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Wie Phönix aus der Asche

von Fin-chan
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18
Mamoru Chiba / Tuxedo Mask / Endymion Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II
28.01.2020
01.11.2020
32
145.728
42
Alle Kapitel
224 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
09.10.2020 4.242
 
Hallo meine Lieben!

Ich wollte euch jetzt einfach nicht mehr länger warten lassen und habe mich entschlossen, dieses Kapitel nun doch schon enden zu lassen. Eigentlich hatte ich es noch eine Sequenz länger geplant, aber ich fand dann doch, dass ich es auch an diesem Handlungspunkt abschließen kann. Hoffentlich wird euch die Story nicht zu langatmig. Es dauert nun aber nicht mehr lange, bis endlich ein paar Geheimnisse gelüftet werden.  Ich möchte euch an dieser Stelle auch noch einmal meinen allerherzlichsten Dank aussprechen für die vielen lieben Herzchen, Sternchen (33, Wow, ich werd nicht wieder!) und vor allem für eure zahlreichen Reviews! Ihr seid meine besten Motivatoren! Bitte, bitte macht  immer weiter so!
Nun wünsche ich euch erstmal viel Spaß beim Lesen!

Liebe Grüße und ein wunderbares Wochenende von der Fine
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Verdattert stolperte Bunny hinter Makoto her und ließ sich von ihr um die Ecke, ein Stück den Gehweg entlang auf das ihr bereits wohlbekannte Crown Game Center zu ziehen. Die hochgewachsene Braunhaarige wirkte dabei so entschlossen, dass sich Bunny gar nicht erst traute, irgendeine Form von Widerstand zu leisten. Dass sie sie dorthin begleiten würde, hatten sie doch bereits besprochen gehabt. Warum umklammerte die junge Frau nun ihr Handgelenk, als hätte sie Angst, dass sie ihr davonlaufen könnte? Sie tauschte einen ratlosen Blick mit Jace, der ein klein wenig beunruhigt wirkte, während sie durch die automatischen Schiebetüren traten.

„Hey Motoki!“, begrüßte die Braunhaarige den blonden Kellner, der gerade mit einem Tablett in der Hand hinter den Tresen zurückgekehrt war. „Es gibt heute nur Eclairs und Muffins! Leb damit! Ich muss jetzt zu den Anderen! Machst du unserer Bunny hier einen Milchshake und dem Herrn…“, sie musterte Jace einen Moment lang abschätzig, bevor sie sich wieder umwandte,“… einen Kaffee – den mit 95 Prozent Arabica-Bohnen aus Costa Rica? Geht beides auf mich. Zieh es vom Gebäck ab.“ Sie schob Bunny beherzt auf einen der Barhocker zu, so dass dieser gar nichts anderes übrig blieb als Platz zu nehmen. Ihr Freund mit den Dreadlocks tat es ihr gleich.

„Äh, klar Makoto! Ist was passiert? Du wirkst so abgehetzt!“ Motoki sah sie besorgt an, wandte sich dann aber an seine neuen Gäste, um sie zu begrüßen und sich Jace kurz vorzustellen.

„Gerade passiert so einiges.“, murmelte sie mehr zu sich selbst als dass sie die Antwort an Motoki richtete. Sie wollte sich schon zum Gehen wenden, da drehte sie sich noch einmal herum.
„Ähm… das klingt jetzt vielleicht merkwürdig, Motoki! Aber schickst du Bunny in fü.. zehnuaaaa… sagen wir einmal fünfzehn Minuten hinter mir her? Oder ich hole sie… Nein, zeig ihr den Weg zum Kontrollraum und lass sie vor der Tür warten.“

„So viel Zeit hab ich leider gar nicht.“, traute sich die kleine Blondine nun etwas eingeschüchtert zu piepsen, „Ist nicht schlimm. Vielleicht lerne ich die Anderen ja ein anderes Mal kennen…“ ‚Kontrollraum? Ach du meine Güte!‘, dachte sie verunsichert. Das klang nach Batman, den Power Rangers oder einer geheimen militärischen Einheit. Nicht nach einem lockeren Treffen auf einen Kaffee, so wie sie sich das hier vorgestellt hatte. Vielleicht gab es einen guten Grund, dass Mamoru sie nicht einmal gefragt hatte, ob sie ihn zu diesem Treffen begleiten wollte.

