keiler an, worauf sich dieser, mit großer Geschwindigkeit ins Unterholz verzog. Viel Zeit zum Verschnaufen blieb Hicks nicht vergönnt, denn der Holzklau riss den Kopf herum, und fixierte ihn fest mit seinem Blick. „Na toll, vom Regen in die Traufe“, dachte der Winkliger und überlegte fieberhaft, was er tun könnte, um dem Drachen nicht als Imbiss dienen. „Das ist also eines dieser Dinger, die sich selbst als Menschen bezeichnen. Wie ein großer Kämpfer siehst du nicht aus. Was machst du hier in meinem Wald“, fragte sich der Drachen und witterte die Angst seines Gegenübers. Hicks überlegte immer noch. Wie ein Blitz traf ihn die Erleuchtung. Der Junge senkte den Blick, schloss die Augen und hob seine rechte Hand. „Was machst du da, kleiner Mensch?“, fragte sich der Holzklau und senkte neugierig den Kopf und schnupperte vorsichtig an der ihm entgegengestreckten Hand. „Hoffentlich klappt es“, ging es dem Jungen nervös durch den Kopf. „Gefährlich scheinst du nicht zu sein. Ich frage mich aber, warum du so viel Angst vor mir hast? Ich habe nicht vor dir etwas anzutun“, dachte der Drache.


Minuten, in denen nichts geschah, dehnten sich zur Ewigkeit aus. Hicks hielt seine Hand weiter geöffnet und die Augen geschlossen. Vorsichtig schob der Drache seine Schnauze nach vorne, Zentimeter für Zentimeter, bis er schließlich die warme Handfläche des Jungen berührte. Vorsichtig und bedacht hob der Mensch den Kopf und öffnete die Augen. Langsam strecke Hicks seine linke Hand aus und begann dem Holzklau sachte über die Nüstern zu streicheln. Der Drache gab ein zufriedenes Grummeln von sich und wirkte ein wenig enttäuscht, als der Mensch die Streicheleinheiten stoppte. „Warum hörst du auf?“, fragte der Holzklau ein wenig traurig. Hicks stand der Mund vor Erstaunen offen. Er konnte es nicht glauben, der Drache hatte ihn tatsächlich angesprochen. „Warum bist du so verwundert?“, wollte das große Reptil wissen. „Entschuldige bitte. Ich dachte immer Drachen würden nicht mit Menschen sprechen“, antwortete der Wikingerjunge, immer noch überrascht. „Warum sollte ich ein Geheimnis wahren, dass du bereits kennst? Ich beobachte dich und deinen Freund, den riesenhaften Alptraum, schon seit eurer Ankunft auf meiner Insel. Mein Name ist übrigens Timber“, erwiderte der Holzklau. „Ich heiße Hicks und mein Drachenfreund heißt Hakenzahn“, entgegnete der Mensch höflich. „Es freut mich, dich kennen zu lernen Hicks. Du bist der erste Mensch, der mich so nah an sich heranlässt“, sagte Timber und musterte sein Gegenüber neugierig mit seinen großen gelben Augen. Hicks schaute den Drachen eingehender an. Der Lange schlangenartige Körper des Holzklaus war, mit grünen und gelben Schuppen bedeckt. Seine Flügel zierte ein in sich verlaufendes grüngelbes Muster. Dem Jungen stach sofort ins Auge, dass der Drache keine Beine hatte, sondern in der Tat aussah, wie eine geflügelte Schlange. „Hicks, dürfte ich dich um einen kleinen Gefallen bitten?“, fragte Timber etwas verlegen und schüchtern, offensichtlich beschämte ihn etwas. „Du hast mir das Leben gerettet, ich weiß gar nicht, wie ich das wieder gut machen soll“, antwortete der Wikinger respektvoll. „Nur eine Kleinigkeit, mehr möchte ich nicht von dir“, sprach der Holzklau, wirkte aber immer noch sehr zurückhaltend. „Natürlich, ich tue dir jeden Gefallen, der in meiner Macht steht“, entgegnete Hicks großzügig und hilfsbereit wie immer. Timber rollte seinen Körper zusammen, breitete die Flügel ein wenig aus und präsentierte dem Jüngling seinen Rücken. „Meinst du, du könntest mir den Rücken ein wenig kratzen? Mit meinen großen Flügeln komme ich da nicht ran“, sagte Timber, dem sein kleines Handicap sehr peinlich zu sein schien. Ohne zu zögern erfüllte der Mensch den Wunsch des Drachen, der zufrieden schnurrte. „Oh, das ist gut, bitte etwas weiter links und ein klein wenig tiefer. Jaaaa, genau da“, schnurrte der Holzklau glücklich. Hicks bearbeitete den gesamten Rücken des großen Drachen, was reichlich Zeit in Anspruch nahm.  


