Resurrection

GeschichteAbenteuer, Drama / P16 Slash
Lan Zhan OC (own charakter) Wei Ying
28.01.2020
16.09.2020
6
15.032
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28.01.2020 1.160
 
Eine jähe Kälte durchzog seinen Geist. Nässe klebte an seinen Beinen und Gliedmaßen, der Wind pfiff wie verrückt. Es war, als hätte jemand wie aus dem Nichts einem alten Knochen aus längst vergangenen Zeiten mit einem Schlag Leben eingehaucht.

Als hätte man ein seit Urzeiten eingefrorenes Lebewesen aufgetaut.

Als hätte man ein altes Relikt ausgegraben.

Der junge Mann, der hier in dieser spärlich eingerichteten, alten Hütte lag, brauchte einige Minuten, um sich überhaupt zu bewegen, die Augen mühsam zu öffnen.

Er fühlte sich unglaublich seltsam, als er langsam nach oben blickte. Viel war nicht zu sehen, es war dunkel, draußen regnerisch und wolkenverhangen. Er sah nur generell verschwommen, hatte das Gefühl, seinen gesamten Körper kaum zu spüren. Ungelenk richtete er seinen Oberkörper auf. Auf dem Holztisch erkannte er mehrere Kerzen, alle entweder umgestoßen oder ausgeblasen.

„Was… wo bin ich gelandet…?“

Mit einem heftigen Zwinkern, der die Kopfschmerzen nur verschlimmerte, erkannte er einige Blutmuster am Boden, außerdem waren im ganzen Raum Papierzettel angebracht, manche von Ihnen flogen bei dem Wind halb aus den zersplitterten Fenstern.

Jene ‚Papierzettel‘ gaben ihm letztendlich einen kleinen Moment der Beruhigung.

‚Wei WuXian‘ hallte es in seinen Gedanken, als würde ihn noch immer jemand rufen. Wei WuXian verstand, und wollte sich im gleichen Moment seufzend an den Kopf fassen.
Es war wieder passiert.

Wieder einmal schien er von den Toten auferstanden zu sein. Wieder schien ihm jemand seinen Körper geopfert zu haben und ihn wieder zurückgeholt zu haben. Anders sind die beschwörerischen Papiere, all das Blut, die Waffen, diese ganze Zerstörung in diesem Raum nicht zu erklären. Wei WuXian schaute an sich herab, und erkannte zum einen tiefe Einschnitte in seinem linken Arm, aber nicht nur da. Auch an seinem rechten Arm waren Sie zu sehen.

„Ich sehe schon, hier wünscht wieder einmal eine gepeinigte Seele Rache… hatte gehofft, es passiert mal was Neues“ murmelte er fast etwas enttäuscht zu sich selbst. Er schaffte es mühsam, aufzustehen, auch wenn er immer noch leicht schwankte. Sein Körper war sehr dünn, ungewohnt abgemagert, und auch nicht allzu durchtrainiert. Wei WuXian seufzte. In einem solchen Körper würde es mit Sicherheit kein Leichtes, sich vernünfitg zu rächen, oder seinen eigens kreierten Mächten stand zu halten.
Die chinesischen Kritzeleien auf den Papierzetteln kamen ihm äußerst akkurat vor, sie waren mit Blut geschrieben und enthielten Schriftstücke und Zeichen, die auf einen dunklen Zauber hindeuteten. Der Geopferte schien wirklich alles daran gesetzt zu haben, Wei WuXian zurückzuholen.

Er hüstelte und wunderte sich dann über die seltsame Kleidung an seinem Körper. Zerfetztes Leder, fester Stoff an den Beinen, der lediglich mit ein bisschen Schmutz und Blutflecken versehen war. Seltsam Silber glitzernes Metall an manchen Stellen waren angebracht und fühlten sich ungelenk an. ‚Scheint aus einem reichen Clan zu kommen, der Kerl. Viel zu teures Material für einfache Kleidung‘ dachte Wei WuXian schmunzelnd. Er fand nicht weit von der Beschwörungsstelle ein aufgeschlagenes, sichtlich altes Buch.
In diesem Buch, welches ein seltsam vertrautes Gefühl in Wei WuXians Brust aufflammen ließ, lag ein weißer Zettel, wesentlich neuer als die Seiten in dem Buch. Dies musste der Geopferte kurz vor dem Beschwörungsritual geschrieben haben!

Falls du dies lesen solltest, und nicht weißt, in wessen Körper du dich befindest, hat mein Ritual tatsächlich funkioniert.

