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Wie Phönix aus der Asche

von Fin-chan
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18
Mamoru Chiba / Tuxedo Mask / Endymion Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II
28.01.2020
01.11.2020
32
145.728
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Dieses Kapitel
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28.01.2020 2.376
 
Hallo liebe Leute,
meine erste Geschichte wird vermutlich ein recht buntes Potpourri aus Elementen von Manga und Serie, sowie vielen eigenen Ideen.
Ich bin gespannt, ob sie Gefallen findet. Wie gesagt - ich übe noch...
Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen!
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Die Nacht der Nächte

Fröstelnd und leicht genervt trat sie von einem Fuß auf den anderen. Zwanzig Minuten schon standen sie in dieser nicht enden wollenden Schlange vor einer von Tokios beliebtesten Diskotheken. Ihre lärmenden Begleiter, die leider schon auf dem Weg zu Fuß und in der U-Bahn „vorgeglüht“ hatten, wie sie es nannten, trugen ihren Teil dazu bei, ihre Laune nicht eben zu heben. Sie hatte sie alle furchtbar gern aber manchmal war es durchaus unangenehm, sich mit ihnen in der Öffentlichkeit zu zeigen.
Da wurde sie auch schon von der Seite angestupst.

„Hey, was machst du denn schon wieder für ein Gesicht? Mach dich mal locker, heute Abend wollen wir Spaß haben!“
Sie musterte ihren guten Freund Tommi, der sie soeben angesprochen hatte, kritisch. Typisch Rockstar, als der er sich fühlte, sah er mit seiner verrückten Frisur etwas schrill aus – ringsherum abrasiert trug er den Rest seiner Mähne, die er sich noch gelassen hatte, aktuell in rot und schwarz (vor wenigen Tagen noch grün) und zu allen Seiten gegelt, sodass er aussah wie ein frisierter Igel im Farbrausch. Aus seinem bärtigen Gesicht funkelten sie seine dunklen Augen, wie stets, spitzbübisch an.

„Mann, ich friere, es war ein langer Tag, ich hab keine Lust mehr.“, maulte sie. „DU hast gesagt, in Tokio ist es um diese Jahreszeit auch nachts heiß, da braucht man keine Jacke. DU hast versprochen, dass ihr euch in der Bahn benehmt…“ Sie fuchtelten mit ihrem Zeigefinger vor seinem Gesicht herum.

„ICH konnte nicht ahnen, dass wir da in das Abteil für Frauen und Kinder geraten sind – ich wusste bisher ja noch nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt. Und ich konnte auch nicht ahnen, dass es nicht angebracht ist, hübsche Damen in ebenjenem Abteil…“

„Alkoholisiert“, warf sie ein.

Er rollte mit den Augen und sprach weiter: „…  anzusprechen. ICH konnte AUCH nicht ahnen, dass gerade heute Abend eine kühle Brise vom Pazifik herüberweht, wo der japanische Sommer sonst für seine warmen Nächte bekannt ist. Und ERSTRECHT kann ich überhaupt absolut gar nichts dafür, dass du dich geweigert hast, an unserem Umtrunk teilzunehmen. DANN wäre dir jetzt nämlich weder kalt, noch irgendetwas peinlich und du hättest schon genauso viel Spaß wie wir.“

Nun war er es, dessen Finger belehrend vor ihrem Gesicht in die Höhe gehalten wurde. Dann besann er sich offensichtlich, drückte den Finger auf ihre Nasenspitze und machte: „Möp!“

Nun konnte sie nicht anders und musste kichern.
„Mensch, Honey-Bunny, entspann dich! Heute Abend können wir selber mal feiern…“
„Als ob ihr das nicht jeden Abend machen würdet.“, kam es nun wieder von ihr.
„Ja, aber heute bedeutet es für keinen von uns Arbeit und morgen können wir alle ausschlafen.“

Bei dieser Aussicht seufzte auch sie glücklich.
„Stimmt, hast recht, ich bemühe mich, nun Spaß zu haben und euch nicht weiter die Laune zu verderben, wobei ich noch kurz erwähnen möchte, dass DU mich überhaupt erst überredet hast, mitzukommen.“

Jetzt wurde von der anderen Seite väterlich ein Arm um ihre Schultern gelegt. Jace, mit seinen langen, blonden Dreadlocks, die er heute ordentlich, soweit das möglich war, zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, zwinkerte ihr zu und sagte versöhnlich: „Mein lieber, kleiner Fratz, es ist Tradition. Wir machen das immer, bevor es anstrengend wird und seit du uns vor zwei Jahren zum ersten Mal angefleht hast, dich mitzunehmen, gehörst du nun einmal dazu.“