Müde kletterte Hicks von Timbers Rücken. „Danke kleiner Freund, das war besser als Sex“, sagte der Holzklau mit einem zufriedenen Grinsen. Der Junge schüttelte bloß den Kopf. Einen solchen Spruch hätte er am ehesten von Hakenzahn erwartet. „Ich glaube, ich sollte zurück zu meinem Freund Hakenzahn gehen. Der macht sich bestimmt schon Sorgen um mich“, meinte der Junge, als er nach dem Stand der Sonne geschaut hatte. Das Himmelsgestirn stand schon tief am Horizont. Hicks blickte sich um und erkannte, dass er sich bei der Flucht vor den Wildschweinen verlaufen hatte. „Ähm Timber, das ist mir jetzt echt peinlich, aber meinst du, du könntest mich schnell zum Lager fliegen?“, fragte der Mensch verlegen. „Aber selbstverständlich kann ich das Hicks. Eine Hand wäscht die andere. So sagt ihr Menschen doch, oder?“, erwiderte der große Drache. „Ja, das ist richtig. Das ist eines unserer Sprichwörter. Es wäre nur schön, wenn sich mehr Menschen daran halten würden, dann gäbe es sicher viel weniger Ärger auf der Welt“, sprach der Junge recht philosophisch und auch etwas wehmütig. „Dann steig mal auf und halt dich gut fest“, sagte Timber und ließ den Menschen erneut auf seinen Rücken steigen. Der Holzklau setzte sich in Bewegung, doch anders, als Hicks es erwartet hatte, flog sein neuer Freund nicht durch die Luft, sondern schlängelte sich mit hoher Geschwindigkeit und fast lautlos durch das Unterholz. Äste und junge Bäume, die den Weg des Drachen blockierten, fielen seinen Schwingen zum Opfer. Der Wikinger war erstaunt. In diesem Fall hatte das Drachenhandbuch nicht gelogen. Die Flügel des Holzklau gingen durch Bäume, wie ein heißer Draht durch Butter. „Tut das nicht weh, wenn du mit deinen Flügeln so durch das Holz preschst?“, fragte Hicks verwundert und fasziniert und auch ein kleines bisschen besorgt. „Nein, ich merke es kaum, wenn ich Bäume fälle oder auch schon mal einen Stein in zweiteile“, antwortete Timber lachend und brachte lässig den nächsten Baum zu Fall. Lange dauerte der Trip durch den Wald, zum Lagerplatz nicht.