„NEIN!“ Makotos Gegenüber zuckten erschrocken zusammen ob ihres plötzlichen, schrillen Ausrufes. „Dann müssen eben fünf Minuten reichen! Okay?“ Die Brünette hatte Bunnys Hand ergriffen und schaute sie flehend an.

„O-okay.“, stotterte die Angesprochene und lächelte die junge Frau schwach an. Makoto lächelte erleichtert zurück, drückte noch einmal ihre Hand und verschwand dann mit großen Schritten um die Ecke.

Als sie die Treppe nach unten lief, hörte sie durch die angelehnte Tür bereits gedämpfte Stimmen.

„Beim Yorokobi gab es also keine Auffälligkeiten? Das ist wirklich erstaunlich, wo die Monster doch gestern Abend im restlichen Tokio aus der Erde geschossen sind, wie Pilze nach einem Dauerregen.“ Das war Reis Stimme.

„Naja, Auffälligkeiten gab es schon. Auch wenn alles weitestgehend friedlich geblieben ist. Der Organisator, dieser Tommi Hill… Ihr hättet seine Eröffnungsrede hören sollen.“, antwortete jetzt Michiru, „Versteht mich nicht falsch – sie war perfekt – aber so, wie die Menschen auf ihn reagiert haben… Das war nicht normal! Sie haben ihn verehrt wie einen… ja, beinahe wie einen Gott.“

„Ist das nicht der Sänger der „Supermassive Black Holes“?“, warf Minako ein, „Er hat eine gigantische Fangemeinde.“

„Ich find ihn nett!“, hörte Makoto die fröhliche Stimme von Haruka.

„Haruka!“ Michiru klang jetzt ärgerlich. „Du hast doch neben mir gestanden, als wir das Festivalgelände verlassen haben und wir hörten, wie diese zwei Besucher diesen Dealer abgewimmelt haben.“

„Daran ist weder etwas ungewöhnlich, noch verwerflich.“

„Aber es war recht deutlich, dass sich die drei eigentlich kannten. Wahrscheinlich kommen sie normalerweise miteinander ins Geschäft. Aber die zwei Männer haben ihm gegenüber genau die gleichen Worte gebraucht, wie Hill in seiner Rede: ‚Drogen vergiften den freien Geist und der ist ein einzigartiges Gottesgeschenk.‘ Es war, als würden sie in einer Art Trance sprechen. Ich glaube, dass er die Menschen irgendwie beeinflusst. Mamoru hat auch gesagt, dass er dem Kerl nicht traut.“

„Und dafür habe ich gute Gründe.“, murmelte er, den Blick fest auf den Boden gerichtet.

Makoto stand in der Tür und musterte den Schwarzhaarigen argwöhnisch. Bisher hatte sie noch niemand bemerkt, so sehr waren alle in ihre Gedanken vertieft. Sie war so unendlich… ja, was überhaupt? Sie begann wieder zu zittern. Eine Vielzahl von Empfindungen bemächtigte sich ihres Körpers und gerade im Moment hatte sie das Gefühl, weinen, lachen, sich übergeben, in Ohnmacht fallen und/oder irgendjemanden verprügeln zu müssen. Vorzugsweise einen hochgewachsenen Anzugträger mit Maske, auch wenn der gerade in zivil war. Und das alles gleichzeitig.

„Oh, da bin ich mir sicher!“ ,kam es nun wieder von Haruka, „Ist ‚Eifersucht‘ möglicherweise einer davon?“

Mamorus Blick schoss in die Höhe und begegnete dem von Haruka. „Dazu habe ich keinen Grund.“, antwortete er nüchtern.

Die anderen Sailor-Kriegerinnen sahen sich irritiert an.
Und Makoto begriff. Natürlich! Haruka und Michiru mussten ihr bereits begegnet sein – gestern Abend beim Yorokobi, das sie nach ihrem Auftritt auskundschaften wollten. Wahrscheinlich waren sie Mamoru und Usagi gemeinsam begegnet und hatten ebenfalls schon mit ihr sprechen können, bis sie über die Kommunikatoren in die Stadt gerufen worden waren, um dort zu helfen, der eskalierenden Situation auf Tokios Straßen Herr zu werden.  DESHALB hatte Haruka so groß angekündigt, dass sich Mamoru zu ihrem gemeinsamen Treffen gesellen würde und auch etwas beizutragen hätte.