Wei WuXian,

ich heiße Liu ChangMeng. Mein Leben ist die reinste Hölle, aber ich denke, da brauche ich dir nichts zu erzählen, du hast die Hölle selber gesehen.
Dies hast du eigens in diesem Buch niedergeschrieben. Ich habe immer daran geglaubt, das dunkle Magie existiert, ich habe immer daran festgehalten, dass Geister und Seelen existieren und auch immer gespürt, dass es die sagenumwobenen Kultivierer-Clans wirklich gegeben hat.
Vorallem aber hat mich deine Geschichte in dem Buch berührt. Ich habe vieles ertragen und vieles geopfert, um dich wieder zurück zu holen. Es kostete mich Jahre.

Wei WuXian, der Gründer der dämonischen Kultivierung, ich brauche dich. Ich ersuche dich.

Es herrscht eine Diktatur.

Diese Menschen, sie nahmen mir alles. Weil ich anders bin, weil ich mich nicht an weltlichen Dingen wie Geld und Ruhm richtete, weil ich kein vollwertiger Chinese bin. Weil ich durch Nachforschung herausgefunden habe, dass es in ihren Reihen jemanden gibt, der deine Kräfte und dein Wissen missbrauchen möchte.

Aber ich selbst bin zu schwach, meine magischen Kräfte sind im Gegensatz zu deinen ein unbedeutender Windhauch. Ich bin müde von alledem, meinem schwachen Körper, meinem geschundenen Geist.

Wei WuXian, du befindest dich in einer abgelegenen Hütte tief im Wald. Folge meinen Markierungen und du kommst zu dem Ort, an dem ich früher lebte. Ich vertraue dir, dass du mithilfe dessen und den Infos, die du dort finden wirst, Rache üben kannst.

Meine Zeit ist hiermit am Ende. Ich gebe mein Leben für deines. Ein Leben für ein anderes.
Dieses Motto hast du in deinem Buch niedergeschrieben und ich erfülle dies hiermit.

Viel Erfolg auf deiner neuen Reise. Möge der Glaube an dunkle Magie niemals verschwinden.

Auf nimmer Wiedersehen,
Liu.

Wei WuXian las diesen Brief mehrfach durch und kicherte leise. Da schien ihn aber jemand sehr gut bewundert zu haben. Andersrum konnte er sich nicht mehr genau erinnern, jemals alles in einem Buch abgeschrieben zu haben. So wahr er aber nun hier stand, lief alles nach Plan.

Er nahm das Buch an sich, das schon richtig urzeitlich roch, die Seiten flatterten auseinander und man konnte in dem gedämpften Licht kaum noch was erkennen. Aber die Schrift verursachte schon ein gewisses Herzklopfen.

‚Na dann… mal sehen wo ich gelandet bin, hoffentlich nicht zu langweilig hier...‘

Wei WuXian schritt heraus, die frische Luft gab ihm allmählich die Lebensgeister zurück. Er streckte sich, der Körper knackte behaglich. Das war wohl die erste frische Luft nach so einigen Jahren.

Einige Meter nachdem er etwas holprig durch den Wald gelaufen war, vernahm er ein Geräusch. Eines, welches ihm augenblicklich die Nackenhaare zu Berge stehen ließ.

Hundegebell, von weit fern! Und es kam näher!

Wei WuXian sprang instinktiv hinter einem der Bäume und verteufelte diesen Ort bereits jetzt. In seinen Erinnerungen quillten schreckliche Bilder seiner lange zruückliegenden Kindheit hervor, in der er von diesen Teufelskreaturen namens Hunde gefühlt zu Hackfleisch gebissen wurde.
Im selben Moment dachte er auch an einen anderen Moment zurück von einst.

‚...J...Jin Ling? ...Fairy?‘ ploppte es auf in seinen Gedanken, ehe ein kräftiges, unangenehmes Ziehen folgte.

„BALOU! Jetzt beruhige dich! Es gibt hier keine Geister!!“ rief die Männerstimme, offensichtlich der Besitzer dieses Hundes. Wei WuXian zitterte leicht, und schaute hervor.
Es war kein ihm bekannter Mann, und erst recht kein Kultivator, sondern ein gewöhnlicher Spaziergänger in noch seltsameren Stoffkleidung als Wei WuXian selbst. Er fragte sich, wann dieses hässliche Gemisch aus braun und blau Mode geworden war. Der Hund, den der Mann an der Leine führte, beruhigte sich etwas.

Wei WuXian trat mit Sicherheitsabstand hervor und setzte einen absolut verwirrten, an Trunkenheit anmutenden Gesichtsaufdruck auf. Er schwankte absichtlich etwas umher.

„G-Geister….“

Wie sehr er es insgeheim vermisst hatte, jemand anderen zu spielen. Vielleicht war es doch nicht so verkehrt, wieder am Leben zu sein!
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