Hakenzahn wachte auf, als ihm einige dicke Äste auf den Rücken fielen. „Hicks, habe ich nicht gesagt, dass ich…..ach du Scheiße!“, fauchte der riesenhafte Alptraum verwundert, als er den Holzklau sah, der sich vor ihm zusammenrollte. „Hallo Hakenzahn“, sagte der grün/gelbe Drache freundlich. „Okay, wer bist du? Woher kennst du meinen Namen und wo ist mein Freund Hicks?“, fragte Hakenzahn sauer, als er sich wieder gefangen hatte. „Ich wünsche dir auch einen guten Abend. Mein Name ist Timber“, antwortete Timber betont höflich. „Deinen Namen hat mir Hicks verraten, der im Übrigen auf meinem Rücken sitzt“, fügte der Holzklau hinzu und ließ den Menschen absteigen. „Hicks, wo hast du dich rumgetrieben und warum hast du diesem Holzklau hier angeschleppt?“, wollte der riesenhafte Alptraum wissen. An seiner Stimmlage, war zu hören, dass er immer noch sauer auf den Jungen war. „Ich war ein wenig im Wald spazieren und habe über deine Worte nachgedacht Hakenzahn. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich Sturmpfeil liebe und mit ihr zusammen sein möchte. Völlig egal was passiert ist, oder was noch passieren wird. Dummerweise war ich so in meine Gedanken vertieft, dass ich unglücklicherweise nicht mitbekommen haben, dass sich eine Rotte Wildschweine an meine Fersen geheftet hat. Die blöden Viecher haben mich Kreuz und Quer durch den Wald gehetzt. Timber hat meine Hilferufe gehört und die Schwarzkittel verscheucht. Er hat mir das Leben gerettet“, antwortete Hicks. „Och Hicks, dich kann man auch keine 5 Minuten aus den Augen lassen, ohne dass dich irgendwer, oder irgendwas umbringen will. Aber schön, dass du zu Sturmpfeil stehst. Alles andere, hätte ich dir auch nicht verziehen“, sagte Hakenzahn ernst, musste aber dennoch grinsen. Er war froh, dass dem Jungen nichts passiert war. Er wandte sich an Timber und sprach: „Danke, dass du Hicks beschützt und hier her zurückgebracht hast. Er kann zwar manchmal eine echte Nervensäge sein, aber er ist ein guter Kerl und hat das Herz am rechten Flecken.“ „Da nicht für Hakenzahn. Es war schön für mich jemanden zu treffen, der nicht direkt verschwindet. Ich bin zwar eigentlich ein Einzelgänger, aber ich bin hier auch sehr einsam“, erwiderte der Holzklau ein wenig melancholisch. „Wir fliegen doch sicher nicht vor morgen früh zurück, oder Hakenzahn?“, fragte Hicks. „Nein, wir werden frühestens zur Tagesmitte den Rückflug antreten. Dann müsste Sturmpfeils Hitze soweit abgeklungen sein, dass keine Gefahr mehr besteht“, antwortete der riesenhafte Alptraum. Timber spitzte aufmerksam die Ohren. Hielt sich aber mit einem Kommentar zurück.  Der Junge wandte sich an Timber und sprach: „Wenn du möchtest, bist du herzlich eingeladen, hier bei uns im Lager zu bleiben:“ „Wirklich?“, entgegnete der Holzklau ein wenig verunsichert. „Ja, das ist mein Ernst. Du hast mir heute schon Zwei Mal geholfen, da ist es das Mindeste was ich dir anbieten kann“, erwiderte der Wikinger zuvorkommend wie immer. „Das….das ist wirklich nett von euch. Vielen Dank“, sagte Timber und rieb seine Schnauze dankbar an Hicks, bevor er sich Hakenzahn näherte. „Wage es dich ja nicht….“, setzte der riesenhafte Alptraum an, doch es war zu spät. Timber rieb bereits seine Schnauze an Hakenzahn. „Warum ich?“, fragte sich der Drache in Gedanken.  