„Mamoru, willst du nicht endlich sagen, was für Neuigkeiten du für uns hast?“, fragte Luna, die auf dem Tisch neben einem Monitor saß, vor dem wiederum Ami auf einem Drehstuhl Platz genommen hatte. Auf dem Bildschirm konnte man eine 3D-Karte von Tokio erkennen. „Wer weiß, was Makoto aufgehalten hat und wann sie bei uns sein kann. Wir können sie doch auf den neusten Stand bringen, wenn sie da ist. Hast du gestern etwas über den Feind herausgefunden?“

„Sie sollte aber wirklich dabei sein…“ Mamoru starrte nun wieder auf den Boden.
Er wirkte ungeheuer angespannt, ein wenig bitter und irgendwie auch… ängstlich? Konnte das sein? Der große Erdenprinz hatte Angst? Vor was? Vor ihren Reaktionen? Sicherlich nicht. Makotos Gedanken überschlugen sich.
Mamoru hatte Usagi bereits vor einer Woche getroffen, es irgendwie geschafft, eine romantische Beziehung zu ihr aufzubauen trotz ihres Gedächtnisverlustes und seitdem wahrscheinlich jede freie Sekunde mit ihr verbracht.
Makotos Herz wurde ihr schwer und sie sackte ein kleines Bisschen in sich zusammen. Wer konnte es ihm eigentlich verübeln?
Wenn sie auch nur für einen einzigen Tag die Gelegenheit bekommen würde, ihren Nephrite wiederzusehen, sie würde jeden Moment in vollen Zügen genießen und ihn ganz für sich alleine beanspruchen.
Usagi hatte keine Ahnung, wer sie war. Wie sie wohl damit umgehen würde, wenn sie von einer Horde Sailor-Kriegerinnen überfallen werden würde? Wahrscheinlich war DAS seine Angst. Darüber machte er sich Sorgen. Und dabei wusste er noch gar nicht, dass sie oben saß und in wenigen Minuten durch diese Tür kommen würde…

Makoto bekam Schnappatmung, als sie begann, langsam wirklich zu BEGREIFEN.
Sie würde gleich durch diese Tür kommen.
In ihren Kontrollraum.
Wie früher.
Alle waren schon da und sie kam als Letzte. Genau wie früher.
Sie würde da stehen, mit ihrem rosa Rock und der karierten Bluse und sie alle anstrahlen mit ihrem unnachahmlichen Usagi-Lächeln, das jeden Raum erleuchtete, wie der Mond den Nachthimmel.
Das würde sie tun. Weil sie lebte.
Sie war am Leben!
Usagi Sailor Moon Princess Serenity Tsukino lebte!
Natürlich tat sie das! Sie war schließlich unbesiegbar! Wie hatten sie nur jemals daran zweifeln können?

Mit einem Schlag war Makotos Wut verraucht und machte Platz für Glück.
Glück und Fassungslosigkeit.
Und schon wieder musste sie flennen.

„Ich bin schon da!“, sagte sie schwach lächelnd, während ihr die Tränen erneut fortwährend die Wangen hinabliefen.

Alle Anwesenden fuhren zu ihr herum und musterten sie mit großen Augen.

„Was ist denn mit dir passiert?“ Minako klang mehr als besorgt und machte ein paar Schritte auf sie zu, doch die Braunhaarige winkte ab.

