Resurrection

GeschichteAbenteuer, Drama / P16 Slash
Lan Zhan OC (own charakter) Wei Ying
28.01.2020
16.09.2020
6
15.032
3
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
16.09.2020 2.438
 
Wie spät es war, konnte Wei WuXian nicht ausmachen, jedoch war es ein lauter Knall, der ihn weckte.

Er schreckte hoch. In den ersten Sekunden war er verwirrt, wusste nicht mehr wo er war, ehe sich der junge Mann im Klaren wurde, dass er wieder geboren wurde. Er streckte sich und sah vor sich aufgebaut die rothaatige Frau, die ihn hier beherbergte.
„Liu!“ keifte sie befehlend. „Komm mit“
Es war nichts neues, dass Wei WuXian grade morgens nicht in die Gänge kam, und so hatte er auch jetzt kurzzeitig vergessen, was überhaupt Sache war. Der Knall schien von der Fernkampfwaffe der Frau gekommen zusein. Eine Art neumodische Armbrust, sie nennen es Pistole.

Er nörgelte ein wenig rum, versuchte seine verknoteten Haare zu richten. „Keine Zeit zum Jammern. Es ist bereits Mittag und wir haben eine wichtige Besprechung. Der Plan muss geändert werden“
Sie hatte hier das Sagen und dem musste er sich beugen. Heute war der Tag, an dem sie den Angriff in der Zentrale planten. Der Tag, an dem Wei WuXian seine wahren Mächte nach all den Jahren wieder zum Einsatz bringen wollte.

„Wir haben Besuch“ erklärte Emma, als Sie in den Gemeinschaftskeller kamen. Begeistert waren sie nicht, als der noch immer halb verschlafene junge Mann eintrat, dessen Körper Wei WuXian an sich genommen hatte. „Sieh mal einer an, Liu, verpeilt wie immer“ hörte er eine kratzige Jungenstimme. Der Neuankömmling sah genauso extra vagant aus wie der Rest der Truppe, hatte einen kahlrasierten Kopf mit ziemlich aggressiver Bemalung. Und einige Narben am Körper. Ansonsten sah er sehr bullig aus.
Wei WuXian beäugte ihn fragend. War er ein Kumpel von Liu? „….Hi“ sagte er nur verschmitzt lächelnd. „Keine Zeit für Späße. Claw ist nicht freiwillig hier...“ warf Emma ein und forderte ihr Anhängsel auf, sich hinzusetzen.

Der stämmige Junge offenbarte sich als Claw, der sich damals bei dem zerstörerischen Überfall als Geisel mitnehmen lassen hatte. Er sollte alles aufdecken, was die Rebellengruppe geplant hatte, in Wahrheit ist er mitgegangen, um die wahren Motive der Regierung aufzudecken. Offensichtlich forderte dies einige Opfer.
Wei WuXian erfuhr, dass er neben Emma einer der wenigen Kumpel von Liu war. Er kratzte sich etwas verspielt am Kopf. „Ja, ich weiß“ sagte er leise, etwas verlegen. „Entschuldige, mein Gedächtnis hat leider auch etwas gelitten“ er versuchte, die seltsame Stimmung ein bisschen zu erhellen, was nicht so recht klappte. Claw schluckte, seufzte, schien selbst einiges an Unbehagen in sich zu tragen. Wei WuXian ahnte, herumblödeln half hier nicht weiter.
„Ok Claw, es tut mir leid ja? Ich habe die ganzen Monate auch viel auf mich genommen, wie du siehst, um aus meiner dunklen Kunst eine Waffe zu machen. Das forderte genauso Opfer“ murmelte er mit etwas überspitzt zerknirschtem Gesicht. „Schon gut. Es gibt eh viel wichtigeres zu bereden. Ihr solltet weiterziehen, und zwar bald. Es tut mir leid, dass ich euren Angriffsplan zunichte mache. Aber der Feind ruht nicht und ich habe eine furchtbare Entdeckung gemacht.“

Claw holte eine Art Kapsel hervor, mit einer Flüssigkeit. Ohs und Ahs ertönten. Fist kicherte kratzig. „Das ist das Zeug, was sie mir verabreicht haben. Es ist ne Droge, die dein Gedächtnis zerstört und deine Gliedmaßen lahmlegt. Ich weiß nur noch minimal etwas. Das wollte ich euch sagen. Und dann ist‘s höchste Zeit“ grunzte er.
Die Gestalten im Raum verstummten. Wei WuXian wirkte besonders Ohr. Jetzt könnte es spannend werden.
„Sie… sie praktizieren… grausame Praktiken.“ Er hielt sich an den Kopf, kratzte sich, als würden ihn viele Schmerzen plagen. „Es… ist kein Zufall, dass Menschen an seltsamen Krankheiten sterben..und nicht… geheilt werden…“
Er sah auf, in seinen Augen ein gefährliches Funkeln der absolut nichts gutes verheißen sollte. „Die Krankenhäuser… sind eine Farce. Sie sind nur da, um starke von schwachen zu unterscheiden. Nur dazu da, um aus… zu sortieren…“ krächzte er.