„Genau“, kam es nun gespielt theatralisch von Ian, „es würde uns das Herz brechen, wenn du plötzlich nichts mehr mit uns zu tun haben wollen würdest!“ Der kleine rothaarige fiel vor ihr auf die Knie und hob flehend seine Hände: „Das kannst du uns nicht antun!“
Leute, die vor ihnen in der Schlange standen, begannen sich, nach ihnen umzudrehen und miteinander zu tuscheln.
Doch statt sich nun so richtig unwohl zu fühlen, musste sie endgültig lachen. Sie zog Ian wieder auf die Füße und kicherte: „Als ob das möglich wäre.“

Nun schaltete sich Aron ein, bis eben noch ausgelassen, schien er sich nun wieder, was so typisch für ihn war, als Vernunft und Gewissen der Gruppe zu fühlen: „Leute, es geht weiter. Wir müssen jetzt seriös wirken, sonst lassen die uns nicht rein.“

Er rückte seine Brille zurecht und strich sich seine glatten, schwarzen Haare noch glatter, was alle anderen amüsiert grunzen ließ.
Sie rückten in der Schlange ein ganzes Stück weiter vor und kamen nun kurz vor dem roten Band, das die Türsteher gerade wieder über den Teppich zogen und in der kleinen goldenen Säule einhakten, zum Stehen.

Tommi zückte lässig einen Stapel Kärtchen: „Ich habe notfalls ein paar Freikarten als Bestechungsmaterial dabei.“

Aron zog überrascht eine Augenbraue in die Höhe: „Das war ja richtig vorausschauend, eine vernünftige Idee. Das ich das noch erleben darf! Aber dennoch sollten wir unseren Pegel nicht allzu offensichtlich zur Schau stellen.“ Dabei richtete er sich die Krawatte.
Schonwieder mussten alle kichern. „Macht euch nicht lustig, ihr werdet es mir noch danken.“

„Alter, warum hast du überhaupt einen Anzug an, das hat keiner von uns, du bist total overdressed…“ begann sich jetzt Ian mit Aron leise zu zanken, während sie sich bemühten, weiterhin seriös zu wirken.

Tommi nahm sie beim Arm und zog sie ein Stück zu sich: „Apropos ‚vorausschauend‘ – du hast doch das Kondom noch, dass ich dir vorhin gegeben habe?“ fragte er leise.
Sie verdrehte wütend die Augen: „Ich weiß wirklich nicht, warum ich jedes Mal, wenn wir irgendwo hingehen, so ein Ding von dir zugesteckt bekomme…“
„Das weißt du nicht?“, fragte er übertrieben entsetzt und fuhr dann noch leiser dicht neben ihrem Ohr fort: „Wenn ein Mann und eine Frau sich sehr gern haben…“
Dafür boxte sie ihn vor die Schulter. „Das weiß ich schon! Aber ich verstehe nicht, wie du auf die Idee kommst, dass ich mich irgendeinem wildfremden Typen an den Hals werfen könnte…“
Er kicherte: „Aber genau das täte dir gut! Heute könnte deine Nacht der Nächte werden! Genieße deine Jugend! Du musst auch mal ein paar Erfahrungen machen! Sei frei! Entdecke deinen Körper! Vielleicht verliebst du dich sogar, vielleicht auch nicht. Du musst ja nicht den Erstbesten heiraten. Woher weißt du, welche Eissorte deine liebste ist, wenn du nicht wenigstens ein paar davon probiert hast? Dein letzter Typ ist schon so lange Schnee von gestern, dass ich mir langsam Sorgen mache. Und an den Hals werfen musst DU dich niemandem. Du siehst so scharf aus, dass DU dich nicht vor Angeboten retten könntest, wenn du mal deine hübschen blauen Augen aufmachen würdest – wenn ich ja ein paar Jahre jünger wäre…“ Er musterte sie in ihrer engen, schwarzen Jeans, den silbernen Riemchensandalen passend zum silberweißen Neckholder-Top von oben bis unten.
„Ein PAAR Jahre?“ flüsterte sie nun amüsiert. „Zehn, fünfzehn?“ Sie zog ihn gerne mit seinem Alter auf, die Dreißig hatte er schon vor längerer Zeit überschritten.
„Hey, in Rockstar-Jahren bin ich noch ein Küken!“, verteidigte er sich gespielt gekränkt.