„Ich bin echt sauer, Mamoru!“, näselte sie schniefend, „Du hättest uns wenigstens vorwarnen können! Aber gut! Los! Nun erzähl es schon endlich!“

<3 <3 <3 <3

Im Café-Bereich hielten sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal eine Handvoll Menschen auf und dort, wo sich die Spielautomaten befanden, herrschte momentan gähnende Leere. Bunny versuchte sich zu recken, hatte aber absolut keinen Einblick in den Abschnitt, in den Makoto gelaufen war. Sie drehte sich um und sah, dass Motoki der Konditorin ebenfalls gedankenverloren und extrem beunruhigt hinterher blickte. Dann schüttelte er beinahe unmerklich seinen Kopf, machte sich daran, die Behälter mit den Gebäckstücken auszupacken und den bestellten Kaffee aufzubrühen.
Noch immer etwas abwesend fragte er, während er mit dem Wassertank des Automaten hantierte: „Mit was für einer Art von Milchshake kann ich dich denn heute glücklich machen, Usagi-chan? Schokolade mit doppelt Schokoladeneis, Schoko-Soße und Streuseln, so wie immer?“

Bunny sah sich einen Moment lang irritiert um, weil sie dachte, dass sich möglicherweise noch jemand zu ihnen an den Tresen gesellt hatte, ohne dass sie es mitbekommen hatte. Doch da war niemand außer Jace und ihr, der ihren verwirrten Blick erwiderte.
„Motoki, das klingt wahnsinnig lecker! Das nehme ich gerne! Aber wer ist Usagi-chan?“

Der Kellner erstarrte mitten in seiner Bewegung. Er drehte sich wie in Zeitlupe herum und runzelte seine Stirn, als würde er etwas bestimmtes nicht begreifen können. Mannomann, diesen Blick schienen die Leute hier in Tokio für sich gepachtet zu haben. Ob das der Stress machte, dass die Menschen hier irgendwie chronisch durcheinander zu sein schienen? Die Japaner arbeiteten einfach zu viel. Bei ihrer Museumstour am Donnerstag hatte sie einer jungen Frau mit kinnlangen brauen Haaren geholfen, den Inhalt ihrer Tasche wieder einzusammeln, den sie versehentlich auf dem Boden verteilt hatte. Sie und ihr Freund, der eine auffällige dicke Brille trug, hatten genau den gleichen Blick draufgehabt.

„Ich habe keine Ahnung!“, sagte er langsam und starrte einen Moment ins Leere. Dann sah er ihr in die Augen und sie hatte den Eindruck, dass er sie in diesem Augenblick das erste Mal richtig ansah. Irgendetwas arbeitete in dem jungen Mann, das konnte sie genau sehen.

„Geht es dir gut?“, fragte sie besorgt und legte ihre Hand auf seine, die er auf dem Tresen abgestützt hatte, „Du wirkst, als würde dich etwas sehr beschäftigen.“

Motoki zuckte mit den Schultern, schüttelte wieder den Kopf und versuchte sich dann an einem schiefen Grinsen, das ihm gehörig misslang.

„Ach, ich glaube, du siehst jemandem irgendwie ähnlich, den ich mal kannte. Ich weiß es nicht. Mach dir keine Gedanken, okay? Dann mache ich es auch nicht…“, den letzten Satz hatte er eher in seinen nicht vorhandenen Bart gebrummelt, während er sich wieder abgewandt hatte, um die Kaffeetasse von Jace zu nehmen und ihm vorzusetzen.

„Du hast hier also eine Art Basisstation für Mädchen mit Superheldenkräften, sehe ich das richtig?“, fragte Jace nun leise mit zusammengezogenen Augenbrauen.

„ICH habe die sicher nicht.“, murmelte Motoki und schaufelte das Eis in den entsprechenden Becher. Ganz offensichtlich fühlte er sich gerade gar nicht wohl in seiner Haut. „Du brauchst keine Fragen zu stellen, das habe ich selbst schon vor langer Zeit aufgegeben. Mehr Worte werde ich zu diesem Thema auch nicht verlieren.“ Er bediente seinen Mixer, schüttete das Getränk in ein großes Glas um, sprühte Sahne aus einer Flasche in einer lockeren Drehbewegung auf die braune Flüssigkeit und krönte das Ganze mit Schokoladenstreuseln,

„Was meinst du damit, dir sind die Streusel ausgegangen?“


bevor er einen Trinkhalm aus dem entsprechenden Fach nahm und ihn durch die Sahne schob.