Emmas Mund verzog sich in Richtung eines Knurrens. Im Grunde erwartete sie kaum etwas anderes von dieser ach so heilen Gesellschaft, aber es wurmte sie über die Maße und Wei WuXian konnte das wirklich nachfühlen.
Die Gesellschaft hatte sich auch über die Jahrhunderte kaum verändert. Er dachte zurück an den grausamen Wen Clan, dessen kränkliche und schwache Mitglieder auch einfach abgeschoben wurden, wie Vieh behandelt wurden und später auch als Geiseln des Jin Clans herhalten mussten.
Es gab keine Kultiviererclans mehr, dass hatte er begriffen – aber jene völlig vom Gerechten abwertende, korrupte Gesellschaft, in der die Reichen die Macht an sich hatten und alles auf solch perfide Weise unterwerfen konnten – das gab es noch immer und gehörte mittlerweile zum Alltag.
Und es brachte auch in Wei WuXians Eingeweide die Wut, sodass seine Faust ein bisschen vibrierte.

Spike und Fist und die anderen konnten nicht mehr still bleiben. Sie pöbelten. „Diese Drecksscheine! Die machen wir alle“ Emma hielt die beiden fest, auch wenn es nicht einfach war. „Sie sind der einzige absolute Abschaum. Unglaublich was aus der Menschheit geworden ist! Claw… du bist tapfer. Vielmehr musst du uns nicht sagen. Sie benutzen die Kranken für irgendwelche abgedrehten Tests mit Medikamenten… vermute ich das richtig?“ schoss es aus Emma heraus. Sie war eine Frau der direkten Worte und sagte frei das, was sie alle dachten. Claw hielt sich den Schädel, sackte zusammen. Dieses seltsame Gift, mit welchem er behaftet wurde, schien immer mehr zu wirken.
Er sollte auch einer von ihnen, den Opfern sein, nachdem sie wohl von seiner Spionage erfuhren und wollten ihn lahmlegen. So zählte Wei WuXian eins und eins zusammen.

„Lasst ihn. Wir müssen hier weg“ sprach er beinahe im Befehlston. Emma sah auf. Fist wollte ihn wieder einmal anschreien und auch die anderen Jungen gifteten ihn mit ‚Krüppel‘ und ‚Freak‘ an, und dass er doch die Klappe zu halten habe.
Da war er wieder, der Drang zu kichern. Diese geistig zurückgeblienenen Menschen zu bemitleiden. Aber Wei WuXian wusste genauso, dass diese jungen Männer es vermutlich auch gar nicht anders kannten. Sie waren vielleicht nicht mit viel Intelligenz gesegnet, aber sie konnten genauso wenig für die Umstände.
Dennoch konnten seine Pläne und auch die von Emma, die ihm zugegebenermaßen auch irgendwo langsam ans Herz wuchs – nicht wegen undurchdachter Handlungen zerstört werden.

Er sagte nichts, verklemmte sich den Drang zu kichern, lächelte finster zu Emma, versuchte ihr mit Blicken seine Gedanken zu zu steuern, denn auf die schlagfertige Leaderin hörten sie.
„Er hat Recht, es ist hier nicht sicher. Claw hat die Insiderinformationen, die wir von ihm wollten. Jetzt müssen wir ihn schützen und angreifen, bevor sie es tun!“
Sie hatte was im Kopf, was Wei WuXian sehr gefiel. Damit konnte er arbeiten.

Bevor er allerdings das Weite zog, hielt er hinter den anderen bei Claw an. Legte eine Hand auf seine Schulter. Flüsterte ihm etwas ins Ohr.
„Bleib hier. Ich werde diesen Raum schützen~“ Es war nicht verwerflich, dass er, wenn er seine Rolle gerecht werden sollte, behelfen wollte. Claw sah ihn leicht verdutzt an. Er schien selbst mit den Folgen dieses Fluchs, mit dem er belegt worden schien, zu kämpfen, brachte so grade noch ein „Da...Danke“ hervor.
Als der Trupp den Kellerraum verließ, lief Wei WuXian demnach ein bisschen abseits, machte eine Handbewegung, erschuf damit unsichtbare Mauer aus dunkler spiritueller Energie, die man nicht sehen konnte, wenn man selbst keinerlei kultivierenden Künste praktizierte. Wenn unbefugte Eindringliche sich näherten, wurden sie zurückgedrängt und bei Gewaltanwendung rückten dunkle Energien zur Stelle, unruhige Seelen und rastlose Geister, von denen gab es hier in der Gegend genug.
Und die meisten Menschen würden nur verrückt durch derartigen Grusel, niemand von ihnen würde einen dämonischen Kultivierer erwarten.