Hicks musste lachen, als er sah, dass Hakenzahn das Gesicht verzog. „Jetzt stell dich doch nicht so an Haki. Sei doch froh darüber, dass dich jemand so mag, wie du bist“, sagte der Junge amüsiert und musste sich einige Lachtränen wegwischen. „Halt deine dumme Klappe du blödes Arschloch“, erwiderte der riesenhafte Alptraum, doch er ließ sich vom Lachen seines Freundes anstecken. Timber schaute etwas verloren drein, lächelte aber höflich. „Darf ich fragen, was so lustig ist und warum Hakenzahn dich Arschloch genannt hat?“, fragte der Holzklau zurückhaltend, da er die Situation nicht einschätzen konnte. „Oh, ganz einfach Timber. Hakenzahn mag es eigentlich gar nicht, wenn ihm jemand zu nahekommt und seine Reaktion auf deine Geste, war einfach zu komisch“, antwortete der Wikinger und fing wieder an zu prusten. „Soll das heißen, dass ich Hakenzahn beleidigt oder verletzt habe?“, fragte Timber nervös und unsicher. „Nein alles in Ordnung Timber“, erwiderte Hakenzahn und rieb nun seinerseits die Schnauze an dem anderen Drachen, was den Holzklau deutlich beruhigte. „Darf ich dich etwas fragen Hicks?“, fragte Timber vorsichtig. „Du darfst mich fragen was du möchtest, vielleicht gebe ich dir sogar eine Antwort“, scherzte der Junge grinsend. „Wer ist Sturmpfeil?“, wollte der große, grün/gelbe Drache wissen. Hicks entwich das Grinsen aus dem Gesicht und er wirkte ernst und auch ein wenig traurig. „Habe ich etwas Falsches gesagt?“, wandte sich Timber an Hakenzahn. „Sturmpfeil ist gerade ein etwas heikles Thema für Hicks. Es gab da einen kleinen Zwischenfall, nur deswegen sind wir überhaupt hier“, antwortete der riesenhafte Alptraum. „Mist, ich und meine große Klappe“, entgegnete der Holzklau niedergeschlagen. „Mach dir da bitte keinen Kopf Timber. Das konntest du doch nicht wissen. Aber ich werde dir gerne deine Frage beantworten. Sturmpfeil ist Gefährtin von Hicks, also sozusagen, aber bei den Beiden hängt der Haussegen im Moment ein wenig schief, aber das renkt sich bestimmt wieder ein. Aber im Moment ist es halt ein bisschen viel für meinen kleinen Freund“, erklärte Hakenzahn freundlich und ruhig. „Oh, verstehe“, erwiderte Timber und schlängelte sich zu dem Jungen. Tröstend rieb der Holzklau seine Schnauze an dem Wikinger und sprach einfühlsam: „Mach dir keine Sorgen Hicks. Wenn Sturmpfeil dich wirklich liebt, werdet ihr einen Weg finden.“ „Danke Timber, du bist ein echter Freund“, erwiderte Hicks, nachdem er sich etwas gesammelt hatte. Hakenzahn beobachtete die Szene mit einem milden Lächeln.


Bis zum Sonnenuntergang unterhielten sich Hicks, Hakenzahn und Timber angeregt miteinander. „Hicks, du solltest unserem neuen Freund zeigen, wie gut gegarter Fisch schmeckt“, forderte der riesenhafte Alptraum mit einem Mal. „Das sagst du doch jetzt nicht ohne Eigennutz“, erwiderte der Mensch grinsend. „Wie kommst du denn jetzt darauf?“, fragte Hakenzahn mit einem nervösen Lachen. Sein Magengrummeln verriet ihn, was den Jüngling zum Lachen brachte. „Also gut, ich werde versuchen noch ein paar Fische für euch zu fangen“ antwortete Hicks und nahm seinen provisorischen Speer. „Warte, ich komme mit“, schaltete sich Timber ein und folgte seinem neuen Freund zum Bach. Der Holzklau öffnete sein Maul ein Stück und erzeugte eine schwache Flamme, die ein wenig Licht spendete. Die freundliche Geste des grün/gelben Drachen, erleichterte dem Wikinger den Fischfang immens, dass die Fische vom Drachenfeuer angelockt wurden. Schnell hatte der Junge eine recht stattliche Zahl an Fischen aus dem Wasser geholt. Gemeinsam mit Timber machte sich Hicks auf den Rückweg zum Lagerplatz, wo Hakenzahn die Feuerstelle bereits vergrößert hatte. Wie schon am frühen Mittag, nahm der Mensch die Fische aus und warf die Innereien den Drachen abwechselnd in den Schlund, bevor er die Fische auf Stöcke spießte und über dem Feuer briet. „Und diese heiß gemachten Fische sollen wirklich schmecken?