„Da waren doch Streusel auf dem Shake, Motoki! Veräpple mich nicht! Ach, egal, ich sollte besser gehen… Furu-chan, kann ich dich um einen Gefallen bitten? Sag Mamo nichts von vorhin, okay? Das mache ich selbst…“

Er schob den Shake über den Tresen, drehte sich weg und rieb sich unbemerkt die Schläfen. Was war das denn gerade? Diese Stimme, an die er sich gerade zu erinnern meinte… Hörte die sich nicht genauso an, wie die von der kleinen Bunny? Warum schossen ihm genau jetzt diese Sätze in den Sinn? Er spürte, wie er Kopfschmerzen bekam. Schon wieder. Seit einer Woche hatte er das Gefühl, dass da irgendetwas mit seinem Gehirn nicht stimmte.

Bunny nahm einen großen Schluck ihres Getränkes, bekam große Augen und leerte das Glas in vier großen Zügen.

„Whoa, war das lecker!“, stieß sie etwas atemlos hervor.

„Du bist echt ein medizinisches Wunder!“, sagte Jace kopfschüttelnd und musterte sie ungläubig, „Jeder normale Mensch würde jetzt Hirnfrost bekommen und sich im Anschluss übergeben.“

„Wie gut, dass ich kein normaler Mensch bin!“ Sie zwinkerte ihm vergnügt zu.

„Der Kaffee schmeckt übrigens fantastisch, Motoki!“

„Da hat dich Makoto wohl richtig eingeschätzt, was? Es gibt nur eine Handvoll Stammgäste, die diese Sorte bevorzugen. Mamoru gehört übrigens auch dazu.“ Motoki sah auf seine Armbanduhr und wandte sich an Bunny. „So, damit wären die fünf Minuten auch schon vorbei. Dann wollen wir mal. Ich muss nicht verstehen, warum sie dich in ihr Heiligtum bitten, oder? Hast du etwas angestellt?“

Bunnys Herz schlug ihr bis zum Hals. Sie schüttelte nervös den Kopf.
„N-nicht, dass ich wüsste…“ Motoki ahnte ja nichts von ihren Besonderheiten. Auf ihn musste die ganze Situation tatsächlich ziemlich merkwürdig wirken.

Sie selbst war mittlerweile mehr als aufgeregt. Das war jetzt irgendwie alles so furchtbar offiziell! Was sollte sie sagen, wenn sie in den Raum kam? ‚Hi‘ oder lieber ‚Hallo‘? ‚Guten Tag, es ist mir eine Ehre‘? Nein, das klang zu gestelzt. ‚Oh Mann, Mamo-chan ist ja auch dabei. Ob ich ihm vor den Anderen einen Schmatzer geben darf, zur Begrüßung? Ach nein, das ist albern. Wir haben uns ja vorhin erst gesehen und niemand schaut anderen Leuten gerne beim Küssen zu. Vielleicht ist es ihm auch unangenehm. Er wollte mich ja eigentlich gar nicht dabei haben, glaube ich zumindest…‘ Sie biss sich auf die Unterlippe.

„Na, was ist? Kommst du?“, fragte der Blonde, zwinkerte ihr freundlich zu und nickte in die entsprechende Richtung.

„Ich komme mit!“ Jace war aufgestanden und wirkte sowohl entschlossen, als auch neugierig.

„Oh, Kumpel, das tut mir leid aber das geht nicht so einfach. Also Makoto sprach ja nur von Bunny und äh… Ich würde mich nicht so recht wohl dabei fühlen, einem Fremden Zutritt zu verschaffen. Nichts für ungut!“ Motoki schien sich ein wenig zu winden.

„Entweder ich bin dabei oder der Fratz bleibt draußen.“, sagte der Australier gelassen und trank den letzten Schluck seines Kaffees. Die anderen beiden sahen ihn überrascht an.
„Shin bringt mich um, wenn ich sie irgendwo alleine hingehen lasse.“

„Aber Mamoru ist doch auch dort!“

„Das kann ich leider erst einhundertprozentig glauben, wenn ich ihn gesehen habe.“ Jace drehte sich zu Bunny, fasste sie bei den Schultern und sah ihr liebevoll in die Augen.
„Mein lieber kleiner Fratz, wo auch immer du jetzt hingeführt wirst sammeln sich wahrscheinlich die einzigen Menschen auf der Welt, die dir wirklich gefährlich werden könnten. Da KANN ich dich nicht alleine lassen. Ich muss doch auf dich aufpassen, wenn es brenzlich wird.“