Nun sollte sich Wei WuXian auf die wahre Mission konzentrieren. Sie gingen einen Weg durch ein Feld, in Richtung eines Waldes, etwas fernab von der Zivilisation. Es raschelte, die Luft wirkte dicht, verqualmt. Emma verlautbarte, dass sie sich dem Industriegebiet näherten, durch einen Kerker unter der Erde mussten, um einzudringen.
Sie als die Anführerin ging vor, versuchte, die maulenden Jungs um sie herum zu bändigen. Wei WuXian hinter ihnen konzentrierte sich auf die Energien, und die Stimmen der Seelen, die er hier und dort vernahm. Emma berichtete außerdem von der aufkommenden Hysterie der Stadtbewohner, dass es Vorfälle mit Wesen aus dem Jenseits gegeben haben soll – Wei WuXian verstand und fühlte sich dafür mitverantwortlich. Ein Chaos, was wunderbar ablenken konnte, weswegen er dies mit einem leichten Kichern abtat.
Spike vor ihm seufzte nur. „Du irrer Magie-Heini findest das lustig, was? Ich hab mich letztens in die Hose geschissen!“ Wei WuXian lachte noch mehr. Immerhin hatte er mit diesen dümmlichen Typen sein Comedy-Programm sicher.

Sie streiften durch die Natur, hier und da mal ein brummendes oder schrilles Geräusch von den technischen Anlagen in der Nähe, bis sie schließlich ein verstecktes Loch in der Erde fanden. Auf der Karte der Punkt, auf dem sie hinabsteigen mussten.

Es ging herab in einen sehr dunklen Gang, alles wirkte alt, vermodert, gruselig und als Wei WuXian herunterschwebte, konnte er deutlich die Schreie hören. Kinder, Frauen, alle Altersklassen, keiner der anderen nahm dies war – rastlose Seelen, die hier ihr jähes Ende in ihren Körpern fanden.

Emma lief voran, sie war sehr gefasst, die Männer hinter ihr schienen teilweise mit allen Mühen ihre Ängste herunter zu schlucken, und Wei WuXian weiter hinten bekam das gar nicht so richtig mit, denn die Stimmen der Seelen gaben einfach keine Ruhe. Die Schreie, die entsetzlichen Hilferufe. Es tat weh und brannte in seinem inneren. Instinktiv bahnten sie sich einen Weg durch diese sehr feuchte, dunkle und enge Gasse. Emma stoppte immer wieder zwischendurch, wenn sich der Weg gabelte, um auf der Karte nach dem richtigen Weg durch das Labyrinth zu suchen.
„Es würde mich kaum wundern, wenn sie uns schon entdeckt hätten und uns in die Irre führen wollen“ schnaufte sie, Spike klebte an ihr und bibberte ein wenig. Wei WuXian hinter ihnen achtete auch die Lautstärke der Stimmen, versuchte sie zu verstehen. Es war wirr und verzerrt, aber er spürte die konzentrierte Energie.
„Wir.. wir finden den richtigen Weg, wenn wir auf die Seelen hören“ warf Wei WuXian ein, als sie schon einige Male um die Ecke gebogen waren, sich in Spinnennetzen verhedderten, Insekten zertraten und Fist zwischendurch rummaulte, weil sein Magen der Meinung war, nun etwas zu futtern bekommen zu müssen.
Die anderen sahen ihn nicht grade glaubwürdig an. Es war nichts neues. Diese Menschen waren einfach absolut verdroschen. „Ich kann ihre Stimmen hören, und das wisst ihr beide ganz genau“ erklärte der dämonische Kultivierer mit einem vielsagenden Blick herüber zu den beiden vorne stehenden Emma und Spike. „Es muss hier irgendwo noch weiter in den Keller geben, in der sie gefoltert und gestorben sind. Das kann ich den Gefühlen entnehmen, sie müssen noch mehr Informationen für uns haben“
Wei WuXian könnte mit Sicherheit mit geeignetem Flötenspiel ihre Leichen auferstehen lassen und offensiv zu einem Angriff übergehen, doch das fühlte sich für ihn zu einfach an. Zu offensichtlich.