“, fragte Timber skeptisch. „Vertrau mir, wenn du den gebratenen Fisch einmal probiert hast, willst du nichts anderes mehr, es sei denn, es steht gewürzter Fisch zur Auswahl“, antwortete Hakenzahn und pflückte sich den ersten Fisch von einem der Stöcke. Der Holzklau war immer noch skeptisch und probierte äußerst vorsichtig. Die Augen des Drachen weiteten sich, als seine Mahlzeit über die Zunge glitt. Es war, als würde ihm eine Offenbarung zu Teil werden. Kurz darauf waren alle Fische vertilgt. „Das habe ich wirklich nicht erwartet, dass dieser heiße Fisch so gut schmecken wird“, gestand Timber freudig. „Ich habe es dir doch gesagt“, meinte der riesenhafte Alptraum und gähnte ausgiebig. „Wir sollten versuchen etwas zu schlafen“, fügte er hinzu und hielt einen Flügel etwas geöffnet. Hicks nahm die Einladung danken an und legte sich an die Seite des großen Drachen, der sofort seinen Flügel senkte und den Wikinger damit zudeckte. „Gute Nacht Freunde“, sagte Timber und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Vorsichtig legte er seine mächtigen Flügel, wie ein großes Zelt, um Hakenzahn. Der riesenhafte Alptraum hob noch einmal den Kopf und schaute den Holzklau fragend an. „Es wird heute Nacht bestimmt regnen. So seid ihr davor geschützt“, erklärte Timber freundlich, der den Kopf zwischen seinen Flügel genommen hatte. „Ich verstehe, vielen Dank“, erwiderte Hakenzahn und legte sich wieder zur Ruhe. Auch der Holzklau schloss die Augen und dankte dem ewigen Drachen für seine neuen Freunde.


Hicks erwachte früh am nächsten Morgen, durch Hakenzahns Atem. Der riesenhafte Alptraum hatte seinen Kopf etwas ungünstig unter seinen Flügel geschoben und den Jungen dadurch geweckt. Der Wikinger grinste fies und kitzelte den Drachen an der Nase, wodurch dieser niesen musste und, leicht gereizt aufwachte. Leider ging der Scherz etwas nach hinten los, da Hicks durch den Nieser, eine große Ladung Rotz ins Gesicht bekommen hatte, was nun Hakenzahn zum Lachen brachte. „Guten Morgen Hicks. Kleine Sünden bestraft der ewige Drache zuerst“, frotzelte der Alptraum prustend. „Ich habe dich auch lieb, du Ekel“, erwiderte der Mensch angewidert. Wirklich beschweren konnte sich Hicks allerdings nicht, da er an der Situation selbst schuld war. „Guten Morgen“, sagte Timber verschlafen und öffnete seine Flügel, um sich ausgiebig zu strecken. Der Junge begab sich an den Bach, um sich den Drachenrotz aus dem Gesicht zu waschen. „Hey Hicks, wenn du schon am Bach bist, kannst du auch direkt ein paar Fische fürs Frühstück mitbringen“, rief Hakenzahn, vom Lagerplatz aus. „Du kannst mich mal gerne haben!“, rief der Mensch zurück, musste aber selbst schmunzeln. Timber gesellte sich zu dem Jungen an den Bach und legte den Speer neben ihn. Sofort begann der Wikinger mit dem Fischfang. Der Holzklau schaute interessiert zu. Er war fasziniert davon, wie Menschen, ihre Schwächen durch Einfallsreichtum ausgleichen konnten. Wie am Abend zuvor, bereitete Hicks die Fische für seine Drachenfreund und sich selbst zu. Timber konnte immer noch nicht fassen, wie gut gebratener Fisch schmeckte. Gegen Mittag kam die Zeit des Abschieds. Der Mensch hatte Hakenzahns Wunden noch einmal versorgt und gefragt, ob er auch fit genug für den Rückflug wäre, was der riesenhafte Alptraum bejaht hatte. „Da heißt es wohl jetzt auf Wiedersehen“, sagte Timber traurig. „Ich fürchte ja Timber, aber wir kommen dich bald wieder besuchen, versprochen“, antwortete Hicks. Hakenzahn rieb zum Abschied seine Schnauze an dem Holzklau und bedankte sich noch einmal, bevor er seinen menschlichen Freund aufsteigen ließ und sich in die Lüfte erhob. Timber schaute seinen Freunden eine Weile nach und sah, dass der riesenhafte Alptraum alles andere als rund flog. Besonders der rechte Flügel schien ihm Probleme zu machen, was der grün/gelbe Drache auf die Verletzung am Bein zurückführte. Er dachte nicht lange nach und schwang sich in die Luft, um seinen neuen Freunden zu folgen. „Hallo ihr Beiden“, rief Timber, als er zu Hakenzahn aufgeschlossen hatte. „Ich werde verrückt, was machst du denn hier?“, fragte der große rote Drache verwirrt. „Ich dachte mir, dass ich euch besser begleite. Nur für den Fall, dass dir die Kraft ausgeht. Deine Verletzung scheint sich auch auf deine Flügel auszuwirken. Dein Flügelschlag ist alles andere als sauber“, erklärte der Holzklau sachlich nüchtern und machte keine Anstalten von Hakenzahns Seite zu weichen. Über den ganzen Rückflug hinweg unterhielten sich Hicks, Hakenzahn und Timber angeregt. Der Holzklau fragte die Beiden munter über Berk aus und bekam alle seine Fragen beantwortet.