„A-aber hier wird doch nichts brenzlich, Jace! Außerdem machst du dir doch auch sonst nicht so einen Kopf um mich!“

„Das mache ich IMMER, Fratz! Ich will dir doch auch gar nicht reinreden. Ich bin einfach bei dir, um dich zu unterstützen, so wie bei deiner Mini-Demo in Nigeria, deinem Putsch-Versuch in Russland und dem Castor-Transport.“

Sie holte tief Luft und hob ihren Zeigefinger. „Das Letzte war DEINE Idee gewesen!“

„Siehst du? Wir sind füreinander da. Außerdem bummelst du doch wieder, wenn ich nicht auf die Zeit gucke!“

Sie seufzte ergeben. „Motoki, meinst du, du könntest für uns eine Ausnahme machen?“

Der Angesprochene rieb sich die Nasenwurzel. Was zum Teufel redeten die da? Das war doch wieder so ein merkwürdiges Sailor-Ding, in das er da hineingezogen wurde, oder? Die Kriegerinnen sollten der süßen Bunny, in die Mamoru so verschossen war, gefährlich werden können? Warum? ‚Nein, nein, keine Fragen stellen, Motoki! Bloß keine Fragen stellen!‘
„Na gut, kommt schon mit. Makoto wirkte, als ob es wichtig wäre und schließlich hat sie nicht gesagt, dass er nicht mitkommen darf!“ Er zuckte hilflos mit den Schultern und ging voran.

Der Bereich um die Spielautomaten war noch immer leer, sodass Motoki unbemerkt einen Schlüssel in eine Öffnung hinter dem Sailor-V-Automaten stecken konnte. Eine Bodenplatte senkte sich mit einem leisen Kackgeräusch, fuhr automatisch zur Seite und gab eine Treppe frei, die nach unten führte.

„Wow!“, entfuhr es der Blondine.

„Am Ende der Treppe findet ihr die Tür zum Kontrollraum. Klopft einfach an. Die werden euch schon reinlassen.“

Mit wackeligen Knien stieg Bunny, dicht gefolgt von Jace, die Stufen hinab. Es herrschte eine fast unwirkliche Beleuchtung hier und ihre Schritte hallten laut durch die Dunkelheit, wenn ihre Füße auf die Metallstufen traten. Kurz zuckte sie zusammen, als sich die Luke über ihnen wieder schloss und mit einem Klicken einrastete. Doch gleich danach richtete sie den Blick wieder nach unten. Da drangen ungewöhnliche Geräusche zu ihnen herauf. Sie konnte laute, aufgeregte Stimmen hören und außerdem meinte sie mehrmals, ein Krachen zu vernehmen.

„Mercury Crystal Power! Make up!“

Was war das denn? Was war da unten los? War ihr Mamo-chan in Schwierigkeiten? Eilig hüpfte sie nun, immer mehrere Stufen auf einmal nehmend, die Treppe hinunter, bis sie schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit eine schwere Metalltür erkennen konnte. Sie hörte ein wütendes Kreischen.

„ICH MACH DICH KALT!“

„Rei, verdammt! Du kannst hier nicht alles in Brand stecken!“

Sie wollte anklopfen, aber als ihre Faust gegen das kalte Metall prallte, bemerkte sie, dass die Tür wohl nur angelehnt war und stieß diese entschlossen auf.
Es offenbarte sich ihr ein wirklich seltsames Bild. In einem Raum, in dem sich mehrere Monitore, sowie diverse undefinierbare Messinstrumente befanden, waren mehrere Stühle, sowie ein Tisch umgestürzt. Außerdem waren Pfützen auf dem Boden und Rußspuren an den Wänden. Makoto hatte eine schwarzhaarige junge Frau, die eine Art Matrosenkleid mit einem winzigen roten Röckchen und farblich dazu passenden Pumps trug und schrie wie eine Furie, an der Hüfte gepackt und versuchte, sie von einem finster dreinblickenden Mamoru wegzuzerren, den sie offenbar am Kragen packen wollte. Eine weitere Frau mit blauen Haaren und einem Matrosenkleid in der gleichen Farbe stand daneben und stammelte irgendetwas, das der Tonlage nach zu urteilen anscheinend beruhigend auf die Schwarzhaarige wirken sollte, aber weder Sinn ergab, noch Gehör fand. Eine blonde Frau war auf einem Stuhl zusammengesunken und hatte das Gesicht in ihren Händen vergraben. Auf einem Tisch standen zwei Katzen und starrten Bunny erschrocken und irgendwie bestürzt an. Konnten Katzen bestürzt gucken? Offensichtlich! Denn diese beiden Exemplare taten genau das!