Innerlich seufzend rief sie sich ins Gedächtnis, dass sie genau diese Unterhaltung schon zum Einhundertsten Mal führten. Tommi meinte es gut. Da er selbst in „Liebesdingen“ (wenn man seine Vorstellung davon überhaupt mit dem Wort „Liebe“ assoziieren wollte) mehr als abenteuerlustig war, konnte er nicht verstehen, dass sie bisher so wenig Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt hatte, obwohl es – das musste sie zugeben – nicht an Gelegenheiten gefehlt hätte. Sie ließ es niemanden, außer vielleicht ihre liebste Siri – beste Freundin und große-Schwester-, manchmal sogar Mutterersatz, wissen aber da sie Empfindungen anderer Menschen sehr gut lesen konnte, wusste sie eigentlich sehr wohl, was sie zuweilen für eine Wirkung auf Männer haben konnte. Allerdings schüchterte sie das oft eher ein als dass es sie ermutigte. Sie hatte keine Ahnung, was sie mit diesem Wissen anfangen sollte. Ihr „letzter Typ“, ja… Wehmütig dachte sie an Seiya.
Eigentlich ihr einziger Typ… Heute wusste sie, dass es keine Liebe gewesen war – nicht bei ihr. Bei ihm schon.
Sie vermisste ihn trotzdem. Mit seiner lustigen Art war ihr der talentierte Musiker zu einem guten Freund geworden.
Hätte sie es doch dabei belassen. Doch ihre ehrliche Zuneigung zu ihm ( leider platonisch, wie ihr nun klar war), das Wissen um seine Liebe, die sie sehr rührte und die Aufregung der ersten zaghaften Annäherung, hatten ihr Herz höher schlagen und sie dazu verleitet, sich auf ihn einzulassen.
Von Anfang an war da eine Traurigkeit in ihm gewesen, die sie schwer fassen konnte. Statt an ihrer Seite glücklicher zu werden, wie sie gehofft hatte, war diese Traurigkeit über die nächsten Wochen beinahe zu einer Verzweiflung angewachsen, die sie nicht verstehen konnte.
Und dann war er weg – so schnell, wie er bei ihnen aufgetaucht war, so schnell war er wieder verschwunden. Aus dem Nichts ins Nichts zurück – als hätte es ihn nie gegeben.
Nur eine Erinnerung hatte er hinterlassen – die Aufnahme eines Songs, den er mit ihr im Duett eingesungen hatte.
Zwei Jahre war es nun beinahe her und immer noch quälte sie das schlechte Gewissen. Hatte sie, ohne es zu wollen, mit seinen Gefühlen gespielt?
Seitdem war sie stets darauf bedacht gewesen, bei niemandem Hoffnungen zu wecken, die sie nicht erfüllen konnte. Überhaupt war ihr ganzes Leben freakig und verrückt und wahrscheinlich nicht für eine Beziehung geeignet…
Und ihr Körper war noch nie auf einen Mann in ihrer Nähe angesprungen. Zwar konnte sie sie durchaus beurteilen, welche Sorte von Mann sie attraktiv fand und geriet beim Anblick von einem gut durchtrainierten Körper und der Vorstellung von Romantik schon einmal ins Schwärmen aber ganz tief in ihrem Inneren wusste sie, dass da mehr sein musste.
Da lag eine Sehnsucht in ihr, die sie nicht bestimmen konnte. Als würde ihr Herz und ihr Körper in einem Dornröschenschlaf liegen und darauf warten, dass nach hundert Jahren endlich dieser blöde Prinz mit seinem Gaul zu ihr kommen würde, um sie wachzuküssen. Sie musste schmunzeln. <Wann kommt denn nun der blöde Prinz mit seinem Gaul>, das kam nicht von ihr, ein Spruchbild, das sie vor Kurzem im Internet entdeckt hatte und ihre Gefühlslage zuweilen gut beschrieb.