Am frühen Abend erreichten Hicks, Hakenzahn und Timber Berk. Direkt nach der Ladung, begann der Junge vor Nervosität zu zittern. Schon auf dem letzten Stück des Weges, war der Junge verdächtig still, was den Holzklau besorgte. „Ist alles okay bei dir?“, fragte Timber vorsichtig. „Nicht wirklich, ich habe jetzt ein Gespräch vor mir, dessen Ausgang mir Unbehagen bereitet“, antwortete der Jüngling wahrheitsgemäß. „Es wird schon alles gut werden zwischen dir und Sturmpfeil“, sagte der Holzklau aufbauend und wollte sich wieder in die Luft erheben. „Komm doch mit in die Höhle, dann stellen wir dich den anderen vor. Unser Anführer Ohnezahn wird dir sicher persönlich danken wollen“, sprach Hakenzahn. „Ach, das ist doch nicht nötig. Ich möchte keinem zur Last fallen oder auf die Nerven gehen“, entgegnete der grün/gelbe Drache nervös. „Ach was, komm mit rein, der Rest der Truppe wird sich freuen deine Bekanntschaft zu machen“, erwiderte der riesenhafte Alptraum. Timber zierte sich noch ein wenig, aber ließ sich schlussendlich, doch überzeugen. In der Haupthöhle bot sich den Dreien ein etwas trauriges Bild. Fleischklops schimpfte leise vor sich hin. Von Kotz und Würg fehlte mal wieder jede Spur und am Feuer saßen Ohnezahn und Sturmpfeil in ihrer humanoiden Gestalt. Beide Drachen sahen reichlich ramponiert aus. Der Nachtschatten witterte die Neuankömmlinge als erster und stieß die Nadderdame sanft an. Sie schaute zu Hicks und Hakenzahn, bekam aber einen gehörigen Schreck, als sie Timber sah, der sich vor Verlegenheit ganz klein machte. Langsam und vorsichtig näherte sich die Drachendame dem Jungen. „Hicks, geht….geht es dir gut?“, fragte sie zitterig. „Ja, ja ich glaube schon“, antwortete der Gefragte unbeholfen. Es entstand ein unangenehmes Schweigen. „Hicks, ich…..es…….verzeih mir“, stammelte Sturmpfeil und wollte weinend die Flucht ergreifen. Ein Schwanzschlag von Hakenzahn beförderte sie mehr als unsanft auf den Boden. „Du bleibst hier!“, fauchte er das Nadderweibchen wütend an. „Ich kann nicht. Ich kann nicht. Er wird sich von mir abwenden. Er wird mich hassen“, weinte Sturmpfeil bitterlich. Hicks spürte einen tiefen Schmerz im Herzen, als er die Worte seiner geliebten Sturmpfeil hörte. Er ging zu der am Boden liegenden Drachendame und hielt ihr die Hand hin, um ihr aufzuhelfen. „Wir müssen reden Sturmpfeil“, sagte Hicks unsicher und leicht verängstigt.      

         
Ich hoffe das Kapitel hat euch gefallen.
Über ein Review von euch würde ich mich riesig freuen.

Bis zum nächste Mal

Euer Fuchs
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