„Fratz! Hau ab! Ich geb‘ dir Rückendeckung!“, hörte sie Jace hinter sich wispern, aber sie dachte ja gar nicht daran, jetzt abzuhauen.
Sie stürzte in den Raum und baute sich schützend vor Mamoru auf, der scharf die Luft einzog, als er sie bemerkte.

„ALSO ICH HABE JA KEINE AHNUNG, WAS HIER LOS IST ABER ICH FINDE, WIR SOLLTEN UNS ALLE DRINGEND MAL ETWAS BERUHIGEN!“

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Einen Moment lang fragte sie sich, ob sie  vielleicht auch im Stande war, die Zeit anzuhalten und sie diese Fähigkeit gerade zum ersten Mal versehentlich angewendet hatte, denn einige Sekunden lang passierte absolut überhaupt nichts.
Alle starrten sie an.
Mit ganz großen Augen.
Im nächsten Moment packte sie Mamoru von hinten, wirbelte sie herum und drückte sie fest an sich, wobei er ihr Gesicht an seiner Brust barg.

„Keine Sorge, meine Prinzessin! Hier ist alles in Ordnung. Wir hatten nur eine kleine… Meinungsverschiedenheit.“

Sie konnte seinen rasenden Herzschlag hören. Wenn diese Meinungsverschiedenheit KLEIN gewesen war, dann wollte sie nicht wissen, wie die Sailor-Krieger einen handfesten Streit austrugen.

„Was machst du hier, mein Herz?“
Seine Stimme war ganz sanft aber sie konnte deutlich aus seinem Unterton schließen, dass es ihm nicht besonders gelegen kam, dass sie hier so einfach hereinmarschiert war. Sie wollte sich etwas lösen, um sich zu erklären, aber er hielt sie noch immer fest umklammert.

„Ich wollte euch sagen, dass ich sie mit hergebracht habe… aber zu dem Teil waren wir noch nicht gekommen.“ Das war Makotos Stimme. Sie hatte wohl von ihrer stürmischen Begegnung in der Konditorei berichtet.

„Wenn ich ungelegen komme, dann…“

„Du bist immer willkommen, Mondgesicht!“, hörte sie Haruka sagen, „Es ist dein Recht, hier zu sein und du kannst davon Gebrauch machen, wann immer du willst!“

„Das ist aber lieb!“ Sie freute sich richtig. Aber ob sie den anderen auch so willkommen war? Warum ließ Mamoru sie denn nur nicht los?

„Das ist also Bunny, von der ich euch eben erzählt habe. Sie wollte euch gerne kennenlernen und das passiert nun… etwas eher, als gedacht.“ Warum klang Mamorus Stimme so angestrengt? Sie konnte auch deutlich fühlen, dass jeder Muskel seines traumhaften Astralkörpers angespannt war. Oh je, sie hatte ihn hier offensichtlich vollkommen überrumpelt.

Eigentlich hätte sie nun gerne freundlich in die Runde gewunken, auch um die Situation vielleicht ein klein wenig zu entkrampfen, aber das ging aus ihrer derzeitigen Position heraus einfach nicht.

Sie wusste nicht, wie lange sie so dagestanden hatten , als sie plötzlich fühlte, wie sich schlanke Arme von hinten um sie schoben und ein Kopf an ihre Schulter gelehnt wurde.

„Äh…?“

„Hallo, ich bin Rei!“, flüsterte die Frau, die gerade an ihren Haaren schnupperte(?)!