„Na, wo bist du denn schon wieder mit deinen Gedanken?“, holte sie Tommi ins Hier und Jetzt zurück.
„Bei Eissorten.“, kicherte sie, „Und überhaupt, mein lieber Tommi, wieso weißt DU denn immer noch nicht, welche Sorte deine liebste ist? Du hast sie doch nun wirklich schon alle probiert.“
„Ach weißt du, es gibt auch Menschen, die einfach gerne Eis essen und sich da einfach nicht festlegen wollen.“, seufzte er verträumt. Wieder rollte sie mit den Augen. Wie sie ihn kannte, würde er heute Abend mindestens eine neue „Eissorte“ kosten.
„Roll nicht mit den Augen, junge Dame! Achte die Weisheit des Alters!“, mimte er einen alten Mann und hob wieder den Zeigefinger in die Höhe.
„Also doch alt?“, kicherte sie und sie begannen, sie gegenseitig zu knuffen.
„Pssst!“, kam es nun von vorne und sie wurden von Aron mit einem strengen Blick zurechtgewiesen. Das Band wurde entfernt und die fünf wurden unbehelligt eingelassen. Der Beat, der ihnen aus dem Inneren entgegenhallte, versetzte sie augenblicklich in Tanzstimmung. Ruhig schritten sie durch den Eingang, Kleidung hatten sie an der Garderobe nicht abzugeben. Aron bezahlte für sie alle mit Karte und sie betraten das dunkle Zwielicht der Diskothek.
Aron drehte sich zu ihnen um und schrie: „Whoooohooo, wir sind drin! Jetzt lasst die Sau raus!“  
Das quittierten seine Freunde ebenfalls mit ausgelassenem Gejohle. Alle staunten mal wieder darüber, wie schnell Aron in der Lage war, seine Stimmung zu wechseln. Er war wie ein Chamäleon, immer der gegebenen Situation angepasst. Es war heiß, voll und etwas stickig, doch überall wippten gutgelaunte Menschen im Takt der Musik, tranken oder brüllten ihre Begleiter an, um sich bei der enormen Lautstärke verständlich zu machen.

Jace und Ian gingen sofort Richtung Bar, während Tommi und Aron noch kurz interessiert bei zwei leicht bekleideten Mädchen stehen blieben, die Flyer verteilten. „Hey, Honey-Bunny, das wäre doch was für dich!“ lachte Tommi, drückte ihr einen Flyer in die Hand und verschwand lachend in Richtung Bar, während Aron tatsächlich versuchte, eins der Mädchen in ein Gespräch zu verwickeln.

Sie schaute, was ihr da soeben in die Hand gedrückt worden war. „Erotik-Party für tolerante Paare und Singles?“ Dieser Typ! Entnervt zerknüllte sie den Flyer und pfefferte das Papierknäuel im Gehen unbedarft hinter sich, als sie recht nah aus eben dieser Richtung ein empörtes: „Hey!“ vernahm.
Erschrocken fuhr sie herum. Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Da stand der mit Abstand schönste Mann, den sie in ihrem ganzen Leben gesehen hatte. Groß und breitschultrig, mit rabenschwarzem Haar, fixierte er sie mit seinen dunkelblauen Augen. Im nächsten Moment erinnerte sich ihr Herz an seine Aufgabe und begann, doppelt so schnell zu schlagen wie vorher. Dann setzte ihr Gehirn wieder ein. Sie registrierte das Papierknäuel vor seinen Füßen. Ihre Blick wanderte zu seinem Gesicht und wieder zum Papierknäuel. Schlagartig wurde ihr bewusst, dass sie ihm dieses blöde Ding direkt ins Gesicht geworfen haben musste.
„Entschuldigung! Das tut mir schrecklich leid!“, entfuhr es ihr. Hastig ging sie in die Hocke und griff mit zitternden Fingern nach dem verfluchten Flyer, dabei nahm sie einen ihr unbekannten Duft wahr, der ihr kurzzeitig wieder das Denken erschwerte. Man, man, man, war bloß los mit ihr? Sie richtete sich wieder auf und warf ihre goldene Mähne, die ihr ins Gesicht gefallen war, zurück über die Schulter. Unter seinem, nach wie vor undurchdringlichem Blick wurden ihr die Knie weich, ihre Atmung beschleunigte sich. ‚Meine Güte, bin ich blöd. Was hab` ich mir nur gedacht, Müll auf den Boden zu werfen, in einer Disko in Japan, dem höflichsten Land der Erde? Der hält mich doch jetzt für eine ungehobelte Weichbirne…‘
Wieder sah sie ihm ins Gesicht und besann sich, dass sie eigentlich recht schnell herausfinden konnte, was er von ihr hielt. Da war nicht der Anflug eines Lächelns in seinem Gesicht zu lesen, offensichtlich war er ‚not amused‘, so viel stand fest. Sie zwang sich, tief durchzuatmen und etwas ruhiger zu werden. Dann nahm sie wieder seine hypnotischen Augen ins Visier. Die Zeit blieb stehen, die Welt hielt an – was ihr in diesem Moment klar wurde, raubte ihr den Atem…
 
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