„Du Freak. Wir haben keine Zeit für deinen Bullshit!“ grunzte Fist, seine Innereien rumorten und seine Wut war sichtlich spürbar. Wei WuXian selbst hatte bemerkt, dass ein auffallend kühler Windhauch von der Seite an ihn drang und von dort auch eine Stimme besonders schrill wütete. Er vermutete in der Nähe dieser Dunkelheit einen weiteren, auf der Karte nicht eingezeichneten Gang. Er grinste Fist an, in dem Wissen, dass dieser ihn nur schwer erkennen konnte machte er sich durch ein auffallendes Straucheln bemerkbar.
Bevor Emma ihn aufhalten konnte, schlug der wilde, bullige junge Mann hinter ihr in Wei WuXians Richtung, der den Faustschlag erahnte und kalkuliert hatte. Elegant sprang der Mann in den schwarzen Lederroben zur Seite, sodass Fist an ihm vorbeiflog und entgegen dessen Erwartung kein Loch in die Steinwand schlug, was ein kurzes Schnappen der anderen verursachte.
Nein, neben ihnen tat sich nun, durch den Schatten erkennbar und der veränderten Luft, ein neuer Weg auf. Einer, der noch weiter runter führte, der durch die Erde und Steine schon halb verwachsen war. Auch die Stimmen waren klarer in Wei WuXians Ohren.
„Ich wusste es. Hier links von mir war es besonders stark zu vernehmen“ berichtete Wei WuXian altklug, brachte alle Anwesenden zum Grunzen. Sie konnten von Glück reden, dass die Kellergänge  stabil gebaut waren und nicht einstürzten durch die Aktion. „Freches Miststück. Alter. Hab ich mich erschreckt!!“ beschwerte sich Fist, ehe Emma ihn mit einem ernsten Blick und den Worten: „Noch ein Fehltritt und ich werf dich den Schnöseln zum Fraß vor!“ belehrte.

Daraufhin warf sie, auch in der Dunkelheit gut zu erahnenden, denkwürdigen Blick zu Wei WuXian rüber, der mit der Lautstärke der grellen Stimmen kämpfte. Und noch immer konnte er sie nicht wirklicht verstehen.

Sie stiegen eine weitere Treppe hinab, voller Modder und Dreck. An jeder Ecke könnte Fallen lauern, dass wusste auch die rothaarige Anführerin genau, weswegen sie verdammt vorsichtig vorging. Mit ihrem Feuerwerkzeug in der Hand machte sie den Weg erkenntlich, ehe sie ohne weitere Falle in einen größeren Raum kamen, der bis dato lauteste Raum von allen.

Hier roch es verwest, alt, und an den Steinmauern, die richtig alt aussahen, war Blut. Menschliches Blut. Und das nicht einfach nur in wilden Spritzern verteilt. „Schaut mal“ rief Emma, schluckte ihren Ekel runter, zeigte mit dem schwachen Licht an die Wände.
„Das doch ne Sackgasse, wo hat der Idiot uns da hingeführt? Hier stinkts noch viel schlimmer als oben!“ reklamierten die Jungs erneut. „Ja ich hab Hunger Mann. Ich kotz gleich wenn ich noch länger hier bin!“ brüllte sein Nebenmann.

„Still! Das hier könnte wichtig sein“ Wei WuXian, der immer noch versuchte, die Stimmen in seinem Kopf zu sortieren und dabei ein seltsam vertrautes Gefühl in der Brust hatte, versuchte, die Schrift an der Wand zu entziffern.

Mühselig lasen sie sich das verzweifelte Blutgeschmiere durch.

Seit Jahrtausenden werden wir verschandelt, gefoltert und ausgerottet!

Seit jeher ein Leichenberg!

Eines Tages in vielen Epochen, wird er wiederkommen und uns alle rächen!

Die untersten Zeilen ließen Wei WuXians Eingeweide vor Schock erfrieren.

Yiling Laozu Wei WuXian! Herr der Unterwelt! Kehr zurück und räche uns!

Emma stockte kurz ebenfalls der Atem, doch es war nichts gegen das entrüstete Gefühl im Inneren des dunklen Kultivierers. Damit war die Frage, ob er selbst überhaupt noch in irgendeiner Form bekannt war, wohl beantwortet. Er atmete schwer, denn das schwere vertraute Gefühl in der Brust wurde nur stärker.
„...W… dieser Wei WuXian… von dem hast du doch auch ziemlich oft gesprochen damals, Liu. Ich bin erstaunt, wie viel von deinen Geschichten zu stimmen scheinen. Es hat ihn also wirklich mal gegeben und die Leute haben ihn als dunklen Herrscher verehrt“

Die sprach mehr zu sich selbst, während Spike merklich die Knie schlotterten.

Wei WuXian musste, wie so oft, einfach plötzlich kichern. Wenn sie alle wüssten, wie leibhaftig besagter dunkler Kultivierer hier unter ihnen weilte.
Review schreiben