Ein weiterer Körper drückte sich von der Seite an sie und schien sich an der Umarmung zu beteiligen. „Und ich bin Minako.“, gab eine zittrige Stimme preis.

Dann kam noch ein schmaler Körper von der anderen Seite auf Tuchfühlung. „Ich bin Ami!“

„Die Frau mit den Bentos?“, nuschelte Bunny in Mamorus Brust.

„Genau.“ Sie fühlte, wie der Haarschopf, der ihr Ohr kitzelte, auf und ab bewegt wurde. Das deutete sie mal als nicken.

„War sehr lecker!“, nuschelte Bunny wieder und versuchte, etwas Luft zu bekommen.

„Hat Makoto gemacht.“, antwortete Ami leise, ohne Anstalten zu machen, sich wieder zu lösen.

„Ach sooo!“ Jetzt schloss sich der Kreis und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Gruppe wurde noch ein wenig mehr zusammengedrückt.

„Mich kennst du ja schon!“ Das war Makoto und Bunny musste grinsen. War das hier ein spezielles Sailor-Begrüßungs-Ritual? So skurril und seltsam diese Situation von außen aussehen musste – irgendwie fühlte sie sich gerade sehr wohl, auch wenn ihr ein klein wenig die Luft wegblieb. Als ‚sehr vereinnahmend‘ hatte Mamoru die jungen Frauen beschrieben. Ob er diese Art des Umgangs miteinander meinte? Hier schienen sich alle sehr nahe zu stehen und wahrscheinlich freuten sie sich mit ihrem Mamo-chan, dass er jemanden kennengelernt hatte, nach der langen Zeit der Trauer. Die Bestätigung dafür erhielt sie, als sich nach einer gefühlten Ewigkeit alle so nach und nach wieder voneinander lösten und sie wie schon bei Michiru am Abend zuvor, Tränen in den Augen der jungen Frauen glitzern sah. Sie versuchte noch einmal zu rekapitulieren, welcher Name zu welcher Person gehörte und erntete begeistertes Kopfnicken, als sie auf Anhieb alle richtig zuordnen konnte. Mamoru dagegen war die ganze Zeit über sehr still und ließ ihre Hand nicht ein einziges Mal los.

Ein verlegenes Räuspern durchbrach unvermittelt die gerade entstandene peinliche Stille.
„Äh, Fratz, es tut mir ja leid, dass ich störe, aber wir müssten dann wirklich so langsam zurück.“

Bunny erschrak. Ihren Lieblingsaustralier hatte sie beinahe vergessen und ihren Job auch. Den Anderen war anhand ihrer erstaunten Gesichtsausdrücke anzumerken, dass sie den Mann im Türrahmen gerade erst wahrnahmen. Sie stellte ihn eilig vor und wollte sich gerade verabschieden, als Jace noch einmal einhakte.

„Wenn ihr Lust habt – kommt doch zum Yorokobi! In zwei Stunden geht es im Programm weiter.“

„Oh, das wäre toll!“ Bunny klatschte begeistert in die Hände. „Aber lasst euch ruhig Zeit! Es reicht, wenn ihr heute Abend da seid!“

Jace lachte. „Nein, nein, ihr verpasst was, wenn…“

„WIR MÜSSEN JA JETZT SOWAS VON LOS!“, brüllte Bunny plötzlich, stürmte aus dem Raum, riss ihren Kumpel im Vorbeigehen mit sich, indem sie ihn am Ärmel schnappte und schon war sie durch die Tür.

Einen Augenblick später tauchte sie noch einmal auf, verbeugte sich höflich und presste dabei die Handflächen vor der Brust zusammen.
„Entschuldigt bitte! Das war unhöflich! Es war so schön, euch alle kennenzulernen!“ Dann drehte sie sich auf dem Absatz herum und hechtete die Stufen hinauf. Sie schien wirklich, spät dran zu sein.

Rei zuckte, wollte ihr nachlaufen, doch Minako hielt sie am Handgelenk zurück.
"Wir sehen sie nachher wieder! Versprochen!", presste sie unter Tränen hervor, "Aber zuerst müssen wir reden!" Die Schwarzhaarige nickte benommen und dann wandten sie sich zu ihm um. Alle.
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